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 Kapitel XII - Ankunft: Das glühende Kreuz

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Allie
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BeitragThema: Kapitel XII - Ankunft: Das glühende Kreuz   Do 28 Jul 2011, 3:26 pm

Denerim

Kapitel XII - Ankunft: Das glühende Kreuz

Aktive Charaktere: (Hennrik), Leanora, Lian, Miandra, Vernita

Lian erwachte, als sich die ersten Sonnenstrahlen einen Weg durch die Baumkronen bahnten. Er streckte sich und setzte sich auf. Die anderen waren noch am Schlafen, so nahm er seinen Umhang und zog sich dieser wieder über. Danach steckte er seine Schwerter in deren Scheiden.
Dann nahm er seinen Rucksack und seine Matte, und ging damit zu seinem Pferd. Dort machte er sein Gepäck fest, und klopfe das Pferd behutsam. Als das erledigt war, ging er wieder zum Lager, wo er sich auf seinen Baumstamm setzte.
So wartete er darauf, dass die anderen endlich aufwachen würden. Ständig überlegte er, ob er sie wecken sollte, aber Vernita wollte ja nicht, das er sie anfasste. Also mussten sie alleine aufstehen. Er blickte auf seine Hand, die noch immer Blutverschmiert war. Aber die Wunde war nun wenigstens zu und blutete nicht mehr, dank Miandra. Er fragte sich immer noch was da überhaupt geschehen war. Hatte er dadurch, dass er sie heilte, selbst Wunden erlangt? Sozusagen Lebenskraft übertragen, die bei ihm dann abgezogen wurde? Er wusste es nicht.
Also ging er nochmal zu seinem Pferd, nachdem er die Gedanken wegschob. Dort holte er seinen Wasserschlauch heraus, wusch seine Hand und verband sie sich erneut, nachdem er die Salbe aufgetragen hatte.


Leanora erwachte durch die Geräusche, die Lian verursachte. An sich verwunderte sie die Tatsache an sich, dass sie doch ein wenig schlafen konnte. Als sie sich nach ihrem Abenteuer zur Ruhe begab ließen ihre Gedanken und das Durchlebte sie nicht los. Dauernd sah sie Richard vor sich, der sie voller Liebe und Wärme anlächelte, um dann die Todesangst nochmal durchzustehen. Erst die Nähe durch ihren Hund ließ sie ruhiger werden, und anscheinend hatte ihr Körper doch noch sein Recht auf Erholung gefordert.
Jedenfalls fühlte sie sich wie gerädert, als sie die Augen aufschlug. Schweigend stand sie auf, packte ihre Sachen zusammen und aß ein Stück Wurst. Sie tätschelte Donas den Hals.
„Nun denn mein Freund, es wird Einiges auf uns zukommen.“
Dann setzte sie sich schweigend auf den Boden, mit gutem Sicherheitsabstand zu Lian.
Der Tag würde noch für einige Überraschungen sorgen, und seit dem Vorfall in der Nacht wäre sie wohl doppelt vorsichtig. Sie hoffte allerdings, dass sie in ihrer Unterkunft wenigstens Wasser hatten, sowie ein Stück Seife. Und wenn sie dann noch ein Zimmer für sich alleine haben könnte wäre das wohl fürs erste alles, was sie sich an Luxus wünschte.


Vernita erwachte und setzte sich ruckartig auf. Sie sah Lian, der auf einem Baumstamm saß und seine Hand verband. Ihr fiel sofort wieder ihr Übungskampf von gestern Abend ein, sowie die merkwürdigen Fähigkeiten des Elfen, die dabei zu Tage traten.
Und sie machte sich Sorgen. Nicht um Lian. Er war nur ein Mann. Und wie allen Männern konnte sie ihm bestenfalls Toleranz entgegenbringen, mehr nicht. Aber da er seine Fähigkeiten anscheinend nur unbewusst einsetzen konnte, war er eine Gefahr für sich und vor allem auch für alle anderen. Und er könnte ihre Mission gefährden. Das wäre dann das Ende für sie alle.
„Habt Ihr eigentlich jemals mit einem Magier gesprochen. Ich meine, über Eure...“, sie stockte kurz, da sie nach dem passenden Wort suchte. „Eure Begabung? Euren Fluch? Oder was immer mit Euch geschehen ist?“


Lian blickte zu Leanora hinüber, die sich weit von ihm weggesetzt hatte. Sehr toll, jetzt hielten alle Abstand zu ihm. Als ob er sonst was wäre, oder eine Krankheit hätte. Er hatte mit Vielem gerechnet, aber nicht mit so etwas. Dann versuchte er ein Thema einzulenken. Eines was Leanora interessieren sollte.
„Mein Pferd, ist von Eurer Weide. Es stand einfach da, fraß trotz allem gemütlich. Die anderen sind davon gelaufen.“
Dabei holte er einen Apfel aus seiner Tasche und begann diesen zu essen. Er überlegte, was er Vernita sagen sollte. Sie glaubte ihm doch sowieso nicht.
„Derjenige, der mir den Dolch einen Millimeter unter meinem Herzen rein rammte, war ein Magier. Ich weiß selbst nicht was es ist. Aber es kann zu Gutem bestimmt sein. Und macht Euch keine Sorgen um Euch oder Miandra oder sonst wem. Warum sollte ich Euch weh tun wollen? Außerdem, muss ich in Denerim sofort los. Zu einem Freund. Dort bekomme ich die Handschuhe. Geht doch sicherlich in Ordnung.“ meinte er tonlos.


Vernita rollte etwas genervt mit den Augen. Irgendwie verstand dieser Elf sie wohl nicht. Sie schob diesen Gedanken mit der Begründung beiseite, dass er ein Mann war und dass Männer Frauen ohnehin nie verstanden. Ansonsten hätte sie ihm wohl wieder einmal eine zynische Antwort gegeben. So aber versuchte sie weiterhin, ruhig und sachlich zu bleiben.
„Wenn ich davon ausgehen würde, dass Ihr einen von uns Schaden zufügen wolltet, dann wäret Ihr inzwischen schon tot. Allerdings scheint Ihr Eure Gabe ja nicht wirklich kontrollieren zu können, somit könnt Ihr auch nicht ausschließen, einen von uns unabsichtlich zu verletzten. Und ob Eure Handschuhe alleine helfen werden, wage ich noch zu bezweifeln. Eure ehemalige Freundin habt Ihr ja auch schweben lassen, sprich also Ihr habt sie nicht berührt“, erklärte sie so gelassen wie es ihr im Moment möglich war. „Sprecht doch mal mit Hennrik hier. Oder mit einem Magier aus der Stadt. Vielleicht kann man Euch heilen, oder Ihr könntet zumindest lernen, diese Fähigkeit zu kontrollieren, um jedwede Unfallgefahr auszuschließen. Ansonsten wird es wohl jedem von uns sehr schwer fallen, Euch in irgendeiner Weise zu vertrauen.“


Lian schnalzte mit der Zunge.
„Kylar ist magiebegabt. Er selbst war im Zirkel, um dort die Handschuhe zu holen und um mir mehr Wissen über das, was mit mir passiert ist zu bringen. Sobald wir dort sind, werde ich mehr erfahren. Thema abgeschlossen! Danke!“


Leanoras Blick wanderte zum Rappen, den Lian ritt. Sie hatte nicht besonders darauf geachtet, war zu sehr mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt.
„Ihr erlaubt?“ fragte sie Lian, aber ohne eine Antwort abzuwarten ging sie auf das Pferd zu. Eigentlich kannte sie alle Rösser aus ihrem Stall, darunter waren aber drei Rappen, die sich sehr ähnlich sahen.
Pferdezucht war Freizeitbeschäftigung und Beruf des Vaters gewesen, und nur wenige Tiere behielten sie selber. Sie strich dem Rappen über Kruppe und Rücken und kraulte ihm die Mähne, bis der Hengst seinen Kopf wandte.
Erst anhand der Zeichnung auf dem Kopf erkannte Leanora das Tier und lächelte.
Dann wandte sie sich an Lian.
„Er ist schwer zu erkennen, da es damals eine Zwillingsgeburt war, und sein Bruder sieht ihm zum verwechseln ähnlich. Aber wenn Ihr den Namen des Pferdes wissen wollt: Percivel.“


Verwundert drehte sich Lian zu Leanora. Sie schien sich sehr mit ihren eigenen Pferden auszukennen. Auch der Name war einfallsreich. Das gefiel Lian. Trotzdem würde er jetzt weiterhin auf Abstand zu den anderen bleiben, bis er bei Kylar war und mehr über all das Geschehene und seine Gabe wusste.
Ausdruckslos und ohne Regung antwortete er: „Percivel. Schöner Name. Danke.“
Dann stand Lian auf und ging zu seinem Pferd, wo er sich aufsetzte. Lian war nun bereit zum Aufbruch.


Miandra war erwacht als sie die ersten Gespräche vernahm. Sie blieb im Schneidersitz an der inzwischen erloschenen Feuerstellte sitzen, wo hin und wieder Asche empor geblasen wurde, und lauschte den Gesprächen. Währenddessen aß sie einige getrocknete Früchte und trank etwas von dem Wasser.
Sie musterte Leanora, welche irgendwie noch blasser aussah, als tags zuvor, nur Lian konnte sie wohl etwas auf andere Gedanken bringen, durch seine Frage. Vernita und Lian diskutierten erneut über das Thema von gestern, und Hennrik qualmte an einem Baum gelehnt vor sich hin.
Doch anstatt etwas zu den Themen beizutragen, blieb sie erstmals wortlos sitzen, beobachtete das Schauspiel und bildete sich verschiedenste Meinungen über die anderen, so wie sie es gerne tat. Sie beobachtete jedes noch so kleine Detail bei der Gestik und Wortbetonung, und vermischte das alles mit der bisher bekannten Vergangenheit der einzelnen Personen. Doch der Entschluss blieb wohl immer derselbe, oder änderte sich nur oberflächlich. Ihre Grundmeinung blieb immer gleich.
Leanora war eine verzogene Göre, die sich wohl schwer damit tat Blut zu sehen und es nicht gewohnt war wenn man sie nicht wie eine Prinzessin behandelte.
Lian war unberechenbar und dadurch gefährlich. Was sie von diesen Fähigkeiten halten sollte, wusste sie noch immer nicht so recht. Seine Vergangenheit hörte sie nur im Schnelldurchlauf, daher berührte sie diese wohl nicht wirklich.
Hennrik rauchte für ihren Geschmack eindeutig zu viel und er war recht schweigsam, so dass sie nicht recht wusste, was sie über ihn denken sollte. Sie sah ihn manchmal einfach nur als einen alten Mann, dann wiederum als Magier… und Magier waren mächtig, und dadurch gefährlich. Doch momentan war dies nur ein Vorteil für sie selbst und sie hoffte, dass es so bleiben würde.
Und Vernita war eben eine Kämpfernatur, die es liebte andere leiden zu sehen, da sie selbst genug gelitten hat, um sich rächen zu dürfen. Viele tragische Ereignisse prägten sie, doch Miandra schätze die Elfe, da genau diese Erfahrungen ihre Stärke zeigten. Ja, sie war eine starke, misstrauische, hinterhältige, kluge und leicht verrückte Elfe, doch irgendwie mochte Miandra sie. Ihre Art spiegelte ihre Vergangenheit wider, und sie konnte den vielen Schmerz in deren Seele nahezu sehen, wenn sie diese anblickte.
Sie seufzte und stand auf. Sie sagte sich selbst, dass sie immer zu viel nachdachte, doch denken war dem Reden weit voraus, niemand konnte wissen was sie dachte, nur sie selbst. Sie nahm ihre Tasche und näherte sich wortlos der Gruppe, welche wohl bald aufbrechen wollte.


Auch Leanora ging zu Donas. So wie es aussah, waren sie fast bereit zum Aufbruch, und in wenigen Stunden würden sie in Denerim sein. Ihr Blick glitt über die beiden Pferde, denen anzusehen war, dass sie von edler Abstammung waren. Vernita meinte doch mit möglichst wenig Aufsehen in die Stadt zu kommen. Allein Donas würde wieder durchdrehen wenn er auf Menschenmassen traf.
Lea ließ von Donas ab und wandte sich an die Elfe.
„Vernita? Ich muss Euch noch sagen, dass Donas Menschenmassen hasst. Er wird halb am Durchdrehen sein, wenn wir in Denerim ankommen. Damit bringe ich uns alle in Gefahr. Und auch Percivel ist nun kein Tier, das man so leicht übersieht, wenngleich er ein ruhiges Gemüt hat. Meint Ihr nicht, dass es besser wäre uns vor den Toren der Stadt noch zu trennen und nicht als gesamte Gruppe die Stadt betreten?“


„Genau das wollte ich Euch auch vorschlagen, Leanora“
, erwiderte Vernita mit einem zustimmenden Nicken. „Ihr und Lian könntet vorreiten und schon mal nach einer Taverne Ausschau halten. Am besten wäre eine am Marktplatz, an dessen Zugang wir uns auch treffen sollten. Der ist leicht zu finden. Folgt einfach nur der Hauptstraße, dann kommt Ihr schon hin. Falls Euch jemand fragt, so könnt Ihr Euch als die Botin eines Kaufmannes der Stadt ausgeben und Lian ist dann Euer Leibwächter.“
Sie warf einen kurzen Blick zu dem Elfen hinüber.
„Wir werden euch so schnell wie möglich folgen. Gegen Mittag werden wir in der Stadt sein. Dann ist das Gedränge am Stadttor auch so groß, dass wir unbemerkt hineinschlüpfen können.“
Die Elfe wollte sich gerade abwenden, wandte sich aber doch noch mal an die blonde Frau. „Und noch etwas. Traut niemanden, der vorgibt Euer Bruder zu sein. Ich habe ihn gesehen. Er war tatsächlich tot.“
Sie zwinkerte Leanora noch einmal zu, bevor sie sich zu Miandra und Hennrik gesellte. „Also los. Auf geht’s.“


„Darauf könnt Ihr Euch verlassen, Vernita. Nach dem Spektakel habe ich keinen Bedarf an weiteren auftauchenden Brüdern, die eigentlich tot sind. Gute Reise!“
Sie ging zurück zu Donas, saß auf und eine Art Vorfreude auf den Ritt überkam sie. Endlich mal wieder eine Strecke galoppieren zu können... nur der Anlass war nicht gerade so schön.
Leanora nahm die Zügel auf, blickte über ihre Schulter zurück zu Lian und sah, dass dieser auch bereits auf seinem Pferd saß.
Kühl nickte sie ihm zu.
„Na dann wollen wir mal. Ich hoffe, ich muss von meiner ‚Leibwache‘ keinen Gebrauch machen.“
Mit einem leichten Schenkeldruck trieb sie Donas an, winkte den anderen nochmal zu.
Kaum dass sie ein paar Meter Vorsprung hatten, lockerte sie die Zügel, schnalzte mit der Zunge und Donas preschte los als wär der Erzdämon persönlich hinter ihm her.
Leanora ließ ihn laufen, er sollte sich ruhig austoben damit er an den Toren dann etwas ruhiger war. Percivel würde ihm schon hinterher rennen, da war sie sich völlig sicher.
In gestrecktem Galopp flog sie die Handelsstraße entlang und wich hin und wieder Ochsenkarren aus, überholte Kaufmänner mit ihren Maultieren, die ihr schimpfend hinterher riefen, da die Hufe mächtig Staub aufwirbelten.
Nach wenigen Meilen verlangsamte Donas seinen Lauf, und Leanora zügelte ihn zurück zum Schritt. Donas schnaubte und seine Ohren spielten lebhaft.
Leanora blickte über die Schulter. Lian hatte zu tun, dass er ihr nachkam, aber letztlich holte er sie doch endlich ein und zügelte Percivel.
„Na, hat doch Spaß gemacht oder?“ lachte Lea Lian an.


Lian ließ die beiden erst einmal davon reiten, und gönnte ihnen den Spaß. Er selbst saß gemütlich auf seinem schwarzen Gaul. Er streichelte ihm die Mähne. „Percivel also.“ Das war ein toller Name, für ein solch schönes Pferd. Irgendwie war er ja geklaut, aber Lian wollte ihn nicht mehr hergeben. Hoffentlich würde es dadurch keinen Streit mit Leanora geben.
Als Leanora dann langsamer wurde, straffte Lian die Zügel und ritt zu ihr vor. Er erwiderte das Lächeln. Zwar kühl, aber es war vorhanden. Sein Hund kam ihm ebenfalls gerade noch so hinterher und rannte neben den beiden her.
„Ja hat Spaß gemacht.“ meinte er. Dann blickte er weiter nach vorne. „Wenn wir in der Taverne sind muss ich Euch kurz alleine lassen. Zur Sicherheit lasse ich meinen Mabari bei Euch. Ich werde nicht lange brauchen.“
Dabei blickte er zu seinem Hund runter, der fröhlich mit dem Schwanz wedelte.
„Sagt mal… habt Ihr Angst? Also… vor mir?“ fragte er behutsam.
Von weitem konnte man mittlerweile schon die Stadttore sehen, und die Rauchsäulen, die aus den Häusern emporstiegen. Bald waren sie da, aber es würde noch eine Weile dauern.


Leanora war überrascht über die Frage.
„Nun, Angst würde ich es nicht bezeichnen. Ihr habt mir keinerlei Grund gegeben, Angst zu haben, aber ein mulmiges Gefühl habe ich seit Eurer Enthüllung schon. Mir wäre es definitiv lieber, wenn Ihr wüsstet, wie Ihr diese Gabe einsetzen könnt. Aber ob ich nun durch Eure Hand den Tod finde oder von einem Doppelgänger meines Bruders geköpft werde ist mir dann auch beinah einerlei. Tot ist tot, oder nicht?“


Lian runzelte die Stirn. Tot ist tot? Na ja, jedem wie er meinte. Aber Lian wäre es lieber gewesen, nicht durch eine bekannte Hand zu sterben.
„Ich habe selbst Angst davor. Ihr habt ja mitbekommen, was schon alles passierte.“ seufzte er. „Wie durch einen Doppelgänger Eures Bruders? Habe ich da was nicht mitbekommen?“ fragte er total verwundert.


„Ja, ich denke das habt Ihr verschlafen.“

In kurzen Worten schilderte Leanora die Situation von gestern, in welche sie mit ihrer Gutgläubigkeit und der Sehnsucht nach ihrem liebevollen Zuhause geraten war. Auch die Rettungsaktion Vernitas ließ sie nicht aus, und wie diese zu ihr fand.
„Alles in allem keine Sekunde zu spät. Nur einen Wimpernschlag später und…“ sie schluckte. „Ich danke Euch, wenn Ihr den Mabari bei mir lassen wollt. Nero wusste, dass er mit Donas auf Dauer nicht mithalten kann, ich denke er wird zusammen mit Vernita und den anderen in Denerim auftauchen.“


Zuletzt von Allie am So 31 Jul 2011, 12:02 pm bearbeitet; insgesamt 4-mal bearbeitet
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Allie
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BeitragThema: Re: Kapitel XII - Ankunft: Das glühende Kreuz   Do 28 Jul 2011, 3:34 pm

Durch den Galopp waren sie relativ flott an den Stadttoren. Vor ihnen winkten die Wachen soeben einen Ochsenkarren durch. Dann sahen sie Leanora und Lian.
„Halt, stehengeblieben. Euer Begehr?“
„Ich bin Botin eines Kaufmanns aus Antiva und soll schon mal erkunden, wo mein Herr absteigen und seinen Marktstand aufstellen kann. Und das hier ist meine Leibwache.“
Die Wache musterte Leanoras Erscheinung, und was er sah gefiel ihm ausnehmend gut. Er lächelte sie an und salutierte vor ihr.
„Euer Diener, Mylady. Reitet gerade aus, dann kommt Ihr direkt an den Marktplatz. Dort findet Ihr auch einige Tavernen.
Leanora deutete ein Lächeln an und erwiderte: „Habt Dank edler Ritter. Ich wünsche noch einen schönen Tag.“
Die Wache trat zur Seite und ließ die beiden passieren. Dabei starrte er Lea noch nach, bis sie um die Kurve verschwand.
„Beim Erbauer, hast Du die gesehen? Mein lieber Herr Gesangsverein...“
Sein Kumpane runzelte nur ärgerlich die Stirn, inzwischen waren weitere Reisende angekommen, die er dank der Ablenkung alleine abfertigen musste.
Donas hatte inzwischen nur die Ohren angelegt und den Hinterhuf gehoben, aber sich zum Glück soweit benommen. Als sie nun am Marktplatz ankamen tänzelte er vor Nervosität umher.
„Sh... ruhig Donas...“
Leanora hatte gut zu tun, den Hengst halbwegs ruhig zu halten als sie weiterritten.
Zu Lian gewandt meinte sie: „Ich will mal gucken, ob ein wenig abseits auch noch eine Taverne ist, in der wir übernachten können. Der Trubel hier macht Donas kirre.“
Sie hatten Glück. Zwei Seitenstraßen weiter war eine Taverne ausgeschildert. Davor war sogar eine Pferdetränke, und von außen sah das Haus ganz passabel aus, wenngleich keine Luxus-Herberge. Aber in eine solche wollten sie ja ohnehin nicht.
Leanora sprang vom Pferd und band Donas an der Halterung an, der sofort mit der Nase in der Tränke verschwand. Sie nahm ihren Rucksack vom Pferd und wandte sich an den Eingang.
„The Fiery Cross... das glühende Kreuz. Na wenn das mal kein schlechtes Omen ist...“ seufzte Lea, aber beschloss dennoch, hinein zu gehen.


