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 Kapitel IV - Die Schwarze Sonne

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Bellandrys

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BeitragThema: Kapitel IV - Die Schwarze Sonne   So 08 Jan 2012, 2:16 pm

Kapitel IV - Die Schwarze Sonne

Aktive Charaktere: Allie, Avalos, Jule, Lyna, Irving

Sie folgten Irving.
Die oberen Stockwerke waren wie leergefegt.
Niemand war hier.
Die Kuppel war hell erleuchtet. Inmitten des großen Saales stand eine etwa hüfthohe, fein ziselierte Säule mit einer wertvoll anmutenden Schale darauf.
Wie von Geisterhand schlugen die schweren Flügeltüren zu. Irving drehte sich um. Er lächelte noch immer, aber es wirkte starr, wie eine Maske.
„Nun, dann wollen wir mal das Geheimnis lüften. Kommt, mein Kind. Allie, Ihr und Eure Begleiterin könnt euch dort vorne hinstellen. Die zusätzlichen Bannkreise werden Euch vor ungewollten magischen Eruptionen schützen“, er führte sie zu der Säule. „Legt Eure Hand in die Schale.“
Die Schale war nicht tief. Gerade ausreichend, um die Hand vollkommen untertauchen zu lassen.
Irving sah Jules entgeisterten Blick. „Es ist geschmolzenes Metall, eine Lyriummischung. Aber es ist kalt, nicht glühend. Es wird Euch nicht schaden. Allie wird Euch bestätigen, dass gebundenes Lyrium ungefährlich ist… Nicht wahr Allie?“
Ihre Hand glitt langsam in das Lyrium.
Und dann geschahen mehrere Dinge zugleich:
Die Halle erbebte, und fast zeitgleich loderte ein weißlicher Blitz aus den Linien des Bannkreises, in dem Allie stand. Sie schrie und versuchte sich zu wehren, aber die magische Gewalt entriss ihrem Geist die Kontrolle ihres Körpers. Sie war nicht tot. Doch ihr Geist war jetzt in der Nische des Nichts gefangen. Im Nachgleißen des Blitzes meinte Allie noch eine dunkle Gestalt aus den Schatten wachsen zu sehen, aber sie hatte keine Zeit mehr, zu reagieren.
Lyna griff nach ihrem Bogen. Doch noch bevor sie das Holz berührte, spürte sie etwas Eisiges an ihrer Kehle. Kalter Stahl auf nackter Haut. Ein einzelner Blutstropfen rann ihren Hals herab und verschwand im Dekolletee.
„Versucht es, und Euer Tod sei gewiss. Lasst es, und rettet Euch und alles was für Euch von Bedeutung ist.“
Diese Stimme war süß, säuselnd, süchtig machend, samtig weich. Aber zugleich bedrohlich, misstönend und voller Dunkelheit... und ätzender Selbstgefälligkeit.
Jule wollte etwas tun, aber sie konnte nicht. Das flüssige Lyrium gab ihre Hand nicht frei. Irving hatte die Augen geschlossen und murmelte leise magische Verse. Dann schlug er sie auf.
„Es tut mir leid, mein Kind. Aber zu viel hängt davon ab. Das Schicksal wartet nicht auf die Langsamen.“
Jules Blick huschte von der gefangenen Allie zu Lyna, die sich noch nicht mal traute zu schlucken. Ihr Blick blieb auf dem in schwarz gewandeten Unbekannten hängen. Sie konnte deutlich die geätzten Linien in seinem Schulterpanzer sehen. Aber ihre Augen wurden magisch von der mit Schwärze gefüllten Kapuze angezogen. Zwei grüne Punkte leuchteten darin, wie mit Eisnadeln überzogene, leuchtende Jadestücke.
„Irving! Beginnt!“
Irving wandte sich Jule zu. Er tauchte die Fingerspitzen der linken Hand in das wallende Lyrium. Sie wehrte sich nach wie vor, aber das Metall blieb unerbittlich.
Er begann. Der oberste Lord des Zirkels begann zu rezitieren. Verse uralter Macht, voll mit alter Magie. Er wob ein dichtes Netz an magischer Energie, das sich scheinbar immer wieder formte, zerfloss und sich in Elmsfeuern entlud.
Jule wollte schreien, aber kein Ton verließ ihre Kehle.
Irvings rechte Hand beschrieb magische Symbole und Zeichen. Sie schimmerten in der Luft nach, bevor ihre Energie zerfloss und in das Lyrium einging. Das magische Netz verengte sich immer weiter, geriet in Drehung und schon bald waren sie von einer gleißend hellen Säule aus Licht umschlossen. Bedingt durch die hohe Rotation, verwob sich das magische Geflecht immer weiter, und bildete schließlich ein winziges Band, durchdrungen von blind machender Helligkeit. Und einem Donnerschlag gleich, fuhr das leuchtende Band in das Lyrium, und alles Licht erstarb. So schnell es begann, so schnell hörte es auf. Irving war heftig am atmen, Schweiß stand ihm auf der Stirn.
„Die Magie ist verwoben. Jetzt brecht das Ritual, Avalos! Lasst die andere Elfe gehen, sie wird nicht stören, ich bürge dafür!“
Lyna entging der eingehende, fast flehentliche Blick des Magus nicht.
„Nein. Zu gefährlich.“
„Was habt Ihr vor?! Das könnt Ihr doch nicht tu..“

