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 Kapitel XIV - Ein alter und neuer Gefährte

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Allie
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BeitragThema: Kapitel XIV - Ein alter und neuer Gefährte   Do 11 Aug 2011, 1:57 pm

Denerim

Kapitel XIV - Ein alter und neuer Gefährte

Aktive Charaktere: Azoth, Hennrik, Leanora, Lydia, Miandra, Rowan, Sareth, Vernita

Vernita wachte auf. Sie öffnete einfach die Augen und richtete sich auf. Die ersten Sonnenstrahlen fielen durch das Fenster. Die Elfe stand auf und wusch sich mit dem alten Wasser, das schon recht schmutzig und abgestanden war. Sobald sie unten war, würde sie beim Wirt neues bestellen. Doch für heute würde es noch gehen.
Nachdem sich Vernita gewaschen hatte, zog sie sich die Rüstung wieder an und verließ ihr Zimmer. Sie ging nach unten in den Schankraum, wo außer dem Wirt noch niemand war. So bestellte sie sich etwas zu Essen und einen Krug Wasser, bevor sie sich an einen Tisch setzte und auf ihr Frühstück wartete.


Rowan beobachtete wie sich der Himmel im Westen aufhellte. Schon lange vorher hatten die Vögel mit ihrem Morgenkonzert begonnen. Ruhe hatte sich in Rowans Herzen breit gemacht. Eine Weile blieb sie noch sitzen und sah der Sonne beim Aufgehen zu.
Mit einem beherzten Sprung verließ sie den Mauervorsprung und lief zurück zur Taverne. Ihr Puls hatte sich beschleunigt, als sie an der Tür ankam. Sie trat ein und sah Vernita an einem Tisch sitzen. Rowan setzte sich zu ihr und bestellte etwas Obst und Wasser beim Wirt.


„Guten Morgen, Rowan“, begrüßte Vernita die blonde Frau lächelnd, als diese sich zu ihr an den Tisch setzte. „Ihr seht schon viel besser aus. Ich hoffe, Ihr habt wenigstens ein wenig geschlafen und seid nicht die ganze Nacht durch die Stadt geirrt.“
Die Elfe machte eine kurze Pause, als der Wirt zu ihnen kam, Vernitas Frühstück auf den Tisch stellte und Rowans Bestellung aufnahm. Nachdem der Mann kurz darauf wieder verschwunden war, fuhr sie fort.
„Ihr hattet mir gestern Abend noch einige Frage gestellt, seid dann aber so schnell verschwunden, dass ich gar keine Gelegenheit mehr hatte Euch zu antworten.“ Vernitas Lächeln wurde zu einem verschmitzten Grinsen. „Nun, wie es weitergeht kann ich Euch wohl erst heute Nachmittag mitteilen, nachdem ich mich mit einem alten Geschäftspartner getroffen habe, der uns mit Sicherheit mit einigen wertvollen Informationen versorgen kann. Er ist ein Experte auf diesem Gebiet, müsst Ihr wissen. Er wird wissen, was wir wissen müssen. Und was die andere Sache betrifft...“
Die Elfe hielt einen Moment inne, um ein Schluck Wasser zu trinken und um darauf zu warten, dass der Wirt wieder verschwand, der nun erneut zu den beiden Frauen getreten war, um das von Rowan bestellte Obst und Wasser auf den Tisch zu stellen. Sie redete erst weiter, als er wieder zurück in seine Küche marschiert war.
„Ich habe absolut nichts dagegen, dass Ihr uns begleiten wollt“, meinte sie, wobei ihre Miene wieder ernst wurde. „Ihr solltet Euch allerdings darüber im Klaren sein, dass wir uns hier mit Gestalten anlegen werden, die allen Anschein nach sehr mächtig sind. Ich kann also niemandem versprechen, dass wir diese Geschichte zu einem guten Ende führen können oder sie auch nur überleben. Sollte Euch das allerdings nicht abschrecken, so würde es mich wirklich sehr freuen, Euch an meiner Seite zu wissen.“
Vernita fing wieder an zu lächeln, bevor sie sich schließlich über ihr Frühstück hermachte.


„Und wie ich Euch bereits sagte, kann ich gut auf mich aufpassen. Ihr müsst Euch also keine Gedanken machen.“
Sie biss herzhaft in ihren Apfel hinein und kaute genüsslich. Auch der zweite war schnell verspeist und sie spülte die Reste mit ihrem Wasser hinunter.


Es dämmerte und einige Vögel die sich in die Stadt verirrt hatten, setzten sich an Fensterbrettern nieder und begannen ihre täglichen Lieder zu trällern. Bei dem Geräusch erwachte Miandra und fühlte sich für einen kurzen Moment wie zu Hause, wo sie jeden Tag auf diese Weise geweckt wurde. Doch als sie sich aufsetzte, realisierte sie schnell wieder, wo sie sich befand.
Sie legte sich sorgsam ihre Rüstung an, kämmte sich ihre langen schwarzen Haare, welche ziemlich zerzaust waren, und ließ ihren Blick für einen zeitlosen Moment aus dem Fenster gleiten. Seufzend wandte sie den Blick ab, legte ihren Waffengurt an, und verließ das Zimmer.
Nachdem sie die Treppen hinabgestiegen war, und den Schankraum erreichte, fiel ihr Blick sofort auf Vernita und Rowan, die bereits an einem der Tische saßen. Zielstrebig ging sie zum Wirt, bestellte ein Glas Wasser und zwei Brote, und setzte sich anschließend wortlos an den Tisch der beiden.
Sie musterte Rowan einen Augenblick, wandte den Blick jedoch schnell wieder ab.
„Ich werde mich nach dem Essen zu Wade begeben, aber ich denke, dass ich das alleine hinkriege.“
Der Wirt kam herbeigeeilt und stellte das bestellte Essen auf den Tisch, bevor er wieder in der Küche verschwand.
„Wann werdet Ihr Euren Kontaktmann treffen, Verntia?“, fuhr sie schließlich etwas leiser fort, als der Wirt wieder verschwunden war, und nahm einen Schluck von dem Wasser.


Rowan steckte die Nektarine welche übrig geblieben war in ihren Rucksack und stand dann auf, kaum dass sie ihr kurzes Mahl beendet hatte.
„Ihr entschuldigt mich. Ich werde mir die Zeit bis zum Nachmittag in der Stadt vertreiben. Es sieht so aus, als gäbe es heute schönes Wetter. Wir sehen uns dann später und können dann alles weitere besprechen.“
Damit verließ sie die Taverne und verschwand in der Stadt.


„Ja, wir sehen uns dann, Rowan“, meinte Vernita noch, als die blonde Frau aufstand und die Taverne verließ. Nachdem sie verschwunden war, wandte sich die Elfe Miandra zu.
„Nun, das Treffen ist erst um die Mittagszeit, allerdings traue ich meinem alten Geschäftspartner auch nicht weiter, als ich meine Kurzschwerter werfen kann. Aus diesen Grund werde ich mich vorab etwas am Treffpunkt umsehen und zuvor auch noch die eine oder andere Besorgung machen, so dass ich ohnehin nicht die Zeit habe, um Euch zu Meister Wade zu begleiten. Aber bestellt ihm schöne Grüße von mir, und dankt auch Herren von mir für seine Hilfe und sein Verständnis.“ Bei den letzten Worten lag ein hämisches Grinsen auf Vernitas Gesicht.


Leanora gähnte und rieb sich die Augen. Sie hatte nicht wirklich gut geschlafen, trotz aller Müdigkeit. Am Abend hatte sie nur noch eine Katzenwäsche hinter sich gebracht und hatte sich in ihr Bett fallen lassen, die Augen dabei an ihre Bettdecke geheftet und die Übungskämpfe Revue passieren lassen.
Mittendrin bemerkte sie jedoch, dass auf der Decke ein dunkler Fleck war. Sie hypnotisierte diesen Fleck beinahe. Bewegte dieser sich, oder war es reine Einbildung?
Vergessen war der Kampf, sie konzentrierte sich nur noch auf dieses dunkle etwas, was sich plötzlich tatsächlich wenige Zentimeter auf der Decke bewegte.
Schnell warf sie das Bettzeug zurück und sprang wie von der Tarantel gestochen aus dem Bett. Nero knurrte, er lag bereits eingerollt auf der Seite um zu schlafen.
Leanora entzündete die Kerze und begab sich mit zitternden Händen langsam aufs Bett zu, um dieses krabbelnde Etwas genauer zu betrachten. Schließlich hatte sie die Gewissheit, dass es sich um eine Kakerlake handelte, die es sich dort bequem gemacht hatte.
Leichter Ekel überkam sie. Kakerlaken auf dem Bett, was war dann erst in diesem völlig durchgelegenen Stroh-Unterbett?
Kurzerhand riss sie die Fenster auf, schüttelte die Decke noch einmal kräftig aus, rannte zurück in den Stall um die Satteldecke von Donas zu holen und eilte zurück in ihr Zimmer. Dort scheuchte sie den Hund aufs Bett, legte die Satteldecke auf den Boden, wickelte sich in die Decke und verbrachte den Rest der Nacht auf dem Fußboden.
Dementsprechend tat ihr auch alles weh, als sie am Morgen aufwachte. Sogar in der Natur hatte sie besser geschlafen, sie würde die nächste Nacht wohl im Stall schlafen. Dort war das Stroh auf jeden Fall sauber und frisch. Oder dem Wirt ein paar Münzen in die Hand drücken, damit er eine neue Unterlage besorgte.
Vorsichtig richtete sie sich auf, streckte ihre Gliedmaßen von sich und machte einige Kniebeugen und ein paar Dehnübungen, um ihre steifen Muskeln aufzulockern. Dann spritzte sie sich einen Schwall Wasser ins Gesicht, schlüpfte in frische Wäsche und machte sich auf den Weg in die Gaststube, gefolgt von Nero.
„Guten Morgen“, begrüßte sie die bereits anwesenden und bestellte dann Milch und Brot.


Leanora kam die Treppe hinunter und gesellte sich zu den beiden Frauen, nachdem sie bei Wirt etwas bestellt hatte. Ihr Hund folgte ihr und setzte sich neben ihr auf den Boden.
„Guten Morgen. Ihr seht ziemlich fertig aus“, spöttelte Vernita und grinste wieder. „Habt Ihr schlecht geschlafen? Ich dachte nach dem kleinen Übungskampf von gestern würdet Ihr pennen wie eine Tote.“


Miandra nickte auf Vernitas Aussage nur und begann ihr Brot zu essen. Sie warf Leanora nur einen kurzen Blick zu, sagte jedoch nichts, sondern aß weiterhin ihr Frühstück. Als das erledigt war, stand sie auf und verließ die Taverne. Sie setze sich die Kapuze ihres dunklen Umhangs auf und mischte sich unter die bereits beschäftigten Leute, doch deren Gespräche interessierten sie nicht. Zielstrebig ging sie den Weg welchen sie tags zuvor einschlagen wollten entlang, um zu der Schmiede von Wade zu gelangen, achtete jedoch stets unauffällig darauf, nicht verfolgt zu werden.


Leanora nahm dankend die Milch vom Wirt entgegen, sowie Brot und Käse.
„Wirt? Eine Bitte noch, könntet Ihr wohl so freundlich sein und die Unterlage im Bett wechseln? Gestern musste ich mein Schlaf-Domizil mit Kakerlaken teilen...“
Der Wirt wurde knallrot und entschuldigte sich vielmals. Er versprach, sich um das Problem auf jeden Fall zu kümmern. Dann ging er zurück in die Küche.
Leanora lächelte Vernita an.
„In der Tat, ich bin kaputt. Dank der Kakerlake hab ich auf dem Boden geschlafen, nennt mich verrückt oder verzogen, aber der Boden war wenigstens sauber. Und Nero hat es nichts ausgemacht in dem verlausten Bett zu schlafen.“
Sie wollte mit der rechten Hand die Tasse heben, nahm aber dann die linke zur Hilfe.
„Meine Güte, dieser Säbel! So einen Muskelkater hatte ich schon lange nicht mehr“, sagte sie entschuldigend und ließ sich dann ihr Frühstück schmecken.


Azoth lag noch immer wach im Bett als es Morgen wurde. Er hatte die Nacht kein Auge zugemacht und besonders gut ging es ihm auch nicht. Trotzdem stand er auf, zog sich frische Sachen an und danach seine Rüstung samt Umhang. Leise gähnte er noch einmal, bevor er sein Zimmer verließ.
Er ging die Treppen hinunter und setzte sich an einen Tisch. Kurz blickte er hinüber zu dem anderen, wo Vernita und Leanora saßen, und er nickte der blonden Frau zu. Der Wirt kam, und nahm seine Bestellung für das Frühstück auf.
Ohne großen Hunger begann er zu essen und zu trinken, als ihm sein Frühstück gebracht wurde.


„Ich dachte, Ihr mögt Haustiere. Jetzt habt Ihr schon eine eigene Kakerlakenzucht und beschwert Euch noch“
, scherzte Vernita. „Vielleicht solltet Ihr Euch noch einen Lehrer für dieses Insektenviehzeug holen, damit sie irgendwann auch ‚Männchen‘ machen können.“
Die Elfe lachte laut, wobei sie mit der Faust auf die Tischplatte schlug, wodurch das ganze Möbelstück zu wackeln begann. Nachdem sie sich beruhigt hatte, fuhr sie wesentlich ernster fort. „Euer Muskelkater zeigt mir eigentlich nur, dass Ihr mehr üben und Euch mehr bewegen müsst. Schlage vor, dass Ihr nach dem Essen ein paar Kraftübungen macht, bis ich wieder da bin. Vielleicht werdet Ihr anschließend dafür keine Zeit mehr haben. Außerdem ist dies das beste Mittel gegen Muskelkater.“
Vernita verspeiste ihr Frühstück in Windelseile, bevor sie aufstand. „Ihr entschuldigt mich. Ich mache mich jetzt auf dem Weg zum Treffpunkt. Wir sehen uns heute Nachmittag.“
Die Elfe nickte ihr noch einmal zu, bevor sie sich zum Gehen abwandte. Dabei bemerkte sie Azoth, der an einem der anderen Tische saß und sie scheinbar beobachtete. Er hatte wieder etwas Farbe im Gesicht und blutete auch nicht mehr. Er sah nur etwas übermüdet aus.
Vernita wunderte sich für einen Augenblick darüber, dass er sich nicht zu ihnen gesetzt hatte. Hatte er etwa Angst vor ihr? Bei dem Gedanken musste sie grinsen. Sie hob eine Augenbraue, um ihm zu zeigen, dass sie ihn gesehen hatte, bevor sie sich umdrehte und die Taverne verließ.


„Willkommen, willkommen!“, begrüßte Herren Miandra freundlich, doch dann musterte er sie genauer. „Oh... Ihr seid es...“
„Was ist los Herren?“, erklang eine Stimme, und Wade kam aus einem Hinterzimmer. „Ahh Ihr kommt die Rüstung abholen! Ich habe alles abgeändert, sodass sie Euch nun wie angegossen passen sollte. Ach ich hatte schon lange keinen solchen Spaß mehr! Los Ihr müsst sie sofort anprobieren!“
„Warum ich…“, seufzte Herren im Hintergrund und schüttelte den Kopf.
Miandra folgte Wade, welcher ihr die Rüstung gab und sie alleine in dem Zimmer ließ, um sich umziehen zu können. Wades Arbeit war wirklich meisterhaft, noch nie trug Miandra eine Rüstung die so perfekt passte, und das obwohl er nicht einmal Maß von ihr genommen hatte. Der Kerl musste ein fotografisches Gedächtnis haben.
Nachdem sie sich vollständig umgezogen hatte, begutachtete Wade sein Werk. „Perfekt! Perfekt! Herren siehst du das!?“, jubelte er voller Enthusiasmus.
Herren knallte einige Male mit dem Kopf an die Holzplatte der Theke und murmelte irgendetwas Unverständliches vor sich hin.
„Sagt der Wächterelfe, dass sie mir ruhig öfter einen Besuch abstatten kann. Aber sie soll nächstes Mal einige besondere Materialien mitbringen. Die Arbeit an diesen üblichen Rüstungen, wie Ihr sie an hattet, langweilt mich… Ich bin ein Künstler!“
Er begab sich zurück in das Hinterzimmer.
„Bitte geht! Sofort!“, flehte Herren sie an.
„Natürlich, und danke für Eure Gastfreundschaft, ich soll Euch von Vernita schön grüßen.“, erwiderte sie sarkastisch und verbeugte sich übertrieben vor ihm, bevor sie aus der Türe verschwand.
„Womit habe ich das nur verdient…“, konnte sie noch durch die Türe hören, bevor sie sich den Umhang um die Schulter warf, und mit der Kapuze vor den Augen, in den Menschenmassen Denerims, verschwand.


Vernita saß schon eine ganze Weile an einem Tisch auf einer Bank in der Taverne „Zum betrunkenen Keiler“. Dieses Haus war um einige Klassen besser eingerichtet, als die Spelunke, in der die Elfe und ihre Gefährten abgestiegen waren.
Auf den Tischen lagen Decken, die Stühle und Bänke waren gepolstert und der Boden wurde von einem Teppichboden bedeckt. In den Laternen an der Decke wie auch auf den Tischen befanden sich Duftkerzen, die ihren angenehmen Geruch im ganzen Raum verteilten. Und an verschiedenen Stellen standen Kübelpflanzen, welche die Gäste mit ihrer Schönheit erfreuten. Zudem waren die einzelnen Sitzgelegenheiten so angeordnet, dass man von den übrigen Gästen eigentlich überhaupt nicht gestört wurde. Der perfekte Ort für ein Treffen wie dieses. Öffentlich aber doch privat genug für wichtige Gespräche.
Vernita hatte sich ein Glas Wasser und eine Schale mit Obst bestellt, um wie ein normaler Gast zu wirken. Beides stand vor ihr, doch sie hatte das Obst bis jetzt noch nicht angerührt. Nur von dem Wasser hatte sie einen Schluck genommen. Viel zu überteuert empfand sie die Preise in dieser Taverne, doch sie war ja nicht zum Vergnügen hier.
Bevor sie sich in diesem Haus niedergelassen hatte, hatte sie es einer kompletten Untersuchung unterzogen. Sie kannte nun alle Ein- und Ausgänge, sowie alle anderen Fluchtmöglichkeiten. Ebenso die Seitengassen dieser Umgebung hatte sie sich angesehen, um im Notfall schnell untertauchen zu können, falls es erforderlich werden sollte. An strategisch wichtigen Punkten, hatte sie ein paar ihrer Sprengladungen versteckt, auf die sie nun schnell zugreifen konnte. Alles war vorbereitet. Ihr Kontaktmann konnte kommen.
Dieser ließ aber noch einige Zeit auf sich warten. Die Elfe hatte in der Zeit schon einiges von ihrer Obstschale vertilgt. Wenn sie schon soviel Geld dafür bezahlen musste, dann wollte sie das gute Zeug auch nicht verkommen lassen. Nachdem sie nach und nach die Hälfte davon gegessen hatte, tauchte ihr Kontaktmann schließlich auf. Er war ein großer, stämmiger Mann, dessen Kopf nur von wenigen , schwarzen Haaren bedeckt war. Er steuerte die Elfe direkt an und setzte sich ihr gegenüber an den Tisch.
„Ah, Lady Vernita“, begrüßte der Mann sie mit seiner ruhigen, sehr leise sprechenden Stimme. „Wie schön Euch wiederzusehen.“
„Meister Ignacio“
, erwiderte diese ebenso freundlich und lächelte dabei. „Mir geht es ausgezeichnet. Und wie steht es bei Euch? Ich hoffe, Eure Geschäfte laufen noch so gut wie früher.“
„Ja, ich kann nicht klagen“
, meinte der Mann nur mit einem verschmitzten Grinsen auf den Lippen. „Aber kommen wir doch zum geschäftlichen Teil. Was kann ich für Euch tun? Weshalb wolltet Ihr mich sehen? Wollt Ihr etwa doch in meine Dienste treten? Es wäre mit eine Freude. Ihr seid wirklich talentiert.“
„Vielen Dank für die Blumen, Meister Ignacio. Aber deshalb bin ich nicht hier. Ich habe Euch vielmehr was mitgebracht.“
„Tatsächlich? Was ist es denn?“
„Das hier“
, meinte die Elfe, griff neben sich und nahm eine geladene und gespannte Armbrust zur Hand, die sie bisher unter einem roten Tuch versteckt hatte. Diese richtete sie direkt auf die Brust ihres Gegenübers, bereit dem Mann den Bolzen direkt ins Herz zu schießen. „Wie Ihr seht, bin ich nicht ganz unvorbereitet hierher gekommen. Also lasst uns reden.“
„Ihr habt eine seltsame Art, Eure Freunde zu behandeln, Lady Vernita. Was soll das?“
„Ich habe keine Freunde unter den Krähen, Ignacio. Insbesondere nicht mehr, seit Eure Freundin Raswenjá versucht hat, mich umzubringen. Das hat meiner Beziehung zu Eurer Organisation nicht gerade gut getan.“
„Ihr seid Raswenjá begegnet?“
„Zuerst nur ihren Männern und später auch ihr selbst. Und sie war nicht sehr glücklich, mich zu sehen.“
Ein hinterhältiges Grinsen legte sich auf das Gesicht der Elfe. „Als ich dann weiterzog, war sie aber wieder ganz friedlich.“
„Verstehe. Dann wisst Ihr wahrscheinlich gar nicht, dass Raswenjá keine Krähe mehr ist.“
„War ist das richtige Wort. Aber glaubt Ihr wirklich, dass ich Euch diesen Scheiß abkaufe? Krähe ist man bis zum Tod, ob man will oder nicht. Wer gehen will, der wird von seinen eigenen Leuten umgebracht. Denkt Ihr etwa, ich wüsste das nicht? Also, warum sollte ich Euch abkaufen, dass Raswenjá keine Krähe mehr war, als ich sie getötet habe.“

„Die Krähen befinden sich gerade im Umbruch“
, berichtete Meister Ignacio weiterhin ruhig. Er hatte schon des Öfteren eine Waffe in seinem Gesicht gehabt. Deswegen geriet er noch lange nicht in Panik. „Einige von uns denken, es wäre an der Zeit auch außerhalb Antivas in die Politik der Länder einzugreifen, um unsere Macht auf ganz Thedas auszuweiten. Doch es gibt viele von uns, die so wie ich dagegen sind. Wir haben versucht diesen Leuten klar zu machen, dass wir hier nicht in Antiva sind. Das Volk in Ferelden ist viel zu freiheitsliebend, als dass es gestatten würde, dass wir die Kontrolle über dieses Land übernehmen könnten. Diese Meinungsverschiedenheit wurde zu einem Streit, und schließlich kam zu einer Spaltung innerhalb der Krähen. Und nun bin ich hier, um zu beobachten, was diese Splittergruppe hier in Ferelden vorhat.“
„Das ist ja noch besser, als ich gedacht habe“
, grinste Vernita zufrieden. „Nun schickt noch Eure Leute fort, dann lege ich die Armbrust zur Seite, und wir können uns in Ruhe über alles unterhalten.“
„Meine...meine Leute? Was...“
„Haltet mich nicht für dämlich, Ignacio.“
Das Grinsen der Elfe verschwand und sie starrte ihn böse an. „Ich rede von den dreien an dem Tisch neben uns. Und von den beiden an der Theke, sowie dem einen, der als Rausschmeißer getarnt an der Tür steht. Schickt sie weg, oder ich töte erst Euch und dann sie.“
„Falls Ihr das überlebt, Vernita.“
„Das werdet Ihr aber niemals erfahren.“
„Na, gut. Wie Ihr wollt. Ihr habt gewonnen. Aber nur der alten Zeiten wegen. Ich schulde Euch noch einen Gefallen, und ich hasse es, anderen etwas zu schulden.“

Meister Ignacio winkte den anderen zu. Die drei an dem Tisch nickten kurz, standen auf und verließen die Taverne. Der Mann an der Tür folgte ihnen. Und auch die beiden an der Theke verschwanden sogleich durch einen der Seitenausgänge.
„So, dann können wir ja jetzt in Ruhe über alles reden“, bemerkte Vernita grinsend, legte die Armbrust zur Seite und sah ihr Gegenüber erwartungsvoll an.


