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 Kapitel XIII - Bekannte Gesichter

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Allie
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BeitragThema: Kapitel XIII - Bekannte Gesichter   So 31 Jul 2011, 11:20 am

Denerim

Kapitel XIII - Bekannte Gesichter

Aktive Charaktere: Azoth, Hennrik, Leanora, Miandra, Rowan, Vernita

Als die Sonne den Horizont berührte und den Himmel in dämmriges Licht tauchte, gab sie gerade ihren Braunen im Stall ab und drückte dem Stalljungen ein Kupferstück in die dreckigen, schwieligen Hände. Sie machte sich auf den Weg in die Schankstube und ließ dabei den Blick noch einmal über die Dächer Denerims schweifen.
Warum zum Teufel war sie noch gleich hier her gekommen? Sie hasste große Menschenansammlungen, ganz zu schweigen von Städten. Doch sie musste ihren Geldbeutel dringend wieder auffüllen und hier hatte sie die größten Möglichkeiten, an einen Auftrag zu kommen. Kurz zuvor hatte sie Denerim betreten und ihr Pferd auf den Markplatz geführt. Von allen Seiten drängten sich Leute an ihr vorbei und Marktschreier priesen lauthals ihre Waren an.


Hennrik war fast schon wieder im Halbschlaf versunken , als er mit einem Schlag hochschreckte. „Aahhaa!! REGULUS!“ rief er bestürzt und erschrocken in den Raum , packte seine Sachen zusammen, griff nach seinem Stock - seinen Hut hätte er in der Eile fast vergessen - und lief zur Türe hinaus.
Schnellen Schrittes lief er die Straßen und Gassen entlang, lediglich beleuchtet durch einige Laternen und spärlichem Licht aus den Fenstern, bis er vor einem schmalen, hohen Haus stand mit vielen Ecken, Nischen und turmähnlichen Anbauten, über dessen Tür ein überaus reich verziertes Schild hing, auf dem in verwaschenen goldenen Lettern „Regulus´ Magie- und Alchemiebedarf“ prangte. Von drinnen war noch ein schwaches Licht zu erkennen, also trat Hennrik geschwind ein.
Der Laden war ein Alchemielabor und Bibliothek zugleich, Bücher und Schriftrollen stapelten sich in überladenen, verzierten Regalen bis unter die Decke, zusammen mit Fläschchen verschiedensten Inhaltes, Gläsern mit den unvorstellbarsten Ingredienzien, Sicheln, Silbermessern und verschiedenstem alchemistischem Gerät, vom Destillierkolben zum Kalzinierofen, von der Retorte zur Goldwaage, Kristallkugeln, Sanduhren, alles war in diesem Laden zu erstehen. Er war verwinkelt und zog sich bis unter das Dach des alten Hauses, jeder Raum, jedes Kämmerlein gleichsam mit den wunderlichsten Dingen gefüllt.
Regulus, ein knorriger alter Mann mit dickem, zwergisch-geflochtenem Bart, kräftigen Armen und wachen Augen stand hinter der Theke, während Sheila, seine überaus liebreizende Assistentin, zwischen den Regalen umher huschte und Bücher sortierte. Sie war die Einzige, die in diesem Hausstand noch wusste, wo was zu finden sei, wenn man es denn benötige.
„Hahahaha! Regulus Terentius! Sieh an! Wie geht es Euch?“ rief Hennrik fröhlich als er zur Türe eintrat.
„Wenn das nicht Hennrik ist, fress‘ ich ein Nug! Willkommen alter Freund, wie steht‘s?“
„Bestens Regulus, bestens! Ich habe übrigens etwas mitgebracht! Da schau her“, sagte er als er den Beutel mit den Seelensplittern hervorzog und auf dem Tisch ausbreitete. Sorgfältig reihte er sie nebeneinander auf.
„Hoo! Sieh sich einer die Dinger an! Faszinierend!“ sagte Regulus als er einen der Splitter genauer betrachtete. „Wo hast du sie gefunden?“
„Einige habe ich an einem Steinkreis in Highever gefunden, zwei weitere in der Nähe der Brecillianwaldruinen und den Rest in Ostagar im Turm von Ishal. Alle bei Ritualen bei denen schwarze Magie angewandt wurde. Immer die gleiche, sie weisen alle ein und den Selben Schatten im Lyrium auf und das beunruhigt mich. Die Rituale, die angewandt wurden, stammen aus der Zeit vor dem alten Reich, das heißt eines er Archive muss aufgebrochen worden sein. Was weiß das Auge davon?“
Ernst sah Regulus ihn an. „Estair hat von einem Zirkel berichtet, doch Genaueres hat er nicht gesagt. Alle Archive die der Schild überwacht sind noch versigelt... das heißt, wir wissen nicht von allen! Sheila! Sei so gut und such die Archivarkiste, ich weis nicht wo sie ist, aber du kennst dich sowieso hier besser aus als ich.“ Er wandte sich wieder Hennrik zu: „Wenn es wirklich ein Kult sein sollte, dann ist er mächtiger, als wir ahnen. Wir sollten das Auge und den Schild kontaktieren und sie wissen lassen, was du herausgefunden hast.“


Sie war für einen Moment orientierungslos an den Ständen vorbei geirrt, bevor sie sich in eine ruhige Seitengasse gerettet hatte. Nach ein paar Schritten war sie auf das Schild einer Taverne gestoßen, auf dem ein glühendes Kreuz zu sehen war.
Sie würde dort die Nacht verbringen und sich am nächsten Tag auf die Suche nach Arbeit begeben. Einen Moment verharrte sie vor der hölzernen Tür, bevor sie sie energisch aufstieß und in den Schankraum trat. Zu ihrer Erleichterung war der Schankraum leer. Sie bestellte sich beim Wirt ein gewässertes Bier und fragte nach einem freien Zimmer. Mit einem mürrischen Brummen schob er ihr einen Zimmerschlüssel über die Theke und wandte sich dann ab. Sie steckte den Schlüssel ein und setzte sich an einen der Tische in einer Ecke des Raumes.
Seufzend streckte sie ihren Rücken durch. Die Reise zu Pferde war sie nicht mehr gewöhnt und ihr taten die Knochen davon weh.


Vernita entschied sich dafür, ihre Rüstung hier zu lassen und schnallte sich deshalb nur ihre Kurschwerter um. Anschließend verließ sie das Zimmer und verriegelte die Tür. Die Elfe betrat den Schankraum, ohne sich weiter umzusehen und wandte sich an den Wirt, der hinter der Theke stand.
„Gebt mir etwas Hochprozentiges“, meinte sie nur zu ihm, bevor sie sich umdrehte, die Ellenbogen auf dem Tresen abstützte und ihren Blick über den Raum schweifen ließ. Er war leer, bis auf eine blonde Frau, die an einem Tisch in der Ecke saß. Vernitas Augen huschten nur einmal kurz über das Antlitz der Frau. Sie wollte sich schon wieder zum Wirt umdrehen, als sie für einen Moment inne hielt.
‚Augenblick mal, das ist doch...’, dachte sie und richtete den Blick noch einmal auf die blonde Frau. Vernita kannte diese blauen Augen, diese Tätowierung und auch das übrige Gesicht. Das war Rowan, kein Zweifel. Vernita löste sich von dem Tresen und ging schnellen Schrittes auf die Frau zu.
„Rowan!“ rief sie durch den Schankraum. „Was tut Ihr denn hier?“


„Gebt mir Bescheid, wenn Ihr oder sonst jemand etwas gefunden habt.“ Sagte Hennrik zu Regulus, der über den Karten aus der Archivarskiste brütete.
„Ich lasse Euch eine Nachricht zukommen“, entgegnete Sheila. „Wenn wir etwas finden, werden wir Bescheid geben.“
Hennrik wollte gerade gehen, als er sich umdrehte. „Ach eins noch. Ich wollte ja noch etwas kaufen. Hast du Silberkraut, ein paar Fläschchen, zwei Gläser, Stahlbrauer Rötlig - nur einen Hut, Schuppier Spohrling, Brechwurzpulver und Engelsbeerensaft da?“
„Immerdoch, hab‘ ich gleich für dich“, entgegnete Sheila.
„Und noch ein leeres Buch für meine Notizen... und vielleicht noch eine kleine Reiseretorte.“
Nachdem alles zusammengesucht war - was bei Sheilas Hausstandkenntnissen recht geschwind erledigt war, Hennrik alles bezahlt und sich verabschiedet hatte, verschwand er wieder in Richtung Taverne. Unterwegs entzündete er sich eine Pfeife und schlenderte in Gedanken versunken durch die Gassen, bis er vor der Tavernentür stand.
Er trat ein und sah sich um. Vernita stand bei einer Person im Schatten einer Ecke. Er sah genauer hin und erkannte ein ihm sehr bekanntes Gesicht.
„Rowan! Was für eine Überraschung! Wie geht es Euch?“ rief er vergnügt und setzte sich zu ihr. „Was verschlägt Euch hierher?“ lachte er und blies einige Rauchringe in die Luft.


Rowan erstarrte, als sie ihren Namen hörte. Sie kannte diese Stimme.
Als sie von ihrem Bier aufblickte, sah sie die Elfe vor sich stehen. Fast hätte sie sie ohne ihre Rüstung nicht wieder erkannt, doch es war eindeutig Vernita, die dort vor ihr stand.
Sie seufzte und rang sich ein verkniffenes Lächeln ab. Innerlich versteifte sie sich. Jemandem begegnen, den sie kannte, war nicht ihr Plan gewesen. Vor allem nicht der Elfe.
Im nächsten Moment schwang sich der alte Magier neben sie und sprach sie an. Rowans Lächeln erstarb und sie rutschte tiefer in ihren Sitz. Sie verfluchte sich dafür, diese Stadt betreten zu haben. Es war fast, als würde sie spüren, wie das Schicksal die Schlinge, die sie um ihren Hals trug, Stück für Stück zusammen zog.
„Tja, euch kann man wohl nicht entkommen, oder?“


Als Lian und Leanora in der Taverne ankamen, sah er Hennrik, wie er sich mit einer Frau unterhielt. Und auch Vernita.
Er drehte sich zu Leonara um, und lächelte zwanghaft. „Ich werde auf mein Zimmer gehen ja? Wir sehen uns morgen. Ich wünsche Euch eine angenehme Nacht.“
Er ging an Vernita und den anderen vorbei ohne auch nur ein Wort oder Blick an sie zu verschwenden. Als er in seinem Zimmer war, legte er sich auf sein Bett und starrte an die Decke.


„Genau, das wollte ich auch von ihr wissen, Hennrik“, warf Vernita auf die Frage des Magiers ein. Sie stemmte ihre Arme in die Hüften und sah die blonde Frau herausfordernd an.
Doch die Elfe war nicht wirklich verärgert, eher überrascht. Sie kannte Rowan erst seit ein paar Tagen, doch hatte sie diese irgendwie lieb gewonnen. Auch wenn Vernita sich von ihr etwas im Stich gelassen fühlte, nachdem sie in Lothering einfach so von dannen geritten war. Doch wirklich böse sein, konnte sie der Frau eigentlich nicht. Sie hielt es damals schon für das Beste, dass sich Rowan aus der ganzen Sache heraushielt, da sie für Vernita so etwas war, wie ihr Ebenbild, bevor... ein Mensch der Elfe alles genommen hatte. Und sie hatte Angst, dass diese Geschichte aus der blonden Frau vielleicht dasselbe kaltblütige Miststück werden ließ, für das sich Vernita hielt.
Doch bei aller Zuneigung, welche die Elfe für Rowan begonnen hat zu empfinden und die sie selbst bisher noch nicht einmal richtig einordnen konnte, war viel geschehen, seit ihrem letzten Treffen in Lothering. Inzwischen hatte die Elfe eine starke Verbindung zu Miandra aufgebaut, der wohl ebenfalls viel an Vernita lag. Früher wäre die Sache so einfach gewesen. Da hätte sie Miandras starke Bindung zu ihr einfach für ihre Zwecke ausgenutzt, und sie anschließend fallen gelassen. Doch früher schien so lange her zu sein.
Nun stand Vernita vor der zweiten Person, der sie seit dem Tod ihres Sohnes etwas anderes als Hass oder Gleichgültigkeit entgegenbrachte und die sie eigentlich schon als für immer verloren glaubte. Sie war eigentlich in den Schankraum gekommen, um wieder Herr über ihre Gefühle zu werden. Doch stattdessen hat sie die unerwartete Begegnung mit Rowan noch mehr durcheinander gebracht.
Sie schüttelte leicht den Kopf, um ihn wieder klar zu bekommen, bevor sie sich noch einmal an die blonde Frau wandte. „Ihr habt unsere Fragen nicht beantwortet, Rowan? Was tut Ihr hier? Seid Ihr uns etwa gefolgt?“


Rowan kniff die Augenbrauen zusammen.
„Keine Angst, ich bin euch nicht gefolgt. Ich wusste noch nicht einmal, dass ihr hier seid, bevor ihr eben die Treppe hinunter gekommen seid.“
Unruhig rutschte sie auf ihrem Sitz hin und her.
„Ich bin hier in Denerim, weil ich Arbeit suche. Mein Geldbeutel wird so langsam aber sicher immer leerer.“
Sie schaute Vernita in die Augen.
„Ihr habt nicht zufällig Arbeit für mich.“ Sie konnte einen kleinen Lacher nicht unterdrücken.
Welch Ironie, dass sie ausgerechnet auf die beiden getroffen war. In den letzten sechs Tagen ihrer Reise hatte sie versucht, das Geschehene zu vergessen und wieder zu ihrem normalen Leben zurück zu finden. Nun kamen die Erinnerungen wieder in ihr hoch.
Mit einem weiteren sarkastischen Lacher, versuchte sie ihre Fassung zu behalten, und wandte den Kopf wieder ab.


Ein Grinsen legte sich auf Vernitas Gesicht.
„Sicher hätte ich Arbeit für Euch“, erwiderte sie hämisch, während sie sich zu Rowan an den Tisch setzte. „Sie ist schlecht bezahlt und überaus gefährlich. Aber Ihr dürft jeden ausplündern, den Ihr töten könnt. Und außerdem haben wir noch Leanora. Die hat Geld wie Dreck. Das reicht für uns alle eine Weile. Und im Notfall kann ich auch noch den einen oder anderen Diebstahl verüben. Verhungern werden wir also nicht.“
Der Wirt trat an den Tisch und stellte der Elfe eine Flasche Schnaps und ein kleines Glas hin. Er sah, dass Rowan ihr Bier noch nicht ausgetrunken hatte und entfernte sich deshalb gleich wieder. Vernita öffnete die Flasche und füllte mit dessen Inhalt ihr Glas, welches sie mit einem einzigen Schluck wieder leerte. Während sie es ein weiteres Mal füllte, verfinsterte sich ihre Miene.
„Die ganze Sache mit diesen Kindesentführungen ist um einiges größer, als wir zuerst angenommen hatten. Und auch um einiges gefährlicher“, berichtete die Elfe mit ernster Stimme. „Wir wurden bereits das eine ums andere mal überfallen. Und es scheinen hohe Würdenträger des Landes und der Kirche darin verwickelt zu sein. Genauere Informationen werde ich wahrscheinlich erst morgen erhalten, aber meiner Ansicht nach betrifft diese Bedrohung jeden auf ganz Thedas. Trotzdem würde ich es Euch nicht übel nehmen, wenn Ihr Euch aus der Sache heraushalten wollt. Obwohl wir Eure Hilfe mit Sicherheit gebrauchen könnten. Die Entscheidung überlasse ich Euch.“


Rowan stieß überrascht die Luft aus. Sie hatte ihre Frage nicht ernst gemeint, doch Vernita schien es nicht gemerkt zu haben oder absichtlich nicht darauf einzugehen.
„Bittet Ihr mich gerade, mich Euch anzuschließen?“
Mit großen Augen sah sie der Elfe dabei zu, wie sie ein ums andere Glas leerte.
„Und von welchen Kindesentführungen sprecht Ihr?“



„Richtig. Das wisst Ihr ja noch gar nicht“, erwiderte Vernita, die bereits ihr fünftes Glas geleert hatte. Hätte dieser Wirt ihr nicht ein Bierglas geben können, dann müsste sie nicht ständig nachkippen. Sie überlegte, ob sie nicht gleich aus der Flasche trinken sollte, verwarf diesen Gedanken aber wieder und wandte sich stattdessen an Rowan. „Ihr erinnert Euch gewiss an Miandra, die schwarzhaarige Frau, die wir in der Taverne in der Wildnis getroffen haben und deren Tochter entführt wurde, oder?“
Die Elfe verschloss die Flasche wieder und stellte sie beiseite. Den Rest würde sie später austrinken. „Wie sich herausstellte, war ihre Tochter nicht das einzige Kind, dass in letzter Zeit entführt worden ist. Es waren weitaus mehr Kinder, die anscheinend alle nach Denerim verschleppt worden sind. Die Gründe dafür sind uns unbekannt, aber es sieht nicht nach dem Werk gewöhnlicher Sklavenhändler aus. Nein, diese Kindesentführungen dienen einem anderen Zweck, den wir aber noch nicht kennen. Und wenn Ihr uns bei der Klärung dieses Mysteriums helfen würdet, so würde mich das sehr freuen, auch wenn ich um Eure Sicherheit besorgt bin.“


„Pff, Ihr braucht Euch nicht um meine Sicherheit zu sorgen. Ich kann auf mich selbst aufpassen.“
Ihre Miene klärte sich etwas auf.
„Ich wusste nicht, dass die Tochter der Schwarzhaarigen entführt wurde. Ich habe so gut wie kein Wort mit ihr gewechselt. Habt ihr sie wieder gefunden?“
Rowan trank einen Schluck aus ihrem Glas und verschluckte sich fast, als sie den Kopf plötzlich nach oben warf und Vernita anstarrte.
„Meint Ihr, dass die Kinder in dem Turm in Ostagar auch dazu gehörten?“
Mit Grauen, dachte sie an die kleinen, leeren Gesichter zurück und daran, wie sie alle tot auf dem Boden gelegen hatten, nachdem der Blutmagier verschwunden war.


„Nein, bisher haben wir Miandras Tochter noch nicht gefunden“, entgegnete Vernita resigniert, während sie auf die Tischplatte starrte. Für einen Moment musste sie wieder an ihren Sohn denken und wie er im Kindsbett gestorben war. Sie schüttelte den Gedanken gleich wieder ab.
„Und ich fürchte, dass das, was wir in Ostagar gesehen haben, etwas damit zu tun hat. Und dass dies nur ein kleiner Teil dessen war, was hier wirklich vor sich geht. Irgendeine böse Macht scheint sich im Land ausbreiten zu wollen. Ganz leise und heimlich, immer im Hintergrund. Und das macht sie noch gefährlicher als jede Verderbnis, die bisher diesen Kontinent überzogen hat.“


„Was habt Ihr bisher herausfinden können?“

Rowan lehnte sich interessiert nach vorne und stützte ihren Kopf auf der linken Hand ab. „Wie gesagt, ich suche eine Möglichkeit, wieder an Geld zu kommen. Und wie Euch vielleicht schon aufgefallen ist, trage ich immer noch die Lederrüstung, die Ihr für mich besorgt habt. Sie ist zwar noch gut erhalten, doch ich würde mir gerne bald etwas neues zulegen können.“
Ihr Blick ging durch Vernita hindurch als sie weitersprach. „Ich hatte hier mal einen guten Auftrag... Personenschutz eines Adligen. Ich hatte gehofft, dass er wieder meine Dienste benötigen könnte... doch entschuldigt, ich schweife ab. Der Tag war lang und ich muss mich bald zur Ruhe begeben.“
Sie blickte Vernita wieder in die Augen. „Also, was habt Ihr bisher herausgefunden?“


„Nun, eine gewisse Eshtá Gianauro scheint hinter diesen Kindesentführungen zu stecken. Sie scheint in dieser Stadt ein hohes Tier zu sein und lässt die Kinder wohl nach Denerim bringen. Außerdem hat Lian auf einer seiner Exkursionen herausgefunden, dass wohl auch einige Mitglieder der Kirche in die Sache verwickelt zu sein scheinen. Außerdem fand er in einem Stützpunkt der Kindesentführer eine Notiz mit dem Namen Van Housen. Keine Ahnung, ob es diese Person überhaupt gibt, oder ob es nur ein Deckname ist.“

Sie hielt kurz inne und dachte nach. „Ach so. Lian kennt Ihr ja noch gar nicht. Er ist ein Elf und auch noch ein ziemlich übereifriger. Ihr werdet ihn sicher mögen. Gebt ihm aber bloß nicht die Hand, sonst verbrennt Ihr Euch die Finger.“ Die Elfe lachte laut und schlug dabei mit der Handfläche auf den Tisch.
„Das sind im Moment alle Fakten, die uns vorliegen“, bemerkte Vernita, nachdem sie sich wieder beruhigt hatte. „Der Rest sind nur Spekulationen. Ich gehe, davon aus, dass ich morgen um diese Zeit schlauer sein werde. Sobald das Treffen mit meinem Kontaktmann vorbei ist. Aber jetzt sollten wir uns wohl wirklich erst einmal ausruhen. Wenn Ihr Euch noch kein Zimmer genommen habt, so wird es Zeit. Der Wirt hat nämlich nur noch eins frei. Die anderen haben wir in Beschlag genommen. Wenn dann nichts mehr ist, dann wünsche ich Euch eine gute Nacht.“
Vernita stand auf, nahm ihre Flasche und wandte sich zum Gehen um.


„Ich habe mir bereits einen Zimmerschlüssel geben lassen.“

Rowan trank den letzten Schluck ihres Bieres aus und stellte das Glas mit einem lauten Rumms auf der Tischplatte ab. Dann stand sie auf und schloss sich Vernita an.
Im Flur vor den Zimmern blieb sie kurz stehen.
„Ich wünsche Euch eine geruhsame Nacht.“
Dann betrat sie ihr Zimmer und schloss die Tür hinter sich ab. Nachdem sie sich mit einem Blick vergewissert hatte, dass sie alleine in dem kleinen Raum war, streifte sie ihre Rüstung ab und ließ sich erschöpft auf das Bett fallen. Nach wenigen Augenblicken war sie eingeschlafen.


„Die wünsche ich Euch ebenfalls, Rowan“
, erwiderte Vernita und betrat ihr Zimmer. Sie ließ die Tür ins Schloss fallen und lehnte sich dann mit dem Rücken an diese. Sie machte die Augen zu und atmete tief durch.
‚Was soll ich nun tun?’ ging es ihr durch den Kopf. ‚Die ganze Sache war doch so einfach. Ich bin doch nur in diese verfluchte Stadt gekommen, um die Person zu finden, die mich töten will und um Miandras Tochter zu finden. Und dann vielleicht mit ihr... ja, was eigentlich? Mein restliches Leben mit ihr verbringen? Ist es das, was ich wirklich will?’
Vernita hatte plötzlich das Bedürfnis zu Rowan ins Zimmer zu gehen und mit ihr zu reden. Sie wollte wissen, warum die blonde Frau plötzlich verschwunden war und was ihr in der Zeit widerfahren war. Und ob sie nun bei ihr blieb, oder wieder das Weite suchte. Aber was war dann mit Miandra? Die Elfe hegte inzwischen starke Gefühle für die schwarzhaarige Frau. Könnte sie es nun verantworten, Miandra so zu enttäuschen? Auf der anderen Seite. Erwiderte diese Vernitas Gefühle überhaupt? War sie überhaupt dazu fähig?
‚Warum ist das Leben nur so kompliziert?’ dachte die Elfe und löste sich von der Tür. Sie ging zum Bett, stellte die Flasche auf den Nachttisch und holte anschließend ihre Unterwäsche von der Fensterbank. Sie zog ihre Sachen aus, streifte nur ihre Unterhose über und legte sich ins Bett, wobei sie ihre Schwerter wie immer griffbereit neben sich auf den Boden platzierte.
Vernita atmete tief durch und schloss die Augen. Sofort sah sie Rowans liebliches Gesicht vor sich. Die Elfe riss die Augen wieder auf und starrte gebannt an die Decke. Nachdem ihre Lider nach kurzer Zeit wieder zufielen, sah sie wieder in ein Gesicht. Diesmal war es das von Miandra. Wieder öffnete sie ihre Augen.
‚Das kann ja heiter werden!’ ging es Vernita durch den Kopf. Sie griff zu der Flasche und nahm erst einmal einen kräftigen Schluck daraus. Anschließend legte sie sich auf die Seite und versuchte erneut zu schlafen. Doch wieder sah die Gesichter der beiden Frauen vor ihrem geistigen Auge. So ging es eine ganze Weile, bis sie schließlich in einen unruhigen Schlaf fiel.


Zuletzt von Allie am So 31 Jul 2011, 12:15 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Kapitel XIII - Bekannte Gesichter   So 31 Jul 2011, 12:13 pm

Die Glocken der Stadt läuteten die Mitternacht ein. Lian lag noch immer wach in seinem Bett. Als er aber die Töne hörte stand er auf. Er nahm seine Schwerter, die er in dieses Mal auf seinen Rücken packte. Danach warf er sich den Umhang um, und zog die Kapuze tief ins Gesicht. Lian ging zum Fenster und öffnete es.
Der Himmel war klar, die Sterne funkelten und der Mond warf sein helles Licht auf die Stadt. Lian blickte aus dem Fenster. Die Verfolger der Gruppe hatten ihn ja schon einmal ausfindig gemacht. Und Wachen patrouillierten in den Gassen und auf den Straßen.
Lian hangelte sich aus dem Fenster, und kletterte auf das Dach. Er würde wohl den Weg über die Dächer nehmen müssen, um unentdeckt vor allen zu sein. Er nahm Anlauf und sprang auf das nächste. Das machte er solange, bis er bei der Schneiderei ankam. Dort hangelte er sich die Wand hinunter, bis er ein Fenster erwischte, wo er sich hinein gleiten ließ.
Er ging einige Treppen hinunter und wurde von jemanden in einen anderen Raum gezogen. Eine Kerze wurde entzündet und dort war Kylar, der am grinsen war. Aber da war auch noch ein anderer Mann. Er hatte langes graues Haar, einen langen Bart, und trug eine Robe, zudem einen großen schwarzen Hut. Der Mann drehte sich um, und blickte zu Lian.
„Kylar, wer ist das?“ fragte Lian verwirrt.
Der alte Mann ergriff das Wort. „Ich bin der Erste Verzauberer. Ich wusste Ihr würdet zu Kylar gehen, da Ihr die Informationen benötigt. Also wusste ich auch, dass ich Euch in Denerim antreffen könnte.“
„Ach und wollt Ihr mich jetzt töten?“
Der Erste Verzauberer begann zu lachen. Man hörte, dass er alt war, denn seine Stimme war ziemlich rau und er begann zu husten. Dann streifte er durch seinen Bart und setzte sich an den Tisch. Lian tat dasselbe. Kylar saß auf einem Hocker vor der Tür, damit niemand Unerwartetes hineinkommen konnte.
„Also mein junger Elf. Es ist nun sieben Jahre her, seit Ihr Eure Begabung erhalten habt, nicht wahr?“
Lian nickte auf seine Frage.
„Ihr habt Personen verletzt und verloren die Ihr liebtet. Und nun, wurdet Ihr wieder geprägt. Ich habe gesehen, was Ihr ihr für ein Geschenk gemacht habt. Wirklich netter Einfall.“ Der Erste Verzauberer begann wieder zu lachen, aber Lian fand das Ganze nicht so lustig und verdrehte nur seine Augen.
„Aber um zum Thema zurück zu kommen. Ihr seid etwas Außergewöhnliches. Eure Fähigkeiten werdet Ihr noch lernen einzusetzen, sie zu unterdrücken, oder… was noch wichtiger ist, das ist noch nicht alles was Ihr könnt. Ihr werdet viel dazu lernen, und es zum Guten verwenden.“
„Bin ich sowas wie ein Magier oder in der Art?“ fragte Lian gebannt.
„Nein seid Ihr nicht. Ihr seid viel mehr. Ihr... werdet größere Macht erhalten, als alle anderen Wesen. Nicht einmal der Erzdämon war so mächtig, wie Ihr es einmal sein werdet. Ihr werdet alles Böse vernichten, was sich hier breitmachen will… Dadurch, dass Ihr eine Todesbegegnung hattet - und Ihr hattet wirklich Glück jeder andere wäre gestorben. Aber es war ein sehr starker Magier, der Euch den Dolch in die Brust rammte. Dadurch entstand so eine Art Prozess in Euch. Ihr seid schneller, stärker begabter als zuvor. Und, wie Ihr gesehen habt, mit anderen magischen Begabungen wie normale Magier ausgestattet. Das was Ihr könnt kann niemand anderer.“
„Und warum kann ich nicht altern? Das alles, kann ich so recht nicht verstehen.“ sagte Lian und klopfte auf den Tisch, ehe er aufstand. „Was ist, wenn ich einmal eine Familie haben möchte? Darf ich dann dabei zu sehen, wie sie im Alter sterben?“
„Ja das werdet Ihr, es sei denn, Ihr wart nicht achtsam und seid schon vorher gestorben. Was interessiert Euch schon eine Familie? Ihr seid unterwegs, bekämpft Sklavenhändler und was weiß ich noch alles...“
„Das kann sich ja noch ändern“, sagte Lian erzürnt. „Gibt es sonst noch was?“
„Ja. Die Handschuhe braucht Ihr nicht. Diese Unfälle passierten nur, weil Ihr nicht so recht wusstet was mit Euch geschieht. Jetzt da Ihr es wisst, könnt Ihr lernen es zu beherrschen und die Begabung auch nutzbar anwenden. Die Dunkle Brut, ist noch nicht verschwunden. Sie wird wieder kommen, das wissen alle. Die Frage ist nur wann. Das Ganze kann auch in vierhundert Jahren passieren. Hier Ich habe für euch beide etwas. Es sind Umhänge, in schwarz. Sie sehen aus, wie aus normalem Stoff, doch sind sie stabiler, gegen Schwert und selbst Magie. Die Kapuzen gehen tiefer ins Gesicht. Und bei Eurem Umhang Lian, dasselbe. Mit einigen, sagen wir… Zusätzen“
Der alte Mann bückte sich, und kramte in einer Kiste. Er holte einen Beutel heraus, den er auf dem Tisch ausbreitete, indem er ihn mit einer Handbewegung ausrollte. Darin befanden sich zehn von den feinsten silbernen Messern die Lian jemals gesehen hatte. Sie waren eine Spezialanfertigung eines Schmiedes und somit eine Einzelanfertigung.
„In Eurem Umhang, Lian, befinden sich rechts und links Halterungen aus Leder. Jeweils fünf Stück. Darin werdet Ihr diese Messer verstecken können. Sie ermöglichen Euch ein unauffälliges und rasches Töten, einfacher als irgendjemanden mit einem Schwert zu stürmen. Zudem sind sie schärfer als Rasierklingen, sehr fein gepresst und in diesen Messern befindet sich ein Gift. Es ist direkt in den Klingen eingearbeitet.“
Lian nahm den Umhang entgegen, ebenso wie die Messer. Er steckte sie sofort in die erwähnten Halterungen. Der Umhang fühlte sich so leicht an und dennoch war er warm - und stabil? Das würde sich ja noch heraus stellen.
„Danke Erster Verzauberer“
, meinte Lian, und verbeugte sich.
„Das war noch nicht alles. Ihr erhaltet einen neuen Namen. Ihr werdet nicht mehr Lian heißen. Das ist der Name Eurer Vergangenheit, der den Euch Eure scheußliche Familie gab. Ihr heißt nun ‚Azoth‘. Ganz gleich, was die anderen sagen. Und bevor Ihr geht. Nehmt Kylar mit und begebt Euch sofort auf den Weg zum Schmied. Dort gibt es den letzten Teil Eurer Ausrüstung“
Dann trat er auf ‚Azoth‘ zu, und legte ihm behutsam eine Hand auf seine Schulter. „Macht was Gutes, mein Junge.“
Und ehe sich Kylar und Azoth versehen konnten, verschwand der Erste Verzauberer in einem schwarzen herbeigezaubertem Nebel.
Kylar und Azoth ließen sich auf die Stühle fallen. Kylar überreichte Azoth eine Flasche mit Alkohol und grinste.
„Mann Mann Mann. Früher hätte ich mir nie erträumen lassen, dass mal so was Großes aus dir wird. Wenn das Verena mit ansehen könnte...“ seufzte er.
Azoth trank einen Schluck und stellte die Flasche wieder auf den Tisch. „Lass die Toten ruhen, Kylar. Es bringt nichts sich darüber weitere Gedanken zu machen. Wir sollten jetzt los. Wir müssen noch zu diesem Schmied.“
„Ah stimmt, ja. Ebenfalls ein Freund von mir.“ erwiderte Kylar als er aufsprang.
Die beiden verließen die Schneiderei und machten sich in der dunklen Nacht auf den Weg zu der Schmiede. Diese befand sich nicht auf dem Marktplatz, sondern zwischen den Wohnhäusern. Auch ein guter Ort, um eine Schmiede zu führen.
Sie klopften an die Tür und ein gut gebauter, großer Mann öffnete ihnen.
„Ahhh Kylar!“ lachte er. „Ich weiß warum Ihr hier seid. Kommt rein.“ sagte er und machte sich gleich auf den Weg in einen Hinterraum. Er kam bestückt mit zwei kleinen und zwei großen Schatullen zurück und trat damit zur Theke, an welcher Kylar und Azoth bereits warteten.
„Hier habe ich die Sonderanfertigungen für deinen Freund hier Kylar. Was man nicht für schöne Dinge für die passenden Münzen hinbekommt, was?“ lachte er wieder.
Er öffnete die Schatullen, in den zwei kleinen befanden sich zwei Dolche, welche ebenfalls aus dem feinsten Silber bestanden, das Azoth jemals gesehen hatte. Der Griff war schwarz, mit wunderschönen dunkelgrünen Verzierungen. Azoth griff nach ihnen, aber der Kerl haute ihm sofort auf die Finger.
„Nichts da!! Vorsichtig sein. Bei den Klingen der Dolche und Schwerter wurde ebenfalls mit Giften gearbeitet. Wir wollen doch nicht, dass Ihr uns hier in meiner Schmiede abkratzt was?“ grölte er, gefolgt von einem Lachen.
„Ja tut mir leid…“
Dann wurden die Schatullen der Schwerter geöffnet, welche im selben Design wie die Dolche waren - die Klingen im blanken Silber, die Griffe schwarz mit den grünen Verzierungen. Azoth schloss die Schatullen und nahm sie an sich.
„Danke Euch. Was ist mit dem Gift? Muss man das irgendwie nachfüllen?“
„Nein“, erwiderte der Mann. „Das war Pulvergift. Und wurde mit dem Silber verarbeitet, es besteht also die gesamte Zeit. Viel Erfolg! Und nun geht, aber so, dass Euch niemand sieht.“ Dann verschwand er wieder in einem hinteren Raum, wo er anscheinend schlief.
Kylar und Azoth verließen den Laden und hielten inne. „Wir sollten uns trennen. Du gehst zur Schneiderei zurück und ich auf anderem Wege zur Taverne. Bis dann Kylar.“ meinte Azoth und die Wege der beiden trennten sich.
Azoth rannte bis er bei der Taverne ankam, welche er betrat, und ging ohne auch nur einen Blick an einen Gast zu verlieren auf sein Zimmer. Dort schloss er die Tür hinter sich ab, und ließ sich seufzend auf seinen Stuhl fallen.
Er öffnete nochmals die Schatullen und blickte auf die Waffen. Die Schwerter waren eine sehr gute Wahl, aber Dolche brauchte er nicht wirklich. Er hatte einen, den von Verena, mehr brauchte er nicht. Aber Miandra hatte Dolche, die zudem nicht mehr so neu aussahen, und sie schien dank Vernita auch mit Gift zu arbeiten. Vielleicht könnte sie ja die Dolche gebrauchen. Er würde sie am nächsten Morgen fragen.
Dann versteckte er die Schatullen unter dem Bett, hängte seinen neuen Umhang um den Stuhl und ließ sich erschöpft auf das Bett fallen, und ehe er sich versah war er auch schon eingeschlafen. Diese Nacht verlief – dem Erbauer sei Dank – traumlos. Er hatte keine schrecklichen Albträume von grauenvollen vergangenen Ereignissen, die seine Gefährten betrafen.


Zuletzt von Allie am So 07 Aug 2011, 10:11 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Kapitel XIII - Bekannte Gesichter   So 31 Jul 2011, 1:47 pm

Azoth wachte ruckartig auf, als die Sonne begann ihre ersten Strahlen abzuwerfen und Vögel damit begannen fröhlich ihr Lied zu zwitschern. Auch sein Hund saß neben dem Bett und wachte langsam mit einem Gähnen auf.
Azoth stand auf und zog sich um. Ihm hallten noch die Worte des Ersten Verzauberers durch den Kopf und irgendwie hatte er Angst. Ihm graute davor, das alles wollte er doch sowieso nicht, aber ändern konnte er es leider auch nicht.
Er warf sich seinen neuen Umhang um, mit den Messern in der Innentasche. Auch seine neuen Schwerter packte er aus der Schatulle und steckte sie in die Schwertscheiden. Dann nahm er die Schatulle mit den Dolchen und warf noch einmal einen Blick darauf. Sie waren von großem Nutzen, und nun würde er sie hergeben.
Er verließ sein Zimmer und ging weiter. Vor Miandras Tür hielt er inne, bevor er unsicher anklopfte.


Miandra wurde durch das Klopfen an der Türe geweckt. Sie schlief einen traumlosen Schlaf, griff aber trotzdem reflexartig nach ihren Dolchen. Es dauerte einige Herzschläge, bis sie realisierte wo sie war. Sie setzte sich an die Bettkante, rieb sich die Augen und band sich ihre langen Harre geschwind zu einem Pferdeschwanz, mithilfe eines Haarbandes, welches sie aus ihrer Tasche kramte.
Sie ging zur Türe und öffnete diese.
„Guten Morgen Lian... welch Überraschung...“, sagte sie mit einem Hauch an Sarkasmus und musterte den Elf. Irgendetwas an ihm sah anders aus... doch sie schob den Gedanken beiseite. Eigentlich hatte sie den Wirt erwartet, da dieser schließlich noch immer ihre Kleidungsstücke hatte.
„Wie kann ich Euch helfen ...?“ fragte sie stattdessen und fügte ein Gähnen hinzu.


Azoth lächelte. „Guten Morgen Miandra. Ehm, bitte nennt mich ab jetzt Azoth, ja? Und ich habe hier etwas. Neue Ausrüstung. Ich habe keine Verwendung für Dolche, aber Ihr schon. Möchtet Ihr sie sehen?“ fragte er gebannt, und freute sich innerlich sie zu sehen.


Miandra zog eine Augenbraue in die Höhe. „Azoth..?“ Sie blickte ihn verwirrt an. Dieser Elf wurde von Tag zu Tag eigenartiger... doch die Dolche wollte sie sich ansehen.
„Ja... ich könnte in der Tat neue Dolche gebrauchen...“ Sie hob eine ihrer Klingen hoch und musterte diese. „Sie sind nicht mehr die Allerneusten. Vernita gab mir zwar ein Kurzschwert, doch ich weiß nicht so recht, ob ich damit umgehen kann...“
Nachdenklich blieb ihr Blick an der Waffe haften.