Avalos wartete nicht darauf, bis der Lord des Zirkels zu Ende gesprochen hatte. Mit einer schnellen Bewegung packte er den Haarschopf der Elfe und riss ihren Kopf mit beinahe brutaler Gewalt zurück und zog ihr den Dolch über den Hals. Gleichzeitig schoss sein Knie vor, und rammte es ihr in ihren Rücken. Sie taumelte vorwärts, hielt sich mit beiden Händen ihren Hals, aber das Blut quoll ihr zwischen den Fingern hervor. Sie versuchte etwas zu sagen, aber kein Ton verließ ihre Lippen. Nur ein roter Faden zog seine Spur an ihrem Mundwinkel Bahn.
Jule wollte schreien. Den Fremden anspringen, der soeben mit einer beinahe tänzerischen Leichtigkeit ihrer Freundin die Kehle durchgeschnitten hatte.
Lyna fiel auf die Knie. Ihr Blick wurde glasig. Sie brach zusammen.
Er stieg achtlos über sie hinweg, ließ sie einfach liegen. Sie röchelte noch, während ihr Blut in Strömen aus ihrem Mund und Hals floss.
Er breitete entwaffnend die Arme aus.
„Alles für den Sieg, Irving. Alles für den Sieg. Ihr wisst, was auf dem Spiel steht. Und ohne Grund töte ich nicht.“
Irving trat zur Seite, mit vor Schreck geweiteten Augen. Avalos zuckte mit den Achseln.
„Ihr könnt versuchen sie am Leben zu halten. Aber beeilt Euch, Magus.“
Er stellte sich jetzt vor Jule. „Habt keine Angst. Es wird nicht lange dauern.“
Ohne weitere Umschweife nahm er nun aus einer verborgenen Tasche an seinem Oberschenkel zwei glänzende Edelsteine heraus. Ein roter, ein schwarzer. Beide leuchteten unheilvoll.
Der Rubin fiel mit einem leisen Platschen in das geschmolzene Lyrium, das jetzt schwach weißlich leuchtete. Doch plötzlich breiteten sich rote Schlieren aus, und ließen es noch heftiger leuchten. Der mattschwarze Obsidian lag noch immer seiner Hand, als er begann zu rezitieren.
„Du scheinst dunkler als die Nacht, du bist älter als das Licht.. Und schauerlich versteckst du dich, seit ewiglich, Schwarze Sonne, du dringst ein und verführst den Geist, du erleuchtest mein Gemüt, du verführst und entweihst, du bist kalt und längst verglüht.“
Er ließ den Obsidian in die brodelnde, und Blasen schlagende, Masse gleiten.
„Du fliegst schneller als das Licht, du bist überall zugleich, doch ohne mich gibt es dich nicht, auf ewiglich, Schwarze Sonne.“
Der Elfe stand das Entsetzen in den Augen geschrieben, das Gesicht zu einer Maske aus tonlosem Schrei und Angst verzerrt.
Mit fließenden Bewegungen zog er seinen Dolch und rammte ihn in das Metall. Gleißendes Licht erfüllte den Saal, und man hörte etwas zerspringen. Ein schmerzhaft schriller Ton entfloh dem Lyrium, das sich mit beachtlicher Geschwindigkeit ihren Arm hinauf wandte. Die lauwarme Masse schien vom Amulett auf ihrer Brust magisch angezogen zu werden. Es umschloss das Medaillon und schlug winzige Wellen.
Avalos trat einen Schritt zurück.
„Erwache!“
Das Metall erzitterte und zog sich zurück. Der ehemals goldene Anhänger, war tiefschwarz geworden... Der Drache war verschwunden, ersetzt durch ein tiefschwarzes Symbol, besetzt mit grünen und silbernen Steinen. Ein Sonnenrad, aber merkwürdig eckig, kantig und perfekt symmetrisch. Das Lyrium verharrte kurz, und schien, wie durch einen Sog, in das Amulett einzusickern. Als es alles verschwunden war, verließ die Starre Jules Körper und sie brach vollkommen entkräftet zusammen.
Avalos war unzufrieden. Warum hatte das Medaillon sie nicht umgehend getötet, nach der Transformation?
Aber letztendlich war es egal. Offenbar war diese Elfe doch weitaus stärker, als selbst er angenommen hatte. Mit tauben Fingern löste er die Kette, und hielt sie in der Faust, betrachtete sie interessiert. Er presste sie an seinen Brustpanzer, und das Schmuckstück brannte sich förmlich ein.
Alle Macht der Schwarzen Sonne, ihrem letzten Diener. Er spürte die unglaubliche Macht. Mit der Zeit würde er lernen sie zu nutzen und gegen seine Feinde zu verwenden.
Irving versuchte zum selben Zeitpunkt verzweifelt Lynas Wunden zu schließen. Letztendlich gewann er den Kampf gegen den Tod.
Mit einem gehauchtem Befehlswort löste er Allies Barriere. Auch sie schlug bewusstlos auf den kalten Steinboden.
„Irving. Es tut mir leid, was geschehen ist. Aber einen anderen Weg gibt es nicht. Das Schicksal wartet nicht auf die Lahmen, verschont nicht die Schwachen und schreitet unerbittlich voran. Bringt sie in ein Quartier. Wenn sie erwachen, werden wir ihnen alles erklären. Alles. Und dann sollen sie entscheiden, ob sie es wagen, die Bürde zu tragen. Ich warte in Eurem Arbeitszimmer auf Euch. Veranlasst alles Nötige.“
Mit schnellem Schritt verließ das Kind der Nacht den Kuppelsaal, und hinterließ einen verzweifelten und grübelnden Irving, eine fast gestorbene und zwei bewusstlose Elfen zurück.


Zuletzt von Bellandrys am So 08 Jan 2012, 5:07 pm bearbeitet; insgesamt 4-mal bearbeitet
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Bellandrys

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BeitragThema: Re: Kapitel IV - Die Schwarze Sonne   So 08 Jan 2012, 2:32 pm

Einige Stunden später, in einem leer stehenden Quartier der Schüler - Turm der Magi

Jule erwachte als erste. Sie blinzelte, und erkannte, dass sie in einem größeren Raum, der mit vielen Betten gefüllt war, untergebracht war. Ihr Kopf schmerzte so, als hätte sie sich diesen gestoßen. Sie blickte sich um und sah Allie und Lyna in zwei weiteren Betten.
„Au...“, sagte sie schmerzvoll, als sie sich aufrichtete und an den Kopf fasste.
Sie erschrak richtig, was war da nur passiert?
Sie stand auf und lief zu den Betten von Allie und Lyna, um diese aufzuwecken.
„Lyna, Allie... los steht auf!“ schrie sie hysterisch und rüttelte regelrecht an den beiden, in der Hoffnung, dass sie diese dadurch wecken könnte.

Zur selben Zeit, in einem noch unbekannten Raum - Turm der Magi

Avalos starrte aus dem Fenster.
„Sie sind wach. Lasst sie von Templern hierher eskortieren. Und nehmt der Magierin vorher den Stab ab. Der Dalish auch den Bogen.“
Er wandte sich um. Das Schmuckstück hatte sich in den Brustpanzer gebrannt und bildete jetzt zusammen mit den verschlungenen Linien auf dem Harnisch ein Muster. Er strich mit der behandschuhten Hand darüber. Er fühlte die unglaubliche Macht. Damit sollten sie in der Lage sein, das Blatt zu wenden. Er starrte wieder aus dem Fenster, in die unendlich scheinenden Regenschleier.