Das glühende Kreuz. Lian grinste und schüttelte den Kopf. Dann band auch er Percivel an der Halterung an, direkt neben Donas. Er nahm seinen Rucksack und warf ihn sich auf den Rücken. Gleich darauf folgte er Leanora und begleitete sie in die Taverne hinein.
Lian trat zur Theke und reservierte sich gleich ein Zimmer. Mit Einzelbett. Wenn die anderen noch eins erwischen wollten, müssten sie sich beeilen. Es waren nicht mehr viele Zimmer übrig. Er brachte schnell sein Gepäck nach oben, nur den verschmorten Handschuh nahm er mit. Er sperrte ab und ging zu wieder Leanora.
„So ich lasse nun meinen Mabari bei Euch. Ich werde nicht lange weg sein. Und geht nicht aus der Taverne, redet mit niemandem. Und, Ihr könnt Euch ja einen Namen für meinen Hund ausdenken. Mir ist kein so guter eingefallen.“


„Äh... in Ordnung. Bis später dann, aber beeilt Euch. Ich möchte die anderen nicht zu lange warten lassen. Inzwischen regel ich hier das mit den Zimmern.“
Sie nickte Lian zu und kraulte den Mabari.
„Einen Namen für Dich? Na mal überlegen, vielleicht fällt mir ja was Schönes ein.“
Der Wirt sah Leanora missmutig an. „Hunde? Die soll‘n raus in Stall, die ha‘m hier nix verlor‘n! Und wenn Ihr am Ende noch Pferde bei habt - die auch da rei‘! Viecher komm‘a hier net rein!“
Leanora runzelte die Stirn. Na hurra, da hatte sie ja den nettesten Wirt ergattert. Aber egal, für eine Nacht würde es erstmals reichen, und dann konnte man immer noch nach einer neuen Bleibe sehen.
„Werter Wirt, das ist kein gewöhnlicher Hund, und er darf unter keinen Umständen von uns getrennt werden. Es wird noch einer dazu kommen. Und wir brauchen wenn möglich noch vier weitere Zimmer. Also insgesamt fünf.“ Lea schenkte dem Wirt ein bezauberndes Lächeln, was aber wirkungslos an ihm abprallte.
„Aber sonst ist schon alles in Ordnung bei Euch? Fünf Zimmer?“
„Jawohl. Fünf, oder rede ich undeutlich? Wie viele sind denn noch frei?“
„Sechs. Ich kann doch nicht alle auf einmal vermieten. Wenn da nun Leute kommen die übernachten wollen!“
„Nun dann habt Ihr heute wohl Glück, es will nämlich tatsächlich jemand hier schlafen. So habt Ihr doch noch immer eines frei für Notfälle und spezielle Gäste.“

Der Wirt wischte sich den Schweiß von der Stirn, verteilte ihn aber eher, da sein Tuch auch mehr als speckig war.
Leanora biss sich auf die Unterlippe, wie stur konnte der Kerl eigentlich sein? Dann kam ihr eine Idee. Sie kramte in ihrem Rucksack herum, bis sie das Geld fand, welches sie eingesteckt hatte, nahm es zur Hand, aber so, dass der Wirt nicht sehen konnte, wie viel es war. Aber das Klimpern der Münzen ließ ihn aufblicken.
„Nun Wirt, wie viel sollen die Zimmer denn nun kosten? Ich zahle im Voraus. Und wenn ich noch eine Schüssel warmes Wasser und ein Stück Seife erhalten könnte gibt‘s sogar ‚nen Bonus.“
Dem Wirt klappte das Kiefer nach unten. „Pro Nase ein Soverign. Also gebt das Geld schon her.“
„Gut, hier sind sechs Sovereigns und fünfzig Silberlinge, dafür dürfen die Hunde mit. Und meine Seife nicht vergessen. Vielen Dank!“
Sie schnappte sich die Schlüssel, die ihr der Wirt aushändigte und ging die Stufen hinauf, wo die Zimmer waren.
Als sie die Tür öffnete, wäre sie am liebsten wieder rücklings hinaus. Gelüftet wurde dort wohl schon seit der Verderbnis nicht mehr, es miefte und in den Ecken war Stockschimmel zu sehen. Angeekelt zog Leanora die Nase kraus und versuchte ihr Glück im Zimmer nebenan, aber da sah es nicht viel besser aus. Seufzend warf sie den Rucksack aufs Bett, wo sofort eine Staubwolke in die Höhe ging.
„Na Prost Mahlzeit. Vernita wollte eine schäbige Unterkunft. Ich glaub, ich hab sie gefunden. Länger als eine Nacht bleibe ich hier nicht, da schlaf ich ja noch eher bei Donas im Stall“ grummelte sie vor sich hin.
Sie war gerade dabei, die Fensterflügel aufzumachen, beziehungsweise versuchte es. Die Flügel klemmten gewaltig und hatten sich verzogen, aber letztlich öffnete sich eines der Fenster mit lautem Quietschen, und frische Luft zog durch den Raum.
„Uff, geschafft. Ich glaube, das mache ich in den anderen Räumen auch noch...“
Gerade als sie zur Tür hinaus wollte, trat ihr der Wirt entgegen.
„Hier, Seife und Wasser. Solltet Ihr jegliche Wünsche haben, gebt mir ruhig Bescheid.“ Der Wirt grinste sie an, eine Reihe fleckiger Zähne dabei zeigend.
Leanora nahm die Schüssel und die Seife dankend entgegen. Was ein paar Silberlinge nur aus griesgrämigen Leuten machen konnten... dennoch hatte die emaillierte Schüssel auch schon bessere Zeiten gesehen, aber sie wollte sich nicht beschweren. Sogar ein halbwegs sauberes Handtuch hatte der Wirt dazu gelegt.
Aus der Schale stiegen noch die Dampfwolken, das Wasser war also tatsächlich frisch gekocht. So hatte sie noch genug Zeit, die Fenster in den anderen Räumen zu öffnen und die Türen wieder zu verschließen. Der Mabari folgte ihr dabei auf Schritt und Tritt und verfolgte das Geschehen neugierig.
Wo Lian nur blieb?
Sie nahm die Decke vom Bett und schüttelte diese erst einmal kräftig aus dem geöffneten Fenster hinaus. Wieder flogen Staubwolken durch die Gegend, und Leanora musste husten. Dann legte sie diese wieder zurück aufs Bett, räumte ihren Rucksack halbwegs aus und suchte sich frische Kleidung hervor. Sie zog sich aus und wusch sich so gut es ging, auch die Haare wurden einer Säuberung mit Seife unterzogen.
So fühlte sie sich sofort besser, und als sie in ihre weichen Hosen und eine frische Wollweste schlüpfte, ging es ihr sogar halbwegs gut. Sie setzte sich vorsichtig auf die Bettkante und streichelte den Mabari gedankenverloren. Dann stand sie auf.
„Komm mit, wir warten unten auf deinen Herren. Da mieft es wenigstens nicht so.“
Sie setzte sich in die Schankstube, bestellte sich einen Krug mit Milch und wartete auf Lian. Sie war gespannt, was er zu berichten hatte.


Mit einem Lächeln wandte sich Lian von Leanora ab, und verließ die Taverne. Er streifte durch die Gegend in Denerim, bis er den richtigen Laden gefunden hatte. Henkers Schneiderei. Das war sie. Dort war sein Freund Kylar, den er schon lange sehen wollte. Schon viel zu lange, musste Lian mit diesem außergewöhnlichem Phänomen leben, ohne auch nur zu wissen, wie man es kontrollieren konnte.
Er öffnete die Tür des Ladens. Und gleich an der Theke stand Kylar. Er lachte und trat auf Lian zu. Mit einem Kräftigen Handschlag begrüßte er ihn.
„Hey Lian mein alter Freund. Ich fragte mich schon, wann du kommen würdest.“
„Ja.“ erwiderte Lian. „Ich hatte viel zu tun. Aber du weißt warum ich hier bin?“

Kylar nickte, und führte Lian in den hintersten Raum des Ladens. Er setzte sich an einen Tisch, von welchem man nur die Umrisse erkennen konnte. Der Raum war kaum beleuchtet. Auch Lian setzte sich und wartete darauf, was Kylar zu sagen hatte.
„Also. Ich war im Zirkel der Magi. Hier sind erst einmal deine Handschuhe. Aber… ich glaube diese alleine werden dir nicht helfen. Ich sprach mit dem Ersten Verzauberer. Er weiß was mit dir geschehen ist, aber wollte nicht so viel sagen. Er meinte nur, du wärst zu etwas Besonderem bestimmt. Das würdest du selbst heraus finden müssen. Deine Gabe zu kontrollieren, sei keine einfache Aufgabe. Es geht dabei um Beherrschung und Disziplin.“
Lian seufzte und zog die Handschuhe an. Sie waren aus samtenem Stoff, so schwarz wie die Nacht und völlig leicht. Er spürte sie nicht einmal.
„Also, das alles heißt?“ fragte er.
„Du musst lernen dich zu beherrschen. Gefühle zu unterdrücken. Solltest du auf jemanden wütend sein, schlucke es runter. Du würdest demjenigen nur Schaden zufügen. Du weißt… was mit Verena passiert ist, und mit mir. Aber noch etwas anderes Lian.“
Kylar kratze sich am Kopf, er wusste nicht so recht, wie er anfangen sollte. Das, was als nächstes kam, würde den größten Schock verursachen, von all dem was er zu sagen hatte.
„Hast du dich nicht jemals gefragt, warum du seit dem Attentat des Magiers, also seit Beginn deiner Begabung, nicht einen Tag gealtert bist? Sieh dich an! Es sind mittlerweile sieben Jahre vergangen und du siehst noch genauso aus wie damals.“
„Was… meinst du damit?“ fragte Lian.
„Du kannst sterben, so wie jeder andere auch. Zum Beispiel durch ein Schwert oder Sonstiges. Aber du selbst… wirst nicht altern.“ meinte Kylar entsetzt und schüttelte den Kopf.
Lian stand auf und ging wie wild in dem kleinen Raum umher. Das konnte nicht sein. So etwas gab es nicht, oder doch? Mittlerweile wusste er gar nicht mehr, was er glauben sollte. So viel Unwahrscheinliches war passiert. Beherrschung und Disziplin. Das war also der Schlüssel. Aber wozu war er bestimmt? War dieser Magier damals etwa irgendein besonderer Magier?
„Kylar, was soll ich tun. Ich glaub das alles nicht. Weißt du, so viel ist passiert. Und das alles für diese kleinen Informationen? Wollte der Erste Verzauberer etwa nicht mehr sagen?“
„Nein Lian. Aber… das letzte was er sagte war, dass er dich schon finden würde, zur rechten Zeit, am rechten Ort. Versuch dich einfach bis dahin zu beherrschen, in Ordnung? Sag mal, was hast du denn bisher gemacht? Bist du alleine unterwegs?“ fragte Kylar.
„Ich bin mit einer kleinen Gruppe unterwegs. Vernita – eine Elfe. Sie ist ein Grauer Wächter. Lea – Eine Frau vom Adel. Gerade erst zur Gruppe hinzugestoßen. Hennrik – ein alter Magier. Er ist sehr still, ich weiß nichts über ihn. Und… Mia – Ich… Du… wirst nicht glauben was passiert ist.“
Kylar stand auf, und hielt seine Hand auf Lians Schulter. Er begann zu seufzen und schüttelte den Kopf.
„Du wurdest wieder geprägt, nicht wahr? Ein Grund mehr, Disziplin und Beherrschung zu lernen.“
„Ja.“
erwiderte Lian. „Das ist wahr. Aber sie haben alle Angst ist ja auch verständlich. Wie dem auch sei. Ich habe dir meinen Handschuh mitgebracht. Er ist bei einer Berührung mit Vernita durchgeschmort. Hast du dieselbe Art Handschuh noch da? Weißt ja, schön schwarz, passend zu meiner Lederrüstung.“
Kylar ging zusammen mit Lian wieder nach vorne, zum eigentlichen Laden. Er selbst arbeitete nur dort, erledigte die ganze Zeit die Arbeit, während sein Vorgesetzter sich den ganzen Tag über vergnügte. Er kramte in einer Kiste herum, die er mitgenommen hatte, und dort fand er sie auch. Ein zweites Paar Handschuhe für Lians Rüstung. Nagelneu noch nicht gebraucht.
„Hier. Hast ein paar Neue. Du wirst noch etwas in Denerim bleiben oder? Dann komm doch mal wieder vorbei, bevor du abreist. Sonst sehen wir uns wieder jahrelang nicht.“ lachte Kylar.
„Danke Kylar. Für alles. Ich werde noch einmal vorbei schauen. Pass auf dich auf!“ sagte Lian, und verabschiedete sich wieder mit einem kräftigen Handschlag. Dann verließ er den Laden.
„Pass du lieber auf dich auf!“ schrie ihm Kylar hinterher.
Lian machte sich wieder auf den Weg in die Taverne. Unterwegs, zog er sich die neuen Handschuhe über die Seidenhandschuhe drüber. Er spürte richtig, wie stabil sie noch waren.
Als er in der Taverne ankam, setzte er sich zu Leanora an den Tisch, und bestellte sich ein Bier.
„So ich bin wieder da.“ seufzte er.


„Leider ist mir noch kein Name für den Hund eingefallen. Ich kenne ihn ja auch zu wenig. Aber nun kommt, wir sollten langsam zum Marktplatz gehen und die anderen dort abholen. Leider konnte ich das Fenster in Eurem Zimmer nicht öffnen, da Ihr den Schlüssel mitgenommen habt."
Leanora stand auf, nickte Lian zu und wollte zur Tür hinaus. „Ihr könnt natürlich auch gerne hier bleiben. Würde vielleicht auch nicht schaden, dass jemand ein Auge auf die Pferde hat.“
Die Wahl, ob er mitkam oder nicht, überließ sie ihm selber. Sie machte sich jedenfalls auf den Weg und war wenige Minuten später am Brunnen des Marktplatzes angekommen. Dort setzte sie sich auf den Rand und wartete auf den Rest der Truppe, denn von dort hatte sie einen guten Überblick zum Eingang der Marktstraße.


Lian folgte Leanora sicherheitshalber. Er konnte sie doch nicht alleine am Marktplatz stehen lassen, nachdem ihre Familie ermordet wurde. So rannte er zu ihr auf den Marktplatz, samt Mabari. Als er sie am Brunnen sah, setzte er sich neben sie.
„Lauft doch nicht einfach weg.“ lachte er. „Egal, dann heißt mein Mabari eben Mabari. Wann die anderen wohl erscheinen werden?“


Leanora lächelte ihn an. Komischerweise war ihr tatsächlich wohler, dass er dabei war, wenngleich sie sich um die Pferde sorgte. Aber Donas würde sich schon zu verteidigen wissen.
„Wartet ab, mittendrin fällt mir schon etwas Passendes ein. Aber ich muss ein Tier immer erst etwas kennen damit mir ein Name dazu einfällt. Bei Pferden ist das einfacher, da ist meistens der Anfangsbuchstabe vorgegeben. Meist der Mutterstute. Manchmal ist der Name des Hengstes aber noch angehängt. Oh verzeiht, wenn ich Euch damit langweile. Aber die Leidenschaft meines Vaters war die meine, und ich liebe diese Tiere einfach.“


Lian hörte Leanora gespannt zu. Sie war anscheinend die einzige aus der Gruppe, mit der er sich normal unterhalten konnte. Alle anderen, waren abweisend, zickig, zynisch oder sarkastisch. Aber er konnte es ihnen nicht verübeln.
„Nein nein, Ihr langweilt mich nicht. Nun ja, mein Mabari, ist sehr schnell, flink aber auch sehr gefährlich. Ich finde es komisch. Normalerweise sind Mabarihunde doch schon geprägt. Aber als ich ihn sah, seine Wunde verband ihm was zu essen gab, und dann weiterging, verfolgte er mich. Und seither blieb er bei mir.“ sagte Lian und streichelte dabei zufrieden und voller Stolz seinen Hund.



Zuletzt von Allie am Do 28 Jul 2011, 8:11 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Kapitel XII - Ankunft: Das glühende Kreuz   Do 28 Jul 2011, 3:50 pm

Leanora und Lian ritten mitsamt ihren Hunden voraus, während sich Vernita, Hennrik und Miandra zu Fuß auf den Weg machten. Die Elfe legte ein höheres Tempo vor als an den Tagen zuvor, so dass insbesondere der Magier Mühe hatte mit ihr Schritt zu halten. Aber Vernita wollte unbedingt zur Mittagszeit an den Stadttoren ankommen. Zu dieser Zeit war es dort immer rappelvoll. Es war also so gut wie ausgeschlossen, dass sie jemand in diesem Gedränge ausmachen würde, selbst wenn er nach ihnen suchen sollte. Und auch wenn sie die Stadt schon sehen konnten, war es trotzdem noch ein ziemliches Stück Weg, bis sie sie betreten würden.
Die Sonne zeigte schon ihr volles Antlitz, während die drei über die staubige Handelsstraße an zahlreichen Händlern und anderen Reisenden vorbeikamen. Und je näher sie der Stadt kamen, desto lauter und voller wurde es. Irgendwann stießen sie auch auf Leanoras Hund, der den beiden wohl nicht bis zum Ende folgen konnte und sich nun den dreien anschloss.
Schon auf der Hälfte der Strecke wurde den dreien klar, wie groß und prächtig diese Stadt war. Zumindest Miandra, da sie die einzige war, die noch nie einen Fuß nach Denerim gesetzt hatte. Die hohen und dicken Stadtmauern konnten montagelang einer Belagerung standhalten, zumindest, wenn diese nicht gerade von einem Erzdämon angeführt wurde.
Kurz bevor sie gegen Mittag die Stadttore erreichten, kam Vernita eine Idee. „Bleibt ein wenig zurück“, meinte sie zu den anderen gewandt. „Mal sehen, ob ich nicht für etwas Verwirrung sorgen kann.“
Die beiden taten, wie ihnen geheißen wurde, während die Elfe zwei Männer ansteuerte, die sich dicht vor ihnen durch das Gedränge wühlten. Einer von ihnen trug seinen Geldbeutel an einem dünnen Lederband an seinem Gürtel.
‚Dieser Trottel’, dachte Vernita bei sich, während sie ihr kleines Messer zog. Sie bewegte sich schnell auf den Mann zu, griff nach dem Lederbeutel und schnitt ihn mit einer schnellen Bewegung von seinem Gürtel. Dann trat sie einen Schritt zur Seite und drückte diesen Beutel in die Hand des anderen Mannes, bevor sie wieder in der Menge verschwand. Das Ganze hatte vielleicht fünf oder sechs Sekunden gedauert.
Der Mann, der plötzlich einen Geldbeutel in der Hand hielt, blieb abrupt stehen, als er realisierte, was da eben geschehen war. Der andere Mann hatte wohl auch gerade registriert, was passiert war und kam bereits schnaubend auf ihn zu.
„Ihr dreckiger Dieb!“ tobte der Mann. „Was fällt Euch an, mir meinen Geldbeutel zu stehlen?“
„Aber das habe ich doch gar nicht.“
„Ach, ist der vielleicht von allein in Eure Hand geflogen, oder was?“
„Nein, den hat mir jemand zugesteckt.“
„Ja sicher, wem wollt Ihr denn diesen Humbug auftischen?!? Wachen! Hier ist ein Dieb!“

Die Torwachen kamen sogleich angelaufen, um sich mit den beiden Streithähnen auseinander zu setzten. Vernita nutzte diese Gelegenheit, um sich und ihre beiden Gefährten durch das Gewühl in die Stadt zu schleichen.
„So, das wäre geschafft“, grinste die Elfe die anderen beiden an. „Jetzt müssen wir nur noch zu Marktplatz. Kommt mit mir.“
Die beiden folgten Vernita weiter durch die Menschenmassen, bis sie schließlich den großen Marktplatz der Stadt erreicht hatten. Die Elfe wunderte sich darüber, dass es hier wieder fast genauso aussah, wie vor der Zerstörung durch die Dunkle Brut. Doch nun war keine Zeit in Erinnerungen zu schwelgen. Sie mussten die anderen beiden finden.
Nachdem sich die drei kurz orientiert hatten, sahen sie auch schon Leanora und Lian an einem Brunnen sitzen. Sofort steuerten sie die beiden an.
„So, da sind wir“, verkündete Vernita, als sie sie erreicht hatten. „Bringt uns zu der Taverne, dann planen wir unsere weiteren Schritte.“


„Ich kenne mich mit Mabarihunden nicht aus, wir hatten immer nur Schäferhunde. Aber wer weiß was diesem Tier widerfahren ist, vielleicht ist sein Herrchen ja tot und nun hat er Euch ausgewählt? Wenn mir ein Name einfällt werde ich ihn Euch sagen. Und seht, da sind die anderen ja schon.“
„Hallo Vernita. Ihr wolltet eine schäbige Absteige, ich glaub ich hab sie tatsächlich gefunden... folgt mir einfach.“
Sie grüßte die Gruppe und schritt dann voran, um das heutige Domizil zu beziehen.
„Aber eines sag ich Euch, länger als eine Nacht bleibe ich hier sicher nicht. Morgen sehe ich mich nach etwas anderem um.“
Schweigend überreichte sie die Zimmerschlüssel.
„Ich habe mir erlaubt, die Fenster zu öffnen, damit etwas frische Luft reinkommt. Viel Spaß.“


Miandra war ziemlich begeistert von dem Anblick an Denerim und vergaß für einen kurzen Moment weswegen sie hier waren. Sie erstaunte sich an den unzähligen Statuen, an denen sie vorbeigingen, sowie an dem riesigen Tor und den Stadtmauern. Doch hier würde sie nicht leben können, denn sie hatte noch nie so viele Leute auf einem Haufen gesehen. Zudem wohnten diese auch noch eng aneinander, sie sah noch nie eine solche Architektur. Die Häuser standen zu Blöcken aneinander gereiht und hier fehlte jegliche Spur von Natur. Der Boden war aus Pflastersteinen und für Bäume war hier wohl auch kaum Platz. Natürlich hatte sie so ihre Vorstellungen von einer Großstadt, doch die waren wohl doch etwas anders.
Sobald sie die Taverne erreichten fiel ihr wieder ein weswegen sie hier waren. Sie begutachtete den Eingangsraum. Ein Treppe ermöglichte wohl den Zugang zu den Zimmern, weiter hinten konnte sie eine Türe ausmachen, welche wohl in die Küche führte – sie war zwar nicht wählerisch, doch sie bezweifelte, dass sie hier etwas essen wollte. Es gab zudem eine eher kleine Theke, einige Stühle, Bänke und Tische. In dem Holz war wohl schon der Holzwurm, da sie bereits Angst hatte, dass die Möbel zerfallen würden wenn sie diese nur ansah. In den Ecken zu Boden, konnte man bereits einen richtigen Haufen an Staub ausmachen, und zu Decke viele Spinnweben. Ja hier hatte schon länger niemand mehr sauber gemacht. Und die Zimmer würden wohl dem Bild von hier ähnlich kommen. Doch genau das wollten sie ja schließlich.
„Darf ich Euch fragen, was Ihr für eine Nacht pro Person bezahlt habt?“ sagte sie im Flüsterton zu Leanora.