Rowan blickte auf den Mann vor sich. Er lief in einigem Abstand vor ihr durch eine belebte Gasse in Denerim. Er hatte sich in teuren Samt gehüllt und sein langes, schwarzes Haar wurde von einer samtenen Kappe verdeckt. An seiner rechten Hüfte schwang ein reich verzierter Säbel. Rowan fragte sich, ob diese Waffe schon je einen Kampf gesehen und Blut geleckt hatte, doch sie bezweifelte es.
Zügig schritt er vor ihr aus. Er war nicht oft in diesem Teil von Denerim, dass sah man ihm an. Zwischendurch musste er mehrfach anhalten und sich orientieren, bevor er weiter ging. Die beiden Männer an seiner Seite wichen dabei keinen Schritt von ihm. Sie waren schwer gerüstet und mit Hellebarden gewaffnet. Das Metall ihrer Rüstungen klapperte bei jedem ihrer Schritte.
Sie musste schmunzeln, als sie den dreien durch die Menge folgte. Ein reicher Schnösel, der sich mit zwei Söldnern an seiner Seite zu beschützen versuchte. Gegen einen Angriff aus dem Hinterhalt wäre er mit den beiden Männern schnell im Nachteil. Bevor sie es auch nur schaffen würden, ihre schwere Waffe zu erheben, hätte ihr Auftraggeber längst einen Pfeil in seinem hübschen Hals stecken.
Unauffällig folgte sie den Männern weiter. Sie verließen den belebten Teil von Denerim und näherten sich langsam dem Viertel der gewöhnlichen Arbeiter und Angestellten. Was so einer wie der Schwarzhaarige wohl hier wollte? Doch Rowan interessierte es nicht wirklich. Sie hatte wichtigeres, um dass sie sich nun kümmern musste.
Nach zwei weiteren Querstraßen, konnte Rowan nicht mehr in der Menge untertauchen und nutzte den Schatten der Häuser, um den Männern ungesehen zu folgen. Ihre Augen blieben dabei stets wachsam auf ihre Umgebung gerichtet. Der Schwarzhaarige bog in eine schmale Seitengasse ein und man konnte seinen beiden Wachen ansehen, dass diese von Minuten zu Minute nervöser wurden. Rowan würde sie mit Leichtigkeit erledigen können und sich danach ihrem Herrn widmen. Sie schüttelte ihren Kopf. Wie konnte man nur so Leichtsinnig sein? Manchmal schien es, als ob Reichtum den Leuten ihren Verstand vernebeln würde.
Der Schwarzhaarige blieb vor einer schmucklosen Tür stehen und schaute sich nach allen Seiten um. Dabei drehte er den Kopf in die Richtung, in der sie sich in einem Türeingang verborgen hatte. Seine Augen schienen kurz bei ihr zu verweilen, doch dann wandte er sich wieder ab. Rowans Puls beschleunigte sich leicht. Wieder musste sie schmunzeln.
Der Mann klopfte an und nach kurzer Zeit wurde die Tür einen Spalt geöffnet. In seiner Hand befand sich ein kleiner Lederbeutel, den er durch den Spalt nach innen reichte. Dann wurde die Tür wieder geschlossen. Nach mehreren Minuten, in denen der Schwarzhaarige unruhig von einem auf das andere Bein trat, ging die Tür wieder auf und ein kleiner Umschlag wurde hinausgereicht, den er entgegen nahm und hastig in sein Wams steckte. Nervös sah er sich zu beiden Seiten um und trat dann von der Tür weg.
Rowan beobachtete in der Zwischenzeit aufmerksam die Umgebung, doch es blieb alles ruhig. Sie wartete ab, bis sich der Mann wieder auf den Rückweg machte und folgte ihnen weiter. Er schaute die ganze Zeit über nervös von einer Seite zur anderen. Selbst einem Blinden würde auffallen, dass er etwas zu verbergen hatte. Rowan wurde langsam ebenfalls nervös. Ihr Körper war bis auf das Äußerste angespannt, während sie den drei Männern durch die Straßen folgte.
Im mittlerweile wieder dichteren Gedrängel war es schwieriger, sie nicht aus den Augen zu verlieren. Doch hier konnte sie viel besser untertauchen und ungesehen bleiben. Bald kamen sie in reichere Gebiete der Stadt. Die Straßen wurden leerer und einige Kutschen bahnten sich den Weg über das Pflaster. Rowan sah an der Körperhaltung des Mannes, dass er sich langsam entspannte und unaufmerksamer wurde. Er hatte sein Ziel fast erreicht. Nun war der Moment am günstigsten, um zu zuschlagen und Rowans Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Sie war bereit, jeden Moment loszustürmen.
Plötzlich blieb er abrupt stehen und wandte sich nach rechts um. Vor ihm wurde ein Tor von einem Bediensteten geöffnet und er trat mit seinen Leibwächtern hindurch. Das Tor wurde wieder geschlossen und die drei verschwanden hinter einigen Zierbüschen aus Rowans Blickfeld. Sie grinste und überlegte, was sie als nächstes tun sollte. Den direkten Weg hatte sie in solchen Situationen nie bevorzugt und so schlich sie sich an dem Zaun entlang um das Haus herum. Sie konnte immer wieder Wachen erkennen, die im Garten und im Hof davor patrouillierten. Ungesehen erreichte sie die Rückseite des Hauses. Dort führte der Zaun direkt an der Hauswand entlang. Geschickt schwang sich Rowan über den Zaun hinüber auf einen Fenstersims. Die Vorhänge waren zu ihrem Vorteil auf dieser Seite komplett geschlossen und man würde sie von innen nicht sehen können. Rowan wusste, wo ihr Ziel lag. Sie schwang sich in den zweiten Stock und blieb auf dem Sims neben einem Fenster stehen. Die Verriegelung aufzubekommen, war eine Leichtigkeit für sie. Nach wenigen Atemzügen schwang das Fenster lautlos auf und sie landete ungehört im Zimmer.
Zu beiden Seiten des Fensters hingen schwere, rote Vorhänge und weiche Teppiche dämpften ihre Schritte. Für ihren Geschmack war das Zimmer viel zu übertrieben ausgestattet. Goldene Verzierungen und allerlei Tand zeugten vom Reichtum des Besitzers.
Sie schlich auf einen ausladenden Stuhl zu, auf dem der Schwarzhaarige mit dem Rücken zu ihr saß und dem Anschein nach in etwas auf seinem Schoß vertieft war. Nachdem sie heran getreten war, beugte sie sich über die rechte Schulter des Mannes und blies ihm Luft in sein Ohr. Er zuckte kurz zusammen, bevor sich ein Grinsen über sein Gesicht zog.
„Ich hätte wissen müssen, dass du über diesen Weg kommst.“
Er drehte sich zu ihr um und wieder einmal war Rowan von seinem Antlitz überwältigt. Seine blauen Augen standen im Kontrast zu seinem dunklen Haar und hatten eine Tiefe, die es schwer machte, sich seinem Blick zu entziehen.
„Und was genau ist der Grund, weswegen du mich in meinem Schlafgemach besuchst?“
Er fasste sie um die Hüften und zog sie zu sich auf den Stuhl. Rowan ließ es mit einem halbherzigen Abwehrversuch geschehen.
„Du hast deine Sicherheitsvorrichtungen immer noch nicht verbessert, so wie ich es dir das letzte Mal vorgeschlagen habe. Du solltest es wirklich besser wissen und nicht so unvorsichtig sein.“
Er beugte sich zu ihr herunter bis sich ihre Nasenspitzen fast berührten.
„Was kann ich schon gegen so eine Meisterin wie dich ausrichten?“
Seine Lippen näherten sich den ihren und sie konnte seinen warmen Atem auf ihrer Haut fühlen.
Im letzten Moment wand sie sich aus seinem Griff und stand auf.
„Du weißt, weshalb ich gekommen bin. Also lass es uns nicht unnötig in die Länge ziehen.“
Ihr Gesicht hatte einen verkniffenen und ernsten Ausdruck angenommen. Und auch seins verzog sich augenblicklich.
„Pff…na schön. Du willst also die Rolle der eiskalten Geschäftsfrau durchziehen? Wie du willst. Hier…“ Er zog einen kleinen Lederbeutel aus seinem Wams und hielt ihn ihr hin. „Es war mir wie immer eine Freude mit Euch Geschäfte zu machen, Mylady.“ Ein ironisches Grinsen schlich sich auf seinen Lippen.
Rowan nahm den Beutel entgegen und trat wieder ans Fenster.
„Wenn du wirklich wert auf deine Sicherheit legst, dann solltest du in Zukunft vorsichtiger werden.“
Sie zog sich auf den Sims.
„Und du meine Liebe, solltest dir nochmal überlegen, ob du mein anderes Angebot nicht doch annehmen möchtest. Wir hatten damals eine schönes Zeit zusammen und es könnte wieder so sein.“
Rowan zögerte kurz, dann schwang sie sich herunter und verschwand.


Als Miandra durch die Menschenmassen ging, war ihr Blick oft zu Boden gerichtet. Immer wieder konnte sie die Stimmen verschiedenster Leute ausmachen. Meistens schrien die Händler, um Kunden anzulocken, indem sie meinten wie außergewöhnlich und billig ihre Waren seien. Sie hörte Stimmen junger Frauen, alter Männer, weinende Kleinkinder, denen der Stress am Markt zu viel war. Sowie ein Lachen. Ein sorgenfreies, glückliches, so unscheinbares und reines Lachen.
Miandra blieb neben einem aufgebauten Obststand stehen und blickte in die Richtung, aus welcher sie das Gekicher zu vernehmen glaubte. Sie sah einen großen Brunnen, welcher die Stadt schmückte. Rund um den Brunnen waren einige Bäume eingepflanzt, bei denen man glaubte, dass sie aus dem gepflasterten Boden hervor wuchsen. Oftmals konnte man dort bestimmt zwitschernde Vögel beobachten, die sich in dem Wasser badeten. Doch nicht in diesem Moment.
Ein junges Mädchen, und ein etwas älterer Junge standen bei dem Brunnen, und planschten mit ihren kleinen Händen in dem Wasser. Das Mädchen, bestimmt erst acht Jahre jung, umklammerte mit ihrer linken Hand einen braunen Stoffbären. Eines seiner Knopfaugen fehlte, und er war ziemlich schmutzig, bestimmt auch schon von Flöhen zerfressen. Er schleifte am Boden, aber das Mädchen würde ihn wohl niemals loslassen, auch wenn sie gerade die andere Hand in das Wasser gesteckt hatte. Ihre extrem hellblonden Haare, und ihre weiße Haut waren bereits klatschnass, ebenso wie das schmutzige blaue Kleid das sie trug. Nein, dies war bestimmt kein reiches Kind. Der Junge kam dem Mädchen fast gleich. Er war bestimmt um die drei Jahre älter, trug eine nasse braune und verdreckte Hose, sowie ein beiges nasses Hemd. Immer wieder bespritzten sich die beiden gegenseitig mit dem kalten Wasser und lachten. Der Junge begann am Rand des Brunnens zu balancieren, und das Mädchen spielte mit dem Stoffbären, redete mit ihm als sei er lebendig und ihr Freund.
Miandra blieb, wie gebannt von dem Anblick, neben dem Stand stehen und beobachtete die beiden aus der Ferne. Ein nahezu wehmütiges Lächeln legte sich auf ihr Gesicht, und der Moment schien für sie zeitlos zu sein.
Sie schienen so unbeschadet, frei und ahnungslos über das Leben zu sein. Reine und glückliche Kinderseelen, die keine Probleme hatten, nicht wussten, was noch auf sie zukommen würde.
Eine blonde Frau, die einen großen Korb, gefüllt mit Lebensmitteln am Rücken trug, kam auf den Brunnen zu, und die zwei Kinder liefen der Dame mit einem strahlenden Lächeln welches die Frau erwiderte entgegen. Sie trug zwei knallrote Äpfel in der Hand, welche sie an die Kinder weiterreichte. Die beiden Kinder begannen sofort damit die Äpfel zu essen, wobei dem Mädchen der Bären beinahe aus der Hand rutschte. Doch die scheinbare Mutter nahm ihr das Stofftier aus der Hand, sodass die Kleine besser essen konnte, nahm sie an der Hand, und verschwand gefolgt von dem übermütigen Jungen in einer Seitengasse.
Miandra seufzte, und wandte den Blick von dem Brunnen ab, bevor sie nachdenklich in der Menschenmasse verschwand.


Hennrik schreckte hoch. Er saß noch immer in seinem Lehnsessel, anscheinend war er schon wieder eingeschlafen. Er verspürte hunger, also machte er sich auf den Weg in den Schankraum. Dort saßen Azoth und Leanora und waren am Essen.
Hennrik setzte sich dazu. „Einen guten Morgen, Lian. Ich hoffe doch, ich störe nicht“, lachte er und entzündete sich eine Pfeife guten Langrundblattes.


Azoth blickte zu Hennrik, und wunderte sich darüber, dass er sich zu ihm setzte. Sonst hatte Henrik auch kein Wort mit ihm gewechselt, oder ihn auch nur angesehen. Irgendwas wollte der alte Mann doch.
„Nein, setzt Euch nur. Ich heiße Azoth, nicht Lian“, grinste er.
„Also was wollt Ihr? Wenn Ihr Euch zu mir setzt, und sonst kein Wort mit mir ausgetauscht habt, muss doch etwas dahinter stecken?“, meinte er und zog fragend die Augenbraue nach oben.
Dann schluckte er seinen letzten Bissen herunter, und trank einen Schluck Wasser. Gespannt wartete er darauf was Hennrik zu sagen hatte.


„Entschuldigt, der letzte Name, der mir im Gedächtnis umherschwirrte war Lian. Also gut, ich dachte, man sollte seine Gefährten etwas näher kennenlernen. Wir wissen fast nichts voneinander und ich fände es einfach nett ein wenig zu plaudern, Erfahrungen und Geschichten auszutauschen, sich kennenzulernen. Wer weiß, vielleicht habt ihr ja bereits eines meiner Feuerwerke gesehen!“ Er lachte und bestellte sich Frühstück.


Azoth grinste. „Kennen lernen? Aha“, sagte er, gefolgt von einem Lachen.
„Ihr habt das Meiste sowieso schon mitbekommen. Ich wüsste nicht, was es da noch zu erzählen gibt. Außerdem traue ich nicht jedem. Schon gar keinem Magier.“
Dann bestellte er sich beim Wirt einen Krug Bier. Ihm lüsterte danach, er fand aber keinen passenden Grund wieso.


Als dann endlich das Essen kam, kamen Azoth und Hennrik schließlich doch noch ins Gespräch. Man kam von diesem auf jenes, von Hölzchen auf Stöckchen. Es wurden Anekdoten ausgetauscht, Erlebnisse erzählt, geraucht, gespeist und philosophiert, über Gott und die Welt, über hübsches Feuerwerk und noch hübschere Frauen, über das Bier, welches das Beste sei und über vergangene Zeiten. So verbrachten sie den Tag bis es dunkel wurde, der Kamin entzündet wurde und draußen im sonst so geschäftigen Denerim langsam wieder Ruhe einkehrte.


Miandra stieß die Tür der Taverne regelrecht wütend auf, obwohl sie das eigentlich nicht war. Sie musterte schnell den Raum, doch außer Hennrik und Azoth war der Schankraum wie immer leer. Zielstrebig ging sie an die Theke und bestellte bei dem Wirt etwas zu essen, sowie ein Glas Wasser welches er ihr direkt aushändigte.
Ohne zu überlegen setzte sie sich zu den beiden an den Tisch, ohne sie eines Blickes zu würdigen, und ohne ein Wort zu sagen. Sie nahm einen Schluck von dem Wasser und starrte, fast regungslos und nachdenklich auf die Tischplatte.


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BeitragThema: Re: Kapitel XIV - Ein alter und neuer Gefährte   Do 11 Aug 2011, 3:44 pm

Vernita war auf dem Rückweg von ihrem Treffen mit Meister Ignacio. Es war schon recht spät geworden. Den ganzen Nachmittag über hatte sie mit der Krähe in der Taverne verbracht und ihn zur aktuellen Situation befragt. Und nun schwirrten ihr die Worte des Mannes durch den Kopf. Viel hatte sie erfahren. Einige Vermutungen hatten sich bestätigt und andere Dinge waren hinzu gekommen. Sie musste umgehend zurück zur Taverne, um mit den anderen die aktuelle Lage zu besprechen.
Ihre Sprengfallen hatte sie wieder eingesammelt und die Armbrust bei einem Händler gegen Zutaten für ihre Gifte und Brandsätze eingetauscht. Sie hatte für so eine schwere, unhandliche Waffe keine Verwendung, auch wenn sie ihr bei dem Treffen mit der Krähe gute Dienste geleistet hatte.
Die Elfe befand sich auf einer kleinen Nebenstraße, die zur Taverne führte. Die Sonne neigte sich inzwischen zum Abend hin und warf lange Schatten auf den Boden. Die alten Häuser wirkten in diesem Dämmerlicht irgendwie gespenstisch. Dieser Weg war menschenleer. Irgendwoher klapperte eine kaputte Fensterlade im Wind. Und unaufhörlich sah sich Vernita um.
‚Hatte sie nicht gerade jemanden hinter sich gesehen, der sich nun hinter der Ecke eines Hauses verstecke?’ Die Elfe wurde misstrauisch. Sie würde nicht den direkten Weg zur Taverne nehmen. Stattdessen bog sie an der nächsten Kreuzung links ab. Und zwar in eine Gasse, die noch dunkler war als die, in der sie sich zuvor noch befunden hatte.
Während sie weiter der Gasse folgte, sah sie sich fast ständig um. Ab und zu meinte sie, jemanden hinter sich zu sehen. Und sie fühlte sich beobachtet. Kein Zweifel. Irgendwer war hinter ihr her. Sie ging weiter, bis sie die nächste Seitengasse erreicht hatte und bog erneut ab. Doch kaum war sie hinter der Ecke verschwunden, spurtete sie los. Sie lief so schnell und so leise sie konnte den Weg entlang, bis sie einen dunklen Hauseingang erreichte. Dort versteckte sie sich im Schatten. Sie zog ihr kleines Messer und wartete.
Nach kurzer Zeit kam ein junger, blonder Mann an ihr vorbei, schien sie aber nicht zu bemerken. Sie schoss aus dem Schatten heraus, packte den Mann im Nacken und hielt ihm das Messer an die Kehle. Dieser fuhr erschrocken zusammen. Sein erster Impuls war es zu fliehen, doch als er die scharfe Klinge an seinem Hals spürte, blieb er stocksteif stehen. Schweiß bildete sich auf seiner Stirn und lief langsam an seinen Schläfen herunter.
„Warum verfolgst du mich“, zischte Vernita dem Mann ins Ohr.
„Was? Wovon redet Ihr? Ich gehe hier nur spazieren“, stammelte der Angesprochene nervös.
„Für diese unverschämte Lüge sollte ich dir gleich die Kehle aufschlitzen, Kleiner. Also, zum letzten Mal. Wer schickt Dich? Und was will dieser jemand von mir?“
„Na, gut. Schon klar. Ich habe verstanden“, stotterte der Mann ängstlich. „Meister Ignacio hat mich beauftragt, Euch zu beobachten. Er will wissen, was Ihr mit seinen Informationen zu tun gedenkt. Er ist etwas nervös darüber, dass Ihr ihm vielleicht nicht geglaubt habt, als er Euch sagte, dass Raswenjá nicht mehr zu den Krähen gehörte. Er fürchtet, ihr könntet auch ihn töten.“
Ein Grinsen huschte über das Gesicht der Elfe. „Nun, wenn er mir die Wahrheit gesagt hat, dann hat er vor mir nichts zu befürchten, Kleiner. Im Gegenteil. Seine Feinde scheinen auch meine Feinde zu sein. Und da ich heute gute Laune habe, und er mir wichtige Informationen verschafft hat, lass ich dich sogar am Leben. Also kehre zu deinem Herren zurück, und richte ihm aus, dass seine Feinde für ihn bald kein Problem mehr darstellen werden. Nur sollte er mir zukünftig nicht mehr solch blutige Anfänger wie dich hinterher schicken. Das könnte mich ziemlich wütend machen. Und jetzt verschwinde, Kleiner, bevor ich doch noch töte.“
Vernita ließ den Mann los, welcher sie nur kurz ansah, bevor er sich umdrehte und in die Richtung zurückrannte, aus der die beiden gekommen waren. Sie beobachtete ihn noch, bis er verschwunden war. Anschließend setzte sie kopfschüttelnd ihren Weg fort. Sie ging nicht direkt zur Taverne, sondern nahm wieder einige Umwege.


Auf einmal kam ein Mann um die nächste Ecke und lief direkt in Vernita hinein. Der Mann wich einen Schritt zurück und wurde sich seines Handelns bewusst. Er war mit einer schweren, alten, schon fast rostigen Rüstung bekleidet und an vielen Stellen waren einige Löcher, so wie zahllose Kratzer zu sehen. In seiner rechten Hand hielt er einen langen Speer, der an seiner Spitze aus Silber besteht und der ab und zu an einem schwachen Lichtstrahl, der in die dunkle Gasse fiel, reflektiert wurde.
Die andere Hand reichte er der Elfe entgegen und sagte mit tiefer Stimme: „Verzeiht! Geht es Euch gut?“


Vernita ging weiter die Gasse entlang, als sie vor sich ein klapperndes Geräusch vernahm. Es war irgendwo direkt vor ihr. In unmittelbarer Nähe.
‚Wer tapert denn hier schon wieder herum? Etwa noch ein Verfolger? Wenn ja, dann ist das allerdings der größte Dilettant der Welt, bei dem Krach, den der macht. Na, warte. Dir werde ich es zeigen‘ dachte die Elfe bei sich.
Sie ging einfach weiter, legte es darauf an, mit der anderen Person zusammenzustoßen, was auch kurz darauf geschah. Ein Mann in einer alten, rostigen Rüstung trat um die Kurve und lief direkt gegen Vernita, wobei es ein schepperndes Geräusch gab, als die Rüstungen der beiden zusammenkrachten. Der Mann ging sofort zwei Schritte zurück, von wo aus er die Elfe für einen Moment verdutzt anstarrte. Dann streckte er ihr die Hand entgegen und sprach sie an.
„Verdammt noch mal, habt Ihr keine Augen im Kopf?! Passt doch auf wo Ihr hin latscht!“ fluchte Vernita wütend, wobei sie ihr Gegenüber böse anblickte. „Und warum streckt Ihr mir jetzt Eure Pfote entgegen?! Soll ich sie Euch etwa abhacken, oder was?! Wer seid Ihr überhaupt?“


Als ihm die Elfe wütend entgegen trat, nahm der Mann seine Hand, die er aus dem letzten Funken Anstand den er besaß hingereicht hatte, zurück.
Er stellte sich vor die Elfe und sagte mit etwas verärgerter Stimme: „Mein Name ist Sareth. Wenn Ihr es genau wissen wollt, junge Dame. Wärt Ihr so freundlich mir den Weg zur nächsten Taverne zu zeigen?“
Während er diese Worte sprach fasste er den Griff seines Speeres fester und musterte die Elfe vor ihm eindringlich.


„Sehe ich vielleicht so aus, als wüsste ich das?“ stichelte Vernita zurück, wobei sie provozierend die Hände in die Hüften stützte. Sie musterte den Mann vor sich. Als sie den Zustand seiner Rüstung genau begutachtete, legte sich ein spöttisches Grinsen auf ihre Lippen. „Aber ich kenne einen guten Schmied. Den solltet Ihr mal aufsuchen, damit Ihr diesen rostigen Eimer loswerdet, den Ihr Rüstung nennt!“


Den spöttischen Blick und die provozierende Haltung der Elfe vor sich wahrnehmend wurde Sareth immer grimmiger. Und so trat er einen Schritt näher an sie heran.
„Diese Rüstung hat schon mehr Tod und Leid gesehen als Ihr in Euren Leben jemals sehen werdet. Also habt etwas mehr Respekt! Darüber hinaus riecht Ihr nach schalen Bier. Also wisst Ihr wo die nächste Taverne ist!“


„Da müsst Ihr Euch irren, Kleiner. Wenn hier einer nach Bier riecht, dann seid Ihr es. Und nach vergammeltem Essen. Und nach etwas, was ich nicht genau bestimmen kann. Habt Ihr Euch etwa in Fäkalien gesuhlt, oder was?“ spöttelte Vernita weiter. „Haltet gefälligst Abstand zu mir, bevor ich durch Euren Gestank noch ohnmächtig werde.“
Ihr Grinsen wurde noch breiter, als sie fort fuhr. „Und das Eure Rüstung schon viel Leid und Tod gesehen hat, kaufe ich Euch sogar ab. Schließlich kann kein sterbliches Wesen auf ganz Thedas an das Alter Eurer Rüstung heranreichen. Stammt die vielleicht noch aus der Zeit vor der ersten Verderbnis? Ich kann nur den Händler beglückwünschen, der es geschafft hat, Euch diesen Haufen Schrott anzudrehen.“
Die Elfe fasste sich nachdenklich an ihr Kinn. „Obwohl, wenn ich es mir recht überlege, so passt diese Rüstung, die ja offensichtlich keinen wirklichen Schutz mehr bietet, wie die Faust aufs Auge zu Eurer Bewaffnung. Nur Feiglinge, die Angst davor haben, sich in einem Kampf eine Wunde zuzuziehen, benutzen Speere. Sie verstecken sich hinter ihrem Reichweitenvorteil und halten sich damit für unbezwingbar. Doch zum Leidwesen dieser Leute mussten alle von ihnen, die gegen mich gekämpft haben, feststellen, dass Reichweite eben nicht alles ist.“
Vernita musterte weiterhin ihr Gegenüber, welches ziemlich verärgert aussah. Und sie genoss es, ihn zur Weißglut zu bringen. Allerdings hatte sie auch noch was anderes zu erledigen und somit schon genug Zeit mit diesem Kerl vertrödelt.
„Wie sehr ich es auch genieße, Euch zu beleidigen, ohne dass Euer Spatzenhirn das wahrscheinlich merkt, so habe ich dummerweise keine Zeit mehr dafür, dieses Spielchen fortzusetzen“, meinte sie verächtlich. „Ich werde jetzt meines Weges gehen, und Ihr solltet das nun auch tun. Ihr könnt froh sein, dass ich heute guter Dinge bin, sonst wärt Ihr bereits lange tot. Und kommt ja nicht auf die törichte Idee mir zu folgen. Ich würde das bemerken und Euch doch noch einen Kopf kürzer machen.“
Nach diesen Worten wandte sie sich von dem Mann ab und ging weiter die Gasse entlang.