Zur selben Zeit, in einem leer stehenden Quartier der Schüler - Turm der Magi

Allie spürte, wie man sie rüttelte. Langsam öffnete sie ihre Augen. Alles war verschwommen. Sie hatte geträumt, zumindest war sie für kurze Zeit im Nichts. Es drehte sich alles um sie herum, und plötzlich kam es ihr hoch. Sie musste brechen, und wandte sich schnell zur Seite des Bettes. Als sie das hinter sich hatte, setzte sie sich langsam auf. Ihre Erinnerungen waren verschwommen, sie wusste nur noch, dass sie an der Spitze des Turms waren, und dann wurde eine Barriere auf sie gezaubert, und dann träumte sie...
„Was ist geschehen?“ fragte sie Jule verwirrt.
Sie hielt sich die Hand an den Kopf. Er schmerzte. Sie war vollkommen kraftlos und war noch zu schwach um Heilzauber wirken zu können.


Jule seufzte erleichtert. „Ich weiß es nicht, ich habe nur diese Kopfschmerzen und kann mich kaum an etwas erinnern. Aber ich glaube wir werden es bald erfahren. Eine Frage, wenn Ihr erlaubt. Vertraut Ihr Irving jetzt noch immer?“


Plötzlich kamen einige Templer bei der Tür herein. Ohne etwas zu sagen, ging einer von ihnen auf Allie zu, und nahm ihren Zauberstab. Sie sprang auf und wollte ihm den Stab aus der Hand reißen.
„Ich habe Befehl, diesen Stab mitzunehmen!“ sagte er nur kühl. Dann holte er mit seiner Hand aus und gab Allie eine Ohrfeige mit der flachen Hand. Sie stürzte zu Boden, blutete an der Lippe und musste einmal kurz spucken.


Jules Blut begann bei dem Anblick regelrecht zu kochen. „Das werdet Ihr bitter bereuen, Ihr seid der Nächste, dessen Blut an meiner Klinge kleben wird!“ schrie sie den Templer voller Wut und mit erhobener Faust an.


„Das werdet Ihr noch bereuen…“
flüsterte auch Allie leise, während sie sich das Blut von der Lippe streifte. Der Templer verschwand mit dem Stab aus der Tür, doch die anderen suchten scheinbar den Bogen von Lyna. Allie richtete sich wieder auf und setzte sich an die Bettkante. Sie fragte sich, was nun wohl geschehen würde. Ihr Kopf schmerzte noch immer. Sie hielt sich beide Hände darauf und stütze sich mit den Ellbogen an ihren Oberschenkeln ab.
„Diese verdammten Schmerzen“, sagte sie leise, eher zu sich selbst als zu sonst wem.


Jule setzte sich neben Allie ans Bett, und beobachtete die Templer, als diese nach dem Bogen suchten.


Auch Lyna schlug die Augen auf und schaute sich irritiert um - wo war sie nur? Stück für Stück kamen die Erinnerungen wieder, ihre Hand wanderte zur Kehle, wo eigentlich ein langer Schnitt zu finden sein sollte. Aber nein, nichts. Und die Kette fehlte. Hastig stand sie auf, suchte nach ihrem Bogen, den sie jedoch nicht finden konnte.
„Wir müssen verschwinden. Dieser Dämon... oder was auch immer das war, ist sicherlich noch im Turm“, sagte sie knapp zu Allie und Jule.


Die Templer gaben die Suche nach dem Bogen auf, als sie bemerkten, dass nun alle erwacht waren, und ehe die Drei hätten verschwinden können, unterbrach einer das Gespräch.
„So, und ihr drei kommt jetzt mit ins Arbeitszimmer von Irving, ohne auch nur daran zu denken, euch zu wehren. Es gibt viel zu besprechen.“
Dann winkten sie mit ihrer Hand und gaben ein Zeichen, dass die Elfen folgen sollten.


Nach so einem Zwischenfall sollten sie den fremden Templern folgen, als ob nichts geschehen wäre? Lyna konnte sich des Gefühls nicht erwehren, wie Lämmer zur Schlachtbank geführt zu werden. Aber vielleicht war es ja besser mitzuspielen - für den Beginn zumindest.
„Nur wenn Ihr voran geht“, antwortete sie mit kalter Stimme den Templern. Als diese ihr den Rücken kehrten, griff sie nach einem eisernen Kerzenständer. Nur für den Fall…


Jule stand auf. „Seid bereit, falls irgendetwas passieren sollte“, flüsterte sie Allie und Lyna zu, bevor sie sich zusammen mit den Templern auf den Weg in das Arbeitszimmer machten.