Leise flüsterte Leanora zurück: „Ich hab den Wirt bestochen, für fünf Zimmer inklusive Hunde, Wasser und Seife hat er sechs Soverings gekriegt, und fünfzig Silberlinge. Für den Zustand der Zimmer maßlos überzogen, aber seither ist der gute wirklich scheißfreundlich.“


Als sie wieder in der Taverne ankamen, setzte sich Lian wieder an den Tisch. Genau an den wo er vorher auch gesessen hatte. Denn dort stand sein bestelltes Bier. Aber irgendwie hatte er nicht so eine sonderliche Lust darauf es zu trinken. Also ging er damit zum Wirt, bezahlte es, gab es zurück, und bestellte sich stattdessen ein Glas frisches Wasser und eine Bohnensuppe.
Er ging wieder zum Tisch, trank aus seinem Glas und beobachtete die anderen. Sie waren am tuscheln. Um was es ging war Lian egal. Dann legte er seinen Umhang ab, und hing ihn um den Stuhl.
Bald würde einer fragen, was er nun erfahren hatte bei dem Treffen. Er wartete nur nervös darauf und zappelte schon mit seinem Bein.


Als sie die Taverne betraten, sah sich Vernita um. Sie nickte zustimmend, während sie sich den dreckigen und staubigen Schankraum ansah. Hier würde sie sicher niemand vermuten. Und sie hatte auch schon schlimmer gehaust. Nicht nur in ihrer Jugend, als sie die Gefangene eines Adeligen war. Nein, auch als Grauer Wächter verbrachte sie mehr Zeit in Höhlen oder der Wildnis als in Gasthäusern. Nur als sie mitbekam, wie viel Leanora für diese Bruchbude bezahlt hatte, verdrehte sie die Augen bevor sie den anderen an den Tisch folgte.


Leanora war regelrecht erstaunt, dass Miandra sie ansprach. Sie wusste, dass der Wirt durch das Klingeln der Münzen sie über den Tisch gezogen hatte, aber letztlich war es ihr egal. Sie hatte noch genug Geld bei sich.
Sie bestellte ein weiteres Glas Milch und setzte sich zu Lian.
„Wir hatten nicht mehr die Gelegenheit vorhin zu plaudern. Habt Ihr Euren Freund erreicht?“


Sechs Soverigns und fünfzig Silberlinge. Erst wollte Miandra dazu etwas sagen, doch dann fiel ihr wieder ein, dass eine Adelige neben ihr stand. ‚Die hat bestimmt Geld zum abwinken!‘ Dachte sie sich nur zynisch und ging ohne weiteres Wort an die Theke.
Der Wirt wollte sie gerade begrüßen, doch sie unterbrach ihn: „Spart Euch die Worte, ich weiß wie sowas hier abrennt. Vier Mal dasselbe, was der Elf gerade bestellt hat.“
„In Ordnung, das macht dann …“
Sie lehnte sich mit dem Arm sich auf den Tresen und sah ihn mit einem Blick an der hätte töten können. „Hat Euch meine hübsche Freundin“, sie blickte mit den Augen auf den Tisch, an welchem Leanora saß, und konzentrierte sich sofort wieder gebannt auf ihr Gegenüber, „denn nicht bereits ein Jahresgehalt gegeben?“
„Oh, ähm ja! Kommt sofort!“
Sie ging einige Schritte zurück, und ihr Gesichtsausdruck änderte sich schlagartig in ein freundliches Lächeln „Dankeschön.“
Miandra setzte sich zu dem Tisch, an welchen sich bereits die anderen niedergelassen hatten, und sie beobachtete diese nun wieder mit der gefühlslosen Miene, die sie eigentlich immer trug, wenn sie nicht gerade schauspielerte.
Nur wenige Sekunden später stürmte der Wirt zu ihnen und stellte jedem der Vier eine Bohnensuppe sowie ein Glas Wasser hin bevor er – irgendwie ängstlich- in der Küche verschwand. Nach der langen Reise, würde eine Suppe jedem von den fünf gut tun, auch wenn sie wahrscheinlich total zerkocht und nur wie warmes Wasser schmecken würde.


Mit Erstaunen beobachtete Lian Miandra, die dem Wirt ziemlichen Schrecken einjagte. Er musste sich ein Lachen verkneifen. Jetzt wusste er, wenn sie mal was umsonst haben wollten, mussten sie einfach Miandra vor schicken, de würde das schon erledigen.
Lian zog seine Lederhandschuhe aus, doch die aus dem samtenen Stoff ließ er an. Sie waren verzaubert, mit einem Schutzschild, so dass keine Magie von seinen Händen durchdringen konnte.
„Ja, ich habe meinen Freund erreicht.“ beantwortete er schließlich Leanoras Frage.
Er aß zwei Löffel von der Suppe und trank einen Schluck Wasser, aber am liebsten hätte er es sofort wieder ausgespuckt. Es schmeckte einfach scheußlich.
„Also. Ich … ehm, das ist nicht so einfach zu erklären. Kylar war beim Ersten Verzauberer im Turm der Magi. Er sagte, ich sei zu etwas Besonderem bestimmt. Meine Fähigkeiten, könne ich durch Beherrschung und Disziplin lenken. Und irgendwann, zur rechten Zeit am rechten Ort, wird der Erste Verzauberer erscheinen und mich finden. Was dann geschieht, weiß ich nicht. Das Schlimmste an der ganzen Sache ist, dass ich zwar sterben kann, wie jeder andere auch… nur altern … das tue ich nicht. Ich sehe genauso aus wie vor sieben Jahren. Ich habe mich nicht verändert….“ erzählte Lian mit einem Seufzen, während er den Kopf hängen ließ.
Danach aß er seine Bohnensuppe fertig auf, aber die schmeckte so grauenhaft… er würde auf jeden Fall noch einmal in die Küche schauen, und denen zeigen, wie man richtig kocht.


Auch Leanora nahm ein Löffel von der Bohnensuppe, verzog angewidert das Gesicht, aber löffelte tapfer die Hälfte aus. Der Hunger trieb die Brühe hinunter. Zuvor hatte sie jedoch geschmunzelt, als Miandra dem Wirt drohte. Von wegen hübsche Freundin. Ihre linke Augenbraue hob sich als sie daran dachte.
Dann lauschte sie Lians Worten.
„Nun, dann lernt am besten schnell, Euch zu beherrschen, ja? Und dass Ihr nicht altert... jede Frau würde Euch um diese Gabe beneiden, glaubt mir“ zwinkerte sie ihm zu. „Mit Verlaub, das Zeug krieg ich nicht weiter runter. Ich werde mal die Pferde versorgen, vielleicht ist wenigstens das Heu von besserer Qualität.“
Sie stand auf, tupfte sich den Mund mit der tatsächlich mitgelieferten Serviette ab und ging hinaus zu Donas, der die Ohren hängen ließ, den Hinterhuf eingeknickt hatte und vor sich hin döste.
Vorsichtig tätschelte sie ihm den Hals.
„Aufwachen mein Süßer, lass uns mal deine neue Bleibe ansehen.“
Dann band sie den Hengst los und führte ihn in den Stall, der tatsächlich hell und lichtdurchflutet war. Sogar die Unterstände waren mit frischem Stroh ausgelegt, und das Heu in der Krippe roch frisch.
„Da hast du es besser erwischt als ich.“
Sie sattelte Donas ab, nahm sich ein Bündel Stroh und rieb damit über sein Fell, um Schweißflecken abzureiben. Im Anschluss machte sie das gleiche mit dem Rappen, den sie neben Donas unterbrachte.
Dann ging sie zurück in die Schankstube und setzte sich wieder zu den Gefährten.


Miandra lauschte den Worten von Lian, doch scheinbar wurde das Ganze immer skurriler. Doch was würde eine Frau dafür geben, in den besten Jahren ihres Lebens nicht altern zu können…
Sie nahm einen Löffel von der Bohnensuppe und wollte erst noch einmal alles überdenken was Lian von sich gab als sich der Geschmack der ‚Suppe‘ in ihrem Mund ausbreitete und damit jeglicher Gedanke nur noch eines sagte: Das hier ist kein Essen, sondern schmeckt schlimmer als jeglicher Abfall.
Es war widerwärtig. Sie spuckte den Löffel zurück in die Schüssel, nahm einen Schluck von dem Wasser – welches auch abgestanden schmeckte – um den Geschmack runterzuspülen. Sie hatte ja schon viele schlechte Köche und Köchinnen gesehen, doch das hier war echt die Höhe! Das war wohl das erste Mal, wo sie Leanora bewunderte, dass diese es schaffte so viel davon zu essen. Doch sie selbst stand lange genug hinter dem Herd, um zu wissen wie man kocht… und was man dabei alles falsch machen konnte. Normalerweise verschwendete sie niemals Nahrungsmittel, doch das hier zählte wohl nicht mehr zu dieser Kategorie.
Für einen kurzen Moment kam ihr wohl eine Art ‚Mutterinstinkt‘ hoch und sie schnappte sich zwei der Schüsseln und marschierte ohne ein Wort zu sagen in die Küche und schloss die Türe hinter sich. Nicht weil die Begleiter nichts mithören durften, eher um den Kerl ein wenig den Fluchtweg abzusperren.
Miandra musterte kurz die Küche, welche nur aus einem Kamin bestand, worüber ein Kessel hing – darin befand sich auch die Suppe – sowie einem Tisch, wo man einige Spuren von Fleisch- und Gemüseresten finden konnte. Der Boden und die Decke waren genau so verdreckt wie der äußere Bereich der Taverne.
Sie sah den Wirt in einer Ecke sitzen. Er hielt einen Bierkrug in der Hand und trank wohl erstmals kräftig, um das viele Geld das er nun hatte zu feiern.
Sie stellte die zwei Schüsseln an dem Tisch ab, und näherte sich dem Wirt. Als er sie bemerkte stand er sofort auf und begann zu reden: „Hey Ihr da! In der Küche habt Ihr nichts verloren, das hier ist Privatbereich!“
Miandra setzte sich auf den Tisch und begann mit einem ihrer Dolche zu spielen indem sie ihn in der Luft herumfahren und kreisen ließ. „Och, dabei kann man hier ganz ungestört seinen Spaß haben!“ sagte sie mit einem verführerischen Lächeln und fuhr fort bevor er etwas sagen konnte. „Wisst Ihr, ich weiß genau wie armselig die Arbeit in einer Taverne ist … Es kommen kaum Kunden, und wenn dann doch welche kommen beschweren sie sich nur!“ Sie seufzte und schüttelte theatralisch den Kopf.
„Ja das könnt Ihr laut sagen!“
Sie sprang vom Tisch, ging ganz nahe an ihn heran, und blickte ihm direkt in die Augen, „Und ich weiß auch, dass es manchmal Kundschaft gibt, die einen bedroht … wurdet Ihr denn schon einmal bedroht, mein Lieber?“ Dann streichelte sie ihm langsam über die Brust, weiter nach unten.
Er starrte sie fassungslos an und stotterte: „Oh, Ähm, nein, bisher noch nicht. Soll das hier etwa ein Überfall sein?“ fragte er dämlich und zweideutig.
„In der Tat.“ sagte sie abrupt und hielt ihm den Dolch blitzschnell an die Kehle. Sein Atem stockte und seine Augen weiteten sich vor Schreck.
Miandras Gesicht formte sich zu einer hasserfüllten und wütenden Miene.
„Keine Sorge mein Lieber, ich habe doch nur eine winzig kleine Bitte an Euch …“, sie nahm mit der anderen Hand eine der Schüsseln und hielt sie ihm an den Mund.
„Los trinkt!“ sagte sie dann ernst.
Seine Lippen zitterten, doch er öffnete den Mund leicht und sie schüttete ihm die Brühe hinein, sodass er zu husten begann. Sie entfernte sich einen Schritt von ihm, und er ließ sich auf die Knie fallen und begann sich zu übergeben.
„Ich dachte Ihr seid ein starker Mann… wie schade…“ Sagte sie dann voller Sarkasmus.
Er wischte sich die Galle vom Mund und blickte sie verzweifelt an, wollte etwas sagen, doch sie unterbrach ihn erneut. „Wisst Ihr, meine Freunde und ich sind diesen weiten und endlos langen Weg nach Denerim gereist. Man erzählte uns von der guten Kochkunst, und den überaus freundlichen und zuvorkommenden Gastgebern der Tavernen. Doch nun wurden wir maßlos enttäuscht…“
Er brachte dann doch einige Worte heraus: „Was… was wollt Ihr von mir?“
Sie begann zu lachen. „Ach mein Lieber, ich möchte lediglich, dass Ihr mir zeigt, wie gut Ihr Euren Beruf beherrscht!“ Miandra ging auf ihn zu und deutete mit ihrem Dolch auf seinen Geldbeutel. „Ihr habt doch nun reichlich Verdienst gemacht! Wie wäre es wenn Ihr mich und meine Begleiter als neue Stammmitglieder ansehen, und uns eine leckere Speise auf den Tisch stellen würdet. Wie ich vorhin gesehen habe, hat der Markt wo sie frisches saftiges Fleisch und Gemüse verkaufen noch geöffnet.“
Dann deutete sie mit dem Dolch zwischen seine Beine und wurde wieder abrupt ernst. „Ich hoffe Ihr habt mich verstanden?“
Er hustete kurz und begann sich wieder vom Boden aufzurichten. „Ja, aber … aber natürlich! Ihr seid doch meine Lieblingsgäste!“ sagte er zitternd.
Sie lächelte ihm übertrieben freundlich entgegen. „Wie schön.“
Dann drehte sie sich um und verließ die Küche wieder, setzte sich an den Tisch der Gefährten, wo auch Leanora wieder aufgetaucht war.
Plötzlich stürmte der Wirt bepackt mit ein paar Taschen aus der Türe.
„Ach schüttet diese Brühe bitte weg, ich kann sie nicht mehr riechen“ sagte Miandra in dem Ton, in dem sie immer sprach – wenn auch ein wenig angewidert – und deutete auf die Schüsseln.


Sie setzen sich an einen Tisch und Miandra besorgte bei dem Wirt etwas zu essen. Und Vernita war auch die einzige, die ihre Bohnensuppe komplett wegschlürfte. Auch in diesem Punkt war sie weit aus schlimmeren Fraß gewöhnt, ganz zu schweigen von den Tagen, an denen sie überhaupt nichts zu essen bekam.
Auf den Bericht von Lian hin, konnte sie nur leicht den Kopf schütteln. Dieser Elf und sich beherrschen. Ebenso gut könnte man der Sonne befehlen, nicht mehr zu scheinen. Aber manchmal überraschten einen andere Personen auch, besonders dann, wenn man es nicht von ihnen erwartete. So beschloss sie, darauf erst einmal nicht einzugehen, sondern einfach abzuwarten, was passieren würde. Die Information, dass er doch sterben konnte, überraschte sie nicht weiter, gab ihr aber dennoch etwas Sicherheit, da sie nun wusste, dass sie ihn im Notfall zur Strecke bringen konnte, sollte die Situation es erfordern.
Als sie dann mitbekam, wie Miandra mit den beiden Schüsseln in die Küche stürzte, schmunzelte die Elfe leicht. Sie hatte erst vor, der Frau zu folgen, doch sie ließ es dann doch bleiben. Sie kannte Miandra inzwischen gut genug, um zu wissen, dass sie das schon richten würde. Nachdem sie den Wirt dann dicht hinter der schwarzhaarigen Frau aus der Taverne stürzen sah, lachte sie laut auf und schlug dabei mit der Handfläche auf den Tisch, worauf das morsche Teil schon verdächtig vibrierte.


Lian wusste nicht, was Miandra getan hatte, das der Wirt so außer sich war. Aber anscheinend sollte es gute Auswirkungen haben. Wie dem auch sei. Er stellte die Schüssel beiseite, ebenso wie das Glas Wasser. Er hatte keine Lust, sich hier auch noch eine Magenverstimmung einzufangen.
„Klar, wer möchte schon altern. Trotzdem, finde ich das Ganze nicht gut“ sagte er noch abschließend zu dem Thema von vorhin und stand auf. Gerade in dem Augenblick betrat jemand die Taverne. Es war Kylar! Dieser lachte und trat auf Lian zu. Dort blieb er abrupt stehen und schaute Miandra geschockt mit weiten und großen Augen an.
Lian bemerkte das sofort und bevor er sie noch weiter mit Blicken durchbohren konnte, schob er Kylar weg, an einen Tisch am anderen Ende der Taverne. Dort setzten sich die beiden, und Kylars Blick war noch immer fassungslos – zudem stand sein Mund offen.
Lian ergriff das Wort: „Ja, das dachte ich auch Kylar. Aber das ist nicht Verena. Erstens ist sie keine Elfe, und zweitens hat sie denke ich eine komplett andere Vorgeschichte… und auch einen anderen… kühlen Charakter“
„Aber Aber... Das… wie… Ach du heilige… Sie sieht genauso aus wie Verena. Verdammt Lian! Wie hältst du das nur aus?“ stotterte Kylar.
„Ich weiß es nicht. Sie ist es aber nicht. Und Miandra interessiert sich auch nicht für mich. Ich glaube, sie wäre froh wenn ich endlich weg wäre“ seufzte Lian.
Dann bestellten sich die beiden ein Bier und tranken etwas davon. Das war wohl das Einzige was gut in diesem Laden schmeckte, und nicht abgestanden. Sie plauderten ein bisschen über alte Zeiten, erzählten sich lustige Geschichten, und lachten auch zwischen drin. Sie hatten sich viel zu erzählen, dadurch dass sie sich Jahrelang nicht mehr gesehen hatten.


„Also die Milch kann ich empfehlen“
lächelte Leanora. „Aber die Bohnen… beim Erbauer, ich glaube die stammten noch vor der Verderbnis.“
Sie wandte sich an Miandra.
„Was habt Ihr mit dem Wirt gemacht, dass der so aus der Tür gestürmt ist? Übrigens, wundert Euch nicht über die Zimmer, die sehen nicht viel besser aus. Komischerweise sind die Stallungen in Ordnung, das Heu frisch. Die Pferde haben‘s besser erwischt als wir.“
Dann blickte sie auf den Neu-Ankömmling der Lian begrüßte wie einen alten Freund. War dieser etwa jener Freund, den Lian erwähnte? Er macht einen sympathischen Eindruck, und Leanoras Blick wanderte immer wieder zu dem Fremden, als dieser sich mit Lian am anderen Ende des Raumes an einen Tisch setzte.


Miandra lächelte Leanora leicht entgegen. „Ach ich habe mich lediglich über das Essen beschwert … er ist nur eben auf den Markt gegangen, und wird uns etwas Frisches besorgen“ sagte sie kühl.
Plötzlich stürmte ein neuer Gast in die Taverne und wurde sogleich von Lian an einen anderen Tisch gezerrt, und von einem Kellner – welcher Miandra noch gar nicht aufgefallen war – bedient.
Sie ignorierte die Blicke von dem Fremden einfach, warum auch immer er sie so dumm anglotzte. Sie konnte nur die misstrauischen Blicke von Vernita wahrnehmen, als plötzlich die Tür aufgerissen wurde.
Der Wirt kam bepackt mit vollen Taschen – wo teilweise grüne Blätter von Gemüse heraus sahen – die Tür hereingestürmt. Er hatte einen knallroten Kopf, er war wohl schneller gelaufen als ein Mabari. Er schenkte niemanden einen Blink sondern verschwand in Windeseile in der Küche.


Leanora grinste über beide Ohren. Irgendwie war sie seit ihrer Rettung von zu Hause noch nicht so entspannt, geschweige denn gut aufgenommen worden, als heute. Sie fühlte sich beinahe wohl unter ihren Gefährten und wunderte sich darüber.
Als der Wirt mit hochrotem Kopf hinter der Küchentür verschwand, fing Leanora an zu lachen, bis ihr die Tränen kamen. Letztlich schnappte sie nach Luft und wandte sich an Miandra.
„Beim Erbauer, ich bin gespannt, was er uns nun vorsetzt. Traut Ihr seiner Kochkunst?“
Ein erneuter Lachanfall war die Folge, und ihr kamen bereits die Tränen. Außerdem hielt sie sich den Bauch, dieser begann langsam zu schmerzen.