Azoth öffnete die Schatulle und hielt sie Miandra entgegen. Er lächelte wieder und hielt zuerst seine Hand darüber. „Passt auf, wenn Ihr die Klingen aus den Scheiden nehmt. Ihr selbst dürft die Klinge nicht berühren. Sie wurden mit Gift bearbeitetet. Das heißt, Ihr müsst nie Gift darauf verteilen, oder nachfüllen. Es hat ewigen Bestand.“
Dann nahm Azoth einen der Dolche, und hielt ihn Miandra entgegen. „Probiert mal, ob Ihr damit umgehen könnt“


„Woher habt Ihr diese Dolche? Von solchen Waffen habe ich bisher nie etwas gehört... aber die Eigenschaft klingt vielversprechend.“
Zögernd nahm sie den Dolch entgegen. Er war, obwohl er etwas größer zu sein schien, um einiges leichter als ihre Dolche und das obwohl er noch in der Scheide steckte. Der Griff war schwarz, mit wunderschönen dunkelgrünen Verzierungen. Vorsichtig zog sie die Scheide von der Waffe, feinstes Silber blitzte hervor, und spiegelte das Blau ihrer Augen wider. Sie hielt den Dolch in die Höhe, und musterte ihn von allen Seiten. Man konnte nicht erkennen, dass sie mit Gift gefüllt waren. Waren diese Waffen magisch?
„Interessant.“ Sagte sie kühl und steckte den Dolch zurück in die Scheide.


Azoth grinste wieder. Dann zog er eines seiner neuen Schwerter aus der Scheide und zeigte sie Miandra.
„Meine Schwerter sind von derselben Schmiede. Ich bekam das alles im Set, doch benötige ich die Dolche nicht und da Ihr welche verwendet, auch mit Gift, dachte ich, dass Ihr sie gerne hättet.“ Er hielt kurz inne. Er wollte sie etwas fragen, doch schwankte er ob er es tun sollte, oder es bleiben lassen sollte.
„Wollen wir hinunter? Etwas frühstücken?“ fragte er dann doch.


Das Schwert durchbohrte den Bauch des Mannes. Blut spritzte aus der Wunde, als Vernita ihr Opfer von sich stieß. Ihr Gesicht war vor Hass verzerrt und rot von dem Blut der Männer, die sie schon niedergemetzelt hatte. Ein weiterer Mann stürmte auf die Elfe zu und schlug mit seinem Streitkolben zu. Vernita parierte den Angriff, während sie dem Angreifer ihr zweites Schwert in den Leib stieß.
Sie war im Blutrausch. Vollführte einen Tanz des Todes, dem keiner ihrer Gegner gewachsen war. Sie schrie und wütete und hinterließ nur Schmerz und Zerstörung. Es dauerte nicht lange, bis sie ihren letzten Gegner zur Strecke gebracht hatte. Winselnd lag er vor ihr auf dem Boden und bettelte um sein Leben. Doch die Elfe tötete ihn ohne Gnade. Ihre Feinde hatten den Tod verdient. So war es immer. So wird es immer bleiben.
Sie stand nun allein auf der Brücke und sah sich um. Vor sich sah sie Miandra, die gerade gegen drei schwer bewaffnete Männer kämpfen musste, die ihr ziemlich zu schaffen machten. Sie drängten die Frau immer weiter an den Rand der Brücke. Nicht mehr lange, und sie würden sie in die bodenlose Tiefe befördern. Vernita wollte der Frau gerade zur Hilfe eilen, als sie hinter sich ein Geräusch vernahm.
Sie wandte den Kopf und sah, dass Teile der Brücke hinter ihr eingestürzt waren. Doch das war nicht das Problem. Vielmehr sah sie außerdem, dass Rowan am Rand der Brücke hing und verzweifelt versuchte nicht abzustürzen. Ihre Finger krallten sich in den harten Stein, während sie vergeblich versuchte sich nach oben zu ziehen. Dann rutschte sie mit einer Hand ab, so dass sie nur noch fünf Finger vom unausweichlichen Tod trennten. Ein Blick nach vorne zeigte der Elfe, dass Miandras Lage genauso verzweifelt war. Nur noch wenige Augenblicke und diese Kerle würden sie in den Abgrund stoßen.
Was sollte Vernita jetzt tun? Sie konnte nicht beide retten. Eine der Frauen musste sterben, damit die andere leben konnte. Und sie musste diese Entscheidung treffen. Wenn sollte sie retten? Und wen sollte sie opfern? Wer war ihr wichtiger? Die Elfe war so unschlüssig und verzweifelt, dass sie nur wie angewurzelt dastand und ihre Schwerter sinken ließ. Ihr Blick schwankte ständig zwischen den beiden Frauen, die verzweifelt um ihr Leben kämpften. Die Elfe starrte in die Luft und stieß einen erschütternden Schrei aus.
„Nein!“ entfuhr es Vernita und sie schreckte auf. Sie saß auf ihrem Bett. Ihr Puls raste. Ihre Brust hob und senkte sich im gleichen Takt. Schweiß stand auf ihrer Stirn. Sie brauchte eine Weile, um zu erkennen, dass sie nur geträumt hatte. Mühsam schwang sie sich auf dem Bett herum und setzte ihre Füße auf den Boden. Mit den Armen stützte sie sich auf ihren Oberschenkeln ab und legte dabei den Kopf in ihre Hände.
„Diese Träumerei geht mir langsam auf die Nerven!“ fluchte sie vor sich hin. Sie blieb noch einen Moment so sitzen, bevor sie aufstand und ihre Sachen anzog. Zuvor wusch sie sich mit dem kalten Wasser von gestern den Schweiß vom Körper. Nachdem sie ihre Rüstung wieder angezogen und ihre Waffen angelegt hatte, verließ sie ihr Zimmer. Sofort sah sie, dass Lian vor Miandras Zimmertür stand und mit dieser sprach.
‚Was wird das denn schon wieder?’ dachte die Elfe genervt bei sich, während sie auf die beiden zuging. ‚Kann der Kerl sie nicht einfach in Ruhe lassen?’
„Guten Morgen, Miandra“, begrüßte sie die Frau, als sie die beiden erreicht hatte. „Was ist los? Belästigt Euch Lian schon wieder?“


Noch bevor Miandra auf Azoths Frage antworten konnte, stand Vernita neben ihnen.
„Guten Morgen Vernita, hattet Ihr eine erholsame Nacht?“ Sagte sie mit einem Lächeln und reichte den Dolch an die Elfe weiter. „Nein noch nicht... Was haltet Ihr von diesen Waffen?“


„Guten Morgen Vernita“, murmelte Azoth vor sich hin. „Ich mache das was Ihr nicht macht. Die Gruppe mit guter Ausrüstung versorgen.“
„Ich hoffe Ihr geht gut mit den Dolchen um“, sagte Azoth wieder an Miandra gewandt, und wandte sich ab. Er ging die Treppen hinunter wo er sich an einen Tisch setzte, während er irgendetwas Unverständliches vor sich her grummelte. War denn Leanora die einzige aus der Gruppe, mit der man sich normal unterhalten konnte? Die nicht dachte man sei ein Feind, oder wollte etwas Böses? Das fand Azoth wirklich schade, denn Vernita sollte sich lieber auf die wirklichen Feinde des Lebens konzentrieren.
Der Kellner kam und brachte frische Semmeln an den Tisch, dazu einen Krug frisches Wasser. Er nahm sich eine und biss herzhaft hinein.


„Nein, ich habe schlecht geschlafen“, erwiderte die Elfe und rieb sich dabei den Nacken, der etwas verspannt war. „In letzter Zeit träume ich nur noch Scheiße zusammen. Ist fast so schlimm wie zu Zeiten der letzten Verderbnis. Da habe ich ständig vom Erzdämon geträumt. War nicht wirklich lustig, das kann ich Euch sagen.“
Die Elfe nahm den Dolche entgegen, den Miandra ihr hinhielt. Sie zog ihn aus der Scheide und begutachtete die Klinge.
„Das ist eine ausgezeichnete Arbeit, wirklich. Habe selten Waffen gesehen, die von so herausragender Qualität sind. Ich muss schon sagen... Moment, was ist das? Sind das Verunreinigungen?“ Skeptisch betrachtete sie die leichten Schatten im Metall der Waffe, die nur einem geübten Auge auffielen. Irgendetwas stimmte mit diesem Dolch nicht. „Wo habt Ihr den her, Miandra?“
Ihr Blick fiel sofort auf den Elf, bevor die Frau antworten konnte. „Habt Ihr ihr den gegeben, Lian?“
Doch dieser antwortete nicht mehr darauf, sondern ging bereits grummelnd die Treppe zum Schankraum hinunter.


Rowan erwachte, weil sie Stimmen vor ihrer Tür hörte. Die Sonne stand bereits am Himmel und sie sprang schnell aus dem Bett und zog sich an.
Die Reise hatte ihr mehr zu schaffen gemacht, als sie gedacht hatte. Und das bequeme Bett hatte wohl auch dazu beigetragen, dass sie länger als sonst geschlafen hatte.
Sie schaufelte sich kühles Wasser aus einer Schale ins Gesicht und trat dann vor die Tür. Als sie in das Gesicht des Elfs aus der Taverne schaute, blieb sie zunächst wie erstarrt stehen. Dann drehte sie auf dem Absatz um und warf ihre Tür hinter sich zu.
‚Das hat mir ja gerade noch gefehlt‘, dachte sie, als sie mit dem Rücken an der Tür lehnte. Dieser Schnösel hatte sich scheinbar auch der Gruppe angeschlossen. Das konnte ja heiter werden.


Während Vernita die Dolche betrachtete fiel Miandras Blick zu der Türe des Zimmers welches eigentlich nicht besetzt war. Wurde da gerade die Türe zugeschmissen? Oder bildete sie sich das ein? Vernitas Frage riss sie aus ihren skeptischen Gedanken.
„Albträume? Das ist schade... Dem Erbauer sei Dank, dass er mich mit einem tiefen Schlaf gesegnet hat. Ich träume sehr selten...“ Sie musterte die Dolche einen kurzen Moment. „Lian... oder Azoth... wie auch immer... hat sie mir gegeben. Er meinte darin sei eine Art Gift, also fasst die Klinge lieber nicht an.“


„Nun ich habe schon mal Waffen gesehen, in denen Gifte eingearbeitet worden sind“, erwiderte Vernita, wobei sie den Dolch wieder in die Scheide steckte. „Das ist aber nur etwas für echte Profis. Nehmt es mir bitte nicht übel, aber ich glaube, soweit seid Ihr noch nicht. Ihr habt gerade erst angefangen mit Giften zu hantieren. Ihr könntet Euch damit mehr schaden als Euren Gegnern.“
Sie gab der Frau den Dolch wieder zurück. „Und außerdem halte ich nicht viel von permanent vergifteten Waffen, da ich mit diesen keine Gefangenen machen kann, die ich anschließend verhören möchte.“
Ein schiefes Grinsen legte sich bei ihren Worten auf ihr Gesicht. Sie wollte noch etwas hinzufügen, als ihr etwas einfiel. Während sie den Dolch begutachtete hatte, hatte sie das Gefühl gehabt, dass hinter ihr eine Tür kurzzeitig geöffnet wurde. Sie blickte sich um, doch die Tür hinter ihr war zu.
„War da nicht gerade jemand an dieser Tür?“ fragte sie Miandra.


„Hmm... vielleicht kann ich sie nur als Wurfwaffen nutzen, dabei kann ich mich schließlich schlecht selbst verletzen, doch das müsste ich vorerst üben. Aber es wäre schade dieses glänzende Silber nicht mit Blut zu beflecken.“
Grinsend nahm sie die Waffen wieder entgegen und wandte den Blick noch einmal zu der Türe.
„Also habe ich es mir nicht eingebildet? Ich dachte dieses Zimmer stünde leer, oder hat es gestern etwa jemand bezogen? Naja wie auch immer, ich könnte jetzt ein ordentliches Frühstück vertragen, sowas hatten wir schließlich schon länger nicht mehr!“
Sie wandte sich von der Elfe kurz ab, um die neuen Dolche in ihrem Zimmer abzulegen - ihre alten nahm sie jedoch mit -, schloss die Türe ab und wartete auf Vernita.


„Das war bestimmt Rowan“, erwiderte Vernita. „Ach so, das wisst Ihr ja noch gar nicht. Sie gestern in Denerim angekommen und hier abgestiegen, verrückt nicht wahr? Ich frage mich nur, warum sie nicht aus ihrem Zimmer gekommen ist?“
Die Elfe wirkte sehr nachdenklich. Doch dann winkte sie ab. „Aber Ihr habt recht. Lasst uns erst einmal etwas essen gehen.“
Die beiden Frauen gingen gemeinsam die Treppe zum Schankraum hinunter. An einem der Tische saß Azoth und aß eine Semmel.
„Wollt Ihr Euch zu Eurem Gönner setzen?“ flüsterte die Elfe Miandra ins Ohr, wobei sie hämisch grinste.


Miandra musste das Grinsen erwidern und schüttelte aufgrund der Aussage langsam den Kopf.
„Nein... ich denke ich nicht, dass das eine gute Idee wäre.“
Sie ging zum Wirt welcher sie theatralisch freundlich begrüßte: „Guten Morgen die Damen! Was kann ich Euch bringen? Oh und Eure Kleidungsstücke sind alle frisch gewaschen!“ Er bückte sich kurz und verschwand für einen Moment hinter der Theke. Er stellte einen Korb auf dem Schanktisch ab, worin sich die Wäsche befand.
„Danke... ein Tee wäre nicht schlecht.“
„Kommt sofort!“

Miandra setzte sich, während der Wirt seinem Gehilfen den Tee zubereiten schickte, an einen Tisch, welcher um die acht Stühle weit von Azoths Tisch entfernt war.
„Und was möchtet Ihr, werte Elfe?“, wandte sich der Wirt an Vernita.


„Für mich nur Wasser“
, entgegnete Vernita. „Und drei Brötchen mit Wurst und Käse. Viel Wurst, um genau zu sein.“
Der Wirt nickte nur, und die Elfe wandte sich von ihm ab. Sie setzte sich zu Miandra an den Tisch. Eine Zeit lang sah sie ihr Gegenüber nur schweigend an, wobei sie ziemlich verträumt wirkte. Sie blickte in die blauen Augen der schwarzhaarigen Frau und schien sich darin zu verlieren. Am liebsten hätte sie nur noch hier gesessen und hätte Miandra angesehen. Aber sie hatten Wichtigeres zu tun. Sie löste den Blick von ihrem Gegenüber und sah nun auf ihre Hände, mit denen sie auf der Tischplatte trommelte.
„Sobald wir gegessen haben, könnten wir zu Meister Wade gehen“, meinte sie nach einer Weile. „Und vielleicht habe ich ja auch schon eine Nachricht von meinem Kontaktmann bekommen.“


Der Gehilfe des Wirtes eilte mit dem Tee, Wasser und Brötchen zu dem Tisch und stellte alles geschwind ab. Er verschwand so schnell wie er kam, schließlich durfte er seine Gäste nicht stören.
Miandra sog den heißen Dampf welcher sich über der Tasse gebildet hatte tief ein und seufzte anschließend. Sie öffnete sich wieder die Haare, denn sie hasste es einen Pferdeschwanz zu tragen, und tat dies eigentlich nur sehr selten.
„Denkt Ihr er hat die Rüstung schon abgeändert? Er muss ein ziemlich flinker Kerl sein und die ganze Nacht daran gesessen sein. Ein solches Leder zu verarbeiten muss ziemlich schwierig sein.“
Sie pustete den Dampf von der Tasse weg und nahm vorsichtig einen Schluck. Eigentlich wollte sie etwas essen, doch als sie in dem Schankraum ankamen, verging ihr jeglicher Appetit. Sie hasste Tavernen, aber sie konnte auch schlecht am Marktplatz schlafen.
Sie blickte kurz zu dem Tisch an welchem Azoth saß. Sie hatte sich nicht bei ihm für die Dolche bedankt. Ja, er schien es nicht böse zu meinen, doch Miandra verstand so etwas nicht, da sie es nicht gewohnt war. Und sie hielt gerne Abstand vor Neuheiten, außer es sei dringend erforderlich.
Neuheiten? Ihr Blick glitt wieder zu Vernita und sie musterte diese kurz, bevor sie wieder einen Schluck aus der Teetasse nahm. Dass sie jemanden traf, der mit ihr etwas gemein hatte, war ebenfalls eine Neuheit, doch wieso hielt sie davor keinen Abstand? In was lief sie hier eigentlich hinein?
Sie ließ ihre Gedanken kreisen, blickte auf den Tisch und nahm alle paar Sekunden einen Schluck aus der Tasse.


„Wie ich Meister Wade kenne wird er tatsächlich die ganze Nacht daran gearbeitet haben“, lachte Vernita und sah ihr Gegenüber wieder in die Augen. Dabei griff sie direkt zu den Brötchen und fing an zu essen. „Er ist zwar ein wenig exzentrisch aber als Schmied kenne ich keinen besseren. Und selbst wenn er noch nicht fertig sein sollte, so haben wir wenigstens eine Chance, Herren zur Verzweiflung zu bringen. Ich liebe es, ihn zu ärgern.“
Die Elfe aß weiter, wobei sie zwischendurch auch mal einen Schluck Wasser zu sich nahm. Sie erinnerte sich daran, wie sie das letzte Mal in Denerim war, und Meister Wade ihr die Rüstung anfertigte, die sie auch jetzt noch trug.
„Meine Rüstung ist übrigens auch von Meister Wade. Er brauchte drei Tage, um sie anzufertigen. Ich war jeden Tag mehrmals bei ihm. Am Ende hatte ich Herren fast soweit, dass er vor lauter Verzweiflung die Ladentheke auffraß.“


„Ja dieser Herren ist schon ein eigenartiger Kautz“, sagte sie und konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen als sie an den gestrigen Besuch in der Schmiede von Wade denken musste.


Als Azoth dort so alleine saß, und sein Brötchen aß, schenkte er Miandra und Vernita keine weiteren Blicke. Er hatte nicht mehr zu sagen, als er ohnehin schon tat und versuchte. Stillschweigend aß er weiter bis Leanora kam und sich zu ihm an den Tisch gesellte. Sie aßen zusammen ihr Frühstück und unterhielten sich ein wenig.
„Wir sollten in die Stadt gehen. Ihr müsst noch zu einem Waffenschmied. Beim Marktplatz ist einer“, grinste er ihr entgegen.
Die beiden machten sich über den Marktplatz auf den Weg zum Schmied. Davor hielt Azoth an und legte Lea eine Hand auf die Schulter.
„Nun liegt es an Euch. Ihr müsst sagen, womit Ihr umgehen könnt, oder was das Beste für Euch wäre. Ich werde solange warten, ja?“
Sie war einverstanden und betrat die Schmiede. In der Zwischenzeit, ging Azoth zum Marktplatz, und schaute sich bei den Ständen um. Es gab so viel zu kaufen, aber eben auch sehr viel Schnickschnack, was er und seine Gefährten nun wirklich nicht brauchten…


Hennrik blickte auf. Draußen war es schon hell geworden, auf den Straßen schien schon reges Treiben zu herrschen. Er blickte sich in seiner kleinen Kammer um. Auf dem Fensterbrett standen Phiolen mit buntem Inhalt, der Tisch war mit alchemistischem Gerät, Fläschchen, Gläsern und Schriftrollen bedeckt. Sein Stab stand zusammen mit seinem Schwert an der Türseite der Kammer. Ihm fiel auf, dass ihm noch einige Dinge fehlten, er würde wohl zum Markt müssen.
Er nahm sich Stock und Schwert und begab sich in den Schankraum, um festzustellen, dass anscheinend die ganze Besatzung anwesend war.
„Einen wohlen Morgen die Herrschaften“, lachte er in den Raum, entzündete sich seine Pfeife und setzte sich zu Vernita und Miranda an den Tisch.
„Ich hoffe ich störe doch nicht!“ Fragte er grinsend in die Runde.


„Guten morgen Hennrik. Nein Ihr stört nicht, doch wir werden wohl bald zur Schmiede aufbrechen.“
Miandra leerte ihre Teetasse und beobachtete den alten Mann wie er genüsslich an seiner Pfeife kaute. ‚Welch ausgewogene Kost‘, dachte sie sich nur. Sie selbst hatte erst ein Mal an einer Pfeife gezogen und es war widerwärtig.
Sie wandte den Blick von dem Alten ab, und bemerkte erst jetzt, dass die Taverne außer ihnen drein, dem Wirt und seinem Gehilfen, komplett leer war.


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BeitragThema: Re: Kapitel XIII - Bekannte Gesichter   So 31 Jul 2011, 7:25 pm

Nachdem Vernita mit ihrem Frühstück fertig war, verabschiedeten sie sich von Hennrik und verließen die Taverne. Sie gingen durch einige Gassen und anschließend ein Stück am Rande des Marktplatzes entlang. Doch bereits so früh am morgen war hier großer Trubel. Die Händler leerten Kisten mit Lebensmitteln, Kleidungsstücken und Waffen, und breiteten diese sorgfältig auf ihren Ständen aus. Einige Frauen tummelten sich mit ihren Kindern durch die Menge, wollten nur die frischesten Waren ersteigern, und begannen mit den Händlern über die Preise zu streiten, dass manchmal sogar eine Wache von Denerim dazwischen gehen musste. Miandra beobachtete unauffällig die Schauspiele die sich hier abspielten, und betrachtete noch immer mit ein wenig Begeisterung die Architektur.
„Mia?“, ertönte plötzlich eine Frauenstimme hinter ihnen.
Miandra blieb abrupt stehen als sie den Klang der Stimme vernahm, sie wollte sich nicht umdrehen, da sie dachte ihr Geist würde ihr einen Streich spielen. Doch dann wagte sie es doch.
Nur einige Schritte weit entfernt hinter Vernita und Miandra stand eine Frau. Ihre Haare waren wohl einst schwarz gewesen, doch sie hatte bereits viele graue Haarsträhnen. Ihre braunen Augen waren geweitet und verliehen ihr einen geschockten Gesichtsausdruck.
„Salmira! Was stehst Du schon wieder so lange rum! Wir haben noch Einkäufe zu tätigen!“ Schrie ein wütender Mann der dem Alter der Frau, die er Salmira nannte, gleich kam.
Miandra sagte nichts, sondern starrte die beiden Personen nur unwirklich an. Als der Mann sie bemerkte begann er zu lachen.
„Na sieh mal einer an. Ferelden ist wohl doch kleiner als ich dachte!“
„Ihr... ihr lebt?“, brachte Miandra dann doch stotternd heraus, doch sie starrte noch immer geschockt auf ihre Gegenüber.
„Ha! Dir hätte das doch wohl nur so gepasst wenn wir in einem der Häuser verkohlt wären! So wenig wie du dich die letzten Jahre um uns geschert hast, und uns damit unser Enkelkind vorenthalten hast!“, schrie der Mann sie voller Zorn mit geballter Faust an. Miandra zuckte zusammen bei der erbosten Stimme und wandte ihren Blick zu Boden, sodass sich ein Schatten über ihre Augen legte.
„Beruhig‘ dich, Brydar“, sagte die Frau zu dem Mann und seufzte dann. „Dasselbe könnten wir dich Fragen, junge Dame! Wir dachten es wären alle gestorben...“, die Frau begann sich eine Träne aus den Augen zu wischen und schluchzte, „…wir waren nicht zu Hause. Haben eine Woche in Redcliffe verbracht, waren dort angeln, und viel auf See...“
„Ihr wart nie auf Reisen“, unterbrach Miandra die Frau kühl, ließ den Kopf jedoch gesenkt.
„Tja, hättest du öfters mit uns geredet hättest du es wohl gewusst, dass wir auch einmal etwas anderes sehen wollten!“ Schrie der Mann wieder erbost dazwischen. Miandra zuckte erneut zusammen und begann mit geballten Fäusten zu zittern.
„Als wir zurück kamen, fanden wir nur noch verkohlte Häuser und von Wölfen zerfressene Leichen vor... das Bild war so grauenhaft!“, fuhr die Frau einfach schluchzend fort und begann Miandra zu mustern.
„Und was trägst du da für Fetzen! Und wer ist diese eigenartige Elfe mit der du hier herum rennst!“ Sie zeigte auf Vernita. „Und wo sind Elana und Rael!?“ Schrie die Frau dann verwirrt und komplett mit den Nerven am Ende.
„Rael ist tot, und Elana ist...“
Der Mann fuhr ihr dazwischen: „Na großartig! Nun ist der einzige Mann der wohl jemals an dir Gefallen fand auch noch tot! Wobei nein, ich vergaß... Farren hat sie ja auch auf dem Gewissen! Ich sagte dir schon immer Salmira, dass diese blauen Augen ein Fluch sind! Wir hätten sie gleich als sie auf die Welt kam erschlagen sollen!“
„Brydar...“, begann die Frau, doch er schnitt nun auch ihr das Wort ab.
„Was? Will meine eigene Frau nun auch noch dieses Fluchkind verteidigen! Sie hat mir, nein uns allen, unseren Sohn genommen!“
Die Frau seufzte. „Ja ich weiß...“
„Es reicht!“ Schrie Miandra die beiden plötzlich voller Zorn mit zittriger und gebrochener Stimme an. Ihre Augen, welche sie nun wieder nach vorne gerichtet hatte, waren den Tränen nahe. Ihr Blut kochte und man spürte an den Klang ihrer Stimme, dass sie mit aller Kraft versuchte die Beherrschung zu behalten und nicht gleich auszurasten, denn das würde mitten am Markplatz für mehr Aufsehen sorgen, als momentan gut für sie gewesen wäre, denn einige schaulustige Passanten blickten bereits in deren Richtung.
Einen kurzen Moment schwiegen der Mann und die Frau und starrten in Miandras Richtung.
Doch dann begann der Mann erneut zu lachen. „Hahaha! Sie einer an, nun will mir mein Kind auch noch den Mund verbieten! Aber, dass sie frech ist, wussten wir ja schon immer! Sie besaß ja schließlich auch die Frechheit meinem geliebten Sohn irgendwelche erfundenen Geschichten zu erzählen, um ihn gegen mich aufzuhetzen!“
Er ging rasend auf Miandra zu, und schrie währenddessen weiter. „Ich wünschte, dass du statt ihm auf der Axt gelandet wärst!“, dann holte er aus, als wolle er ihr ins Gesicht schlagen.
Miandra hatte die Augen reflexartig geschlossen, und ihre linke Hand auf einen der Dolche gelegt, als sie die flache Hand ihres Vaters auf sich zurasen sah. Sie öffnete ihre Augen, sah jedoch plötzlich nur noch alles verschwommen und alles um sie schien sich zu drehen und wurde dunkel.
Sie viel auf die Knie und stütze sich mit den Händen am Boden ab. Ihre langen schwarzen Haare verschleierten ihr zu Boden blickendes Gesicht von den Seiten und hingen bereits auf den schmutzigen mit Steinen bepflasterten Boden. Ihr Körper zitterte und ihr wurde übel. Ihr Magen schien sich, wie ihre Umgebung, zu drehen. Sie bemerkte wie sich der Speichelfluss in ihrem Mund erhöhte und musste öfters Schlucken als gewöhnlich. Lag es daran, dass sie nicht gegessen hatte, oder an der Begegnung mit der Person, die sie mehr als alles andere hasste?
Sie fühlte sich urplötzlich schwach und war bleich im Gesicht. Ob ihr Vater sie nun geschlagen hatte, oder nicht bekam sie nichtmehr mit, stattdessen versuchte sie sich nicht zu übergeben, und sich zu beruhigen. Doch es gelang ihr nicht länger, als einige Sekunden und alles um sie herum, wurde dunkel.


Azoth sah das ganze Spektakel mit von weitem mit an. Er kochte innerlich vor Wut, und seine Hände waren zu Fäusten geballt. Er erkannte die Personen genau und wusste, dass es Miandras Eltern waren. Wie dieser Mann über und mit Miandra redete, widerte Azoth an. Er wäre am liebsten sofort auf diese Leute zugestürmt und hätte sie vor aller Öffentlichkeit umgebracht.
Doch als der Mann mit seiner Pratze ausholte, platze Azoth der Kragen.
Er lief zu Miandra, stellte sich vor sie, packte die Hand des Mannes, und begann sie kräftig zu drücken. Seine Kräfte kamen dadurch zum Vorschein und man hörte die ganzen Knochen knacksen, so dass der Mann aufschrie und ihn erbost und entgeistert anstarrte.
„Hand anlegen an deiner eigenen Tochter! Nachdem du von ihr im Kindesalter nahmst, was dir deine Frau nicht gab...“, zischte Azoth mit äußerst bedrohlicher Stimme. Der Mann kniete mittlerweile, doch Azoth ließ seine Hand nicht los, und drückte immer fester. Ihm kam es auch nicht in den Sinn, so ein Pack wie dieses, in der Höflichkeitsform anzusprechen. Sowas hatten Leute wie er nicht verdient.
Azoth kochte noch immer, und er musste sich beherrschen. Von seiner Wut und seinem Hass gesteuert, bekam er nicht einmal so recht mit, dass Miandra zusammengebrochen war und schnappte stattdessen in Windeseile den Mann am Hals, wo er zudrückte, so dass dieser nicht weglaufen konnte. Er trug ihn schon beinahe und so zerrte er den Mann in eine einsame Gasse, wo nur ein paar Ratten vorzufinden waren, welche an irgendwelchen Abfällen knabberten.
Azoth drückte den Mann gegen die Wand und verpasste ihm mit seiner Faust einen Schlag in die Magengrube. Der Mann versuchte sich zu wehren, doch gegen Azoths Wut kam er nicht an. Dann nahm er seine Messer aus dem Inneren des Umhangs. Er breitete die Arme des Mannes aus und bohrte jeweils einem, mit voller Wucht eines der Messer hinein, so dass er an der Wand festhing. Dieser stieß einen winselnden Schrei aus, als er mit den Messern an die Wand genagelt wurde.
„Bald wirst du durchdrehen, du Abschaum. In diesem Moment, überträgt sich ein Gift durch deine Adern, und in einer Stunde werden deine Gehirnzellen absterben, so dass du zuerst verrückt wirst, und schließlich an der Behinderung stirbst. Wenn wir dich nicht schon vorher töten. Und glaubt mir ich würde das durchaus tun, nachdem ich dein kleines Würstchen, in tausende von Teilen zerhackt habe und dich gezwungen habe, es zu essen!“ zischte er weiter.
Das Blut tropfte nur so aus den Armen, und er hing winselnd an der Mauer.


Miandras Mutter beachtete das Leid ihrer Tochter nicht länger, sondern folgte mit Tränen in den Augen Azoth, welcher in einer Seitengasse verschwand und schrie ihn an, dass er aufhören sollte, doch er zeigte keinerlei Regung auf ihr Gejammer.


Azoth betrachtete grinsend und mit voller Spaß den Mann, der dort winselnd an der Mauer festgenagelt war. Als dann auch noch seine Frau dazu kam, veränderte sich seine Miene. Sie war ausdruckslos und kühl. Pure Wut kannte er in diesem Moment noch. Er packte die Frau am Hals und drückte sie an die Wand, sodass aus ihrer Kehle nur noch ein leichtes Röcheln zu vernehmen war, statt der Schreie, die sie gerade erst von sich gab.
„Was? Ihr seid die Schuldigste! Ihr habt bestimmt gewusst, dass sich Euer ach so toller Ehemann an Eurer Tochter vergangen hat. Sie prügelte, und vergewaltigte wie er nur wollte! Lügt mich nicht an, denn ich habe es gesehen!“ schrie er sie erbost an.
Sein Handdruck wurde immer fester, bis die Frau bewusstlos zu Boden ging.
Dabei bemerkte er, dass Miandra nicht hier war. Der Mann hing sowieso fest also konnte er nicht weglaufen. Schnell lief er wieder zum Marktplatz, wo er Miandra sah, die am Boden kniete. Er kniete sich vor sie, und hob ihren Kopf an.
„Alles in Ordnung Miandra?“


Rowan wartete einige Augenblicke in ihrem Zimmer, mit dem Rücken zur Wand gelehnt. Sie wollte den anderen jetzt nicht begegnen, vor allem nicht, nachdem sie gesehen hatte, dass dieser schnöselige Elf sie begleitete. Kurzerhand packte sie ihre Sachen und schwang sich aus dem Fenster in eine enge Seitengasse hinab. Nachdem sie sich kurz orientiert hatte, schlug sie den Weg Richtung Marktplatz ein und fand sich schnell in mitten eines großen Getümmels wieder.
Mit verkniffener Miene schob sie sich durch die Mengen und hielt Ausschau nach brauchbaren Waren. Sie versuchte, so wenig wie möglich in Kontakt mit den anderen Geschäftigen zu kommen, doch es wollte ihr nicht gelingen. Immer wieder wurde sie angerempelt und zur Seite gedrückt.
Rowan hasste große Menschenansammlungen und zog sich bald an den Rand des Marktplatzes zurück. Da vernahm sie einen Streit nicht unweit von ihr. Als sie den Kopf in Richtung des Lärms drehte, konnte sie Vernita und die dunkelhaarigen Frau entdecken, die sich in einem Disput mit einem älteren Paar befanden.
Es war ein witziges Bild und Rowan musste für einen Moment schmunzeln. Vernita und ihre Begleitung waren bis an die Zähne bewaffnet, doch dem Paar schien das nichts auszumachen.
Als der Mann zum Schlag ausholte und plötzlich der Elf vor ihm stand und ihn am Hals packte, änderte sich ihre Stimmung schlagartig. Das ging eindeutig zu weit. Die Situation erregte mittlerweile immer mehr Aufmerksamkeit und bald würden sich die Stadtwachen einmischen. Nachdem, was Vernita ihr gestern Abend erzählt hatte, konnte dies für alle Beteiligten nichts Gutes bedeuten.
Der Elf war eben dabei, den verängstigten und wehrlosen Mann in eine Seitengasse zu schleifen. Aus den Augenwinkeln sah Rowan, dass Vernita neben der zu Boden gegangenen Schwarzhaarigen kniete.
Rowan folgte dem Elf und kümmerte sich darum, dass ihnen keine neugierigen Blicke folgten. Die Schaulustigen wichen ängstlich zurück, wenn Rowan sie mit strengem Blick unsanft zur Seite schob.
In einer Seitengasse wurde Rowan Zeugin eines grausamen Schauspiels. Diesen Elf erkannte sie nicht wieder. Er war nicht das Jüngelchen, dass sie in der Taverne getroffen hatte. Irgendetwas war mit ihm passiert. Er war voller Wut und schien die Kontrolle verloren zu haben. Mit zwei seiner Messer nagelte er den Mann an den Händen an eine Hauswand und drückte der Frau die Kehle zu, so dass ihr die Sinne schwanden.
Rowan drückte sich in den Schatten eines Hauses, als der Elf den Schauplatz verließ und lief dann auf das Paar zu. Sie zog ihren Handschuh aus und kontrollierte zuerst den Puls der Frau... sie lebte. Dann wandte sie sich dem Mann zu. Was hatte er getan, dass er so eine Folter verdiente? Rowan hatte von den Gesprächen nichts mitbekommen. Sie schaute sich unsicher um. Diese Gasse war zum Glück momentan leer. Schnell entfernte sie die Messer und warf sie achtlos zur Seite. Der mittlerweile ohnmächtige Mann kippte in ihre Arme und hätte sie um ein Haar mit zu Boden gerissen. Schwerfällig legte sie ihn neben der Frau ab und zog die beiden dann zwischen die zwei Häuser, wo sie vor den Blicken Vorbeigehender verborgen bleiben würden. Sie selber verschwand dann im Schatten des Hauseingangs und wartete. Ihren Bogen hatte sie vorsorglich gezogen und ein Pfeil wartete auf der Sehne.


Vernita stand wie angewurzelt da, als der alte Mann Miandra anbrüllte. Es dauerte einen Moment, bis sie begriff, was hier vor sich ging. Aber war das denn überhaupt möglich? Hatte Miandra ihr nicht erzählt, dass ihre Eltern tot waren. Verdient hätten sie es zumindest, nach allem, was sie der schwarzhaarigen Frau angetan hatten.
Als der Mann seine Hand zum Schlag erhob, wurde es der Elfe zu fiel. Mit hasserfüllter Miene ging sie auf den Alten zu, doch bevor sie diesen erreichen konnte, kam auch schon Azoth heran. Er packte den Mann am Arm und brach ihm ganz offensichtlich die Hand. Anschließend schleifte er sein Opfer vom Marktplatz. Die Frau des Alten starrte für einen Moment gebannt auf Miandra, die bewusstlos zu Boden gegangen war, bevor sie sich abwandte und dem Elf folgte.
Vernita überlegte für einen Augenblick, ob sie das ebenfalls tun sollte, entschied sich aber letztendlich dagegen. Zuerst musste sich sicherstellen, dass Miandra nichts geschehen war. Sie ging neben der Frau auf die Knie, zog einen ihrer Plattenhandschuhe aus und überprüfte Miandras Lebenszeichen. Atmung und Herzschlag waren zwar langsamer als normal, allerdings außerhalb kritischer Werte. Sie war also lediglich bewusstlos.
Sie nahm die Frau in den Arm und sah sich dabei um. Sie wollte wissen, ob schon jemand die Stadtwache informiert hatte, doch das schien nicht der Fall zu sein. Die übrigen Passanten machten zwar einen Bogen um die beiden Frauen, doch die kleine Versammlung, die während des Streites entstanden war, hatte sich inzwischen schon wieder aufgelöst. Hier gab es wohl nichts interessantes mehr zu begaffen.
„Das kriegen wir schon wieder hin“, flüsterte die Elfe Miandra ins Ohr. „Ich werde Euch erst einmal von hier wegschaffen.“
Sie wollte gerade aufstehen, und die schwarzhaarige Frau vom Boden aufheben, als auch schon Azoth wieder angerannt kam, sich vor Miandra hinkniete, ihr ans Kinn fasste und ihren Kopf anhob.
„Seid Ihr von Sinnen, Lian!“ brüllte Vernita den Elf an, wobei sie seine Hand mit einer schnellen Bewegung von Miandras Kinn weg schlug. „Was habt Ihr vor? Wollt Ihr dieser Frau das Gesicht verbrennen, oder was?!? Ich habe Euch doch gesagt, dass Ihr Eure verfluchten Finger von uns fernhalten sollt!! Rede ich vielleicht so undeutlich?!?“
Die Elfe war außer sich vor Wut. Ihre Gesichtszüge waren zu einer Fratze verzerrt, und ihre dunklen Augen funkelten ihr Gegenüber gefährlich an.