Wenige Minuten später, im Arbeitszimmer des Ersten Verzauberers - Turm der Magi

Er starrte noch immer aus dem Fenster. Seine Hand strich immer und immer wieder über das metallene Symbol in seinem Harnisch. Früher einmal ein Schmuckstück... und jetzt würde es Erfüllungsgehilfe des Schicksals sein.
Erstaunlich, an sich war es doch nur versiegelte Magie, Lyrium und ein bisschen Edelmetall. Doch nun? Es war auf jeden Fall mehr als die Summe seiner Teile. Und er würde sie zu meistern lernen. Ungeahnte Kräfte ließen sich damit freisetzen.
Irving hinter ihm fing wieder an, auf und ab zu gehen, und strich sich immer noch durch den Bart. Inzwischen sah er eher aus wie ein gerupftes Huhn.
Es klopfte. Auf ein Zeichen des Magus schwang die Tür auf und zwei breitschultrige Templer kamen mit schwerem Gleichschritt herein, schwenkten nach rechts und links und verhielten sich still.
Dann kamen die drei Elfen. Alle wirkten müde, verstört und ungeheuer wütend.
Zuletzt folgten nochmals zwei Templer, die sich genau vor die Tür stellten, und somit den offensichtlichsten Fluchtweg versperrten.
Avalos drehte sich um, und ließ seinen Blick über seine Gäste schweifen.
Er nickte nur unmerklich Irving zu. Genauso unbemerkt schloss sich seine Hand um den Schwertknauf.
„Ich fürchte, ich bin Euch eine Erklärung schuldig. Warum ich eine meiner liebsten Schülerinnen kurzzeitig in das Nichts verbannen musste. Warum eine stolze Dalish ein Ritual überstehen musste, das sie beinahe umgebracht hätte. Und warum eine ihrer Schwestern beinahe den... Umständen... zum Opfer gefallen wäre.“ Irving räusperte sich. „Und natürlich betreffend des Amuletts, sowie eines... ehem Gasts.“
Avalos verneigte sich spöttisch, sagte aber nichts zu dieser lächerlich anmutenden Geste. Für sie waren sie einfach nur ein paar Elfen, die man wie ein Ding benutzen konnte wenn sie einem einen Vorteil verschaffen konnten.
„Ich beginne am besten mit dem Medaillon und lege dann dar, wie es euch betreffen konnte.
Bevor sich die Magister Lords aus Tevinter erhoben, gab es ein Reich, das wohl noch mächtiger war als die Blutmagie aus Tevinter. Der Name dieses Imperiums ist im Staub der Zeit versunken, aber die Kultur und Architektur Tevinters basieren darauf. Ebenso wie Blutmagie - die geachtetste Form der Magie. Die Magier dieses Reiches waren unfassbar mächtig und kanalisierten unglaubliche Mengen von Magie. Sie konnten Regen erschaffen, Wüsten begrünen. Gottgleich, möchte man meinen. Doch, nach allem was wir wissen, übernahmen sie sich und versuchten sich das Nichts als Untertan zu machen. Sie holten etwas in unsere Welt, das nicht hierhin gehört. Sie nannten es die ‚Schwarze Sonne‘ und bekämpften es, versuchten es niederzuwerfen, da es sie zu vernichten drohte. Letzteres hat es wohl auch geschafft. Doch kurz bevor das Reich fiel, erschufen sie mit ihrem letzten Lebenshauch sieben Medaillons. Darin banden sie ihre Kraft, und benutzten sie als Köder. Die ‚Schwarze Sonne‘ kannte diese Niedertracht nicht und verleibte sie sich ein - und wurde dadurch eingesperrt. Die Magisterlords von Tevinter kannten dieses Geheimnis - warum sie dennoch auf dem Höhepunkt ihrer Macht versuchten, die goldene Stadt zu erobern, wird auf ewig ein Rätsel bleiben. Jedenfalls entwickelte sich nach und nach ein Kult um die Schwarze Sonne. Magi und Krieger, Adelige und Bettler, die erkannten, dass es eine Kraft des Ausgleichs war. Tevinter ließ sie jagen und verbrannte sie als Ketzer auf dem Scheiterhaufen. Genau wie Andraste. Um die Kraft der Medaillons zu brechen, ist ein Seelenopfer notwendig - Das Amulett öffnet sich und gibt dem Kundigen seine Macht, seinen Rat und Beistand. Aber die reine Seele des Öffners wird dabei vernichtet, als Preis für diese Macht.“

Den Elfen standen die Münder offen.
Avalos lachte leise und fuhr wieder mit den Fingerkuppen über das kalte Metall des Emblems der Schwarzen Sonne. Irving reckte sich.
„Fragt ruhig, wir haben alle Zeit der Welt. Sind eure Fragen hierzu beantwortet, fahre ich fort.“


Jule erschrak als erfuhr, was genau es mit dem Amulett auf sich hatte und konnte es nicht fassen. Sie fühlte sich benutzt und hintergangen. Sie sah darin nur Machtgier, nichts weiter.
„Euch ist klar, dass Ihr meine Schwester beinahe getötet, und auch mein, sowie das Leben von Allie in Gefahr gebracht habt. Eigentlich solltet Ihr dafür mit dem Leben bezahlen“, sagte sie ernst und mit von Zorn erfüllter Stimme zu Avalos, bevor ihr Blick zu Irving wanderte.
„Und Irving, von einem Ersten Verzauberer wie Euch hätte ich etwas Besseres erwartet, eigentlich sollte man Euch Euren Posten wegnehmen!“
Jule fiel es schwer die Beherrschung zu behalten, um nicht einer der Wachen eine Waffe zu entreißen, um damit auf dieses Monster zu stürzen. Stattdessen fuhr sie fort, und blickte diesen ‚Gast‘ hasserfüllt an. „Und was genau haben wir jetzt davon? Ihr habt ja scheinbar beide davon profitiert.“


Auch Lyna war dieser Gast alles andere als geheuer. Sie warf ihm einen Blick zu, konnte ihn aber nicht zu lange anstarren... sofort spürte sie, wie ihr ein kalter Schauer den Rücken hinab lief.
Doch nachdem Jule geendet hatte, räusperte die Dalish sich, wandte sich jedoch Irving zu. „Was... was genau ist die Schwarze Sonne denn? Ein Dämon aus dem Nichts? Und wieso trägt es diesen Namen?“