Sareth ließ sich von den spöttischen Worten der Elfe, die ihm nun den Rücken kehrte, nicht weiter verärgern.
Als sie die Gasse weiter entlang ging folgte Sareth ihr. Und rief ihr hinterher: „Wollt Ihr Eure Worte hier und jetzt unter Beweis stellen, dass Ihr mich einen Kopf kürzer macht wenn ich Euch folge? Oder seid Ihr zu feige dazu und könnt nur große Reden schwingen?“
Bei diesen Worten lächelte Sareth ein wenig, nur um die Elfe noch mehr anzustacheln. Dabei hielt er seinen Speer fest in der rechten Hand, bereit ihn jederzeit vorschnellen zu lassen.


Vernita blickte über die Schulter zurück zu diesem Kerl hinter ihr, der es scheinbar darauf anlegte getötet zu werden. Zu gerne hätte sie ihm diesen Wunsch erfüllt.
„Ich würde Euch ja mit Freuden kalt machen, Kleiner“, meinte sie nur abfällig. „Dummerweise fehlt mir dazu die Zeit. Außerdem müsste ich dann auch noch Eure Leiche verschwinden lassen. Vielleicht ein andermal.“
Dann fing sie plötzlich an zu laufen, rannte so schnell sie ihre Füße tragen konnten und verschwand auch schon um die nächste Kurve.


Sareth blieb für ein Augenblick lang stehen dann setzte er sich auf ein Fass, das an der Seite der Gasse stand, und lehnte seinen Speer an eine Wand an. Er nahm eine Pfeife und Streichhölzer aus seiner Tasche, die er über die Schulter trug. Er entzündete die Pfeife, nahm zwei Züge und lehnte sich gegen die Wand hinter sich.
Dann sprach er leise mit sich selbst und sagte: „Interessant!“
Genau in diesem Moment kam ein kleiner Junge an ihm vorbei. „Söhnchen! Weißt du wo die nächste Taverne ist?“


Zuletzt von Allie am Fr 12 Aug 2011, 4:48 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Kapitel XIV - Ein alter und neuer Gefährte   Do 11 Aug 2011, 3:53 pm

Ein Schatten im grünen Umhang huschte durch die Gassen des abendlichen Denerims. Man hörte nur das leise Tapsen von Schritten auf dem Pflaster, dann war der Schatten schon um die nächste Ecke verschwunden.
Sie keuchte. Das Laufen war anstrengend, der Weg weit gewesen. Aus dem Augenwinkel sah sie zwei Gestalten auf der Gasse stehen. Sie stritten. Über was konnte sie nicht verstehen. Sie lief weiter.
Sie konnte nichtmehr. Ihre Beine schmerzten und die Lungen brannten. Eine Tür direkt vor ihr, aus den Fenstern drang Licht und über der Tür hängte ein altes Tavernenschild.
Sie trat ein. Drinnen war nicht viel los. Drei Gestalten saßen in der Nähe der Theke, ein Feuer brannte im Kamin und der Wirt putzte Humpen.
Noch immer mit der Kapuze ihres Mantels im Gesicht, setzte sie sich in eine dunkle Ecke neben dem Kamin und blickte sich um. Ein niedriger Raum, solide Tische und Bänke. Bierfässer hinter dem Wirt, Dekoration an der Wand, Bleiglasfenster ließen nur erahnen was draußen vor sich ging.
Sie streckte sich und zog die Kapuze in den Nacken. Blonde Haare fielen ihr über die Schultern, Sommersprossen waren leicht im Gesicht zu erkennen. Große wache Augen blicken im Raum umher.
Freiheit? Sie hatte sie sich genauso vorgestellt. Jetzt hatte sie sie erreicht, sie war an ihrem Ziel angekommen. Freiheit. Sie seufzte und streckte ihre dreckigen Lederstiefel in Richtung Kamin.


Miandra blickte in die dunkle Ecke, in der sich gerade ein neuer Gast eingefunden hatte. Das erste Mal, seit sie in Denerim und dieser Taverne ankamen, wurde dieser Schankraum von Gästen – beziehungsweise einem Gast – der nicht zu ihrer Gruppe gehörte, gefüllt. Ob der Wirt damit überhaupt noch gerechnet hatte? Zumindest war er erfreut - wie Miandra aus seinen Augen lesen konnte - als er auf den Kamin zuging, um ihre Bestellung aufzunehmen.
Doch wahrscheinlich war sie nur eine Reisende, die Zuflucht vor der Nacht suchte. Aber diese Taverne war voll, hier musste sie wohl oder übel im Schankraum schlafen.
Miandra wandte den Blick grinsend ab, sie interessierte sich nicht für weitere Personen, mit denen sie sich unterhalten und verstehen musste, es sei denn sie würden Hilfe anbieten.
Sie blickte aus dem Fenster, welches dreckverschmiert war. Dennoch konnte man erkennen, dass sich die Sonne bereits zurückgezogen hatte. Sie fragte sich, ob Vernita bereits auf dem Rückweg von ihrem Treffen mit dem Kontaktmann war. Doch sie unterbrach den Gedanken. Machte sie sich denn etwa Sorgen? Vielleicht, aber sie durchfuhr zumindest ein ungutes Gefühl.
Der Gehilfe – der Kellner – des Wirtes stellte einen Teller mit Eintopf, und einen Brotkorb auf dem Tisch ab, und verschwand wieder in der Küche. Wie der Wirt den Kerl nur bezahlen konnte? Doch das war wohl nicht ihr Problem, und so begann sie zu essen. Sie saß zwar mit Hennrik und Azoth an einem Tisch, dennoch sagte sie nichts, da ihr kein Gesprächsthema einfiel, wobei sie auch nicht wirklich lange darüber nachdachte eines zu finden. Wozu reden, wenn es nichts zu reden gab?


Sie lehnte sich aus dem Schatten, sodass Mund und Nase vom Feuer beschienen wurden. Der Rest ihres Gesichts war im Schatten versunken.
„Ihr da. Ihr seht nach Abenteurern aus. Nach Leuten die viel in Ferelden und sonstwo rumgekommen sind. Ich spreche sonst ungern Fremde an aber ich könnte Hilfe gebrauchen.“


Miandra hob den Blick nicht, und löffelte weiterhin den Eintopf, während sie sprach: „Also ich für meinen Teil bin kein Abenteurer, sondern nur auf der Durchreise, will ich zumindest hoffen. Und wieso sollten wir Euch helfen? Bekommen wir dafür etwa eine Gegenleistung?“


Hennrik sah auf, blickte zu dem Schatten beim Kamin. Erst konnte er nichts erkennen doch dann sah er jemanden dort sitzen. Noch kauend sagte er: „Mum, daf kommt darauf am, waff Ihr im Fimm habt.“
Er trank einen Schluck Bier. „Wie können wir Euch helfen?“
Er sah auf die Mundpartie die aus dem Schatten zum Vorschein kam und lächelte kaum merklich. Er sah, dass die Person noch nicht sonderlich alt war, die Stimme hatte es ihm verraten. Wer war sie? Was wollte sie? Kannten sie sich? Wusste sie von der Gruppe und ihren Absichten? Die Person war ihm ein Rätsel, sie verstand was sie tat.


Sie hob die Mundwinkel.
„Ich komme herum in der Welt und ich finde Einiges von dem ich nicht weiß, was es ist. Ihr seht aus als wüsstet ihr Rat und Tat. Ich suche - wen oder was ist vorerst uninteressant - …ich will nur wissen ob Ihr helfen würdet und ob ich Euch begleiten darf.“


Miandra nahm noch einen Löffel von dem Eintopf, bevor sie diesen am Tisch ablegte und zu der jungen Frau hinüberblickte. Ihre Stimme klang noch recht unerfahren... doch sie konnte das Alter nicht schätzen, da sie in Schatten gehüllt war, und das spärliche Kerzen-, und Kaminlicht den Raum kaum zu erhellen schienen.
„Ich kenne Euch nicht, also sehe ich kaum Gründe Euch zu helfen, zudem habe ich – beziehungsweise wir – gerade genug andere Sorgen mit denen wir uns herumschlagen müssen, und ob Ihr uns begleiten dürft, soll nicht meine alleinige Entscheidung sein – was nicht heißen soll, dass ich es in Erwägung ziehe oder darüber nachdenken werde. Nein, ich halte es sogar für eine schlechte Idee. Ihr klingt jung, wie alt seid Ihr und was erhofft Ihr Euch daraus, irgendwelche Leute anzusprechen, die Ihr nicht kennt, denen Ihr nicht vertrauen könnt, und sie auch noch um Hilfe zu bitten, ohne Euch überhaupt vorzustellen? Das ist ein ziemlich schlechter Schachzug von Euch, noch dazu alleine in einer dunklen Taverne, wo niemand Eure Hilferufe hören würde und das in einer so großen Stadt.“
Mit einem Grinsen nahm sie sich ein Stück Brot, und begann darauf herum zu kauen.


Sie lachte und schüttelte den Kopf.
„Wenn Ihr es wissen wollt. Ich folge euch seit einiger Zeit. Wohin gehen sie? Was wollen sie? Ihr versucht unauffällig zu sein und das macht ihr mehr als gut. Ich hatte ein paar Mal eure Spur verloren und wollte schon aufgeben.“
Sie lächelte.
„Wie alt ich bin? Würdet Ihr mir glauben, wenn ich es Euch sage?“


Miandras Grinsen verschwand und sie starrte genervt in die dunkle Ecke. „Wieso verfolgt Ihr uns, oder eher seit wann verfolgt Ihr uns?“
Ihr Blick glitt zur Türe, da sie sich wohl eingebildete, dass diese gerade geöffnet wurde. Sie wandte sich wieder der jungen Frau zu, und legte dabei zur Sicherheit eine ihrer Hände auf den Griff des Kurzschwertes. „Ihr wollt mir doch nicht weismachen, dass Ihr uns einfach so, weil es Euch Freude bereitet nachlauft? Und wozu ich zu glauben fähig bin, das lasst meine Sorge sein.“


Sie lachte.
„Fürchtet Ihr Euch? Seit Ihr gemeinsam mit mir durchs Stadttor gegangen seid. Und nein, Ihr müsst nicht Euer Schwert ziehen ich will niemandem etwas tun.“
Sie lehnte sich wieder nach vorne.
„Würdet Ihr mir glauben wenn ich Euch sage, dass ich dreizehn Sommer alt bin?“
Sie grinste. Wieder war nur Mund und Nase im Feuerschein zu sehen.


Verschwitzt und mit gerötetem Gesicht betrat Leanora die Taverne, zog den nächsten Stuhl zu sich heran und ließ sich darauf plumpsen.
„Meine Güte, ich hasse Konditionsübungen. Gibt es hier jemanden der mich füttern kann? Ich glaube kaum, dass ich Messer und Gabel noch ordentlich in den Händen halten kann.“
Sie rief dem Wirt zu, er möge ihr doch bitte einen großen Krug kalte Milch bringen und etwas zu essen. Mit einem Zug stürzte sie das erfrischende Getränk hinunter, und versuchte anschließend, wieder etwas zu Atem zu kommen.
„Nanu, Vernita noch immer nicht zurück? Es wird dunkel draußen...“ Leanora wollte sich nicht eingestehen, dass sie sich Sorgen um die Elfe machte.


Miandra begann zu lachen. „Dreizehn Jahre und bereits so frech?“, sie ließ den Griff des Schwertes wieder los. „Nein, vor jemanden wie Euch habe ich keine Angst, dennoch habt Ihr mir nicht gesagt, wieso Ihr uns verfolgt.“
Sie blickte kurz zu Leanora, doch deren Aussage bezüglich des Fütterns ignorierte sie. „Nein sie ist noch nicht zurück, aber Vernita wird schon wissen was sie tut, und sie kann auch gut auf sich selbst aufpassen, davon bin ich überzeugt“, sie schmunzelte und nahm einen Schluck Wasser aus dem Glas, während sie unauffällig in die dunkle Ecke blickte.


Sie grinste und stand auf. „Ich wusste Ihr würdet nachfragen. Gut. Ich suche Antworten. Was ist das?“
Sie warf einen Beutel auf den Tisch. Darin befand sich ein kleines Amulett aus Grünsilber verziert mit sechs kleinen Smaragden.
„Ich habe es auf dem Friedhof unseres Dorfes gefunden. Auf einem aufgebrochenen Grab. Ich habe lange gesucht ob jemand was darüber weiß aber niemanden gefunden. Könntet ihr die Ersten sein?“
Sie trat ins Licht an den Tisch. Ihre Augen glitzerten im Feuerschein.


Azoth saß mit den anderen am Tisch, und aß einen Eintopf, mit etwas frischem Brot. Er hörte sich die Zeit über an, was seine Gefährten beredeten, und auch mit dem Weib, das sie einfach ansprach. Aber ohne sich aus der Ruhe zu bringen, und dem Weib auch nur einen Blick zu schenken aß er weiter.
Gerade als er kaute, und am Schlucken war, hörte er wie alt - oder besser gesagt - jung das Weib war. Dabei verschluckte er sich, und bekam einen Lachanfall.
„Dreizehn Sommer???“, fragte er ungläubig, während er weiterlachte, und auf den Tisch klopfte. Dabei flog der Beutel mit dem Schmuckstück, den das Weib auf den Tisch legte, etwas in die Höhe.
Dann blickte er zu Miandra, und hatte noch immer ein megabreites Grinsen im Gesicht.
„Also, tun kann sie uns ja nichts“, lachte er. „Und helfen? Ich wäre dagegen. Ganz einfach aus dem Grund, dass wir genug am Halse haben, und sie lieber zu ihren Eltern gehen sollte, mit ein paar Mädchen Puppen spielen. Was man eben so macht“, lachte er weiter.


„Wisst Ihr, ich würde liebend gern zu meinen Eltern gehen. Wenn ich wüsste wo sie sind. Seitdem ich das Amulett gefunden habe ist unser Dorf verschwunden. Nichts, einfach nichts ist noch da. Alle Bewohner, Mutter, Vater, William, Bruder Harris und all die anderen sind weg. Wohin weiß ich nicht. Wahrscheinlich sind sie alle tot oder versklavt. Ich mache mir keine Hoffnungen mehr. Und wenn Ihr denkt ich sei ungefährlich dann irrt Ihr Euch!“
Giftig funkelte sie ihn an und verschränkte die Arme vor der Brust.


Azoth warf das Brotstück in seinen Teller, so dass etwas Eintopf rumspritzte, und stand auf. Er stellte sich dicht an das Mädchen, blickte hinab in ihre Augen und kniff seine etwas zusammen.
„Steht bei uns auf der Stirn so etwas wie ‚Die Helferpatrouille‘??“, dann stieß er sie etwas weg. „Wir haben keine Zeit für so etwas. Und glaubt nicht ich hätte Angst vor einem Kind.“


Sie lächelte.
„Wollt Ihr Euch etwa schlagen Spitzohr? Legt Ihr es darauf an? Kommt nur her ich fürchte weder Tod noch Teufel ich habe sowieso alles verloren!“


Azoth griff zu einem seiner Messer aus der Innenseite des Mantels, und hielt es mit der Spitze an ihren Hals. Zornig funkelte er sie an, Wut durchströmte seine Adern. Nur DUMME Shems kamen auf die Idee einen wandernden Elfen Spitzohr zu nennen. Das konnte Azoth gar nicht haben.
Das Messer begann zu glühen und sich orange zu färben. Er wurde völlig heiß, doch Azoth drückte den Griff noch fester, denn nur die Klinge war von der Hitze erfüllt. Würde er sie damit berühren, wäre sie innerhalb einer Stunde tot.
„Passt lieber auf was Ihr sagt Mädchen. Das ist mein voller Ernst. Ihr wisst nicht, mit welchen Leuten Ihr Euch gerade anlegt. An Eurer Stelle würde ich jetzt schnell verschwinden!“ zischte er.


„Kommt her und tötet mich. Ihr traut Euch nicht. Das ist der springende Punkt. Glaubt Ihr wenn jemand in den Trümmern seines gesamten Lebens gewandert ist fürchtet er jemanden wie EUCH?!“
Gezielt griff sie nach ihrem Schwert auf dem Rücken und tat einen Ausfallschritt nach hinten.
„Kommt her und zeigt was Ihr meint, ich fürchte keinen noch so qualvollen Tod!“
Sie lächelte leer und blickte ihm in die Augen.
„Wenn ich denn schon sterben muss, dann solltet Ihr wissen, dass ihr Lydia getötet habt.“


Azoth stieß sein Messer in einen der Balken, um es abkühlen zu lassen. Er lachte abermals und schaute Lydia ungläubig an.
„Ihr seid stürmisch, unvorsichtig, und zu guter Letzt auch noch verrückt. Ihr solltet wirklich gehen“, meinte er ernst, und wandte sich ab. Er setzte sich wieder an seinen Platz und begann in Ruhe weiter zu essen, so als ob nichts gewesen wäre.


Ihre Augen weiteten sich. Ihr Blick verschwamm hinter einem Tränenschleier. Sie kämpfte dagegen an, doch sie versagte und ließ ihr Schwert aus der zittrigen Hand gleiten. Sie hörte ihr Herz schlagen. Hohl und dumpf.
Leere. Das war es was sie erfüllte. Trauer und Schmerz. Wut und Hass. Sie zitterte und brach zusammen. Der Boden kam sehr schnell auf sie zu. Doch den Aufschlag spürte sie nicht. Sie spürte gar nichts mehr die Tränen liefen ihr die Wangen hinunter, die Welt war schwarz und weiß ohne Leben und Gefühl.
„Warum?“ wisperte sie leise und tränenerstickt.


Azoth beobachtete das Mädchen weiterhin, und sah wie sie zusammenbrach. Das war wohl die dritte Phase. Erst bedrohen, dann aggressiv werden, und letzten Endes zusammenbrechen und heulen. Einen kurzen Moment musste er nachdenken. Was wenn seine Tochter irgendwo in so einer Lage wäre? Er würde auch nicht wollen, dass ihr so etwas geschieht.
Er seufzte, schenkte den anderen einen kurzen Blick und ging zur Theke. Dort holte er frisches Wasser, und ging damit zu Lydia. Er kniete sich neben sie, und versuchte ihr aufzuhelfen.
„Hier trinkt mal einen Schluck“, sagte er.


Hohl hallten seine Worte in ihrem Kopf. Sie wollte etwas sagen doch mehr als ein Stöhnen brachte sie nicht heraus. Sie wollte nach dem Wasserkrug greifen doch sie griff ins Leere.
Sie schloss die Augen und redete in Gedanken auf sich selbst ein. Sie konnte es schaffen. Sie würde es schaffen!
Als sie die Augen wieder öffnete war der Schleier wieder verschwunden. Sie blickte ihm in die Augen.
„Danke aber mir geht es wieder gut, hoffe ich.“
Sie richtete sich wieder auf und verstaute ihr Schwert und ging in Richtung Tür. Im Gehen drehte sie sich noch einmal um. „Wenn ihr es euch anders überlegt. Ich werde euch nicht stören, aber ich möchte nichtmehr alleine reisen.“
Damit ging sie nach draußen und ließ sich gegen die Mauer fallen. Wieder traten ihr die Tränen in die Augen aber diesmal wollte sie nichtmehr weinen.


Miandra beobachtete eine Weile einfach nur, wie Azoth sich mit dem Mädchen abquälte, und überlegte. Konnten sie wirklich ein dreizehnjähriges Mädchen, das behauptete es hätte seine Familie verloren einfach so abschieben? Sie war wohl etwas vorlaut, was nur zeigte, dass sie scheinbar irgendwo Hilfe suchte.
Aber wie sollten sie ihr schon helfen? Sie konnten schlecht ein so junges Mädchen mitnehmen, schließlich waren sie in einer großen Sache verwickelt, bei der sie nicht ahnen konnten, in welche Gefahren sie noch stürzen würden.
Aber den Anblick konnte sie nicht ertragen. Sie konnten nicht einfach ein junges Mädchen mitten in der Nacht durch Denerim ziehen lassen...
Miandra stand auf, und ging zur Türe. „Beim Erbauer, ich muss echt verrückt sein“, fluchte sie vor sich hin, und schritt vor die Taverne, wo sie das Mädchen auch sofort angelehnt an der Mauer fand.
„Hört zu, es ist sehr traurig, was Euch widerfahren ist. Aber wir können es einfach nicht verantworten Euch mitzunehmen. Ruht Euch einfach in der Taverne aus, Ihr wirkt erschöpft, und vielleicht finden wir ja bis morgen eine Lösung für Eurer Problem“, sagte sie behutsam zu ihr, ohne sie anzublicken, da sie es einerseits nicht ertrug ein Kind weinen zu sehen und da sie sich andererseits umschaute – in der Hoffnung Vernita irgendwo zu erspähen.
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BeitragThema: Re: Kapitel XIV - Ein alter und neuer Gefährte   So 14 Aug 2011, 1:22 am

Vernita rannte durch die Gassen, wobei sie sich des Öfteren umsah. Sie bog unzählige Male ab und erst, als sie sicher war, dass der Mann sie nicht verfolgte, wurde sie langsamer.
‚Was für ein lästiger Vogel’, ging es ihr durch den Kopf. ‚Müssten wir nicht diskret sein, dann hätte ich ihn seinen eigenen Speer schlucken lassen.’
Die Elfe setzte ihren Weg in Richtung der Taverne fort, wobei sie sich vergewisserte, dass auch tatsächlich niemand hinter ihr her war. Nach einiger Zeit erreichte sie schließlich das Gebäude. Neben dem Eingang hockte ein junges Mädchen wie es schien und neben ihr stand Miandra. Vernita fragte sich, was das schon wieder zu bedeuten hatte
„Guten Abend, Miandra. Schön Euch zu sehen“, meinte sie lächelnd, nachdem sie die beiden erreicht hatte. „Hat etwas gedauert. Musste noch so einen aufgeblasenen Wichtigtuer loswerden, der sich mit mir anlegen wollte. Aber was geht denn hier vor?“
Ihr Blick schwankte zwischen der schwarzhaarigen Frau und dem jungen Mädchen.


Ein Lächeln überzog Miandras Gesicht. „Schön Euch zu sehen.“
Dann wandte sie den Blick zu dem Mädchen und seufzte. „Sie stürmte vorhin zu uns in die Taverne, und behauptete sie sei dreizehn Jahre alt, scheinbar alleine durch Ferelden gereist und habe ihre gesamte Familie verloren“, sie ging näher an Vernita heran sodass sie flüstern konnte. „Ich weiß nicht was ich davon halten soll, sie wollte sich uns einfach anschließen, und als wir ablehnten lief sie eben hier her und weint seitdem, aber... wir können doch unmöglich ein so junges Ding mit uns mitnehmen, aber ich kann sie doch auch nicht mitten in der Nacht durch Denerim ziehen lassen, um sie dann morgen hier tot und vielleicht vergewaltigt vorzufinden...“


Lydia blickte auf denn sie hatte gehört was die beiden besprochen hatten. Nicht mehr tränenverschmiert stand sie auf und näherte sich zögerlich.
„Wenn ihr denkt vor Tod oder Schlimmerem habe ich Angst, dann irrt ihr. Behaltet das Amulett und seht was ihr damit anfangen könnt. Ich werde es nichtmehr brauchen. Weiter will ich nichtmehr nach Antworten suchen, wahrscheinlich gibt es sowieso keine. Lebt wohl und ich danke euch.“
Damit wandte sie sich um und lief langsam durch die dunklen Gassen immer in die Richtung des Flusses der sich durch die Stadt zog. Sie konnte ihn schon hören und das Wasser fast riechen. Weit war es nicht mehr. Endlich war sie frei. Wirklich frei. Frei von ihrer Suche und frei von ihren Ängsten. Jetzt wollte sie es zu Ende bringen.