Azoth stand auf und atmete einmal tief ein und aus. Vernita reagierte eindeutig über, sie hatte dazu kein Recht, ihn zu etwas zu verurteilen, was nicht stimmte.
„Beruhigt Euch erstmal, in Ordnung?“, sagte er ruhig. „Ihr denkt doch nicht, dass ich sie verbrennen würde. Ihr wisst ganz genau, dass ich das nie tun würde.“ Er seufzte, denn er wusste genau, dass er gegen eine Wand redete.
„Bringt Miandra lieber in die Taverne und legt sie ins Bett“, meinte er ehe er sich von ihr abwandte. Er hatte nun wirklich keine Lust auf irgendwelche Spielchen.
Also ging er wieder in die Gasse, um sich weiter um Miandras Eltern zu kümmern. Doch sie waren nicht da, wo er sie zurück gelassen hatte. Seine Messer lagen auf dem Boden, er hob sie auf, und steckte sie wieder in die Innenseite seines Mantels.
Er ging ein Stückchen weiter und fluchte. Sie konnten nicht verschwinden, die Frau war bewusstlos, und der Mann konnte sich so nicht bewegen. Irgendwer war dafür verantwortlich. Azoth ging weiter, bis er sie schließlich zwischen zwei Häusern fand. Er kniete sich neben den Mann, und hielt zwei Finger an seinen Hals. Er war zwar bewusstlos, aber lebte noch. Ebenso wie die Frau.
„Verdammt wer hat Euch hier hin gezerrt“, fluchte er weiter, während er immer noch kniete.


„Ihr habt doch gar keine Kontrolle über Euch selbst!“ keifte Vernita zurück. „Es ist noch keine zwei Tage her, da hättet Ihr mir beinahe die Hand verkohlt, und jetzt wollt Ihr mir weiß machen, Ihr hättet das im Griff? Haltet Ihr mich für so dämlich, Euch das abzukaufen?!?“
Die Elfe legte Miandra auf ihre Arme und stand langsam auf. Sie lehnte den Oberkörper der Frau an ihren eigenen, so dass deren Kopf nicht nach unten hing und ließ diesen stattdessen auf ihre Schulter sinken. Der Elf versuchte Vernita zu beruhigen, was ihm aber nicht gelang. Sie war im Moment nicht in der Stimmung, um sich beruhigen zu lassen. Das merkte ihr Gegenüber wohl auch, denn er wandte sich einfach ab und ging.
„Wo wollt Ihr denn jetzt schon wieder hin?“ rief sie dem Elf hinterher. „Wartet gefälligst auf mich!“
So schnell sie konnte, folgte sie Azoth, wobei sie natürlich nicht mit ihm Schritt halten konnte, da die Frau in ihren Armen sie doch stark beim Laufen behinderte. Sie sah den Elf in einer Seitengasse verschwinden und steuerte deshalb ebenfalls darauf zu.
‚Ich muss einfach den Leichen folgen, dann finde ich den Kerl schon’, ging es der Frau durch den Kopf.
Nach kurzer Zeit erreichte sie die Seitengasse, doch sie konnte niemanden sehen. Also blieb sie einen Moment stehen und lauschte. Aus einem der Nebenwege hörte sie jemanden leise fluchen. Sie ging weiter die Straße entlang, bis sie die Abzweigung erreicht hatte. Vernita warf einen flüchtigen Blick in den Seitenweg, wo sie auch schon Azoth erblickte, der neben Miandras Eltern kniete.
„Na, habt Ihr die beiden schon umgebracht?“ fragte sie den Elf hämisch und nährte sich langsam. „Wenn nicht, dann erledigt das rasch, bevor sie wieder zu sich kommen. Und versucht es diesmal bitte ohne zu viel Blut dabei zu vergießen. Ihr habt heute schon für genug Aufsehen gesorgt, wir brauchen nicht noch eine kilometerlange Blutspur, die der Stadtwache den Weg zu uns weist. Am besten ihr brecht den beiden einfach das Genick.“
Sie kam immer näher, wobei sie Miandra nach wie vor auf ihren Armen trug. „Und wenn Ihr das nicht auf die Reihe kriegt, dann lasst mal einen Profi wie mich ran. Sonst dauert...“, Vernita hielt kurz inne und blieb ruckartig stehen. Irgendetwas stimmte nicht. Sie fühlte sich beobachtet. „Verdammt, wir sind nicht allein!“


Azoth blickte zu Vernita auf, die Miandra auf den Armen trug. Und irgendwie schmerzte es ihn sie bewusstlos zu sehen.
„Irgendwer hat die beiden hier her geschleppt. Das war nicht ich. Und ich finde, Miandra sollte die beiden erledigen. Es ist ihre Rache, nicht die unsere“, sagte er wieder ruhig zu Vernita.
„Ich weiß, dass jemand hier ist. Dieser Jemand schleifte die zwei hier her.“ Azoth stand auf und näherte sich Vernita. Um den beiden Schutz zu bieten. Er zog seine Schwerter aus den Scheiden und wartete darauf, dass jemand kam.


Rowan beobachtete, wie der Schnösel wieder in die Seitengasse gestürmt kam, direkt auf sie zu. Sie trat schnell ein paar Schritte zur Seite und verschwand im Schatten. Den Bogen hatte sie gespannt und zielte damit auf den Elf.
Dieser fand die beiden Bewusstlosen und ging neben ihnen in die Knie. Als er anfing zu fluchen, konnte sich Rowan ein boshaftes Grinsen nicht verkneifen. Gerade, als sie aus dem Schatten treten wollte, bemerkte sie, dass Vernita ebenfalls auf dem Weg zu ihnen war. In ihren Armen trug sie die Schwarzhaarige, die anscheinend noch nicht wieder ins Leben zurück gekehrt war.
Während der Schnösel scheinbar absolut blind für seine Umwelt war, schien die Elfe sie sofort zu bemerken. Rowan stand direkt neben ihm, doch er stand erst auf und zog seine Waffen, als Vernita ihn darauf aufmerksam machte, dass sie nicht alleine waren.
„Euch kann man auch nichts vormachen, Vernita. Ihr solltet Euch besser um Eure Begleiter kümmern. Die laufen sonst noch direkt in ihren Tod.“
Sie verbarg sich weiterhin im Schatten des Hauses, keine fünf Meter von dem Elf entfernt, der sich vor die beiden Frauen gestellt hatte.
„Und wenn Euch, werter Elf, Euer Leben lieb ist, dann solltet Ihr zügig von hier verschwinden, sonst wird Euch mein Pfeil die Kehle durchbohren bevor ihr Piep sagen könnt!“


„Wenn man das könnte, dann wäre ich schon lange tot, Rowan“
, erwiderte Vernita. Obwohl sie die blonde Frau nicht sehen konnte, so hatte sie diese doch an ihrer Stimme erkannt. „Und unser kleiner Möchtegern-Meuchelmörder hatte schon immer Probleme damit, erst sein Hirn einzuschalten, nicht wahr Lian?“
Ein schiefes Grinsen legte sich auf ihre Lippen. „Und im Notfall benutzen wir ihn eben als Pfeilhangelfang.“
Vernita legte Miandra sachte auf dem Boden ab, wobei sie diese an eine Hauswand lehnte, so dass deren Kopf nicht im Staub lag und trat anschließend vor Azoth. Nun machte sie einen Schritt in die Richtung, in der sie die Bogenschützin vermutete.
„Habt Ihr etwa auch vor, mich zu töten, Rowan?“ wollte die Elfe wissen, wobei jeder Sarkasmus und Spott, der zuvor noch in ihrer Stimme gelegen hatte verschwunden war und nun todernst klang. „Das denke ich nicht, oder?“
Sie tat einen weiteren Schritt.
„Allerdings weiß ich nicht, was Ihr mit Eurer Aktion bezwecken wollt, Rowan“, sprach Vernita ruhig weiter. „Ich hatte zwar ursprünglich nicht vor, diese beiden Menschen zu töten, doch nun bleibt uns keine Wahl mehr. Und seid versichert, sie haben den Tod verdient.“
Es folgte ein weiterer Schritt.
„Es ist eine lange Geschichte, und ich habe im Moment nicht die Zeit, sie Euch zu erklären.“
Und noch einer. Die beiden Frauen mussten sich jetzt direkt gegenüberstehen.
„Ihr habt nun die Wahl, Rowan, ob Ihr meinen Worten Glauben schenken wollt, oder mich erschießt, nur um einen Vergewaltiger und seine Frau zu schützen, die dem ganzen Spektakel jahrelang tatenlos zugesehen hat.“
Vernita schwieg einen Moment. „Also, was sagt Ihr?“


Miandra blinzelte einige Male, doch sie sah alles recht verschwommen vor sich. Sie wusste nicht wie lange sie wegetreten war. Sie atmete etwas Staub ein, der von einem Windzug durch die Gasse getragen wurde, und begann zu husten. Ihr Kopf schien zu schmerzen, da sie sich unbewusst mit der Hand an die Stirn fasste. Sie fühlte sich schwach, und begriff noch nicht recht wo sie war. Sie spürte, dass sie auf einem harten Boden saß, und es um sie herum recht dunkel war. Doch dann setzte ihr Gehörsinn wieder ein. Ja, sie hörte Stimmen, die ihr irgendwie bekannt vor kamen, doch ihr fielen die dazu passenden Gesichter nicht ein.
Doch plötzlich fiel ihr alles wieder ein. Sie war am Marktplatz, zusammen mit Vernita gewesen, als sie ihren Eltern – bei denen sie sich absolut sicher war, dass diese bereits das Zeitliche gesegnet hatten – traf. Nein, mit einer solchen Begegnung hätte sie nicht einmal ihren kühnsten Träumen gerechnet. Sie hatte damit abgeschlossen, dachte sie seien, wie all die anderen im Dorf getötet worden.
Wie leicht man sich doch irren konnte …
Doch wo war sie nun? Sie rieb sich die Augen, stützte sich mit den Händen am Boden ab, um nicht umzufallen, blieb aber einstweilen noch sitzen, und blickte sich um. Nach und nach erkannte sie wo sie sich befand, auch wenn es recht dunkel war, und … ja sie roch undefinierbare unangenehme Gerüche. Sie erkannte zwei Silhouetten, die weiter von ihr entfernt in der Dunkelheit gefangen schienen und miteinander sprachen, auch wenn sie die Worte nicht wirklich verstand. Sie blickte sich weiter um, und erkannte einen schwarzen Umhang… trug nicht dieser eine Elf… ihr wollte der Name nicht einfallen… auch so einen?
Sie kniff die Augen zusammen… irgendetwas lag da am Boden… diese Haare…
Sie riss die Augen auf, hielt die Luft an und starrte weiterhin in die Richtung, in der die beiden Bewusstlosen lagen, ohne ein Wort zu sagen.
Und so setzten sich langsam, Stück für Stück, die Puzzleteile in ihrem Kopf wieder zusammen.


Rowan senkte ihren Bogen nieder, doch sie ließ ihn weiterhin gespannt.
„Nein, ich habe nicht vor, auf Euch zu schießen. Ich war nur darum bemüht, die Fehler Eures Begleiters zu minimieren, bevor die Stadtwache auf das Spektakel aufmerksam wird.“
Sie trat einen Schritt vor und zeigte sich ihrem Gegenüber. Mit zusammengekniffenen Brauen hielt sie den Blick weiter auf den Elf gerichtet.
„Ich habe keine Ahnung, was hier vor sich ging, oder was die beiden verbrochen haben. Es war in meinen Augen nur mehr als geschmacklos, den Mann mit zwei Messern an den Händen an die Hauswand zu nageln.“


Die Anspannung löste sich von Vernitas Körper, doch sie ließ sich nichts anmerken. Instinktiv wusste sie, dass Rowan sie nicht töten würde. Sie hatte Vertrauen zu der blonden Frau gefasst. Und sie glaubte auch, sie würde sie mittlerweile ganz gut kennen. Aber vielleicht bildete sie sich das auch nur ein. Im Moment konnte sie ihrem sechsten Sinn nicht wirklich trauen. Zu viele Emotionen hatten in letzter Zeit von ihr Besitz ergriffen.
„Ja, Diskretion war noch nie seine Stärke“, entgegnete Vernita, wobei sich wieder ein Grinsen auf ihr Gesicht schlich. „Und genauso mangelt es ihm an Selbstbeherrschung. Allerdings ist er ein ziemlich guter Kämpfer muss ich zugeben. Und so etwas können wir brauchen. Er muss nur endlich lernen, sein Temperament etwas zu zügeln und auch mal seinen Verstand zu gebrauchen.“
Die Elfe blickte zu den beiden anderen zurück, wobei ihr auffiel, dass Miandra wohl wieder erwacht war. Sofort machte sie auf dem Absatz kehrt und trat schnellen Schrittes neben die schwarzhaarige Frau. Vor ihr blieb sie schließlich stehen, bevor sie in die Hocke ging.
„Wie geht es Euch?“ fragte sie sichtlich besorgt und legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Ihr habt mir einen ganz schönen Schrecken eingejagt, wisst Ihr das?“


Auch Azoths Blick wanderte zu Miandra, als diese erwachte. Besorgt schaute er zu ihr, doch als er merkte, dass sich Vernita um sie kümmerte wandte er den Blick wieder ab. Stattdessen schaute er zu Rowan, mit eisig kühlem Blick, die Augen zusammen gekniffen.
„Passt in Zukunft besser auf WEN Ihr bedroht. Verstanden, blondes Mädchen?“
Dann packte er seine Waffen wieder zurecht, und war bereit zu gehen.
„Ich gehe zu Lea, sie von der Schmiede holen, gehabt Euch wohl“, sagte er mit einem zu sanftmütigem Ton und mit letztem Blicke auf Vernita und Miandra gerichtet.
Nun war es an Miandra, ob sie Rache an ihren Eltern nahm, oder es bleiben ließ. Ihm war es einerlei, er hatte seine Rache. Der schmerzverzerrte Ausdruck des Mannes und den Schrei der Frau reichte ihm dafür. Er zog die Kapuze wieder tief in sein Gesicht, und machte sich auf den Weg zur Schmiede.


Vollkommen verwirrt wandte Miandra den Blick von den beiden Bewusstlosen ab und musterte Vernita. Irgendwie kam ihr alles gerade ziemlich unwirklich vor… träumte sie? Sie sah hinter Vernita einen dunklen Schatten vorbeischnellen, welcher irgendetwas sagte und sie danach eigenartig anstarrte, bevor er verschwand.
Ja, das alles musste ein Traum sein. Sie lag bestimmt noch in der Taverne und schlief, und würde jeden Moment aufwachen. Vorsichtig ertastete sie die Hausmauer und nutze diese als Stütze, um aufstehen zu können. Für einen kurzen Moment dachte sie, dass sie wieder umfallen würde, da kurz alles vor ihr verschwamm, doch nur einen kurzen Moment darauf, konnte sie Vernita vor sich erkennen.
Vernita? Stimmt, sie hatte gerade etwas gesagt, doch irgendwie hatte sie vergessen was es war. Sie starrte die Elfe einige Sekunden unwirklich an, während sie sich an der Hausmauer festhielt.
„Wo sind wir hier?“, wollte sie dann wissen und blickte sich erneut verwirrt um, als sie wieder die Schmerzen in ihrem Kopf und die Schwäche ihres Körpers spürte. Nein, das konnte kein Traum sein, dafür war alles doch zu real, auch wenn es so unecht zu sein schien. Ihr Blick blieb wieder an den Bewusstlosen, welche sich gerade zu bewegen schienen, haften. Sie blickte zu den grauschwarzen Haaren, die im Dreck lagen, als sie plötzlich von zwei braunen Augen angestarrt wurde.
Die Frau stützte sich am Boden ab, hustete und starrte ebenso verwirrt durch die Umgebung, wie Miandra kurz zuvor. Doch als sie Miandra und Vernita erblickte, begann sie krampfhaft zu schreien.


„Verdammt!“ fluchte Vernita, als Miandras Mutter erwachte und zu schreien begann. Die Elfe löste sich von der schwarzhaarigen Frau und eilte gleich zu der Alten herüber. Aus dem Lauf heraus trat sie der am Boden kauernden Frau mitten ins Gesicht.
Es knackte laut, als der schwere Stiefel den Kiefer der Alten traf. Diese gab einen erstickten Laut von sich, während sie getroffen nach hinten in den Staub fiel. Fast sofort war die Elfe hinter ihr, ging in die Hocke und umklammerte mit beiden Armen den Hals der Frau. Sie drückte fest zu, so dass die Alte nur noch einige röchelnde Laute von sich geben konnte.
„Wollt Ihr Eurer Mutter noch etwas sagen, bevor ich Ihr das Licht ausblase, Miandra?“ fragte Vernita mit zischender Stimme. Ihr Gesicht war dabei beinahe unmenschlich verzerrt.


Miandra betrachtete das Schauspiel skeptisch. ‚Das alles kann nur ein Traum sein‘, dachte sie sich.
Nein es war kein Traum.
Es konnte keiner sein.
Sie träumte schließlich nie.
Aber das alles schien so einfach zu sein… irgendetwas stimmte hier nicht. Plötzlich sah sie ihren Vater, wie er nach irgendetwas am Boden zu greifen versuchte… einen Stein? Sie erkannte es nicht. Aber sie sah sein wütendes und schmerzverzerrtes Gesicht, wohl aufgrund der Wunden an den Händen.
„Passt auf!“, rief sie Vernita zu, nahm mit all ihrer Kraft einen der Dolche und warf ihn knapp an Vernita vorbei. Er traf genau in den Oberschenkel des Mannes. Er schrie auf, ließ den Stein fallen und rollte sich schreiend am Boden zusammen, und umklammerte leidend mit beiden Händen den Dolch, der in seinem Bein steckte. Nicht da er ihn herausziehen wollte, sondern einfach aus Reflex.
Nun spürte sie es wieder, diesen Hass und diese Wut. Sie blickte in das Gesicht ihrer Mutter, in ihre angsterfüllten Augen. Sie schielte in Miandras Richtung, und die Angst verwandelte sich in Hoffnung. Sie hatte Schmerzen, litt und glaubte wohl noch immer an ein Wunder.
Ein Wunder, das sie aus Miandras Sicht nicht verdiente.
„Tötet sie“, sagte Miandra kühl und wandte den Blick von der Frau ab. Stattdessen ging sie in gebückter Haltung und etwas wackelig an Vernita vorbei, und ließ sich neben ihren Vater auf die Knie fallen. Er hatte Tränen in den Augen. ‚Wie armselig‘, dachte sich Miandra nur.
Ohne Vorwarnung griff sie nach dem Dolch, der in seinem Schenkel Steckte, und zog diesen einfach heraus. Der Mann schrie auf und drückte mit seinen blutenden Händen auf die blutende Wunde, um die Blutung zu stoppen. Welch Ironie.
Miandra streifte das Blut, welches an ihrer Klinge haftete abwertend an seinem Kleidungsstück ab und musterte den Mann nachdenklich.
„Haha, mein Sohn, steh‘ schon auf, wir haben doch gerade erst angefangen…“, rezitierte sie mit finsterem Blick.
Das Winseln des Mannes war verschwunden und er starrte Miandra wortkarg an. „Was weißt du schon…“ zischte er hervor, und Miandra presste ihm den Dolch an die Kehle, so dass nur eine kleine Bewegung fehlte, um sein Leben zu beenden.
„Ich weiß immerhin besser wie du mit einem Kind umzugehen! Menschen wie dir sollte der Erbauer verbieten welche zu bekommen! Ja, lieber wäre ich nie geboren worden, als noch ein Mal dieses scheiß Leben durchmachen zu müssen! Am liebsten würde ich dir jedes Glied, das an deinen Körper hängt, langsam abschneiden, und dich verstümmelt in irgendeinen Käfig stecken, der mitten am Marktplatz steht, wo jeder sehen kann, wie armselig du bist, und man dich jeden Tag bespucken kann, bis du in der Galle der Menschen die dich hassen ersäufst! Ein einfacher Tod wäre doch ein Geschenk für jemanden in deiner misslichen Lage!“ schrie sie den Mann wütend an, ohne eine Pause zu machen, doch nun hielt sie einen Moment inne.
Der Mann starrte sie mit geweiteten angsterfüllten Augen an. In einer solchen Rage hatte er seine Tochter wohl noch nie erlebt.
„Doch manchmal, muss man sich mit dem zufrieden geben, was einem geboten wird, nicht wahr?“ Sagte sie schließlich voller Ironie, und stach den Dolch mit voller Wucht direkt in den Magen des Mannes. Er stöhnte auf. Blut floss über Miandras Hände und saugte sich in den Leinenstoff ihrer Hose, als sich eine Blutlache am Boden bildete, als sie den Dolch wieder herauszog.
Sie stand auf, und ging in gebückter Haltung zurück an den Platz, an welchem sie vorhin saß. Dort ließ sie sich zu Boden fallen, lehnte sich mit dem Rücken an die Hauswand, und beobachtete mit unmenschlicher Miene und einem fast animalischen Grinsen, wie ihr Vater langsam verendete. Sie würde erst weggehen, wenn sie wusste, dass er tot war.


Rowan betrachtete voller Entsetzen, was sich in der Seitengasse abspielte. Sie wusste nicht, was vorgefallen war, doch sie war erstaunt, als sie vernahm, dass es sich um die Eltern der Schwarzhaarigen handelte. Was hatten sie getan, dass sie so viel Hass verdienten. Wie konnte man so grausam gegen seine Eltern sein, immerhin hatten sie einem das Leben geschenkt.
Unbewusst wich Rowan ein paar Schritte zurück. Soviel Grausamkeit war mehr, als sie ertragen konnte. Mit aufgerissenen Augen sah sie der Schwarzhaarigen dabei zu, wie sie ihrem eigenen Vater das Messer in den Bauch rammte. Verblüfft stieß sie die Luft aus. Die Welt um sie herum begann sich zu drehen und Rowan wandte schnell den Kopf ab, um die Fassung wieder zu erlangen.


Nach Miandras Aufforderung umklammerte Vernita den Nacken der alten Frau noch fester, kurz bevor sie deren Kopf mit einem Ruck herumriss. Damit brach sie ihrem Opfer so leicht das Genick, als wäre es ein Streichholz. Dabei gab es ein laut knackendes Geräusch. Der Körper der Alten verkrampfte sich noch einmal, bevor jegliches Leben aus ihm entschwand, und er schlaff und kraftlos in den Armen der Elfe hing.
Vernita ließ die Leiche zu Boden sinken. Dann stand sie auf und schaute zu Miandra herüber, die in diesem Moment den Dolch in den Körper ihres Vaters stach, anschließend aufstand und sich wieder an der Stelle hinsetzte, an der die Elfe sie zuvor abgesetzt hatte.
„Nun, ich hätte mir eine unblutigere Methode gewünscht“, meinte Vernita, wobei sie vor Miandra trat und in die Hocke ging. „Oder zumindest die Möglichkeit, die beiden an einen Ort zu schaffen, an dem Ihr Euch intensiv um sie hättet kümmern können. Ich hoffe, es geht Euch gut. Wie Ihr wisst, kann ich sehr gut nachempfinden, wie Ihr Euch jetzt fühlt. Als ich meine Rache bekam, war das der glücklichste Moment meines Lebens gewesen. Genießt ihn. Er ist schneller vorbei, als Ihr denkt.“
Die Elfe sah sich um und erblickte dabei Rowan, die sich von dem ganzen Schauspiel abgewandt hatte. Vernita atmete tief durch, bevor sie wieder aufstand und zu der blonden Frau hinüberging. Sie warf noch einen kurzen Blick auf die beiden Leichen, bevor sie der blonden Frau direkt ins Gesicht schaute.
„Ihr seht etwas mitgenommen aus, Rowan“, bemerkte Vernita erstaunlich fürsorglich. „Ihr habt wohl noch nie gesehen, wie jemand sich an den Leuten rächt, die einen ein ganzes Leben lang nur gequält haben, was? Seid froh darüber, wenn Ihr niemals in eine solche Situation geratet. Ich wünsche es Euch jedenfalls nicht. So etwas verändert einen ein Leben lang, glaubt mir das. Danach ist man nie wieder dieselbe.“


Rowan konnte Vernitas Blick nicht stand halten und senkte ihre Augen.
„Ich komme schon zurecht, macht Euch keine Sorgen“, sagte sie bissig.
Es schien, als wollte sie noch etwas hinzufügen, doch sie überlegte es sich anders.
„Wir sollten hier schnellstens aufräumen, wenn Ihr weiterhin unentdeckt bleiben wollt.“
Sie trat auf die tote Frau am Boden zu und packte sie an den Füßen.
„Habt Ihr irgendwelche Vorschläge diesbezüglich?“


Miandra starrte auf die Leiche ihres Vaters, selbst als Vernita sie ansprach, das Grinsen auf ihrem Gesicht legte sich nicht. Sie dachte an nichts, sondern beobachtete voller Freude wie sich das Blut immer weiter am Boden ausbreitete, bis sie nur noch rot und schwarz sah. Sie hatte bis jetzt noch nicht mitbekommen, dass Rowan anwesend war, und auch nicht, dass Vernita sich an diese wandte. Miandra war gerade alles gleichgültig.
Als das Blut nicht mehr weiter zu fließen schien, wandte sie den Blick auf ihren Dolch. Auch dieser schien nur rot zu sein. Sie streifte das Blut an dem letzten andersfarbigen Stück ihrer Hose ab, sodass das glänzende Metall zum Vorschein kam. Sie spürte wie ihre Hose an ihrer Haut zu kleben schien, doch das war wohl das einzige, das sie gerade zu spüren vernahm. Sie hielt den Dolch in der Hand, und blickte auf. Sie erkannte eine Silhouette mit blonden Haaren. Sie sah schwarze und graue Haare vor sich herum baumeln.
Sie wandte den Blick ab und stand auf. Sie wusste noch immer nicht wo sie war, blieb daher einfach stehen, und starrte auf den Dolch in ihrer Hand.


Nachdem Hennrik sich ein ausgiebiges Frühstück gegönnt hatte - immerhin einen ganzen Brotlaib dick mit Butter, Honig und Sahne bestrichen - machte er sich auf den Weg zum Markt. Er ging durch Sträßchen und enge Gassen rauchte seine Pfeife - er musste sich neuen Tabak zulegen - und pfiff ein Liedchen ohne wirklichen Zusammenhang.
Er trat um eine Ecke und erblickte zwei wohlbekannte Gesichter bei einer unangenehmen Tätigkeit.
„Die Damen! Euch kann man keine fünf Minuten aus den Augen lassen, schon habt ihr jemand anderes zur Strecke gebracht!“ Entrüstet und übel gelaunt trat er vor die beiden. „Was im Namen des Erbauers soll das?! Ihr latscht durch die Straßen von Denerim und bringt mir nichts dir nichts Menschen um?! Seid ihr denn von allen guten Geistern verlassen?!“
Miranda bemerkte er erst gar nicht, langsam geriet er in Wut. „Schämt ihr euch denn garnichtmehr? Seht mich wohl an, damit ihr wisst, wer euch anscheißt!!“ Begann er zu toben. „Euch hat man wohl keine Manieren beigebracht, einfach mal zwei Menschen zu ermorden. Wenn Euch die Stadtwache findet, soll Euch der wütende Mob lynchen!“


Bevor Vernita Rowan hätte antworten können, kam auch schon Hennrik um die Ecke gestürmt und fing an zu toben, während er auf die beiden Frauen zuging. Die Elfe hörte den Lärm und kreiselte auf der Stelle herum, wobei sie eines ihrer Schwerter zog, welches sie dem Magier direkt unter die Nase hielt.
„Ihr könnt ja versuchen, die Stadtwache zur rufen, Magier“, zischte sie ihn böse an. „Oder Ihr brüllt noch lauter, dann kommen sie schon von selbst angerannt. Doch eins kann ich Euch versichern, Hennrik. Bevor die Soldaten hier sind und noch bevor Ihr in der Lage seid, auch nur einen Zauberspruch zu sprechen, habe ich Euch die Kehle durchgeschnitten. Also beruhigt Euch wieder und senkt Eure Stimme, wenn Euch Euer Leben lieb ist!“


Rowan stieß ärgerlich die Luft aus.
„Hennrik! Könntet Ihr wohl etwas leiser sein? Wir haben schon genug Ärger am Hals. Und Vernita, steckt Euer Schwert weg und helft mir gefälligst tragen. Ich will hier endlich weg. Wir verweilen schon zu lange hier. Wenn jemand hier zufällig vorbeikommt, werden wir eine weitere Leiche beseitigen dürfen.“
Mit einem Ruck setzte sie die Frau in Bewegung und fing an, sie tiefer in die Lücke zwischen den beiden Häusern zu zerren.


„Mädchen, steckt Euer Spielzeug weg, Ihr könntet Euch damit noch schneiden.“
Sagte Hennrik und lachte. „Ihr habt gerade erst zwei Menschen kaltblütig ermordet und wenn ich Euch nicht dazulegen soll, wäre ich an Eurer Stelle sehr vorsichtig.“


„Wer von uns beiden schreit den hier wie am Spieß, und versucht uns alle an den Galgen zu bringen, alter Mann“, erwiderte die Elfe erbost. „Und denkt ja nicht, dass der wütende Mob, den Ihr uns an den Hals wünscht, vor Euch Halt machen wird. In dieser Stadt stellt man abtrünnige Magier wie Euch mit Freuden auf einen Scheiterhaufen, ich hoffe, ich habe mich klar ausgedrückt.“
Ein Grinsen stahl sich auf Vernitas Gesicht. „Also haltet endlich die Klappe, und helft uns lieber diese Leichen verschwinden zu lassen. Wenn Ihr Euch dazu nicht imstande fühlt, dann verzieht Euch wieder. Oder wählt den Kampf und damit Euer Ende! Ihr wärt allerdings nicht der erste Magier den ich töten würde, das könnt Ihr mir glauben!“


Der Magier stand nur wenige Schritte weit von Miandra entfernt, als er mit Vernita diskutierte. Sie hörte jedes Wort, doch alles schien sobald es ihre Ohren erreicht hatte zu verschwimmen. Sie starrte noch immer auf den Dolch, blickte jedoch ins Leere. Plötzlich verspürte sie eine Art Druck. Alles um sie herum schien sie zu drücken, wie wenn sie einige Meter tief unter Wasser auf dem Grund eines Sees wäre.
Ihre Atmung beschleunigte sich, und sie wollte nur eines: Fort von diesem Ort.
Sie blinzelte einige Male und blickte sich um, doch man konnte in dieser dunklen Gasse nicht sehr weit sehen. Nachdem sich die zwei Leichen wieder in ihr Blickfeld stahlen, begann ihre Hand zu zittern, sodass ihr der Dolch entglitt, und mit einem scheppernden Geräusch zu Boden fiel. Sie ging einige Schritte rückwärts, hatte den Drang danach wegzulaufen, wusste jedoch nicht wohin. Doch der Drang war stärker als ihre Vernunft, und sie spürte, dass ihr bereits Adrenalin durch die Adern floss. Sie drehte sich um und lief die dunkle Gasse entlang - ohne es zu wissen, in die Richtung des Marktplatzes.


Rowan wurde es zu bunt mit den beiden. Sie ließ die Beine der Frau fallen und nahm ihren Bogen vom Rücken. Schnell hatte sie einen Pfeil angelegt und spannte die Sehne. Der Pfeil schnellte aus ihrer Hand und schoss mit großer Geschwindigkeit zwischen den Gesichtern der beiden Streithähne hindurch. Vibrierend blieb er in der Hauswand gegenüber stecken.
In diesem Moment rannte die Schwarzhaarige Richtung Marktplatz. Sie schien nicht Herr ihrer Sinne zu sein.
„Haltet sie auf!“ herrschte Rowan Vernita an. „Und Hennrik, Ihr helft mir gefälligst, die Körper wegzuschaffen!“
Sie hatte die Beine der Frau wieder gepackt und zog sie tiefer zwischen die beiden Häuser.


„Alles klar“, erwiderte Vernita und steckte ihr Schwert weg, bevor sie zu laufen begann. „Zwei Straßen weiter gibt es einen alten Brunnen, der zu einem unterirdischen Fluss führt. Dort könnt ihr die Leichen für immer verschwinden lassen.“
Nach diesen Worten war sie auch schon um die Ecke verschwunden und folgte Miandra, die sie am Ende der Gasse erblickte. Sie hatte schon fast den Marktplatz erreicht.
‚Jetzt muss ich mich aber beeilen, sonst verliere ich sie noch!’ schoss es der Elfe durch den Kopf. Sie beschleunigte ihr Tempo und lief so rasant sie konnte hinter der schwarzhaarigen Frau hinterher. Ihr Atem ging schnell aber regelmäßig. Sie bewegte die Arme, um ihre Geschwindigkeit weiter zu erhöhen. Ihre Rüstung schepperte bei jeder ihrer Bewegungen.
Miandra bog um die nächste Kurve und war nun auf dem direkten Weg zum Marktplatz. Vernita sprintete hinter ihr her und erreichte sie schließlich, kurz bevor die Frau die Gasse verlassen konnte.
Ohne zu überlegen stürzte sich Vernita förmlich auf Miandra und umklammerte sie mit beiden Armen. Sie stolperten zusammen noch zwei drei Schritte weiter, bevor es der Elfe gelang den Lauf der beiden zu einem abrupten Ende zu bringen. Nur mit Mühe gelang es ihr zu verhindern, dass die Frauen zu Boden fielen.
„Ruhig. Ganz ruhig. Holt einmal tief Luft und beruhigt Euch. Ich bin ja bei Euch, Miandra. Euch kann nichts geschehen“, flüsterte Vernita sanft, wobei sie ihren Kopf seitlich auf den Rücken der schwarzhaarigen Frau legte. Sie spürte den schnellen Atem und den rasenden Herzschlag Miandras. Sie lockerte ihren Griff etwas, damit die Frau besser Luft bekam, während sie weiter auf sie einredete. „Es wird alles wieder gut. Glaubt mir. Ich sorge dafür, dass alles wieder gut wird.“


Miandras Puls raste, und ihr Atem war schwer. Sie wollte sich aus dem Griff von Vernita befreien, doch es gelang ihr nicht. Stattdessen blieb sie einfach stehen und starrte geradeaus. Wenn sie dazu fähig gewesen wäre zu weinen, hätte sie das wohl in diesem Moment getan.
„Elana fehlt mir...“ sagte sie gebrochen, nachdem sich ihre Atmung zu normalisieren schien.


„Ich weiß, Miandra“, flüsterte Vernita weiterhin mir sanfter Stimme. Erst jetzt fiel ihr auf, dass sie immer noch ihre Panzerhandschuhe trug, mit den sie die schwarzhaarige Frau festhielt. Da sie dieser unter keinen Umständen wehtun wollte, streifte sei diese kurzerhand ab und ließ sie vor Miandras Füßen zu Boden fallen. „Ich weiß das nur zu gut.“


„Lasst mal, ich kümmere mich um die beiden armen Seelen“, sagte Hennrik zu Rowan und ging zu den Leichen. Er hob den Stab und sprach einige Worte. Das Blut auf der Straße begann sich zu wellen und zu einer roten Kugel zu formen, welche im nächsten Loch in der Straße verschwand.
„Das hätten wir schon mal, ich befürchte die beiden müssen wir tragen.“
Er wuchtete sich den Mann auf die Schultern und wankte in eine Seitengasse. Hier öffnete sich ein Kanalschacht, in welchen er den Leichnam fallen ließ. Mit einem dumpfen Plumps war er verschwunden .
Rowan hatte die Frau inzwischen bis an die Straßenecke gezerrt. Hennrik wuchtete auch die Frauenleiche auf die Schultern und ließ sie ebenfalls in den Schacht fallen.
„So, das wäre erledigt. Vernita sollte sich so etwas nicht nochmal einfallen lassen, sonst... ZACK... Frosch!“


Rowan klopfte sich Staub und Dreck von der Rüstung und schaute sich um als die beiden die enge Gasse wieder betraten. Es war weiterhin kein anderer Passant zu sehen und sie stieß einen erleichterten Seufzer aus.
„Wir sollten das nicht weiter auf offener Straße diskutieren. Ich bin dafür, dass wir uns in die Gaststätte zurück ziehen.“
Sie schlenderte scheinbar gemütlich Richtung Marktplatz, doch jeder Muskel ihres Körpers war angespannt. Hennrik folgte ihr und bald sahen sie am Rande des Platzes Vernita und Miandra stehen. Unauffällig blieb Rowan seitlich neben Vernita stehen und betrachtete das Getümmel vor sich. Die Elfe hatte die Arme um die Frau vor sich geschlungen und redete leise auf sie ein.
Mit gesenkter Stimme sprach Rowan zu ihr.
„Wir sollten uns baldmöglichst von der Straße zurückziehen. Es wäre sicherer erst einmal abzuwarten, ob wir nicht doch jemandem aufgefallen sind, oder ob die Sache unbemerkt geblieben ist.“
Sie drehte den Kopf von der Elfe weg und schien einen Stand in ihrer Nähe genauer zu betrachten, an dem ein Händler verschiedene Tuchwaren anbot.
„Ich kann mich am späten Nachmittag wieder hierher begeben und die Ohren offen halten, ob über den Vorfall geredet wird, wenn ihr wollt. Wenn ich alleine gehe, sollte es am unauffälligsten sein.“
Rowan drehte den Kopf zurück und schaute schräg an der Schwarzhaarigen vorbei. Aus den Augenwinkeln konnte sie den abwesenden Blick der Frau sehen.
„Kommt Ihr mit ihr zurecht? Dann schlage ich vor, wir treffen uns in ein paar Minuten im Gasthaus wieder.“
Sie wartete noch kurz, dann hakte sie sich bei Hennrik unter und schlenderte mit ihm zurück in Richtung der Taverne.