Wieder strich sich Irving durch den Bart.
„Nein. Es ist kein Dämon. Dämonen sind - nach unserer Definition - böse. Geister hingegen sind gut. Die Schwarze Sonne - so nennt sie sich selber - ist weder Geist noch Dämon. Sie kann gütig sein, und trotzdem unfassbar grausam. Sie ist der Ausgleich. Die Schwarze Sonne ist an sich die Antwort auf die Dunkle Brut. Sie ist mächtig, manche sagen noch mächtiger als ein Erzdämon. Und dennoch hat sie nie aktiv eingegriffen als sie das erste Mal auftauchten. Erst nachdem der Krieg gegen die Brut verloren schien, gab sie ihren Anhängern die Weisung, die Wächter zu gründen. Die wenigsten wissen, dass die meisten Anwärter der Wächter das Beitrittsritual nicht überleben. Sie trinken Blut der Dunklen Brut - mit einem Tropfen des verderbten Bluts eines Erzdämons. Aber woher hatten die ersten Wächter denn das Blut eines Erzdämons, wo sie den Ersten nicht töten konnten? Die Schwarze Sonne gab sie ihnen. Aber zum Ausgleich für diese Macht, nahm sie ihnen auch etwas. Für eine weltrettende Gabe, nahm sie - und nimmt sie - von jedem Wächter ein Stück seiner selbst. Was das ist, werde ich euch nicht verraten. Ihr, Jule, solltet das Seelenopfer sein, das das Amulett öffnet und uns Zugang verschafft. Warum Ihr noch am Leben seid, weiß ich nicht. Aber bedenkt wohl, dass ich nur das Wohl aller im Sinn habe. Der sogenannte Siegelbruch ist aus dem Rahmen gelaufen. Ihr werdet feststellen, dass Eure rechte Hand ein wenig taub ist. Das Lyrium hat möglicherweise Eure Nerven verätzt. Doch dieser Preis ist besser als Euer Leben und Eure Seele zu verlieren. Die Halskette sucht sich seinen späteren Träger und auch die Opferseele aus.“
Er zeigte mit einer Handbewegung auf die verhüllte Gestalt, bevor er fortfuhr. „Die Schwarze Sonne hat ihn auserkoren, ihr Streiter zu sein. Euch hat sie auserkoren, um geweckt zu werden.“
Er machte eine Pause und sah Avalos an. Dieser seufzte leise und stieß sich von der Wand ab, blieb jedoch neben Irving stehen und begann zu erzählen.
„Mein Name ist Avalos. Ich bin letzter Anhänger der Schwarzen Sonne. Ich bin ihr Henker, ihr Streiter und ihr Soldat. Ich diene ihr, so wie sie mir dient. Ich durchstreife seit über dreißig Jahren diesen Landstrich, auf der Suche nach der Seele, die das Amulett zu öffnen vermag. Legte ich einer Unwürdigen die Kette an, so ging sie in Flammen auf. Ihr wart die Erste, die nicht dabei starb. Deshalb seid Ihr etwas Besonderes. Ich musste euren Weg lenken, damit ihr hierher kamt - Ein Magus muss das Ritual durchführen. Ich bin keiner. Also weihte ich Irving mit ein. Es geht gegen sein Gewissen, aber er sieht die Notwendigkeit einer ausgleichenden Entität - und sei es nur, bis die nächste Verderbnis Überhand nimmt. Aber ihr gingt zu eurem Elfenklan, zu einem Taschenspieler, der wilde Vermutungen anstellte und dennoch beinahe richtig lag. Also musste ich Maßnahmen ergreifen. Ich tötete ihn und schob euch den Mord zu - Die Halla tötete ich, damit ich zuerst beim Turm ankommen konnte, um letzte Vorbereitungen zu treffen. Alles in Allem lästig, aber notwendig. Ich bin anders. Ich bin menschlich, aber ich altere nicht. Ich habe Fähigkeiten, von der die Krähen aus Antiva nur träumen können. Ich bin Bettler und Königsmacher zugleich. Ich bin Soldat und Heerführer. Und nun, wo das Amulett geöffnet ist, wird die Schwarze Sonne erneut den Ausgleich der Kräfte wirken. Mit der Dalish tut's mir leid. Aber ich konnte kein Risiko eingehen, dass sie das Ritual verhindern würde. Also schnitt ich ihr die Kehle durch. Risiko beseitigt.“
Er nahm die Hand vom schwarzen Brustpanzer.
„Seht. Das ist Euer Amulett. In ihm wohnt etwas, das mächtiger ist als alles uns Bekannte. Es wird mich leiten. Denn sie hat beschlossen, dass es wieder an der Zeit ist.“


„Ich werde es Euch niemals verzeihen, dass Ihr den Hüter ermordet habt“, erwiderte Jule, und starrte Avalos dabei wütend an. „Trotzdem habe ich einige Fragen. Wie ist es möglich, dass Ihr nicht altern könnt? Und ist es möglich, dass jemand anders ebenfalls zum Sohn oder der Tochter der Sonne werden kann? Ich hätte eventuell Interesse…“
Kurz seufzte sie bevor sie fortfuhr.
„Dem Erbauer sei Dank, lebt Lyna noch... aber wie ist das möglich, wenn Ihr ihr die Kehle durchgeschnitten habt? Aber wie auch immer, eigentlich will ich es gar nicht wissen, Ihr knallt uns ohnehin schon genug vor den Kopf.“
Jule wandte den Blick nicht von Avalos ab, selbst nicht, als sie bereits geendet hatte. Er hatte etwas Faszinierendes, aber auch Düsteres an sich.


Avalos lachte.
„Hätte die Schwarze Sonne Euch als Dienerin gewollt, hättet Ihr es gemerkt. Und warum ich nicht altere? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich, weil ich zu wertvoll für sie bin. Und wie sie das überleben konnte? Fragt Irving. Eigentlich steht niemand wieder auf, den ich eigenhändig... beseitigt habe.“
Ihr stechender Blick war ihm unangenehm, aber er ließ es sich nicht anmerken.


Allie hatte von dem gesamten Ritual kaum etwas mitbekommen und war nun entsetzt darüber, wie Avalos und Irving handelten. Sie ging einen Schritt nach vorne, doch der Templer, der hinter ihr stand, hielt sie am Arm fest.
„Ihr solltet Euch wirklich was schämen! Ihr hättet beinahe zwei von uns getötet! Und das nur aus Machtgier!“ sie formte ihre Hand zu einer Faust vor lauter Wut.
„Dennoch stellt sich mir die Frage, wieso Ihr uns überhaupt am Leben lasst, und uns all das hier erzählt, wenn unser Leben scheinbar weniger wert ist, als das einen räudigen Köters!“ genervt wehrte sie die Hand des Templers ab und ging wieder einen Schritt zurück.
„Oder benötigt Ihr uns noch für weitere Experimente?“ sie griff sich wieder an den Kopf, die Schmerzen waren zwar schwächer geworden, da sie sich jedoch gerade so aufgeregt hatte, versetzte es ihr einen kurzen Stich.
„Und wie die Templer einem seit Neuestem hier behandeln, ist mir auch fremd! Und wo ist Gregoir eigentlich? Ist er auch eingeweiht in das hier, oder folgen diese Templer Euren Anweisungen, Irving?“
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BeitragThema: Re: Kapitel IV - Die Schwarze Sonne   So 08 Jan 2012, 2:34 pm