Genau in diesem Augenblick trat Sareth aus der Gasse und lief an dem jungen Mädchen vorbei. Er blickte ihr kurz nach, ließ aber doch von ihr ab. In diesen Moment schweifte sein Blick zum Eingang der Taverne.
Und er erkannte die Elfe wieder, die ihn so einfach in der Gasse hatte stehen lassen. Er ging weiter in Richtung Eingang und rief ihr schon vom weiten zu: „Also hatte ich doch recht mit dem Geruch von schalem Bier den ich an Euch roch.“ Dabei lächelte er selbstsicher.


Vernitas erster Impuls war, der kleinen Göre einfach die Kehle aufzuschlitzen und sie in der Gasse verbluten zu lassen, doch dann kam ihr wieder in Erinnerung, dass dieses Kind kaum älter war als Miandras Tochter. Wahrscheinlich machte diese sich deswegen solche Sorgen um dieses Straßenbalg.
Die Elfe wollte gerade etwas sagen, als das Mädchen aufstand und sich entfernte. Etwas verdutzt sahen die beiden Frauen ihr hinterher. Doch bevor sie etwas unternehmen konnten, kam auch schon wieder dieser Mann in seiner verrosteten Rüstung um eine Kurve und näherte sich.
„Der hat uns gerade noch gefehlt“, stöhnte Vernita genervt. Der Tag hatte doch so gut angefangen, und nun geriet anscheinend alles mal wieder außer Kontrolle.


Leanora hatte inzwischen ihr Abendbrot erhalten, aber als sie das Spektakel mit offenen Augen verfolgte, war ihr der Appetit vergangen. Ihr tat das Mädchen leid, und sie verstand Azoths Reaktion überhaupt nicht. Man konnte der Kleinen ja auch anders sagen, dass ihre Gesellschaft nicht gerade die ungefährlichste war.
Seufzend schob sie den Teller zur Seite und stand auf, um Miandra zu folgen. Von ihr hätte sie eigentlich nicht erwartet, dass sie dem Mädchen folgen würde, aber so konnte man sich täuschen.
Vor der Tür angekommen, war von dem Mädchen jedoch keine Spur mehr zu sehen, dafür war Vernita eingetroffen und ein Mann, den sie nicht kannte. Ein Bekannter Vernitas?
„Guten Abend Vernita, schön dass Ihr zurück seid. Miandra? Wo ist die Kleine denn hin?“


Azoth aß fertig und bemerkte, dass alle anderen dem Mädchen folgten. So langsam plagten ihn Schuldgefühle. Er hatte ein junges Mädchen bedroht, doch warum? Um die Aufgabe zu beschützen? Oder die ganze Gruppe? Er seufzte.
Vielleicht sollten sie Lydia doch mitnehmen und er könnte auf sie Acht geben, sie beschützen, so wie er es bei seiner Tochter gemacht hätte. Diese hatte er ja auch zurück gelassen und so würde sich sein Gewissen ein wenig beruhigen.
Er stand auf und ging ebenfalls aus der Taverne heraus.
„Wisst Ihr wo das Mädchen hin ist? Ich bin dafür sie mitzunehmen. Auf meine Kosten“, nochmal blickte er sich um. „Wo ist sie denn hin??“


Verwirrt blickte sich Miandra um. Irgendwie füllte sich der Platz vor der Taverne immer mehr, fehlten nur noch Hennrik und Rowan, und die Feier könnte beginnen... Sie musterte den Neuankömmling, welcher es scheinbar auf Vernita abgesehen hatte, kurz eindringlich bevor sie sich an Leanora und Azoth wandte.
„Sie ist weggelaufen“, sie zeigte in die Richtung in welche sie gelaufen war und seufzte.
„Und wen oder was wollt Ihr darstellen?“ fügte sie abfällig hinzu und musterte den Mann der vor Vernita stand.


„Danke“, sagte Azoth an Miandra gewandt, und machte sich auf den Weg und schlug jene Richtung ein, in welche sie gedeutet hatte. Je länger er durch die Gassen ging, desto kälter wurde ihm. Er zog den Umhang enger zusammen und die Kapuze über den Kopf. Der Wind blies ihm sonst ständig in die Ohren. Ihm kam ein anderer Geruch in die Nase, feucht, kalt und frisch wie von einem Fluss. Weiter streifte er durch die Gegend und hielt Ausschau nach dem Mädchen.


Sareth blieb vor dem Eingang der Taverne stehen und blickte die unfreundliche Elfe immer noch lächelnd an.
„Das mit der Reichweite und sich hinter einen Speer verstecken klären wir ein anderes Mal.“
Dann wandte er sich der anderen Frau zu. „Ich bin ein Söldner. Wenn es das ist was Ihr meint. Und ich bin auf der Suche nach einer Taverne, wo ich ein kühles Bier trinken kann.“
Als er seinen Satz beendet hatte betrat Sareth die Taverne und setzte sich an den nächst besten Tisch und bestellt ein kühles Bier.


Als Azoth die Richtung davon lief, die ihm Miandra gedeutet hatte, ging Leanora zurück in die Schankstube. Draußen wurde es allmählich richtig kühl. Die Pferde waren versorgt, die Hunde genauso, also konnte sie nun endlich ihren Eintopf essen.
Als der Wirt sie sah, brachte er ihr freundlich lächelnd einen neuen Teller mit frischem heißen Eintopf.
Leanora nahm ein Stück Brot, zerpflückte dieses und warf die Stücke in den Teller. Dann begann sie mit Genuss zu essen und wartete auf Vernitas Eintreten, um den Stand der Dinge zu erfahren.


Seufzend rieb sich Miandra mit zwei Fingern die Augen, als nur noch Vernita neben ihr stand. „Na das kann ja heiter werden... hoffen wir, dass dieser Kerl es wirklich nur bei einem Bier belässt und nicht auf dumme Gedanken kommt... ein Kind mitzunehmen reicht, da ich mir ziemlich sicher bin, dass Azoth sie gerade zurückholt...“, sie hielt einen Moment inne und blickte in die Richtung, in welche die beiden vorhin verschwunden waren.
„Was auch immer Ihr durch Eurem Kontaktmann erfahren habt, wir sollten es heute vielleicht nicht im Schankraum besprechen.“


Vernita schüttelte verständnislos den Kopf. Ihr wollte nicht in den Schädel, was hier im Moment vor sich ging. Sie war gerade einmal einen halben Tag unterwegs und schon lag wieder ein ganzer Haufen Schwierigkeiten vor ihnen, der rein gar nichts mit ihrem aktuellen Problem zu tun hatte.
Erst saß dieses Balg vor der Taverne und als sich Vernita schon darüber freute, dass dieses endlich verschwand, kam auch schon dieser übereifrige Elf daher und versuchte es zurückzuholen. Als ob sie nichts Besseres zu tun hätten, als das Kindermädchen für irgendein Straßenkind zu spielen. Und dann tauchte auch noch dieser lästige Wichtigtuer auf, von dem sie dachte, ihn abgehängt zu haben. Das alles war ihrer Sache sicherlich nicht dienlich.
„Wir könnten diesem Söldner einfach die Kehle durchschneiden und seine Leiche an die Hunde verfüttern. Dann hätten wir schon mal ein Problem weniger am Hals“, grinste Vernita. „War nur ein Scherz, obwohl mir der Gedanke von mal zu mal besser gefällt.“
Die Elfe fasste sich mit beiden Händen an ihren Kopf und dachte nach. Sie hatte viele Informationen bekommen, die sie den anderen unbedingt mitteilen musste, damit sie gemeinsam ihre weiteren Schritte planen konnten. Doch sie konnte mit ihren Gefährten nicht sprechen, solange diese beiden Fremden dabei waren. Das Risiko war einfach zu groß.
„Ich denke nicht, dass wir heute noch dazu kommen werden über das zu sprechen, was ich heute erfahren habe, Miandra. Falls Lian dieses Balg findet, so wird sich dieser Idiot sicher den Rest des Abends damit beschäftigen. Und vielleicht werden wir bis morgen auch diesen Kerl wieder los, der sich jetzt wohl da drinnen die Kante gibt“, meinte Vernita, wobei sie auf den Eingang der Taverne deutete. „Was ich Euch aber jetzt schon sagen kann ist, dass ich leider noch keine heiße Spur über den Aufenthaltsort Eurer Tochter habe. Doch wir kommen der Sache näher. Aber jetzt lasst uns hineingehen. Ich brauche was zu essen, und anschließend gehe ich auf mein Zimmer.“
Miandra nickte der Elfe nur zu, bevor sie sich zurück in den Schankraum begaben.
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BeitragThema: Re: Kapitel XIV - Ein alter und neuer Gefährte   So 14 Aug 2011, 1:40 am

Sie stand am Fluss. Es war kalt, nass und windig. die Steinmauer nach unten war glatt und schmierig, und es war sehr sehr hoch. Da stand sie nun und blickte in die schwarze Tiefe. So musste das Nichts aussehen. Da unten musste die schwarze Stadt liegen. Der Schleier ließ ihre Sicht verschwimmen und vernebelte ihre Gedanken. Freiheit.
Plötzlich hörte sie Schritte hinter sich. Sie blieb stehen wo sie war und drehte sich nicht um. Ein Schluchzen entwich ihr.


Azoth blieb stehen. Er vernahm ein Schluchzen. Nach kurzer Zeit ging er weiter und sah einen Schatten, der etwas kleiner war als der von ausgewachsenen Personen. Als er sich weiter näherte und dem Flussufer entgegen kam, sah er Lydia, wie sie gefährlich nahe am Abgrund stand. „Lydia?“, fragte er vorsichtig. „Ich bin es Azoth...“


„Du! Jetzt hast du deine Gelegenheit. Niemand wird etwas davon erfahren. Nur ein Tritt.“
Sie drehte sich zu ihm um. „Warum kommst du? Willst du zusehen? Meinetwegen. Aber eins solltest du noch wissen. Es tut mir unendlich leid. Ich will niemanden verärgern, aber ich habe es doch getan. Wenn du Zeit findest kannst du mit dem Medaillon nach Gorelas gehen und es vor den weinenden Engel auf den Friedhof legen. Sag Mutter und Vater, dass ich sie liebe...“
Wieder brach sie ab und verschluckte einen Teil in einem Schluchzer.
„Ich... ich kann es nicht! Ich fürchte nichts doch bringe ich es nicht fertig diese scheiß Mauer hinunterzufallen!“
Sie lächelte bitter. „Helft mir... bitte...“, sagte sie leise und mit erstickter Stimme.


„Gelegenheit meine Seele reinzuwaschen. Die habe ich“, sagte er und trat auf sie zu. Er hob sie von der kleinen Mauer runter und entfernte sich mit ihr ein Stück. Damit sie nicht einfach springen konnte, oder irgendeine Dummheit begehen konnte.
„Ihr reist mit uns. Ich werde auf Euch acht geben. Haben die anderen etwas dagegen so hört nicht auf sie“, meinte er und legte die Hand auf ihre Schulter.
„Wo ist Gorelas? Klingt nicht fereldisch“, fragte er und setzte ein Grinsen auf. Dann nahm er seine Messer aus dem Umhang und wickelte sie in ein Tuch welches er an seine Hose band. Dann gab er dem Mädchen seinen Umhang, denn sie schien zu frieren.


Sie lächelte mit Augen voller Tränen. „Danke...“, brachte sie erstickt hervor bevor sie ihm in die Arme fiel und ihn umarmte. „Ihr… Ihr habt mir das Leben gerettet. Wie kann ich Euch jemals danken? Wie kann ich das wieder gut machen?“, sie schluchzte.
„Danke, aber Ihr braucht ihn sicher auch“, sagte sie als er ihr den Mantel entgegenhielt.
„Gorelas ist... war im Frostgipfelgebirge. Ganz in der Nähe des Fulcher Passes. Dort und in den Bergen drum herum habe ich mein gesamtes Leben verbracht. Jetzt ist das alles vergessen und begraben. Aber ich kann Euch nicht genug danken, dass ich mit Euch reisen darf. Wie kann ich die Schuld begleichen?“


Azoth erwiderte die Umarmung und hing ihr den Mantel einfach um, auch wenn sie ablehnte. Er grinste, sie plapperte mit ihren Entschuldigungen nur so umher.
„Ihr müsst mir nicht danken. Wir sollten lieber zurück, ja?“


„Ihr seid zu großzügig.“
Sie lächelte und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. „Gehen wir. Ich will diesen Ort hinter mir lassen und ich will ins Warme.“
Sie war noch immer etwas weltfremd. Alles hallte und schallte noch immer dumpf in ihren Ohren, doch sie fühlte sich besser. Zaghaft wickelte sie sich in den Mantel ein und war insgeheim doch froh, dass er ihn ihr gegeben hatte, bevor sie sich zusammen auf den Weg zurück zur Taverne machten.
Drinnen angekommen setzte sie sich ans Feuer und zog den Umhang um sich. Langsam war ihr wieder normal zumute. Eine solche Aktion hätte sie von ihrem Retter nicht erwartet . Zumindest nicht nach dem Auftritt hier im Schankraum.
„Sagt, wo kommt Ihr her? Habt Ihr noch Familie?“ fragte sie unvermittelt. Sie blickte in die Flammen und wünschte sich für einen winzigen Moment sie wäre in die eisige Tiefe gestürzt. Doch der Gedanke verflog so schnell wie er gekommen war und das Gefühl von Schläfrigkeit überkam sie.


Azoth saß neben dem Mädchen am Feuer. Zu Vernita und Miandra sagte er nichts als er deren Blicke spüren konnte wie er zusammen mit dem Mädchen die Taverne betrat, sie hätten sich nur aufgeregt, wären dagegen gewesen, oder hätten unnötig diskutiert. Das Mädchen hatte immer noch seinen Umhang um, aber das störte ihn nicht.
Als sie ihn ansprach, verfiel er kurz in Gedanken. Familie. Irgendwo hatte er diese ja, aber konnte man das Familie bezeichnen? Nein, außer seiner Tochter, die nichts von ihm wissen konnte gab es niemanden. Familie war wohl jetzt die kleine Truppe für ihn. Was anderes hatte er nicht. Er drehte seinen Kopf zur Seite, und blickte zu dem halb erfrorenem Mädchen.
„Nein, ich... habe keine Familie mehr. Diese Gruppe hier ist das Einzige was ich habe“, sagte er. Dann fuhr er sich kurz und überlegt durchs Haar.
„Mir fällt gerade ein, du musst auch wo schlafen. Entweder bei Leanora, oder mir. Vielleicht noch bei Miandra... aber ich weiß nicht“, das flüsterte Azoth eher ein wenig, wobei ihm gar nicht auffiel, dass er das Mädchen bereits in er vertrauten Form ansprach.


„Dann... dann habt Ihr auch alle verloren? Das tut mir sehr sehr leid für Euch. Oder habt ihr sie verlassen? Aber das ist ein unschönes Thema und ich trage noch immer Euren Mantel. Hier bitte sehr. Seid bedankt dafür. Ich weiß nicht ob ich schlafen kann, aber danke für das Angebot. Ich weiß nicht wo ich schlafen soll, aber ich brauche Geld. Die letzten Silberlinge sind für mein Schwert draufgegangen, aber das hat sich definitiv gelohnt.“
Sie blickte ihn an und dachte nach. „Wisst Ihr wo ich Geld herbekommen könnte ohne zu stehlen? Kennt Ihr jemanden der Hilfe benötigt? Ich mache alles angefangen von Kistentragen, Dienstbotengängen, Beobachtungen... Wahrscheinlich würde ich auch töten, wenn es die richtigen Opfer sind. Aber der Gedanke behagt mir nicht. Ich habe nicht oft getötet und wenn dann nur aus Notwehr heraus.“


Azoth nahm den Mantel entgegen, und legte ihn auf seinen Schoß. Dann schüttelte er den Kopf. „Eben weil ich weiß, dass keine Zimmer mehr frei sind, fragte ich wo du schlafen willst. Keine Sorge Gold benötigst du erstmal keines“, zwinkerte er ihr zu.
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BeitragThema: Re: Kapitel XIV - Ein alter und neuer Gefährte   So 14 Aug 2011, 1:44 am

Sareth hielt sein erstes Bier seit langer Zeit in der Hand. Eine so lange Zeit war seit dem letzten Mal vergangen, dass er nicht mehr wusste wann es war. Er setzte den Krug an und trank in einem Zug den Krug leer. Er stellte den Krug auf den Tisch und bestellte ein neues Bier. Danach zog er seine Pfeife aus seiner Tasche und zündete sie an. Er lehnte sich zurück und zog ein paar mal an ihr, als auch schon sein nächstes Bier auf den Tisch stand.


Rowan war auf dem Rückweg zur Taverne, als die Nacht dabei war, sich über die Stadt zu senken. Überall in den Fenstern und auf den Straßen wurden Lichter entzündet. Lange Schatten tanzten zwischen den Häusern. In den Tavernen, an denen sie vorbei kam, hörte man zum Teil lautes Gelächter.
Eilig lief sie durch die Straßen, da es immer kühler wurde und sie sich nach der Wärme eines Feuers sehnte. Den Weg zur Taverne hatte sie schnell zurück gelegt und mit Schwung stieß sie die Tür auf und trat in den Schankraum. Ihre Gefährten waren alle anwesend und Rowan wollte sich eben auf den Weg zu ihnen machen. Sie bestellte sich beim Wirt eine Weinschorle und drehte sich zurück in den Raum, als ihr Blick auf einen Neuankömmling fiel. Es war ein Mann in einer Rüstung, die recht mitgenommen aussah, und der mit dem Rücken zu ihr gedreht alleine an einem Tisch saß.
Sie schritt weiter auf ihre Gefährten zu und beobachtete ihn dabei misstrauisch. Sein Gesicht lag im Dunkeln und war nicht zu erkennen.
Sie wollte sich eben abwenden, als der Schein des Feuers seine Züge erhellte. Vor Schreck fiel Rowan ihr Becher aus der Hand und landete krachend auf dem Boden. Starr und unbeweglich blieb sie stehen und starrte den Krieger an.


Leanora erschrak, als die Frau den Becher fallen ließ. Der Krieger war ihr zwar aufgefallen, aber sie hatte ihm keinerlei Beachtung geschenkt. Ihr war nur etwas mulmig zumute, da plötzlich so viele Fremde in der Gaststube saßen. Zufall?
Die Frau steuerte ja zielsicher ihre Gruppe an, also musste sie Vernita kennen.
Leanoras Blick wanderte vom Krieger zum Mädchen und weiter zu der Unbekannten. Schließlich stand sie auf, beauftragte den Wirt, dem Mädchen Eintopf zu bringen, sowie ein neues Getränk, und einen Lappen, damit sie die Schorle aufwischen konnte.
„Kennen wir uns? Mein Name ist Leanora, und es sieht beinahe aus als wolltet Ihr zu uns an den Tisch?“ fragte sie die Neue.


Sareth drehte sich um als er ein Scheppern hörte. Er sah eine junge Frau, die vollkommen starr da stand. Sareth musterte sie eindringlich und zog dabei an seiner Pfeife. Er hauchte den Rauch aus und nahm dann sein Bier vom Tisch.
„Eine junge Frau wie Ihr sollte nicht so angewurzelt da stehen und wie eine altes Waschweib starren. Kommt ich lade Euch auf ein Bier ein!“
Dabei hob er seinen Arm und bestellte beim Wirt zwei weitere Biere, denn er hatte seines bereits zuvor wieder geleert.


Rowan konnte nicht glauben, wen sie da vor sich sah. Das war unmöglich. Das durfte nicht sein… nicht nach so langer Zeit. Vier Jahre war es her und sie hatte sich zu sehr in Sicherheit gewogen.
Rowan achtete nicht auf den Becher vor sich und auf die anderen um sie herum. Sie starrte weiter den Krieger an und ihre Hände wanderten unbewusst zu den Dolchen an ihrer Hüfte.


Instinktiv ging Leanora einen Schritt zurück, als ihr Gegenüber an die Dolche griff. Heilfroh nahm sie dem Wirt den Lappen aus der Hand, kniete sich nieder und begann, das verschüttete Getränk aufzuwischen. Als sie damit fertig war, stand sie auf und ging damit zur Theke zurück.
Langsam kroch ihr eine Gänsehaut über den Rücken. Sie fand den Tag an sich anstrengend, aber die wenige Zeit die sie nun in der Schankstube saß, relativ beängstigend. Was ging hier nur vor? Ein Mädchen, welches aus dem nichts auftauchte und um Hilfe bat. Ein Krieger, der wohl nur in Ruhe sein Bier trinken wollte. Leanora zog ihre linke Augenbraue nach oben. Oder war er einer ihrer Verfolger? Auch diese Frau war ihr unheimlich, aber sie war sich nicht sicher, ob sie diese schon einmal gesehen hatte.


Sareth sah wie die Hände der jungen Frau an ihrer Hüfte zu ihren Dolchen wanderten.
Er machte keinerlei Anstalten und zog ruhig an seiner Pfeife weiter.
„Junge Frau, ein alter Mann wie ich bin es doch nicht wert dass man den Dolch gegen ihn erheben muss. Also beruhigt Euch und trinkt ein Bier mit mir!“
Während er diese Worte sprach zog er mit den Fuß seinen Speer, der zu seiner Linken an einen Stuhl lehnte, kaum merklich näher zu sich.


Rowan entging nicht, dass der Krieger seinen Speer näher zu sich zog. Ihre Muskeln spannten sich an und ihre Hände legten sich auf die Griffe ihrer Waffen.
Vier Jahre war es her, seit sie ihn das letzte Mal gesehen hatte. Wurde er geschickt, um sie zu suchen? Sie hätte ihn von allen hier am wenigsten erwartet. Wie hatte er sie gefunden? Rowan war stets darauf bedacht gewesen, ihre Spuren zu verwischen.
Sie zögerte kurz. Was hatte er vor mit ihr? Doch dafür hatte sie keine Zeit. Er war ihr kräftemäßig weit überlegen und auch mit dem Speer wusste er bestens umzugehen, wie sie bereits mehrfach am eigenen Leib erfahren hatte. Er durfte sie nicht in seine Finger bekommen.
Schnell warf sie sich herum und rannte die Treppen zu den Schlafzimmern hoch. Dabei stolperte sie dummerweise über ihre eigenen Füße und wäre fast gefallen. Im letzten Moment brachte sie sich mit einem Sprung auf die letzte Stufe und griff mit der rechten Hand an die Türklinke zu ihren Zimmer.


Sareth sah wie die junge Frau zu den Treppen rannte. Er sprang aus seinem Stuhl und eilte ihr hinterher die Treppen hinauf. Vor ihrer Tür holte er sie ein. Mit seinem linken Arm umfasste er sie von hinten während er mit der anderen Hand die Tür öffnete.
Er trug sie ins Zimmer, verschloss die Tür hinter sich, warf sie aufs Bett und nahm ihr bei dieser Gelegenheit die Dolche ab, die sie an ihrer Hüfte trug.


Zuletzt von Allie am So 14 Aug 2011, 12:49 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Kapitel XIV - Ein alter und neuer Gefährte   So 14 Aug 2011, 1:46 am

Lydia betrachtete die Szene aufgeregt. Mord und Totschlag hier mitten in Denerim?
Doch ihre Aufmerksamkeit richtete sich schnell auf eine große dampfende Schale Eintopf.
„Oh Eintopf! Ich liebe Eintopf!“, rief sie begeistert mit großen Augen. Hungrig machte sie sich über die Schüssel her - und löffelte sie komplett aus.
Um Einiges zufriedener legte sie ihren Umhang ab, es war warm in der Schankstube. Sie betrachtete ihre Kleidung. Ein braunschwarzes Korsett, eine grüne Stoffhose ihre Lederstiefel und unter dem Korsett ein weißes Hemd mit langen Ärmeln. „Ich könnte mal Kleider kaufen gehen, wenn ich wieder Gold habe.“


Leanora blickte den beiden verwirrt nach und wusste nicht, ob sie der Frau zu Hilfe eilen sollte oder nicht. Sie hatte ihren Säbel sogar noch an der Hüfte festgeschnallt, da sie noch keine Zeit gefunden hatte, sich nach den Übungen umzuziehen.
Die Frau und der Krieger waren aber so schnell verschwunden, dass sie ohnehin nichts ausrichten hätte können. Also ging sie zu Azoth und der Kleinen.
„Kleider? Natürlich solltest du neue Kleider haben. Ich darf doch du zu dir sagen? Mein Name ist Leanora. Und mach‘ dir mal wegen Geld für Kleider keinen Kopf. Wenn morgen etwas Zeit ist gehen wir in die Stadt und sehen zu, ob wir ein paar neue Hosen und Oberteile für dich erstehen können. Wie war dein Name? Ich glaube, ich hab‘ den vorhin nicht mitgekriegt.“


Sie machte große Augen als Leanora sie ansprach. „Ihr... Ihr würdet mir welche... kaufen? Ihr seid alle so großzügig zu mir! Ihr könnt mich Lydia nennen und natürlich dürft Ihr du zu mir sagen. Ich mag das feine Hochgegriffene nicht.“
Noch immer sprachlos starrte sie mit großen, glücklichen und glänzenden Augen Leanora an.