Lian und Kylar amüsierten sich. Dafür, dass Lian sich nicht verändert hatte, wirkte Kylar umso älter. Auch seine Haare waren gewachsen und vorne zerstrubbelt. Er trug sie einst genauso kurz, wie Lian es tat.
„Also Lian.“ sagte Kylar. „Willst du mich den Damen nicht mal vorstellen?“
„Ich weiß nicht. Mach dir bei Vernita und Miandra nicht allzu viel Hoffnung, dass sie dich empfangen. Aber sonst. Na gut. Kann ja nicht schaden was?“ lachte er ihm entgegen.
So standen beide auf, und gingen wieder zu dem Tisch, wo sich Lians Gefährten befanden. Lian blickte zuerst in die Runde, aber dachte sich nichts dabei, dass die anderen so glotzten.
„Also. Darf ich vorstellen? Das ist Kylar. Ein langjähriger Freund, der für mich beim Zirkel war.“

„Freut mich Euch kennen zu lernen. Ach und Miandra. Verzeiht die geschockten Blicke. Aber wie Lian ja schon erzählte, seht Ihr aus wie Verena. Verzeiht.“
Danach reichte er jedem die Hand, und bei Leanora blieben seine Blicke hängen. Er schaute ihr tief in die Augen und lächelte sie an. Danach setzten sich die beiden an den Tisch.
„Miandra“ sprach Lian diese an. „Habe ich da gerade den Wirt gesehen? Mit frischen Sachen vom Markt?“ lachte er.


Miandra konnte weder den Lacher von Leanora, noch den von Lian teilen. Sie wandte sich vorerst an Leanora. „Nun ja, ich denke schon. Aber viel schlimmer kann es ja nicht mehr werden, von daher …“
Dann musterte sie Kylar nachdenklich mit verschränkten Armen.
„Ja, die Freude ist ganz auf meiner Seite.“ sagte sie mit sarkastischem Unterton. Es passte ihr gar nicht, dass sie scheinbar irgendeiner Verstorbenen ähnlich sah. Doch eigentlich war das auch egal, der Kerl würde schon noch merken, dass der Schein gerne trügt…


Leanora reichte Kylar die Hand, aber wandte den Blick verlegen zu Boden als er sie ansah. Er faszinierte und verunsicherte sie gleichermaßen. Seine Narbe am Auge... wo kam sie her? Dennoch... er strahlte etwas Friedliches aus. Das war wohl der Grund wieso sie ihn dennoch verstohlen musterte, als die beiden sich wieder zu ihnen an den Tisch setzten.
Zu Miandra gewandt meinte sie: „Da habt Ihr allerdings Recht. Um ehrlich zu sein, ich habe immer noch Hunger, und das bisschen Bohnen... nun an die denke ich mal lieber nicht. Wie gesagt, erschreckt nicht vor dem Zimmer, aber wenigstens dürfte inzwischen etwas frische Luft drin sein.“
Dann trank sie noch einen Schluck ihrer Milch und wartete gespannt darauf, was der Wirt ihnen nun vorsetzen würde.


„Wo bleibt denn der Wirt, wenn Ihr schon was bestellt habt Miandra.“ fragte Lian. Dann blickte er sie die ganze Zeit über wieder unauffällig an. ‚Diese Prägung... Diese verdammte Prägung‘, dachte er sich. Er würde irgendwann zu Grunde gehen, wenn er es immer nur versuchen würde ihr recht zu machen. Warum hatte er auch diese verdammte Gabe? Warum nur?
Während Lian versuchte sich mit Miandra zu unterhalten, starrte Kylar nur Leanora an. Anscheinend gefiel sie ihm, und die verlegene Röte auf ihren Wangen brachte Kylar zum Grinsen.
„Wo kommt Ihr denn her, meine Schöne?“ fragte er Leanora.


„Ach um die Zimmer mache ich mir keinerlei Gedanken.“ Sagte Miandra ruhig und wandte sich an Lian. „Ich habe nichts bestellt, er wird schon wissen, was gut für uns ist.“
Plötzlich stürmte er aus der Küche, wie wenn er Miandras Worte bis dorthin vernommen hätte. Er trug fünf Gläser mit Rotwein und brachte sie an den Tisch.
„Verzeiht, das Essen wird sofort geliefert, nur noch einen Moment.“ sagte er nervös und völlig außer Atem, dann blickte er zu Kylar und sein Blick glitt wieder zu Miandra, als wolle er sie fragen, ob er auch dazu gehörte. Sie nickte nur und er klatschte einmal in die Hand. „Alfred! Noch ein Glas Wein für unsere Gäste, aber dalli!“
Kaum war er erscheinen, verschwand er auch schon wieder in der Küche. Der Kellner kam mit einem Glas Rotwein geeilt, musste jedoch feststellten, dass Kylar bereits gegangen war. Er blickte fragend und verwirrt auf den Tisch, und verschwand mit dem Glas wieder in der Küche.


Leanora blickte über die Schulter, ob hinter ihr noch jemand stand. Aber nein, Kylar musste sie angesprochen haben.
„Aus der Nähe von Lothering. Das Nest ist so klein, dass es auf keiner Landkarte eingezeichnet ist. Also, zumindest wenn Ihr mich gefragt habt?“ Verwirrt blickte sie Kylar an.


Kylar lachte. Diese Frau hatte auch noch Sinn für Humor.
„Natürlich meinte ich Euch. Ich habe Euch doch angeschaut. Niemand anderen. Also aus Ferelden. Ihr stammt bestimmt von Adel. Richtig?“
Lian schaute zu Kylar rüber und haute mit seinem Fuß gegen den von ihm.
„Aua!“ schrie er auf.
„Vergiss es Kylar. Du würdest sie nie mehr sehen.“ meinte Lian.
„Ja schon in Ordnung. Ich wollte eh gerade wieder gehen. Also, auf Wiedersehen. Und viel Glück weiterhin.“ verabschiedete sich Kylar, und Leanora gab er noch einen Kuss auf die Hand, ehe er wieder verschwand.
Lian schüttelte den Kopf.
„Oh man der bekommt heute noch was zu hören.“


„Ja, aber dafür kann ich nichts. Und ich wäre Euch dankbar, wenn wenigstens Ihr das nicht als Makel ansehen würdet.“ Leanora lächelte Kylar an, ehe dieser aus der Tür verschwand. Er schien tatsächlich nett zu sein, aber ein flaues Gefühl in der Magengegend blieb dennoch zurück und insofern war sie doch froh, als er ging. Sie hatte in den paar Tagen einfach zu viele schlechte Erfahrungen gemacht um ihrem Instinkt noch zu trauen.


Lian trank einen Schluck aus dem Weinglas. Er schmeckte sehr gut. Also hatte der Wirt sein Gold gut investiert. Da fiel Lian ein, dass er noch etwas vergessen hatte zu fragen. Er musste von Kylar noch wissen, ob der Magier noch lebte.
„Ich bin gleich wieder da.“ sagte Lian und nahm seine Sachen.
Er verließ die Taverne, und ging wieder durch die Straßen, um Kylar in der Schneiderei ausfindig zu machen.


Als die Tür erneut aufgerissen wurde und ein weiterer Elf die Taverne betrat, war Vernitas gute Laune sofort verflogen, und sie beäugte den Neuankömmling misstrauisch. ‚Das ist wohl Lians Freund’, dachte sie nur, als die beiden sich an den Tisch setzten und über Belangloses sprachen.
Besonders genervt war sie dann allerdings, als dieser Kylar auch noch zu ihnen herüberkam, erst Miandra anquatschte und schließlich mit Leanora herum flirtete. Ihre Nerven waren zum Zerreißen gespannt, und man sah ihr ihre Anspannung mit Sicherheit an. Sie musste sich stark zusammennehmen, um nicht aufzuspringen, diesen Kylar am Kragen zu packen und achtkantig aus der Taverne zu werfen. Sie waren schließlich hier, um ihre nächsten Schritte zu planen und nicht, um mit alten Freunden Lians ein Schwätzchen zu halten. Doch noch bevor ihr endgültig der Kragen platzte, verschwand dieser Kylar auch schon wieder, und Lian folge ihm kurz darauf.
„So, vielleicht haben wir jetzt endlich die Gelegenheit, uns ein wenig über wichtige Dinge zu unterhalten“, meinte Vernita, nachdem sie sich ein wenig beruhigt hatte. „Sobald wir uns satt gegessen haben, werde ich mit dem Verbindungsmann meines Kontaktes sprechen. Er trieb sich früher immer auf dem Marktplatz herum, also gehe ich davon aus, dass er immer noch dort seinen Stand betreibt. Er soll dann ein Treffen mit mir und meinem alten Freund vereinbaren. Wenn Ihr Lust habt, Miandra, dann könnt Ihr mich gerne begleiten. Wir könnten einen alten Freund von mir besuchen, der hier in der Stadt eine Schmiede betreibt. Er dürfte für mich noch etwas auf Lager liegen haben, was Euch sicher gefallen wird. Ihr werdet bestimmt nicht enttäuscht sein.“
Die Elfe lächelte die Frau vielversprechend an.


Zuletzt von Allie am Do 28 Jul 2011, 8:11 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Kapitel XII - Ankunft: Das glühende Kreuz   Do 28 Jul 2011, 6:33 pm

Lian musste nur noch eine kleine Gasse durchqueren, und er wäre vor Kylars Schneiderei angekommen. Doch genau in jener Gasse konnte er seinen Freund von weitem sehen. Er war jedoch nicht alleine, sondern wurde bedroht. Lian versteckte sich hinter der Mauer, und versuchte etwas von dem was sie sagten zu verstehen.
„Rede du verdammter Elf! Was suchte einer dieser Gruppe heute bei dir in deinem Laden!“ fuhr ihn der Unbekannte an. Er hatte zwei Leibwachen bei sich. Aber Kylar antwortete nur gedrückt: „Ich weiß nicht wovon Ihr sprecht.“
Das war der Satz der Lian dazu brachte das Ganze zu beenden. Sonst hätten die Männer Kylar nun mit höchster Wahrscheinlichkeit getötet.
Lian nahm den Bogen von seinem Rücken, ziele auf die Person, welche Kylar bedrohte, bevor er den Pfeil aus der Sehne schnellen ließ. Der Mann wurde am Kopf getroffen und war augenscheinlich tot. Daraufhin stürmten die zwei Leibwachen auf ihn zu. Lian zog seine Schwerter, und mit Leichtigkeit brachte er die beiden zu Fall. Ein paar Stiche hier, ein paar dort. Die waren nicht so gut ausgebildet.
Als er sie erledigt hatte ging er auf Kylar zu, der mit dem Rücken die Wand hinab gerutscht war und fluchte.
„Verdammt! Warum hatte ich meine Waffen nicht dabei!“
Lian bückte sich und kramte in der Tasche der Zielperson. Dieser trug ein Amulett bei sich, auf welchem ein Siegel eingraviert war. Auch die beiden Leibwachen schienen solche Amulette zu tragen.
„Verflucht. Sie wissen, dass wir in Denerim sind.“ Lian zog sich den Umhang fester und die Kapuze tiefer ins Gesicht, ehe er Kylar in die Schneiderei begleitete.
„Es tut mir so leid Kylar. Verdammt. Verlasse nicht dein Anwesen ist das klar? Und trage immer Waffen bei dir, sonst könnte das Ganze böse enden.“ meinte Lian in einem ernsten Ton. „Ach und weißt du ob der Magier von Damals noch lebt?“
Kylar versuchte sich erst einmal zu beruhigen, bevor er antwortete: „Ja das tut er. Und nun gehe lieber, bevor noch andere hier aufkreuzen.“
Lian nickte, und verließ die Schneiderei. Er lief wieder so schnell wie er konnte zurück in die Taverne und ließ sich erschöpft auf einen Stuhl fallen.
„Sie wissen, dass wir hier sind. Die Leute, die uns verfolgen. Verdammt. Sie haben Kylar bedroht!“ flüsterte Lian energisch, so dass es kein anderer außer seine Gefährten mitbekommen konnte.


Bevor Vernita weitersprechen konnte, wurde auch schon die Tür aufgerissen und Lian stürzte wieder in die Taverne und berichtete von dem Überfall auf seinen Freund Kylar. Vernita schien wenig überrascht über diese Neuigkeit zu sein.
„Nun, möglicherweise habt Ihr ihn selbst in Gefahr gebracht“, erwiderte sie zynisch. „Unsere Feinde scheinen viel über uns zu wissen. Möglicherweise haben sie den Laden Eures Freundes beobachten lassen, bis Ihr ihn besucht habt. Ich hoffe nur, dass Euer Freund unsere Feinde nicht direkt hierher geführt hat. Und ich hoffe ebenfalls, dass ihr die Angreifer ausgeschaltet und ihre Leichen habt verschwinden lassen, oder liegen die jetzt irgendwo auf der Straße herum? Vielleicht noch direkt vor dieser Taverne, was?“


„Die Leichen sind entsorgt. In einer Karawane voll Heu.“ sagte Lian, hastig zu Vernita gewandt. Dann rieb er sich paar Mal die Hände und seine Stirn begann zu schwitzen. Er trank einen Schluck Wein, doch das half anscheinend nichts.
„Entschuldigt mich. Ich gehe auf mein Zimmer“, sagte er ehe er die Treppen hinauf rannte und in sein Zimmer stürmte. Dort angekommen setzte er sich an die Bettkante. Seine Hände waren ungewöhnlich warm und er zog sich seine Lederhandschuhe aus.
Er drehte seine Hände, sodass er die Innenflächen sehen konnte. Und genau dort, schienen die Seidenhandschuhe auf einmal zu glitzern. Ehe er sich versah, hatte er eine Silber Eis blaue Kugel, in der Größe eines Apfels herbeigezaubert, die einen Millimeter über seiner Hand schwebte.
In dieser Kugel spielten sich Bilder ab. Ein Mädchen, das nach schwerer Arbeit von einem älteren Mann missbraucht wurde, ein Mann der sie schlug, nachdem er gesoffen hatte, ein weiterer junger Mann, der allem Anschein nach der Bruder des Mädchens war, und tragisch ums Leben kam. Die Geburt einer Tochter, und das Verschwinden der Kleinen.
Lian überkam ein Gefühl der Übelkeit und die Kugel wurde zu einem festen Bestandteil. Als er zu einem Eimer in dem Zimmer lief fiel sie auf den Boden und ein kleiner Teil splitterte von ihr ab. Das war ihm egal. Er musste sich erst einmal übergeben. Der Schweiß rannte immer noch an seiner Stirn hinab, und er ging zu seinem Rucksack. Dort holte er den Wasserschlauch heraus, und wusch sich schnell das Gesicht.
Danach war Lian völlig entkräftet. Er fiel ins Bett, in einen albtraumartigen Schlaf, wo sich genau das abspiele, was er eben gesehen hatte.


„Na, wenigstens etwas“, entgegnete Vernita etwas beruhigt und wollte dem Elf gerade etwas vorschlagen, als dieser plötzlich aufsprang und die Treppen hinaufrannte. „Hey, wo wollt Ihr denn jetzt schon wieder hin? Das Essen wird doch gleich hier sein!“
Sie schüttelte den Kopf, während sie sich an die anderen wandte. „Also diesen Kerl werde ich wohl nie verstehen. Und wo bleibt dieser Wirt mit dem Essen? Diese Bohnensuppe war wirklich nur was für den hohlen Zahn. Ach so, wolltet Ihr mich denn gleich begleiten, Miandra? Ihr konntet mir ja nicht mehr antworten, als unser junger Herr Elf unser Gespräch vorhin unterbrochen hatte.“


„Natürlich werde ich Euch dabei begleiten.“
Noch bevor sie mehr sagen konnte, stürmte der Wirt zusammen mit dem Kellner aus der Küche. Er war bestückt mit Tellern und Schüsseln, und es roch wirklich gut.
„Schweinsfilet gebraten! Dazu herrliche Kartoffeln, mit einer Sause, dessen Geheimrezept ich nicht verraten werde!“ er zwinkerte. „Und dann noch Hähnchenkeulen, dazu etwas Blattspinat, verfeinert mit frischen Tomaten und Kräutern des Landes!“
Plötzlich füllte sich der Tisch mit unzähligen Tellern und Schüsseln, sowie Brotkörben.
Der Wirt blieb noch einen Augenblick stehen und wartete auf Miandras Reaktion. Sie biss an einem Stück ab, und es schmeckte wirklich nicht schlecht. Es war natürlich kein Vergleich zu einem Koch des Königs, doch da er frische Zutaten verwendet, und sich Mühe gegeben hatte, war es durchaus genießbar. Sie nickte ihm zu und er verschwand nur mit den Worten: „Solltet Ihr noch etwas brauchen, einfach Bescheid geben!“ hinter der Küchentüre.


Lian war komplett unruhig, als er schlief. Er wälzte sich herum, doch die Bilder gingen ihm nicht aus dem Kopf…
Ein Mann saß in der Ecke auf einem kleinen Stuhl. Man konnte den Geruch von Holzspänen wahrnehmen. Er hielt eine Bierflasche in der Hand und rund um den Stuhl lagen noch weitere, die jedoch schon alle geleert waren. Er hatte eine von der Sonne braun gebrannte Haut, dunkle Haare und ebenso dunkle Augen.
Plötzlich stand er wütend auf, als ein kleines Mädchen bei der Tür hereinstürmte. Sie war außer Atem, hatte sich anscheinend beeilt, und kam dennoch zu spät. Ihre blauen Augen ließ sie hinter ihren langen schwarzen Haaren verschwinden und sie wagte es nicht den Mann anzusehen, als sie den Raum betrat. Ohne ihn zu begrüßen eilte sie in eine Ecke, schnappte einen Besen und Eimer und begann den Boden zu fegen, sowie die leeren Bierflaschen einzusammeln.
„Du kommst schon wieder zu spät Mia!“ schrie der Mann sie wütend an.
„Verzeih mir Vater, aber ich musste Tante Anette wieder länger in der Taverne aushelfen.“ sagte sie ängstlich und räumte währenddessen weiterhin die Werkstatt auf.
„Erzähl mir keine Lügen! Anette hat mir versichert, dass sie dich rechtzeitig gehen lässt!“
„Aber Vater i…“ Mehr brachte sie nicht mehr heraus, als der Mann ihr plötzlich mit voller Wucht mit seiner flachen Hand ins Gesicht schlug, und sie zu Boden stürzte. Dabei fielen ihr all die Bierflaschen aus der Hand und sie direkt darauf, sodass sie zersplitterten und sich in ihre Hände bohrten.
„Sieh nur was du nun schon wieder angerichtet hast! Du bist echt zu nichts zu gebrauchen!“ schrie der Mann und verschwand kurz darauf hinter einer Tür. Das Mädchen blieb schluchzend am Boden sitzen, und begann zitternd die Scherben wegzuräumen, anstatt sich die Wunde zu verbinden.
Plötzlich verblasste der Ort, und die Werkstatt verwandelte sich in eine grüne Wiese, die mit duftenden Blumen übersät war. Ein Junge lief fröhlich über die Wiese und hielt dabei das kleine Mädchen an der Hand. Sie hielten an einem großen Baum an, an welchen viele Seile befestigt waren. Die Kinder nutzten diesen wohl öfter als ihre ‚Burg‘ und spielten dort immer. Sie ließen sich zu Boden sacken und das kleine schwarzhaarige Mädchen begann aus einigen Blumen einen Kranz zu flechten, der Junge schnitzte mit einem Messer an einem langen Ast.
„Sag mal Farren, wie ist die Arbeit auf dem Feld?“
„Anstrengend Schwester, aber wenigstens bin ich immer an der frischen Luft!“ sagte er mit einem Lächeln. „Und lässt Vater dir schon schwierigere Aufgaben zu Teil werden, als immer nur den Boden zu fegen?“
Sie schüttelte den Kopf. „Nein, ich denke ich mache meine Sache nicht gut genug.“
„Wieso denn das?“ sagte er etwas erstaunt und unterbrach für einen Moment seine Schnitzerei um sie anzusehen.
„Nun ja er bestraft mich immer, also muss ich wohl etwas falsch machen.“
„Wie er bestraft dich?“ hakte der Junge nach.
Plötzlich verschwamm der Ort erneut, und änderte sich in eine alte Taverne. Es war Abend, und überall waren Kerzenleuchter angebracht. An der Theke saßen einige Männer die betrunken waren und die Tische waren alle belegt. Die Leute lachten alle als sie sich Witze erzählten.
Eine junge Kellnerin huschte von einem Tisch zum anderen, immer bestückt mit Essen oder unzähligen Bierkrügen. Sie trug ihre langen schwarzen Haare zu einem Zopf zusammengebunden, damit diese sie nicht bei der Arbeit hindern konnten.
„Hey, noch ein Glas Bier, Süße!“
„Wir hätten gerne noch zwei Gläser Wein!“
„Vier Mal das Tagesgericht junge Frau!“