„Ja und? Was sind schon zwei, im Gegensatz zu ganzen Nationen, zu ganzen Reichen? Nichts. Opfer, die notwendigerweise gebracht werden müssen“, wandte Avalos sich an die Magierin.
„Machtgier?“ fuhr er fort und musste erneut lachen. „Es geht nicht um Macht, es geht um Wissen. Die Schwarze Sonne ist kein Ding, das man benutzen kann, sie ist Partner und Herrscher zugleich.“
Er begann damit, auf und ab zu gehen. Seine Fingerspitzen trommelten rhythmisch auf seinem Harnisch. „Ich gebe es nicht gerne zu. Aber die Aufgabe, die auf mich zukommt, ist selbst für mich zu groß. Ich brauche an sich eine ausgezeichnete Gruppe.“
Abrupt blieb er stehen.
„Die Verderbnis vor sechs Monaten. Ihr alle habt gegen die Brut gekämpft und deren Blut in Strömen vergossen. In Ferelden ist sie so gut wie vernichtet. Aber in anderen Reichen quellen sie nach wie vor wie die Pest aus dem Boden. Obwohl der Erzdämon erwiesenermaßen tot ist, verspürt die Brut keinerlei Drang in ihre finsteren Löcher zurück zu kriechen, um den nächsten auszugraben!“
Er tippte sich leicht gegen das filigrane, schwarze Metallgespinst auf seinem Harnisch. „Es will wissen warum. Aber alleine stehen die Chancen schlecht. Ich habe Euch beobachtet. Schon vor der Verderbnis. Ihr seid außergewöhnlich. Habt Teil an etwas Großem!“
Irving räusperte sich.
„Gregoir weiß davon natürlich. Auch er hat die Notwendigkeit erkannt. Auch wenn wir gewisse Dinge... geschönt haben, wird er dennoch nichts dagegen einzuwenden haben. Ihr wisst nun, worum ich Euch bitte. Es ist viel verlangt, Eurem Beinahe-Mörder zu vertrauen, aber es ist die Wahrheit, die er spricht. Ich persönlich glaube, dass die Brut kurz nach dem Tod des Erzdämons schon gleich auf den nächsten getroffen ist. Das würde Einiges erklären. Aber wir benötigen Klarheit.“ Erwartungsvoll sah er die drei Elfen an.


Jule fasste sich an den Kopf und dachte nach.
„Hmm... also gebt Ihr uns die Aufgabe, zu untersuchen warum die Dunkle Brut noch nicht verschwunden ist, oder verstehe ich das falsch?“
Sie ging auf und ab und überlegte. Plötzlich kam ihr ein Gedanke.
„Wir können das unmöglich nur zu dritt schaffen. Und ich weiß auch schon, wen ich suchen werde.“
Ihr Blick ging auf die anderen beiden Elfen über, bevor sie grinsend fortfuhr. „Ripper.“
Schnell wandte sie sich mit einem Seufzen an Avalos. „Ich muss gehen.“


Lyna betrachtete den Dämon.
„Ich bemitleide Euch. Ihr fühlt Euch wahrscheinlich geehrt, ‚einer der letzten Streiter der schwarzen Sonne‘ zu sein, betrachtet man Eure Arroganz und Überheblichkeit. Und dann vergleicht Ihr uns mit Bauern in einem Schachspiel? Was seid Ihr dann, wenn nicht die Marionette eines anderen Wesens?“
Aus den dunklen Augen blitzte Zorn, doch Lyna ließ sich körperlich nichts anmerken.
„Ich nehme die Aufgabe an, die Dunkle Brut hat keine Existenzberechtigung, ihre Anwesenheit bedeutet Verzweiflung und Tod. Aber Ihr habt Euch uns anzupassen, Avalos, Eure Mittel und Methoden kann ich nicht willkommen heißen. Der Tod des Hüters reicht... weiteres Blutvergießen sollte vermieden werden.“
Ihre Finger zuckten, am liebsten wäre sie ihm an den Hals gesprungen und hätte den Tod des Hüters gerächt... welche grässliche Windungen das Schicksal doch annehmen konnte.


Diese vorlaute Elfe amüsierte ihn. Beschimpfte ihn indirekt als Dämon, wo er doch ungleich mehr war als eine simple Wesensform aus dem Nichts.
„Es gibt einen kleinen Unterschied zwischen Figur und Spieler. Ich habe nie gesagt, ein Spieler zu sein. Vielmehr bin ich vielleicht Dame oder König? Letztendlich ist es bedeutungslos. Die Spieler sind andere, wir bewegen uns alle im ewigen Ringen um Macht und Einfluss über das Spielbrett.
Ich fühle mich nicht geehrt - sie hat sich nur den Besten herausgesucht, jemanden, der ihre Interessen zu vertreten weiß. Nur Können und Fähigkeiten zeichnen mich aus.
Und nein, ich werde mich euch nicht anpassen“
, er lachte kurz und grinste. „Genauso gut könntet Ihr das Wetter bitten, sich anzupassen. Oder die Pest. Oder doch gleich Gevatter Tod? Ich bin wie eine Naturkatastrophe. Ich wüte ohne Gnade, wenn ich entfesselt bin. Und Ihr solltet tunlichst daran denken, wenn Ihr glaubt, mich hintergehen zu können.
Wir sollten zuerst nach Orzammar gehen. Ich werde dort einige Gefallen einfordern müssen, um uns weiter voran zu bringen. Die Tiefen Wege bringen uns in die Freien Marschen. Dort werden wir womöglich auf die ersten Nachzügler der Brut treffen.
Natürlich ist es euch frei gestellt, vorher eure Geschäfte abzuwickeln. Aber die Zeit drängt“



„Euch hintergehen?“ Lyna schüttelte den Kopf. „Ein ehrlicher Kampf ist mir lieber. Und den werdet Ihr auch haben, sobald unsere Mission abgeschlossen ist. Dann könnt Ihr beweisen, ob Eure Arroganz angemessen ist- oder nur aus heißer Luft besteht, wie ich ehrlich gesagt vermute.“
Sie schluckte. Natürlich war Avalos ihr gnadenlos überlegen und würde sie innerhalb kurzer Zeit töten, doch ihr Stolz ließ ihr keine andere Wahl, als ihn herauszufordern. Sie hatte den Tod des Hüters verschuldet, sie würde ihre Schuld wieder reinwaschen - und den Hüter hoffentlich rächen können.
Orzammar... die Stadt der Zwerge, tief unter der Erde? Lynas Neugier kehrte zurück, sie freute sich fast, diesen Ort besuchen zu dürfen. Sie wollte schon immer mal Zwergenbier probieren... schließlich wurde dieses Gebräu von fast allen Barden gelobt.