Rowan und Hennrik traten zu den beiden, wobei die blondhaarige Frau sie ansprach. Auf ihre Frage hin nickte Vernita ihr nur kurz zu, woraufhin diese sich gemeinsam mit dem Magier wieder entfernte. Nach ein paar Minuten waren die beiden wieder außer Sichtweite.
Miandra hatte sich inzwischen so weit beruhigt, dass die Elfe sich sicher war, dass sie nicht mehr weglaufen würde, wenn sie diese jetzt losließ. Sie löste ihre Umklammerung und fasste die Frau stattdessen an den Oberarmen, bevor sie sie ganz langsam und sachte zu sich herumdrehte, was Miandra wortlos mit sich geschehen ließ. Die schwarzhaarige Frau hatte den Kopf leicht gesenkt, und sie schien wie gebannt ins Nichts zu starren.
Vernita legte ihre Hände auf die Wangen ihres Gegenübers und hob deren Kopf soweit an, dass sich die beiden Frauen direkt in die Augen sehen konnten. In Miandras Blick zeigte sich nicht die Spur einer Regung, so als würde sie die Elfe überhaupt nicht registrieren.
„Ich bin davon überzeugt, dass Eure Tochter noch lebt, Miandra“, sagte Vernita mit fester Stimme. „Und ich werde alles tun, was in meiner Macht steht, um sie Euch zurückzubringen. Und wenn es mein Leben kosten sollte.“
Die Elfe näherte sich weiter ihrem Gegenüber und hauchte ihr einen sanften Kuss auf die Stirn, während sie ihr zärtlich über die Wange strich. Sie fühlte die weiche Haut der Frau und roch den Duft ihres Körpers, der angenehmer und wohltuender in ihrer Nase lag als jedes Parfüm der Welt. Vernita fühlte eine innere Wärme durch ihren Körper steigen, und ihr Herzschlag beschleunigte sich. Noch nie in ihrem Leben hatte sie ein solches Gefühl der Zufriedenheit und Glückseligkeit gespürt. Nicht einmal nach der Geburt ihres Sohnes oder dem Tod ihres Peinigers. Es war einfach unbeschreiblich. Und es fühlte sich richtig an.
Sie löste sich von der Frau und sah ihr wieder direkt in die blauen Augen. Ein freudiges Lächeln lag dabei auf dem Gesicht der Elfe. „Kommt mit mir. Ich bringe Euch zurück zur Taverne.“


Miandra blickte ins Nichts. Es war als würde ihr Leben im Zeitraffer noch einmal vor ihren Augen ablaufen. Doch wieso bedrückte sie das so? Der Märtyrer bekam was er verdiente, ebenso wie seine treue Dienerin. Ja sie waren tot und würden sich nie wieder in ihr Leben schleichen und sie belästigen können. Ob es auch im Sinne des Erbauers war? Oder wahrscheinlich erschuf der Erbauer das Leben auch nur, um die kleinen Individuen dabei zu beobachten, wie sie litten.
Er war tot... ja, sie alle waren tot. All jene die ihr das Leben zu einer Qual machten, waren tot und der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war gefallen.
Doch was nun? Und das Wichtigste überhaupt, würde sie ihre Tochter jemals wiedersehen? Nie hatte sie ihr so sehr gefehlt, als in diesem Moment, und die Ungewissheit nicht zu wissen wo sie war, was ihr vielleicht gerade in diesem Moment angetan wurde, oder war sie vielleicht schon tot und lag irgendwo alleine in einer Ecke, von Ratten zerfressen, machte das Ganze nur noch schlimmer...
Doch was wenn es so war? Was wenn sie längst tot war? Wie würde es dann weitergehen? Sie wäre alleine... die letzte Überlebende ihrer Familie...
War es gut alleine zu sein? ...Manchmal... doch war sie wirklich so geschädigt, um dadurch zu einem Einzelgänger zu mutieren?
Normalerweise verdrängte sie all diese Gedanken, doch nun schaffte sie es nicht mehr. Sie hätte am liebsten geschrien, irgendetwas kaputt geschlagen und geweint, doch sie konnte nicht, konnte nur regungslos dastehen, wie wenn ihr Geist über ihren Kopf schwirren würde.
Miandra blinzelte und sah Vernita vor sich stehen, vernahm nur die letzten ihrer Worte. Sie nickte nur einige Male, schien aber noch immer recht abwesend zu sein, und griff mit ihrer Rechten, eher unbewusst, nach der Hand der Elfe und hielt diese fest.


Als Miandra Vernitas Hand ergriff, machte das Herz der Elfe einen kleinen Freudensprung. Es war die erste Reaktion der schwarzhaarigen Frau, seitdem sie von den anderen weggelaufen war. Vernita drückte ihre Hand richtig fest. Miandra sollte spüren, dass sie nicht allein war. Sie sollte wissen, dass es jemanden gab, der sich Sorgen um sie machte und der sich um sie kümmern wollte. Sie würde die Frau nicht im Stich lassen, um keinen Preis. Sie hatte ihre Wahl getroffen. Alle Zweifel waren von ihr abgefallen.
„Könnt Ihr gehen, Miandra?“ fragte Vernita leise, während sie sich bückte und ihre Handschuhe aufhob. Dabei ließ sie die Frau allerdings nicht los. „Kommt. Lasst uns zur Taverne zurückgehen. Dort könnt Ihr Euch ein wenig ausruhen.“


Zuletzt von Allie am Sa 06 Aug 2011, 1:29 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Kapitel XIII - Bekannte Gesichter   Fr 05 Aug 2011, 3:03 pm

Azoth betrat die Schmiede und grinste Leanora an.
„Na, habt Ihr schon gefunden was Euch zusagen würde, oder benötigt Ihr Hilfe?“
In Wirklichkeit war er mit den Gedanken wo anders. Er überlegte sich, ob es nicht doch besser wäre wieder alleine weiter zu reisen. Die anderen sahen nichts als Fehler, und das Gute übersahen sie nur zu gern.


Freudestrahlend blickte Leanora Lian an. Sie hatte eine halbe Ewigkeit in der Schmiede verbracht, der Meister zeigte ihr bereits fertige Schwerter, Degen, Säbel, Übungs-Floretts, Bajonetts, und Leanora brachte den Mund vor Staunen nicht mehr zu. Sie wusste nicht, dass es solch eine Vielfalt an Waffen gab, mit denen sie - zumindest theoretisch - umgehen konnte. Ihr Fechtunterricht zu Hause war mit Degen ausgeführt, die Klingen aber abgestumpft und mit Schutzfolie überzogen.
Sie erklärte dem Schmied, mit welchen Waffen sie bisher umging, und konnte sich bald über eine umfassende Beratung freuen, in der sie an einer Übungspuppe auch alle Waffen testen konnte, wie sie ihr in der Hand lagen.
Letztlich hatte sie sich für ein Rapier entschieden. Es hatte eine im Vergleich mit dem Langschwert schlanke, aber gegenüber dem Degen relativ schwere, überlange zweischneidige Klinge mit rhombischem Querschnitt und kräftiger Spitze. Das Griffteil besaß eine breite Parierstange, welche jedoch zusätzlich mit einem komplizierten, aus Eisen geschmiedeten Korb, der mit ringförmigen Spangen ergänzt wurde. Damit wurde insbesondere Daumen und Zeigefinger geschützt. Trotz der ewig langen Klinge konnte Leanora damit wunderbar umgehen, der Korb war aufwändig verziert, und sie hatte sich auch beinahe sofort in das Rapier verliebt.
Es kamen ihr zwar leichte Zweifel, ob sie damit nicht auffallen würde, und somit wanderte auch noch ein Säbel in ihr Eigentum über. Dieser hatte eine Klinge, die nur an einer Seite geschliffen war. Der Klingenrücken war auf den ersten zwanzig Zentimeter von der Spitze an jedoch geschärft, um beim Rückhandschlag Wirkung zu erzielen und die Stoßeigenschaften zu verbessern. In diese Schneide war ein Dreieck geschliffen, und wurde somit um eine Reißwirkung ergänzt.
Leanora zeigte Lian die Waffen, für die sie sich entschieden hatte, bezahlte und meinte dann: „Ich würde nun gerne zurück, Lian. Ich möchte mich noch um die Pferde kümmern. Wie findet Ihr die Waffen? Kommt, das könnt Ihr mir sagen, während wir auf den Weg zurück sind.“
Sie zog ihn mit sich mit, und mit kleinen Umwegen gingen sie den Weg zurück zur Taverne.


Azoth ließ sich mitziehen, und begab sich zusammen mit Leanora wieder zurück zur Taverne. Unterwegs blickte er schon die ganze Zeit auf ihre neuen Waffen. Es waren gute Stücke und Leanora würde schon noch lernen damit richtig umzugehen.
„Wollt Ihr sofort zu den Pferden? Wir könnten ein wenig üben. Auf die anderen möchte ich nicht unbedingt warten“, er seufzte. „Und bitte nennt mich Azoth. Ich kann es ja später erklären“, meinte er und grinste sie wieder an.


Leanora runzelte die Stirn.
„Azoth? Was beim Erbauer... hattet Ihr doch zu viel vom Wein gestern gekostet? Aber nun, wenn Ihr meint, nenne ich Euch eben Azoth. Solange ich Euch nicht mit Erbauer oder Andraste anreden muss, soll es mir einerlei sein. Aber ich würde nur ungern wegen Ketzerei im Kerker landen, das könnt Ihr sicher verstehen?“ lächelte sie ihn an.
„Und mit Verlaub, die Übungsstunde kann etwas warten. Ich muss sehen, ob Donas und Percivel wohlauf sind. Was ist denn vorgefallen, dass Ihr nicht auf die anderen warten wollt?“


Azoth versuchte zu lächeln, was ihm nicht gelang und sein Gesicht verzog sich.
„Gut dann komme ich mit. Ich muss mich auch um Percivel kümmern, immerhin soll er sich ja an mich gewöhnen“, meinte er, und zwinkerte Leanora zu.
Er zog sie mit zum Stall, wo sich die Pferde befanden. Und er wusste nicht wie, aber irgendwie war sein Mabari hier herein gekommen. Er lag gemütlich im Stroh, zwischen den Pferden und Leanoras Hund. Azoth runzelte die Stirn.
„Wie kommt mein Mabari hier rein?“ verwundert schüttelte er den Kopf und ging zu Percivel. Er nahm sich eine der Kardätschen die an der Wand hingen, und pflegte damit das Fell des Pferdes. Während er gedankenverloren das Pferd pflegte, fragte er Leanora unbewusst ohne es zu merken: „Soll ich verschwinden?“


Leanora war gerade dabei, Donas Mähne von Stroh-Resten zu befreien und zu entwirren, als Lian sie fragte.
„Wie, wieso sollt Ihr verschwinden? Azoth oder Lian, irgendwie seid Ihr heut wirklich komisch. Zuerst wolltet Ihr mir erzählen, wieso ich Euch anders ansprechen soll, was Ihr nicht getan habt, und dann fragt Ihr ausgerechnet mich, ob Ihr verschwinden sollt? Meint Ihr tatsächlich, dass ich dafür der richtige Ansprechpartner bin?“
Verwirrt schüttelte sie den Kopf. Was war bloß in diesen Elfen gefahren?
Sie war gespannt, ob er dieses mal antworten würde, und widmete sich dabei weiterhin der Pflege von Donas.


Azoth war komplett verwirrt. Er war dabei sich um Percivel zu kümmern, und hatte gar nicht bemerkt, dass er Leanora eine Frage gestellt hatte. Er schüttelte verwirrt den Kopf und drehte sich um.
„Der Erste Verzauberer gab mir den Namen“, meinte er halb stotternd. „Ja, ich frage Euch, weil Ihr die einzige seid, die mit mir normal redet. Und ich habe ehrlich gesagt keine Lust mehr auf Vernita. Mir reicht es, und mein Geduldsfaden ist dabei zu reißen“, seufzte er, und setzte sich ins Stroh.
Er kraulte seinen Hund der genau neben ihm lag, während er sich an einem Holzpfeiler anlehnte. Ein Stechen trat in seinem Kopf auf, wie ein Dolch der sich durch diesen bohrte, und er kniff schmerzvoll die Augen zusammen.


Leanora ließ von Donas ab und setzte sich neben Azoth auf einen Heuballen. Dabei kraulte sie den Schäferhund an den Ohren.
„Ich weiß zwar nicht wie Ihr zum Ersten Verzauberer gekommen seid, aber es wird schon seine Richtigkeit haben, wenngleich mir wohl einige Zusammenhänge fehlen. Was Vernita betrifft... wenn hier jemand der Außenseiter in der Gruppe ist, dann bin das wohl eher ich. Aber ich will auf jeden Fall bei der Aufklärung des Falles mithelfen. Wer weiß schon welche Mächte da mitspielen? Vor allem, dass der Arl da auch mit drin steckt, zumindest, so wie es aussieht…“
Sie schüttelte den Kopf. „Ich kann mir nicht helfen, aber ich glaube, da sind Dämonen oder sowas am Werk. Anders kann ich mir das Ganze nicht erklären. Und alleine deswegen werde ich Vernita nicht verlassen. Egal wie die Damen auf mir rumhacken. Ich hätte zu Hause ja keine ruhige Minute mehr, solang die Drahtzieher noch auf freiem Fuße herumrennen. Und ich schwöre bei allem, was mir heilig ist, dass ich unseren Hof wieder aufbauen und die Pferdezucht wieder aufnehmen werde.“
Leise seufzte sie auf.
„Was das Reden betrifft kann ich das so zurückgeben. Anscheinend seid Ihr der Einzige, der in mir nicht nur die verwöhnte Adelstochter sieht, sondern einen Menschen aus Fleisch und Blut.“
Sie schenkte ihm ein aufrichtiges Lächeln und sah erst da, dass er die Augen zusammen gekniffen hatte.
„Was ist los mit Euch, Azoth? Seid Ihr müde oder so? Ihr kneift die Augen zusammen als könntet Ihr diese nicht mehr offen halten?“


Azoth hörte nur hallend und doppelt, was Leanora sagte. Er kniff sich nahe der Stirn das Nasenbein zusammen. Der Schmerz kam wie aus dem Nichts und war als würde sein Kopf zwischen einer Klemmbank stecken, und man würde ihn zerquetschen. Sowas hatte er noch nie erlebt.
Azoth stand auf, fiel aber sofort auf die Knie. Er wusste nicht was los war. „Verdammt! Dieser Schmerz!“ fluchte er.
Er fiel zu Boden mit dem Gesicht nach unten, während er so etwas wie eine Vorahnung hatte. Er sah die Kinder, in einer Kammer. Aber diese Bauweise, das war keinesfalls ein einfaches Haus. Es musste eines sein, was von reichen Leuten bewohnt war. Anders konnte er es sich nicht erklären. Sie saßen auf dem Boden, Betten, und Kisten, während einige weinten. Und nicht wussten, was mit ihnen geschah. Eines der Mädchen wurde gepackt, am Halse, und nach draußen gezerrt.
In diesem Moment wachte Azoth wieder auf und begann zu husten. Als er versuchte sich aufzurichten, sah er auf den Boden und merkte, dass er Blut gespuckt hatte. Konnte es sein, dass der Mann das Mädchen zu fest gepackt hatte? Und er das irgendwie mitempfand? Der Schmerz in seinem Kopf verschwand wieder, und er seufzte erleichtert.
Dann stand er auf, und blickte zu Leanora. „Wir müssen uns damit beeilen die Kinder zu finden. Irgendetwas Schreckliches geht da vor sich! Ich weiß es!“



Leanora hatte erschrocken die Hände auf ihren Mund gepresst, als Azoth zusammen brach. Jedoch war er sehr schnell wieder bei Bewusstsein, und Lea streckte ihm ihre Hand hin, um ihm aufzuhelfen.
„Nun, dass wir hier nicht bis zum Samhain-Fest im Frühherbst warten sollten ist uns glaube ich allen klar. Habt Ihr denn gesehen, wo die Kinder zu finden sind? Ansonsten müssen wir uns gedulden, bis Vernita ihre Informationen erhalten hat.“
Azoth nahm dankbar die dargebotene Hand und rappelte sich vorsichtig hoch.
„Geht es denn wieder, Azoth? Geht lieber in die Taverne und trinkt etwas Wasser, ich kümmere mich schon um die Pferde.“
Sie drehte sich um und bearbeitete Donas Rückenpartie mit dem Striegel.


Azoth lächelte, und versuchte erst einmal richtig durchzuatmen.
„Nein, es geht schon. Ich werde mich weiterhin um Percivel kümmern“, grinste er. Dann ging er zu seinem Pferd und pflegte es weiter.
„Sagt mal, kann ich Percivel behalten? Immerhin stammt er von Eurer Weide“, fragte er sie. Dann stellte er sich vor das Pferd und lehnte seinen Kopf an seine Stirn. Er spürte eine Verbindung zwischen den beiden und grinste.


Leanora hob verwundert den Kopf.
„Natürlich könnt Ihr. Er war lieb genug um nicht wegzulaufen, hat Euch akzeptiert, und ich kann mit ihm später ohnehin nichts anfangen. Aber wehe, mir kommt zu Ohren, dass Ihr ihn schlecht behandelt, dann werdet Ihr eine zornige Leanora kennen lernen. Wenngleich ich mir das nicht vorstellen kann, so wie ich das bisher einschätzen kann, könnt Ihr durchaus mit Tieren umgehen.“
Damit war für sie das Thema erledigt, aber sie machte sich insgeheim Sorgen. Nicht um Percivel, sondern um Azoth.
„Ach ja, und wenn Ihr von dieser Welt scheiden solltet aber das Pferd noch lebt, dann wär‘ es nett wenn es den Weg in seinen alten Stall zurückfinden würde“, zwinkerte sie Azoth zu.


Azoth lächelte Leanora an. „Keine Sorge. Ich werde mich gut um Percivel kümmern. Und vor ihm sterben, das kann ich sowieso nicht“, lachte er.
Dann streichelte er noch etwas das Pferd und pflegte es. Machte weiter das Fell sauber, und kümmerte sich dann um seine Hufe. Er selbst hatte so etwas noch nie gemacht, aber er hatte es oft genug gesehen und Percivel war bei ihm sowieso völlig ruhig.
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BeitragThema: Re: Kapitel XIII - Bekannte Gesichter   Sa 06 Aug 2011, 11:22 am

Auf dem Weg zur Taverne schaute Rowan sich die Stände, an denen sie vorbei kamen, mit gespieltem Interesse an und machte den Magier neben sich auf die eine oder andere Sache aufmerksam.
Nachdem sie den Schankraum betreten hatten ging sie sogleich in ihr Zimmer und überprüfte den Raum. Seit sie ihn verlassen hatte, war niemand hier gewesen. Sie schloss das Fenster wieder und verriegelte es von innen. Dann ging sie wieder hinunter zu Hennrik und setzte sich mit ihm an einen Tisch. Ihre Augen prüften den kompletten Raum ab, doch sie konnte nichts Außergewöhnliches entdecken.
Amüsiert betrachtete sie schließlich den Magier, der ihr gegenüber saß und aussah als würde er gleich platzen. Seine Wut schien immer noch nicht verraucht zu sein, doch im Moment hatte er sich noch unter Kontrolle.


Die Elfe hielt die Hand der Frau weiterhin fest umklammert, während sie diese ganz langsam zur Taverne zurückführte. Dabei sprach sie ständig beruhigend auf sie ein, konnte aber nicht einschätzen, ob Miandra überhaupt mitbekam, was sie sagte. Doch das war nicht wichtig. Hauptsache die Frau fühlte, dass sie nicht allein war. Der Rest war Nebensache.
Die beiden erreichten nach einer Weile die Taverne und traten ein. Rowan und Hennrik saßen dort an einem Tisch und unterhielten sich. Vernita blieb vor den beiden stehen.
„Ich bringe Miandra jetzt auf ihr Zimmer“, meinte sie, wobei sie lediglich die blonde Frau ansah und den Magier komplett ignorierte. „Wärt Ihr bitte so gut und kommt gleich auch zu uns, Rowan? Ich könnte für einen Moment Eure Hilfe gebrauchen.“


Hennrik schien sich langsam etwas zu beruhigen. Rowan schaute zu ihm herüber und versuchte, in seinem Gesicht zu lesen, doch sie wurde nicht schlau aus dessen Ausdruck.
„Ich fürchte die Aussprache wird noch etwas warten müssen. Ich sehe zu, dass wir nicht allzu lange brauchen, in Ordnung?“
Damit stand sie auf und folgte der Elfe, die Miandra nach oben führte. Rowan hielt die Tür auf, bis die beiden eingetreten waren und schloss sie hinter sich wieder. Vernita schleppte die Frau zu ihrem Bett und legte sie dort behutsam ab. Der Gesichtsausdruck, mit dem sie das tat, sprach Bände und Rowan drehte sich respektvoll leicht zur Seite und betrachtete ein verblichenes Bild an der Wand links von der Tür.
Es war darauf nicht mehr viel zu erkennen, außer ein paar Hügeln und dem einstmals wohl blauen Himmel darüber. Rowan versuchte, noch mehr zu erkennen, während sie darauf wartete, dass die Elfe mit ihr sprach.


Vernita führte Miandra zum Bett und half ihr dabei sich hinzulegen. Anschließend strich sie ihr mit einer Hand die Haare aus der Stirn. Dabei lag eine besorgte Miene auf dem Gesicht der Elfe. Erst nach einigen Augenblicken, fiel ihr ein, dass Rowan ja noch an der Tür stand und wartete. Sie drehte sich um und trat vor die blonde Frau.
„Könntet Ihr bitte einen Moment bei ihr bleiben, während ich meine Rüstung ausziehe?“ fragte sie leise, wobei sie an der Frau vorbei sah. Sie hasste es, andere um etwas bitten zu müssen. „Ich möchte sie in diesem Zustand nur ungern allein lassen.“


Rowan drehte sich zu Vernita um. Sie sah die Sorge im Gesicht der Elfe und wunderte sich darüber. Bisher hätte sie nicht gedacht, dass diese zu solchen Gefühlen fähig war.
„Kein Problem, ich werde bei ihr bleiben. Nehmt Euch die Zeit, die Ihr braucht.“
Vernita nickte ihr zu und verließ dann das Zimmer.
„Wenn Ihr nichts dagegen habt, werde ich hinter Euch abschließen. Klopft dann, wenn Ihr wieder herein möchtet.“
Rowan schloss die Tür hinter ihr ab und wandte sich zu der Schwarzhaarigen um. Miandra hatte ihr den Rücken zugekehrt und lag eingerollt in ihrem Bett. Die Arme hatte sie um ihre Knie geschlungen. Rowan setzte sich auf den Boden gegenüber dem Bett. Sie lehnte sich mit dem Rücken an die Wand und wartete.


„Danke“ meinte Vernita noch, bevor sie den Raum verließ und in ihr eigenes Zimmer ging. Für einen Moment stand sie vor ihrem Bett, auf dem ihr grünes Leinenhemd und ihre Wollhose lagen. Sie überlegte, ob sie die Sachen nicht einfach in Miandras Zimmer mitnehmen sollte, um sich dort umzuziehen. Denn wenn sie sich diesen alten morschen Schrank und die einfache Holztür ansah, so hielt sie es für keine gute Idee, ihre Rüstung hier unbewacht zurückzulassen.
Kurzerhand schnappte sie sich ihre Kleidung und verließ den Raum wieder. Sie ging zurück zu Miandras Zimmer und klopfte an die Tür. „Macht auf, Rowan! Ich bin es! Vernita!“


Miandra spürte das viel zu weiche Bett, und ihre - Dank des Blutes - klebrige Hose. Sie war nicht müde, nicht hungrig, aber auch nicht wach oder satt. Sie war einfach nur da.
Ihre Gedanken kreisten die gesamte Zeit über um dieselben Dinge bis sie sich fragte, wieso sie das Ganze so mitnahm. Es hatte sich doch nichts geändert.
Miandra setzte sich auf und blickte sich schweigend um. Nichtssagend musterte sie Rowan, welche am Boden saß. Sie konnte sich an Rowan erinnern, wenn auch nur schwach und verschwommen. Vielleicht war es eine Art von Neugierde, die sie kurz ihre Gedanken vergessen ließ, als sie die Frau musterte.
„Wieso habt Ihr eine Tätowierung, wenn Ihr keine Elfe seid?“ Sie wusste nicht wieso sie das fragte. Vielleicht weil sie gerade all ihr Schamgefühl verloren hatte, oder weil sie laut dachte? Sie selbst, nahm ihre eigene Frage so wahr, als würde sie als dritte Person im Raum sitzen und die beiden beobachten.


Die blonde Frau schreckte auf, als es an der Tür klopfte. Doch ihr fiel auch ein Stein vom Herzen, da sie diese Ablenkung dazu nutzen konnte, um Miandras Frage auszuweichen.
„Ich komme!“ rief sie und stand auf, bevor sie etwas leiser zu der schwarzhaarigen Frau sprach. „Entschuldigt mich.“
Rowan ging zur Tür, schloss diese auf und öffnete sie. Etwas verdutzt hielt sie inne, als sie Vernita in voller Kampfausrüstung vor sich stehen sah. „Ist das Eure normale Kleidung? Sieht ja fast so aus wie Eure Rüstung“, meinte sie kurz darauf mit einem sarkastischen Grinsen auf den Lippen.


Die Elfe erwiderte das Grinsen. „Nun, ich traue diesen billigen Türschlössern nicht genug, um meine Rüstung einfach so für längere Zeit dort liegen zu lassen. Also ziehe ich mich eben hier um.“
„Wie Ihr meint. Tretet ruhig ein“, meinte die blonde Frau und gab den Weg mit einer übertrieben freundlichen Geste frei.
„Vielen Dank“, entgegnete Vernita zynisch, bevor sie wieder ernst wurde. „Bitte kommt doch am späten Nachmittag noch einmal vorbei, um nach Miandra zu sehen, damit ich zu meinem Kontaktmann komme, ja?“
„Ja, natürlich. Wir sehen uns dann.“ Rowan verließ den Raum und schloss die Tür hinter sich.
Vernita hingegen trat in eine Ecke des Raumes, platzierte ihre Kleidung auf dem Schemel, der dort stand und fing an sich auszuziehen. Sie legte ihre Tasche ab, ihre Schwerter, den Helm, die Handschuhe, sowie die Armschienen.
„Und wie geht es Euch jetzt, Miandra?“ fragte sie ganz unvermittelt, während sie ihre Rüstungsteile fein säuberlich auf dem Boden ablegte.


Miandra folgte Rowan nur mit Blicken, als diese zur Tür verschwand, bewegte sich jedoch nicht. Die Frage hatte für sie kaum Bedeutung gehabt und sie hatte inzwischen auch schon wieder vergessen diese überhaupt gestellt zu haben. Erst als sie die Türe zuschnappen hörte, drehte sie sich langsam in diese Richtung und beobachtete Vernita als diese ihre Rüstungsteile sortierte.
„Abgesehen davon, dass ich mich wie eine Verrückte verhalte, ausgesprochen gut“, erwiderte sie leicht sarkastisch auf Vernitas Frage. Ihr Geist war wohl in ihren Körper zurückgekehrt, dennoch wirkte sie verändert... schwach und unsicher, ansonsten gefühllos. So als ob ihr alles noch gleichgültiger zu sein schien, als sonst. Ihre Blicke noch leerer und nichtssagender, aber auch jedweder Zorn, den man sonst aus ihren Augen lesen konnte, schien verschwunden.


Hennrik saß noch eine Weile im Schankraum, bis er sich endlich dazu durchgerungen hatte aufzustehen und nach oben zu gehen.
Oben, in seiner kleinen Kammer angekommen, breitete er seine gekauften Waren im Zimmer aus und begann zu experimentieren. Während der Reise war ihm eine Idee gekommen, die wollte er jetzt in die Tat umsetzen.
Er begann mit Mondliliensirup, welchen er mit Tigerlilienextrakt verdünnte, dazu kamen Elfenwurzel, Sternschimmer, Goldstaub, Sulfur, etwas Knochenpulver und diese Mischung wurde in Weihwasser aufgelöst, dann wurden geriebene Tränen der Andraste zugegeben sowie etwas goldene Sense. Dieses goldene Gebräu füllte er in eine kleine Phiole aus Kristallglas ab und gab bevor er sie verschloss noch Pulver vom schuppigen Spohrling hinzu. Alsbald hatte er das Gefäß verschlossen und versigelt, da leuchtete es kurz auf. Freudig lachte er laut und klatschte in die Hände.
„HA! Ich wusste, meine Ideen sind noch immer genial!“
Er sah sich in seinem Zimmer um und prüfte die Zutaten. Er konnte weitere Bomben herstellen, es wurde Zeit, dies nun zu testen.
„Halt! Ein Name für dieses Ding! Engelsfeuer... ja das ist gut!“
Erfüllt von einer inneren Zufriedenheit öffnete er das Fester und schaute hinaus. Es war noch hell, wenn seine Erfindung jetzt bei Sonnenlicht funktionieren würde, hätte sie die Härteprüfung bestanden!
Er lehnte sich nach draußen und sah sich um. Es schien niemand hier zu sein, also warf er das Fläschchen kurzerhand zum Fenster hinaus nach unten auf die Straße.
Vom folgenden Ereignis berichtete man noch lange Jahre in Denerim. Trotz des helllichten Tages und des Sonnenscheins war der Lichtkegel noch von der Küste aus zu sehen. Heller als eintausend Sonnen strahlte er aus einer kleinen Seitengasse zum Himmel, als wolle er den Erbauer selbst blenden - was ihm wahrscheinlich sogar gelang. Der Widerschein war in der ganzen Stadt zu sehen, alles blitzte und blinkte im Schein eines heiligen Feuers, dann war es wieder dunkel. Die Sonne selbst schien an Kraft verloren zu haben, doch dies nur für eine geraume Zeit.
Hennrik stand am Fenster und blinzelte. Sein Bart stand wirr in alle Richtungen den Hut hatte es ihm vom Kopf gefegt und die Haare nach hinten. Draußen hatte sich die Helligkeit wieder normalisiert, doch auf dem Pflaster hatte sich eine kleine schwarze Lache von verbrannter Flüssigkeit gebildet.
Zufrieden klatschte er in die Hände und ging nach draußen auf den Gang, um seinen Mitreisenden von seiner neuesten Gedankenkonstruktion zu berichten, so sie es denn nicht mitbekommen hatten.


Rowan war zurück in ihr Zimmer gegangen und hatte sich aufs Bett gelegt. Sie schloss die Augen und versuchte die Bilder des Vormittags zu vertreiben. Mit den Händen wollte sie sich über das Gesicht fahren, doch sie ließ sie wieder sinken, als ihr bewusst wurde, dass sie eben noch die toten Eltern der Schwarzhaarigen damit berührt hatte.
Ein greller Lichtblitz riss sie aus ihren Gedanken und sie hörte durch die dünnen Holzwände das aufgeregte Gegackere von Hennrik. Was hatte er da eben bloß angestellt? Sie seufzte bei dem Gedanken daran. Wurde die Gruppe nicht verfolgt? Warum schienen einige von ihnen so darauf erpicht zu sein, Aufmerksamkeit zu erregen?


„Ihr verhaltet Euch gewiss nicht für eine Verrückte, Miandra“, versicherte Vernita der Frau, wobei sie für einen Moment damit aufhörte sich auszuziehen und ihr Gegenüber stattdessen fest in die Augen sah. Sie trat näher an das Bett heran, wobei sie leicht in die Knie ging, bis sich die beiden Frauen Auge in Auge gegenüberstanden. „Ihr benehmt Euch absolut normal. Und ich muss es wissen, denn ich bin schon so manchen Verrückten begegnet.“
Ein Lächeln legte sich auf das Gesicht der Elfe, und sie hob die Hand, um Miandra tröstend über die Wange zu streicheln, als plötzlich ein grelles Licht zum Fenster hineinschien. Vernita schloss instinktiv die Augen und hielt sich zudem noch die Hand davor, mit der sie ursprünglich Miandra berühren wollte. Nachdem das Spektakel vorbei war, öffnete sie die Augen wieder, wobei sich ihre Miene verfinsterte. Sie hatte eine klare Vorstellung, wem sie dieses Leuchtfeuer zu verdanken hatten.
„Wartet hier“, meinte sie nur zu Miandra gewandt, drehte sich um, schnappte sich eines ihrer Schwerter und verließ das Zimmer. Draußen auf dem Gang stand Hennrik mit einem zufriedenen Ausdruck auf seinem Gesicht. Schnaubend trat die Elfe vor den Magier, ihr Gesicht war eine Maske des Zorns.
„Seid Ihr von allen guten Geistern verlassen, Magier?!?“ fauchte sie Hennrik böse an. „Wie kommt Ihr dazu, hier vor der Taverne so ein Lichtspektakel abzuziehen? Wollt Ihr die gesamte Stadtwache von Denerim auf uns aufmerksam machen? Was sollte das Ganze? Werdet Ihr jetzt langsam senil, oder was?!?“


Hennrik musste laut loslachen.
„Um Eure Fragen von vorne zu beantworten, nein, ich liebe es wenn ein Plan funktioniert, nein, ebenfalls nein, meine Gute. Und jetzt beruhigt Euch, das wird Gesprächsstoff liefern, mehr nicht. Aber Ihr müsst eingestehen, es war ein nett anzusehendes Spektakel. Und jetzt habt Humor und lasst Euer Messer da verschwinden, heute einmal keine Gewalt, könnt Ihr dem zustimmen?“
Lachend stand er auf dem Gang. Als er zu Ende gesprochen hatte, wechselte er zu einem ernsteren Ton. „Vernita, Ihr macht Euch zu viele Gedanken, schaltet einmal ab, lehnt Euch zurück und seht den Witz im Leben!“


„Abschalten? Entspannen?“ fragte Vernita ungläubig, wobei sie sich stark beherrschen musste, um dem Magier nicht gleich den Kopf abzuschlagen. „Seit etwa zweieinhalb Wochen versuchen ständig irgendwelche Kerle mich ins Grab zu bringen. Und ich kämpfe mich durch Horden von Gegnern, um herauszufinden, wer dahinter steckt und, was dieser jemand vorhat.“
Der ganze Körper der Elfe zitterte vor Erregung, während sie immer noch krampfhaft versuchte ruhig zu bleiben. Und ihre Stimme wurde dabei immer bedrohlicher. „Doch anstatt Hilfe von meinen ‚Gefährten‘ zu bekommen, scheine ich nur von Hirntoten umgeben zu sein, die alles daran setzen, um diese Vorhaben zu verhindern. Erst nagelt dieser schwachköpfige Lian Miandras Vater an eine Hauswand und schlägt dessen Frau nieder, so dass uns keine andere Wahl bleibt, als diese auf der Stelle zu töten. Nicht, dass die beiden den Tod nicht verdient hätten, aber das hätte man auch weitaus diskreter erledigen können. Und dann entzündet Ihr ein Leuchtfeuer, was wahrscheinlich die ganze Stadt gesehen hat. Wirklich sehr hilfreich.“
Die rechte Hand Vernitas verkrampfte sich bereits um den Griff ihres Kurschwertes. „Und dann meint Ihr auch noch kackfrech, ich soll diesen Stumpfsinn mit Humor nehmen. Welche humoristischen Einlagen habt Ihr denn sonst noch so auf der Pfanne? Testet Ihr vielleicht gleich Eure Feuerzauber im Stall, um damit die ganze Taverne abzufackeln?!?“


„Haltet Eure Zunge im Zaum!“
Entgegnete Hennrik grimmig. „Ihr habt nicht den blassesten Schimmer, mit wem Ihr redet!“
In der Diele schien es unnatürlich kalt zu werden. Hennriks Augen waren eingefallen und seine Falten traten noch stärker hervor. Er wirkte insgesamt viel älter und als er zu sprechen begann, verdunkelte sich seine Stimme zu einem Grollen, eines Erdbebens gleich, dunkel und hart.
„Ihr fürchtet Euch nicht. Ihr ahnt nicht was ich tun kann ohne auch nur den kleinen Finger zu rühren. Nehmt Euch in Acht und hütet Eure Zunge!“


Miandra betrachtete den hellen Aufschein nur kurz durch das Fenster, da ihre Augen beim Anblick zu brennen begannen. Als sie erhobene und erzürnte Stimmen vom Flur vernahm, schien es ihr vorerst gleichgültig zu sein. Zudem verstand sie sowieso nicht, was gesprochen wurde.
Sie stand vom Bett auf und ging zum Fenster. Das Licht war verschwunden und sie sah einige aufgeregte Menschen vorbeihuschen. Einige Priester liefen zu einer schwarzen verbrannten Stelle und begannen irgendetwas über den Erbauer zu schwafeln, einige Stadtwachen sperrten Schaulustigen den Weg ab, aber keiner von ihnen blickte in Miandras, und damit in die Richtung der Taverne.
Sie drehte sich wieder um und blickte zur Türe, als deutlich eine männliche Stimme vernahm. Dass es sich dabei um Hennrik handelte, erkannte sie vorerst nicht. Sie verließ das Zimmer nicht, aber beobachtete Vernita und Hennrik durch den Türspalt. Irgendwie sah Hennrik verändert aus... sie hatte den Alten noch nie so zornig erlebt.


„Warum sollte ich mich vor Euch fürchten, Magier?“ fragte Vernita, wobei die Wut aus ihrer Stimme wich und purem Sarkasmus Platz machte. „Ich habe schon weitaus mächtigere Magier als Euch zur Strecke gebracht. Und die haben ihr Hirn sogar zum Denken benutzt. Solltet Ihr vielleicht auch mal versuchen, meint Ihr nicht? Sollte es nicht schon völlig eingerostet sein, soll das wahre Wunder bei einer Geheimoperation wie der unseren wirken.“
Allmählich beruhigte sich die Elfe wieder. Das Zittern ihres Körpers ließ nach, und ihr Griff um das Schwert lockerte sich. Ihr Gesicht nahm einen genervten Ausdruck an. „Aber ich bin es leid, mich ständig mit senilen Tattergreisen wie Euch oder anderen Dorftrotteln zu streiten. Seid einfach in Zukunft mal ein wenig diskreter, bevor mir am Ende doch noch der Geduldsfaden reißt.“
Nach diesen Worten machte sie auf dem Absatz kehrt und ging zurück in Miandras Zimmer, wobei sie die Tür hinter sich lautstark ins Schloss fallen ließ. Sie blieb kurz stehen und atmete tief durch. Anschließend steckte sie ihr Schwert wieder in die Scheide, bevor sie es auf den Boden legte. Nun schnallte sie sich ihren Brustpanzer ab. Auch den platzierte sie neben den anderen Sachen.
Dann ging sie zum Bett und setzte sich auf die Kante. Doch anstatt ihre Beinschienen auszuziehen, legte sie nur ihren Kopf in ihre Hände und stützte sich mit den Armen auf ihren Oberschenkeln ab.
„Womit habe ich all das nur verdient?“ stöhnte sie leise vor sich hin.


Miandra blieb neben der Türe stehen und musterte die Elfe.
„Die Frage kann ich Euch nicht beantworten, da ich sie mir selbst schon zu oft gestellt habe“, sie zuckte mit den Schultern. „Vor vielen Jahren hätte ich gesagt, dass alles im Sinne des Erbauer liegt, aber...“, sie hielt kurz inne. „Ich möchte nicht blasphemisch sein, doch der Erbauer ist, sofern es ihn gibt, in meinen Augen nur ein Märtyrer, der sich daran vergnügt, andere leiden zu sehen. Daher glaube ich schon gar nicht mehr daran, jemals so etwas wie Glück zu empfinden.“
Sie setzte sich an die Bettkante. „Doch dann frage ich mich wieder, ob ich überhaupt dazu fähig wäre, das Glück zu erkennen, wenn es direkt vor mir steht“, nachdenklich blickte sie auf den Boden und stützte sich den Kopf, wie Vernita, mit den Armen ab.


„An den Erbauer habe ich noch nie geglaubt“, erwiderte Vernita resigniert. „Ich kann nicht verstehen, warum sich diese ganzen Idioten von der Kirche solche Mühe nehmen, von einem Wesen geliebt zu werden, das sich offensichtlich einen Dreck um sie schert. Und sollte es diesen Erbauer wirklich geben, so denke ich genau wie Ihr, dass er nichts weiter ist, als ein kleiner Sadist, dem es anscheinend Spaß macht, seine Schöpfungen dabei zu beobachten, wie sie sich gegenseitig umbringen.“
Die Elfe seufzte und schwieg eine Weile, bevor sie ihren Blick zum ersten Mal wieder auf Miandra richtete. Ein Lächeln legte sich auf ihr Gesicht, als sie sah, dass die Frau sich genauso hingesetzt hatte wie sie selbst. Sie rutschte ein Stück näher zu Miandra herüber, bevor sie wieder ihren Kopf mit ihren Armen aufstützte. Anschließend stieß sie die Frau mit ihrer Schulter leicht gegen die ihre. Keine Reaktion. Sie wiederholte den Vorgang zwei drei mal. Dabei lag die ganze Zeit ein schelmisches Grinsen auf ihren Lippen.