Unzählige Bestellungen wurden durch den riesigen Saal geschrien, durch welchen sich die Kellnerin kämpfte.
Sie kam endlich an der Theke an und begann Bier aus einem Fass in ein Glas zu füllen, als sie plötzlich von einer Frau mit kurzen braunen Haaren angesprochen wurde.
„Rael hat sich beschwert.“
Sie drehte sich um. „Rael beschwert sich immer, Anette.“
„Er meinte du hättest ihm absichtlich das Bier übers Gesicht geschüttet, und es ihm dann auch noch verrechnet!“
Die schwarzhaarige Frau blickte durch die Menschmassen zu einem Mann, wobei es sich wohl um Rael handeln musste, welcher sie dumm angrinste und ihr mit dem Bierkrug zuprostete. „Er hat mir auf den Arsch geschlagen!“ sagte sie zornig zu der Frau.
„Es ist mir egal, was er getan hat! Er ist Stammkunde, und der Kunde ist König! Sei einfach froh, dass ein Mann Gefallen an dir findet, seitdem Farr… ach du weißt schon!“
Sie wandte sich von der Frau ab, und die Kellnerin begann weiterhin wütend Bier in die Gläser zu füllen. Plötzlich ertönte eine Männerstimme hinter der Frau: „Ich hätte gerne noch ein Bier wenn es genehm ist, Anette sagte es geht aufs Haus.“
Er stand knapp hinter ihr, fasste ihr mit den Händen an die Oberschenkel und zog sie weiter zu sich. Dann flüsterte er ihr direkt ins Ohr: „Wie wär’s, du hast doch sicher nach der Arbeit nichts vor..?“ Er begann den Duft ihrer Haare einzuatmen.
Sie zuckte zusammen und füllte die Gläser einfach weiterhin mit zittriger Hand. „Ich werde zu Hause erwartet.“
Er entfernte sich einen Schritt von ihr. „Dann werde ich Anette wohl sagen müssen, dass du mir kein Bier gebracht hast!“ sagte er und machte sich auf den Weg zurück zu seinem Tisch, doch die Frau packte ihn an der Hand und hielt ihn zurück. „Nein du wirst Anette nichts sagen!“
„Ich warte auf dich, auf der anderen Seite der Straße.“ sagte er und freute sich über seinen Gewinn, dann riss er seine Hand los und verschwand in der Menge.
Die Kellnerin ballte wütend die Fäuste, nahm ein Tablett, worauf sie die Bierkrüge platzierte und mischte sich damit ebenfalls unter die Leute.
Wieder veränderte sich der Ort. Ein Mann drückte ein kleines Mädchen gegen die Wand, und hielt ihr den Mund zu. Ihre Augen waren geschlossen, ihr Blick schmerzerfüllt und wehrlos. Mit der anderen Hand hielt er ihren Rock in die Höhe. Er drängte sich zwischen ihre Beine und begann sich anschließend wie ein wildes Tier an ihr zu vergnügen. Sein Blick war irre und unmenschlich, und man konnte erst jetzt erkennen, dass es sich um den betrunkenen Mann und seine Tochter handelte.
Nach einiger Zeit löste er sich von der Kleinen, und als sie zu weinen begann, versetzte er ihr erneut einen Schlag, sodass sie zu Boden fiel.
Doch die grauenhaften Bilder verschwanden erneut, und man konnte sich in einen riesigen Wald vorfinden, die Schreie eines Säuglings waren zu hören, und kurz darauf konnte man eine Frau erkennen die das Kind in den Armen hielt und es versuchte zu beruhigen. Nachdem sie dies geschafft hatte, legte sie das Kind vorsichtig in einen Korbwagen. Dann stand sie auf, verband sich die Augen, und nahm einige Messer, welche sie zornig gegen einen Baum warf, an welchem eine Art Zielscheibe aufgemalt war.
Nachdem sie alle Messer geworfen hatte, nahm sie den Verband von den Augen, und ärgerte sich über ihr Ergebnis. Dann blickte sie zum Himmel und sah, dass es bereits Abend war. Sie verstaute schnell die Messer in einer Kiste, die in einem Busch versteckt war, und machte sich zusammen mit dem Kind auf den Weg, bis sie im Wald verschwand.
„Und wir nehmen hiermit Abschied von den Jungen, den wir alle geliebt haben. Möge er auf ewig in Frieden ruhen und der Erbauer über ihn wachen.“ sagte ein Priester.
Der Ort hatte sich in einen Friedhof gewandelt, wo gerade eine Beerdigung statt fand. Eine riesige Menschenmasse hatte sich um den Sarg aufgestellt und schluchzte. Nachdem der Priester seine Predigt gehalten hatte, begannen sich die Menschen zu entfernen, doch jeder von ihnen wirkte einen abfälligen Blick auf das kleine schwarzhaarige Mädchen, welches ohne eine Träne im Gesicht, genau neben dem Sarg stand. Man konnte Getuschel vernehmen, verstand jedoch nicht, was die Leute sagten.
„Du hast dich an deiner eigenen Tochter vergriffen, du Schwein!“ schrie Farren den Vater des schwarzhaarigen Mädchens an und dieser brachte in Gelächter aus.
„Ach erzählt dir die Kleine denn auch schon Lügen mein Sohn?“ sagte dieser amüsiert und rülpste daraufhin als er seine Bierflasche auf einen Tisch stellte. Und nur einen Moment später schlug ihn der Junge ins Gesicht, sodass ihm Blut aus der Nase tropfte. Der betrunkene Mann lachte noch immer amüsiert und begann zurückzuschlagen, doch der Junge wich aus. Sie rangelten noch eine Weile, als der Junge stolperte und mit dem Kopf direkt auf der Schneide einer Holzfälleraxt landete. Sie bohrte sich direkt seitlich in sein Gehirn, und er war auf der Stellte tot.
In einer Ecke stand das kleine Mädchen und blickte geschockt auf den Jungen. Der betrunkene Mann bekam einen Lachanfall. „Haha, mein Sohn, steh schon auf, wir haben doch gerade erst angefangen!“
Doch dieser rührte sich nicht. Das kleine Mädchen löste sich aus seiner Starre, und lief aus der Tür.
„Mia wo warst du schon wieder so lange! In jedem anderen Haushalt steht bereits das Abendessen am Tisch!“ schrie ein Mann der auf einer Bank saß, mit einem Bierkrug in der Hand.
„Ich war mit Elana spazieren.“ erwiderte sie und lächelte dem Mann entgegen.
„Spazieren? So lange?“ fragte er misstrauisch.
„Ja, so lange.“ sagte sie genervt, und wollte gerade das Kind aus dem Korbwagen nehmen, als er auf sie zu kam.
„Werde nicht frech junge Dame!“ er drohte ihr mit seiner Faust. „Sei froh, dass du überhaupt einen Mann hast!“ dann blickte er zu dem Kind. „Auch wenn ich mich frage, wieso ich mich darauf nur eingelassen habe, du schafftest es nicht mal mir einen Sohn zu schenken!“
Dann verschwand er wütend im Haus und sie seufzte erleichtert, bevor sie das Kind aus dem Wagen hob, und damit ebenfalls hinter der Türe verschwand.

Schlagartig wachte Lian auf. Er war total außer Atem, und vor allem geschockt. Wenn ihn das nicht täuschte, dann handelte das alles von Miandra. Beim Erbauer... was hatte sie nur durchleben müssen. Nur Leid, Prügel, Demütigungen und Männer die sich an ihr vergriffen. Selbst ihr eigener Vater. Jetzt verstand er, warum sie ihm, oder Männern überhaupt so aggressiv und kühl gegenüber war.
Lian wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn und stand auf. Er war ziemlich wacklig auf den Beinen, die Bilder hatten ihn doch zu tiefst geschockt. So als ob er da gewesen wäre, es gesehen hätte, aber nicht hätte eingreifen können, was er sofort getan hätte, wenn er in Wirklichkeit dort gewesen wäre.
Dann ging er zu seinem Rucksack. Dort holte er sich einen Lappen, und seinen Wasserschlauch. Er war komplett durchgeschwitzt also wusch er sich ausgiebig mit dem kühlen Wasser. Danach zog er sich frische Kleidung an, und die Rüstung darüber. Beinahe hätte er seine Schutzhandschuhe vergessen, doch dann zog sie an, und die Lederhandschuhe darüber.
Lian sperrte sein Zimmer ab, und ging wieder zu den anderen. Dort setzte er sich still an den Tisch. Das frische Essen roch köstlich, aber er hatte keinen Hunger, der war ihm wirklich vergangen. Außerdem hätte er sich bestimmt sofort wieder übergeben. In Gedanken versunken und mit bleichem Gesicht starrte er auf die Tischplatte…


Leanora genoss die Speisen, die aufgetischt wurden. Hätte sie das mal vorher gewusst, hätte sie sich diese ekligen Bohnen sicher nicht hineingezwängt. So kaute sie beinahe andächtig das Filet, der Spinat war richtig lecker, und die Tomaten schön saftig und reif. Vor allem Obst und Gemüse hatte sie auf der Reise hierher am meisten vermisst. Auch beim Rotwein hatte der Wirt nicht gespart, ein fruchtiges Bouquet, leicht beerig im Abgang... genießerisch schloss Leanora die Augen. Eigentlich konnte man es doch ganz gut aushalten, und wenn erst einmal frische Luft im Zimmer wäre, würde auch das gehen.
Auch Hennrik schien es zu schmecken, wenngleich er sofort nach dem Essen wieder an seiner Pfeife zog. Seine Beine hatte er auf einem Stuhl hochgelegt und blickte verschmitzt in die Runde.


Als Lian auftauche, waren sie bereits mit dem Essen fertig, doch scheinbar hatte er so oder so keinen Hunger, da er irgendwie bleich im Gesicht war. Miandra musterte ihn kurz, wandte den Blick jedoch wieder ab, und trank den letzten Schluck Wein ihres Glases. Der Wirt beobachtete inzwischen seine Gäste von dem Tresen aus und als er sah, dass das Glas leer wurde, eilte er mit der Weinflasche zum Tisch und schenkte sofort nach. Der Kellner entfernte die schmutzigen Teller, ließ jedoch die von Lian einstweilen noch stehen, und beäugte ihn etwas verwirrt.


„Nehmt den Teller mit“, sagte Lian zu dem Kellner, der ihn so verwirrt anglotzte. Dann stand er auf und wandte sich an Miandra.
„Dürfte ich kurz mit Euch unter vier Augen sprechen?“ fragte er, gefolgt von einem Schlucken. Es bildete sich ein großer Klos in seinem Hals und er wusste nicht so recht wo er denn überhaupt anfangen sollte. Dann ging er zu einem anderen Tisch, wieder weit entfernt von den anderen, und setzte sich dort. Er hoffte, das Miandra sich zu ihm setzen würde, und er endlich loswerden könnte, was er schreckliches geträumt hatte.


Misstrauisch blickte Miandra Lian hinterher. Eigentlich hatte sie keine Lust sich mit ihm zu unterhalten, er war ihr einfach nicht geheuer. Doch sie waren Reisegefährten und ihr würde einige Tische weiter schon nichts passieren, und wenn es ihr zu blöd werden würde, würde sie einfach wieder gehen. Doch etwas Neugierig war sie ja schließlich auch.
„Entschuldigt mich kurz“, sagte sie mit einem Seufzen zu Vernita und ging zu dem Tisch an dem Lian saß.
„Also dann sprecht, was auch immer Ihr mir scheinbar Wichtiges zu sagen habt“, sagte sie mit einem leicht sarkastischen Unterton.


Nachdem das Essen auf dem Tisch stand, stürzte sich Vernita gleich darauf, so als wenn es morgen nichts mehr geben würde. Sie war nur einfache Kost gewohnt, so dass ihr dieses Mahl wie ein Festgelage vorkam. Ihre eigenen Kochkünste waren ziemlich schlecht. Sie konnte gerade mal halbwegs Fleisch über offenem Feuer zubereiten, das war es dann auch schon. Im Vergiften von Essen war sie allerdings eine Expertin.
Als Lian zu ihnen kam und seinen Teller zurückwies, griff Vernita sich diesen einfach, bevor der verwirrte Kellner ihn mitnehmen konnte. Lian selbst setzte sich an einen Nachbartisch, und Miandra gesellte sich kurz darauf zu ihm und während sich diese unterhielten schlang die Elfe Lians Essen förmlich hinunter. Sie hatte wirklich einen unglaublichen Appetit. Und wer weiß, wann sie wieder die Gelegenheit hatte so ausgiebig zu essen.


Lian fuhr sich ein paar mal mit den Händen übers Gesicht, so als wolle er was wegwischen, was aber nicht vorhanden war. Er wusste gar nicht wo er anfangen sollte. Die Bilder liefen noch immer durch seinen Kopf, sowie die Worte die gesprochen wurden.
„Eh also“ begann er zu stottern. „Warum… habt Ihr mir nichts von Eurer Vergangenheit erzählt? Versteht mich bitte nicht falsch, aber...“ er schluckte abermals. „... ich habe das alles gerade im Traum miterlebt. So als wäre ich dort gewesen, und hätte Euch nicht helfen können. Ich... weiß gar nicht wie ich es erklären soll....“ meinte er und ließ seinen Kopf in die Hände fallen. Doch er schaute wieder auf, direkt in ihre Augen. So, dass sie merkten konnte, dass er das Leid welches ihr widerfahren war, ähnlich miterlebt hatte.
„Es tut mir so leid, Miandra...“


Sie grinste. „Wieso sollte ich etwas erzählen, was man nicht mehr ändern kann? Ihr habt mir beziehungsweise uns auch erst vor kurzem alles geschildert“ sagte sie völlig gefasst.
Doch als er das mit dem Traum erwähnte, blickte sie ihn misstrauisch mit verschränkten Armen an. „Was habt Ihr gesehen?“


„Einen Mann, der ein Mädchen mies behandelte, sie im Suff schlug und… sich an ihr verging. Obwohl sie das Beste tat, was sie konnte. In einer Werkstatt. Wie sie in der Taverne arbeitete, und sich für das Geschäft begrabschen lassen musste“ er seufzte, und fuhr fort.
„Ihr habt das mit Eurem Vater, nur Eurem Bruder erzählt, nicht wahr? Sie prügelten sich, und er kam dabei ums Leben, als er mit dem Kopf auf die Schneide einer Axt fiel, die sich in sein Hirn bohrte. Ich sah eine Beerdigung... Die Orte verblassten immer wieder, und wechselten. Dann sah ich Euch, mit Eurer Tochter... Aber Euer ach so toller, besoffener Ehemann hatte sich nur beschwert. Er gab sogar Euch die Schuld, das Ihr keinen Jungen geboren habt.“
In der Zwischenzeit kam der Kellner und er bestellte ein Glas Wasser. Als ihm diesen hingestellt wurde, trank er das ganze Glas auf einmal leer.


Miandra hielt weiter inne und blickte ihn nachdenklich an. Sie kannte ihre Geschichte, diese würde sie selbst wohl nicht mehr berühren, und wirklich geschockt darüber, dass er scheinbar nun auch Geschichten von anderen Leuten träumen konnte war sie auch nicht wirklich, nachdem sie bereits so viele skurrile Sachen von dem Elf gehört hatte.
„Ja, das ist wahr, aber es tut nichts zur Sache. Außer, dass ich ein kleines dummes Mädchen war, dass den Worten eines Mannes, dem eigenen Bruder, geglaubt hatte als er sagte, dass er die Sache für sich behalten würde. Doch, wie Ihr scheinbar sehen konntet, hat er es nicht für sich behalten.“
Sie deutete dem Kellner ein Nein, als dieser ihr etwas zu trinken anbieten wollte.
„Doch ich bin froh keinen Jungen auf die Welt gebracht zu haben, von diesem Abschaum gibt es auf dieser Welt doch bereits genug“
fügte sie abwertend hinzu.


„Hm“ stieß Lian nachdenklich hervor. „Habt Ihr es einmal versucht, aus der Sicht Eures Bruders zu sehen? Ich meine, ich bin mir ziemlich sicher, dass er es für sich behalten wollte. Aber er war eben Euer großer Bruder und wollte etwas dagegen unternehmen. Er wollte Euren Vater aufhalten. Ich habe den Hass und die Wut in seinem Gesicht gesehen. Er wollte Euch beschützen...“
Der Kellner kam wieder und schüttete Lian Wasser nach, woraus er wieder einen Schluck trank.
„Da möget Ihr recht haben. Klar. Viele Männer sind Schweine. Sehr viele sogar. Aber das muss man im Allgemeinen auf die Menschen oder sonstigen Rassen beziehen... aber nicht jeder... ist gleich.“


„Natürlich wollte er das. Doch versprochen ist versprochen, nicht wahr?“ sie zwinkerte ihm entgegen. „Er war ein fleißiger und talentierter Junge, er hätte die Tischlerei geerbt, welche mein Vater nach seinem Tod schließen ließ und ich daraufhin nur noch in der Taverne arbeitete. Und er hätte die Tischlerei sicher zu weit aus mehr gebracht, als mein Vater, welcher recht faul war. Er hätte einfach nur sein Versprechen halten müssen, würde noch leben und ich hätte vielleicht einen von diesen wunderbaren guten Männern bekommen, von denen Ihr gerade so tolle Sprüche abgebt. Doch das habe ich nun einmal nicht. Der Ruf meiner Familie ging den Bach runter, und wie Anette immer gerne sagte, konnte ich froh sein überhaupt irgendeinen zu bekommen. Doch um ehrlich zu sein, habe ich es satt mich an Regeln zu halten, es satt das zu tun, was normal ist, auch wenn es wohl der Traum eines kleinen Mädchens gewesen wäre, einmal eine eigene glückliche Familie zu gründen.“ Sie seufzte als sie merkte, dass sie zu viel redete und zu weit ausholte.
„Aber wie gesagt, man kann es nicht ändern, also gibt es sonst noch etwas. Vielleicht etwas das ich noch nicht weiß?“ sagte sie genervt.


„Das könnt Ihr immer noch, Miandra. Wer sagt das es nicht mehr möglich ist?“ seufzte er. „Nein, ich glaube, es gibt nichts mehr, ich gehe Euch doch sowieso nur auf die Nerven.“
Dann trank er den letzten Schluck seines Wassers. Dabei kam ihm eine Idee. Er alterte ja nicht. Und wenn man diese Gabe irgendwie weitergeben könnte, könnte sich Miandra irgendwo einen Mann suchen, und eine glückliche Familie gründen. Doch das war irgendwie zu weit hergeholt. Er seufzte er abermals.
„Dann gehen wir wieder zu den anderen, oder?“


„Es wäre möglich, doch ich habe die Schnauze davon voll. Alleine bin ich wohl sowieso besser dran.“ Und mit diesen Worten ging sie zurück zu dem Tisch, an welchem die anderen saßen. Dort flüsterte sie Vernita ins Ohr, dass sie in ihrem Zimmer sei, falls sie noch etwas zu besprechen haben sollten, und verschwand daraufhin die Treppen nach oben.


Lian trank sein Glas aus und stand auf. Er machte sich auf den Weg in sein Zimmer. Dabei spürte und bemerkte er die Blicke, die Vernita ihm zu warf. Er wusste, dass sie ihn töten würde, aber er hatte ja nichts vor. Also schloss der die Türe seines Zimmers auf und trat ein.
Dann setzte er sich wieder auf die Bettkante, und zog seine Handschuhe aus. Die Kugel, in silbernem eisblau, lag noch immer auf dem Boden, direkt vor ihm. Er hob sie auf, und zog dabei auch seine Schutzhandschuhe aus.
Dabei schloss er seine Augen, und berührte die Kugel mit beiden Händen. Nun dachte er an das Bild, Miandra zusammen mit ihrer Tochter, die in dem Korbwagen lag. Seine Hände wurden ganz kurz warm, aber das legte sich wieder. Als er die Augen wieder öffnete, war die Kugel nicht mehr eisblau, eher durchsichtig wie Glas. Und darin konnte man das Bild sehen an das Lian gedacht hatte. Es schwebte etwas, und bewegte sich. Man sah die beiden lächeln. Damit machte er sich auf den Weg, und klopfte an ihre Tür.
„Ich habe etwas für Euch. Ich weiß, das sie die Einzige ist worauf Ihr noch baut...“


Kaum hatte Miandra das Bettlacken beim Fenster ausgebeutelt, klopfte es an der Tür. Eigentlich erwartete sie Vernita, da sie ihr schließlich gesagt hatte, dass sie kommen könnte, wenn sie noch etwas zu besprechen hätte.
Sie öffnete die Türe und sah Lian, und noch bevor sie etwas sagen konnte, streckte er ihr eine eigenartige Kugel entgegen.
Sie nahm die Kugel nicht entgegen, da sie es mied den Elfen oder irgendetwas was mysteriös genug war um es zu berühren anzufassen, sondern starrte nur gebannt darauf. Einen Moment lang fehlten ihr tatsächlich die Worte, doch dann fiel sie sofort wieder in die Realität zurück und blickte den Elfen tief in die Augen. „Was ist das, wollt Ihr mich nun mit verzauberten Geschenken um den Finger wickeln!?“


„Das hatte ich nicht vor. Man kann nichts um den Finger wickeln was keine Gefühle zulässt. Ich wollte Euch lediglich etwas geben, was Euch an Eure Tochter erinnert, was Ihr anschauen könnt, um sie zu sehen. Mehr nicht.“ sagte Lian, in einem ruhigen Ton.
Dann zog er die Samthandschuhe aus seinen Taschen und zog sie an. Vielleicht würde Miandra so die Kugel entgegen nehmen.


„Ihr seht ja wohin einen Gefühle führen, nur direkt in den Tod“ sagte sie mit einem schelmischen Grinsen und nahm die Kugel entgegen, blickte dabei jedoch in sein Gesicht. Ohne weiteres Wort schloss sie die Türe, und sperrte diese ab. Dann ließ sie sich aufs Bett fallen und hielt die Kugel mit beiden Händen, welche zu zittern begannen. Sie starrte geradeaus an die Wand, und unterdrückte das Gefühl gleich loszuheulen.
„Reiß dich zusammen…“ sagte sie schließlich zu sich selbst, nahm ein Tuch aus ihrer Tasche, wickelte die Kugel, ohne sie direkt anzusehen, darin ein und verstaute sie in der Tasche. Dann ließ sie sich erschöpft aufs Bett fallen und schloss für einen Moment die Augen.


„Wie... dem... auch... sei“, sagte Lian zu sich selbst. Er wusste nicht, was er noch tun sollte. Er ging schnell runter zur Theke und bemerkte dabei wieder die Blicke der anderen. Er warf ihnen einen verärgerten Blick zu, ehe er ein Bier auf sein Zimmer bestellte. Dann ging er wieder hoch, und schloss die Türe ab. Seufzend ließ er sich auf sein Bett fallen. Was sollte er noch tun? Er hoffte, das der Erste Verzauberer bald erscheinen würde, um ihm zu helfen. Obwohl er nicht wusste, was geschehen würde. Es könnte ja auch sein, dass er Lian umbringen wollte. Wer wusste das schon.
Plötzlich klopfte es an der Tür, und er wurde aus seinen Gedanken gerissen. Er hatte ganz vergessen, dass er etwas bestellt hatte, so verwirrt war er im Kopf schon. Lian nahm das Bier entgegen, schloss wieder die Türe und setzte sich an den Tisch in seinem Zimmer, von wo aus er aus dem Fenster sehen konnte.
Eine Taube flog vorbei und setzte sich an seinen Fenstersims. Sie gackerte vor sich hin und Lian näherte sich dieser, stützte sich mit den Ellenbogen am Fensterbrett ab, und hielt ihr den Zeigefinger hin. Die Taube setzte sich darauf, und Lian bemerkte erst jetzt dass sich ein kleiner Zettel an ihrem Fuß befestigt war.
Er nahm ihn ab, rollte auf und begann zu lesen:
„Heute, um Mitternacht, in meinem Laden! Kylar.“
So überbrachte er jetzt schon die Nachrichten. Gut, solange er sich nicht in Gefahr brachte. Dann legte er der Taube einen Brotkrümel hin und setzte sich wieder gedankenverloren an den Tisch ...