Leanora lächelte Lydia zu.
„Ein schöner Name ist das. Er passt zu dir. Und nun, bei deiner Größe werden wir wohl kein Vermögen ausgeben müssen um ein paar neue Sachen zu kaufen. Und ich muss in der Stadt ohnehin ein paar Dinge regeln.“
Ein leiser Schatten überflog Leanoras Gesicht. Sie musste sich einen Überblick über die Finanzen schaffen, aber sie wusste nicht, wie sie das Ganze anstellen sollte, ohne auf sich aufmerksam zu machen. Würde sie sich erst in den Ämtern blicken lassen und ihre Identität preisgeben, würde sie vielleicht die Gruppe und die Aufgabe, die vor ihnen lag, in Schwierigkeiten bringen. Vielleicht war es besser, unerkannt zu bleiben. Sollten es die Kerle darauf angelegt haben, ihre komplette Familie auszulöschen, war es sicher besser, wenn sie untergetaucht bliebe.
Sie seufzte leise auf und beschloss, Vernita zu fragen, was sinnvoller wäre. Schließlich musste diese ja inzwischen Informationen haben.
Leanora setzte sich neben Lydia und starrte grübelnd ins Feuer des Kamins.


Lydia sah eine Laute an der Wand des Schankraumes hängen. „Entschuldigt. Darf ich die bespielen? Ich werde auch nichts kaputt machen“, fragte sie an den Wirt welcher zögerlich zustimmte.
Sie nahm die Laute und setzte sich zu Leanora. Die Laute war gestimmt also begann sie leise zu spielen und zu singen. Langsam begann sie, wurde mit der Zeit lauter und spielte schneller. Nachdem sie ihr Lied gesungen hatte ließ die Saiten ausklingen und stellte die Laute neben sich an die Wand. Müdigkeit überfiel sie und so lehnte sie sich an Leanora an - und war eingeschlafen...


Während Miandra am Tisch saß beobachtete sie den Mann, wie er Rowan nachlief. Vernita die vorhin noch neben ihr saß war in die Küche verschwunden um sich nach etwas Essbarem umzusehen.
Sie überlegte. Sollte sie ihnen folgen? Sie kannte Rowan nur flüchtig, wusste nicht, welches Verhalten sie sonst an den Tag legte, doch etwas eigenartig kam ihr das allemal vor. Kannten sich die beiden? Oder wollte dieser Kerl etwa...?
Ja, so musste es sein, er schien sie nicht zu kennen, so wie er mit ihr sprach.
Egal wie wenig sie Rowan kannte, und egal wie gleichgültig ihr sie daher auch war, bei dem Gedanken, dass sich dieser Kerl womöglich an ihr vergriff, stellten sich alle feinen Härchen auf ihrem Körper auf.
Gerade als sie aufstehen wollte, nahm sie das Lied des Mädchens wahr und lauschte diesem aufmerksam. Schon lange hatte sie keine klare Kinderstimme mehr gehört und vergaß für einen Moment, was sie eigentlich tun wollte und ihre Gedanken schnellten zu Elana. Vernita meinte zwar, dass sie keine heiße Spur hatten, aber sie der Sache näher kamen... daraus konnte sie nicht schließen ob sie überhaupt noch am Leben war.
Regungslos starrte sie zu Azoth, Leanora und der nun schlafenden Lydia. Und bei dem Bild, wie sich das Mädchen an die Frau kuschelte wurde ihr übel. Sie stand ruckartig auf und schnellte die Treppen zu ihrem Zimmer nach oben. Sie hielt den Türgriff bereits in der Hand und holte einige Male tief Luft, als ihr Blick auf die Türe von Rowans Zimmer fiel und ihr wieder in den Sinn kam, dass ihr dieser Kerl nachgelaufen war.
Lautlos schlich sie neben die Tür und lauschte. Sie wartete auf auffällige Laute, erbost klingende Stimmen oder auf das Klirren von aneinanderprallendem Stahl.


Vernita ging in die Küche, um sich noch etwas zu essen zu besorgen. Der Eintopf, den der Wirt zubereitet hatte, war zwar lecker gewesen, doch eindeutig nicht genug für die Elfe. Während sie dort die Schränke nach etwas Essbarem absuchte, hörte sie, wie das Mädchen im Schankraum zu singen begann.
‚Das hat uns gerade noch gefehlt’, dachte sie und rollte mit den Augen. Sie mochte keine Musik und auch keine Lieder. Die Handlanger ihres Peinigers sangen gerne schmutzige Lieder, während sie die Elfe folterten oder sie zu ihrem Peiniger schleiften. Auch dieser hatte sie zu Anfang versucht, sie mit Musik zu betören, was ihm allerdings nie gelungen war. Ebenso gern ließ er im Hintergrund Musik spielen, während er sich an ihr verging. Sie schüttelte diesen Gedanken schnell ab.


Zuletzt von Allie am So 14 Aug 2011, 12:52 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Kapitel XIV - Ein alter und neuer Gefährte   So 14 Aug 2011, 2:02 am

Sareth warf die Dolche die er noch in der Hand hielt in die nächste Ecke und bewegte sich langsam auf Rowan zu. Im Gehen öffnete er die Verschlüsse seines Harnisches, der darauf hin von ihm abfiel und auf dem Boden landete.
Er kam ans Bett und packte Rowan an ihren Füßen und zog sie zu sich, sodass sie nun auf ihren Rücken lag. Er tastete an ihren Beinen, Armen und Rücken entlang.
Er fand in den Stiefeln Messer, die er ihr sogleich abnahm, und an ihren Armschienen eine Art Mechanismus, weswegen er ihr diese auch noch aufknöpfte und in die Ecke zu den Dolchen warf.
Er drückte ihre Arme aufs Bett, damit sie sich nicht wehren konnte, dann bewegte er seinen Kopf zu ihrem, sodass er ihr in die Augen sehen konnte. „Wieso sollte ich dich töten?“


Rowan war wie erstarrt. Sie spürte seine Hände an ihrem Körper und konnte den Blick nicht von seinen Augen nehmen. Sie zogen sie in ihren Bann und sie war unfähig, sich gegen ihn zur Wehr zu setzen.
So viel Zeit war vergangen und doch schien es ihr, als wäre es gestern gewesen, seit sie ihn das letzte Mal gesehen hatte. Und er hatte sich kaum verändert. Er trug immer noch die abgenutzte Rüstung, über die sich schon so manch einer lustig gemacht hatte, nur um wenige Augenblicke später dem Tod ins Auge zu sehen. Seine Haare trug er etwas länger und es hatten sich graue Strähnen hinein geschlichen. Doch seine Stimme war die gleiche und Rowan schauderte als sie ihren tiefen Klang vernahm. Gefangen in seinen Augen konnte sie kaum einen klaren Gedanken fassen.
„Weil… ich… desertiert bin. Und du bist von ihnen geschickt worden, um mich zurück zu bringen… tot oder lebendig…“
Es machte sie schier verrückt, ihn so nah bei sich zu spüren. Seinen Atem auf ihrer Haut. Warum ließ er sie so leiden? Machte es ihm Spaß, mit ihr zu spielen?
Ihr Atem beschleunigte sich und ihr stieg das Blut in die Wangen. Sein vertrauter Geruch umgab sie und riss sie schmerzhaft in Erinnerungen an die Zeit, die sie vergessen wollte. Doch sie konnte sich noch immer nicht gegen ihn wehren. Hilflos blieb sie unter ihm liegen und spürte, wie ihr Herz entzwei gerissen wurde. Ein Teil sehnte sich nach ihm. Nach seiner Berührung. Nachdem was vor Jahren hätte sein können und doch nicht passiert war. Der andere Teil hatte Angst und wollte fliehen. Rowan hing an ihrem Leben, doch sie würde auf keinen Fall zurück kehren. Eher würde sie sich von ihm töten lassen. Und gab es nicht Schlimmeres, als durch seine Hand zu sterben?
„Worauf wartest du noch? Tu es… freiwillig werde ich nicht mit zurück kommen.“


„Azoth? Könntet Ihr mir wohl kurz helfen? Ich bringe Lydia in mein Zimmer.“
Sie stand auf und nahm das Mädchen an den Schultern. Azoth stand auf, hob Lydia hoch und trug sie die Stufen hoch.
Oben angekommen, legten sie das Mädchen auf Leanoras Bett, zogen ihr die Schuhe aus und deckten sie zu. Nero lief ihnen nach, ließ sich rechts neben das Bett fallen und rollte sich zusammen.
Leanora lächelte das Mädchen an, und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
Zusammen mit Azoth verließ sie leise das Zimmer, schloss die Tür sacht hinter sich zu und stolperte beinahe über Miandra, die hochkonzentriert vor Rowans Tür stand.
„Miandra? Ist hier Hilfe von Nöten?“ fragte Leanora und wandte sich an Azoth: „Geht ruhig schon voraus, ich denke wir kommen auch gleich wieder zurück in die Schankstube.“


Erschrocken zuckte Miandra zusammen, als sie von Leanora aus ihrer Konzentration gerissen wurde. Sie packte die Frau an der Hand und zog sie näher an sich heran, sodass sie flüstern konnte. „Ich weiß nicht, ob Hilfe von Nöten ist, doch wenn Ihr weiterhin so laut herumschreit, dann werden wir das auch nie erfahren. Oder fandet Ihr die Reaktionen der beiden vorhin etwa normal?“
Sie ließ Leanora wieder los, wandte den Blick zur Seite, und versuchte sich wieder auf auffällige Geräusche hinter der Türe zu konzentrieren.


Nach kurzer Zeit hörte der Gesang auf, und Vernita wurde auch fündig. In einem der Schränke fand sie einen großen Saftschinken. Genau das Richtige, dachte sich die Elfe. Sie nahm ihn gleich an sich und dazu noch ein Laib Brot, bevor sie wieder den Schankraum betrat.
Doch dieser schien auf einmal wie ausgestorben zu sein. Nur Hennrik saß noch auf seiner Bank und schien mal wieder eingeschlafen zu sein. Sofort überkam Vernita ein ungutes Gefühl. Irgendetwas stimmte hier nicht. Besonders nervös machte sie die Tatsache, dass dieser Kerl in seiner rostigen Rüstung nicht mehr hier war.
Sie warf den Schinken und das Brot auf den nächsten Tisch und rannte instinktiv die Treppe nach oben empor. Kurz darauf sah sie auch schon Miandra und Leanora vor Rowans Zimmertür stehen. Vernitas ungutes Gefühl verstärkte sich, und sie zog sofort eines ihrer Schwerter, während sie auf die beiden zulief.
„Aus dem Weg!“ meinte sie nur knapp, als sie vor den beiden zum Stillstand kam und nach der Türklinke griff. Doch die Tür ließ sich nicht öffnen. Sie war verschlossen. Die Elfe ging einen Schritt zurück, holte kurz aus und trat dann mit voller Wucht gegen die Tür. Das alte Schloss hatte Vernitas kraftvollem Tritt nichts entgegen zu setzen. Es brach komplett aus dem Türrahmen. Die Tür selbst schwang durch die Wucht auf, bevor sie laut gegen die Wand krachte.
Die Elfe sah sich im Raum um, und hatte die Situation sofort erfasst. Rowan lag auf dem Bett und dieser Kerl hockte direkt über ihr und hielt sie fest. Das war zu viel des Guten. Vernitas Gesicht verzerrte sich vor Wut und Hass, und in ihren Augen schien ein gefährliches Feuer zu lodern.
Sie stürmte los, und innerhalb eines Augenblickes stand sie schon neben dem Bett. Unsanft griff sie mit ihrer linken Hand in die volle Haarpracht des Mannes, riss seinen Kopf hoch und hielt im direkt danach die Klinge ihres Kurzschwertes an die Kehle.
„So, du Bastard!“ zischte sie bedrohlich leise. „Du steigst jetzt ganz langsam von ihr herunter und gehst vor dem Bett auf deine Knie. Solltest du nur eine zu schnelle oder unüberlegte Bewegung machen, dann schneide ich dir auf der Stelle den Kopf ab, verstanden? Und das ist meiner voller Ernst!“


Azoth stand noch immer neben Leanora. Er war nicht gegangen als diese meinte er solle wieder nach unten gehen. Er wusste da war etwas faul. So wie Miandra an der Tür lauschte? Gerade als er flüstern wollte, um zu fragen was da los sei, kam Vernita angerannt und brach die Türe wie ein wildes Tier auf.
Er runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf. ‚Nein Nein, das kann keine Frau sein‘, dachte er sich. Doch plötzlich sah er dort einen Kerl, der sich zuvor auch in dem Schankraum befand und dass dieser auf Rowan drauf saß.
Doch bevor Azoth auch nur ein wenig reagieren konnte, hatte Vernita schon die Führung übernommen. Er stellte sich ebenfalls neben das Bett, und hielt seine Hände um den Schwertgriff, sodass er sie im Notfall zücken konnte. Hätte sich nicht eine solche Situation angebahnt, hätte Azoth Leanora gefragt, wo sie denn schlafen wolle. Jetzt wo das kleine Mädchen ihr Bett in Anspruch nahm.


Lydia lag weich und warm. Sie drückte sich in weiche Kissen und seufzte erleichtert. Nebenan krachte es. Sie schlug die Augen auf. Wieder rumpelte es. Sie schlug die Decke zurück und stand auf. Draußen stand niemand doch im Nebenzimmer waren Stimmen zu hören. Schläfrig tapste sie in eben dieses Zimmer.
„Bitte... ich will schla… Was geht ab?!“ Wie angewurzelt blieb sie stehen den Mund offen bei dem Anblick. „Was habe ich mir darunter vorzustellen?“ fragte sie mit höchster Verwunderung in den Raum.


Erschrocken blicke Azoth zu Lydia, die dort halbschläfrig im Raum stand. „Vernita, Ihr werdet das schon erledigen“, meinte er nur und schob dann das Mädchen aus dem Zimmer und brachte sie zurück in Leanoras Schlafgemach, dort setzte er sich auf einen Stuhl.
„So, du gehst nun schlafen“, er deutete auf das Bett. „Und ich werde solange hier sitzen, bis du eingeschlafen bist. Was dort drüben los ist, musst du nicht mitbekommen. Ich glaube der Kerl verliert nur gleich sein wichtigstes Teil.“
Azoth begann zu lachen, fing sich aber schnell wieder.
„Los ins Bett...“, grinste er.


„Wenn du wieder nach drüben gehst kannst du ihnen dann sagen wenn sie ihm den Kopf abmontierten, sie sollen das leise machen?“ sie grinste schläfrig und nahm den Umhang ab.
„Und danke, dass ich in deinem Bett schlafen kann. Ich hätte auch in der Schankstube geschlafen aber ich kann euch nicht genug danken.“
Sie zog die Decke bis an die Nasenspitze und wickelte sich darin ein. Noch einmal seufzte sie erleichtert und war auch schon wieder eingeschlafen.


Gerade als er antworten wollte, dass es nicht sein Zimmer war, sondern das von Leanora, war Lydia auch schon eingeschlafen. Mit einem Grinsen beobachtete er sie dabei und verfiel wieder in Gedanken.
Er stütze seinen Kopf auf seinem angewinkeltem Arm am Tisch ab, und dachte nach. Immer mehr Gedanken über seine Tochter überkamen ihn, sonst hatte er es verdrängt, aber seit er Miandra von Ciara erzählt hatte, und nun auch dieses Mädchen hier war, konnte er die Gedanken nicht mehr unterdrücken.
Er hatte Schuldgefühle die ihn plagten warum er Ciara zurück ließ. Aber auf dem Weg nach Ferelden hätte ihr ja etwas passieren können. Azoth wusste nicht mehr was er noch machen sollte, aber vielleicht besserte sich ja alles wenn er sich etwas um Lydia kümmern würde. So wie er sich auf um Ciara gekümmert hätte wenn sie nun hier wäre.


Miandra blieb im Türbogen stehen und beobachtete das Szenario mit gezogenen Waffen. Sie hatte also recht mit ihrer Vermutung, dieser Kerl hatte es tatsächlich auf Rowan abgesehen. Wie gut, dass Vernita das Aufbrechen der Tür übernahm, bevor es vielleicht zu spät gewesen wäre, auch wenn sie eine solch stürmische Reaktion eher von Azoth erwartet hätte.
Das kleine Mädchen bemerkte sie erst, als Azoth mit ihr wieder aus dem Zimmer verschwand. Doch wirklich wichtig war in diesem Moment nur, ob dieser Kerl dumm genug war um einen Kampf gegen sie zu wagen, oder klug war und das tat was Vernita von ihm verlangte. Denn der Hass und die Wut, welche sie gerade auszustrahlen schien, würden bestimmt dabei helfen, ihren dünnen Geduldsfaden noch schneller reißen zu lassen, davon war Miandra überzeugt.


Leanora stand mit offenem Mund auf dem Flur und verfolgte das Geschehen. Gottlob kümmerte sich Azoth um die Kleine. Es wäre dem Schlaf sicher nicht zuträglich gewesen, wenn Lydia dies mitgekriegt hätte, was sich im anderen Zimmer abspielte.
Sie selber schwankte zwischen stehenbleiben und zurück in die Schankstube zu laufen. Gebraucht wurde sie hier sicher nicht, Vernita und Miandra würden es mit fünf solchen Kerlen aufnehmen. Dennoch wusste sie immer noch nicht, was das Specktakel sollte. Sie wandte sich wieder an Miandra.
„Sagt mal, wer ist die Dame da drin überhaupt?“


Miandra wandte sich kurz an Leanora, ließ jedoch Vernita und den Mann nicht aus den Augen, auch wenn sie sichtlich genervt war. ‚Konnte sie das denn zu einem noch schlechteren Zeitpunkt fragen?‘, dachte sie sich nur und schüttelte innerlich den Kopf.
„Ihr Name ist Rowan, ich für meinen Teil kenne sie nur flüchtig als wir zusammen Lothering das Quartier von Krähen angriffen. Nachdem wir alle… Überreste des Kampfes beseitigt hatten verschwand sie zusammen mit einem anderen Kerl. Warum weiß ich nicht. Doch wie der Zufall, oder vielleicht die Hand des Erbauers, es so wollte, tauchte sie hier in Denerim wohl in dasselbe Drecksloch unter wie wir“, flüsterte sie und beobachtete anschließend weiterhin wortlos und jederzeit bereit einzugreifen das Geschehen.


„Danke“, flüsterte Leanora zurück. „Ich wusste ja nicht, ob die Dame zu unserer Gruppe gehört oder eine komplett Fremde ist.“
Für sie war damit das Thema erledigt. Deswegen ging sie in den Schankraum zurück, und bestellte beim Wirt einen großen Krug Wasser mit Holunder-Sirup, der ihr auch sofort gebracht wurde. Der Wirt hatte das Wasser wohl kalt gestellt, jedenfalls war es herrlich erfrischend.


Zuletzt von Allie am So 14 Aug 2011, 12:55 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Kapitel XIV - Ein alter und neuer Gefährte   So 14 Aug 2011, 2:08 am

Etwas überrascht über diesen schnellen Eingriff der Elfe, die ihn nun an seinen Haaren festhielt und ihn eine Klinge an den Hals drückte, ließ Sareth Rowan dennoch nicht los.
Er drehte seinen Kopf zu der Person die ihn bedrohte und fixierte sie mit einem harten, starren Blick.
„Ich werde nichts dergleichen tun, was Ihr von mir verlangt! Vielmehr solltet Ihr auf das hören, was ich Euch vorschlage!“
Sein Blick schweifte zu seiner rechten Hand und verweilte auch dort, und mit einem starren Blick deutete er, dass die Elfe ebenfalls dort hinsehen sollte.
Sareth hielt in seiner rechten Hand eine kleine, einen halben Finger große Klinge die er an die Hand von Rowan hielt. Sie war kaum zu sehen, dennoch war sie da. Er hatte sie aus einer alten Gewohnheit heraus immer an der Außenseite seines Handschuhs am rechten Zeigefinger befestigt. Sein Blick ging zurück zu der Elfe die ihn festhielt.
„Wenn Ihr nicht wollt, dass ich sie mit dieser vergifteten Klinge töte dann senkt Eure Waffe lieber, bewahrt Abstand und lasst mich in Frieden aufstehen. Oder Ihr entschließt mir die Kehle durch zu schneiden, aber in diesem Fall werde ich Rowan vergiften und sie wird wie ich sterben.“
Er hielt kurz inne, um der Elfe Zeit zum nachdenken zu geben. Dann fuhr er mit bestimmender Stimme fort. „Leben oder Tod?“


„Das werde ich nicht, Kleiner. Ich verhandle nicht mit Attentätern“, zischte Vernita wütend. „Du wirst sie jetzt loslassen und vor dem Bett auf die Knie gehen. Das ist deine einzige Chance diese Sache eventuell zu überleben.“
Die Elfe hielt kurz inne, wobei sie einmal kräftig an den Haaren des Mannes zog. „Solltest du es allerdings vorziehen, Rowan zu töten, dann werde ich dir nicht einfach den Kopf abschneiden. Nein, dann schneide ich dir alles ab. Ich bringe deine Eingeweide zum Glühen und werde dich mindestens eine Woche lang foltern. Darin habe ich Übung.“
Ein böses Grinsen legte sich auf ihr Gesicht. „Und ich werde dir die Namen deiner Familie entlocken. Und deiner Freunde und Verwandten. Und dann wirst du in der Gewissheit sterben, dass all diese Menschen das gleiche Schicksal erleiden werden wie du. Ich werde deine ganze Sippe mit Stumpf und Stiel ausrotten. Du glaubst vielleicht jetzt, dass du mir die Namen nicht nennen wirst. Aber glaube mir, Kleiner, da irrst du dich. Du wirst sie preisgeben, allein schon, damit ich dir die Gnade erweise, dich endlich zu töten. Denn nach meiner Spezialbehandlung wird der Tod für dich eine wahre Erlösung sein.“
Nun ließ sie dem Mann einen Moment zum Nachdenken. „Also, was darf es sein? Ein Leben als mein Gefangener oder endlose Qualen und einen sicheren Tod?“


Rowans Blick wanderte zwischen Vernita und Sareth hin und her. Angstvoll blickte sie dem Krieger über sich in die Augen. Die Klinge der Elfe lag direkt über ihrem Gesicht und sie konnte ihr Spiegelbild darin erkennen. Langsam löste sich die Starre, die Rowan befallen hatte. Sie hörte Sareths Worte und handelte schnell. Sie blickte ihm in die Augen. „Dann soll es so sein.“
Sie drehte ihr Handgelenk und trieb sich seine Klinge in ihren Unterarm. Der Schnitt tat kurz weh, dann bemerkte sie das Blut, welches begann aus der Wunde zu fließen.