Jule schaute sich nochmal um. „In Ordnung, denn ich muss noch etwas erledigen. Ihr könnt mich ja aufsuchen, wenn es soweit ist. Aber ich muss dringend weg.“
Dann zog sie sich ihre Rüstung wieder an, die in Irvings Truhe lag, nahm ihre Schwerter
und wandte sich nochmal zu Allie und Lyna.
„Wir sehen uns dann“, sagte sie und huschte aus dem Arbeitszimmer heraus. Schnell lief sie die zwei Etagen hinunter, riss das Tor auf und ging hinaus.


Noch bevor Allie sich entschieden hatte, mitzuhelfen Ripper zu suchen oder nicht, war Jule auch schon verschwunden. Jedoch war sie nicht sonderlich von Jules Idee überzeugt. Ripper war zwar ein erfahrener Kämpfer und Arkaner Krieger, dennoch nicht sonderlich hilfsbereit. Außerdem konnte er über alle Berge sein. Das letzte Mal als sie ihn sahen, war er zusammen mit ihnen im Lager gewesen, wo die Kette auftauchte. Wie dem auch sei, wenn Jule es schaffen würde, ihn zu finden und zu überzeugen, ihnen zu helfen, hätte sie nichts dagegen einzuwenden. Sie blickte kurz Avalos an. Allie musste Lyna zustimmen, was diese über ihn sagte. Sie verstand ihren Zorn nur zu gut, vor allem wegen des Hüters.
Prinzipiell wollte sie Avalos nicht helfen, doch er sprach von der Dunklen Brut, worin er nicht Unrecht hatte, und sollte es wirklich so sein, dass ein neuer Erzdämon gefunden wurde, hatte sie gar keine andere Wahl, als ihm zu helfen.
Sie musterte Aavalos kurz. Er sah durchaus sehr kalt und böse aus, aber auch verdammt intelligent und er wusste definitiv, wie er sein Handwerk zu führen hatte.
„Nun ja, Avalos. Ich bin nicht sehr erfreut darüber, wie Ihr uns hintergangen habt, was wohl auch nur allzu verständlich ist. Aber ich bewundere Eurer Eifern und Eurer Streben danach, alles Nötige zu tun, um Eure Aufgabe zu erfüllen. Ich bin ein Grauer Wächter, meine Aufgabe ist es, Dunkle Brut zu töten und die Welt vor einer möglichen Verderbnis zu beschützen oder zu retten. Daher schließe ich mich Euch an und hoffe dennoch, dass Ihr in Eurer Annahme über den Erzdämonen falsch liegt“, sagte sie zu ihm.
Anschließend blickte kurz Lyna an. Sie sah ihren Hals, der von der Narbe sehr verunstaltet war. Dann fuhr sie fort. „Und ich hoffe nur, Ihr könnt Euch im Kampf als vertrauenswürdiger erweisen!“
Zu Irving gewandt bemerkte sie sarkastisch. „Ach ja, ich hätte gerne meinen Zauberstab wieder.“
Einer der Templer hatte den Stab von Allie in der Hand, und kam zur Tür herein. Er ging auf Allie zu und wollte ihn ihr übergeben. Sie nahm ihn abwertend entgegen und betrachtete ihn kurz, um sicherzugehen, dass er auch noch komplett war. Dann hängte sie ihn sich, wie gewohnt, mit einem Band um die rechte Schulter, so dass er auf ihrem Rücken hing. Anschließend blickte sie den Templer an und sagte wieder mit einem sarkastischen Unterton. „Danke.“
Sie rollte ein wenig die Augen, und wandte sich dann noch einmal an Avalos. „Wie dem auch sei, Ihr findet mich in dem Zimmer, in das Ihr uns vorhin gebracht hattet. Ich muss mich noch etwas erholen, bevor wir aufbrechen, oder zumindest etwas gegen diese Kopfschmerzen unternehmen.“
Sie verließ den Raum, und ging wie gesagt in das Zimmer von zuvor. Als sie dort angekommen war, musste sie einmal tief Luft holen. Danach ging sie zu einem Waschtisch und reinigte sich das verschwitzte Gesicht mit etwas Wasser aus einer Schüssel. Im Anschluss nahm sie einen ihrer Verbände aus der Tasche, die sie bei sich trug, und wickelte sich diesen zusammen mit ein paar Kräutern um den Kopf.
„Schon besser“, sagte sie zufrieden zu sich selbst.
Dann legte sie sich auf eines der Betten, um sich etwas auszuruhen, und um sich auf die baldige Reise vorzubereiten. Sie schlief nicht direkt ein, sondern döste nur etwas vor sich hin. Richtig schlafen konnte sie nicht, da sie die ganze Zeit damit rechnete, dass Avalos bei der Tür hereinkommen würde um aufzubrechen. Und bei dem Gedanken an eine Verderbnis und die damit verbundenen Albträume, schauderte es ihr.


Lyna warf dem Dämon einen letzten Blick nach, ehe sie sich auf den Weg zu Allie machte. Sie sah die Not in dieser ganzen Misere durchaus ein, aber dennoch wollte sie Avalos so fern wie möglich bleiben - vorerst zumindest. Vielleicht würde sie auf der Reise mehr über ihn erfahren, ihn eines Tages womöglich verstehen. Im Moment war er ihr aber einfach nicht geheuer.
Sie räusperte sich. „Ich... ich möchte nicht zu meinen Klan zurück. Lasst uns also nach Orzammar aufbrechen. Aber vorerst hätte ich gerne meinen Bogen zurück.“