Erst nach einigen Malen bekam Miandra mit, dass Vernita die ganze Zeit an ihre Schulter stieß. Sie blickte zur Seite und musste über den Ausdruck in Vernitas Gesicht und über die Aktion lachen.
„Ihr seid mir vielleicht ein komischer Vogel“, sagte sie nur und kicherte, bevor sich mit einem Seufzen nach hinten fallen ließ, sodass sie mit dem Rücken am Bett lag, mit den Händen hinter dem Kopf. „Also ich glaubte... vor langer Zeit an den Erbauer. Ich wurde eigentlich so erzogen, aber... naja wie auch immer.“
Nachdenklich blickte sie gegen die Decke und schaffte es wieder einige Bilder zu verdrängen.


„Es ist schön Euch lachen zu sehen, Miandra“, meinte Vernita grinsend, während sie ihre Panzerstiefel und Beinschienen auch noch auszog. Als sie dann nur noch ihre Unterwäsche trug, ließ sie sich ebenfalls auf das Bett sinken und streckte die Arme über dem Kopf. Doch anstatt auf die Decke zu starren, sah sie lieber von der Seite her in Miandras Gesicht. Dabei lag immer noch ihr zufriedenes Grinsen auf ihren Lippen.
„Ich habe auch einmal geglaubt“, führte die Elfe weiter aus, wobei ihre Stimme sehr ernst klang. Auch ihr Grinsen machte einer ausdruckslosen Miene Platz. „Allerdings nicht an den Erbauer. Nein, ich habe einmal geglaubt, dass es für mich kein Glück mehr auf dieser Welt gibt. Egal wie lange ich auch noch zu leben habe. Dass ich einsam sterben würde. Von allen vergessen. Und völlig unbemerkt.“
Sie rollte sich auf die Seite, bis sie direkt neben Miandra lag, wobei sie der Frau direkt ins Gesicht blickte. „Doch dann lernte ich Euch kennen. Das hat mein Leben vollkommen verändert. Und dabei wart Ihr zu Anfang nichts besonderes für mich. Nur eine Gelegenheit, die ich zu meinem eigenen Vorteil nutzen konnte. Doch seitdem ist viel geschehen. Ihr seid eine sehr außergewöhnlich Frau, Miandra. Ihr habt tief in meine Seele geblickt und ich in die Eure. Seitdem ist mein Herz von einer Wärme erfüllt, die ich schon für immer verloren glaubte. Und dieses Gefühl will ich nie wieder hergeben.“
Die Elfe legte eine Hand auf die Wange der schwarzhaarigen Frau und streichelte diese sanft. „Und ich sehe das Glück, wenn es mir über den Weg läuft. Es liegt direkt neben mir auf diesem Bett. Und es kann auch Euer Glück sein, wenn Ihr es nur zulasst, Miandra.“


Vernitas Worte schossen wie ein spitzer Pfeil auf Miandra. Erst dachte sie, dass sie eingeschlafen sei und dass das gerade eine Art Traum war, doch die Berührung an ihrer Wange bestätigte, dass dem nicht so war. Anschließend wusste sie nicht was sie denken sollte, und starrte Vernita nur mit offenem Mund an. Doch dann wurde sie mit mehr Gedanken geflutet, als sie überhaupt hätte denken können, und setzte sich auf.
Sie konnte es nicht.
Es war als wäre eine unsichtbare Wand in der sie gefangen war, durch die nichts hindurch brach. Eine Wand, die sie sich vor langer Zeit, Ziegel für Ziegel, aufgebaut hatte, um nicht verletzt werden zu können. Alleine hinter dieser Mauer fühlte sie sich sicher.
Ja, alleine.
Miandra schluckte, stand auf und entfernte sich zwei Schritte vom Bett, bevor sie die Elfe musterte. Sie wandte den Blick jedoch schnell wieder zur Seite. Sie wollte ihr nicht schaden, so etwas hätte sie nicht verdient. Aber was sollte sie tun? Sie wusste, dass ihr Vernita viel bedeutete, wusste jedoch nicht wie viel. Und würde auch nicht zu viel zulassen... nicht weil sie nicht glücklich sein wollte, sondern weil sie es einfach nicht konnte.
Es bereitete ihr Angst, die sie nicht zeigte. Noch nie hatte sie solche Worte gehört, und auch nicht erwartet. Es war neu für sie und von Neuem hielt sie Abstand, egal ob es nun gut oder schlecht für sie wäre. Doch sie war selbst schuld, sie hätte viel früher erkennen sollen, wohin das Ganze führt. Oder wollte sie es nicht erkennen?
Nein, sie konnte es nicht erkennen. Sie war zu sehr damit beschäftigt andere Dinge zu vergessen, zu verdrängen. Zu Vieles belastete sie schon und nun auch noch das.
„Ich kann das nicht“, sagte sie schließlich, mit einem nur leicht unsicheren verwirrten Ton und lehnte sich mit dem Rücken an die Wand.


Vernita setzte sich auf, als Miandra aufstand und durch das Zimmer ging. Sie schloss einen Moment die Augen und verfluchte sich selbst. Was hatte sie nur getan? Wie dumm konnte sie nur sein? Sie wollte dieser Frau helfen, und sie nicht noch mehr verunsichern. Sie hatte ihre eigenen Gefühle über die von Miandra gestellt, das war nicht richtig. Das war einfach nur egoistisch.
Doch Vernitas Gefühle für diese Frau waren inzwischen einfach zu stark geworden, um jetzt kampflos aufzugeben. Und außerdem war sie gar nicht der Typ, der so leicht locker ließ. Sie musste nur etwas geduldiger und verständnisvoller werden. Doch genau das fiel ihr sehr schwer, aber für Miandra würde sie es versuchen. Die Elfe hatte das starke Gefühl, dass diese Frau die Sache wert war.
„Es ist schon gut, Miandra“, meinte Vernita nach einer Weile, bevor sie neben sich auf das Bett klopfte. „Kommt her, und setzt Euch zu mir. Ich verspreche Euch, ich werde Euch nichts tun.“
Ein Lächeln legte sich bei ihren Worten auf ihr Gesicht.


Miandra musterte Vernita kurz, blieb aber an der Wand stehen.
„Nein, es ist nicht gut... und ich denke, dass heute schon genug passiert ist... Ich wäre nun gerne alleine“, sagte sie schnell, ohne Vernita dabei anzusehen.
Dann ging zu der Türe und öffnete diese. Sie hielt die Türe mit der Hand offen und blickte zu Vernita. „Es… es tut mir leid… aber bitte, bitte geht“, sagte sie mit einer sich selbst kämpfenden Stimme. Aber sie wollte in diesem Moment einfach nur alleine sein, um nachdenken zu können, um diesen für sie furchbaren Tag ausklingen lassen zu können.


Vernita schloss die Augen, während sie den Kopf senkte und leise seufzte. Ein paar Augenblicke später sah sie wieder auf, direkt in Miandras Gesicht. Und sie sah ihr an, dass es im Moment keinen Zweck hatte, mit ihr zu reden.
„Nun gut, wie Ihr wollt“, erwiderte die Elfe kopfnickend, während sie die Beinschienen und Plattenstiefel ihrer Rüstung wieder anzog. „Ich lasse Euch allein.“
Anschließend stand sie auf und sammelte auch die übrigen Teile ihrer Rüstung ein, die sie nach und nach anlegte. Zum Schluss setzte sie ihren Helm auf, band sich ihre Waffen um und schnappte sich ihre Zivilkleidung samt ihrer Tasche. Dann ging zu sie zu Miandra, die nach wie vor an der Tür stand. Direkt vor ihr blieb sie noch einmal stehen.
„Ich werde jetzt zu Markt gehen und nachsehen, ob mein Kontaktmann mir bereits eine Nachricht hinterlassen hat. Anschließend komme ich hierher zurück, falls Ihr doch noch das Bedürfnis verspüren solltet mit mir reden zu wollen“, meinte Vernita noch und versuchte zu lächeln, was ihr aber nicht ganz gelang. „Und vergesst nicht, dass ich immer für Euch da bin, wenn Ihr mich braucht.“
Nach diesen Worten verließ sie den Raum und brachte ihre Sachen auf ihr Zimmer.


Miandra ließ das Schloss in die Türe fallen, und sperrte ab. Mit einem Seufzer ging zurück zum Bett und ließ sich nach hinten fallen. Sie kreise ihre Zeigefinger an ihren Schläfen und versuchte dadurch einen klaren Kopf zu bekommen. Doch der Stand der Dinge gefiel ihr nicht. Heute war der Todestag ihrer Eltern... das war gut. Wie es ihrer Tochter gerade erging, wusste sie nicht. Sie war scheinbar in einer größeren Sache verwickelt, als sie jemals zu denken gewagt hätte. Und ihre Gefährten... waren alle ziemlich... sonderbar. Doch ihr war klar, dass sie die Hilfe eines jeden einzelnen von ihnen benötigte. Aber scheinbar... wollten einige von ihnen mehr als das. Mehr als nur Freundschaft und selbst dazu wäre sie wohl kaum fähig gewesen. Sie hatte nie richtige Freunde... nur Zweckgemeinschaften.
Nachdem sie einige Minuten auf dem Bett lag, stand sie auf und begab sich in den Schankraum. Ob sich darin jemand befand, interessierte sie nicht. Sie ging gezielt zum Tresen und bestellte sich eine Flasche mit Schnaps. Bestückt mit dieser marschierte sie zurück in ihr Zimmer und schloss, wie immer, die Türe hinter sich ab.
Eigentlich trank sie nie Hochprozentiges. Wohl wegen der Tatsache, dass sie immer nur schlechte Erfahrungen mit betrunkenen Menschen gemacht hatte. Sie wusste nur zu gut, dass Alkohol die Menschen mutieren ließ. Zu wilden Tieren, die keinerlei Kontrolle über sich selbst hatten.
Aber vielleicht würde sie der Alkohol für einen kurzen Moment alles vergessen lassen. Nur lange genug, um einschlafen zu können, lange genug um...
Sie zog den Korken von der Flasche, nahm einen Schluck, wodurch sich ihr Gesicht zusammenzog aufgrund des Geschmacks, setzte sich damit auf den Boden und lehnte sich mit dem Rücken an die geschlossene Tür.


Vernita legte ihre Kleidung auf das Bett und hängte sich ihre Tasche um, bevor sie ihr Zimmer wieder verließ. Sie sperrte die Tür ab, lief die Treppe nach unten in den Schankraum und trat dann auf die Straße. Sie sah sich kurz um.
Die Sonne stand schon hoch am Himmel. Es musste also bereits Mittag sein. Es war nicht viel los in dieser Seitenstraße. Glücklicherweise hatte Hennriks Lichtspektakel nicht irgendwelche Menschenmassen angezogen, so wie es die Elfe erst befürchtet hatte. Sie seufzte einmal, bevor sie den Weg zum Marktplatz einschlug.
Und obwohl ihre Gedanken fast ausschließlich um Miandra kreisten, ließ sie ihre übliche Vorsicht walten. Sie ging nicht direkt zu Marktplatz, sondern nahm eine verschlungene Route durch mehrere Nebengassen, um eventuelle Verfolger aufzuspüren. Doch es schien keine zu geben.
‚Es grenzt an ein Wunder, dass wir bisher unentdeckt geblieben sind, nach all dem Zirkus, den meine ‚Gefährten‘ schon aufgeführt haben’, dachte Vernita zynisch bei sich, als sie den Marktplatz erreichte. Das Treiben hier schien sich seit dem Morgen nahezu verdoppelt zu haben. Überall drängten sich Menschen und auch einige Zwerge an die Stände und begutachteten die Waren, wenn sie nicht gerade damit beschäftigt waren, mit einem Händler wie verrückt zu feilschen. Der ganze Trubel hier kam der Elfe entgegen. So konnte sie unerkannt zu ihrem Verbindungsmann kommen.
„Cesar, mein Freund“, begrüßte sie den Verkäufer mit einem einnehmenden Lächeln. Trotz ihres wegen Miandra besorgten Gemüts, ließ sich Vernita nichts anmerken. Sie war eben ein Profi, wenn es darum ging, ihre Gefühle zu verbergen. Zumindest wenn es darauf ankam. „Ich hoffe, Ihr habt das Schmuckstück, was ich mir gestern angesehen habe, gut für mich verwahrt.“
„Aber natürlich, werte Dame“, entgegnete dieser überaus freundlich und kramte den schmucklosen Anhänger aus der Innentasche seiner braunen Lederweste hervor. „Hier ist er.“
„Danke“, meinte Vernita nur und nahm das Schmuckstück an sich, bevor sie Cesar fünf Sovereigns in die Hand drückte. „Für Eure Mühen. Bis zum nächsten Mal, alter Freund.“
Anschließend wandte sich die Elfe ab und verschwand wieder in der Menge. Sie steuerte eine verlassene Seitengasse an. Nachdem sie sich davon überzeugt hatte, dass sie von niemanden beobachtet wurde, untersuchte sie in aller Ruhe das Schmuckstück. Die Vorderseite ließ sich öffnen. In seinem Inneren fand Vernita einen kleinen, zusammengefalteten Zettel.
„Trefft mich morgen Mittag in der Taverne ‚Zum betrunkenen Keiler’“ stand dort in fein säuberlicher Handschrift. Die Elfe legte den Zettel auf einen Stein, bevor sie eine kleine Flasche mit einer grünlichen Flüssigkeit darin aus der Tasche kramte. Sie öffnete die Flasche und schüttete ein paar Tropfen davon auf den Zettel. Die scharfe Säure löste das Papier innerhalb weniger Augenblicke auf, wobei es nur ein paar weiße Dampfschwaden hinterließ.
Mit einem zufriedenen Grinsen auf den Lippen steckte Vernita die Flasche wieder weg und machte sich auf den Rückweg zur Taverne.


Zuletzt von Allie am Mi 10 Aug 2011, 7:52 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Kapitel XIII - Bekannte Gesichter   Sa 06 Aug 2011, 1:08 pm

Als Azoth mit der Pflege des Pferdes fertig war, wandte er sich wieder an Leanora.
„Lust hinein zu gehen? Überhaupt, wo sind die anderen? Ich möchte nach Miandra sehen. Nachdem was passiert ist am Marktplatz...“, seufzte er.


Auch Leanora war inzwischen mit Donas Pflege fertig, und sein Fell glänzte wieder. Dafür war Leanora um so staubiger.
„Gern, ich hätte nichts gegen etwas Wasser um mich zu waschen. Und was war denn am Marktplatz? Anscheinend kriege ich ja wirklich gar nichts mit, was hier so alles passiert!“
Sie nickte Azoth zu und gemeinsam gingen sie zurück in die Schankstube, wo sich Leanora erst einmal eine Kanne mit kalter Milch bestellte.


Azoth begann zu lachen. „Ihr wart ja auch beim Waffen kaufen“, grinste er ihr entgegen. Dann bestellte er sich ein Glas Wasser, was er durchaus brauchte nach dem Ereignis in der Scheune.
„Sagen wir es so. Miandras Eltern sind aufgetaucht. Nun sind sie tot.“ Dabei grinste Azoth total schadenfroh.


Leanora verschluckte sich beinahe.
„Und das freut Euch? Arme Miandra, muss ein Schock für sie sein, wenn die Eltern plötzlich tot sind.“
Leanoras Blick ging in die Ferne, sie dachte an ihre Eltern zurück, und sie bot ihre ganze Beherrschung auf, um nicht sofort in Tränen auszubrechen. Zu frisch war der Schmerz, den sie allerdings dank der Ereignisse bisher verdrängen konnte. Zeit zu trauern hatte sie ja kaum gehabt.
„Ihr... Ihr verzeiht...“
Schnell sprang sie auf und rannte wie von Furien gehetzt zurück in den Stall. Dort lehnte sie sich an Donas und ließ ihren Tränen freien Lauf.
Nero blickte sie kurz an, rollte sich zusammen und schlief weiter.
Der Hengst ließ das Schluchzen geduldig über sich ergehen, aber irgendwann wurde es ihm zu bunt. Er stöberte mit seiner Nase an Leanoras Taschen, und das riss sie wiederum aus ihrer Trauer.
„Entschuldige mein Schatz, ich hab leider nichts für dich dabei...“
Traurig ließ sie sich neben Donas nieder, zog die Knie an und vergrub ihr Gesicht zwischen den Knien. Ihre Haare fielen dabei wie ein Vorhang über ihr Gesicht.


„Ihr... was... Ich...“, stotterte Azoth Leanora hinterher und seufzte. Sie kannte Miandras Vergangenheit nicht, und sie sollte es auch nicht von ihm erfahren. Aber irgendwie hatte er gerade eine Wunde getroffen. Das wollte er nicht.
Also stand er auf. Wenn sie nach draußen lief, gab es nur einen Ort, an den sie hinlaufen würde - zum Stall natürlich -, also folgte er ihr. Als er beim Stall ankam und sah, dass sie weinte, senkte er den Kopf. Azoth ging auf Leanora zu und setzte sich neben sie.
„Das mit Miandras Eltern war berechtigt“, er strich ihr über den Rücken und versuchte sie zu trösten. „Was ist denn los, Lea?“ fragte er sachte nach.


Aus verweinten Augen blickte sie Azoth an.
„Ich weiß nicht was Miandras Eltern verbrochen haben. Meine waren jedenfalls liebevoll. Und ich habe sie auch erst vor kurzem verloren, Zeit zu trauern war kaum. Und das kommt gerade alles hoch. Die Erinnerungen an sie, und wie sie gestorben sind...“ Sie schluckte. „Es... tut mir leid. Ich sollte mich besser beherrschen und unser Ziel nicht aus den Augen verlieren, aber im Moment geht das nicht.“


„Das tut mir leid. Ihr könnt ruhig trauern, auch dafür ist mal Zeit.“
Dann nahm er sie in die Arme, und in diesem Moment fragte er sich, was er da eigentlich tat. Aber solange sich Leanora ausweinen konnte, war ja alles gut. Besser, als wenn es irgendwann in einem unpassenden Moment aus ihr herausbrach.
„Ihr hattet bestimmt nette Eltern. Aber nicht alle sind so, das weiß ich selbst.“


„Ja, die hatte ich“, flüsterte Leanora leise. Sie lehnte sich an ihn und wurde langsam wieder etwas ruhiger. Seine Nähe und sein Verständnis taten ihr gut.
„Ihr wart doch dabei als mich Vernita zu Hause fand nach…“ Sie brach ab. Sie wollte nicht diese Bilder heraufbeschwören. Lieber sah sie den Vater oder den Bruder vor sich, wie sie zu Lebzeiten waren, und nicht diese verstümmelten Leichen, als die sie sterben mussten.
„Ihr habt sie gesehen, was diese Monster mit ihnen angestellt haben“, sagte sie tonlos.
Ein neuerlicher Heulkrampf überkam sie, der aber zum Glück relativ schnell vorbei war. Azoth strich ihr dabei tröstend übers Haar.
Als sie sich nach einer gefühlten Ewigkeit wieder gefasst hatte, waren ihre Augen gerötet und geschwollen.
Langsam richtete sie sich auf.
„Danke Azoth, für Eure Anteilnahme. Der Trost tat gut. Tut mir leid, dass ich Euch damit belastet habe. Wenn Ihr gestattet, ich würde mich wirklich gern frisch machen.“
Sie verließ den Stall, ihr Blick fiel auf die Pferdetränke. Kaltes, frisches Wasser sprudelte über ein hölzernes Rohr in das Steinbecken. Kurz entschlossen holte sie tief Luft und tauchte ihre Haare und ihr Gesicht vornüber darin ein. Schwungvoll warf sie den Kopf auch wieder zurück und formte mit den Händen eine Schale, um sich dann mit dem frischen Wasser nochmal das Gesicht zu waschen.
Ihre Haare tropften wie ein nasser Hund, also schüttelte sie diese auch genauso wie einer, der frisch vom Schwimmen kam. Danach drehte sie ihre Haare noch zu einem Zopf und drückte sie mit den Händen aus.


Azoth seufzte als Leanora den Stall verließ. Sie hing allem Anschein nach sehr an ihren Eltern, und ja… Azoth hatte all die Leichen gesehen, bevor er sich aus dem Staub machte. Man sah ihr an, dass sie eine reine Seele war und deshalb war sich Azoth nicht sicher, ob Leanora jemals richtig mitkämpfen würde. Aber sie könne sich ja beweisen.
Er stand auf und verließ ebenfalls den Stall. Draußen sah er wieder Leanora, die sich gerade die Haare wusch. Azoth schenkte ihr ein Lächeln, bevor er weiter in die Taverne ging.
Wie es wohl Miandra ging? Er wollte noch nach ihr sehen, und das tat er auch. Als er die Treppen zu den Zimmern hoch ging, blieb er vor ihrer Tür stehen. Zaghaft klopfte er an.


Miandra nahm noch einen Schluck... und noch einen. Erst dachte sie, sie hatte sich das Klopfen an der Tür nur eingebildet.
„Wer ist da?!“ schrie sie mit dem Kopf zur Seite gerichtet gegen die Tür, und nahm noch einen Schluck aus der Flasche. Wenn es nur Einbildung war, würde so oder so keiner antworten…


Azoth reagierte als er Miandra durch die Tür rufen hörte.
„Azoth. Ich wollte mich erkundigen wie es Euch geht. Und mich für etwas entschuldigen“, sagte er gegen die Tür.


Entschuldigen? Sie hatte ihn doch seit dem Frühstück nicht mehr gesehen. Zumindest glaubte sie das.
„Es ging mir nie besser“, erwiderte sie sarkastisch und grinste, was er natürlich nicht sehen konnte, und nahm noch einen Schluck aus der Flasche. „Wofür wollt Ihr Euch denn entschuldigen? Etwa dafür gerade an die Tür geklopft zu haben?“sie musste lachen.


Azoth grinste über ihren Humor. Das konnte nicht sein, dass sie so gut drauf war, nachdem was er mit ihren Eltern anstellte.
„Das... möchte ich lieber nicht vor der Tür aussprechen. Es geht dabei um das, was heute beim Marktplatz passierte...“, seufzte er.


Sie wollte gerade einen weiteren Schluck aus der Flasche nehmen, zog stattdessen jedoch eine Augenbraue nach oben, und versuchte nachzudenken.
Marktplatz?
Marktplatz?
Marktplatz?

Das Wort schien sich die ganze Zeit in ihrem Kopf zu wiederholen, doch sie konnte sich nicht erinnern, dass Azoth dabei war. Sie sah nur ihre Eltern vor sich... dann die dunkle Gasse... Vernita... später Hennrik... eigentlich wusste sie gar nicht, was genau alles passiert war, doch dann erinnerte sie sich, dass ihr Vater, als er versuchte die Blutung an seinem Oberschenkel zu stillen, an den Händen verletzt war.
Sie stellte die Flasche zur Seite, hielt sich am Türgriff fest, und zog sich damit nach oben um aufzustehen - was keine gute Idee war, da der Alkohol nun erst richtig zu wirken begann und sie sich an der Tür festhalten musste, um nicht umzufallen. Zudem hatte sie noch nichts gegessen... ein gewonnenes Spiel für den Schnaps. Sie fuchtelte einige Male am Schloss herum bis sie es schaffte den darin steckenden Schlüssel einmal zu drehen, und das Schloss geöffnet wurde.
Sie öffnete die Türe, hielt sich daran jedoch mit beiden Händen fest, und blickte in ein wohl leicht verwundertes Gesicht. „Was habt Ihr da gesagt?“


Er musterte Miandra und irgendwie sah sie beschwipst aus. Sie hielt sich auch mit beiden Händen am Türrahmen fest, zudem roch Azoth den Alkohol. Er zog eine Augenbraue nach oben. „Darf ich bitte reinkommen, und es Euch erklären?“


Sie musterte ihn auffällig. „Hmm... na schön...“, sagte sie zögernd. „Noch schlimmer kann der Tag ohnehin nicht mehr werden!“ fügte sie hinzu, ließ die Türe los, griff nach der Schnapsflasche, welche neben der Tür am Boden stand, und torkelte damit zum Bett.
Sie setzte sich an die Bettkante, nahm einen Schluck aus der Flasche und wurde urplötzlich redselig. „Ich verstehe die Männer nicht. Wie können sie nur jeden Tag solches Zeug trinken! Schmeckt einfach nur ekelhaft...“ Sie musterte den Aufkleber auf der Flasche. „Aber vielleicht ist es in manchen Fällen eine gute Medizin. Manchen Kindern hilft ein Tropfen in der Milch dabei, weniger zu schreien. Mein Mann wollte immer, dass ich Elana einen Fingerhut gebe“, sie blickte zu Azoth. „Natürlich würde ich so etwas niemals tun“, sie begann zu lachen.


Azoth musterte Miandra und setzte eine besorgte Miene auf. Allem Anschein nach war sie betrunken und versuchte damit irgendwas zu ertränken. Wahrscheinlich den heutigen Vorfall. Er ging zum Tisch und setzte sich auf einen Stuhl.
„Ja, ekelhaftes Zeug. Deswegen trinke ich es nicht. Bin wohl zu weich für sowas“, lachte er bis Miandra von ihrem Mann erzählte. „Euer Ex-Mann hatte wohl einen riesen Knall. Wollte er etwa, dass Euer Kind stirbt?“ schüttelte er geschockt den Kopf.
„Also was ich erzählen wollte. Ich habe heute Eure Mutter bewusstlos geschlagen, Euren Vater an eine Wand genagelt, aber nur, weil ich so wütend war und er die Hand gegen Euch erhoben hat. Bevor er Euch traf habe ich sie gepackt und ihm… ich denke mal gebrochen“, er grinste schadenfroh. „Aber ich wollte Euch die Rache lassen. Deshalb habe ich die Seitengasse verlassen, nachdem Vernita mit Euch eintraf und wir Rowan dort auffanden.“


Miandra drehte sich etwas zur Seite und lauschte aufmerksam seinen Worten. Sie nahm einen weiteren Schluck aus der Flasche, sagte jedoch vorerst nichts dazu.
Sie versuchte über das Gesagte nachzudenken, doch irgendwie war es ihr zu viel Information auf einmal, und sie winkte daher einfach mit der Hand ab und nahm noch einen Schluck aus der Flasche, welche inzwischen halbleer war.
„Sie sind tot, das ist alles was zählt“, sagte sie ausgesprochen ernst, bevor sie zu kichern begann und sich dabei den Handrücken vor den Mund hielt. „Beim Erbauer, heute ist ein komischer Tag. Findet Ihr das alles nicht auch einfach nur witzig?“


„Ja.... sehr witzig“, sagte Azoth lang gezogen während er aufstand und auf Miandra zuging. Er nahm ihr nachdem sie den Schluck genommen hatte die Flasche aus der Hand und ging damit zum Fenster, wo er diese einfach hinausfallen ließ.
„Ihr wisst doch, was bei Alkohol geschieht?“ fragte er während er sich umdrehte. „Keine gute Sache, Miandra. Aber ja, ich finde es auch gut, dass sie tot sind.“
Er wusste, dass es ihr nicht gefiel, dass er ihr die Flasche nahm. Setzte sich aber trotzdem wieder ruhig auf den Stuhl.
„Habt Ihr denn die Dolche schon getestet?“


Leanora sprang gerade noch rechtzeitig zur Seite, als die Flasche auf dem Boden auftraf und in kleine Scherben zersprang. Welcher Idiot warf hier Flaschen aus dem Fenster? Wenn die Hunde auf die Scherben treten würden, war die Gefahr groß, dass sie sich die Pfoten aufschnitten.
Ihr Kopf lief vor Zorn rot an und leise vor sich hin schimpfend betrat sie den Schankraum, um den Wirt um Kehrschaufel und Besen zu bitten. Kurz darauf erhielt sie das Gewünschte und sie machte sich daran, die Scherben aufzukehren. Es gestaltete sich als mühevolle Arbeit, da die Splitter auch zwischen die Pflastersteine gefallen waren, und durch die Wucht des Aufpralls auch weit verstreut waren.
Leanora fluchte innerlich. Wehe, wenn sie dahinter kam, wer das war. Außerdem stank das Zeug gewaltig, sie hatte das Gefühl als würde sie selber danach riechen.
Schlussendlich hatte sie es geschafft, zumindest das Meiste davon war zusammengefegt. Sie brachte dem Wirt die Schaufel mit den Scherben zurück und setzte sich hin, um ihren Durst zu stillen. Die Milch von vorher stand ohnehin noch auf ihrem Platz.


Entgeistert blickte Miandra ihn an. Es dauerte einige Momente, bis sie realisierte, dass er die Flasche einfach aus dem Fenster geschmissen hatte. Daraufhin begann sie zu lachen. „Haha, solche Handlungsweise habe ich ja noch nie von einem Mann gesehen.“
Es dauerte eine Weile, bis sie sich von ihrem Lachkrampf erholen konnte.
„Wie gut, dass mich die Flasche nichts gekostet hat... Dolche? Oh ja richtig!“
Sie stand vom Bett auf und nahm die Schatulle welche direkt daneben stand. Sie öffnete diese, nahm einen der Dolche heraus. Damit ließ sie sich einfach unachtsam aufs Bett sacken und betrachtete die Klinge. „Ja sind schöne Dolche. Aber Vernita meinte ich solle sie lieber nicht verwenden, weil man sich damit ja leicht selbst verletzen kann. Aber ich schätze, dass sie gute Wurfwaffen abgeben“, sie musterte die Dolche weiterhin, doch ihre Hand schien etwas zu zittern. Wohl aufgrund des Alkohols.
„Trotzdem danke dafür, vielleicht sind sie ja noch nützlich“, sagte sie grinsend, und hielt den Dolch weiterhin unachtsam in der Hand.


Azoth grinste. „Gut. Dann benutzt sie als Wurfwaffen, sie sind sehr leicht, das dürfte kein Problem sein, aber jetzt solltet Ihr die Dolche wieder wegpacken, ja? Es wäre sicherer“, meinte Azoth behutsam.
„Ja. Ich hoffe ich habe niemanden getroffen, aber ich hörte das Klirren auf dem Boden, kann also niemanden erwischt haben.“
Zur Sicherheit ging er wieder zur Miandra, nahm ihr den Dolch behutsam aus der Hand und steckte ihn wieder in die Schatulle. Dabei zwinkerte er ihr zu. „Nur zur Sicherheit.“


Miandra ließ sich die Dolche einfach entnehmen und begann zu kichern. „Wenn Vernita sehen würde, dass ihr hier in meinem Zimmer seid, würde sie bestimmt ausrasten!“ kichernd ließ sie sich nach hinten fallen.
„Natürlich will ich sie nicht wütend machen, sie durfte sich heute schon genug rumärgern, dank mir“, sie hielt kurz inne und starrte an die Decke. „Vielleicht sollte ich einfach alleine weiterziehen... und alleine meine Tochter suchen... ich bereite den anderen nur unnötige Probleme. Aber so war es ja schon immer.“
Seufzend beendete sie ihren Satz, starrte weiterhin an die Decke und vergaß völlig, dass Azoth noch in ihrem Zimmer war.


Nachdem Azoth Miandra die Dolche abnahm, musste er über ihr Kichern grinsen. Er ging wieder zum Tisch und setzte sich wieder, bereits das dritte Mal, auf den Stuhl.
„Klar, kommt es in einer Gruppe zu Ärger, aber wir sind ja hier um Euch zu helfen. Da nehmen wir das gerne hin“, grinse er sie an.
Was Miandra über Vernita sagte, ignorierte er gekonnt. Er hatte keine Lust sich über sie zu Unterhalten.
„Was geht Euch gerade durch den Kopf?“


Miandra drehte ihren Kopf zur Seite, sodass sie ihn im Blickfeld hatte.
„Hmm... Mir geht Vieles durch den Kopf und ich frage mich, wie viel Alkohol nötig wäre um alles vergessen zu können... Ich sehe Bilder vor mir... so viele Bilder... Und bei einigen weiß ich nicht, was ich davon halten soll...“, sie begann zu grinsen. „Aber einige der Bilder kennt Ihr ja, nicht wahr?“
Sie blickte wieder zur Decke und seufzte. „Rechnet alle diese Bilder mal der Tage die ich gelebt habe... dann kommt das ganz gut hin... Doch an diese Bilder habe ich mich gewöhnt. Viel mehr Sorgen bereiten mir die neuen Bilder.“ Sie hielt kurz inne. „Seht Ihr auch solche Bilder vor Euch?“
Sie drehte den Kopf wieder zur Seite und blickte ihn fragend an.


Azoth grinste Miandra an. „Die Bilder werden nicht verschwinden wenn Ihr Alkohol trinkt. Er wird eher dazu führen, dass Ihr die Bilder nicht mehr los werdet“, meinte er gefolgt von einem Zwinkern.
„Auch mir gehen viele Bilder durch den Kopf. Sehr viele sogar. Auch Vergangenes, an das ich mich lieber nicht erinnern wollen würde, aber es ist nun mal so. Einige Bilder habe ich aber auch vergessen, weil ich einfach versuche nicht daran zu denken“, seufzte er und dabei blickt er Miandra tief in die Augen.
Er freute sich gerade, er hatte noch nie so ruhig und ausgiebig mit Miandra reden können - was er wohl ihren Alkoholkonsum zu verdanken hatte, aber er wollte diesen Moment genießen, denn so schnell würde er das nicht mehr erleben.


„Ja das dachte ich auch, aber sie verschwinden nicht. Es werden von Tag zu Tag immer mehr... Und ich schaffe es nicht mehr sie zu ignorieren. Ich habe sie über all die Jahre ignoriert und verdrängt. Jeden Tag. Es gelang mir immer, egal bei was. Doch... nun schaffe ich es nicht mehr... Ich fühle mich schwach... zu schwach um sie zu verdrängen... dabei hasste ich schwache Menschen immer, die keine schlechten Erfahrungen vertragen können... und nun komme ich mir selbst wie eine schwache kleine verwöhnte Frau vor, der alles zu viel wird.“
Sie schloss die Augen und atmete tief ein und aus. „Aber was jammer ich hier rum... im Gegensatz zu... manch anderen... habe ich doch kaum Schlimmes erfahren... und andere kommen besser damit zurecht... das ist echt armselig. Wahrscheinlich habt sogar Ihr mehr durchgemacht wie ich und sitzt jetzt vor mir als ob nichts wäre... oh Mann.“
Sie griff sich an die Stirn, da ihr Kopf allmählich von dem Alkohol zu schmerzen begann.


„Jede Geschichte, oder Vergangenheit, die jemand erlebte, ist auf seine Art und Weise schlimm. Ihr seid auch nicht schwach, Ihr haltet sehr viel aus, aber auch bei Euch, so wie bei jedem Menschen, kommt der Tag, an dem alles mal raus muss“, versuchte er Miandra aufzubauen und hoffte, dass es ihm gelang.
Azoth bemerkte den schmerzerfüllten Gesichtsausdruck und wusste sofort, dass es die Nachwirkungen des Alkohols waren. Er dachte an den Abend zurück, als er Miandra schon mal von ihren Kopfschmerzen befreit hatte.
„Soll ich Euch wieder von Euren Kopfschmerzen befreien? Oder... habt auch Ihr... Angst vor mir, und denkt ich sei ein Monster?“ fragte er sie.


„Nein es geht schon...“, erwiderte sie und setzte sich auf. Miandra musterte ihn kur. „Hmm… nicht unbedingt ein Monster... Ihr seid anders... die Meisten kommen mit Dingen die anders sind nicht klar... und ich...“, sie hielt kurz inne, „…und ich komme mit neuen Dingen nicht klar. Und Eure Fähigkeiten sind neu und anders... So etwas ist eben keine gute Mischung.“
Sie stand auf, da sie urplötzlich den Drang danach verspürte etwas zu trinken. Sie fiel fast um, und hielt sich in letzter Sekunde an der Wand gegenüber des Bettes fest. Ihre Augen fokussierten ihre Tasche die etwas weiter entfernt am Boden lag.


„Das kann ich verstehen“, meinte Azoth. Er beobachtete Miandra wie sie aufstand und beinahe kurz davor stand umzukippen. Schnell eilte er zu ihr hinüber und stützte sie.
„Soll ich Euch was bringen? Ihr solltet Euch lieber wieder ins Bett legen“, meinte er ruhig. Dann konzentrierte er sich auf die Berührung und schloss die Augen. Wieder nahm er ihr den Schmerz und den Schwindel dazu. Als er sie öffnete bemerkte er einen Tropfen Blut, der aus seiner Nase auf seinen rabenschwarzen Handschuh tropfte.
Er grinste und hielt sich die Hand an die Nase.
„Euch sollte es gleich besser gehen.“
Dabei fragte er sich, warum er immer Schmerzen erleiden musste, oder besser gesagt, warum er immer blutete, wenn er heilte. Bei normalen Heilern war das doch auch nicht so. Aber ja, bei normalen. Azoth war keinesfalls normal.


Verwundert starrte sie ihn an. Jeglicher Betrunkenheitszustand war von einer auf die andere Sekunde verschwunden. Sie konnte sich kaum an das erinnern worüber sie mit Azoth gesprochen hatte, auch nicht mehr, dass sie ihn in ihr Zimmer gelassen hatte. So etwas würde sie doch sonst nie tun!
Für sie galt nur der Moment. Und in diesem Moment sah sie nur, dass Azoth neben ihr stand, sie - warum auch immer - stützte, und das in ihrem Zimmer! Sie sah, dass er blutete, verstand nicht was gerade geschehen war. Hatte sie ihm gerade eine Ohrfeige gegeben, weil Blut aus seiner Nase tropfte? Zumindest würde sie ihm gerne eine geben, dafür, dass er zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt in ihrem Zimmer war. Doch sie schluckte es runter.
Sie löste sich langsam von ihm, ging zwei Schritte rückwärts und blickte sich verwirrt um, doch ihr Blick blieb an ihm haften. „Was passiert hier?“, brachte sie schließlich heraus.


Azoth richtete sich auf und hielt noch immer die Hand an der Nase. Er wusste, dass es jetzt so kommen musste. Normal hätte er nicht so mit ihr reden können.
„Ich denke, Vernita hätte es nicht gefallen wenn sie wüsste, dass Ihr Euch betrunken habt, und Kopfschmerzen dadurch hattet. Ich habe Euch nur gestützt, denn Ihr wärt beinahe umgeflogen. Und letzten Endes, die Trunkenheit und den Schmerz genommen. Deshalb blute ich ja“ , meinte er seufzend.