„Verdammt noch mal!“ schrie Vernita und sprang zurück, wobei sie den Mann mit sich riss. Sie wich zur Seite aus und ließ ihn an sich vorbeitorkeln, wobei sie ihm noch aus der Drehung heraus mit dem Griff ihres Kurzschwertes ins Gesicht schlug. „Haltet den Kerl in Schach, Miandra!“
Die Elfe warf sich neben dem Bett auf den Boden und ergriff Rowans Unterarm. Mit ihrer Waffe schnitt sie die Wunde weiter auf, bevor sie diese zur Seite warf. Dann begann sie damit, das Blut aus dem Unterarm abzusaugen und auf den Boden zu spucken. Diesen Vorgang wiederholte sie mehrere Male, bevor sie sich an den Mann wandte.
„Gibt es für dein Gift ein Gegenmittel? Wenn ja, dann solltest du es ihr schnell verabreichen! Sollte sie sterben, so hat dein letztes Stündlein geschlagen!“


Sareth schüttelte seinen Kopf. Einen Schlag ins Gesicht hätte er nicht erwartet. Er stand auf und sah wie die Elfe Rowan behandelte. Ruckartig sprang er sie an und schleuderte sie von Rowan weg, sodass sie in der nächste Ecke landete.
Er holte eilig Verbandszeug aus seiner Tasche und verband Rowans Wunde so gut wie er konnte. Er hatte viel Übung darin, zu mal er sich selbst oft Verbinden musste.
Sareth stand wieder auf und drehte sich blitzartig zu der rücksichtslosen Elfe, die noch immer am Boden lag, um.
„Verdammte Elfe, seht was Ihr getan habt!“ Dabei zeigte er auf das Blut auf dem Boden.
Danach nahm er die kleine Klinge die an seinen Handschuh befestigt war, und Schnitt sich damit in den Unterarm. Dann zeigte er provokant die Wunde vor.
„Die Klinge ist nicht vergiftet. Beim nächsten Mal setzt Euren Verstand ein! Wenn ich sie hätte töten wollen würde sie bereits leblos auf dem Boden liegen.“
Danach hockte er sich zu Rowan und sah sich noch einmal aufs genauste den Verband an. Dann sah er ihr besorgt ins Gesicht.
„Geht es dir gut Rowan?“


Vernitas Gesicht war wie aus Stein gemeißelt, als sie hinter den Mann trat, der neben Rowan hockte. Sie hielt ihr zweites Schwert in der Hand, welches sie diesem in den Nacken hielt, so dass er die Spitze fühlen konnte.
„Du spielst ein gewagtes Spiel, Kleiner. Du solltest nicht noch einmal versuchen, mich zu verarschen“, sagte sie ganz ruhig. Ihre Stimme klang sehr leise, fast flüsternd, was sie noch bedrohlicher wirken ließ als sonst. „Und jetzt verschwindest du aus diesem Zimmer. Sollte ich dich noch ein einziges Mal in Rowans Nähe sehen, dann ziehe ich dir bei lebendigem Leib die Haut ab und verfütterte sie an die Schweine. Und jetzt verzieh dich, bevor ich es mir anders überlege und dich auf der Stelle töte.“


Sareth drehte seinen Kopf um als die Elfe ihm ihre Klinge in den Nacken hielt.
Er stand langsam auf, drehte sich zu ihr um und blickte sie kühl an.
„Ich habe keine Angst vor dir. Also hör auf zu bellen wie ein Hund!“
Sagte er abfällig und wandte sich ab. Er hob seinen Harnisch vom Boden auf und ging zur Zimmertür. Er blieb auf der Schwelle stehen und blickte über seine Schulter zu Rowan.
„Wir sehen uns dann später Rowan!“
Mit diesen Worten verließ er das Zimmer, ging in den Schankraum zurück, setzte sich an seinen Platz von vorhin und trank sein Bier aus.


Rowan war immer noch wie in Trance. War das wirklich Sareth, der da vor ihr saß und ihren Arm verband? War er geschickt worden, um sie zurück zu holen? Warum hatte gerade er den Auftrag angenommen und wie hatte er sie gefunden?
Sie erstarrte angstvoll, als sie Vernitas Schwert in seinem Nacken sah. Nein... das durfte sie nicht...
Dann war der Krieger auch schon aufgesprungen und verließ das Zimmer. Verblüfft schaute ihm Rowan hinterher. Ihre Gedanken drehten sich und sie wusste nicht, was sie tun sollte. Fliehen? Schon wieder? Und wenn ja, wohin? Sie hatte es hier und jetzt beenden wollen, doch das war ihr verwehrt geblieben. Was hatte er mit ihr vor?
Unschlüssig blieb sie einfach sitzen und starrte auf den Verband an ihrem Arm. Den Schmerz spürte sie nicht. Ein Teil von ihr wollte sich auf die Dächer schwingen und sich davonstehlen, so wie sie es sonst immer getan hatte. Doch sie war es auch Leid, immer davon zu laufen. Ihre Vergangenheit hatte sie eingeholt und sie konnte nichts dagegen tun. Doch sie durfte die anderen nicht mit hineinreißen. Sie wussten nicht, mit wem sie sich hier anlegten und was das für Folgen haben könnte. Rowan musste es irgendwie schaffen Sareth alleine zu erwischen und die Sache ein für alle Mal zu klären. Sollte es ihren Tod bedeuten, dann würde sie es akzeptieren.


Miandra beobachtete das Schauspiel skeptisch und verwirrt, wollte eingreifen, als der Mann Vernita von Rowan wegriss, doch als dieser ihr einen Verband anlegte, stoppte sie unschlüssig.
Was waren die Absichten von diesem Kerl? Wem wollte er mit der Lüge über das Gift Angst einjagen? Rowan oder Vernita?
Als er aus der Türe verschwand überlegte sie kurz, ob sie ihm folgen sollte, doch das wäre wohl dumm gewesen, da sie schließlich nicht einmal wusste wer er war, und womit er in Verbindung stand.
Stattdessen drehte sie sich wieder um und blickte zu Rowan, welche in Gedanken versunken schien und wie ein Haufen Elend am Boden kauerte. So steckte sie ihre Klingen zurück in deren Waffenscheiden.
„Also ich für meinen Teil, wüsste gerne was hier los ist“, sagte sie gelassen, mehr zu Vernita als zu Rowan und schloss die Türe des Zimmers.
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BeitragThema: Re: Kapitel XIV - Ein alter und neuer Gefährte   So 14 Aug 2011, 2:09 am

Lydia wurde wieder wach. Sie konnte wieder nicht schlafen obwohl sie weich und warm in der Bettdecke eingekuschelt war. Schläfrig blickte sie zu Azoth.
„Ich kann nicht schlafen. Hast du eine Laute hier? Ich würde gerne etwas spielen.“
Sie setzte sich auf und löste den Haarknoten, wobei ihr das blonde Haar über die Schultern und in den Nacken fiel. Sie seufzte.


Azoth wurde aus seinen Gedanken gerissen als Lydia wieder aufwachte. Vielleicht war es die Aufregung die sie nicht schlafen ließ. Immerhin war sie nun bei neuen Leuten, die sie eigentlich nicht kannte und Azoth befand sich ja auch noch im Zimmer.
„Nein tut mir leid, ich habe keine Laute. Was haben denn deine... Eltern oder andere getan, damit du schlafen konntest? Oder... wie kann ich helfen?“, fragte Azoth.
Er stand auf und setzte sich an die Bettkante. Irgendein Gefühl kam in ihm hoch. Er hatte das Bedürfnis sich um sie zu kümmern, zu sehen, dass es ihr gut ging. Waren das Vatergefühle die er hegte?


„Nicht viel. Als ich noch sehr klein war, da hat Mutter manchmal gesungen oder Vater mir etwas vorgelesen. Später habe ich dann oft alleine draußen geschlafen wenn ich unterwegs war. Dann habe ich mir ein Feuer gemacht und Laute gespielt.“
Sie lächelte bei den Gedanken ihrer Abenteuer in den Bergen. „Gorelas... Würdest du morgen mit mir fechten?“


Azoth fuhr sich durchs Haar und überlegte.
„Ich... kann mit keinen Geschichten oder Liedern dienen“, meinte er und grinste ein wenig. Sich um ein Kind zu kümmern war schwerer als gedacht.
„Fechten? Aber na klar doch. Aber ohne richtige Schwerter, ja? Was soll ich dir denn beibringen?“ fragte er.


„Ich würde gerne mein Können messen und das ausbauen was fehlt“, Lydia lachte.


„In Ordnung. Viel kannst du mir ja nicht tun“, lachte Azoth.
„Irgendwie solltest du dennoch versuchen zu schlafen. Ich mache es mir auf dem Stuhl bequem“, sagte er und setzte sich wieder auf diesen.


Lydia lächelte und vergrub sich wieder unter der Decke - und war nach kurzer Zeit endgültig eingeschlafen.


Azoth lächelte Lydia zurück, und stützte seinen Kopf wieder am Arm ab. Ehe er sich versah, schlief er auf dem Stuhl ein, die Nacht zuvor hatte er schließlich kein Auge zubekommen.
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BeitragThema: Re: Kapitel XIV - Ein alter und neuer Gefährte   So 14 Aug 2011, 2:20 am

Vernita ging zu ihrem zweiten Kurzschwert und hob es auf, bevor sie beide Waffen wieder wegsteckte. Dann sah sie Miandra an.
„Rowan hatte mir mal gesagt, dass jemand nach ihrem Kopf trachte, doch dass sie in Ferelden sicher sei. Wie es aussieht, hat sie sich geirrt“, meinte sie, während sie wieder neben die blonde Frau trat. Neben ihr ging sie in die Hocke, fasste ihr an die Wange und drehte ihren Kopf in Vernitas Richtung, so dass diese der Elfe direkt ins Gesicht blicken musste.
„So, Rowan. Und nun zu Euch“, sagte Vernita ruhig aber bestimmt, wobei ihr Gesicht völlig regungslos war. „Während wir an der Taverne in der Wildnis gerastet haben, wolltet Ihr nicht mit mir reden. Doch jetzt werdet Ihr das tun. Ich dulde keine Ausflüchte und keinen Widerspruch mehr. Inzwischen steht zu viel auf dem Spiel, als dass ich das alles für Eure Sturheit opfere. Eure Vergangenheit scheint Euch eingeholt zu haben, und es ist an der Zeit, mich ins Vertrauen zu ziehen. Ansonsten sehe ich keine andere Alternative, als diesen Kerl, der Euch soeben bedroht hat, aufzuspüren und zu töten. Nur so kann ich gewährleisten, dass unsere Operation geheim bleibt. Wenn Ihr damit kein Problem habt, dann sagt es mir. Ansonsten wird Euch nichts anderes übrig bleiben, als mir endlich die ganze Wahrheit zu erzählen.“


Rowan blickte Vernita verwirrt an. „Ich... ich kann nicht.“
Ihre Augen füllten sich mit Tränen. „Ich... werde gehen. Ihr seid ohne mich sicherer.“
Sie schob sanft Vernitas Hand weg und stand unsicher vom Bett auf. Ihre Hände zitterten, als sie ihre Waffen und ihre Armschienen aufsammelte und sich wieder ausrüstete.
„Es tut mir leid, dass ich Euch da mit hinein gezogen hab‘. Wirklich... das war nicht meine Absicht.“
Unschlüssig blieb sie in der Mitte des Zimmers stehen.


Vernita seufzte, als Rowan aufstand, ihre Sachen zusammensuchte und die Elfe wieder mit irgendwelchen Ausflüchten abspeisen wollte. Sie stand wieder auf, wobei sie tief ein- und ausatmete. Sie musste ihre Nerven beruhigen. Sie hatte allmählich genug und war nur einen Schritt davon entfernt, die Wahrheit aus der blonden Frau heraus zu prügeln. Diplomatie war wahrhaftig nicht ihr Stärke.
„Nein, das werdet Ihr nicht. Ich werde Euch nicht einfach gehen lassen. Nicht schon wieder“, meinte Vernita schließlich, wobei ihre Stimme einen ziemlich scharfen Ton angenommen hatte. „Seit ich vor etwa fünf Jahren zum Grauen Wächter geworden bin, versuchen ständig irgendwelche Leute oder Monster mich zu töten. Und auch jetzt scheint wieder eine ganze Meute meinen Kopf zu fordern. Denkt Ihr etwa, es würde noch einen Unterschied machen, ob da noch ein paar Kerle mehr oder weniger auf den Plan treten, die das ebenfalls versuchen werden, wenn Ihr mir endlich erzählt habt, wer hinter Euch her ist?“
Vernita stand auf und trat vor Rowan. Mit beiden Händen umklammerte sie die Schultern der blonden Frau und sah dieser direkt ins Gesicht. „Und was habt Ihr denn so Großartiges vor, nachdem Ihr uns verlassen habt? Wollt Ihr Euch wieder unter irgendeinen Stein verkriechen? Wo soll es denn diesmal hingehen? Nach Tevinter? Oder vielleicht nach Anderfels? Glaubt Ihr wirklich, es spielt eine Rolle, wo Ihr hin flüchtet? Nein, es ist völlig egal. Wer auch immer hinter Euch her ist, der wird Euch auch finden. Und Euch töten. Ihr habt nur eine Möglichkeit aus der Sache herauszukommen. Ihr müsst dasselbe tun, was ich gerade mache. Findet denjenigen, der Euch ans Leder will und kommt ihm zuvor.“
Die Gesichtszüge der Elfe versteinerten wieder, und ein fordernder Blick lag nun in ihren Augen. „Und wenn Ihr unbedingt wissen wollt, warum ich das tue, dann sag‘ ich es Euch. Es ist derselbe Grund, weswegen ich Miandra dabei helfe, ihre Tochter zu finden.“
Ihr Blick fiel kurz auf die schwarzhaarige Frau, die immer noch bei der Tür stand, bevor sie wieder Rowan ansah. „Sie und Ihr seid die einzigen Personen auf diesem ganzen verdammten Kontinent, die mir etwas bedeuten. Alle anderen können von mir aus eines grausamen Todes sterben. Und solange ich noch dazu fähig bin, auch nur einen einzigen Atemzug zu tun, werde ich sowohl ihr wie auch Euch beistehen. Das ist ein Versprechen.“
Die Stimme Vernitas wurde nun vorwurfsvoller, als sie weitersprach. „Also hört endlich mit dieser elenden Flennerei auf, und macht das Maul auf! Ihr stellt meine Geduld auf eine harte Probe! Oder ist es Euch lieber, wenn ich jeden töte, der es wagt sich Euch bis auf fünf Schritte zu nähern? Der Kerl von vorhin wäre damit der erste, den ich mir vorknöpfe werde! Wollt Ihr das vielleicht?“


„Ich habe nicht vor, weiter davon zu laufen. Darüber braucht Ihr Euch keine Sorgen zu machen.“
Ihr Augen funkelten vor Zorn als sie die Hände der Elfe von ihren Schultern fegte. „Und ich habe Euch nie darum gebeten, dass Ihr Euch für mich einsetzt. Ihr solltet mir nicht trauen, genauso wenig wie ich Euch und den anderen traue. Jeder steht im Endeffekt für sich allein.“
Rowan rückte ihre Armschienen zurecht und überprüfte den Sitz ihres Waffengürtels. Sie warf Vernita noch einen Blick zu und schritt dann Richtung Tür. Mit der Rechten umfasste sie die Klinke und hielt dann jedoch seufzend inne.
„Ich bin mit fünfzehn von zu Hause weg gelaufen und habe mich einer Gruppe angeschlossen, die gerade in der Gegend umher zog. Sie haben mich mit nach Orlais genommen und ich wurde dort... ausgebildet.“
Sie wandte sich nicht um und hielt den Kopf Richtung Tür während sie weiter sprach. „Dort habe ich Sareth kennen gelernt. Er hat hin und wieder für uns Aufträge übernommen. Ich... bin schließlich von dort geflohen... und wieder hierher zurück nach Ferelden gekommen. Ich hab immer befürchtet, dass sie mich suchen würden, obwohl ich doch die Hoffnung hatte, dass ich zu unwichtig für sie bin.“
Rowan drehte sich um und schaute Vernita an. „Ich... habe bisher mit niemandem darüber gesprochen. Und es fällt mir sehr schwer. Allein die Gedanken an damals… ich hab‘ sie bisher immer verdrängt.“
Rowan ließ von der Tür ab und setzte sich zurück auf ihr Bett.


Miandra musterte Rowan und Vernita abwechselnd, und war durch den Anblick urplötzlich beruhigt. Vielleicht lag es an der Tatsache, dass sie bisher immer daran glaubte, dass sich Vernita nur ihr gegenüber so verhielt, wie sie es grade tat. Man konnte Sorge in ihren Augen lesen, über die sie in gewisser Hinsicht froh war. Sie verstand nicht genau, wieso das so war, dachte jedoch auch nicht länger darüber nach.
Das einzige was sie daraus ableiten konnte war, dass sie Rowan auf eine gewisse Art und Weise brauchte. Sie brauchte Rowan, weil Vernita sie leiden konnte.
So einfach war das.
Sareth? Also war das dieser Kerl von vorhin...
„Denkt Ihr, dass er alleine gekommen ist? Irgendwie kommt mir das etwas eigenartig vor... Wenn diese Gruppe wirklich nach Eurem Kopf trachten sollte, weil Ihr von dort geflohen seid... Wieso sollte er Euch dann verbinden, und damit retten... Will er Euch vielleicht davon überzeugen dort hin zurück zu kehren?“
Sie überlegte einen Moment. Um wen genau konnte es sich dabei wohl handeln, dass sie wegen einer einzigen Frau von Orlais bis nach Ferelden - bis nach Denerim - die Suche erweiterten?
„Ja.. die Vergangenheit holt wohl uns alle irgendwann ein...“, sagte sie leise zu sich selbst und lehnte sich mit einem Seufzen an die Wand neben der Türe.


„Solche Dinge lassen sich nicht ewig verdrängen, Rowan“
, meinte Vernita mitfühlend. „Und je länger Ihr das versucht, desto schlimmer wird es, wenn das Verdrängte wieder an die Oberfläche kommt. Diese Erfahrung habe ich selbst erst vor Kurzem machen müssen. Es ist also an der Zeit, dass Ihr Euch Eurer Vergangenheit stellt, so wie ich mich der meinen stelle.“
Die Elfe wandte den Blick ab, und fixierte nun die schwarzhaarige Frau. „Und es ist doch sonnenklar, warum er ihr geholfen hat, Miandra. Hätte er sie in dieser Situation nicht gerettet, dann wäre er jetzt ebenfalls tot. Das war ihm mit Sicherheit klar. Und er wollte bestimmt noch nicht sterben. Bestimmt wartet er jetzt auf eine bessere Gelegenheit, um sein Ziel zu erreichen. Ich würde das tun. Allerdings...“
Vernita fasste sich ans Kinn und wirkte für einen Moment sehr nachdenklich. „Möglicherweise will er Euch auch gar nicht töten, Rowan. Vielleicht hat er auch was ganz anderes im Sinn. Für einen geübten Attentäter war sein Verhalten nicht professionell genug. Wir sollten ihn über den Grund seines Hierseins befragen. Am Besten übernehme ich das. Es könnte zwar sein, dass ihm danach ein paar Körperteile fehlen, aber so finden wir zumindest heraus, wer ihn herschickte und was er vorhat.“


„Ich kann es Euch nicht sagen, was er will. Er ist Söldner und hat hin und wieder für meine Ausbilder gearbeitet.“
Rowan wandte sich ab und starrte aus dem Fenster. „Aber soweit ich weiß, hat er Orlais nie zuvor aus eigenen Interessen verlassen. Warum sollte er es gerade jetzt tun? Und warum dort, wo ich bin? Wären das nicht zu viele Zufälle auf einmal?“
Nachdenklich strich sie sich ihre Zöpfe aus dem Gesicht.
„Und bitte seid vorsichtig. Auch wenn er vielleicht nicht danach aussieht, er ist ein durchaus erfahrener Kämpfer und gefährlicher Gegner.“
Sie drehte sich zu Vernita um und schaute sie flehentlich an. „Aber bitte… wenn es eine andere Möglichkeit gibt, dann... bitte tut ihm nicht weh.“


Vernita wollte sich gerade abwenden und das Zimmer verlassen, um nachzusehen, ob dieser Kerl noch in der Taverne saß, als ihr klar wurde, was Rowan da gerade eben gesagt hatte. Hatte sie die Elfe wirklich darum gebeten, diesen Kerl zu verschonen? Warum sollte sie das tun? Dieser Mann war womöglich ein Attentäter, der nach Denerim gekommen war um Rowan zu töten. Und ausgerecht diese bat Vernita darum, ihrem potenziellen Mörder nichts anzutun. Das ergab für die Elfe keinen Sinn.
Hätte dieser Kerl es auf Vernita abgesehen, dann hätte die Elfe ihm wahrscheinlich schon längst die Eier abgeschnitten und sie ihm ins Maul gesteckt, damit er daran ersticken konnte. Vernita verstand die Welt nicht mehr und sah die blonde Frau deshalb noch einmal fest in die Augen.
„Ist das Euer ernst, Rowan?“ fragte sie mehr als überrascht. „Dieser Bastard ist eventuell hier, um Euch zu töten, und Ihr wollt, dass ich ihm nicht das Fell über die Ohren ziehe? Das müsst Ihr mir genauer erklären. Was verbindet Euch mit diesem Wichtigtuer?“


Rowan wandte den Blick nach unten. „Ich... kann es Euch nicht sagen. Es... gab eine Zeit, da hatten wir viel miteinander zu tun und wir haben uns gut verstanden.“
Nervös spielten ihre Finger an einer Schnalle ihrer Lederrüstung.
„Wir sind so etwas wie Freunde geworden... denke ich.“
Sie drehte den Kopf zur Seite als sie merkte, wie ihr das Blut ins Gesicht schoss. Warum reagierte sie nur so? Nach all den Jahren... und dabei war noch nicht einmal etwas passiert. Doch seine Anwesenheit hatte ihre Gedanken durcheinander gebracht. Sie wusste nur, dass sie nicht wollte, dass ihm etwas passierte. Sollte er den Auftrag bekommen haben sie zu töten, dann musste es eine andere Lösung geben.
„Bitte...“ Rowan schaute Vernita an. „Lasst uns erst einmal mit ihm sprechen. Vielleicht habe ich eben einfach nur überreagiert. Nach so langer Zeit hatte ich nicht mehr gedacht, noch einmal mit dem, was passiert ist, konfrontiert zu werden. Ich bin einfach überrumpelt worden.“
Rowan stand auf und trat ans Fenster. Innerlich war sie aufgewühlt und unruhig. Hatte sie wirklich nur überreagiert oder war er tatsächlich geschickt worden um sie zu suchen? Er war ein fähiger Söldner, der seine Aufträge immer präzise erledigt hatte und sich nicht gescheut hatte, weiter dafür zu reisen. Außerdem kannte er Rowan gut. Wenn sie ihr jemanden hinterher geschickt hatten, dann wäre er eine gute Wahl dafür gewesen. Oder hatte er sich gar freiwillig gemeldet?
Rowan spürte ein Ziehen in ihrer Brust. Würde er wirklich einen Auftrag annehmen, bei dem sie zu Schaden kommen sollte? Sie musste es heraus bekommen, oder es würde ihr keine Ruhe mehr lassen. Und wenn er gekommen war um sie zu töten, dann sollte es so sein. Dann würde sie sich stellen.