Miandra ging kurze Zeit später nachdem sie sich an den anderen Tisch gesetzt hatte nach oben. Und als Lian ihr gleich darauf folgte, musterte Vernita ihn eingehend. ‚Wenn der nicht wieder irgendetwas vorhat‘, dachte sie sich nur, während sie weiter aß.
Anschließend bestellte sie sich noch einen Schnaps, um das Essen hinunterzuspülen. Während sie darauf wartete, kam Lian erneut nach unten, bestellte sich ein Bier und verschwand sogleich wieder.
Nachdem Vernita ihren Schnaps bekommen hatte, schüttete sie ihn sich auf Ex in den Rachen, bevor sie aufstand und nach oben ging. „Entschuldigt mich“ sagte sie nur knapp zu Hennrik und Leanora, bevor sie diese verließ.
Sie wusste nicht, in welchem Zimmer sich Miandra einquartiert hatte, also prüfte sie einfach alle systematisch. Das erste Zimmer war leer, doch die zweite Tür war auch schon abgeschlossen. Lautstark klopfte sie gegen das Holz der Tür.
„Miandra! Seid Ihr da drin? Macht die Tür auf, ja? Ich bin es, Vernita!“


Miandra riss die Augen auf, als sie das Klopfen an der Türe vernahm. Gedämpft durch das Holz erkannte sie Vernitas Stimme und richtete sich wieder auf. Sie muss wohl kurz eingenickt sein. Während sie sich die Augen rieb, ging sie zur Türe und schloss diese auf.
„Ah Vernita, kommt doch herein“, sagte sie mit einem zaghaften Lächeln und begab sich anschließend wieder zu dem Bett und ließ sich erschöpft auf der Bettkante nieder.
„Nun, wann gedenkt Ihr Euren alten Verbindungsmann aufsuchen zu wollen?“


Vernita trat ein, nachdem Miandra sie ins Zimmer gelassen hatte. Sie ging mit ihr zu dem Bett hinüber und setzte sich neben die erschöpft wirkende Frau. Die Elfe sah sie von der Seite her an, wobei sie breit grinste.
„Eigentlich hatte ich vor, mich sofort auf den Weg zu machen. Und zuvor wollte ich mit Euch meinen Freund den Schmied besuchen. Doch wenn Ihr zu erschöpft seid, dann kann ich auch alleine gehen.“
Sie hielt kurz inne, bevor sie weitersprach.
„Oder seid Ihr nur besorgt über das, was Euch Lian vorhin gesagt hat. Ja, ich habe jedes Wort gehört, obwohl ich nicht einmal gelauscht habe.“ Sie tippte sich leicht auf ihr linkes Ohr, wobei ihr Grinsen scheinbar noch breiter wurde. „Ich sagte ja schon, dass diese langen, spitzen Ohren nicht nur zur Zierde an meinem Kopf hängen.“


Miandra lächelte der Elfe entgegen. „Ja ein guter Gehörsinn hat wohl so seine Vorteile“ Sie seufzte. „Nein ich bin nicht besorgt, es war nur eine lange anstrengende Reise. So lange, dass ich wohl manchmal vergaß wieso ich auf der Reise war, doch nun wird alles etwas realer.“
Sie stand von dem Bett wieder auf und ihr Tonfall wurde abrupt entschlossen und überzeugt. „Aber alles keine Gründe wegen denen ich hier bleiben müsste.“
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BeitragThema: Re: Kapitel XII - Ankunft: Das glühende Kreuz   Fr 29 Jul 2011, 11:04 pm


Leanora war verwirrt, als Miandra und Vernita verschwanden, aber nachdem sie sonst auch nichts zu tun hatte, blieb sie einfach sitzen und hing ihren Gedanken nach. Nach draußen wollte sie nicht unbedingt, sie wollte sich nicht unnötig in Gefahr bringen.


Lian wusste nicht was er mit seiner Zeit anstellen sollte. Sie würden sich heute bestimmt erst einmal ausruhen und ihre Vorräte aufstocken. Er rappelte sich mühevoll vom Stuhl auf und trat aus seinem Zimmer, welches er gleich darauf wieder absperrte.
Als er die kleinen Treppen hinunter ging und zu dem Tisch blickte, an welchem sie vorhin gesessen hatten, sah er nur noch Leanora und Hennrik, der wie immer gemütlich an seiner Pfeife rauchte. Lian grinste. Dann ging er zu dem Tisch und setzte sich Leanora gegenüber.
„Was glaub Ihr, was uns erwarten wird? Ich meine, ich habe schon viel gesehen und erlebt. Mich schreckt das nicht ab… aber bei Euch bin ich mir nicht sicher“, sagte er freundlich und hoffte, dass Leanora es nicht falsch aufnahm.


Leanora schrak aus ihren Gedanken hoch, als Lian sie ansprach.
„Ich weiß es nicht was uns erwarten wird. Ich bete zum Erbauer, dass wir diese Geschichte aufdecken können und dabei lebendig bleiben. Ich zerbreche mir noch immer den Kopf, wieso der Arl sich so geändert haben könnte. Und wieso er meine Familie auslöschen wollte. Unser Landbesitz ist nun auch nicht so groß oder strategisch wertvoll. Jedenfalls bin ich sehr gespannt, was Vernitas Kontaktmann berichten wird. Und ob es mich abschreckt? Da bin ich mir sogar sicher, dass ich davon erschreckt sein werde. Ich bin viel zu behütet aufgewachsen, hatte nie mit Tod, Gewalt oder Ähnlichem zu tun. Und was ich in diesen paar Tagen erfahren habe... ist ein gänzlich anderes Leben, als das, welches ich kenne. Und es fällt mir nicht einfach, mich darauf einzustellen. Auch wenn ich auf den Luxus an sich verzichten kann.“
Sie nickte Lian zu und war selber erstaunt, wie viel sie von sich preisgab.


Lian grinste und nickte.
„So werdet Ihr lernen, das zu schätzen was Ihr habt. Klar wird es schwer. Kann ich mir sogar gut vorstellen, wenn man zuerst alles hat und sich danach mit weniger zufrieden geben muss“, versuchte er ihr zu zustimmen.
„Hm was den Arl dazu treiben könnte? Macht! So wie sie jeden treibt. Hat man ein wenig davon, will man mehr. Das reicht schon als Motiv“, fuhr er fort. Danach kam der Kellner und Lian bestellte sich einen Wein, denselben der vorhin ausgeschenkt wurde. Der Kellner eilte zum Tresen und war kurz darauf wieder zurück - mit einem frisch polierten Weinglas. Er schenkte Lian das Glas ein, der daraufhin dankend nickte.
„Und... sterben werden wir nicht. Wir müssen einfach untereinander auf uns Acht geben.“


„Lian, ich habe nie gegen Menschen richtig gekämpft. Die Fechtkämpfe waren Übungskämpfe, wo man den anderen nicht verwundete. Bogenschießen kann ich durch die Jagd. Das war es dann auch. Ich tappe viel zu leicht in Fallen, weil ich bisher nur Ehrlichkeit kannte. In einem muss ich Euch berichtigen: Ich habe stets geschätzt, wie ich aufgewachsen bin. Dass es uns nie wirklich an etwas mangelte, und die liebevolle Familie. Das hab ich nie als selbstverständlich angesehen, und auch wenn Ihr es mir vielleicht nicht glauben mögt, aber ich bin sehr weichherzig, teile und helfe wenn es mir möglich ist.“


„Doch das glaube ich Euch sogar, Lea. Wegen den Fallen. Nun man muss eben vorsichtig sein, ein gutes Auge für Leute haben, denen man trauen kann. Mann muss sie einschätzen können. Das mit den Fechtkünsten, und dem Kämpfen ist kein Problem. Das könnten wir sogar hier üben. Wie Ihr bestimmt gesehen habt, kämpfe ich mit zwei Schwertern. Was wollt Ihr denn lernen?“ fragte er.
Vielleicht könnte er mit Leanora einen kleinen Übungskampf machen. Man müsste nur schnell beim Schmied Waffen für sie besorgen, dann könnte es schon losgehen. Und schaden würde es nun wirklich nicht. Es wäre sogar gut, wenn die Gruppe noch besser mit dem Umgang von Waffen geübt wäre, als sie es ohnehin schon war.


Leanora biss sich auf die Unterlippe. Er verstand sie wohl falsch.
„Es liegt nicht daran, dass ich nicht fechten könnte Lian. Es liegt daran dass ich noch nie einen Menschen getötet habe zuvor, außer jetzt auf unserer Reise. Ich kann mich wehren, aber meine Erziehung verbietet es mir sozusagen einfach anzugreifen. Es ist eine innerer Schutzschild, der mich dabei stocken lässt, und ich denke, dieser wird erst fallen, wenn man gezwungen ist, den anderen zu töten, bevor man selber das zeitliche segnet. Und genau davor graut mir. Und woher sollte ich plötzlich Menschenkenntnis nehmen? Ich war immer offen und ehrlich, freundlich und hilfsbereit. Plötzlich sollte ich aber in mich gekehrt sein, Intrigen spinnen und misstrauisch sein. Das alles muss ich erst lernen, und das ist keine leichte Aufgabe.“


Lian lachte.
„Ach so. Tut mir leid, dass ich Euch falsch verstanden habe. Aber das tut nichts zur Sache, denn das Töten können wir genauso üben, wie alles andere. Hier in Denerim laufen genügend Banditen rum, denen das Handwerk gelegt werden muss. Sie sind kriminell und müssen gestoppt werden. Ein perfektes Übungsmittel um Eurer inneres Schild zu überwinden. Was sagt Ihr?“


Leanora blickte Lian erschrocken an.
„Auf keinen Fall. Sie mögen noch so kriminell sein, bevor ich dazu nicht den Befehl der Stadtwache erhalte... nein Lian. Damit mache ich mich ja noch strafbarer, als die Banditen. Ich fürchte, da müsst Ihr auf meine Hilfe verzichten.“
Hastig trank sie den letzten Schluck aus ihrem Glas.
„Ihr verzeiht? Ich möchte nach den Pferden sehen und nach Nero.“
Schnell stand sie auf und eilte in den Stall, wo sie ihren Kopf in Donas Mähen vergrub.
„Ach Donas, wieso ist das richtige Leben nur so kompliziert?“


Lian kam eine Idee. Wenn Leanora sich nicht überwinden konnte zu töten, wie solle sie dann richtig im Kampf ihr Bestes geben? Schnell lief er hoch in sein Zimmer. Dort legte er seine Schwerter ab sowie den Dolch von Verena. Auch seine Handschuhe zog er aus. Dann kramte er in seiner Tasche, und zog einen verrosteten Dolch heraus. Den steckte er erst einmal in seine Tasche.
Danach verließ er wieder sein Zimmer und sperrte ab. Leise schlich er sich in den Stall, und dort sah er Leanora. Er hatte einen gut ausgefalteten Plan. Sie würde jetzt auf jeden Fall töten, so viel war sicher. Nein, dessen war sich Lian sicher…


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BeitragThema: Re: Kapitel XII - Ankunft: Das glühende Kreuz   Fr 29 Jul 2011, 11:12 pm

„Gut, dann lasst uns aufbrechen“, erwiderte Vernita und stand ebenfalls auf. Sie gingen zur Tür, bevor sie gemeinsam das Zimmer verließen. Miandra schloss die Zimmertür noch ab, und die beiden machten sich auf dem Weg nach unten. Dort saß lediglich Hennrik immer noch auf der Bank. Es sah so aus, als sein er wieder einmal eingenickt.
‚Wo stecken denn Lian und Lea schon wieder?’ dachte die Elfe etwas genervt. ‚Ich hoffe, die beiden machen keinen Blödsinn, der nur unnötig Aufmerksamkeit auf uns zieht.’
Ohne weiter darüber nachzugrübeln, verließ sie gemeinsam mit Miandra die Taverne, um zum Marktplatz zu gelangen. Dabei nahm sie allerdings nicht den direkten Weg, sondern schlug eine Route durch ein paar enge und vor allem leere Seitengassen ein. Während der ganzen Zeit schaute sie sich um oder blieb zwischendurch einfach mal stehen, um eventuelle Verfolger aufzuspüren. Doch momentan schien niemand hinter ihnen her zu sein.
Nach einer Weile erreichten die beiden schließlich den Marktplatz des nördlichen Stadtgebietes, auf dem reger Verkehr herrschte. Händler boten schreiend ihre Waren an, Wachen patrouillierten durch die Menschenmassen und an jeder Ecke saßen Bettler, die um ein Almosen flehten. Vernita schleuste Miandra und sich selbst durch das Gedränge, wobei sie vorsichtshalber den Wachen aus dem Weg ging. Schließlich konnte man ja nie wissen, ob einige dieser Männer nicht zu Gianauros Leuten gehörten.
Letztendlich standen die beiden Frauen vor einem großen Steingebäude, an dessen Front ein breites Schild mit einem Hammer und einem Amboss darauf hing. Eine mächtige, schwere Eichentür führte ins Innere, und Rauch stieg aus dem Kamin empor. Ohne zu Zögern trat Vernita gleich in das Innere des Gebäudes, wobei Miandra ihr auf dem Fuß folgte.
„Willkommen, werte Damen“, rief der braunhaarige Mann hinter seinem Verkaufstresen und winkte die beiden zu sich. „Was darf ich Euch zeigen? Vielleicht eine schöne Plattenrüstung aus Vulkangold? Oder wie wäre es mit einigen Handschuhen aus echtem…“
Der Mann stockte, als die Frauen näher kamen, und er die Elfe erkannte. „Oh nein. Nicht Ihr schon wieder. Geht sofort! Verlasst sofort das Geschäft! Ich hatte Euch doch gesagt…“
„Aber, aber Herren“, fiel die Elfe dem Mann ins Wort. „Begrüßt Ihr Eure alten Freunde immer so?“
„Freunde?“
erwiderte der Verkäufer entrüstet. „Seit wann sind wir denn Freunde? Ihr seid mein schlimmster Albtraum. Und nun geht! Sofort!“
„Sekunde mal! Die Stimme kenne ich doch!“ ertönte es plötzlich aus dem Nachbarraum und ein kahlköpfiger Mann mit einem Schnauzbart betrat den Laden. Er musterte die beiden Frauen eingehend, bevor sich sein Gesicht aufhellte. „Aber natürlich! Lady Vernita! Wie schön Euch wieder zu sehen. Habt Ihr mir vielleicht noch ein paar Drachenschuppen oder andere seltene Dinge mitgebracht, aus denen ich endlich wieder etwas Schönes anfertigen kann?“
„Nein, Meister Wade. Nicht schon wieder“, jammerte Herren los. „Bitte nicht.“
„Aber Herren“, entgegnete der Schmied entrüstet. „Was ist denn nun schon wieder mit Euch los? Das ist doch keine Art mit alten Freunden umzugehen, oder?“
Der resignierte Angesprochene sagte darauf nichts. Stattdessen beugte er sich vornüber und stieß mehrmals hintereinander leicht mit dem Kopf gegen die Ladentheke, wobei er die Zähne fest zusammenpresste, so als ob er auf diese Art verhindern wollte, in die Tresenkante zu beißen.
„Was seid Ihr heute wieder kindisch, Herren“, meinte Wade kopfschüttelnd, bevor er sich an Vernita und Miandra wandte. „Aber jetzt zu Euch, werte Freundin. Was kann der alte Wade für Euch tun?“
„Es ist mir fast peinlich, Euch mit so einer Bagatelle zu belästigen, Meister Wade“, zeigte sich die Elfe überraschend charmant, wobei sie ein bezauberndes Lächeln aufsetzte. „Nachdem ich auf Metallrüstungen umgestiegen bin, habe ich Euch doch die Drachenlederrüstungen zur Verwahrung gegeben, die Ihr für mich angefertigt habt. Und da meine Freundin hier etwa dieselbe Statur hat wie ich damals, würde ich Euch bitten, diese Rüstung für sie anzupassen.“
„Aber nicht doch, meine Liebe“, winkte der Schmied ab. „Für Euch mache ich doch fast alles. Nachdem Ihr das letzte Mal hier gewesen wart, habe ich nichts Anständiges mehr fertigen dürfen. Nur noch dieses Allerweltszeugs, was Herrens Kunden immer bestellen. Schrecklich. Wartet bitte einen Augenblick, ich hole die Rüstung gleich aus dem Schrank.“
Wade verschwand so schnell, wie er gekommen war. Herren hingegen hatte seinen Kopf in seine Armbeugen gelegt, die er auf dem Tresen abstützte, während er leise vor sich hin murmelte. „Warum nur?. Warum muss mich diese Frau so quälen? Ich hasse mein Leben!“
Vernita und Miandra sahen sich kurz in die Augen, bevor sie wie kleine Kinder zu kichern begannen. Und kurz darauf lachten die beiden auch schon Tränen.
Augenblicke später kam Wade auch schon wieder in den Laden und sah die beiden Frauen etwas verwirrt an. In seinen Händen hielt er eine dunkelbraune fast schwarze Lederrüstung inklusive passender Arm- und Beinschienen, sowie einen Helm aus dem selben Material. Er ging damit zur Ladentheke und schob Herren einfach beiseite. „Macht doch mal etwas Platz, damit ich den Damen das gute Stück zeigen kann“, meinte er dazu nur lapidar.
Anschließend breitete er die Rüstungsteile auf dem Tresen aus. „Seht sie Euch gut an. Sie besteht aus Drachenleder und ist somit absolut feuerfest. Außerdem ist dieses Leder mindestens doppelt so stabil wie normales Rindsleder. Da geht so leicht nichts durch. Und lasst Euch von den paar Blutflecken nicht stören. Die sind bei Rüstungen aus diesem Material normal. Probiert sie doch einfach mal an, dann kann ich sehen, wo ich sie vielleicht noch etwas ändern muss. Was sagt Ihr?“


Miandra begutachtete die Rüstung, und sah noch nie eine solche Kunst. Dieser Schmied war wohl wirklich ein Meister seines Fachs, und amüsant war der Kerl noch dazu. Sie nahm das Angebot nickend an und begann sich ihre Armschienen aufzuschnüren.
„Wollt Ihr sie etwa gleich hier anprobieren!?“ begann Herren zu schreien. „Geht gefälligst in das Zimmer da hinten!“
„Ach Herren, sei nicht immer so unhöflich“, entgegnete Wade.
‚Ihr habt wohl noch nie eine Frau in den Kleidern gesehen, die sie unter ihrer Rüstung trägt‘, hätte Miandra gerne gesagt, verkniff sich den Kommentar jedoch, nahm die Rüstung und ging in das Zimmer, auf welches Herren entgeistert mit der Hand zeigte.
„Ich hasse mein Leben...“ begann er theatralisch zu heulen.
Miandra schloss die Türe hinter sich, und schnürte sich weiterhin die Arm- und anschließend Beinschienen ihrer alten Lederrüstung ab. Danach entledigte sie sich ihres Brustpanzers und legte sich die Drachenlederrüstung an. Kaum zu glauben, dass die Rüstung aus einen solchen Material gefertigt wurde. ‚Welch Ironie es wäre, mit einer solchen Rüstung gegen einen Drachen zu kämpfen‘, dachte Miandra und musste grinsen.
Sie hatte wohl Glück, dass sie der Größe der Elfen gleich kam und nicht, wie viele andere, fast einen Kopf größer war. Die Rüstung an sich passte eigentlich recht gut, auch wenn sie wohl am Dekolletee lieber etwas mehr Luft gehabt hätte.
Nachdem sie die Rüstung angelegt hatte, verließ sie das Zimmer wieder und Wade lief sofort auf sie zu und begann sie von vorne bis hinten zu mustern wie ein Wahnsinniger, so dass Miandra für einen kurzen Moment Angst vor dem Kerl bekam.
„Ach ich sehe schon, hier unten an den Schenkeln müssen wir sie etwas enger machen, und hier oben etwas lockerer“, sagte er eher zu sich selbst, als zu den anderen.
„Das wird perfekt! Ein Meisterstück Herren!“ begann er plötzlich aufzujubeln.
Herren gab nur einen hilferufenden Laut von sich und schüttelte den Kopf.
Miandra begab sich zurück in das Nebenzimmer und zog sich ihre Lederrüstung wieder an. Als sie die Türe öffnete erschrak sie, da ihr Meister Wade sofort die Rüstung aus der Hand riss und damit zu seinem Arbeitsbereich lief.
‚Der Kerl hat es ja eilig‘, dachte Miandra sich nur etwas verblüfft, bevor sie sich wieder zur Theke begab, an welcher Herren einem Nervenzusammenbruch nahe war.