Jetzt fiel es ihr wieder ein, sie hatte sich eine Schnapsflasche besorgt... die nirgendwo mehr zu sehen war, naja auch gut.
Ihr Blick wurde wütend. „Und? Dann hätte es ihr eben nicht gefallen, ich versuche es nun mal nicht immer allen recht zu machen, so wie Ihr! Und wenn ich wirklich so betrunken war, wie Ihr behauptet, dann hatte das bestimmt seinen Sinn...“, und in dem Moment fiel ihr wieder ein wieso sie sich betrunken hatte und sie blieb einfach regungslos stehen, schien ins Nichts zu starren.
„Entschuldigt...“, fuhr sie schließlich fort. „Ich weiß, dass Ihr mir nur helfen wollt, und ich sollte dankbar sein. Aber… ich kann so etwas einfach nicht.“
Sie zuckte mit den Schultern, ging seufzend zu ihrer Tasche und zog ein Tuch heraus, welches sie an Azoth reichte.
„Hier, und nun lasst mich bitte alleine“, sagte sie kühl, und blickte auf den Boden.


„Das weiß ich doch“, seufzte Azoth und lehnte mit einer Handbewegung das Tuch ab. „Danke, ich benötige keines“, dennoch lächelte er sie an und ging dann aus dem Zimmer.
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BeitragThema: Re: Kapitel XIII - Bekannte Gesichter   Sa 06 Aug 2011, 1:38 pm

Nach kurzer Zeit hatte Vernita die Taverne erreicht. Ihr erster Impuls war es, zu Miandra zu gehen und ihr von den guten Neuigkeiten zu erzählen. Doch dann fiel der Elfe ihr letztes Gespräch wieder ein, welches ja nicht sehr erfreulich endete und entschied sich, sie vorerst in Ruhe zu lassen. Sie würde dann später nach ihr sehen.
Sie betrat den Schankraum, der wie immer leer war. Nur Leanora saß an einem der Tische und trank ein Glas Milch.
‚Wie kann dieser Wirt nur seine Taverne halten, wenn er nie Kundschaft hat’, ging es Vernita durch den Kopf. Sie schüttelte kurz den Kopf, um diesen sinnlosen Gedanken abzustreifen und setzte sich stattdessen zu Leanora an den Tisch.
„Ich habe soeben erfahren, dass ich morgen ein Treffen mit meinem Kontaktmann haben werde“, meinte die Elfe im Flüsterton zu der Frau gewandt. „Vielleicht erfahre ich dann auch, wer Eure Familie ermordet hat.“


Ein Hoffnungsschimmer überzog Leanoras Gesicht, ihre Augen nahmen einen honigfarbenen Ton an.
„Glaubt Ihr wirklich, dass Ihr das herausbringen könntet? Oh, ich wäre Euch so dankbar!“
antwortete sie leise.
Sie zog die Nase kraus. „Sagt mal, rieche ich stark nach Alkohol? Ich komme mir vor als hätte ich darin gebadet, aber es kann natürlich sein dass ich den Geruch nur nicht aus meiner Nase bekomme. Ich bin schon ganz benebelt von dem Zeug. Irgend so ein Idiot hat vorhin eine halbvolle Schnapsflasche aus dem Fenster geworfen. Kaum auszudenken, was dabei alles passieren hätte können.“
Leanora war noch immer aufgebracht, aber die Information von Vernita ließ sie etwas Hoffnung schöpfen.


„Was sagt Ihr?“ fragte Vernita erstaunt und zog ihre Stirn in Falten. „Irgendein Idiot wirft hier mit Schnapsflaschen um sich. Da wir ja eigentlich nur zwei Idioten in der Gruppe haben, kann es ja nur Hennrik gewesen sein, oder unser kleiner Lian. Beide haben wohl ein Problem damit, erst ihr Hirn einzuschalten, bevor sie zu Handeln beginnen. Aber solange sie nicht die Bude in Brand stecken, ist ja alles in Ordnung, was?“
Die Elfe lachte bei ihren eigenen Worten laut los und schlug dabei mit der flachen Hand auf den Tisch.
Leanora zog ihre linke Augenbraue nach oben und schmunzelte. Vernita hatte eine seltsame Art von Humor.
„Na welch ein Glück, dass Ihr mich nicht unter die Idioten zählt. Eigentlich dachte ich immer, ich sei hier der Klotz am Bein.“ Warm lächelte sie Vernita an.
„Übrigens habe ich mir am Vormittag neue Waffen besorgt. Wenn Ihr sie begutachten wollt wäre ich Euch sehr dankbar. Ich gebe Einiges auf Euer Urteil.“ Fragend blickte sie die Elfe an.


„Nun, Ihr habt bis jetzt noch keinen Scheiß verzapft, den ich ausbaden musste“
, erwiderte Vernita grinsend. „Also besteht noch kein Grund, Euch als Idioten zu betiteln. Und als Klotz am Bein würde ich Euch auch nicht bezeichnen, da Ihr ja immerhin Geld habt, von dem wir eine Zeitlang leben können, so dass ich keines stehlen muss.“
Die Elfe stand auf und wandte sich zum Gehen. „Natürlich sehe ich mir Eure Waffen an. Lasst uns dazu am Besten in den Stall gehen. Eine Taverne ist nicht der richtige Ort, um Waffen zu testen. Außerdem kann ich dort auch sagen, ob Ihr nach Schnaps stinkt. Hier in dieser Seuchenbude ist das schwer zu bestimmen, da hier alles nach Alkohol riecht.“
Grinsend drehte sich Vernita um und verließ den Schankraum. „Kommt mit.“


Leanora lächelte. Vernita hatte wohl den Zwischenfall vergessen, wo sie dem Illusionisten aufsaß, der sich als ihr Bruder ausgab. Oder es war für die Elfe einfach nicht weiter erwähnenswert.
Schnell lief sie die Treppe nach oben, holte Rapier und Säbel und eilte zu Vernita in den Stall.
Nero hob den Kopf und wedelte träge mit dem Schwanz, als er Leanora sah.
„Hier sind die Waffen. Ich würde auch gerne ein wenig üben, sie liegen doch anders in der Hand als meine Übungs-Degen.“
Sie reichte Vernita die beiden Waffen und fügte hinzu:
„Ich bin mir nicht sicher. Eigentlich dachte ich gestern noch, hier bleibe ich keine weitere Nacht. Aber so wie es aussieht sind wir hier relativ ungestört und die Pferde sind gut untergebracht. Die Kochkünste des Wirts haben sich auch verbessert, und ich konnte sogar schlafen. Ich glaube es macht Sinn wenn wir in dieser Absteige bleiben.“


„Was ist das denn für ein Zahnstocher?“ fragte Vernita ungläubig mit einem hämischen Grinsen auf den Lippen, als sie das Rapier sah. „Wen wollt Ihr denn damit erschrecken? Das Ding könnt Ihr höchstens dazu benutzen Euer Essen über dem Feuer zu rösten. Zeigt mir lieber mal den Säbel.“
Die Elfe nahm von der Frau die Waffe entgegen und wiegte sie für einen Moment in der Hand. Anschließend vollführte sie damit einige kräftige Schwünge durch die Luft, um das Gleichgewicht zu prüfen. Zufrieden nickte sie.
„Das ist eine gute Waffe, Leanora. Wenn Ihr mit mir üben wollt, dann solltet Ihr dies mit dem Säbel tun. Ansonsten breche ich Euren Zahnstocher am Ende noch ab“, meinte Vernita grinsend und gab der Frau ihre Waffe zurück.
Anschließend zog sie selbst eines ihrer Kurzschwerter und stellte sich in Kampfposition hin. „Dann zeigt mal, was Ihr drauf habt!“


Entrüstet sah Leanora auf das Rapier. Zahnstocher? Dieser lag ihr mehr als der Säbel, aber wenn Vernita darauf bestand sollte sie dieses so haben.
Eilig schob sie einen Ballen Stroh zur Seite um etwas mehr Platz zu haben und nahm ihre Position gegenüber Vernita ein. Langsam begann sie, die Elfe zu umkreisen, ihren Blick dabei fest auf Vernita gerichtet, den Säbel fest in der Hand.


Vernita bewegte sich ebenfalls im Kreis, folgte jeder von Leanoras Bewegungen. Ab und an ließ sie die Klingen der beiden Waffen aneinander klirren, wobei sie versuchte der Frau den Säbel aus der Hand zu schlagen. Doch diese hielt ihre Waffe eisern fest.
‚Anscheinend hatte sie bereits Übungsstunden mit den Waffen’, dachte die Elfe bei sich.
Dann machte sie einen schnellen Schritt auf Leanora zu und schlug dabei mit ihrem Kurzschwert von der Seite her zu.


Leanora wich Vernita mit einem Schritt zur Seite und einer schnellen Drehung aus und manövrierte sich dadurch hinter Vernita. Jetzt hätte sie das Rapier gerne zur Hand gehabt, denn mit dem Zahnstocher, wie Vernita diesen verächtlich nannte, hätte sie einen Feind in dieser Position zwischen den Rippen aufspießen und überm Feuer rösten können.
Sie stieß so ihren Säbel nach vorne, aber Vernita war flink genug und hatte sich in der Zwischenzeit auch wieder gedreht, so dass der Stoß ins Leere ging.
Der Tanz ihrer Klingen ging weiter, jede der beiden versuchte eine Konzentrationsschwäche der anderen zu entdecken. Leanoras Bewegungen waren anmutig, beinahe elegant. Dafür war Vernita um so wendiger und flinker.
Langsam trat der Schweiß auf Leanoras Stirn, und ihr Arm sackte ein wenig nach unten. Der Säbel war schwerer als ihre gewohnte Waffe, und das machte sich langsam bemerkbar. Dennoch blieb sie konzentriert und versuchte Vernita keine Schwachstelle zu offenbaren.
Ein weiterer Hieb von Leanora wurde mühelos von Vernita pariert, die daraufhin sofort nochmal ihr Kurzschwert sprechen ließ. Leanoras Kraft hatte nachgelassen, und das war nun ihr Verhängnis. Vernita schlug ihr den Säbel aus der Hand, drehte sich einmal um die eigene Achse und zielte auf ihre Kehle.
„Ihr seid tot, Prinzessin“, grinste sie.


Leanora wischte sich mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn. Ihre rechte Hand zitterte dabei. Den nächsten Tag würde sie ihre Tasse wohl mit beiden Händen heben müssen. ‚Und Kraftübungen wären auch angesagt‘, dachte sie bei sich.
Sie ließ sich auf dem Heuballen nieder.
„Der Säbel ist doch um Einiges schwerer als meine gewohnten Waffen. Sonst wäre ich nicht so schnell außer Puste“, lachte sie Vernita an. „Ich danke Euch. Und jederzeit gerne wieder, nicht dass ich noch einroste. Ich glaube ich werde hernach gleich noch etwas meine Kondition üben und verbessern. Andererseits muss ich gestehen, habe ich Angst, einfach laufen zu gehen. Die Stadt ist mir relativ unbekannt, und ich weiß nicht ob wir beobachtet werden. Ich will uns nicht in Gefahr bringen.“


„Sicher könnt Ihr mit Eurem Zahnstocher länger kämpfen. Der wiegt ja auch nichts. Allerdings verträgt das Ding auch keine Treffer“, spottete Vernita grinsend. „Jedes Breitschwert, jeder Kriegshammer und jede Axt lässt Euer Rapier wie einen morschen Ast brechen. Selbst mit meinen Kurzschwertern schaffe ich das.“
Sie steckte ihre Waffe weg und setzte sich neben die Frau auf den Heuballen. „Und wenn ich mit beiden Schwertern gekämpft hätte, dann hätte ich Euch innerhalb weniger Augenblicke niedergestreckt. Ihr habt eine gute Grundkenntnis im Zweikampf, doch Euch fehlt es etwas an Finesse. Daran müsst Ihr arbeiten. Das kann ich Euch beibringen. Und Konditionsübungen kann ich Euch auch hier im Stall geben. Wenn Ihr zweihundert mal im Kreis gelaufen seid, werdet Ihr bestimmt auch müde, das verspreche ich Euch. Wollt Ihr denn jetzt noch weiter üben? Oder braucht Ihr zuvor noch eine kleine Stärkung?“
Das Grinsen der Elfe wurde immer breiter.


Leanora dachte über Vernitas Worte nach. War das Rapier tatsächlich so windig, dass es sofort entzwei brechen würde? Hunger machte sich bemerkbar, aber Vernita hatte sie auch ein wenig an ihrem Stolz getroffen.
„Ich werde sicher nicht zweihundertmal hier im Kreis laufen. Erstens habe ich keine Lust auf einen Drehwurm, und zweitens will ich die Pferde nicht verrückt machen. Wenn Ihr nicht all zu viel Hunger habt, würde ich gerne noch ein wenig weiterüben. Schließlich weiß ich nicht, wann ich den Ernstfall vor mir habe, und dann möchte ich gewappnet sein.“


„Na gut. Dann auf die Füße mit Euch“, erwiderte Vernita lachend und sprang auf. „Wollt Ihr es diesmal mit Eurem Zahnstocher probieren? Oder bleibt Ihr bei einer echten Waffe? Wir können auch mit den Konditionsübungen anfangen, wenn Euch das lieber ist.“


Leanora überlegte kurz.
„Ich würde gerne mit beiden Waffen kämpfen, wenn es recht ist.“
Sie nahm den Säbel wieder in ihre Rechte, das Rapier in die linke Hand. Sie war gespannt, ob sie mit beiden Waffen noch umgehen konnte. Dann stellte sie sich wieder auf die Ausgangsposition.


„Wie Ihr wollt“, meinte Vernita und zog ihre Schwerter. „Dann lasst uns beginnen.“
Die beiden Frauen fingen wieder an sich zu umkreisen. Erneut versuchte die Elfe ihrem Gegenüber eine ihrer Waffen aus der Hand zu schlagen. Doch Leanora hielt diese eisern umklammert.
„Nicht so verkrampft“, bemängelte Vernita daraufhin. Dann ließ sie ihr linkes Schwert nach unten sinken, während sie mit dem rechten zuschlug. Leanora sah diesen Angriff kommen und sprang zur Seite, wobei sie sogleich mit ihrem Säbel angriff. Vernita allerdings nutze ihren Schwung für eine komplette Drehung, nach der sie mit ihrer rechten Hand zustieß. Dicht vor Leanoras Gesicht kam die Klinge des Kurzschwertes zum Stillstand. Diese zuckte erschrocken zurück und starrte mit geweiteten Augen auf die Klingenspitze direkt vor sich.
„Das ist es, was ich mit Finesse meinte“, maßregelte sie die Elfe. „Lasst Euch von Eurem Gegner nicht zu einer riskanten Attacke verleiten, wenn es nicht unbedingt sein muss. Er kann den Fehler in seiner Deckung auch nur vortäuschen, um Euch in eine Falle zu locken. Machen wir weiter.“
Die beiden Frauen kämpften noch eine Weile weiter. Vernita täuschte an, führte schnelle Schlagkombination oder parierte die Angriffe ihrer Gegnerin. Doch wirklich überraschen konnte Leanora sie nicht.
„Ihr bewegt Euch wirklich geschickt und beherrscht Eure Waffen ziemlich gut“, lobte die Elfe ihr Gegenüber. „Aber Eure Augen verraten Euch. Ich sehe jeden Eurer Angriffe, bevor Ihr ihn ausführt. Das müsst Ihr unbedingt abstellen. Sonst seid Ihr schneller tot, als Ihr Euch vorstellen könnt.“
Den nächsten Rapierangriff Leanoras fälschte Vernita mit dem Kurzschwert zur Seite ab, so dass sich die Spitze der Waffe in das Holz eines Stützbalkens bohrte und dort feststeckte. Die Elfe kreiselte herum und schlug mit dem Kurzschwert nach der Waffe. Doch bevor diese beiden aufeinander trafen, stoppte sie ihren Angriff.
„Ich hätte diesen Attacke nur durchziehen müssen, dann wäre Euer Zahnstocher jetzt nur noch ein Dolch“, grinste sie hämisch, während sie nach der Klinge des Rapiers griff und dieses aus dem Balken herauszog.
Der Kampf ging weiter. Die Frauen schenkten sich gegenseitig nichts, während sie miteinander fochten. Ein schneller Angriff mit Leanoras Säbel beförderte eines von Vernitas Kurzschwertern zur Seite. Sofort vollführte die Frau einen Schlag mit ihrem Rapier, welchen sie kurz vor dem Hals der Elfe zum Stilltand brachte.
„Nicht schlecht. Gar nicht schlecht“, meinte die Elfe zustimmend. „Aber das war bestenfalls ein Unentschieden.“
Ihr Blick fiel dabei nach unten. Auch Leanora sah herunter und erblickte dabei Vernitas zweites Kurzschwert, welches dicht vor der Brust der blonden Frau verharrte. Als die beiden Frauen wieder aufsahen, grinste die Elfe ihr Gegenüber an.
„Wollt Ihr vielleicht jetzt mal eine Pause machen? Ich denke, wir könnten bei etwas zu essen vertragen.“


Leanora fühlte sich mit den beiden Waffen wohler als mit dem Säbel alleine, aber sie hatte noch viel zu lernen, wie ihr Vernita absolut überzeugend demonstrierte. Dennoch war sie froh, bereits Unterricht genommen zu haben. Ihr Bruder hatte damals darauf bestanden und sogar die Eltern überzeugt. Ob er damals wohl eine Vorahnung gehabt hatte, dass Leanora irgendwann ihr Leben verteidigen und kämpfen musste?
Dankbar lächelte sie Vernita an.
„Pause hört sich sehr gut an. Ich bin vor allem durstig, und wenn ich nicht gleich etwas zu trinken kriege, leere ich die Pferdetränke draußen vorm Stall.“ Ihr Magen knurrte jedoch auch, und so gingen zurück zur Taverne.
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BeitragThema: Re: Kapitel XIII - Bekannte Gesichter   Mi 10 Aug 2011, 8:15 pm

Azoth lief die Treppen hinunter, holte sich eine Schüssel mit Wasser beim Wirt und ein frisch gewaschenes Leinentuch.
Damit ging er in sein Zimmer, wo er erstmal seufzte. Dann tauchte er das Tuch in die Schüssel, und wusch sich das Gesicht. Das Blut war mittlerweile um die gesamte Nase und den Mund verschmiert. Und irgendwie hörte es nicht auf. Es lief immer noch weiter.
Egal was Azoth versuchte, das Blut lief dennoch weiter. Er schaffte es einfach nicht, die Blutung zu stoppen. ‚Egal‘, dachte er sich, und warf das Tuch in einen Eimer. Das Blut lief über seine Lippen, zum Kinn, und von dort auf die Rüstung.
Er verließ sein Zimmer wieder, und setzte sich in die Schankstube, wo er sich etwas zu essen und zu trinken bestellte. Der Kellner blickte ihn verwirrt an.
„Nein! Ich brauche kein Tuch! Hilft doch alles nichts“, kam Azoth ihm zuvor, woraufhin der Kellner ihm einfach seine Bestellung brachte.


Miandra warf das Tuch zurück in ihre Tasche und seufzte. Anschließend blickte sie aus dem Fenster. Es war bereits Mittag, und langsam machte sich eine Art Hungergefühl bei ihr breit. Doch sie blickte nach unten, und sah, dass sie noch immer die Leinenhose trug, welche voller inzwischen eingetrocknetem Blut war. Was würde sie nicht für ein Bad geben? Stattdessen zog sie sich die Hose und Bluse einfach aus und warf sie wütend - so als wären sie wegen des Blutes ein Teil ihres Vaters - auf den Boden.
Sie zog sich frische Unterwäsche an, sowie anschließend ihre dunkle Lederrüstung. Bei dem Anblick fiel ihr wieder ein, dass sie eigentlich die Rüstung bei Wade abholen wollten... Wie schnell sich Pläne doch ändern konnten. Sie grinste, und als sie sich die letzte Armschiene zugeschnürt hatte nahm sie ihren Waffengurt. Schockiert stellte sie fest, dass einer ihrer Dolche fehlte. Sie suchte das Zimmer ab, konnte ihn jedoch nicht finden - da er schließlich in der dunklen Gasse lag.
Sie legte das Kurzschwert von Vernita, sowie die Dolche von Azoth auf den Tisch und betrachtete die Waffen seufzend, da sie nicht wusste welche sie nehmen sollte.
Miandraging einige Male auf und ab, und beschloss einfach alle drei Waffen mitzunehmen und diese auszutesten.
Sie verließ das Zimmer, schloss die Türe ab, und begab sich in den Schankraum. Sie warf Azoth nur einen nichtssagenden Blick zu, bevor sie sich an der Theke etwas zu essen, sowie ein Glas Wasser bestellte, als der Wirt begann sie voll zu labern: „Meine Liebe ich weiß gar nicht wie ich Euch danken soll! Ich habe wieder meine alte Leidenschaft entdeckt! Das Kochen, Leute bedienen... es macht mir wieder so viel Spaß... wie vor zwei Jahren. Wisst Ihr meine Frau starb... ich bewirtete diese Taverne zusammen mit ihr“, er schluchzte. „Aber nun… ich denke, wenn ich ein paar Gehilfen einstelle und den Laden etwas renoviere, dann bekomme ich das Geschäft wieder zum Laufen! Ich werde mit der Arbeit sofort beginnen, wenn ich keine belegten Zimmer mehr habe. Ihr wisst nicht zufällig, wie lange Euer Aufenthalt noch dauern wird? Am liebsten würde ich mit der Arbeit sofort beginnen!“
Man sah eine Art Funkeln und Stolz in seinen Augen und Miandra war etwas verblüfft. „Ich weiß nicht genau… so lange wie es nötig sein wird, aber Ihr solltet mit der Arbeit auf jeden Fall warten, bis wir fort sind.“
Er lächelte ihr entgegen, und verschwand kurz darauf in der Küche.
Miandra drehte sich um, und ihr fiel Azoth ins Blickfeld... und dass Blut auf den Tisch tropfte.
„Sagt mal… findet Ihr es nicht etwas geschmacklos, auf einem Tisch zu essen, an dem Euer Blut klebt?“ fragte sie verwirrt, blieb aber beim Tresen stehen.


Nichtssagend blickte Azoth zu Miandra auf, und begann zu grinsen, was in ein Lachen überging.
„Was soll ich tun? Es will einfach nicht aufhören. Ich kann nichts dagegen unternehmen.“
Azoths Teint war mittlerweile ein wenig blasser als zuvor und er schien auch sonst schon ziemlich entkräftet. Eines war sicher: das Bluten musste aufhören. Aber um Miandra nicht zu verscheuchen, nahm er eine Serviette und drückte diese an seine Nase.
„Besser, oder?“


Miandra musste es sich verkneifen ihn auszulachen, weil er mit der Serviette die ihm in der Nase steckte einfach nur dämlich aussah. Sie drehte sich kopfschüttelnd um, und nahm das Glas mit dem Wasser, welches der Keller inzwischen dort abgestellt hatte. Sie trank das Glas fast komplett leer, drehte sich um, und setzte sich einen Tisch weiter, mit einem erleichternden Seufzen auf einen der unzähligen Stühle.
Eigentlich wollte sie alleine sein, doch für einen Schankraum, war dieser hier ohnehin relativ leer, also worüber hätte sie sich beklagen sollen? Sie wollte regelrecht in Ruhe etwas essen, und anschließend die Waffen testen. Nichts weiter.
Sie blickte auf den Tisch, und versuchte sich irgendwelche unnötigen Dinge einzureden. Sie hatte keine Lust mehr sich immer wieder über dieselben Sachen aufzuregen.


Azoth grinste. Ihm kam eine total verrückte Idee. Zudem war er schon bleich, und das Ganze würde urkomisch rüberkommen. Er ging zum Tresen und holte sich neue Servietten, die er wieder zurecht in die Nase steckte, und hinter dem Tresen lag ein alter Strohhut.
„Den borge ich mir mal kurz“, grinste er und setzte ihn auf. Dann nahm er ein Tablett, was gerade frisch serviert wurde, und ein Mittagsmenü inklusive Getränken beinhaltete.
Damit ging er zu dem Tisch an dem Miandra saß. Er stellte das Tablett vor sie hin, und verstellte seine Stimme zu einer lustigen. Ein Tuch hatte er um den angewinkelten Arm hängen, nun sah er aus wie ein Kellner.
Dann zog er den Hut vor ihr, und verbäugte sich.
„Madame, Ihre Essen ala Fantastico is soebene fertisch gewordeeeee, jaannzz ohneeee Bluttropfen“, grinste und lachte er, während er auf seine Nase deutete. „Iiiischhhhh, wünschää einee gutää Appettiittääää.“


Miandra dachte - wie immer, auch wenn sie es nicht wollte - über den Tag nach, dachte an den Vorfall mit ihren Eltern... dann an das mit Vernita... an ihre Tochter...
Plötzlich wurde sie aus ihren Gedanken gerissen, als ihr ein Tablett vor die Nase gestellt wurde. Sie blickte auf, und erschrak im ersten Moment. Sie bekam nicht mit, dass sich Azoth zum Tresen begeben hatte, und nun stand er vor ihr, und sah einfach nur lächerlich aus. Als er seine Stimme verstellte und sich verbeugte, konnte sie sich ein Lachen nicht verkneifen. Es sah einfach zu komisch aus, um darüber nicht zu lachen. Vor allem, weil sie mit so etwas nun wirklich nicht gerechnet hatte.
„Beim Erbauer, wenn Ihr Euch sehen könntet. Vielleicht ist ja noch eine Stelle beim Zirkus für Euch frei, da könntet Ihr bestimmt eine gute Stange Geld verdienen“, sie kicherte. „Aber Ihr solltet solche ‚akrobatischen Übungen‘ lieber unterlassen, wenn Eure Nase am Dauerbluten ist.“
Sie musterte ihn ein letztes Mal und begann mit einem Grinsen im Gesicht zu essen.


Immer noch mit verstellter Stimme lachte er. „Deswegää die Serviette in de Naseee“, er lächelte sie noch einmal an, ehe er das Tuch und den Hut ablegte. Dann begann er wieder normal zu reden.
„Wenn ich mir jetzt was zum Essen hole, darf ich mich dann zu Euch setzen? Ich blute auch nicht aus. Versprochen“ , lachte er.


Miandra musterte ihn nachdenklich. Eigentlich wollte sie alleine sein... doch das schien ihr bereits seit vorhin nicht wirklich zu gelingen... Immerhin schaffte es der Elf, sie von ihren üblichen Gedanken abzulenken, also wieso nicht? Was war schon dabei? Er würde nur mit ihr am Tisch sitzen, nichts weiter…
„Von mir aus... aber solltet Ihr verbluten, so ist das Eure eigene Schuld“, erwiderte sie schulterzuckend und aß weiter.


Azoth lächelte und ging wieder zum Tresen, wo er sich ebenfalls was zu essen bestellte. Plötzlich schwankte er etwas, und musste sich festhalten. Es wurde ein wenig dunkler vor seinen Augen, aber er ignorierte dieses Gefühl. Er nahm sich das Essen, und ging damit wieder zu dem Tisch, an welchem Miandra saß.
Kurz lächelte er sie noch einmal an, wobei wieder dieses Schwindelgefühl auftrat. Wieder ignorierte er es und begann zu essen.
„Ach ja. Ich hatte heute Morgen im Stall was komisches erlebt, ich sah die Kinder in einem Raum alle zusammen. Eure Tochter habe ich dort aber nicht gesehen. Eines der Mädchen wurde am Hals gepackt, in dem Moment wachte ich auf, und musste Blut spucken. Ich hoffe den Kindern geschieht nichts...“ meinte er.
Plötzlich begann er zu lachen. „Verdammt großen Blutverlust habe ich heute. Ich sollte wirklich Blut spenden gehen.“


Leanora leerte sofort den Rest ihrer Milch in einem Zug, nachdem sie in die Schankstube eintrat. Sie bestellte eine Mahlzeit beim Wirt und ließ sich überraschen, was dieser auf den Tisch bringen würde. Etwas unentschlossen stand sie noch am Tresen und überlegte, ob sie sich zu Miandra und Azoth setzen sollte, oder den Tisch daneben nehmen sollte.
Schließlich fasste sie sich ein Herz, steuerte auf Miandras Tisch zu, lächelte die beiden an und setzte sich.
„Mahlzeit. Azoth, wie seht Ihr denn aus? Wart Ihr in einer Schlägerei verwickelt?“


Azoth blickte zu Leanora, die sich gerade zu ihm und Miandra an den Tisch gesetzt hatte. Ihm war immer noch schummrig, und er begann sich Sorgen darüber zu machen. Er versuchte sie anzusehen, sah sie aber doppelt, und ihre Worte hallten. Dennoch versuchte er Leanora ein Lächeln zu schenken.
Noch einmal blickte er zu Miandra. Er wollte wirklich nicht erzählen was heute passiert war.
„Ich... bin da vorne, gegen... die Tischplatte gedonnert“, meinte er. Dann stützte er seinen Kopf auf seinem Arm ab und schloss kurz die Augen. Alles begann sich zu drehen.


Vernita steckte ihre Waffen weg und folgte Leanora in die Taverne. Sie sah schon beim Eintreten, dass Miandra und Azoth zusammen an einem Tisch saßen. Argwöhnisch beäugte sie den Elf. Doch auf der anderen Seite war sie froh, die schwarzhaarige Frau etwas essen zu sehen. Zumindest sah sie nicht mehr so neben sich aus, wie es heute morgen noch der Fall war.
Sie beschloss diesmal keinen Streit mit dem Elf zu beginnen, obwohl sie ihn am liebsten an die Wand geklatscht hätte. Aber sie wollte Miandra diese Aufregung ersparen. Was war nur mit ihr los? War sie etwa eifersüchtig? Auf diesen Schnösel? Es sah wirklich so aus.
Sie ging zur Theke und bestellte sich einen Krug Wasser. Leanora hatte sich inzwischen auch schon zu Miandra und Azoth gesetzt. So ging sie nun ebenfalls mit dem Krug und einem Glas in der Hand zu den anderen dreien an den Tisch. Als sie dort ankam, sackte der Elf gerade in sich zusammen.
„Was ist denn mit dem los?“ fragte sie in die Runde, während sie auf Azoth wies Sie erinnerte sich an die Schnapsflasche, von der ihr Leanora erzählt hatte. „Hat der etwa zu viel gesoffen?“


Er versuchte die Augen zu öffnen. Er hörte, dass auch Vernita nun hier war, nur wieder so leise und hallend. Es war wie ein Echo, das immer wieder in seinem Kopf hallte und langsam bekam er Kopfschmerzen davon. Trotzdem blickte er zu Vernita.
„Gesoffen? Nein... Blutverlust.... dort, an...der Tischplatte...“, stotterte er. Er hoffte, dass Miandra damit nun aus dem Schneider war und schloss wieder seine Augen.


Miandra beäugte Azoth ab und an während des Essens, und überlegte sich, ob sie dieses Spiel mitspielen sollte. Er log, damit sich Vernita nicht aufregen würde.
„Er blutet aus der Nase und es hört nicht auf. Ich bin kein Heiler, ich weiß nicht, was man da machen kann...“ sagte sie schließlich relativ gleichgültig ohne jemanden anzusehen, und aß die letzten Reste von ihrem Teller.


„Seltsam“, meinte Vernita und stellte den Krug und das Glas auf den Tisch. „Habe noch nie gehört, dass einer verblutet ist, der sich an einer Tischkante die Nase gestoßen hat. Aber so blass wie Ihr ausseht, seid Ihr wohl der erste, Lian.“
Sie blickte sich kurz in der Taverne um, aber außer ihnen und der Wirt war niemand da.
„Wo steckt nur wieder diese Aushilfszauberer, wenn man ihn mal braucht“, fluchte die Elfe, bevor sie anfing in ihrer Tasche zu kramen. Nach kurzer holte sie ein kleines Fläschchen mit einer rötlichen Flüssigkeit heraus. „Hier versucht das mal. Das ist ein Blutgerinnungsmittel. Ich verwende es eigentlich nur bei stark blutenden Wunden. Keine Ahnung, ob das auch bei Nasenbluten hilft, aber versuchen können wir es mal. Aber nehmt nicht mehr als ein, zwei Tropfen davon, verstanden?“


Azoth öffnete wieder die Augen und blickte Vernita an. „Ich danke wirklich für Eure Hilfe, aber das brauche ich nicht“, er stand auf und schwankte die Treppen hinauf, bis er vor seinem Zimmer ankam. Er fiel regelrecht in den Raum, als er die Tür geöffnet hatte und knallte auf den Boden. Er rappelte sich mühsam auf und machte die Tür zu. Dabei fiel er wieder hin. Er zog sich zum Bett und darauf. Dann legte er sich hin, und sah nichts mehr. Ihm wurde schwarz vor Augen.


Miandra blickte Azoth nicht nach als er verschwand, sondern stand stattdessen einige Augenblicke später auf und verließ wortlos die Taverne. Sie wollte mit den Dolchen und dem Kurzschwert üben... und sich etwas abreagieren.
So ging sie in den Stall, suchte sich dort eine freie Stelle, an der keine Pferde untergebracht waren, und begann die Dolche und das Kurzschwert gegen eine dicke und stabile Holzsäule zu schleudern.


Leanora schüttelte den Kopf, als sie Azoth nachblickte.
„Was für ein Sturschädel. Gesund sieht er nicht aus, ich hoffe er wird wieder. Übrigens Vernita, Ihr habt mir vorhin nicht geantwortet ob wir hier bleiben wollen.“
Der Wirt kam zum Tisch und servierte.
„Gebratene Entenbrust auf frischem Gemüse an Portwein-Sause, wünsche guten Appetit.“ Dazu stellte er ein Glas trockenen Rotwein und eine Karaffe Wasser.
Leanora lief das Wasser im Mund zusammen, nahm einen Bissen vom Gericht und schloss genießerisch die Augen.
„Hmmm, also ich weiß nicht, was der Wirt gemacht hat, aber es schmeckt köstlich. Alleine schon deswegen sollten wir hier bleiben. Zudem sind wir hier unter uns. Oder was meint Ihr?“ wandte sie sich wieder an Vernita.


„Ja, ich weiß, dass dieser Kerl so stur und uneinsichtig wie ein Esel ist. Außerdem ist er ein Mann. Schon allein deswegen hat er Schläge verdient“
, grinste Vernita und fing an zu essen.
„Hmm. Wirklich gut der Mampf hier“, meinte sie mit vollem Mund. „Und ja, ich hatte eigentlich vor, in dieser Spelunke zu bleiben. Zumindest solange unsere beiden Spezialisten Hennrik und Lian nicht die halbe Stadtwache auf unseren Aufenthaltsort aufmerksam gemacht haben.“
Die Elfe schlang ihr Essen so schnell herunter, als hätte sie seit zwei Wochen nichts mehr zwischen die Zähne bekommen. Anschließend leerte sie ihren Wasserkrug in demselben Tempo. Als sie fertig war, hatte Leanora gerade mal die Hälfte ihres Mahls verputzt.
„Das war gut. Und ich bin dann mal wieder in der Scheune und warte dort auf Euch. Falls Ihr weiterüben wollt“, grinste Vernita und stand auf.


Leanora zog erstaunt ihre Augenbrauen in die Höhe, als sie das Tempo mit verfolgte, in dem Vernita ihr Essen hinunter schlang. Sie standen ja nun nicht wirklich unter Zeitdruck, und so konnte sie es nicht nachvollziehen, wieso man dann die Mahlzeit nicht genießen sollte. Sie konnte der Elfe nur noch zunicken und widmete sich dann weiter ihrem Essen.
Als sie auch noch den Wein ausgeleert hatte, war sie eigentlich angenehm schläfrig, aber wenn sie sich nun ein Mittags-Schläfchen genehmigen würde, wäre sie für den Rest des Tages kaputt.


Vernita betrat den Stall und hörte auch schon wie jemand anscheinend eine Holzwand mit seinen Waffen bearbeitete. Sie ging in die Ecke, in der sie zuvor mit Leanora geübt hatte und sah dort Miandra, die wohl etwas an ihren Wurffähigkeiten feilte. Die schwarzhaarige Frau sah etwas angespannt aus.
„Ach, hier habt Ihr Euch versteckt“, grinste die Elfe und trat neben Miandra. „Geht es Euch besser? Braucht Ihr vielleicht einen Übungspartner? Ich stelle mich gerne zur Verfügung. Leanora wird auch gleich noch kommen, dann können wir zu dritt üben. Was sagt Ihr?“


Miandra blickte kurz zur Seite, aber sie wandte den Blick sofort wieder von Vernita ab als diese zu sprechen begann und schleuderte ein weiteres Mal, mit viel zu viel Kraftaufwand, die drei Dolche und das Kurzschwert gegen die Holzsäule. Sie war bereits außer Puste und Schweißperlen standen auf ihrer Stirn, da sie die Waffen mit so viel Wut warf.
Sie ging zur Säule, worin die Klingen komplett senkrecht übereinander ihr Ziel gefunden hatten. Davor blieb sie stehen. „Tja, ich würde sagen, sie sind tot Mister Säule“, dann zog sie den giftfreien Dolch aus dem Holz. Einige Holzsplitter wurden mitgerissen und sie musste ihn mit beiden Händen am Griff packen, da er so fest und tief in dem Holz steckte. Sie wiederholte den Vorgang, bis alle vier Waffen wieder ihren Platz in der Waffenscheide gefunden hatten.
Sie ging zurück, an den Ort an welchen sie zuvor stand und begann erneut die Waffen gegen das Holz zu schleudern, nur zielte sie an eine andere Stelle. Schließlich wollte sie nicht, dass der Stall vor ihren Augen zusammenbrach.
„Ich denke nicht, dass das eine gute Idee wäre“, erwiderte sie schließlich schwer atmend auf Vernitas Frage, während sie zum zweiten Wurf ausholte, welcher abermals viel kräftiger als nötig war.


Vernita machte sich jetzt ernsthafte Sorgen um Miandra. Sie war eindeutig wütend und sehr zornig. War es wegen ihr? Wegen dem, was sie getan hatte? Noch einmal verfluchte sie sich dafür, dass sie sich der Frau genähert hatte. Hatte sie sie damit weiter von sich gestoßen, als sie es jemals zuvor gewesen war?
„Wieso wäre es keine gute Idee, Miandra? Ich sehe, dass Ihr wütend seid“, sagte die Elfe ganz ruhig und sachte. „Wenn ich wütend bin, dann kämpfe ich auch immer. Danach wird es besser. Und solange Ihr nicht Lians Mörderdolche benutzt, sollte es auch kein ernsthaftes Problem geben.“


Miandra begann zu lachen und es dauerte eine Weile bis sie sich von dem Lachkrampf erholen konnte. Sie hielt nur noch das Kurzschwert in der Hand, die drei Dolche steckten bereits in der Holzsäule.
„Seht Ihr das?“ sie zeigte mit dem Schwert in die Richtung der Holzsäule. „Es ist nur ein Stück Holz. Ein Stück Holz dem ich kein Gesicht zuordnen kann, da es niemanden gibt, dem ich gerade gerne eine Klinge ins Hirn jagen würde.“ Sie hielt kurz inne und blickte zu Vernita. „Wie soll ich gegen Euch kämpfen, wenn ich Euer Gesicht vor mir sehe, und nicht das von jemanden den ich hasse?“
Sie wandte den Blick ab, ging zu der Säule und zog die Dolche erneut aus dem Holz.