„Ich verstehe. Ihr kennt euch also“, murmelte Vernita leise. „Das macht es für ihn natürlich wesentlich einfacher Euch zu töten, falls er deswegen hierher geschickt worden sein sollte. Würde ich Euren Tod wollen, dann hätte ich auch jemanden entsandt, dem Ihr so etwas wie Vertrauen entgegenbringt. Ich werde mit ihm reden.“
Die Elfe wandte sich ab und ging Richtung Tür. Als sie diese gerade durchschritten hatte, blieb sie noch einmal stehen und wandte sich erneut um.
„Leider kann ich Euch nicht versprechen, ihn zu verschonen, Rowan“, meinte Vernita mit gedämpfter Stimme. „Sollte ich auch nur den geringsten Verdacht hegen, dass er hier ist, um Euch etwas anzutun, dann werde ich ihm keine zweite Gelegenheit dazu geben. Dann wird er diese Nacht nicht überleben. Um dieses Risiko einzugehen, seid Ihr mir einfach zu wichtig.“
Die Elfe wandte ihren Blick noch einmal zu Miandra. „Bleibt am Besten hier, und passt auf sie auf. Ich bin gleich wieder zurück.“
Ohne auf eine Antwort zu warten, machte sie sich auf den Weg nach unten. Festen Schrittes marschierte sie den Flur entlang und dachte über das Geschehene nach.
Sie waren nach Denerim gekommen, um Antworten zu bekommen. Sie wollten Miandras Tochter finden und die Person, die Vernitas Tod verlangt. Und nun mussten sie sich auch noch mit Rowans Vergangenheit auseinandersetzen. Das machte die ganze Sache nur unnötig kompliziert. Am liebsten würde sie die Geschichte so schnell wie möglich beenden. Einfach in den Schankraum vor diesen Kerl treten und ihm mit einem schnellen Hieb den Kopf abschlagen. Problem gelöst.
Doch dann war da noch Rowan, die sie gebeten hatte, diesen Mann nicht zu töten. Offensichtlich mochte sie diesen Kerl ziemlich gern. Oder liebte sie ihn vielleicht sogar? Dieser Gedanke missfiel der Elfe ganz und gar. Trotzdem machte dieser Umstand die Situation ziemlich schwierig. Wer wusste schon, wie die blonde Frau reagieren würde, wenn Vernita mit diesem Wichtigtuer einfach kurzen Prozess machen würde. In ihrem augenblicklichen Zustand war da alles möglich. Von Flucht, über Mord bis hin zum Suizid. Das durfte Vernita nicht zulassen. Sie seufzte. Sie hasste es, wenn die Dinge nicht so einfach waren, um sie mit einem einzigen Schwerthieb aus der Welt zu schaffen.
Die Elfe stieg die Treppe zum Schankraum hinunter. Nun würde sich das Schicksal dieses Sareths entscheiden. Doch er war gar nicht da. Vernita sah sich überrascht um, doch sie konnte nur Leanora an der Theke sehen, sowie Hennrik, der immer noch auf der Bank saß und schlief. Oder war er bereits tot? Außerdem hörte sie den Wirt in der Küche werken.
Vernita sprang die letzten Stufen der Treppe einfach herunter und lief so schnell es ging zum Ausgang der Taverne. Sie riss die Tür auf und rannte nach draußen, bevor sie sich in der dunklen Gasse umschaute. Sie sah nach links, dann nach rechts und schließlich wieder nach rechts. Doch bis auf eine schwarze Katze, die in einiger Entfernung über die Straße schlich war nichts und niemand zu sehen.
„Verdammt!“ fluchte sie, während sie darüber nachdachte ihn zu suchen. Doch sie verwarf diesen Gedanken gleich wieder, da sie keine Ahnung hatte, wo sie mit der Suche beginnen sollte. Dafür war Denerim einfach zu groß.
Vernita ging wieder zurück in die Taverne und gesellte sich zu Leanora, die sie etwas überrascht ansah.
„Habt Ihr eine Ahnung, wo sich dieser Kerl in der verrosteten Rüstung herumtreiben könnte?“ fragte sie die die blonde Frau, obwohl sie wenig Hoffnung auf eine Antwort hatte, die ihr weiterhelfen würde.
„Nun, er sprach kurz mit dem Wirt, bevor er die Taverne verließ“, erwiderte Leanora fast automatisch. „Aber was ist denn los?“
„Das erkläre ich Euch später“, meinte die Elfe nur kurz, wobei sie mit der Hand abwinkte. Anschließend ging sie in die Küche und sprach den Wirt an. „Dieser Kerl in seinem verrosteten Eimer? Was wollte der von Euch?“
„Der? Der wollte ein Zimmer“, antwortete der Wirt, während er einige Töpfe, die er wohl vorhin gespült hatte in einem der Schränke verstaute. „Aber da ich ja dank Euch kein Zimmer mehr frei habe, ist er gegangen, um eine andere Taverne aufzusuchen. Und bevor Ihr fragt, nein, ich weiß nicht zu welcher Taverne er unterwegs ist. Tut mir leid.“
„Schon gut“, murmelte Vernita, bevor sie die Küche wieder verließ. Ohne Leanora auch nur eines Blickes zu würdigen, ging sie wieder völlig in Gedanken versunken nach oben. Sie trat erneut in Rowans Zimmer, wo sich die beiden Frauen nach wie vor aufhielten.
„Er ist weg“, meinte die Elfe nur knapp, wobei sie sich nachdenklich über das Kinn strich. „Und ich denke nicht, dass es viel Sinn macht, ihn heute noch zu suchen. Wir sollten uns jetzt schlafen legen und uns morgen mit der Sache weiter auseinandersetzen.“
Sie machte ein kurze Pause, bevor sie weitersprach. „Trotzdem sollten wir einige Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Ihr schlaft heute in meinem Zimmer und ich in Eurem, Rowan. Ich habe einen leichten Schlaf, so dass er mich kaum überraschen kann, falls er zurückkehren sollte. Außerdem werde ich eine Sprengladung an dem Fenster in meinem Zimmer anbringen, in dem ihr schlafen werdet. Und keine Angst. Dieses Gemisch macht nur Krach und blendet jeden Eindringling für kurze Zeit, dessen Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt haben. Ich habe nicht vor, Euch abzufackeln. Und ich dulde bei dieser Entscheidung keine Widerworte. Morgen sehen wir weiter.“


Während die Elfe sich nach unten in den Schankraum begab, schritt Rowan ungeduldig im Zimmer auf und ab. Sie wusste nicht, was sie fühlen sollte. Erleichterung, weil ihr Leben scheinbar doch noch nicht zu Ende war? Oder Angst, Vernita und Sareth könnten sich gegenseitig etwas antun?
Resigniert aber auch erleichtert packte Rowan ihren Rucksack und verließ ihr Zimmer, nachdem die Elfe zurückgekehrt war. Sie ließ sich von Vernita deren Zimmer zeigen und warf sich dann erschöpft auf das Bett.
Heute war viel passiert. Sie hatte den Tag über damit verbracht, sich etwas Gold zu verdienen und eigentlich gedacht, den Abend in Ruhe in der Taverne verbringen zu können. Bleierne Müdigkeit legte sich auf sie und sie hatte Mühe, ihre Augen offen zu halten.
„...Danke...für Euer Bemühen.“ Sie fing an, ihre Lederrüstung abzulegen.
„Ich bin es nicht gewohnt, dass sich jemand Sorgen um mich macht, deshalb entschuldigt, wenn es so rüber kommt, als würde ich das nicht zu schätzen wissen. Doch das tue ich.“
Sie schaute auf und sah Vernita in die Augen.
„Danke.“
Nur mit einem dünnen Leinenhemd bekleidet kroch sie unter die Bettdecke und gähnte hinter vorgehaltener Hand.
„Ich wünsche Euch eine angenehme Nachtruhe.“
Dann rollte sie sich auf die Seite und zog die Decke bis hoch unter ihr Kinn.


„Keine Ursache, Rowan“, lächelte Vernita die Frau an. „Habe ich gern gemacht.“
Dann ging sie zum Fenster. Sie kramte aus ihrer Tasche eine dünne Schnur sowie eine Glasflasche mit einer hellweißen Flüssigkeit darin heraus. Sie befestigte die Schnur quer über die Fensteröffnung und hing die Flasche daran, allerdings so, dass man sie von außen nicht sehen konnte. Sollte nun jemand versuchen, durch das Fenster einzusteigen, würde derjenige ein augenöffnende Überraschung erleben.
„Sobald diese Flasche auf dem Boden aufschlägt, gibt es einen lauten Knall sowie einen grellen Lichtblitz, der jeden für einige Augenblicke komplett die Sicht nimmt. Mit etwas Glück stürzt der Eindringling dann aus dem Fenster und bricht sich das Genick. Und falls nicht, so wird der Krach Euch zumindest wecken, und Ihr könnt Euch wehren, also legt Eure Waffen lieber griffbereit neben Euer Bett“, erklärte die Elfe während ihrer Arbeit.
Anschließend wandte sie sich zum Gehen. An der Tür steckte sie von innen noch ihren Zimmerschlüssel in das Schloss. „Ihr solltet die Tür verriegeln, sobald ich weg bin. Auch wenn das Schloss nicht viel taugt, so werdet Ihr zumindest mitkriegen, wenn jemand versucht hier einzudringen. Ich wünsche Euch eine gute Nacht.“
Nach diesen Worten verließ Vernita den Raum und schloss die Tür hinter sich. Anschließend ging sie in Rowans Zimmer, wo sich immer noch Miandra aufhielt.
„Wir sollten uns jetzt vielleicht hinlegen und schlafen“, meinte Vernita zu der Frau gewandt. „Oder wolltet Ihr noch mit mir über etwas reden?“


Miandra beobachtete die Gespräche der beiden schweigend und nachdenklich. Wie konnte man nur jemanden verschonen wollen, der einem vielleicht das Leben nehmen könnte? Sie wusste keine Antwort auf diese Frage. Wie sollte sie auch?
Und dennoch musste sie darüber nachdenken. An so etwas wie Liebe und Freundschaft hatte sie ihr gesamtes Leben über nicht geglaubt. Wieso sollte sie es jetzt tun? Liebe ließ in ihren Augen die Menschen nur dumm werden, wie sie es des Öfteren beobachtet hatte, und Freundschaft…
Sie wusste es nicht. Vor einigen Monaten hätte sie gesagt, Freundschaft sei, wenn man sich mit irgendwelchen Leuten treffen muss, so tun muss als würde man mit ihnen gleicher Meinung sein und sie verstehen, und mit ihnen den gesamten Tag über irgendwelche unnötigen Dinge schwafeln, sowie über andere Leute lästern.
Doch inzwischen kannte sie den Unterschied nicht mehr. Lag Freundschaft und Liebe vielleicht doch so nahe aneinander? Ließ Freundschaft die Menschen auch dumme Handlungen vollziehen? Sie selbst hatte sich bis vor Kurzem nie über andere Sorgen gemacht – abgesehen von ihrer Tochter, doch das stufte sie wo anders ein – doch nun, wo sie Vernita und Rowan beobachtete, bemerkte sie, dass sie das auch tat. Sie machte sich Sorgen, und sie widersprach sich in letzter Zeit immer öfter selbst.
Hatte sie ihr gesamtes Leben über wirklich nur Lügen gelebt, und waren das hier normale Gefühle? Beherrschte sie die einfachsten Dinge im Leben nicht? Zu wissen, wen man wirklich mag und wen nicht? Auch Miandra verstand die Welt nicht mehr.
„Mal angenommen ich würde Euch töten wollen, würdet Ihr mich dann umbringen?“, fragte sie unvermittelt und blickte zu der Elfe.


Vernita stand neben dem Bett und zog gerade ihre Panzerhandschuhe aus, welche sie auf den Nachttisch legte, als Miandra ihr tatsächlich noch eine Frage stellte. Aber was für eine! Wie kam die schwarzhaarige Frau nur auf so eine absurde Idee? Worauf wollte sie hinaus? Und vor allem, was sollte sie ihr darauf antworten? Sie entschloss sich, ihr die Wahrheit zu sagen.
„Diese Frage ist schwerer zu beantworten, als Ihr vielleicht glaubt, Miandra. Hättet Ihr mir dies vor ein paar Wochen gefragt, so hätte ich wahrscheinlich allein deswegen schon den Fußboden mit Euren Eingeweiden aufgewischt, aber jetzt...“ Die Elfe hielt kurz inne, während sie langsam auf die schwarzhaarige Frau zuging.
„Ihr seid mir sehr wichtig geworden, Miandra. Und ich würde jederzeit mein Leben für Euch geben. Doch was würde ich tun, wenn Ihr tatsächlich meinen Tod wollen würdet. Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich würde ich mir verraten vorkommen und Euch dafür tatsächlich umbringen. Oder mir wäre alles egal, weil mir nichts mehr auf dieser Welt geblieben ist, und ich würde es einfach geschehen lassen. Ich kann es Euch wirklich nicht sagen.“
Vernita blieb direkt vor Miandra stehen, hob die Hand und berührte mit ihren Fingern sanft die Wange der Frau. „Warum stellt Ihr mir so eine Frage? Wollt Ihr mich etwa wirklich tot sehen?“


Miandra musste grinsen. „Es war eine rein rhetorische Frage, keine Sorge. Ich habe mich nur gefragt...“, sie hielt kurz inne und blinkte auf den Boden, als würde es ihr schwer fallen weiterzusprechen.
„Also ich verstehe einfach nicht, wieso Rowan diesen Sareth nicht umbringen will. Wieso würde sie sich dem Tod einfach so hingeben… Sie meinte aus Freundschaft… Aber scheinbar hatte ich ein anderes, oder falsches, Bild davon.“
Unsicher kratze sie sich am Kopf, und ihre Stimme wurde leiser.
„Also, Ihr meintet doch auch, dass Ihr nicht wisst, wieso Ihr solche Gefühle hegt… Ich dachte es sei Bewunderung.“ Sie hielt wieder zögernd inne. „Ich würde Euch nicht töten…“, sie hob den Blick wieder um der Elfe in die Augen sehen zu können, bevor sie unsicher fortfuhr. „Macht uns das zu Freunden?“


„Nein, die Tatsache, das wir uns gegenseitig nicht töten wollen, macht uns nicht zu Freunden, Miandra. Zumindest wenn das alles wäre, was uns verbindet“, erwiderte Vernita und lächelte ihr Gegenüber an. „Freunde sind wir, weil wir uns alles erzählen können, selbst unsere geheimsten Gedanken und Gefühle. Dinge, die wir sonst niemanden offenbaren würden. Und weil wir füreinander Dinge tun, aus denen wir selbst keinen persönlichen Nutzen ziehen und für die wir auch keine Gegenleistung erwarten. Außerdem vertrauen wir einander, ohne zu wissen, warum wir das tun. Und wir fühlen uns in der Gegenwart des anderen sicher und geborgen, was wir uns ebenfalls nicht erklären können.“
Die Elfe strich sanft über die Wange der Frau. „Ich bin mit diesem Konzept selbst noch nicht wirklich vertraut, da es für mich genauso neu ist wie für Euch. Und selbst wenn ich dieses ganze Getue um Freundschaft und Liebe früher immer als eine Schwäche angesehen habe, so habe ich jetzt erkannt, dass ich mich geirrt habe. Trotz all der Abhängigkeit, in die man sich selbst hineinmanövriert, kann man sehr viel Kraft und Stärke aus so einem Gefühl ziehen. Somit ist man in der Lage, Dinge zu überwinden, die einen ansonsten in den Abgrund stürzen lassen würden.“
Vernita hielt kurz inne. „Nein, Miandra. Ich bin davon überzeugt, dass wir keine Freunde sind. Wir sind viel mehr als. Wir sind seelenverwandt. Und was der einen geschieht, das geschieht auch der anderen. Nur erklären kann ich diese Dinge nicht. Sie sind einfach da. Nicht mehr und nicht weniger. Aber sie können für eine Person die Welt bedeuten. Zumindest für mich tun sie es.“


„Ich verstehe“, erwiderte Miandra nachdenklich und etwas bedrückt darüber. Bedrückt, da es stimmte, dass sie nie Freunde hatte, obwohl sie es manchmal glaubte... doch wahrscheinlich redete sie sich das nur selbst ein, um zu ignorieren was man über sie erzählte. Die stille Mörderin ihres Bruders, die mit den blauen Augen. Manche mieden es, sie anzusehen, und andere wollten sich mit ihr 'befreunden' um mehr über die ganze Sache herauszufinden. Was natürlich nie geschah.
„Danke, dafür, dass Ihr das so seht und ich mich in Eurer Gegenwart nicht verstellen muss... Das klingt vielleicht dumm, aber sich verstellen zu müssen ist sehr anstrengend... und manchmal vergisst man dabei wer man eigentlich ist...“
Sie spürte Vernitas Hand auf ihrer Wange, und wusste nicht wie sie darauf reagieren sollte. Daher schluckte sie einmal und versuchte es einfach zu ignorieren.
„Was ist mit Rowan? Seht Ihr sie als eine Art von Freundin an?“, fragte sie wohl mit einem Hauch an Neugierde, doch wohl eher um auf ein anderes Thema zu lenken.


„Nun, wie soll ich das erklären?“ fragte Vernita mehr zu sich selbst. „Rowan, nun ja, ich mag sie eben ganz einfach. Sie erinnert mich ein wenig an mich selbst, bevor... bevor ich zu dem wurde, was ich heute bin. Für mich ist sie so etwas wie, nun irgendwie so etwas wie eine kleine Schwester, die ich niemals hatte.“
Die Elfe wirkte nachdenklich und auch etwas betrübt, als sie weitersprach. „Und ich mache mir große Sorgen um sie. Sie scheint schon Einiges mitgemacht zu haben, wenn das auch wohl nicht mit dem zu vergleichen ist, was Ihr oder ich ertragen mussten. Allerdings vermute ich das auch nur. Und sie scheint in Kreise geraten zu sein, die sie genau dorthin führen, wo ich bereits gewesen bin. Und davor habe ich Angst. Ich hoffe, dass ich ihr helfen kann, damit sie nicht ein ähnliches Schicksal erleiden muss wie ich. Das hat sie wahrlich nicht verdient. Niemand hat das.“
Vernita dachte wieder an die Vergewaltigungen und Folterungen, die sie in ihrer Jugend über sich ergehen lassen musste, sowie an die Zeit, die darauf folgte. Und ihr wurde zum ersten Mal bewusst, dass ihr Leben nur aus Gewalt und Brutalität bestanden hatte. Erst der Kampf gegen die Dunkle Brut, dann ihr Leben als Meuchelmörderin mit dem sie ihren Lebensunterhalt bestritten hatte. Nie hatte sie etwas anderes gekannt. War nie einer Person begegnet, die sie so akzeptierte, wie sie wirklich war.
Ihr kam in den Sinn, was Miandra vorhin über das Verstellen seines eigenen Ichs gesagt hatte. So etwas hatte Vernita nie getan, außer wenn es für einen Auftrag unbedingt erforderlich gewesen war. Allerdings hatte sie auch nie jemanden ihre weiche Seite gezeigt, was wohl vor allem daran lag, dass ihr erst vor Kurzem bewusst geworden war, dass sie diese überhaupt noch besaß.
„Aber Ihr seid mit Rowan nicht zu vergleichen. Müsste ich wählen, wen von Euch beiden ich vor dem sicheren Tod retten würde, so würde ich immer Euch wählen“, sagte die Elfe sanft, aber auch mit Nachdruck. „Doch will ich Euch heute Nacht nicht noch mit meinen Gefühlen für Euch belasten. Ihr habt in den letzten Tagen schon genug mitgemacht. Am Besten, ich bringe Euch jetzt ins Bett. Habt Ihr etwas dagegen, wenn ich meinen Arm um Euch lege?“


„Ich wollte mich nicht mit ihr vergleichen. Ich wollte es nur wissen, da ich Euch bisher noch nie gesehen habe, wenn Ihr Euch um jemanden sorgt... außer um mich. Es freut mich für Euch, dass Ihr so etwas wie eine Schwester gefunden habt...“

Eigentlich wollte sie nicht, dass sich die Elfe Sorgen um sie machte, aber sie wusste, dass es nichts bringen würde dagegen zu protestieren.
„Ja... Denerim ist keine Stadt, die freudige Erinnerungen für die Zukunft bringen wird. Aber es war absehbar...“ Sie beendete den Satz nicht, sondern hielt kurz inne und überlegte.
„Den Arm um mich legen? Wozu denn das?“, entgegnete sie schließlich leicht verwirrt. „Oh und keine Sorge, ich finde schon alleine in mein Zimmer“, fügte sie ablenkend hinzu und blickte zur Seite zu der Türe.


„Nichts für ungut, Miandra“, lächelte Vernita etwas verlegen, wobei sie sich den Nacken rieb. „Ihr saht nur etwas durcheinander aus und ich wollte nur... ach vergesst es einfach.“
Innerlich verfluchte sich die Elfe wieder einmal. Sie mochte Miandra mehr als sie zu Anfang dachte, doch wusste sie nicht, wie sie ihr das begreiflich machen konnte, ohne die Frau zu verschrecken. Vernita wollte ihr nahe sein, wusste aber auch, dass sie die Frau nur von sich stoßen würde, wenn sie es zu schnell anging. Es war einfach zum Verrücktwerden.
„Ich werde jetzt ins Bett gehen. Und das solltet Ihr auch tun“, meinte sie noch, während sie neben den Nachtisch trat, auf dem sie ihren Helm platzierte. „Ich wünsche Euch eine Gute Nacht.“
Lächelnd setzte sie sich dann auf die Bettkante und begann damit, ihre Rüstung abzulegen.


Erleichternd erwiderte sie das Lächeln der Elfe, als sich diese an die Bettkante setzte. So sehr sie Vernita auch mochte und schätzte, bekam sie immer wieder dieses ungute Gefühl, wenn sie ihr zu nahe kam. Es war kein Gefühl der Angst, eher der Bedrängnis. Sie verstand das alles nicht, doch wahrscheinlich fühlte sie sich dabei einfach in eine bereits vergangene Rolle und Zeit zurückversetzt.
„Das werde ich. Ich wünsche Euch eine erholsame Nacht“, mit diesen Worten drehte sie sich zur Seite, und verließ das Zimmer. Da der Türgriff herausgebrochen war, konnte sie die Türe zwar nicht komplett schließen, versuchte es aber zumindest. Nur der Erbauer konnte wissen, wie lange die Türe geschlossen bleiben würde.
Seufzend begab sie sich in ihr Zimmer, wo sie sofort damit begann ihre Rüstung abzulegen. Währenddessen ließ sie die Ereignisse des Tages noch einmal Revue passieren, doch als sie sich nur noch mit Unterwäsche bekleidet ins Bett fallen ließ, schob sie all das zu Seite und fiel in einen - wie immer - traumlosen Schlaf.


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BeitragThema: Re: Kapitel XIV - Ein alter und neuer Gefährte   So 14 Aug 2011, 2:24 am

Azoth verfiel in einen tiefen Traum, der sich so real anfühlte und ihm eine andere Sicht offenbarte.
Es war zu der Zeit, zu der er aus dem Gesindeviertel flüchtete. Es war nachts und er lag in seinem Lager auf einer Matte. Er richtete sich auf. Der Himmel war klar, es war nicht kalt, denn das Lagerfeuer glühte noch und um dieses versammelt lagen noch weitere Personen. Eine der Personen konnte er als seinen Freund Kylar ausmachen, doch er lag etwas abseits. Die andere Person lag dicht neben ihm und als er seinen Blick zu ihr wandte, erkannte er Verena, deren Antlitz vom Mondlicht erhellt wurde und zu funkeln schien. Der Anblick zauberte Azoth ein Lächeln auf seine Lippen.
Doch eines verwunderte ihn, denn er konnte noch eine weitere Person ausmachen, die in Verenas Armen eingekuschelt lag. Es war Ciara, die ruhig schlief. Azoth war völlig verwirrt, denn es fühlte sich an, als wäre er tatsächlich an diesem Ort und er fragte sich, wie Ciara hier her kam. Sie hatten sie doch im Gesindeviertel einer anderen Familie übergeben? Oder doch nicht?
War er nicht eben noch in Denerim in der Taverne? Er wusste nicht, was er glauben sollte. So kramte er in seiner Tasche, holte den Wasserschlauch heraus und schüttete sich etwas von dem kühlen Wasser ins Gesicht, doch nichts änderte sich an seiner Situation. Azoth versuchte sich zu beruhigen und das Beste daraus zu machen. Kylar wurde plötzlich wach, wahrscheinlich hatte er ihn gehört, und er setzte sich neben Azoth, während er ihm auf die Schulter klopfte.
„Du denkst bestimmt nach, oder? Hey, es war das Beste aus dem Viertel zu fliehen! Wir werden in Ferelden ein besseres Leben haben, das verspreche ich“, meinte Kylar.
„Ja. Das werden wir“, erwiderte Azoth gelassen und wieder etwas ruhiger.
Plötzlich raschelte etwas in einem Busch, unweit vom Lager entfernt. Azoth hörte unzählige Schritte, die sehr schnell gingen. Wie von einer Armee, die aufeinander zustürmte und dabei alles niedertrampelte. Dann hörte er Kriegsgeschrei, was seinen Gedanken bestätigte. Auch Verena wurde wach und schreckte plötzlich hoch. Schnell setzte sie sich neben die beiden Männer und lauschte unruhig in die Ferne. Ciara hingegen schlief weiter eingewickelt in der kuscheligen Decke.
Azoth und Kylar standen schließlich auf und griffen nach ihren Waffen. Auf dem Hügel lichtete sich bereits das Vermutete. Eine Armee aus einem Duzend Dunkler Brut, welche sie mit ihren abstoßenden Blicken bereits erfasst hatte, und wie eine wilde Horde auf die Flüchtlinge zustürmte.
„Verdammt“, zischten Azoth und Kylar gleichzeitig. Verena saß wie angewurzelt da, wusste nicht was sie tun sollte, daher nahm sie Ciara in die Arme und starrte dabei auf die Meute.
Azoth und Kylar versuchten sie aufzuhalten, kämpften, erledigten einige, aber wurden letztendlich einfach überrannt. Kylars Kopf wurde durch einen schnellen Schwerthieb von seinem Rumpf getrennt. Der abgetrennte Kopf rollte über den Boden und landete direkt vor Azoths Füßen. Er starrte gebannt auf das leblose und blutverschmierte Gesicht seines Freundes, und in dessen leere Augen, als er plötzlich zusammenbrach. Er hatte nicht aufgepasst, und irgendeines der Monster hatte ihm ein Schwert in den Unterleib gerammt.
Einige der Brut liefen direkt auf Verena und Ciara zu. Sie rissen die Kleine aus Verenas Armen und beäugten sie mit einem eigenartigen Grinsen, während sie Verena kaltblütig mit mehreren Stichen in verschiedene Körperteile abstachen. Sie kreischten sich irgendetwas zu, grummelten und fletschten ihre Zähne, als würden sie miteinander sprechen.
Azoth lag auf dem Bauch, drückte sich eine Hand auf die Wunde und starrte auf das Schauspiel das sich vor seinen Augen ereignet hatte. Er versuchte sich am Boden vor zu robben, krallte seine Hände in das Gras und zog sich so entlang, in der Hoffnung sie zu erreichen und wenigstens Ciara doch noch retten zu können. Er hatte Schmerzen, doch diese ignorierte er, und schrie: „LASST SIE IN RUHE!!!“
Doch die Brut hörte nicht auf ihn, sondern begann, die Kleine bei lebendigem Leibe zu fressen. Das Mädchen schrie qualvoll als sie es einfach in Stücke rissen und es mit verfaulten Zähnen zerfetzten.
Geschockt blickte Azoth zu ihnen. „Nein... nein... nein...“, stammelte er. Die Brut blickte direkt in seine Augen und begann irre zu lachen, wobei die gelben Zähne, an denen noch das Blut des Mädchens klebte, sichtbar wurden.