„Diese Rüstung hat mir das eine und andere Mal das Leben gerettet“ bemerkte Vernita, als Miandra mit dieser am Leib aus dem Zimmer trat. „Außerdem kleidet sie Euch ausgezeichnet.“
Dann klopfte sie Herren auf die Schulter, so dass dieser beinahe umgefallen wäre. „Und Ihr macht nicht immer so ein Gesicht, mein Freund.“
Dieser antwortete nicht, sondern trommelte nur mit den Fäusten auf die Ladentheke, wobei er wie ein kleiner, beleidigter Junge mit den Füßen aufstampfte. Offenbar war er sogar den Tränen nahe.
Nachdem Miandra sich wieder umgezogen hatte, und Wade mit der Rüstung verschwunden war, wandte sich die Elfe erneut an die schwarzhaarige Frau. „Da Meister Wade ja eine Zeit lang für die Änderung brauchen wird, werde ich nun meinen Verbindungsmann aufsuchen. Ihr könnt mich gerne begleiten, Miandra, oder Ihr wartet hier auf mich. Ganz wie Ihr wollt. Solltet Ihr mich allerdings begleiten, so muss ich Euch bitten, etwas im Hintergrund zu bleiben, wenn ich mit dem Mann spreche. Er misstraut allen Fremden, und es könnte ihn verschrecken, falls wir uns ihm zu zweit nähern.“


„Nun gut, vielleicht wäre es dann besser wenn Ihr ihn alleine aufsucht. Ich werde mich einstweilen zurück in die Taverne begeben.“
Sie wollte gerade aus der Türe verschwinden, als sie sich noch einmal umdrehte. „Oh und… danke für die Rüstung, lasst uns nur hoffen, dass ich nicht all zu oft von ihren Vorteilen Gebrauch machen muss.“ sagte sie etwas verlegen, drehte sich wieder um, und verließ die Schmiede.


„Keine Ursache, Miandra“, bemerkte Vernita noch lächelnd, bevor die schwarzhaarige Frau verschwunden war. Anschließend wandte sich die Elfe an Herren, der immer noch zusammengekauert hinter der Ladentheke stand. „Sagt Meister Wade bitte, dass wir morgen wiederkommen werden, um die Rüstung abzuholen. Und danke für Eure Freundlichkeit.“
Mit einem hämischen Grinsen auf den Lippen verließ sie ebenfalls die Schmiede und machte sich auf dem Weg zum Marktplatz.


Zuletzt von Allie am Sa 30 Jul 2011, 3:12 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Kapitel XII - Ankunft: Das glühende Kreuz   Fr 29 Jul 2011, 11:20 pm

Langsam und so leise, dass Leanora es nicht bemerken konnte, näherte er sich ihr von hinten. Dann hielt er ihr den Mund zu und mit der anderen Hand hielt er den alten verrosteten Dolch an ihren Hals. Er würde ihr nichts tun, und er hielt sie auch nur so leicht, dass sie sich den Dolch locker schnappen könnte, um zuzustechen. Lian hielt nicht einmal den Griff richtig fest.
Dann verstellte er seine Stimme.
„Gib mir dein Geld Püppchen!“ grölte er in einem tiefen Ton. Jetzt war es an Leanora. Sie müsste einfach nur den Dolch packen, sich umdrehen, und zustechen.


Leanora gefror das Blut in den Adern. Ihre Augen waren zu Tode erschrocken aufgerissen, sie wollte schreien, aber die Hand auf ihrem Mund hinderte sie. Ihre Gedanken überschlugen sich, und sie zwang sich, Ruhe zu bewahren, obgleich sie zeitgleich zu zittern begann. Sie war absolut wehrlos, ihr Messer lag im Zimmer. In ihrer Panik fiel ihr nicht einmal auf, dass Donas noch genauso ruhig da stand wie zuvor, und auch Nero keinen Mucks von sich gab.
Sie schloss kurz die Augen und spielte ihre Möglichkeiten durch. Der Kerl gab ihr ja nicht einmal die Möglichkeit, ihm zu sagen, dass sie kein Geld bei sich hatte. Andererseits hatte er sie auch nicht so fest im Griff, dass sie sich nicht befreien könnte. Er unterschätzte wohl ihre Kraft, und das würde sie ausnutzen.
Als sie die Augen öffnete hatte sie ihren Puls wieder unter Kontrolle. Schnell drehte sie sich um, dabei seine Dolchhand umklammernd, die sie dadurch soweit nach unten bog, dass der Dolch ins Stroh fiel. Sie bog den Arm weiter, bis dieser hinter dem Rücken des Mannes wieder nach oben gedrückt wurde. Mit letzter Kraft drückte sie ihn gegen die Stallwand und lehnte sich mit ihrem vollen Gewicht dagegen.
Erst dann fiel ihr Blick auf das Gesicht, welches seitlich an der Wand eingequetscht war, und schnell sprang sie zurück und ließ Lian los.
„Lian! Beim Erbauer, wie könnt Ihr es wagen! Habt Ihr zu viel vom Rotwein erwischt?“
Völlig entkräftet ließ sie sich neben Donas ins Stroh fallen, alle Viere von sich gestreckt, die Arme unterm Kopf angewinkelt.


Lian seufzte und drehte sich von der Wand weg. Dann ging er in die Hocke, blickte zu Leanora, und schüttelte den Kopf. Dann kreiste er ein paar mal seine Schulter, und ließ sie dann locker wieder fallen. Lea hatte ganz schöne Kraft, das musste man ihr lassen.
„Ich wollte Euch mit dem Grauen der Welt konfrontieren. Ihr hättet zustechen, und mich nicht einfach nur gegen die Wand drücken sollen. Warum habt Ihr es nicht getan?“
Dann ließ er sich neben ihr ins Heu fallen und blickte zu Percivel, der noch immer ruhig da stand. „Stellt Euch mal vor, das wäre nicht ich gewesen. Dann hättet Ihr nicht so einfach einen Arm umbiegen können. Dann wärt Ihr jetzt vielleicht tot, oder man hätte sich an Euch vergriffen.“


„Ein Kerl der sich an mir vergreift wird schon sehen wie weit er kommt, ich kenne die empfindlichen Stellen durchaus, die einen Mann zu Fall bringen“ grummelte sie.
Dann seufzte sie auf. „Ich weiß es nicht Lian. Ich kann nicht einmal sagen, dass es ein Reflex war, ich hatte Zeit zu überlegen, was ich jetzt tun kann. Aber auf die Idee, Euch den Dolch zu entwenden und einfach zuzustechen, darauf bin ich wirklich nicht gekommen. Im Nachhinein fällt mir aber auf, dass ich wohl im Unterbewusstsein wahr genommen habe, dass sich Donas und Nero ruhig verhalten haben. Und wäre das gerade ein Fremder gewesen... dann wäre das Pferd nicht so seelenruhig dagestanden. Jedenfalls habt Ihr mir einen guten Schrecken eingejagt, und deswegen solltet Ihr mir jetzt zeigen, wie man jemanden die Waffe aus der Hand reißen kann.“
Sie stand auf, schüttelte ihre Haare vornüber den Kopf, um sie vom Stroh zu befreien, und klopfte ihre Hose ab.
„Na los, dann wollen wir mal.“ Auffordernd blickte sie Lian an.


„In Ordnung“, sagte Lian, und stand auf. „Zuerst, üben wir es so, in der Situation die wir gerade hatten. Normalerweise hättet ihr Euch nicht so einfach befreien können. Nur den Mund werde ich Euch nicht bei der Übung zuhalten“, grinste er.
Lian nahm sich den Dolch, der am Boden lag, und stellte sich wieder hinter Leanora. Mit der rechten Hand hielt er den Dolch an ihren Hals, dieses mal den Griff fest umklammert. Die linke Hand würde man normalerweise benutzen um ihr den Mund zuzuhalten. Stattdessen klammerte er seinen Arm um ihren Hals und mit der Hand, hielt er sich an seinen rechten Oberarm fest.
„So. Ich halte Euch gerade fest. Normalerweise, könntet ihr nichts sagen. Doch versucht einmal mit Eurem linken Ellenbogen so fest es geht in meine linke Seite, dort wo sich die Rippen befinden, reinzuhauen.“
Leanora tat es sofort, als es Lian sagte. Das sollte sie nicht, denn er wich mit einem Stück seines Körpers zurück, so dass sie nicht traf. „Tot“, sagte er grinsend. „Noch einmal. Ihr müsst es in unerwarteten Momenten wagen.“


Leanora seufzte und wartete ab. Lian wusste nun wirklich nicht, wann sie zuhauen würde. Gerade als er sagen wollte, ob wie nun Wurzeln schlagen würden, stieß Leanora zu, mit voller Wucht in seine Rippen.
Automatisch, aus Reflex, ließ er den Dolch fallen, weil er Schmerzen spürte. Leanora griff sofort nach dem Dolch und hielt ihn Lian an den Hals.


Er lachte.
„Gut gemacht. Schon mal eine Art. Nun probieren wir es einmal anders. Dabei könntet Ihr Euch eventuell verletzten. Aber nichts Schlimmes, mit ein bisschen Übung geht alles.“
Lian ging wieder in dieselbe Position wie vorher auch.
„So nun versucht mich über Euch drüber zu werfen, indem Ihr meine Arme packt, Euch bückt, und mich über Euren Rücken zieht. Das sollte nicht so schwer sein, meine Arme liegen ja um Euren Hals.“
Gesagt, getan. Leanora packte Lian an den Armen, und so schnell konnte er nicht einmal schauen, da flog er über ihren Rücken, und knallte mit seinem auf den Boden auf. Er blieb liegen und lachte. Aber als er aufstand, und Leanora anschaute, fiel ihm etwas auf.
Er hatte sie leicht mit dem Dolch am Arm geschnitten, so dass eine Blutlinie ihren Weg nach unten fand.
„Gehen wir rein, die Wunde müssen wir säubern, der Doch war doch ziemlich rostig“, meinte Lian und ging zusammen mit Leanora wieder in die Taverne.
Sie betraten, sein Zimmer, und er holte nur schnell Wasser, Salbe eine Schale und den Verband aus seinem Gepäck. Damit ging er zu Leanora, die an seinem Tisch saß. Er krempelte ihren Ärmel nach oben und legte den Arm über die Schüssel. Dann schüttete er das Wasser darüber, so dass es nach unten laufen konnte. Danach trocknete er den Arm ab, gab die Wundsalbe darauf, und Verband ihn noch.
„So das wäre nun erledigt“, meinte er. „Und tut mir leid. Das war keine Absicht“, grinste er noch.
Zusammen gingen die beiden wieder in die Taverne, wo sie sich an den Tisch setzten. Leanora trank ein Glas Milch, und Lian bestellte sich ein Wasser.


Leanora war durstig nach den Übungen, aber sie hatten ihr auch Spaß gemacht. Dass Lian um den Kratzer gleich so ein Aufhebens machte, war ihr peinlich. Auch wenn sie von zierlicher Statur war und man ihr die Kraft, die sie hatte, nicht ansehen konnte, war sie nicht aus Zucker.
„Danke Lian. Es hat Spaß gemacht, und wenn Ihr Zeit habt würde ich sowas vielleicht gerne öfter üben. Selbstverteidigung im Nahkampf, was macht man wenn man keine Waffe zur Verfügung hat? Ich habe tatsächlich keine, außer das Messer. Meine Degen habe ich zu Hause gelassen, aber ich denke, die würden mir auch nicht so arg viel bringen.“
Sie nahm sich einen Apfel, ein Korb mit frischem Obst hatte den Weg auf den Tisch gefunden. Leanora war wirklich erstaunt, was Miandra beim Wirt erreicht hatte.


Lian grinste. Er fühlte sich in diesem Moment richtig eigenartig. Die anderen Gefährten verachteten ihn ja, fassten ihn nicht an oder Sonstiges. So als ob sie Angst hätten, dass etwas geschehen würde. Aber Leanora schien diese Angst nicht zu haben. Nein, sie übte sogar mit Lian. Das brachte ihn zum Grinsen.
„Der Schmied ist nicht weit entfernt“, zwinkerte er Leanora zu. „Wir könnten für Euch Waffen kaufen, und danach weiterüben. Ich werde bezahlen.“
Dann trank er wieder aus seinem Glas. Er fand es gut sich nach all den Jahren mal wieder so richtig unterhalten zu können.


„Ich weiß nicht... um ehrlich zu sein traue ich mich gerade nicht wirklich aus der Taverne, nach der Begegnung die Ihr heute schon hattet. Ich möchte diese Leute nicht unnötig auf uns aufmerksam machen. Und bezahlen werde ich selber, soweit kommt‘s noch.“
Sie nippte an ihrer Milch und grübelte.
„Besser wäre es, wenn der Schmied einfach ein paar Schwerter oder Degen zur Ansicht kommen lassen könnte. Wobei das noch auffälliger ist.“
Mit großen Augen blickte sie Lian an, hin und her gerissen.


Grinsend blickte Lian zu Leanora auf.
„Ihr habt doch bestimmt einen Umhang. Außerdem… bin ich ja dabei“, zwinkerte er. „Es kann also nichts passieren. Und Miandra und Vernita sind bestimmt auch schon unterwegs. Also? Habt Ihr Lust? So ein kleiner ‚Ausflug‘ wäre doch etwas Schönes“, meinte er und lachte und wenig.


Verlegen sah Leanora Lian an, in ihren olivgrünen Augen waren leichte honigfarbene Einsprengsel zu sehen.
„Ich habe keinen Umhang, Lian. Wenn dann müsst Ihr mich so mitnehmen, wie ich gerade bin, tut mir leid. Wie sicher ist die Schmiede?“


Lian musterte Leanora eine Weile.
„Vielleicht sollten wir Euch erstmals einen Umhang besorgen. Folgt mir.“

Anstatt in die Schneiderei von Kylar zu gehen, beschloss sich Lian einen anderen Händler aufzusuchen. Er wollte seinen Freund nicht wieder in Schwierigkeiten bringen. Sie nahmen daher gleich das erst beste Geschäft. Es lag eher am Rande von dem eigentlichen Trubel der Stadt und schien wohl mittelklassische Waren zu verkaufen.
„Seid gegrüßt! Wie kann ich Euch dienen!“ begrüßte der Händler die beiden mit einem freundlichen Lächeln.
Lian blickte zu Lea. „Sucht Euch einen Umhang aus. Am besten mit Kapuze, ja?“ Dann grinste er. Sobald sie einen Umhang hatte, konnten sie sich auf den Weg zu der Schmiede machen.


Leanora sah sich im Geschäft interessiert um. Umhänge gab es gerade zu Hauf, wollene, dünne, lange, kurze. Nach einiger Zeit hatte Lea einige in die engere Wahl genommen: Einen samtenen, schweren bordeauxroten mit zarten Goldstickereien am Rand. Ein weiterer war dunkelgrün, relativ schlicht, aus schwerem Lodenstoff. Und der letzte war schokoladenbraun, aus Wildleder.
Sie konnte sich kaum entscheiden, ihr gefielen alle, und sie passten auch alle wunderbar.
Letztlich sah sie Lian an: „Ich habe keine Ahnung, welchen ich nehmen soll. Entscheidet Ihr bitte für mich.“


Grinsend blickte Lian zu Lea.
„An sich würde ich Euch den Roten empfehlen. Er passt zu Eurem Aussehen, königlich eben. Und zu Eurer Hautfarbe. Aber da wir ja wollen, dass wir unerkannt bleiben, würde ich den schokoladenbraunen aus Wildleder empfehlen. Nein nicht empfehlen, ich sage, Ihr müsst ihn nehmen.“
Lian grinste abermals. Dann legte er das Gold auf den Tresen und bezahlte somit. Egal für welchen Leanora sich entscheiden würde, er wäre schon bezahlt.


Leanora entschied sich für den ihr empfohlenen Umhang, auch wenn ihr der grüne bei weitem besser gefallen hätte. Aber sie musste sich auf Lians Urteil verlassen. Es passte ihr überhaupt nicht, dass er bezahlt hatte, aber ändern konnte sie es auch nicht.
Als sie wieder zu Lian trat sagte sie: „Danke Lian, Ihr hätten den Umhang aber nicht bezahlen müssen. Und was nun? Zurück zur Taverne? Geht am besten voran, ich folge Euch einfach. Dann werde ich ja sehen, wohin Ihr mich verschleppt“, lächelte sie verschmitzt.


Lian lächelte Leonora an, und legte ihr eine Hand auf ihre Schulter. Er hielt zuerst die Luft an und sagte dann doch etwas: „Klar ging der Umhang auf meine Kosten, immerhin habe ich Euch sozusagen dazu gezwungen einen zu kaufen. Nicht wahr?“ grinste er sie an. „Aber es ist schon spät, wir sollten zurück gehen und morgen kümmern wir uns um Eure Waffen, und um den Umgang damit“, zwinkerte er ihr zu.
Danach machten sich die beiden auf den Weg zurück in die Taverne. Unterwegs redeten sie noch ein wenig über ihre Pferde und Lian ließ sich einiges über sie erklären. Ja, auch dass sie die Menschen verstanden, das wusste Lian bisher noch nicht. Durch seinen Kopf ging aber die ganze Zeit nur eine Sache: Miandras Vergangenheit und sie selbst. Er seufzte.


Zuletzt von Allie am Sa 30 Jul 2011, 3:09 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Kapitel XII - Ankunft: Das glühende Kreuz   Sa 30 Jul 2011, 12:34 am


Miandra nahm denselben Weg, über welchen sie vorerst zur Schmiede gelangt waren, wieder zurück. Einerseits da dieser Weg wohl am Sichersten war, andererseits da sie keinen anderen kannte.
In der Taverne angekommen ließ sie sich mit einem Glas Wasser – dessen Qualität besser als zuvor war – an einem Tisch in der Ecke nieder, musterte den Raum und versank in Gedanken.


Vernita bewegte sich schnell und geschickt durch das Gedränge, wobei sie wieder einmal den Wachen aus dem Weg ging. Es dauerte eine Weile, bis sie den Stand gefunden hatte, den sie gesucht hatte. Ohne zu zögern ging sie auf den braunhaarigen Verkäufer mit dem Vollbart zu.
„Cesar, mein Freund“, begrüßte Vernita den Mann. „Wie geht es Euch? Ich hoffe, die Geschäfte laufen noch so gut wie früher?“
„Es geht so, werte Dame“, entgegnete dieser. „Aber schön Euch wiederzusehen. Was benötigt Ihr? Vielleicht ein schönes Accessoire für Euch oder Euren Liebsten? Ich hätte mit Gift versetztes Parfüm im Angebot. Oder vielleicht eine schöne Drahtschlinge?“
„Nein, danke“, winkte die Elfe grinsend ab. „Ich suche nach etwas anderem.“
Vernita trat an dem Händler vorbei und untersuchte die Waren auf seinem Stand. Dort lag allerlei Krimskrams herum. Undefinierbare Kräuter und Kristalle, Fläschchen mit unbekanntem Inhalt, ein paar Dolche und Messer und Ähnliches. Doch der Blick der Elfe blieb auf einem schlichten, einfachen Anhänger haften, der zwischen dem ganzen Gerümpel hing und völlig schmucklos wirkte.
„Eigentlich interessiere ich mich nur für dieses gute Stück hier“, meinte Vernita und griff nach dem Anhänger. Sie hielt den braunen Stein in die Höhe, direkt vor Cesars Augen. „Allerdings habe ich im Moment kein Geld dabei. Ich würde gerne morgen wiederkommen und es abholen. Könntet Ihr dieses Schmuckstück solange für mich zurücklegen?“
Der braunhaarige Mann stutzte für einen Augenblick, hatte sich aber kurz darauf wieder gefangen. „Selbstverständlich, meine Dame. Wie Ihr wünscht. Also, dann, bis morgen.“
Cesar nahm von der Elfe den Anhänger entgegen. Diese lächelte ihn nur kurz an, bevor sie sich abwandte und in der Menge verschwand. Sie machte sich wieder auf den Weg zurück zur Taverne. Dieses mal nahm sie eine andere Route, achtete aber erneut darauf, dass ihr niemand folgte. Nach einer kurzen Weile hatte sie ihr Ziel erreicht und betrat die Taverne. Miandra saß an einem der Tische und trank ein Glas Wasser. Sie trat zu der Frau und setzte sich auf den gegenüberliegenden Stuhl.
„So“, meinte die Elfe lang gezogen. „Der Kontakt ist hergestellt. Morgen werde ich mit meinem Kontaktmann in Verbindung treten. Ich hoffe, dass wir dann ein paar Antworten erhalten werden.“


„Gute Neuigkeiten“, antwortete Miandra mit einem leichten Lächeln und nahm einen Schluck aus dem Glas. Nachdem sie dieses wieder auf den Tisch gestellt hatte, herrschte ein kurzer Schweigemoment.
„Wie schade, dass ich unter solchen Umständen nach Denerim gekommen bin“, sie seufzte. „Vor einigen Jahren hätte ich wohl davon geträumt einmal eine solche Auswahl bei einem Markt zu sehen. Und in der Menge unterzugehen. Wo einen keiner kennt und es egal ist was man tut, es egal ist was andere tun.“
Mit ausdruckloser Miene blickte sie in das Wasserglas welches sie noch immer mit einer Hand umklammerte. „Was denkt Ihr, passiert mit all den Kindern?“
Sie schluckte bevor sie aufblickte und Vernita einen Moment lang musterte. Eigentlich wollte sie die Theorien auf diese Frage nicht hören, doch es war besser eine andere Ansicht der Dinge zu hören, als immer nur die eigene.