Vernita war mit ihrer Weisheit beinahe am Ende. Was sollte sie nur mit dieser Frau machen, damit sie wieder zur Vernunft kam? Nachdem die beiden Miandras Eltern getötet hatten, schien ihr die Frau mehr und mehr zu entgleiten. Und dabei hatte sie doch so viel, wofür es sich zu kämpfen lohnte. Mehr als es die Elfe jemals hatte. Oder zumindest für besonders lange hatte. Es wurde Zeit, dies der schwarzhaarigen Frau wieder ins Gedächtnis zu rufen.
Vernita war nie eine besonders geschickte Diplomatin. Seitdem sie sich über die Elfen des Gesindeviertels erhoben hatte und als Grauer Wächter durch die Lande zog, hatte sie fast nie große Reden geschwungen. Ihr Verhandlungsgeschick war bestenfalls Mittelmaß. Sie bevorzugte es, ihre Probleme mit dem Schwert zu lösen. Darin war sie ein Experte. Und das würde sie nun auch versuchen. Auch wenn sie Miandra mehr mochte als alles andere auf der Welt, so konnte sie nicht tatenlos zusehen, wie sie die Frau mehr und mehr zu verlieren schien.
„Jetzt reicht es mir aber!“ zischte sie wütend, zog ihre Plattenhandschuhe aus und ließ diese zu Boden fallen. Dann ging sie schnurstracks auf Miandra zu, holte aus und gab der Frau eine kräftige Ohrfeige.
„Kommt endlich zur Vernunft, Weib! Ihr habt keine Zeit, Euch in Selbstmitleid zu suhlen! Wenn Ihr unbedingt jemanden braucht, den Ihr hassen könnt, dann werde ich Euch jemanden geben!“ schrie Vernita ihr Gegenüber an, bevor sie ihr eine weitere Ohrfeige verpasste.


Miandra griff sich an die Wange und spuckte einmal auf den Boden. Ihr Zahnfleisch war wohl leicht aufgeplatzt, da der Speichel leicht rosafarben war. Sie blickte auf, und sah Vernita mit wütenden und glasigen Augen an.
Sie wandte den Blick ab, zog den letzten Dolch aus der Säule, steckte ihre Waffen in die dafür gemachten Scheiden an ihren Gurt.
„Ich habe schon jemanden gefunden. Aber danke für das großzügige Angebot!“, erwiderte sie leicht sarkastisch und drehte sich um, um zu gehen.


„So leicht kommt Ihr mir nicht davon! Seht mich gefälligst an, wenn ich mit Euch rede!“
, zischte Vernita, packte Miandra an der Schulter und riss sie herum, so dass sich die beiden Frauen Auge in Auge gegenüberstanden.
„Ich habe Euch gerade geschlagen und Ihr wollt einfach abhauen wie ein feiges Schwein? Ist das Eure Antwort auf all Eure Probleme? Sich verkriechen? Einfach alles hinschmeißen und aufgeben? Wehrt Euch gefälligst!“ Vernita hatte die Schultern der Frau ergriffen und schüttelte sie durch. „Schlagt mir ins Gesicht, für all das, was ich oder auch sonst wer Euch angetan hat! Zeigt mir, dass noch ein Funken Leben in Euch steckt!“


„Lasst mich los!“, schrie sie Vernita an und riss ihre Schulter herum, sodass sie nicht mehr festgehalten wurde und ging einen Schritt nach hinten. „Ich bin noch am Leben! Keine Sorge! Aber ich werde Euch nicht schlagen, nur weil Ihr darauf besteht! Wieso sollte ich so etwas tun!? Entschuldigt, aber ich weiß mich auch anders zu wehren!“
Sie hielt kurz inne um Luft zu holen, da sie so laut geschrien hatte. „Ihr seid schwächer, als Ihr denkt. Ihr denkt Ihr könnt all Eure Probleme mit Euren Fäusten und Klingen lösen! Aber los, schlagt noch einmal zu, wenn Ihr Euch dann besser fühlt!“


„Warum sollte ich Euch schlagen, wenn Ihr Euch nicht einmal wehren wollt?“
keifte Vernita zurück. „Nur damit Ihr Euch wieder in die Opferrolle flüchten könnt? Damit Ihr wieder anderen die Schuld an Eurer Situation geben könnt? Denkt Ihr etwa, ich weiß nicht, was in Euch vorgeht? Ist Euch nicht klar, dass ich genau dasselbe durchgemacht habe und dass ich weiß, wohin das führt?“
Sie trat einen Schritt auf Miandra zu, bevor sie wesentlich ruhiger und gefasster weitersprach. „Auch ich habe ein Leben am Rande des Todes geführt. Auch mir war es egal, ob ich lebe oder sterbe. Ich habe mich von allen und jeden abgeschottet und einen inneren Schutzwall aufgebaut, aus Angst davor, dass mir jemand wieder weh tun könnte. Und ich weiß auch, dass die Narben auf der Seele nie wirklich verheilen werden und habe oft daran gedacht, dem Ganzen ein Ende zu setzten.“
Behutsam legte Vernita ihrem Gegenüber eine Hand auf die Schulter. „Doch Ihr habt viel mehr, als ich jemals besaß. Für Euch gibt es einen Grund weiterzuleben und mit Hoffnung in die Zukunft zu sehen. Und deshalb bitte ich Euch hier und jetzt stark zu sein. Nicht für mich und auch nicht für Euch selbst. Sondern einzig und allein für Eure Tochter Elana. Sie hat es verdient, dass Ihr Euch zusammenreißt und all Euren Mut und Eure Kraft allein ihrer Rettung widmet, anstatt zu resignieren und Euch hinter Eurem Schutzschild zu verkriechen.“

Die Elfe wandte sich ab und setzte sich auf einen Strohballen, wo sie ihren Helm absetzte und diesen neben sich ablegte. „Ich weiß nicht, was ich noch sagen soll.“
Vernita sah die schwarzhaarige Frau an, wobei sich Tränen in ihren Augen bildeten. „Ich habe Euch sehr gern, Miandra. Und es schmerzt mich sehr, Euch leiden zu sehen. Mehr als alle Wunden, die ich bisher erlitten habe. Und das waren eine Menge. Und ich bitte Euch, das zu vollbringen, was mir nie vergönnt war. Rettet Euer Kind. Tut es für Elana, für Euch selbst und auch für mich. Und wenn Ihr sie gefunden habt, dann legt Euren Mantel der Gefühllosigkeit ab und schenkt Ihr all die Liebe, zu der Ihr fähig seid.“
Vernita sah zu Boden, während sie mit einer Hand über ihren Hinterkopf strich.


Miandra blieb mit verschränkten Armen stehen, und ließ die Worte auf sich wirken.
Was sollte sie dazu noch sagen? Es waren zwar alles Tatsachen, die sie bereits wusste. Doch bisher hatte sie all diese Sachen nie aus dem Munde von jemand anderen gehört, sondern sich diese immer nur selbst gedacht. Sie musste sich eingestehen, dass Vernita recht hatte.
„Ich weiß...“, sagte sie schließlich in einem ruhigen Ton, nachdem sie lange geschwiegen hatte. „Sie hätte eine bessere Mutter wie mich verdient... sofern sie überhaupt noch am Leben ist. Aber denkt nicht, dass ich mich jemals in ihrer Gegenwart, so wie jetzt verhalten hätte, oder würde... Ich weiß auch nicht was mit mir los ist.“
Sie seufzte und fasste sich an ihre Wange. „Ich muss mich erst an all diese neuen Gedanken gewöhnen, die immerzu in meinen Kopf drängen... aber es war immer schon mein Problem, dass ich zu viel nachgedacht habe“, sie musste grinsen. „Nur hätte ich nie gedacht, dass mein Kopf eines Tages voll werden könnte.“


Vernita sah wieder auf, direkt in Miandras Gesicht, während sie sich die Tränen aus den Augen wischte.
„Verdammt!“ meinte sie, und ein Lächeln legte sich auf ihr Antlitz. „Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal soviel geflennt habe wie in letzter Zeit. Das ist mir schon fast peinlich. Ach, vergesst es einfach.“
Sie machte eine kurze Pause, in der sie sich weiter ihre Augen rieb, bevor sie ihr Gegenüber wieder ernst anblickte. „Es tut mir sehr leid, dass ich Euch geschlagen habe. Auch in mir gehen Dinge vor, die mir neu und fremd sind. Ihr seid die erste Person, die mir seit langer Zeit etwas bedeutet, für die ich etwas anderes als Gleichgültigkeit oder Verachtung empfinde. Und damit weiß ich nicht wirklich umzugehen. Und Ihr hattet recht, als Ihr sagtet, dass ich versuche, all meine Probleme mit Gewalt zu lösen. Nur als Schwäche habe ich das bis heute nicht gesehen. Es ist eher eine Sache der Gewohnheit. Doch Ihr habt mir soeben gezeigt, dass nicht jedes Problem mit Gewalt gelöst werden kann. Und das irritiert mich. Alles scheint so kompliziert geworden zu sein.“
Die Elfe stand auf und ging erneut auf Miandra zu. „Nur in einer Sache habt Ihr Euch geirrt. Ihr seid keine schlechte Mutter. Im Gegenteil. Ihr seid die beste Mutter, die sich ein Kind wünschen kann. Nicht so wie es Eure Mutter gewesen ist. Sie hat es zugelassen, dass Euer Vater und später auch Euer Ehemann Euch schlimme Dinge angetan haben, ohne etwas dagegen zu unternehmen. Doch das tut Ihr nicht. Sonst wäret Ihr nicht hier. Nein, für Eure Tochter legt Ihr Euch mit Mächten an, die Euch weit überlegen sind. Ihr riskiert Euer Leben für den kleinen Hoffnungsschimmer, Elana wieder zu sehen. Das ist es, was eine wahre Mutter ausmacht. Für Ihr Kind zu kämpfen, ganz gleich wie hoch der Preis ist, den sie dafür zahlen muss. Ich wünschte, dass ich eine solche Mutter wie Euch gehabt hätte. Vielleicht wäre mir dann Einiges erspart geblieben.“
Vernitas Lächeln wurde zu einem breiten Grinsen, während sie der Frau vor ihr eine Hand auf die Schulter legte. „So, und nun ist es an der Zeit, dass Ihr mir endlich eine klatscht, damit wir Quitt sind und die ganze Sache vergessen können, ja? Kommt schon! Nur Mut! Es ist leichter, als Ihr denkt. Danach fühlt Ihr Euch bestimmt besser. Und ich nehme es Euch garantiert nicht übel.“


Miandra verschränkte erneut die Arme und drehte sich leicht zur Seite. „Nein ich werde Euch nicht schlagen, vergesst es! Auch nicht wenn Ihr mich anflehen solltet, oder mir noch zehn Mal eine klatscht, ich werde Euch nicht schlagen“, sagte sie stur. „Es reicht mir, dass es Euch leid tut, um mich besser zu fühlen.“
Sie seufzte. „Und es mag sein, dass ich eine bessere Mutter als die Meine oder die Eure bin, aber das ist auch wirklich nicht schwer. Trotz alledem, bin ich daran schuld, dass sie nun irgendwo ist, ihr wahrscheinlich irgendwelche anormalen Dinge angetan werden, und sie fürchterliche Angst hat, oder vielleicht schon tot ist. Und das nur weil ich zu schwach und zu unfähig war, einfach von dort zu verschwinden als ich die Möglichkeit dazu hatte! Ich hätte einfach irgendwo anders ein normaleres Leben führen können, und ich weiß bis heute nicht, wieso ich es nicht getan habe... Wahrscheinlich weil ich zu egoistisch war und immer noch daran geglaubt habe, dass sich alles irgendwann ändern könnte... Dabei war es doch so offensichtlich... ach“, sie winkte mit der Hand ab. „Vergessen wir dieses Vergangenheitszeugs, davon habe ich heute nun wirklich die Schnauze gestrichen voll.“
Sie begann zu grinsen. „Ja, das Leben ist kompliziert und ungerecht, aber wenn es anders wäre, würde es bestimmt schnell langweilig werden! Findet Ihr nicht?“


Vernita grinste immer noch, als sie Miandras Nacken ergriff, diesen nach unten drückte und mit der anderen Faust drei, vier Schläge auf die Stirn der Frau andeutete. Dabei schnitt sie eine schelmische Grimasse. Dann ließ sie sie wieder los und lachte laut.
„Ihr seid wirklich unverbesserlich, Miandra, wisst Ihr das?“ meinte sie immer noch lachend. „Die einzige Person, die ich kenne und die genauso stur ist wie Ihr, das bin ich selbst. Und Ihr habt bei mir noch eine Ohrfeige gut. Ich will Euch ja nichts schuldig bleiben. Also kommen wir darauf noch mal zurück.“
Die Elfe stieß der schwarzhaarige Frau leicht in die Seite, wobei sie immer noch übermütig grinste. „Ja, das Leben wäre in der Tat langweilig, wenn es nicht so kompliziert wäre. Und wenn es nicht jemanden gäbe, den man einfach mal niederschlagen kann...oder beklauen.“
Bei diesen Worten hielt Vernita ihrem Gegenüber einen ihrer Dolche unter die Nase, welche sie ihr kurz zuvor mit einer schnellen Bewegung aus der Scheide entwendetet hatte.
„Tut mir leid, Miandra“, meinte die Elfe lachend. „Aber ich muss ein wenig in der Übung bleiben. Und Ihr solltet Euer Gesicht sehen.“
Vernita gab ihr grinsend den Dolch zurück. „Und, seid Ihr sicher, dass ich Euch nicht zu einem kleinen Übungskampf mit mir und Leanora begeistern kann, sobald diese wieder hier ist. Könnte doch ganz spaßig werden, wenn wir es nicht zu ernst nehmen, oder?“


Erbost steckte Miandra den Dolch zurück in die Waffenscheide.
„Also schön, aber dann solltet Ihr Euch Euren Helm wieder aufsetzen. Und ich weiß, dass ich so oder so keine Chance gegen Euch habe, also könnt Ihr Euch irgendwelche vorwitzigen Sprüche sparen, wenn Ihr mir eines Euer Schwerter an die Kehle drückt. Aber keine Sorge, ich werde Euch nichts mit Absicht schenken, auch wenn ich noch nie mit einem Kurzschwert gekämpft habe.“
Sie drehte sich um und ging einige Schritte weiter weg, wo etwas mehr Platz war und wartete dort mit verschränkten Armen auf Leanora.


Leanora blieb noch einige Zeit im Schankraum sitzen und starrte gedankenverloren in die Luft, bis sie schließlich doch aufstand um zu den anderen in den Stall zu gehen. Sie hatte jedoch viel zu viel Zeit vertrödelt, war auf dem Hof gestanden und hatte dem Wasserzufluss zugesehen. Ohne an irgendetwas Bestimmtes zu denken, hatte sie einfach ihre Seele baumeln lassen. Dafür erschrak sie um so mehr, als plötzlich ihr Schäferhund schwanzwedelnd neben ihr auftauchte.
„Na du, was ist los? Hunger?“
Sie warf ihm die Reste ihres Mittags auf den Boden. Ein kleines Stück der Entenbrust hatte sie über behalten und in die Serviette eingewickelt. Nero verschlang gierig das Fleisch und trollte sich dann wieder.
Leanora wurde inzwischen bewusst, dass sie eigentlich in den Stall zurück wollte um mit Vernita weiter zu üben. Schnell lief sie hinein, zwinkerte ein paar mal um sich an das schummerige Licht zu gewöhnen und meinte dann:
„Entschuldigt, ich habe die Zeit vergessen. Von mir aus können wir beginnen. Oh, hallo Miandra.”
Eigentlich wollte sie etwas zum Verlust ihrer Eltern sagen, ihr Beileid aussprechen, aber es fielen ihr die Worte von Azoth wieder ein, nämlich, dass diese den Tod verdient hätten. Also schwieg sie, bevor sie etwas Falsches sagen würde.


„Schon in Ordnung, Leanora“, bemerkte Vernita, während sie ihre Panzerhandschuhe aufhob und diese wieder überstreifte. „Miandra und ich waren bis gerade eben ebenfalls... ähm beschäftigt gewesen.“
Ein Grinsen legte sich wieder auf das Gesicht der Elfe. Sie nahm ihren Helm, setzte ihn sich wieder auf, zog ihre Schwerter und wandte sich an die beiden Frauen.
„Miandra hat sich auch dazu entschlossen, mit uns zu üben, Leanora. Also würde ich vorschlagen, dass Ihr beiden gegen mich antretet. Dann kann ich Euch beibringen, wie man gegen mehr als einen Gegner kämpft. Macht Euch bereit.“
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BeitragThema: Re: Kapitel XIII - Bekannte Gesichter   Mi 10 Aug 2011, 8:46 pm

Eine Weile blieb Rowan in ihrem Bett liegen und ließ ihren Gedanken freien Lauf, dann hörte sie vor ihrer Tür ein Poltern. Sie sprang auf und öffnete diese.
Der vorwitzige Elf torkelte eben in das Zimmer gegenüber und fiel auf sein Bett. Mit einem Grinsen schaute sie ihm dabei zu und schüttelte den Kopf. Wie konnte man sich nur um diese Tageszeit schon mit Alkohol die Sinne vernebeln. Gerade als sie sich abwenden wollte, fiel ihr Blick auf die Blutspur am Boden, die er hinterlassen hatte.
Mit wenigen Schritten war sie bei ihm und hatte vorher vorsorglich seine Tür geschlossen. Sie drehte ihn auf den Rücken und sah in sein blutverschmiertes, blasses Gesicht. Er war mittlerweile bewusstlos und schien einiges an Blut verloren zu haben. Rowan untersuchte ihn kurz und bemerkte, dass er aus der Nase blutete.
Ohne weiter zu überlegen sah sie sich im Raum um. Auf einer Kommode stand eine Schale mit Wasser und ein Leinentuch lag daneben. Kurzerhand tauchte sie das Tuch ins Wasser und stellte zufrieden fest, dass es recht kalt war. Den Elf wuchtete sie in eine sitzende Position und lehnte seinen Kopf an die Wand an der das Bett stand. Dann drückte sie ihm das kalte Tuch in den Nacken. Mit der anderen Hand drückte sie ihm seitlich auf den Nasenrücken und versuchte dadurch den Blutfluss zu verlangsamen.
Nachdem sie eine Weile neben dem Elf auf dessen Bett gesessen hatte, merkte Rowan, dass die Blutung nachließ. Sie nahm ihre Hand wieder weg und wackelte mit den steif gewordenen Fingern. Dann stand sie auf und befeuchtete das Tuch erneut mit kühlem Wasser. Als sie sich wieder neben den Mann setzte, fing er an, sich zu rühren und murmelte etwas vor sich hin.
Rowan drückte ihm das Tuch wieder in den Nacken und wartete.


Azoth erwachte so langsam. Er spürte etwas Feuchtes in seinem Nacken, und er lag nicht mehr. Er saß. Er blinzelte und versuchte die Augen zu öffnen. Plötzlich bemerkte er, dass jemand neben ihm saß. Eine blonde Frau.
Schnell riss er die Augen auf, und griff nach ihrem Arm. Er schaute sie an, und kniff seine Augen leicht zusammen. Er erinnerte sich, wer es war. Es war Rowan, die Frau die ebenfalls in der Taverne zum schwarzen Ritter war… und die Frau, die die Leichen, von Miandras Eltern verschleppt hatte.
Azoth ließ den Griff lockerer werden, und ließ ihre Hand los.
„Was wollt Ihr hier!?“ fragte er aufgebracht.


Rowan ließ das Tuch los und stand auf. Sie blickte dem Elf direkt in sein ärgerlich verzerrtes Gesicht.
„Ich bin der Blutlache gefolgt, die vom Flur aus direkt in Euer offen stehendes Zimmer geführt hat, mehr nicht.“
Sie grinste ihn an. „Und Ihr solltet Euch Euer Gesicht waschen, bevor Ihr Euch wieder in die Öffentlichkeit begebt.“
Damit drehte sie sich um und verließ sein Zimmer wieder. Sie begab sich nach unten in den Schankraum und bestellte beim Wirt ein Stück Brot mit Käse. Seit dem Nachmittag des vergangenes Tages hatte sie nichts mehr gesessen und ihr Magen hatte bereits angefangen sich zu beschweren.
Dankbar nahm sie das Essen entgegen und verzehrte es eilig während sie die Taverne verließ und den Weg Richtung Marktplatz einschlug. Am Rand des großen Platzes blieb sie kurz stehen und ließ ihren Blick über das Spektakel gleiten. Mit einem Seufzer strich sie sich die letzten Krumen von ihrer Rüstung und tauchte dann in der Menge unter.
Geschickt bewegte sie sich zwischen dem geschäftigen Treiben ohne einer Person je wirklich so nah zu kommen, um bemerkt zu werden. Ihre Sinne waren alle aktiviert und während sie durch die Menge glitt suchten ihre Augen die Gegend ab. Ihre Ohren wandten sich jedem Gesprächsfetzen zu, der an sie drang.
...intensives Gefeilsche um einen Ballen feinster Seide aus Orlais...
...der neueste Klatsch über einen Nachbarn, der seit gestern in den Besitz eines neuen Ochsenkarren gekommen war...
...geflüsterte Liebesworte eines fetten Mannes in übertrieben bunter und teuer aussehender Kleidung an eine junge Magd...
...Königin Anoras neue Haarfrisur, die nach Meinung der Sprecherin - eine kleine Frau mit Hakennase - ihr Gesicht noch dicker erscheinen ließ...
Rowan schob das Geplänkel schnell beiseite, sobald sie es vernahm und versuchte, die wichtigen Sachen herauszufiltern. Sie bekam sogar von einem geplanten Einbruch mit, der in dieser Nacht in ein Anwesen eines der Banns stattfinden sollte. Mit einem Grinsen im Gesicht schob sie sich weiter durch das Gedränge.
Plötzlich vernahm sie das, was sie gesucht oder vielmehr gefürchtet hatte.
„... und ihn an den Händen an die Hauswand genagelt. Ich hab es mit eigenen Augen aus meinem Fenster heraus gesehen.“
„Bist du sicher, dass du nicht zu viel getrunken hast?“
„Was denkst du von mir! Ich erzähle dir die Wahrheit. Aber das ist auch nur die halbe Geschichte. Das Ganze ging ja noch weiter. Da trafen immer mehr zwielichtige Gestalten ein und am Ende haben sie die beiden getötet!“
„Also wirklich, ich glaube dir kein Wort davon. Du willst dich nur wieder aufspielen so wie das letzte Mal, als du erzählt hast, dass ein großer Werwolf in der Nacht deine Hühner geklaut hat.“
„Aber dieses Mal sage ich die Wahrheit... ach vergiss es... die Stadtwache wird mir schon glauben.“

Unbemerkt war Rowan dichter an die Sprecher heran geschlichen. Es handelte sich um zwei einfach gekleidete Männer, die am Rande des Marktes standen und sich flüsternd unterhielten. Rowan interessierte sich derweil brennend für die Waffen, die ein Zwerg an seinem Stand feil bot.
Entrüstet wandte sich der kleinere der beiden eben von seinem Gegenüber ab und verließ schnellen Schrittes den Markt. Der andere Mann blieb einen Augenblick lang stehen, schüttelte ungläubig seinen Kopf und verließ den Markt in anderer Richtung.
Rowan folgte dem ersten unauffällig. Er bog in die Gasse ab, in der sich am Vormittag das Drama mit Miandras Eltern abgespielt hatte und verschwand in einem schäbigen, heruntergekommenen Haus. Rowan wartete einen Augenblick, dann verschwand sie im Schatten und schlich ungesehen in den engen Weg neben dem Haus. Auf der Hinterseite konnte sie keine Tür erkennen, jedoch gab es dort ein schmales Fenster das man von einem niedrigen Vorbau aus einsehen konnte.
Geschickt schwang sie sich auf das niedrigere Dach und schlich an das Fenster heran. Durch die Staubschicht hindurch konnte sie den Mann erkennen, der mit einer Frau stritt. Sie vermutete, dass es sich dabei um seine Frau handelte. Diese verließ ziemlich entrüstet das Zimmer und der Mann kramte eine Flasche mit braunem Inhalt aus einer Truhe, die er sogleich ansetzte und einen tiefen Schluck nahm. Rowan sah, dass sein Gesicht verkniffen war und sich seine Lippen bewegten... er schien in ein Selbstgespräch vertieft zu sein. Sie beobachtete ihn weiter und wartete dabei auf die hereinbrechende Nacht.
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BeitragThema: Re: Kapitel XIII - Bekannte Gesichter   Mi 10 Aug 2011, 8:49 pm

Leanora ging in Kampfstellung und zog beide Waffen. Mit Rapier und Säbel fühlte sie sich besser, als mit dem Säbel allein, auch wenn Vernita immer noch der Meinung war, das Rapier würde nichts taugen.


„Gut“, sagte Miandra schlicht, mit Blick auf Leanora gerichtet. „Lasst es uns hinter uns bringen.“
Sie zog das Kurzschwert sowie den Dolch, und ging in Angriffsstellung, mit fokussiertem Blick auf Vernita. Mit einem leisen Seufzen drückte sie ihre Füße fest in den staubigen Stallboden, um einen Augenblick darauf auf ihr Ziel lossprinten zu können.
Mit dem Dolch in der Linken, dem Kurzschwert in der Rechten, beide Waffen fest umklammert und in Wut getaucht, holte sie zum ersten Schlag aus, welcher gekonnt von der gezogenen Waffe abgewehrt wurde, sodass sich die Klingen mit einem klirrenden Geräusch trafen. Sie ließ den Dolch an der Klinge hinab gleiten, stieß mit dem Schwert zu, auch der Angriff wurde abgewehrt. Sie parierte einige Schläge ihres Gegenübers, und ging dabei Rückwärts. Als sich die Waffen erneut trafen übte sie Druck auf die Klingen aus.
„Was ist Leanora, schlägt Ihr da drüben Wurzeln!?“ keuchte Miandra hervor, ließ jedoch Vernita nicht aus den Augen.
Leanora war wohl überrascht über den schnellen Beginn dieses Kampfes. Sie umklammerte die Griffe der Waffen so fest, dass es bestimmt schon weh tat, und schnellte ebenfalls auf Vernita zu, welche ihr gerade den Rücken zuwandte. Eine Attacke von hinten, die Vernita mit einer leichten Drehung abwehrte, um beide Gegner vor sich zu haben. Vernita täuschte Attacken auf die beiden Frauen an, wodurch sie einen Schritt zurückwichen. Miandra holte kurz darauf zum Schlag aus, welchen Vernita nur mit einem Schwert parierte, da Leanora ebenfalls zuschlug. Durch die Wucht der Schläge trafen sich alle sechs Waffen in der Mitte. Vernita startete eine schnelle Schlagkombination, wodurch sie beide nach hinten drängte. Miandra, sowie Leanora mussten sich hin und wieder ducken, um den Angriffen auszuweichen, und bekamen kaum die Chance zuzuschlagen. Trotz alledem holte Leanora mit dem Rapier aus, um Vernita eines der Schwerter aus der Hand zu schlagen, doch diese wich gekonnt zurück, noch bevor Leanora mit dem Säbel zuschlagen konnte. Miandra nutzte die Chance ebenfalls, und schlug mit dem Kurzschwert und dem Dolch gleichzeitig zu, doch wieder wurden beide Waffen nur mit einem Schwert abgewehrt.
Die beiden Frauen schlugen weitere Male gemeinsam oder einzeln auf die Elfe ein, doch diese schien jeden der Angriffe bereits kommen sehen. Waren sie so berechenbar? Leanora hatte flinke Füße, war geschickt und wich den Attacken perfekt aus. Sie wusste mit diesen eher ungewöhnlichen Waffen durchaus umzugehen, doch ihre Schläge waren für Vernita einfach abzublocken. Miandras Schläge waren wutgeladen, doch Vernita ließ sie nie nahe genug an sich heran, um zu einem entscheidenden Hieb ausholen zu können.
Doch es war nur eine Frage der Zeit, bis eine der beiden Hälften einen Fehler begehen, oder auf Risiko setzen würde.


Vernita genoss den Kampf gegen die beiden Frauen. Sie hielten sich ziemlich gut, hätten in einem Einzelkampf aber wohl nicht den Hauch einer Chance gegen die kampferprobte Elfe gehabt. Doch zu zweit stellten sie doch eine solche Herausforderung für sie da, die sie schon eine ganze Weile nicht mehr gehabt hatte.
Nach den ersten paar Angriffen hatte Vernita genug von den beiden gesehen, um deren Kampfstil gut einschätzen zu können.
Leanora war ganz klar die bessere Zweikämpferin von den beiden. Ihre Schläge waren präzise, und sie bewegte sich sehr flink und geschickt. Man merkte ihr an, dass sie bereits eine Kampfausbildung hinter sich hatte. Trotzdem war ihr Stil zu zaghaft, ihre Attacken zu zögerlich. Sie schien auf Nummer sicher gehen zu wollen, anstatt mal etwas zu riskieren.
Miandra war genau das Gegenteil. Was der Frau an Kampferfahrung fehlte, das versuchte sie durch Aggressivität zu kompensieren. An sich keine schlechte Wahl, doch sie übertrieb es bei weitem. Sie legte viel zu viel Kraft in ihre einzelnen Angriffe. Vernita bräuchte sie eigentlich nur lang genug gewähren lassen, bis Miandra irgendwann vor Erschöpfung zusammenbrechen würde. Schon jetzt stand ihr der Schweiß auf der Stirn. Allerdings brachten ihre wilden Attacken die Elfe weit mehr in Bedrängnis, als Leanoras zurückhaltende Art. Die beiden könnten viel voneinander lernen. Leanoras Kompetenz mit Miandras Entschlossenheit gepaart ergäben eine tödliche Kombination.
Vernita hatte so viel Spaß bei diesem Übungskampf wie schon lange nicht mehr. Während sie den Angriffen ihrer Kontrahentinnen auswich beziehungsweise diese parierte, überlegte sie sich, wie lange sie diesen Kampf weiter führen sollte, bevor sie ernst machte. Auch wenn sie mit Freuden sah, wie Miandra ihren Aggressionen abzubauen schien, während Leanora langsam etwas selbstsicherer wurde, war es trotzdem an der Zeit die beiden auf den Boden der Tatsachen zurückzuführen, damit sie nicht übermütig wurden. Das wäre bei einem echten Kampf absolut tödlich.
Miandra stürmte gerade ein weiteres Mal auf die Elfe zu. Diese wich einfach zur Seite aus und ließ die Frau ins Leere laufen. Im selben Moment wandte sich Vernita gleich an Leanora, die mit ihrem Säbel ausholte und sogleich zuschlug. Die Elfe hob ihr Kurzschwert, woraufhin die Waffen der beiden Frauen über Vernitas Kopf aufeinander klirrten. Sofort hob die Elfe ihr linkes Bein, setzte ihren Fuß auf Leanoras Brust und stieß die Frau mit einem kräftigen Tritt von sich weg. Diese wankte einige Schritte zurück, wobei sie bemüht war ihr Gleichgewicht zu halten und nicht zu stürzen. Vernita folgte ihr, kreiselte auf der Stelle herum, wobei sie eines ihrer Schwerter von links nach rechts durch die Luft sausen ließ. Die Klinge fegte dicht vor Leanoras Kehle vorbei.
„Ihr seid tot“, meinte die Elfe, bevor sie sich zu Miandra umwandte, die inzwischen wieder auf sie zukam. Vernita stürmte ebenfalls los, ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Miandras Kurzschwertattacke parierte sie mit dem ihren. Auch die Hand mit dem Dolch stieß sie zur Seite, bevor die beiden Frauen zusammenprallten. Und obwohl die Elfe etwas kleiner war als ihre Gegnerin, so war sie doch um einiges stämmiger, so dass sie diese durch die Wucht des Aufpralls mit sich riss. Einen Augenblick später stieß Miandra mit dem Rücken gegen einen Holzpfeiler, vor dem die beiden Frauen zum Stillstand kamen und sich Auge in Auge gegenüber standen.
„Ganz schön anstrengend, was?“ lachte Vernita leicht keuchend, da auch sie etwas außer Atem gekommen war. Die Gesichter der beiden Frauen berührten sich fast. Vernita spürte den Atem Miandras auf ihrer Haut und hatte den Geruch ihres schweißbedeckten Körpers in der Nase. „Ihr benutzt Eure Wut und Euren Zorn im Kampf. Das ist gut. Sie geben Euch Kraft und Ausdauer. Trotzdem dürft Ihr diesen Gefühlen nicht die Oberhand überlassen, sonst seid Ihr für einen geübten Gegner eine leichte Beute. Ich hoffe, dass Ihr Eure Aggressionen wenigstens ein wenig abbauen konntet. Oder wollt Ihr vielleicht noch eine Runde wagen?“


Nachdem Miandra einige Male ein und aus geatmet hatte, da sie ziemlich außer Atmen war, stieß sie Vernita von sich weg und ging wieder in die Mitte den Raumes, wo sie ihre Waffen wegsteckte. „Ja es ist alles nur eine Sache von Übung“, erwiderte sie leicht keuchend, und ihr Blick glitt kurz zu Leanora. „Nein, heute nicht mehr. Ein andermal gerne, sofern wir die Gelegenheit bekommen“, sie verschränkte die Arme und grinste. „Schließlich kann ich noch viel von euch lernen.“


Auch Leanora war kaputt. Der Kampf hatte sie ganz schön angestrengt.
„Ich habe zu danken. Es hat Spaß gemacht, aber ich würde mich nun auch gerne waschen und ausruhen. Bis später.“


„Nun gut. Es wird sicher noch eine Gelegenheit zum Üben geben“, meinte Vernita grinsend. „Dann zeige ich Euch noch ein paar Kniffe, wie Ihr im Kampf nicht nur Eure Waffen, sondern Euren gesamten Körper einsetzen könnt. Wie Ihr gesehen habt, kann dies ziemlich effektiv sein. Und an Eurem Kampfstil müssen wir auch noch arbeiten, Leanora. Er ist mir ein wenig zu seicht, das muss wesentlich energischer werden.“


Leanora nickte noch einmal, bevor sie den Stall verließ. Sie ging dann zurück in die Taverne, um dort sofort ihr Zimmer aufzusuchen.


„Was ist mit Euch, Miandra?“ wandte sich die Elfe an die schwarzhaarige Frau. „Wollt Ihr Euch auch etwas ausruhen, oder sollen wir vorher noch was trinken?“


„Nein, ich werde mich auf mein Zimmer begeben. Der Tag war schon lange genug.“
Ohne weitere Worte verließ sie den Stall. Miandra ließ sich von dem Wirt einen Eimer mit Wasser aushändigen, und verschwand mit diesem in ihrem Zimmer. Dort entkleidete sie sich ihrer Rüstung, wusch sich, und ließ sich frisch gekleidet ins Bett fallen.


„Na gut. Dann sehen wir uns morgen. Gute Nacht, Miandra. Schlaft gut. Ich denke, ich werde trotzdem noch was trinken gehen“, erwiderte Vernita und verließ mit der schwarzhaarigen Frau den Stall.
In der Taverne ließ sie sich von dem Wirt eine Flasche Branntwein und ein Glas geben. Damit setzte sie sich an einen Tisch, trank genussvoll den Schnaps in kleinen Schlucken und überlegte sich, wie es wohl weiter gehen sollte.
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BeitragThema: Re: Kapitel XIII - Bekannte Gesichter   Mi 10 Aug 2011, 10:46 pm

Der Mann, den Rowan beobachtete, hatte die Flasche bereits leer getrunken und sich in das schäbige Bett gelegt. Dem Stand der Sonne nach zu urteilen, war es mittlerweile die vierte Stunde nach Mittag und er schnarchte seit einiger Zeit laut vor sich hin. Sie hatte versucht, es sich auf dem schmalen Dach so gemütlich wie möglich zu machen. Zu ihrem Glück kam niemand in den winzigen Hof hinter dem Haus und auch von anderen Fenstern aus konnte sie nicht beobachtet werden, da es keine gab.
Rowan lehnte mit dem Rücken neben dem einzigen Fenster und lauschte auf das Schnarchen im Inneren. Sie dachte an die Geschehnisse des Vormittags zurück. Was hatten Miandras Eltern wohl verbrochen, dass sie solch eine Strafe verdient hatten? Sie fragte sich auch, ob sich die Schwarzhaarige mittlerweile wieder erholt hatte. Sie war zwar wach geworden, bevor Rowan sie verlassen hatte, doch sie hatte noch sehr verwirrt gewirkt. Zum Glück, denn so würde sie sich wahrscheinlich später nicht mehr an die Frage erinnern, die sie Rowan gestellt hatte. Die Unterbrechung der Elfe war gerade recht gekommen, um aus dem Zimmer zu fliehen.
Nachdenklich strich sie die Linien ihrer Tätowierung nach, die sie auch ohne Spiegel in jedem Detail vor ihrem innerlichen Auge sah. Seit sie sechzehn Jahre alt war, trug sie es. Mit Schaudern dachte sie daran zurück, dass es als eine Art von Auszeichnung gedacht war. Es hatte zum Aufnahmeritual gehört und sie war damals sehr stolz gewesen. Nur so hatte sie es geschafft, die Schmerzen des Stechens zu ertragen. Sie konnte sich noch gut erinnern, dass in den Tagen danach ihr Gesicht angeschwollen war und für fast zwei Wochen höllisch gejuckt hatte. Doch sie war mit geradem Rücken und vor stolz geschwellter Brust herumstolziert und hatte die Blicke der anderen genossen.
Dies war nun vorbei. Mittlerweile hasste sie diese Tätowierung. Wäre sie als Kriegerin ausgebildet worden, würde sie es mit Freuden den ganzen Tag unter einem Helm verstecken. So blieb ihr nichts anderes übrig, als jeden Spiegel zu meiden, der ihr in den Weg kam und hoffen, dass sie von anderen nicht darauf angesprochen wurde.