„Die Dinge nehmen ihren Lauf, wie Ihr es wünschtet. Und ich schwöre Euch, dass ich Euch wieder erwecke“, er strich nochmals gedankenverloren über das metallene Geflecht in seinem Schulterpanzer. Wieder spürte er dieses Flirren, das magische Pulsieren.
Der erste Schritt war getan. Der Fluch des Medaillons war gebrochen, und schon bald hatte er fähige Kämpfer an seiner Seite. Ein neuer Erzdämon würde das Gleichgewicht zerstören, weil durch andauernde Kriege und die erst vor wenigen Monaten abgewehrte Verderbnis sich die Reiche erschöpft hatten. Ferelden war nur noch ein Schatten seiner selbst. Die Zwerge fochten unablässig in den Eingeweiden der Erde; Die Dalish waren noch immer Geächtete im eigenen Land; Und Fereldens Adel erging sich in ihren umstürzlerischen Intrigen.
Orlais hatte immer noch nicht zu seinem alten Glanz zurückgefunden. Antiva und Nevarra lieferten sich einen unerbittlichen Handelskrieg; Anderfels wurde von extremen Wintern heimgesucht. Kein guter Zeitpunkt für eine neue Verderbnis.
Er würde klären müssen, ob es ein neuer Erzdämon war, der sich erhob und die Brut antrieb. Oder etwas anderes. Unwillkürlich fletschte er die Zähne. Unbekanntes war nicht kalkulierbar, er konnte die Risiken nicht abschätzen und war auf Vermutungen und Mutmaßungen angewiesen.
„Irving. Ich danke Euch für die bereitwillig geleistete Hilfe. Euer Lohn soll ein Gefallen sein, den ich Euch schulde. Aber ich warne Euch, verändert nicht das Gleichgewicht zwischen Licht und Schatten. Ich werde mich jetzt mit meinen neuen ‚Gefährten‘ eingehender beschäftigen.“
Bei dem Wort ‚Gefährten‘ verdrehte er theatralisch die Augen. „Ich glaube zwar nicht, dass ich auf sie angewiesen sein werde, aber in manchen Situationen können sie nützlich sein.“
„Es ist wie beim Schach“, sinnierte er. „Drei Bauern die einen Turm bedrohen, schenkt man mehr Beachtung als dem Springer, der ungesehen die Linien durchbricht und aus dem Hinterhalt angreift. Ich danke Euch Irving. Und SIE dankt Euch auch.“
Mit raumgreifenden Schritten verließ er Irvings Arbeitszimmer. Kein Stiefeltritt war zu hören, kein Geräusch des schlagenden Kapuzenumhangs.
Der Erste Verzauberer sah ihm nach. Ihm schwante, dass er Großes in Gang gesetzt hatte. Und dass es schon bald zu tiefgreifenden Veränderungen kommen würde.
Er konnte nur hoffen, dass er nicht falsch gehandelt hatte, als er das Siegel des Amuletts brach.


Allie schaffte es doch nicht, nur zu dösen, sondern war eingeschlafen. Sie hatte Glück und träumte einen normalen schönen Traum im Nichts, an den sie sich nicht mehr erinnern konnte und hatte keine Albträume.
Plötzlich wachte sie jedoch auf. Sie wusste nicht, wie lange sie geschlafen hatte. Sie setzte sich auf, denn Ihre Kopfschmerzen waren verschwunden, und legte sich den Verband ab. Dann stand sie auf und schaute sich um: Lyna war auch bereits im Zimmer.
„Oh, wie lange seid Ihr denn schon hier? Und ist Jule immer noch nicht zurück? Ich hoffe, es ist ihr nichts zugestoßen“, sagte sie zu Lyna.
Danach ging sie wieder zum Waschtisch und trank etwas Wasser aus dem Krug.
„Dieser Avalos... Ich weiß nicht, was ich von ihm halten soll. Erst will er uns töten und jetzt will er unsere Hilfe. Wenn es sich nicht um eine eventuelle Verderbnis handeln würde, würde ich ihm nicht helfen. Ich kannte den Hüter zwar nicht, aber ich wollte Euch nur sagen, dass es mir leid tut, was geschehen ist, und Ihr jetzt nicht zu Eurem Klan zurück könnt.“
Danach ging sie wieder zurück zum Bett und setzte sich. Sie senkte ihren Kopf und begann nachzudenken.


Lyna seufzte. Es tat so gut, mit jemanden darüber sprechen zu dürfen. Sie setzte sich auf die Bettkante und schaute zu Boden.
„Danke, das Ihr das sagt... es bedeutet mir sehr viel.“ Sie nahm tief Luft, in ihren Augen glitzerten Tränen. „Der Hüter hätte nicht sterben müssen. Nicht für meine Dummheit.“
Sie schwieg einige Minuten, ehe sie sich zusammenreißen konnte. Sie stand auf und lief nervös im Zimmer umher.
„Und diesem Dämon müssen wir wohl oder übel trauen. Wenn wir uns im Kampf misstrauen, werden die Gegner leichtes Spiel mit uns haben. Ich bin zumindest froh, Euch dabei zu haben.“


„Ich danke Euch, ich bin auch froh, dass Ihr uns begleitet“, erwiderte Allie, ehe sie kurz schwieg. „Wobei ‚uns‘ es wohl im Moment nicht ganz trifft. Ich möchte ungern nur zu zweit mit Avalos nach Orzammar reisen. Er scheint zwar stark zu sein, doch auf die Hilfe von Jule sollten wir trotzdem nicht verzichten. Es wäre schon, wenn sie bei ihrer Suche nach Ripper Erfolg hätte, doch das bezweifle ich doch sehr, schließlich können wir nicht wissen wo er sich momentan aufhält. Wir sollten Jule nicht für eine wahrscheinlich sinnlose Suche opfern“
Danach stand auch sie auf und nahm ihren dunklen Wollumhang, der neben dem Bett lag, welchen sie sich sogleich überzog.
„Ich für meinen Teil werde sie suchen gehen. Ich habe zwar keine Ahnung, wo sie nach Ripper suchen wollte, aber ich glaube sie ist in Richtung des Dalish Lagers gegangen. Zumindest wäre auch das mein erstes Ziel gewesen. Ich weiß, dass es schwer für Euch ist und es bestimmt viel verlangt ist, doch trotzdem frage ich Euch, ob ihr mich begleiten wollt.“
Danach schwieg sie und wartete auf eine Antwort, um danach aufbrechen zu können. Die Zeit drängte.


Lyna zögerte. Schließlich nickte sie.
„Ja. Ich möchte meiner Familie gerne mitteilen, was sich in Wahrheit ereignet hat. Dass wir unschuldig waren und flüchten mussten.“
Sie befestigte ihren Bogen am Rücken, prüfte die Pfeile im Köcher und blickte Allie an.
„Avalos wird schon merken, dass wir fort sind.“


Allie nickte Lyna zu und machte sich zusammen mit ihr auf den Weg. Sie öffnete die Türe und ging all die Treppen des Turms hinab, bis zur Eingangshalle, und schließlich durch die große hölzerne Eingangstüre.
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