„Ja, in dieser Stadt kann man schon in der Menge verschwinden, wenn man das will. Vorausgesetzt natürlich, dass man keine spitzen Ohren hat. Und selbst das ist kein Garant dafür, dass man nicht eines grausamen Todes stirbt“, erwiderte Vernita resigniert, wobei sie für einen Moment an ihr totes Kind denken musste. Schnell schob sie diesen Gedanken beiseite.
„Aber um auf Eure Frage einzugehen“, fuhr sie stattdessen fort. „Ich habe keine Ahnung, warum diese Kinder entführt werden. Und ich will Euch auch nicht mit meinen Mutmaßungen erschrecken. Also versuche ich mich auf die Fakten zu beziehen, die Euch wohl schon genug Angst einjagen dürften.“
Die Elfe machte eine kurze Pause und lehnte sich weiter über die Tischplatte, damit sie nicht so laut sprechen musste.
„Bevor ich Euch in der Taverne zum ersten Mal traf, waren Hennrik und ich sowie der Krieger und die blonde Frau, die uns in Lothering verlassen haben, in der alten Festungsruine von Ostagar. Dort trafen wir auf einen Magier, der ebenfalls einige Kinder entführt hatte. Was er allerdings mit ihnen vorhatte, dass haben wir nie herausgefunden, denn als wir ihn angriffen, benutzte er lediglich ihre Lebensenergie, um uns mit Hilfe eines Blutmagierituals zu entkommen. Ich denke auch nicht, dass dieser Magier in dieser Sache eine Schlüsselposition einnimmt. Für mich schien er ebenso ein Lakai zu sein, wie der Magier, der meine alten Gefährten getötet hat oder wie der Kerl, der dasselbe letzte Nacht bei Leanora versucht hat. Ebenso wenig denke ich, dass die Kinder nur als Opfer für magische Rituale benutzt werden, dafür reicht jedes lebende Wesen. Und ganz simplen Sklavenhandel schließe ich ebenfalls aus. Hier läuft etwas weitaus Größeres und auch Gefährlicheres ab. Ich tippe auf einen Kult.“
Vernita sah sich kurz im Raum um, bevor sie sich wieder an Miandra wandte und diese zu sich heranwinkte. Diese lehnte sich ebenfalls über die Tischplatte, bis sich die Gesichter der beiden Frauen fast berührten.
„Außerdem scheinen in diesem Fall auch so genannte Seelensplitter eine gewisse Rolle zu spielen, mit denen der Magier in Ostagar herumexperimentiert hat. Ich habe keine Ahnung, was man mit diesen Dingern anstellen kann, aber eine Sache beunruhigt mich dabei schon, doch die möchte ich hier lieber nicht äußern.“ Sie warf einen kurzen Blick auf Hennrik, der immer noch zu schlafen schien. „Wenn Ihr wissen wollt, was ich befürchte, dann kommt nachher in mein Zimmer, da können wir ungestört reden.“
Die Elfe lehnte sich wieder nach hinten und fing an sich zu recken. „So. Jetzt gehe ich erst einmal in mein Zimmer. Ich muss mir mal den Schmutz und das Blut der letzten Tage vom Körper waschen. Bis später dann, Miandra.“
Bei ihren Worten stand sie auf, nickte der schwarzhaarigen Frau noch einmal kurz zu und wandte sich dann ab, bevor sie über die Treppe nach oben ging.


Die Taverne war leer, außer ihm, Miandra und Vernita war nur der Wirt anwesend, welcher recht gelangweilt hinter der Theke stand und Bierhumpen putzte. Schläfrig griff Hennrik nach seiner Pfeife und stopfte sie mit frischem Kraut, bestes Langgrundblatt. Mit einem Fingerschnippen entzündete sich der Tabak. Nachdenklich blies Hennrik einige Rauchringe in die leere Schankstube, welche sich gegenseitig jagten, zwischen den Tischen und Bänken hindurch, bis sie schließlich einer nach dem anderen durch die Kaminöffnung nach draußen verschwanden.
Er wandte sich Vernita zu, welche gerade verschwinden wollte und blickte ernst in ihre Richtung. „Ihr vermutet also einen Kult hinter alle dem Terror? Wahrlich weit gefasst, doch könntet Ihr mit großer Wahrscheinlichkeit recht behalten. Die Seelensplitter, die ich in Ostagar fand und jene, die ich schon vorher entdeckte, weisen alle dieselben Marken auf. Ein Schatten im Lyrium, verursacht durch nur eines: Blutmagie. Mächtige arkane Rituale noch aus der Zeit von vor Tevinter. Im alten Reich waren sie verboten, bei Todesstrafe, und die Kirche achtete sehr genau darauf. Doch mit dem Zerfall von Tevinter gerieten auch viele arkane Praktiken in Vergessenheit, Archive die eben diese aufgezeichnet und bewahrt hatten wurden versiegelt und vergessen. Anscheinend wurde eines der Archive gefunden und die Finder brachen es auf, trotz mächtiger magischer Barrieren. Wenn das stimmt, müssen wir schnell handeln“, sagte er mit gedämpfter Stimme.


„Ihr habt ziemlich guten Ohren für Euer Alter, Hennrik“, bemerkte Vernita, die bereits die Treppe hinaufging. Nun drehte sie sich noch einmal zu dem Magier um. „Ja, ich gehe wirklich, davon aus, dass hier ein Kult am Werk ist. Und ich spreche dabei nicht von ein paar durchgeknallten Irren, die irgendeine verlorene Gottheit anbeten. Dafür sind diese Typen viel zu gut organisiert. Außerdem scheinen sie Verbindungen zu den höchsten Kreisen dieses Landes zu haben. Ich hoffe, dass ich morgen mehr weiß, sobald das Treffen mit meinem Kontaktmann vorbei ist. Dann reden wir weiter.“
Die Elfe wandte sich wieder zum Gehen, rief aber noch dem Wirt zu, er möge ihr Wasser zum Waschen auf ihr Zimmer bringen. Danach verließ sie den Schankraum und ging schnurstracks zu ihren Räumlichkeiten.


Miandra blieb noch einige Augenblicke sitzen und ließ Vernitas Worte in ihren Gedanken kreisen. Sie hatte Vieles angenommen, doch diese neuen Möglichkeiten bereiteten ihr nun Magenschmerzen und sie spürte wie ihr einige Schweißtropfen an den Schläfen hinab liefen.
Sie leerte den Rest des Wassers mit einem Schluck, forderte bei dem Wirt einen Eimer mit heißem Wasser an und begab sich damit in ihr Zimmer. Nachdem sie sich während der Reise nur in kalten Flüssen oder Seen – oder gar nicht – gewaschen hatte, würde sie sich danach vielleicht etwas besser fühlen. Schon eigenartig, hätte Vernita das mit dem Waschen nicht erwähnt, wäre ihr der eigene Gestank nach Schweiß und eingetrocknetem Blut wohl gar nicht aufgefallen.
Sie schloss die Türe hinter sich ab, entledigte sich ihrer Rüstung und restlichen Kleidung und begann sich mit einer Seife – welche der Wirt mit einem freudigen Lächeln beigelegt hatte, als sie den Eimer verlangte – zu waschen. Nachdem sich das Wasser verfärbt hatte und sie sich sauber fühlte, kramte sie eine kurze dunkelbraune Leinenhose, sowie eine weiße kurzärmlige Leinenbluse aus ihrer Tasche. Da die Kleidung eng anliegend war, verschwanden jegliche Knitter die aufgrund des Transportes entstanden waren.
Miandra brachte den Eimer zum Wirt zurück und forderte einen frischen an um ihre Kleidung zu waschen, doch der Wirt bestand darauf diese für sie zu waschen, und Miandra nahm das Angebot dankend an.
Wieder in ihrem Zimmer angekommen polierte und fettete sie ihre Rüstung und schliff die Dolche an den Schleifsteinen.
Nachdem alles erledigt schien, ließ sie sich mit einem tiefen Seufzen aufs Bett fallen. Doch als sie merkte, dass sich ihre Gedanken wieder um bereits Vergangenes sowie um die Zukunft zu kreisen schienen, sprang sie wieder vom Bett auf, schnappte ihren Waffengurt und begab sich, ohne der Rüstung mit teilweise noch nassen Haaren, zu dem Zimmer, in welchem sie Vernita vermutete, und klopfte an die Türe.


In ihrem Zimmer standen nur ein Bett, ein kleiner Nachtisch mit einer Kerze darauf, ein wackeliger Schemel und ein morsch aussehender Schrank. Vernita trat an das kleine Fenster und sah nach draußen. Sie blickte auf die schmale Gasse, die hinter der Taverne lang führte. Sie war menschenleer. Eine leichte Brise wehte durch die Stadt und wirbelte den Staub auf, der sich wie kleine Nebelschwaden über die Straße bewegte.
Nachdem sie eine Weile aus dem Fenster gesehen hatte, klopfte es an der Tür. „Herein!“ rief die Elfe kurz und knapp. Der Wirt betrat das Zimmer. Er hielt eine große Waschschüssel samt Handtücher in der einen und einen Eimer mit dampfenden Wasser in der anderen Hand.
„Stellt es einfach dort ab“, meinte Vernita nur und drehte sich wieder zum Fenster um. Sie wartete, bis der Wirt wieder verschwunden war, bevor sie ihre Rüstung auszog. Sie legte die einzelnen Teile fein säuberlich auf den Boden. Nur mit ihrer Unterwäsche bekleidet schüttete sie die Hälfte des Wassereimers in die Waschschüssel. Die Dampfschwaden des heißen Wassers stiegen daraus empor und verbreiteten eine wohlige Wärme.
Vernita zog ihr Unterhemd aus und begutachtete zuerst einmal ihren Brustkorb. Doch die Schwellung, die ihr der Kerl mit dem Streithammer in Lothering beigebracht hatte war inzwischen abgeklungen. Zufrieden grinsend zog sie auch noch den Rest aus und stopfte alles in den Wassereimer. Dann wusch sie sich das Gesicht, die Arme, den Oberkörper und zum Schluss noch die Beine. Nachdem sie sich komplett vom Blut, Schmutz und Schweiß befreit hatte, trocknete sie sich ab, ging zu ihrer Tasche und kramte ihre Ersatzkleidung heraus. Ein einfaches grünes Leinenhemd, samt brauner Wollhose und ein Paar Socken. Sie zog alles an, bevor sie sich daran machte, ihre Unterwäsche in dem Wassereimer zu waschen. Anschließend hängte sie diese zum Trocknen über das Fensterbrett.
Seufzend setzte sich auf das Bett und ließ den Kopf hängen, als es kurz darauf an der Tür klopfte. „Herein! Es ist nicht abgeschlossen!“ rief sie und hob den Kopf. Miandra trat daraufhin ins Zimmer.
„Setzt Euch zu mir“, meinte die Elfe mit einem Lächeln auf den Lippen und klopfte dabei neben sich auf das Bett. „Ihr wollt sicher wissen, worüber ich vorhin gesprochen habe, nicht wahr?“
Die schwarzhaarige Frau nickte und setzte sich neben die Elfe auf das Bett.
„Es geht um Hennrik“, begann Vernita, wobei sie Miandra mit ernster Miene direkt in die Augen sah. „Ich traue ihm nicht über den Weg. Und dieses Gefühl ist bei ihm noch schlimmer als bei Lian oder Leanora. Zum Einen ist er ein Magier. Denen habe ich schon immer misstraut. Aber das ist nicht der Hauptgrund. Es geht vielmehr um diese Seelensplitter, von denen ich Euch erzählt habe. Sie scheinen eine alte, böse Macht zu repräsentieren. Und unser Hennrik hat ein ziemlich großes Interesse an diesen Artefakten. Ich würde sie alle zerstören, doch er sammelt sie stattdessen. Keine Ahnung, warum er das tut, aber es gefällt mir nicht.“
Sie machte eine kurze Pause, in der sie zur Tür sah, so als würde sie befürchten, dass dahinter jemand stand und sie belauschte. Dann wandte sie ihren Blick wieder Miandra zu. „Ich vermute, er verfolgt seinen eigenen Plan mit diesen Dingern, und ich fürchte, er könnte sich deswegen irgendwann als Problem darstellen. Zumindest, wenn er vorhat, die Macht dieser Splitter für sich persönlich zu nutzen. Darauf müssen wir vorbereitet sein. Seid Ihr bereit, mich gegen diese alten Magier zu unterstützen, falls die Situation es erfordern sollte?“
Den Blick, den die Elfe der schwarzhaarigen Frau entgegenwarf war fast flehend.


„Natürlich werde ich Euch unterstützen, auch wenn ich bisher noch nie gegen einen Magier gekämpft habe, und er scheint mir ziemlich mächtig zu sein. Je älter ein Magier, desto stärker, sagt man doch“, sie fasste sich kurz nachdenklich ans Kinn und blickte zu Boden. „Doch sein Blut hat dieselbe Farbe wie das meine, also …“
Sie legte die Hände wieder auf das Bett. „Wie auch immer, was ich sagen wollte, wenn er sich gegen uns stellen sollte oder diese Seelensplitter eine Gefahr für uns darstellen sollten, dann werde ich Euch helfen. Dennoch… bereitet mir der Magier momentan weniger Sorgen…“, fügte sie seufzend hinzu.
„Ich fühle mich irgendwie beobachtet von diesem Elf, und das gefällt mir nicht“, sagte sie schlicht. „Und seine Fähigkeiten beunruhigen mich, wobei mich eher seine psychischen als physischen beunruhigen. Er weiß meine Vergangenheit, ohne dass ich sie ihm erzählt habe… das ist wie wenn er mir durch meine Haut direkt in die Seele geblickt hätte, ohne meiner Erlaubnis!“
Der Tonfall in ihren Sätzen wurde nach und nach wütender, doch dies konnte man nur leicht raus hören, da ihre Gesichtszüge unverändert blieben.


„Macht Euch keine Sorgen“, sagte Vernita und nahm Miandras Hand in die ihre. „Sollte Lian Euch in irgendeiner Form auch nur den geringsten Schaden zufügen oder es auch nur versuchen, so wird er sehr schnell feststellen müssen, wie sterblich er tatsächlich ist.“
Die Elfe sah der schwarzhaarigen Frau tief in die blauen Augen. „Ihr seid mir sehr wichtig geworden, Miandra. Und ich habe so etwas schon lange nicht mehr gefühlt. Ich werde es nicht zulassen, dass Euch irgendjemand etwas antut. Das verspreche ich Euch.“
Sie führte Miandras Hand ganz langsam an ihren Mund und hauchte ihr einen sanften Kuss auf die Finger. Anschließend näherte sich Vernitas andere Hand dem Gesicht ihres Gegenübers. Doch bevor ihre Finger Miandras Wange berühren konnten, zuckte die Elfe zurück. Während ihre Hand in der Luft verharrte, sah sie die schwarzhaarige Frau immer noch an, während sich Tränen in ihren Augen bildeten.
„Verzeiht mir“, meinte sie nur und ließ die Hand der Frau los, bevor sie aufstand und zum Fenster ging. Während sie nach draußen starrte, schien sie darum zu kämpfen, nicht weinen zu müssen. „Ich hätte das nicht tun sollen.“


Miandra stockte für einen Moment der Atem, und sie wusste nicht wie sie reagieren, oder was sie sagen sollte und betrachtete Vernita in einem scheinbar zeitlosen Moment, als sie am Fenster stand, und darauf hoffte, dass man so nicht sehen konnte, dass sie den Tränen nahe war.
Für Miandra spiegelte Vernita so viel Leid, Schmerz, Hass und Trauer wider. Mehr von all dem, als sie glaubte, dass jemals jemand vertragen könnte.
Und dennoch... bewunderte sie Vernita für ihre Stärke und Willenskraft. Doch nun sah sie eine Seite die sich nicht kannte. Wie eine zerbrechliche Vase... die sie in der Hand hielt und jederzeit fallen lassen könnte.
Sie würde die Vase nicht fallen lassen. Doch sie wusste auch, dass sie andere Gefühle für Vernita hegte, als Vernita unbewusst zu hoffen vermochte. Miandra fühlte sich, als könnte sie Vernita alles erzählen, fühlte sich in ihrer Gegenwart sicher und schon bei dem Gedanken daran, die Elfe leiden sehen zu müssen, lief ihr ein kalter Schauer den Rücken hinab. Doch Miandra vermochte dieses Gefühl nicht zu deuten. Wie sollte sie das auch? Sie wurde ihr gesamtes Leben über verachtet, und der einzige Mensch der ihr nach dem Tod ihres Bruders je etwas bedeutete war ihre Tochter. Alle Freundinnen die sie bisher hatte, dienten nur dem Zweck des guten Bildes. Dem war sie sich nun bewusst, auch wenn sie einst glaubte, dass ihr all diese Menschen irgendwie wichtig waren, so wusste sie nun, dass dem nicht so war. Denn nie traf sie eine solche Persönlichkeit, wie die, die vor ihr stand.
„Ihr braucht Euch nicht zu entschuldigen“, sagte sie während sie vom Bett auf stand.
„Ich muss gestehen, dass...“, sie hielt kurz inne, „...dass diese Situation neu für mich ist und ich nicht damit umzugehen weiß. Doch ich weiß, dass ich Euch nicht leiden sehen will... und schon gar nicht meinetwegen. Ich denke nicht, dass ich das wert wäre.“
Sie ging zum Fenster und legte ihre rechte Hand auf Vernitas Schulter und blickte sie unsicher an, bevor sie ihr mit der anderen Hand die Tränen von den Wangen streifte.
„Hört zu, ich kannte noch nie jemanden wie Euch, aber ich möchte nicht, dass Ihr einen falschen Eindruck von mir habt. Ich empfinde Gefühle für Euch, die ich nicht kenne und nicht deuten kann. Gefühle die mir keinerlei Angst bereiten. Doch ich finde, dass Ihr schon genug gelitten habt... Genug, um Euch nun nicht auch noch auf eine vom Pech verfluchte Frau wie mich einzulassen“, sie versuchte zu lächeln, was ihr nicht wirklich gelang, ließ Vernita los und blickte zum Fenster.
„Doch eines bereitet mir Angst“, sagte sie nachdem sie kurz inne gehalten hatte mit einem Seufzen. „Ich habe momentan so viele Gedanken und Eindrücke, sowie Sorgen in meinem Kopf, dass ich Angst habe irgendwo Zuflucht zu suchen, um ihnen zu entkommen. Das wäre... Betrug.“
Miandra blickte weiterhin aus dem Fenster, wusste nicht was sie noch hätte sagen können und schon gar nicht was sie denken sollte.
„Vielleicht sollten wir uns einfach einmal wieder richtig ausruhen... die Reise war lang und anstrengend“, sagte sie als wolle sie das Thema abwinken und drehte sich um als wolle sie gehen ohne eine Antwort hören zu wollen.


Vernita drehte sich ebenfalls um, als die schwarzhaarige Frau sich abwandte und legte dieser sanft eine Hand auf die Schulter. „Es ist schon gut, Miandra. Ich weiß ja selbst nicht, was ich von Euch erwarte, da ich mir ebenfalls nicht über meine Gefühle im Klaren bin. Ich fühle mich zu Euch hingezogen, dass ist alles, was ich mit Gewissheit sagen kann. Aber ist es aus Bewunderung, aus Freundschaft oder aus... aus Liebe?“
Sie hielt einen Moment inne und schloss dabei die Augen, um weitere Tränen zu unterdrücken. „Ich weiß es wirklich nicht. Bisher kannte ich in meinem Leben nur Hass und Misstrauen. Jede Person, der ich begegnet bin, hat versucht mich auszunutzen oder wurde von mir ausgenutzt. Man hat mich verraten, und ich wurde zur Verräterin. Man versuchte mich zu ermorden, und ich wurde zur Mörderin. Man nahm mir den Glauben an das Gute in dieser Welt, und ich schien ihn für immer verloren zu haben. Bis heute...“
Sie trat direkt hinter Miandra, schlang ihre Arme um sie und legte ihren Kopf auf die Schulter der Frau. „Auch wenn Ihr eine vom Pech verfolgte Frau sein solltet, so werde ich an Eurer Seite bleiben, bis diese Sache überstanden ist und vielleicht auch darüber hinaus. Und es ist kein Fehler und keine Zumutung für mich, wenn Ihr bei mir Zuflucht sucht, denn ich suche dasselbe bei Euch. Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, um welche Art von Zuflucht es sich dabei handelt.“
Vernita löste sich nach einem kurzen Moment des Schweigens wieder von Miandra und ein Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht. „Aber Ihr habt recht. Es war ein langer Weg, und wir sollten uns ausruhen. Wir reden morgen weiter. Ich wünsche Euch eine gute Nacht.“


Miandra zuckte nicht zusammen als sich Vernita an ihren Rücken schmiegte. Sie wusste nicht was sie spürte.
„Ich weiß was Ihr meint, es geht mir ähnlich. Bewunderung ... ich bewundere Euch dafür, dass Ihr nach all dem was Ihr durchlebt habt, noch Tränen vergießen könnt, wegen jemanden wie mir“, sie drehte sich noch einmal um und schenkte Vernita ein Lächeln, und verschwand mit einem „Schlaft gut“ aus der Tür.
Sie begab sich zurück in ihr Zimmer wo sie die Türe abschloss und sich in das Bett fallen ließ, wo trotz des zu vorigen Ausbeutelns der Decke, etwas Staub aufgewirbelt wurde. Sie dachte nicht mehr lange über das Geschehene nach, dafür war sie zu erschöpft, und hatte zu lange kein Bett mehr unter ihrem Rücken gespürt, um der Versuchung des Schlafs zu widerstehen.


Vernita stand noch eine Weile in ihrem Zimmer, nachdem Miandra dieses verlassen hatte. Sie war innerlich vollkommen aufgewühlt. Zum ersten Mal in ihrem Leben nach ihrem Beitritt zu den Grauen Wächtern war sie jemandem begegnet, für den sie keine Verachtung oder Misstrauen empfand. Nein, das stimmte nicht. Es war nicht das erste Mal. So etwas Ähnliches war ihr vor kurzem schon einmal passiert. Und zwar vor einigen Tagen, in der Nähe eines kleinen Dorfes namens Lothering.
‚Was ist bloß los mit mir?’ ging es ihr durch den Kopf. ‚Werde ich langsam weich? So etwas darf mir jetzt nicht passieren. Diese Sache, die vor uns liegt, bedarf meiner vollen Konzentration, also reiß dich gefälligst zusammen, Vernita!’
Sie schüttelte den Kopf und entschloss noch einmal in den Schankraum zu gehen, um sich noch einen starken Schnaps zu genehmigen. Ansonsten würde sie wohl heute Nacht keinen Schlaf mehr finden.


Zuletzt von Allie am So 31 Jul 2011, 11:06 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Kapitel XII - Ankunft: Das glühende Kreuz
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