Es wurde bereits dunkel, als das Schnarchen von drinnen verstummte. Rowan ging sofort in die Hocke und spähte durch das Fenster. Der Mann war eben dabei, sich aus dem Bett zu wälzen. Dabei fiel ihm die leere Flasche zu Boden und zerbrach. Er kümmerte sich nicht darum und wankte die Treppe herunter. Lautlos sprang Rowan vom Dach und schlich sich zur Seite des Hauses. Dort wartete sie und hörte bald einen ohrenbetäubenden Streit von drinnen. Eine Frauenstimme schraubte sich gerade einige Oktaven nach oben und beschwerte sich über ihren nichtsnutzigen Mann.
„Wie wär‘s denn, wenn du mal etwas Geld mit nach Hause bringen würdest und endlich das Saufen aufgeben würdest?“
„Halts Maul. Ich werde jetzt zur Stadtwache gehen und mir eine ordentliche Belohnung holen. Wirst schon sehen, Weib!“ grummelte der Mann.
Rowan verstand ihm kaum, aber der Satz reichte für sie aus.
Kurz darauf wurde die Tür geöffnet und der Mann torkelte ins Freie. Er blieb kurz stehen und wandte sich dann tiefer in die Gasse hinein. Rowan folgte ihm unauffällig. Er wankte auf einer geschlängelten Linie immer weiter die Straße entlang. War dies nicht eine Sackgasse? Was hatte er vor, oder kannte er einen Schleichweg?
Der Mann war etwa so groß wie Rowan selber. Sein Lebensstil schien nicht der Schlechteste gewesen zu sein, wenn man nach seiner Statur ging. Die mittellangen, dunklen Haare hingen ihm in fettigen Strähnen vom Kopf herab.
Nach einer Weile bog er nach rechts in eine schmale und dunkle Gasse ab. Rowan nutze die Gelegenheit, um noch näher an ihn heran zu kommen. Sie konnte seinen alkoholisierten Atem in Kombination mit mindestens einer Woche nicht gebadet zu haben riechen und verzog angewidert die Nase. Am Ende der Gasse führte eine schmale Holztreppe nach unten. Von dort schien man in einen anderen Teil der Stadt zu kommen. Also doch ein Schleichweg!
Rowan schloss schnell zu ihm auf und zog lautlos ihren Dolch. Sie hörte ihn vor sich hinmurmeln, aber auch so hätte er sie in seinem Zustand nicht bemerkt. Sie hob den Arm auf Höhe seiner Schultern an und griff mit der linken in Richtung seines Kopfes. Es würde kurz und schmerzlos werden.
Plötzlich überlegte sie es sich anders. Ihre Arme sanken wieder und sie steckte den Dolch wieder in die Scheide zurück. In diesem Moment drehte der Mann sich um und starrte sie an. Sein Gesicht zeigte zunächst einen überraschten Ausdruck, der sich aber schnell verwandelte. Er fing an zu grinsen und schaute ihr lüstern auf ihre Brüste. Bevor er etwas sagen konnte holte Rowan mit ihrem rechten Bein aus und trat ihm vor den Bauch. Mit einem überraschten Seufzer wackelte er mit den Armen, um sein Gleichgewicht wiederzufinden. Doch er schaffte es nicht und musste einen Ausfallschritt nach hinten machen….doch dieser ging ins Leere und für einen Moment schien er in der Luft zu stehen, bevor er lautlos die Treppe hinunterfiel. In einer verdrehten Position und mit einem unschönen Knacken kam er am Fuße zum liegen. Schnell war Rowan bei ihm und legte ihm zwei Finger an den Hals. Kein Puls.
Sie verschwand in den Schatten, aus dem sie gekommen war und ging über kleinere Umwege zurück zur Taverne. Den Kopf hielt sie die ganze Zeit über gesenkt, doch ihre Augen und Ohren waren unermüdlich dabei, die Gegend um sie herum zu kontrollieren.
Sie stieß mit einem Ruck die Tür zum Schankraum auf, die daraufhin mit einem lauten Knall wieder zufiel. Zielstrebig steuerte sie die Theke an und orderte beim Wirt Schnaps, den sie auch umgehend ihre Kehle hinunterspülte. Dabei blickten sie ununterbrochen die zwei Augen des Mannes an. Aufgerissen vor Schrecken und Überraschung, während er rückwärts in seinen Tod stürzte.


Vernita wusste nicht mehr wie lange sie an diesem Tisch gesessen, ihren Schnaps getrunken und nachdacht hatte. Doch viel kam dabei nicht heraus. Es hatte einfach keinen Sinn, weiter nachzugrübeln. Ohne die Informationen ihres Kontaktmannes, war es sinnlos irgendwelche Pläne zu schmieden. Draußen war es inzwischen schon dunkel geworden, und sie entschloss ins Bett zu gehen.
Sie wollte gerade aufstehen, als die Tür aufgerissen wurde, und Rowan den Raum betrat. Etwas verwundert schaute die Elfe die blonde Frau an, die sie scheinbar gar nicht zu bemerken schien. Ihr Gesichtsausdruck sah aber nicht gerade glücklich aus. Im Gegenteil. Irgendetwas Schlimmes war geschehen, und Vernita wollte wissen, was das war.
Sie stand auf, nahm ihre Flasche samt dem Glas und gesellte sich zu Rowan an die Theke. Sie stellte sich direkt neben sie und goss sich ihr Glas voll, bevor sie den Kopf zu der blonden Frau wandte.
„Was ist denn mit Euch los, Rowan? Ihr seht aus, als wäre Euch ein Geist begegnet. Alles in Ordnung?“ fragte sie besorgt.


Ohne zu der Elfe herüberzuschauen nickte Rowan ihr zu.
„Ja, es ist alles in Ordnung. Ihr müsst Euch keine Gedanken machen.“


„Ja, sicher“, grinste Vernita und nahm einen Schluck aus ihrem Glas, bevor sie es wieder absetzte. „So seht Ihr auch aus.“
Die Elfe nahm ihre Flasche zur Hand und goss etwas von dem Branntwein in Rowans leeres Glas. Dabei sah sie sich nach dem Wirt um, der aber gerade in der Küche herumgeisterte. „Ich kenne Euch inzwischen ganz gut, Rowan. Und diesen Gesichtsausdruck kenne ich auch. Also, wen habt Ihr umgebracht? Jemanden den ich kennen sollte?“


Rowan stieß ein bitteres Lachen aus, bevor sie das Glas ansetzte und in einem Zug leerte.
„Ihr habt grad nur ins Blaue geraten, oder? Das könnt Ihr aber gut. Ich wusste nicht, dass Ihr einen so guten Riecher habt.“
Sie drehte sich um und schaute Vernita an. Rowans Gesicht war verkniffen und ihr Mundwinkel zuckte leicht.


„Hm, ich würde es eher Menschenkenntnis nennen“, meinte Vernita nachdenklich. „Ich habe diesen Gesichtsausdruck an Euch schon des Öfteren gesehen, und fast immer hatte er mit dem Tod eines Lebewesens zu tun. Also lag es nahe, dass es diesmal ebenso ist.“
Die Elfe schenkte Rowan noch nach, bevor sie den Rest der Flasche in ihr eigenes Glas eingoss. „Also, wollt Ihr mir jetzt sagen, was passiert ist?“


Rowan kippte das nächste Glas runter und verzog das Gesicht dabei. Sie war es nicht gewohnt Alkohol zu trinken, und das was sie bis jetzt intus hatte, stieg ihr allmählich zu Kopf.
„Ein kleiner Störfall, der für uns sehr unangenehm hätte werden können. Aber ich habe mich darum gekümmert, Ihr müsst Euch also keine Sorgen machen.“
Sie schaute verbittert auf das leer Glas vor sich.
„Ein kleiner Mann, den niemand vermissen wird, hatte eben leider einen tödlichen Unfall… mehr nicht. Das Weltengefüge bleibt erhalten und alles wird gut.“
Sie schaute Vernita wieder an. „So ist es doch, oder?“


„Hmm, ich verstehe“, murmelte Vernita, bevor sie Rowan ihr Glas hinüberschob. „Hier trinkt das. Ich glaube, Ihr braucht das nötiger als ich.“
Die Elfe überlegte kurz, wobei sie das Gesicht verzog. „Ich denke, Ihr habt das Richtige getan, wenn Ihr uns vor einer Enttarnung bewahrt habt. Auch wenn ich mir wünschte, dass Ihr das mir überlassen hättet. Dann hättet Ihr Euer Gewissen nicht damit belasten müssen. Doch nun ist es zu spät. Ich kann nichts sagen oder tun, was Euch Trost spenden wird. Aber es ist wie Ihr es schon sagtet. Ein Mann ist tot, doch die Welt dreht sich weiter.“
Sie machte eine kurze Pause, bevor sie mit ernster Stimme weitersprach. „Aber was wäre geschehen, wenn Ihr diesen Mann verschont hättet? Vermutlich wären wir alle dann tot, und wer sollte dann diese Geschichte hier zu Ende bringen? Durch den Tod dieses Mannes rettet Ihr wahrscheinlich vielen anderen das Leben. Das ist der Preis, den wir ‚Helden‘ zahlen müssen, um große Dinge zum Wohle der Gemeinschaft vollbringen zu können. Er ist hoch, doch wenn wir nichts tun, dann ist er tausendfach höher. Denkt darüber nach. Auch wenn es Euch nicht leicht fallen wird, so werdet Ihr am Ende erkennen, dass ich recht habe.“


Spöttisch stieß Rowan die Luft aus. Sie kippte den Alkohol hinunter und warf dann das Glas vor Wut an die Wand hinter dem Wirt. Dieser schaute sie mit Entsetzen an.
„Natürlich habt Ihr recht! Danke für den Beistand ich fühle mich gleich besser!“ Ihre Worte waren voller Bitterkeit.
Sie sprang auf und stieß dabei ihren Stuhl um. Einen Moment wankte sie dann stürmte sie aus der Taverne und blieb direkt daneben stehen. Die kühle Nachtluft strich ihr über das erhitzte Gesicht und sie rutschte mit dem Rücken an der Wand auf den Boden. Den Kopf ließ sie auf ihre angezogenen Knie sinken. Tränen liefen ihr über das Gesicht.


Vernita sah Rowan nach, als diese aus der Taverne stürmte. Für einen Moment überlegte sie, was sie tun sollte. Dann seufzte sie einmal, stand auf und folgte ihr nach draußen. Sie wollte verhindern, dass die Frau eine Dummheit begann. Doch allzu lange musste sie nicht nach ihr suchen, da sie neben dem Eingang saß und weinte.
Die Elfe setzte sich neben ihr auf den Boden und sah sie an. „Darf ich mich zu Euch setzten? Oder wollt Ihr lieber allein sein?“


Rowan spürte, wie sich jemand neben sie setzte und schaute herüber. Sie blickte Vernita ins Gesicht und plötzlich brachen alle Dämme in ihr. Sie warf sich der Elfe in die Arme und ließ ihren Tränen freien Lauf. Die Rüstung stach sie in die Schulter und den Hals, doch sie achtete nicht darauf.
War es der Alkohol, der sie dazu brachte? Oder die lange Einsamkeit, die sie hinter sich hatte?
In diesem Moment konnte sie an nichts denken. Rowan fühlte sich wie ein Fass, das die Zeit ihres Lebens beständig gefüllt worden war. Und der Mann, dessen Leben sie beendet hatte, war der letzte Tropfen, der es zum Überlaufen brachte. Genau genommen konnte sie sich nicht daran erinnern, wann sie das letzte Mal richtig geweint hatte. Das lag lange in ihrer Kindheit zurück. Und in ihrer Ausbildung waren solche Gefühle verpönt gewesen. Sie war darauf getrimmt worden, hart zu sein und keine Gefühle zu zeigen, außer denen, die sie anderen vorspielte um an ihr Ziel zu kommen. Seit sie davon geflohen war, hatte sie sich keinem mehr anvertraut und war die meiste Zeit alleine unterwegs gewesen.
Und jetzt in dieser Gruppe... es ließ sie nicht kalt zu sehen, wie vertraut die anderen zum Teil miteinander umgingen. Rowan kannte das nicht. Sie wusste nicht, wie sie darauf reagieren sollte. Aber im Moment war es ihr egal. Sollte die Elfe denken, was sie wollte. Rowan konnte immer noch alles auf den Alkohol schieben.


Vernita ließ Rowan gewähren. Sie zog sich nur die Panzerhandschuhe aus und warf diese zu Boden, damit sie der Frau tröstend auf den Rücken klopfen konnte, ohne ihr die Schulterblätter zu brechen. Doch sie sagte nichts. Es gab nichts zu sagen. Worte waren in diesem Moment überflüssig. Vernita war sich sicher, dass Rowan keines tröstenden Zuspruches bedurfte. Sie brauchte nur die Nähe einer anderen Person und deren Schulter, an der sie sich ausweinen konnte.
So ließ die Elfe sie weinen. Sie sollte sich den ganzen Schmerz, die ganze Verzweiflung oder was auch immer auf ihrer Seele lag mit diesen Tränen von sich spülen. Was auch immer auf dem Gewissen oder dem Herzen der jungen Frau lastete, sie sollte es einfach herauslassen.
Vernita lächelte innerlich. Es war noch gar nicht so lange her, vielleicht ein paar Wochen, da hätte sie Rowan ausgelacht. Hätte sie als Memme oder Heulsuse bezeichnet und ihr gesagt, sie solle sich doch zurück in Mamas Schoß verkriechen, wenn sie für jeden Scheiß flennen musste. Doch diese Lebensauffassung schien schon so lange her zu sein, obwohl sie selbst erst vor kurzem die Fähigkeit zu weinen wiedererlangt hatte, die sie für sich selbst für immer verloren glaubte.
Vor nicht allzu langer Zeit hatte sie das Weinen an sich auch noch als Schwäche empfunden, als eine Beschäftigung für Waschlappen und Weichlinge, doch inzwischen sah sie die Sache mit ganz anderen Augen. Sie war davon überzeugt, dass es viel Mut und Kraft erforderte, seine Gefühle so offen vor einer anderen Person zu zeigen, die man selbst eigentlich kaum kannte.
Vernita hatte in diesem Augenblick großen Respekt vor Rowans Offenheit, wo sie sich doch bisher immer sehr abweisend ihr gegenüber verhalten hatte, wenn sie versucht hatte, der Frau näher zu kommen. Lag dieser plötzliche Sinneswandel vielleicht am Alkohol? Oder öffnete sich die blondhaarige Frau jetzt endlich einmal? Die Elfe mochte Rowan, wenn ihre Gefühl ihr gegenüber auch anders war, wie das welches sie für Miandra empfand.
So ließ die Elfe die blonde Frau weiter weinen, was einige Zeit dauerte. Als Rowan dann keine Tränen mehr hatte und nur noch leise schluchzte, löste sich Vernita ganz langsam von ihr. Sie sah Rowan tief in deren glasige, verquollene Augen und schenkte ihr ein warmes Lächeln.
„Geht es Euch jetzt etwas besser, Rowan?“ fragte Vernita liebevoll. Sie war über sich und ihre neue sanfte Seite selbst überrascht. „Falls Ihr jetzt noch jemanden zum Reden braucht, so bin ich für Euch da.“


Rowan wischte sich die letzten Tränen aus den Augen und räusperte sich.
„Danke“, war alles was sie heraus bekam.
Dann stand sie auf und klopfte sich verlegen den Staub von der Rüstung. Sie wandte sich um und wollte tiefer in die Straße hinein laufen, doch kurz hielt sie noch inne.
„Wir sehen uns beim Frühstück. Dann könnt Ihr mir vielleicht erzählen, wie es weiter gehen soll.“ Sie drehte sich zu der Elfe um. „Wenn Ihr nichts dagegen habt, werde ich Euch begleiten."
Dann verschwand sie in der dunklen Gasse und fiel in einen leichten Laufschritt. Mit einem leisen Klopfen schlug ihr Bogen bei jedem Schritt sacht gegen das Leder ihrer Rüstung. Ihr Atem beschleunigte sich und ihr Kopf klarte mehr und mehr auf.
Am Ende der Straße nahm sie Anlauf und schwang sich auf ein niedriges Schuppendach hinauf. Von dort aus kletterte sie auf ein Hausdach bis zu einem hoch gelegenen Mauervorsprung. Sie setzte sich mit dem Rücken gegen den harten Stein und schaute dabei zu, wie eben das letzte Licht im Westen verschwand und sich die Dunkelheit über das Land senkte. Nach und nach erschienen die Sterne am Himmel und die Stadt wurde leiser.


„Gern geschehen. Immer wieder gern, Süße“, meinte Vernita noch leise, nachdem sich Rowan bereits entfernt hatte. Die Elfe selbst sammelte ihre Panzerhandschuhe wieder ein und ging zurück in die Taverne. Ohne weitere Verzögerung stieg sie die Treppe hinauf und machte sich auf den Weg in ihr Zimmer. Morgen war ein wichtiger Tag, da musste sie frisch und ausgeruht sein.
Sie zog ihre Rüstung aus und legte sich in ihr Bett. Ein zufriedenes Lächeln legte sich auf ihr Lippen. Der Tag endete trotz aller tragischen Zwischenfälle ziemlich gut für Vernita. Sie schien Miandra davon abgehalten zu haben, durch den Tod ihrer Eltern vom Weg abzukommen, und auch Rowan schien sich ihr langsam zu öffnen. Was wollte sie noch mehr? Nach kurzer Zeit schlief sie zum ersten Mal seit Wochen wieder friedlich ein.
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BeitragThema: Re: Kapitel XIII - Bekannte Gesichter   Mi 10 Aug 2011, 11:04 pm

Azoth saß eine beachtliche Zeit einfach nur auf dem Bett. Er starrte an die Wand, von dort wieder zu dem Bett, welches fast völlig in Blut getränkt war. Er hatte eine beachtliche Menge Blut verloren, aber es kümmerte ihn nicht. Dennoch, wenn er dort schlafen wollte, musste wohl oder übel das Bett frisch bezogen werden.
Also rappelte er sich auf und schwankte dabei etwas. Er wollte hinunter zum Schankraum, den Wirt um frische Bettwäsche bitten, und vielleicht auch etwas zu trinken holen. Nicht vielleicht, sondern er musste trinken. Aber irgendwie war ihm das nicht so recht.
Trotzdem ging er aus der Tür und schloss diese ab. Er seufzte und hielt sich kurz die Hand an die Stirn, da sich immer noch alles drehte. Und sollte er Rowan treffen, so wollte er ihr auch noch danken. Das war ihm zuvor wohl entfallen.
Azoth ging daher ein paar Schritte weiter, als er - ausgerechnet vor Miandras Zimmer - mit einem lauten Rums zu Boden fiel.


Miandra schlief noch nicht obwohl sie hundemüde war, ihr wollten diese vielen Ereignisse des Tages nicht aus dem Kopf gehen. Plötzlich hörte sie etwas und schnappte reflexartig nach einem ihrer Dolche. Ihre Waffen lagen alle neben dem Bett am Fußboden. Als sie aufblickte und bemerkte, dass sie noch immer alleine im Zimmer war, stand sie auf und ging zur Türe, da sie sich sicher war, dass dieses Geräusch von dort gekommen war. Sie ging nur bekleidet mit einer weißen Leinenbluse und einer dunklen kurzen Leinenhose, jedoch mit dem Dolch und Kurzschwert zu der Tür.
Als sie aufsperrte und die Türe öffnete, fiel ihr diese sofort entgegen, da irgendetwas Druck darauf ausübte. Sie sprang zurück, und ging in Kampfhaltung.
Dann blickte sie etwas verwirrt zu Boden.
Azoth lag nun genau im Türbogen, den Kopf bereits in ihrem Zimmer und sah aus als hätte er eine Schlacht hinter sich. Sein Gesicht war blutverschmiert ebenso wie ein Teil seiner Rüstung.
Miandra lief zu der Tür, blickte am Gang nach links und nach rechts, um zu sehen ob irgendwelche Banditen oder dergleichen dafür verantwortlich waren, und hier noch irgendwo herumgeisterten.
Links. Nichts.
Rechts. Nichts.
Seufzend steckte sie ihre Waffen weg, und blickte nach unten. Ihr fiel wieder ein, dass er bereits zu Mittag aus der Nase geblutet hatte... weil er sie geheilt hatte, oder dergleichen. Sie dachte noch eine Weile nach, beschloss jedoch ihn erstmals in ihr Zimmer zu zerren. Schließlich konnte sie ihn schlecht am Flur liegen lassen... auch wenn sie seine Beweggründe nicht verstand, so hatte er ihr bisher nichts Böses gewollt. Und sie wusste, dass sie jedwede Hilfe brauchte um ihre Tochter zu finden. Sie konnte ihre Helfer schließlich nicht einfach vor ihren Augen sterben lassen. Nein, sie tat das nicht aus Mitleid.
Sie packte ihn an den Armen und zog ihn in ihr Zimmer, so weit, dass sie die Türe schließen konnte - was sie auch tat. Anschließend entzündete sie einige Kerzen, um besser sehen zu können. Sie begutachtete kurz seine Nase, doch all das Blut schien bereits eingetrocknet zu sein. Sie fand keine frische Wunde.
Seufzend und nachdenklich ging sie einen Moment auf und ab, und überlegte. Ihr fiel der Eimer mit dem Wasser ins Blickfeld, welchen sie zuvor nutzte um sich zu waschen, schnappte diesen und leerte all das Wasser über seinen Kopf, in der Hoffnung, dass er so aufwachen würde.


Azoth erwachte voller Schreck als er plötzlich eine volle Ladung Wasser ins Gesicht bekam. Er setzte sich auf und wollte zu den Waffen greifen. Verwirrt blickte er sich in dem Raum um, bis er sah, dass Miandra vor ihm stand. Dann seufzte er und fuhr sich mit den Händen einmal übers Gesicht.
„Verdammt. Ihr habt mich völlig erschreckt. Aber waschen wollte ich mich doch selbst“, begann er zu lachen.
Ihm wurde wieder schummrig vor Augen, und ihm fiel ein wieder ein, wieso er überhaupt vor ihrer Tür war.
„Ich war auf dem Weg zum Wirt, um mir etwas Wasser zum Trinken zu holen. Ich hatte eine beachtliche Menge Blut verloren.“


Mit verschränkten Armen musterte sie ihn und begann zu schmunzeln. „Ja, das war auch der Sinn dieser Aktion. Und keine Sorge ich werde Euch nicht waschen.“
Sie sah, dass er extrem blass war und wohl noch nicht aufstehen konnte, sofern er nicht wieder umfallen wollte, auch wenn er seinen schwachen Zustand mit einem Lachen überspielen wollte.
Sie seufzte. „Wartet hier... wobei weggehen könnt Ihr ohnehin nicht.“
Mit einem Lachen verschwand sie aus der Tür in den Schankraum, welcher komplett leer war. Nur der Wirt war zu sehen, welcher gerade den Boden fegte. Scheinbar wollte er mit dem Wiederaufbau seiner Taverne doch nicht so lange warten bis sie verschwunden waren.
„Einen großen Krug mit Wasser bitte... und eine Flasche Rotwein“, der Wirt drehte sich um und blickte Miandra mit einem Lächeln an. Wohl aufgrund ihrer eher freizügigen Kleidung. Doch sie ignorierte das, da er sofort in die Küche verschwand und ihr die gesagten Dinge aushändigte. Ohne sich zu bedanken, stieg sie die Treppen hinauf, zurück in ihr Zimmer.
Sie schloss die Türe ab, stellte den Krug mit dem Wasser neben Azoth auf den Boden. Miandra setzte sich auf einen der Stühle, und stellte die Weinflasche auf den Tisch. Sie lehnte sich zurück und fixierte den Elf mit ihren Augen.
„Los trinkt schon, ich habe nicht vor, Euch die gesamte Nacht hier Quartier zu gewähren.“


Azoth musterte Miandra, zog seine Augenbraue hoch, und begann zu schmunzeln. Dann blickte er zu der Weinflasche die sie abstellte, und seufzte.
„Wenn Ihr die Flasche Wein trinken wollt, werde ich die ganze Nacht hier verbringen“, begann er zu lachen.
Dann versuchte er aufzustehen, und war dabei rückwärts umzufliegen. Doch dem Erbauer sei Dank, befand sich dort der Stuhl, auf dem er landete.


„Ihr solltet lieber erst trinken, bevor Ihr irgendwelche Kunststücke versucht. Und ich habe nicht vor diese Flasche leer zu trinken“, entgegnete sie leicht genervt.
„Der Tag war lange, und ich konnte nicht schlafen. Also wieso nicht?“, fügte sie schulterzuckend hinzu, und öffnete provokant die Flasche und nahm einen Schluck daraus, bevor die diese wieder abstellte und zu lachen begann. „Aber Euch würde sie vielleicht ganz gut tun, um etwas Farbe im Gesicht zu bekommen.“


Azoth verzog seine Miene zu einer ausdruckslosen. Miandra war äußerst provokativ, vor allen wenn es um Alkohol ging. Er bückte sich zum Boden und hob den Krug auf. Daraus trank er ein Schluck ehe er ihn auf dem Tisch abstellte.
Fest fixierte er sie mit seinem Blick. „Ihr sauft dieses Gebräu, wisst jedoch was passieren kann, und was Euer ach so lieber Vater damit anstellte. Wie es ihn zu einem Rüpel verwandelte. Genau das tut es auch mit Frauen! Und nun, obwohl Ihr das alles erlebt habt, trinkt Ihr selbst!“, sagte er erbost.
Dann nahm die Flasche, und warf sie gegen die Wand neben des Fensters. Eigentlich sollte die Flasche den Weg aus dem Fenster finden. Aber seine Sinne schienen noch nicht alle wieder in Ordnung zu sein.
„Miandra, das ist der falsche Weg. Selbst wenn Ihr es zum Schlafen benutzen wollt. Irgendwann wollt Ihr es jeden Abend zum Schlafen...“


Ungläubig sah sie zu, wie die Flasche in tausend Splitter zersprang, und sich der rote Wein wie Blut an der Wand und am Boden ausbreitete. Wütend über die Worte die er ihr zuwarf, und erschrocken über seine Handlung, sprang sie auf und gab ihm eine Ohrfeige, die bestimmt weh tat.
„Oh ja und Ihr braucht den Alkohol scheinbar nicht um irgendwelche dummen Handlungen zu begehen“, sie zeigte auf die zerbrochene Flasche. „Ich weiß, dass es der falsche Weg ist, ich weiß, dass Alkohol nicht gut ist!“
Plötzlich stand sie da und wusste nicht was sie weiter sagen sollte, ihr fiel kein Aber ein. Stattdessen ließ sie sich wütend mit verschränkten Armen zurück in den Stuhl fallen, und sah aus wie ein schmollendes Kind. Er hatte recht, und das gefiel ihr nicht.


In diesem Moment rauschte pures Adrenalin durch Azoths Adern. Er beobachtete Miandra, jede ihrer Handlungen, auch wie sie sich wieder hinsetzte. Das alles geschah wie in Zeitlupe. Bis er ein leichtes Ziehen an seiner Wange spürte. Er legte seine Hand darauf und begann zu grinsen.
„Ich wusste, wir verstehen uns“, meinte er. Denn Miandra sagte nichts weiter. Das zeigte nur, dass sie wusste, dass er recht hatte. Schmollend saß sie vor ihm und er begann nur noch breiter zu grinsen. Irgendwie gefiel ihm das.
„Ihr wolltet wissen, warum ich Euch helfe. Wollt Ihr es erfahren?“ fragte er, während er ihr lächelnd in die Augen blickte. Dabei hoffte er, dass sie es niemandem erzählen würde. Das war nur zum Schutz für jemanden.


„Abgesehen davon, weil Ihr es versprochen habt, weil Ihr auf mich geprägt seid, weil ich Eurer verstorbenen Freundin ähnlich sehe und abgesehen davon, dass Ihr Mitleid mit mir habt aufgrund meiner Vergangenheit?“, erwiderte sie sarkastisch.
„Oh ja, bitte verratet mir das Geheimnis des großes Azoths! Vielleicht kann ich dann endlich nachts ruhig schlafen!“, fügte sie wieder voller Sarkasmus und extrem theatralisch sowie leicht genervt hinzu, wohl aufgrund dessen, da er sie ständig anlächelte.


Er seufzte. Miandra begann ihm alles an den Kopf zu werfen, was er jemals sagte. Keine gute Methode.
„Mitleid habe ich keines mit Euch. Jedem widerfahren andere Sachen“, seufzte er. „Aber darum geht es nicht. Ich erzähle es Euch, weil ich Euch vertraue. Ich habe selbst... ein Kind“, er blickte wieder in ihre Augen. „Sie heißt Ciara. Seit ich aus dem Gesindeviertel geflohen bin weiß ich weder wie sie aussieht, noch wie es ihr geht, oder ob sie noch bei der Familie ist bei der ich sie abgab. Ich weiß nur, dass sie jetzt zehn Jahre alt sein müsste“, meinte er monoton und trank einen Schluck Wasser. „Um die Sicherheit meiner Tochter zu schützen, bitte ich Euch, niemandem davon etwas zu verraten. Nicht einmal Vernita!“


Damit hatte Miandra nicht gerechnet, und sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie ließ die Worte einen Augenblick auf sich wirken, bevor sie sich räusperte: „Ich verstehe.“
Sie hielt einen schier langen Moment inne, bevor sie fortfuhr. „Ich verstehe zwar nicht, wieso Ihr mir vertraut, aber gut, ich sollte aufhören alles zu hinterfragen. Wann habt Ihr sie das letzte Mal gesehen? Und beim Erbauer, wie kommt Ihr darauf, dass ich es Vernita erzählen sollte, wenn Ihr Niemanden sagt.“
Es war nicht so, dass sie Vernita nicht alles erzählen würde, schließlich vertraute sie ihr, aber sie wollte nicht, dass er erfuhr, was Vernita für sie empfand. Doch scheinbar sah er bereits, dass sie einander gut verstanden. Doch was sie selbst von dem Ganzen halten sollte, wusste sie noch immer nicht, doch sie verdrängte die Gedanken, schließlich war das gerade nicht das Thema.
Aber wenn Azoth wirklich die Wahrheit sagte, so könnte es durchaus möglich sein, dass seine Tochter - ohne dass er es wusste - ebenfalls entführt wurde. Das wäre immerhin ein plausibler Grund, wieso er mit ihnen reiste - abgesehen von den anderen ‚Gründen‘... Dennoch würde er seine Tochter überhaupt erkennen, wenn sie vor ihm stünde? Und wieso gab er sie bei einer anderen Familie ab, bedeutete sie ihm vielleicht gar nicht so viel, wie er gerade zu behaupten schien?
Nachdenklich blickte sie nach unten.


Nachdenklich blickte Azoth zum Fenster. Er wusste wirklich nicht viel über seine Kleine. Nicht einmal wie sie aussah, und das stimmte ihn in diesem Moment ein wenig traurig. Es gab keinerlei Hoffnung, seine Tochter zu finden.
„Ich sah sie das letzte Mal vor neun Jahren. Als Verena und ich aus dem Gesindeviertel flohen. Wir wollten nach Denerim, und wussten, wir würden viel in der Wildnis unterwegs sein, wo es gefährlicher ist als in so einem Viertel. Wir konnten sie nicht mitnehmen“, er seufzte.
„Aber ich würde alles dafür geben, sie jemals wieder zu sehen, auch wenn keine Hoffnung besteht. Vielleicht hoffe ich nur einfach innerlich, sie nicht bei den Entführern zu finden. Aber wie sollte das auch gehen, wenn ich nur weiß, wie sie aussah als sie ein Jahr alt war. Aber besser alle zu retten, als keinen.“
Dann versuchte er etwas zu grinsen, die nachdenkliche und trauernde Miene abzusetzen. „Hoffen wir einfach, dass wir diese Kinder und Eure Tochter finden“, meinte er daher etwas aufbauend.



„Denkt Ihr, dass auch in Tevinter Kinder entführt werden? Wieso wart Ihr in den letzten neun Jahren nicht nachsehen, ob die Familie, bei der Ihr sie abgegeben habt, noch lebt, sie dort noch ein unbeschadetes Leben führt? Aber ich muss Euch recht geben, die Wildnis ist kein Ort für einen Säugling... auch wenn ich persönlich es wohl nie übers Herz gebracht hätte, meine Tochter irgendwo abzugeben, so verstehe ich Eure Denkweise… Lasst nur hoffen, dass sie dort ein normales gefahrenfreies Leben führen kann... und ja.. lasst uns hoffen, dass wir sie lebendig wiederfinden.“
Nachdenklich blickte sie geradeaus, wusste nicht was sie noch hätte sagen können. Es war schade, dass er sein Kind nicht dabei beobachten konnte wie es heranwuchs. Tag für Tag neue Dinge entdeckte und erlernte, dabei eine eigene Persönlichkeit entwickelte. Nicht wusste, welches die Lieblingsgeschichte, das Lieblingslied oder Lieblingsessen des Kindes war. Und nicht wusste, welche Verantwortung und Angst damit verbunden war. Sorgem wenn man es beim Spielen beobachtet, da man fürchtet, dass es sich verletzt. Angst, es alleine zu lassen...
Nein, weder er noch Vernita wussten, wie schön und zugleich belastend es war, Mutter oder Vater zu sein, und es kränkte sie, dass ihnen die Chance genommen wurde, es jemals zu erfahren.
Ihr Blick wurde traurig, als sie an all das, und dabei an ihre Tochter, denken musste und sie begann unbewusst mit den Fingern nervös auf dem Tisch zu trommeln.


Azoth nahm einen Schluck aus dem Krug Wasser. Er fühlte sich leer, wenn er an seine Tochter denken musste. Und er hatte bisher mit niemandem darüber geredet. Nur mit Verena und Kylar. Nur die beiden wussten von seiner Tochter. Aufmerksam lauschte er Miandras Worten. Man konnte hören, das aus ihr die Mutter sprach.
„Ich hoffe wirklich, dass in Tevinter nicht auch Kinder entführt wurden. Ich weiß nicht was ich mit den Entführern mache, sollte das der Fall sein. Schnell würden sie jedenfalls nicht sterben. Warum ich nicht nachsehen war? Ihr wisst doch von meinen Fähigkeiten, und es war mir bis zu dem Treffen mit dem Ersten Verzauberer unmöglich sie zu kontrollieren. Was, wenn meiner Tochter was geschehen wäre?“, seufzte er.
Dieser Magier hatte ihm sein Leben genommen. Hätte er nicht versucht, ihn umzubringen, könnte er ein einigermaßen normales Leben führen, und bei seiner Tochter sein. Und sehen, wie sie älter wurde.


„Ihr habt Verena wegen Euren Fähigkeiten getötet und hattet Angst, dass Euch das ein zweites Mal widerfahren würde, nicht wahr?“
, erwiderte sie ernst und blickte ihn von der Seite durchdringend an. „Daher seid Ihr nicht zurückgekehrt, um nachzusehen. Doch Ihr sagtet, dass Ihr sie nun zu kontrollieren wisst. Werdet Ihr nach dieser... Aufgabe... zurück nach Tevinter reisen, um nachzusehen?“


Azoth erwiderte Miandras Blicke, und schaute sie direkt an.
„Natürlich hatte ich Angst“, erwiderte er ernst. „Ich könnte es mir nie verzeihen, wenn ich auch noch Ciara töten würde. Und wenn wir diese... Aufgabe abgeschlossen haben, ich weiß nicht so recht ob ich nach Tevinter gehe. Was ist wenn sie dort glücklich ist und auch eine zweite Mutter hat? Ich würde dieses Glück nur zerstören...“, sagte er seufzend und blickte bedrückt auf den Tisch.


„Ich würde an Eurer Stelle hingehen. Ich würde von weitem, unerkennbar, Ausschau halten. Wenn ich sie gefunden hätte, würde ich sie beobachten, um zu sehen, ob es ihr gut geht. Denn man kann nie wissen, was so alles hinter den Hausmauern abläuft... Ich würde es einerseits tun, um besser schlafen zu können, andererseits, einfach weil es meine Pflicht wäre zu wissen, ob es ihr gut geht. Glauben und hoffen kann man viel, doch Kontrolle ist immer besser als Vertrauen.“
Sie seufzte und musterte ihn kurz. Wirklich viel besser sah er immer noch nicht aus, aber wenigstens hatte er inzwischen viel getrunken. Sie stand auf, schnappte sich ihre Tasche und begann darin herumzukramen. Sie zog einen Beutel hervor, welchen sie auf den Tisch warf, und sich anschließend wieder hinsetzte.
„Darin sind getrocknete süßliche Früchte und Trockenfleisch. Ihr solltet etwas essen“, sagte sie ohne ihn anzusehen.


Azoth blickte auf das verteilte Essen am Tisch, und schüttelte den Kopf. Er hatte wirklich keinen Hunger, und zu essen war ihm im Moment auch nicht zumute. Da es eh schon nachts war, dauerte es ja nicht mehr lange bis zum Frühstück.
„Und wenn ich das mache? Ich würde sie nicht erkennen, und sie mich nicht. Und was mache ich, wenn ihr dadurch etwas zustößt, nur weil ich mich ihr genähert habe? Könnte ja sein, dass mich irgendwer verfolgt und meinen Tod will“, abermals seufzte er. „Würde ich es überhaupt schaffen, alleine bis nach Tevinter? Ihr wisst nicht wie schwer es war, nach Ferelden zu marschieren. Da hatte ich ja noch Verena...“


Genervt blickte sie zu Azoth. „Für mich klingt Ihr gerade wie eine Heulsuse. Anstatt, dass Ihr Euch darüber sicher seid, dass Ihr genug Kontrolle über Euch selbst erlangt habt, in den letzten neun Jahren um zurückzugehen und nachzusehen wie es ihr geht, habt Ihr Angst, dass Ihr es nicht alleine bis nach Tevinter schaffen könntet, oder dass Ihr sie nicht erkennen würdet!? Glaubt mir, wenn Ihr die Ähnlichkeit Eurer geliebten Verena in den Augen des Kindes seht, dann wisst Ihr beim ersten Blick, dass es sich um Eure Tochter handelt. Und ich würde lieber die Angst, dass ich meinem eigenen Kind etwas antun könnte - was ich niemals tun würde - in Kauf nehmen, anstatt nicht zu wissen, welche schlechten Erfahrungen sie vielleicht schon durchstehen musste“, sie blickte auf den Tisch. „Esst gefälligst, oder wollt Ihr, dass ich Euch zwangsernähre? Esst, trinkt Euer Wasser aus, und geht schlafen, damit ich das auch tun kann.“


Ihm fiel darauf keine Antwort ein. Denn irgendwie hatte Miandra recht. Jetzt wusste er nicht mehr was er antworten sollte. Stattdessen nahm er das Essen, schluckte es runter, und trank den Krug Wasser daraufhin aus.
„Ihr habt recht, aber wir werden sehen, wie es sich entwickelt“, sagte er, ehe er aufstand. Als er sich an die Tür wandte, blickte er noch einmal zurück. „Eine erholsame Nacht wünsche ich Euch Miandra.“ Dann verschwand er und schloss die Türe hinter sich.
Er machte sich direkt auf den Weg zum Wirt, wo er sich neue Bettwäsche holte. Damit ging er wieder aufs Zimmer und die gesamte Zeit über hallten die Worte, die Miandra sagte, durch seinen Kopf. Sie hatte wirklich recht. Vielleicht sollte er wirklich nach Ciara sehen, um zu wissen, ob es ihr gut ging.
Er seufzte und bezog das Bett frisch, während er das alte Bettzeug einfach in die Ecke warf. Nachdem er sich ausgezogen und sich in Unterwäsche bekleidet auf das Bett gelegt hatte, starrte er einfach an die Decke. Er war nicht müde, konnte nicht schlafen. Zufiel schwirrte in seinem Kopf umher.


Kopfschüttelnd stand Miandra auf und schloss die Türe ab, nachdem Azoth verschwunden war. ‚Komischer Kerl‘, dachte sie sich nur, als die Kerzen wieder ausblies und sich zurück ins Bett kuschelte. Sofort einschlafen konnte sie nicht. Zu Vieles ging ihr durch den Kopf. Sie verdrängte die Ereignisse des Tages und schlief dann doch nach geraumer Zeit, mit dem Bild ihrer Tochter vor den Augen, ein.

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