In diesem Augenblick wachte Azoth schweißgebadet auf und fiel dabei hektisch von dem Stuhl, auf welchem er vorhin eingeschlafen war. Einen Moment lang blieb er liegen, und versuchte sich zu beruhigen. Dann stand er auf und blickte noch einmal zu Lydia, die immer noch eingekuschelt in dem Bett lag und schlief. Daraufhin begab er sich in den Schankraum, setzte sich an die Theke und bestellte einen Schnaps, den er auf einmal runterkippte.


Leanora sah Azoth, als er an die Theke ging und den Schnaps bestellte. Er sah bleich aus, die Augen starr geradeaus gerichtet, und lief an Leanora vorbei ohne sie wahr zu nehmen.
Sie stand auf, nahm ihr Glas mit dem Holunder-Wasser und gesellte sich zu Azoth.
„Ihr seht bleich aus. Kann ich Euch irgendwie helfen?“


Azoth bestellte sich noch einen Schnaps, den er ebenso schnell hinunterkippte wie den ersten. Als dann Leanora kam und ihn von der Seite ansprach erschrak er regelrecht. Verwirrt blickte er sie an. „Nein nein, geht schon, mir geht es gut. Bleich? Ich bin bleich? Ach, nicht weiter schlimm“, meinte er komplett durcheinander, bevor er sich den dritten Schnaps bestellte.


Leanora zog ihre linke Augenbraue nach oben und blickte Azoth skeptisch an.
„Aha. Auf dass es Euch gut geht trinkt Ihr aber gerade ganz schön viel. Und so durcheinander habe ich Euch noch nie erlebt, wenn ich das anmerken darf. Aber gut, Eure Sache, ich wollte nur, dass Ihr wisst, dass Ihr mit mir reden könnt wenn Euch danach ist.“
Sie zog die Schale mit Obst zu sich und vergriff sich an den Weintrauben. Kernlos, wie sie feststellte, schmeckten ihr diese ohnehin am besten.


Azoth seufzte nachdem er den Schnaps getrunken hatte. Er fuhr sich mit den Händen übers Gesicht, und stützte danach seinen Kopf auf seiner Hand ab.
„Ich hatte nur einen Albtraum, den schlimmsten, den ich jemals hatte, um genau zu sein.“


„Wie gesagt, mein Angebot steht. Wenn Ihr drüber reden wollt, ich bin hier. Wenngleich ich nicht weiß, wie ich bei einem Traum helfen kann. Manchmal hilft es einfach schon, darüber zu reden um den Schrecken zu nehmen.“


Azoth wollte das alles nicht in vielen Worten verpacken. Zuerst blickte er Leanora unschlüssig an. Da aber weder Vernita und auch kein anderer da war konnte er es ihr ja eigentlich erzählen. „Die Brut. Ich war neunzehn und gerade geflohen. Kylar haben sie geköpft, und sein Kopf rollte direkt vor meine Füße. Ich musste zusehen wie Verena abgestochen wurde, und sie mein Kind gefressen haben… mit einem Lachen...“


„Die Brut? Ich habe davon gehört... müssen schreckliche Monster sein.“
Leanora strich Azoth vorsichtig über seine Oberarme. „Scht... es war nur ein Albtraum. Kylar lebt, zumindest haben wir ihn erst noch vor Kurzem gesehen, nicht wahr?“
Grübelnd blickte sie ihn an. „Euer Kind? Ihr seid Vater?“


Er blickte ihr direkt in die Augen, seufzte und ließ dann seinen Kopf hängen.
„Ja ich bin Vater. Ciara müsste nun zehn Jahre alt sein. Verena und ich ließen sie damals zurück, wäre auch zu gefährlich gewesen sie von Tevinter mitzunehmen...“
Er bestellte ein Wasser, und trank gleich einen großen Schluck davon.
„Und jetzt wo Lydia da ist... wisst Ihr, es kommt mir so vor, als könnte ich das wieder gut machen, wenn ich mich um das Mädchen kümmere...“


Leanora musste das Gehörte erst verarbeiten bevor sie antworten konnte.
„Nun, Lydia ist etwas älter als Eure Tochter. Aber verständlich, dass Ihr so handelt. Mein Gott, wie schwer muss das für Euch gewesen sein, Euer eigen Fleisch und Blut zu verlassen.“ Vor Mitleid kullerte eine Träne über Leanoras Wange. Dennoch fuhr sie fort.
„Und was ist mit Verena passiert? Dieses Schicksal müsste euch doch zusammen geschmiedet haben, statt getrennt?“


Er versuchte etwas zu lächeln als er sagte: „Deshalb müsst Ihr nicht anfangen zu weinen.“
Wiedermals seufzte er. Das war der schwerste Teil… jener, den er damals Vernita und Miandra erzählt hatte.
„Sie ist tot. Gestorben durch mich und meine Kräfte“, er wandte den Blick ab, und schaute stattdessen lieber die Holzplatte des Tresens an.


„Deswegen habt Ihr befürchtet ich könnte Euch für ein Monster halten? Das erklärt einiges...“

Leanora stand auf, trat einen Schritt näher an Azoth, und strich mit ihrem Handrücken über seine Wange. Dann nahm sie sein Gesicht zwischen ihre Hände und drehte es so, dass er ihr in die Augen blicken musste.
„Ihr seid ein sehr warmherziger Mann, Azoth. Und es ist kein Wunder, wenn Euch diese Schrecken der Vergangenheit jetzt einholen. Lasst die Trauer zu. Wie sagtet Ihr zu mir? Es gibt auch eine Zeit zu trauern. Und Alkohol ist dabei wirklich keine Lösung.“
Noch einmal strich ihre Hand über seine Wangen, dann ging sie zum Wirt in die Küche und bestellte heiße Milch mit Honig und einem kleinen Schuss Rum. Eines der besten Schlafmittel die sie kannte.
Kurze Zeit später kam sie mit dem dampfenden Getränk zurück und stellte es Azoth vor die Nase.
„Trinkt das. Ein altes Hausmittel, um etwas zur Ruhe zu kommen.“


Azoth blickte Leanora tief in die Augen, während sie seinen Kopf zwischen die Hände nahm. Irgendwie sah er sie ganz anders. Sie war ein äußerst liebenswerter Mensch und er fragte sich, wie sie das alles auf sich nahm. Die anderen waren ja nicht immer gerade nett zu ihr.
Er spürte ihre warmen zärtlichen Hände auf seiner Wange und genoss diesen Augenblick für eine kurze Zeit. So etwas hatte er seit Jahren nicht mehr erleben dürfen.
Sein Blick verfolgte ihre Schritte, bis in die Küche und wieder zurück. Seufzend nahm er einen Schluck von dem dampfenden Getränk und lächelte kurz, ehe er sie umarmte.
„Danke Lea. Ihr habt mich wirklich aufgemuntert.“
Langsam ließ er sie wieder los und lächelte sie noch immer an während er die Milch trank.


„Gern geschehen Azoth. Ich dachte immer, dafür ist eine Familie da. Und nachdem wir beide keine mehr haben... sehe ich derzeit diese Gruppe als meine Familie an, auch wenn dabei sehr viele sind, die anscheinend ohne Liebe und Herzlichkeit auskommen können. Außerdem habt Ihr Euch meinen Kummer schließlich auch angehört, somit ist das wohl das Mindeste was ich hier tun kann.“
Sie lächelte ihn warm an, und in ihre sonst olivfarbenen Augen mischte sich ein Hauch goldgelb dazu, wie Akazienhonig. Dann setzte sie sich wieder neben ihn und naschte von den Weintrauben.
Als sie ihr Wasser geleert hatte, gähnte sie verstohlen hinter vorgehaltener Hand.
„Entschuldigt Azoth, aber ich bin müde und werde mich nun zur Ruhe begeben. Ich wünsche Euch eine gute Nacht und hoffentlich auch eine traumlose.“
Sie nickte ihm lächelnd zu und begab sich auf ihr Zimmer, wo Lydia wie eine Katze zusammengerollt in ihrem Bett lag. Nero hatte es sich rechts davon auf dem Boden bequem gemacht.
Leanora seufzte leise, schickte der neuen Matratze einen bedauernden Blick nach und breitete die Decke wieder auf dem Boden aus. So würde sie eben eine zweite Nacht auf dem Boden verbringen, langsam gewöhnte sie sich daran.
Sie wickelte sich in die Satteldecke, blies die Kerze aus und legte sich auf den Boden. Dort seufzte sie nochmal. Der Seufzer ging jedoch in einem herzhaften Gähnen unter, und bald darauf waren ihr auch die Augen bereits zugefallen.


Azoth lächelte, erwiderte Leanoras warmes Lächeln. Dann trank er das ‚Wundermittel‘, welches sie ihm gebrachte hatte, leer. Nach kurzer Zeit fühlte er sich müde und wollte einfach nur noch schlafen. Er begab sich in sein Zimmer und zog die Rüstung aus. Gähnend ließ er sich auf sein Bett fallen, wo er auch kurz darauf einschlief.


Zuletzt von Allie am So 14 Aug 2011, 1:08 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Kapitel XIV - Ein alter und neuer Gefährte   So 14 Aug 2011, 2:30 am

Nachdem Sareth die Taverne verlassen hatte, da es dort kein freies Zimmer mehr gab, lief er geradewegs die finstere Gasse entlang.
Es war recht schnell Nacht geworden, sodass Sareth überrascht in den Himmel sah. Er suchte die Sterne. In jeder Nacht sah er zum ersten Mal in den Himmel und suchte den ersten Stern den er sah. Die Sterne gaben ihm Trost, auch wenn es nur wenig war.
Er ging weiter die Gasse entlang. Ab und an sah er den ein oder anderen Trunkenbold auf dem Weg nach Hause oder finstere Gestalten, die in noch dunkleren Ecken vor sich her tuschelten und schnell wieder verstummten, wenn sie ihn erblickten.
Nach ein paar Minuten Marsch bog Sareth in eine schmalere Gasse ab, die vom Mondlicht erhellt wurde, und blieb kurz stehen. Er blickte in das dunkle Ende hinein und versuchte etwas zu erspähen. Er sah, dass es sich um eine Sackgasse handelte, welche wie ein kleiner runder Platz angelegt war. Einige Häusereingänge gingen von diesem aus, und in der Mitte stand ein mächtiger Baum, der aus dem gepflasterten Boden zu wachsen schien.
Sareth ging zu dem Baum, setzte sich zu Boden, lehnte sich an den dicken Stamm und legte seinen Speer quer über seine Beine. Er würde die Nacht hier verbringen müssen, denn er kannte sich in Denerim nicht sonderlich aus und wusste nicht, wo die nächste Taverne war. Aber er war es gewöhnt im Freien zu schlafen. Hatte er doch schon viele Male aufgrund eines Auftrags so verfahren müssen.
Er nahm seine Pfeife heraus, zündete sie an und zog einige Male tief daran, während er in den Nachthimmel schaute und die Sterne betrachtete.


Rowan hatte die Tür hinter Vernita abgeschlossen und sich anschließend wieder in das Bett gelegt. Auf der Seite zusammen gerollt starrte sie zum Fenster und wartete. Erst als alle Geräusche, die durch das dünne Holz drängten, verstummt waren und sie sicher sein konnte, dass die anderen sich ebenfalls zu Bett begeben hatten, erhob sie sich wieder und legte ihre Rüstung und ihre Waffen an. Sie zog ihren Rucksack über und machte sich daran Vernitas Falle zu entschärfen.
Vorsichtig legte sie das Behältnis neben dem Fenster ab und schob die Läden weit auf. Sie atmete die Nachtluft tief ein und genoss sie für einen kurzen Moment. Dann schwang sie sich hinaus und landete sanft in einer schmalen Gasse. Für einen Moment überlegte sie. Vernita hatte gesagt, dass Sareth die Taverne verlassen hatte. Wo mochte er sich hingewandt haben?
Rowan lief die dunkle Gasse entlang und hielt Ausschau. Hier in der direkten Nähe war keine weitere Taverne zu finden. Er würde ein ganzes Stück laufen müssen, um die nächste zu erreichen, aber er kannte sich hier nicht aus.
Sie bog in eine weitere Gasse ab, die sich nach ein paar Metern als Sackgasse herausstellte. Nichts zu sehen von ihm. Sie wandte sich wieder zurück und suchte weiter. Gerade als sie die nächste Gasse probieren wollte, stieg ihr ein bekannter Geruch in die Nase. Sie ging weiter geradeaus und der Geruch wurde intensiver. Rowan wusste, was das zu bedeuteten hatte und grinste. Doch auch Unsicherheit schlich sich in ihr Herz. Was würde gleich passieren? Wie würde die Begegnung enden?
Mit einem beherzten Sprung erklomm sie das Vordach einen Hauses und schwang sich auf eine angrenzende Mauer. Lautlos schlich sie die Mauer weiter entlang bis sich die Gasse in einen kleinen Platz öffnete. In deren Mitte stand ein Baum.
Rowan verharrte in der Hocke und beobachtete Sareth, der an diesem Baum lehnte und Pfeife rauchte. Kleine Rauchwolken stiegen in den Himmel hinauf während er anscheinend dabei war, die Sterne zu betrachten.
Wieder zog es schmerzhaft in ihrer Brust. Es war nicht das erste Mal, dass sie ihn in dieser Pose sah.


Sareth zog an seiner Pfeife und betrachtete immer noch die Sterne, als er plötzlich einen unnatürlichen Schatten bemerkte der sich auf dem Boden des Platzes zeigte. Es war keine Katze, das war ihm klar, aber jemand der sich genauso agil zu bewegen wusste.
Er schmunzelte kurz und zog noch einmal an seiner Pfeife. „Du kannst ruhig ins Licht kommen! Ich weiß, dass Du da bist.“
Dann löschte er seine Pfeife und packte sie in seine Tasche zurück.


Rowan vernahm den Klang seiner Stimme und wartete einen Augenblick. Dann sprang sie von der Mauer hinunter und näherte sich ihm. Sie blieb jedoch im Schatten.
„Was willst du hier? Weshalb bist du nach Denerim gekommen?“
Ihr Gesicht tauchte in den Schein des Mondes ein und sie blieb ein paar Schritte vor dem Krieger stehen.
„Haben sie Dich geschickt, um mich zu suchen?“


Sareth stand langsam auf, nahm seinen Speer in die rechte Hand und ging langsam auf Rowan zu. Er sah dabei ihr ganz sanft in die Augen und blieb kurz vor ihr stehen.
„Ich wurde von niemanden geschickt. Ich bin aus freiem Willen hier. Ich wollte einen Neuanfang und habe deswegen Orlais und die Organisation verlassen.“
Er Schritt noch etwas näher an Rowan heran, sodass sein Gesicht kurz vor ihrem war.
„Ich wusste, dass du nach Ferelden gegangen bist, zurück in deine alte Heimat. Ich hatte gehofft, dich hier zu treffen. Und mein Gefühl hat mir recht gegeben.“
Er ließ seinen Speer fallen und umfasste mit seinen Armen Rowans Hüfte und zog sie näher an sich heran.


Sie erstarrte, als er nach ihr griff. Das Herz schlug ihr bis zum Hals und machte es ihr unmöglich zu sprechen. Sie blickte ihm in die Augen und ließ sich zu ihm ziehen.
„...Was....?“ Ihre Kehle war trocken und verweigerte augenblicklich ihren Dienst. Ihre Knie wurden schwach und weich während sie den Blick nicht von ihm wenden konnte.
Sein Gesicht war nur eine Haaresbreite von ihrem entfernt.


Sareth streichelte mit seiner Hand über ihre Wange, während er ihr noch immer tief in die Augen sah.
„Ich habe es vier Jahre bedauert, dass ich Dir nicht gefolgt bin, als du Orlais verlassen hast. Und ich werde Dich nicht mehr einfach so gehen lassen.“
Seine Hand blieb in ihrem Nacken liegen und sein Daumen strich ihr übers Ohr.
„Ich will Dich nicht nochmal verlieren.“
Dann näherte er sich ihr noch weiter, bis er ihre Lippen auf den seinen spüren konnte und küsste sie. Er schloss die Augen, doch er wusste, dass der Mond sie währenddessen beide erhellen würde.


Rowans Körperbeherrschung ging endgültig verloren. Sie ließ sich in seine Arme fallen und schmolz unter seinem Kuss dahin. Nie zuvor hatten sich ihre Lippen berührt und doch fühlte es sich an, als würden sie dort hin gehören.
Ohne dass sie sie steuerte, fuhren ihre Hände auf seinem Rücken an seiner Rüstung nach oben. Sie drückte sich an ihn und ignorierte die Spitzen des Metalls, die sich in das Leder ihrer Rüstung bohrten. Die Muskeln lösten ihre Spannung und sie machte sich weich in seinen Armen.
...Ein Trick....
Ein leichtes Zucken durchfuhr sie.
Das war nur ein Trick. Sie war gestern von ihm überrascht worden und hatte den Fehler gemacht, ihre Gefühle zu zeigen. Und nun wandte er diese gegen sie an. Was hatte er vor? Konnte es sein, dass er sie lebendig zurück bringen sollte? Was würde sie dort dann erwarten?
Rowan besann sich auf ihre Ausbildung und gab sich seinem Kuss hin. Sie würde es ihm mit gleicher Münze heim zahlen. Ihr Kuss wurde inniger und sie ließ ihn ihr Verlangen spüren. Mit geschickten Fingern löste sie die Verschnürungen seiner Rüstung und ließ Brust- und Rückenplatte zu Boden fallen. Ihre Hände fuhren über den Stoff seines Hemdes von seinen Hüften hoch über seine Brust zum Hals. Die Linke schlang sie um seinen Nacken und zog ihn noch näher zu sich. Die Rechte schnellte vor seine Kehle und drückte ihm die Klinge aus ihrer Armschiene an den Hals.
„Warum sollte ich Dir glauben?“


Als Sareth die Klinge an seinem Hals spürte, durchfuhr ihn ein Hauch von Enttäuschung und Resignation. Er blickte Rowan in die Augen, dann ließ er von ihrer Hüfte ab und griff langsam an ihre Armschiene. Er entfernte die Klinge mit einer einfachen Bewegung aus dieser und drückte sich diese selbst noch weiter an den Hals, sodass leicht Blut austrat.
„Wenn Du mir nicht glaubt dann sollst Du mein Leben ruhig haben.“
Er drückte sich die Klinge noch mehr an den Hals.
„Ich bin es leid hinter jeder Ecke Verschwörung, Machtspiel, Intrigen und Tod zu erwarten.“ Er hielt kurz inne, und schien an vergangene Zeiten zu denken. „Ich will nur eines: Leben.“
Mit seiner anderen Hand berührte er Rowans Wange und strich sanft mit den Fingern über diese. „Ich will mit Dir leben.“


Rowan erschrak, als sie sah, wie ihm das Blut den Hals hinab lief. Damit hatte sie nicht gerechnet. Doch es konnte immer noch zu seinem Spiel gehören.
„Ich habe drei Jahre in Orlais verbracht und Du warst von Anfang an dort und hast Aufträge von uns angenommen. Du bist zwar ein Krieger, aber erzähl‘ mir nicht du hättest Dir von uns nichts abgeschaut.“
Sie rückte nicht ab von ihm und ignorierte seine Hand an ihrer Wange.
„Wir haben gelernt Meister der Täuschung zu sein. Und Du hast von uns gelernt.“
Bitterkeit schlich sich in ihre Stimme. „Man kann niemandem trauen. Jeder steht für sich alleine im Leben!“


„Ja, ich habe von euch gelernt. Gutes wie Schlechtes. Heimtückisches wie Ehrliches. Doch war ich nie wie ihr, ich war schlimmer. Ein Mörder, ein Brandstifter, ein Monster.“

Er ließ von ihrer Wange ab und ließ seine Arme hängen.
„Und wenn Du glaubst ich sei hier, um dich zu verraten oder zu töten... dann beende es!“
Dabei sah er tief in ihre Augen, bereit allem Leiden ein Ende zu setzen.


Sein Blick traf Rowan. Nie hätte sie gedacht, dass er so reagieren würde. Sie ließ das Messer sinken und schaute ihm einen Moment in seine Augen. Ihre Linke legte sie ihm an seine Wange und sie näherte sich seinem Gesicht. Kurz bevor sich ihre Lippen berührten hielt sie inne.
„Nein... ich kann nicht. Es... tut mir leid.“
Sie trat einen Schritt zurück. Tränen sammelten sich in ihren Augen und eine einzelne lief ihre Wange hinunter.
„Ich würde Dir so gerne glauben, aber es geht nicht. Ich kann nicht...“


Sareth sah die Tränen in ihren Augen. Er wollte sie trösten, auch wenn er wusste, dass er es nicht konnte. Er ging wieder einen Schritt auf Rowan zu und wischte ihr sanft die einzelne Träne aus dem Gesicht. Dann zog er seinen rechten Handschuh aus, an seinem Ringfinger trug er einen silbernen Ring mit verschiedenen Gravuren, die durch einige beabsichtigte Kratzer unerkenntlich gemacht wurden. Er zog den Ring ab und drückte ihn Rowan in ihre Hand.
„Das ist mein Siegelring, das Letzte was von meiner Familie übrig ist. Tut damit was Ihr wollt“, sagte er absichtlich in der höflichen Form, bevor er Rowan daraufhin in die Arme schloss und ihr einen sanften Kuss auf die Wange hauchte.
„Mehr als das kann ich Euch nicht als Zeichen meiner Ehrlichkeit geben.“
Dann drehte er sich um, hob seinen Harnisch und seinen Speer wieder auf, setzte sich unter den Baum zurück und lehnte sich selbst sowie die Sachen an dem Stamm.


Rowan bliebt bewegungslos stehen. Der Ring in ihrer Hand drückte sich in das Leder ihres Handschuhs. Sie sah ihm dabei zu, wie er sich wieder an den Baum setzte. Langsam wich sie zurück bis sie den kalten Stein der Mauer in ihrem Rücken spürte. Sie lehnte sich dagegen. Die Kälte der Nacht kroch mit der Zeit in ihren Körper.
Was sollte sie tun? Wem sollte sie glauben? Ihrem Verstand, der ihr sagte, dass sie niemandem trauen durfte, oder Sareth, der Gefühle in ihr auslöste, die sie verloren glaubte?
Wie lange sie dort stand und ihn anschaute, konnte sie nicht sagen. Als sie sich rührte, waren ihre Glieder steif und kalt. Fast widerwillig drehte sie ihm den Rücken zu und entfernte sich lautlos. Auf dem Weg zurück zur Taverne zogen die Häuser ungesehen an ihr vorbei. Ihr Blick blieb starr auf die Pflastersteine gerichtet, die unter ihr hinweg rauschten. Erst da wurde ihr bewusst, dass sie rannte. Ein Schleier aus Tränen nahm ihr die Sicht und ihr Atem ging bald keuchend. Vor der Tür der Taverne angekommen gaben ihre Beine nach und sie sank auf ihre Knie. Sie zitterte und ihr Körper wurde von Schluchzern geschüttelt. Den Kopf hatte sie auf ihre Hand gestützt.
Wenn sie die Augen schloss, sah sie sein Gesicht vor sich. Erinnerungen an die Zeit in Orlais kamen hoch. Erinnerungen an ihn und was sie mit ihm erlebt hatte, aber auch sehr viele negative, die sie bisher verdrängt hatte.
Nachdem die Flut an Tränen verebbt war, schaute Rowan auf. Nebelschwaden waren aufgezogen und bildeten einen undurchdringlichen Schleier um sie herum. Kraftlos kam sie auf die Beine und griff nach der Türklinke. Doch sie ließ ihre Hand wieder sinken und machte sich stattdessen auf den Weg in den Pferdestall. Als sie das Tor öffnete stieg ihr der beruhigende Duft der Tiere in die Nase. Sie ging zu ihrem Braunen, der aus seinem Dösen aufwachte und sie mit einem Schnauben begrüßte. Rowan strich ihm über die Nüstern und lehnte ihren Kopf an seine Stirn. Seine Wärme und das Geräusch seines regelmäßigen Atems taten ihr gut und brachten ihrem Herzen für kurze Zeit Frieden.
Müdigkeit überkam sie und sie ließ sich im Stroh neben dem Tier nieder. Auf der Seite eingerollt sank sie bald in einen erschöpften Schlaf. Den Ring umklammerte sie immer noch in ihrer linken Faust.
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BeitragThema: Re: Kapitel XIV - Ein alter und neuer Gefährte   So 14 Aug 2011, 7:31 pm

Vernita erwachte. Sie öffnete die Augen und blickte auf die Zimmerwand direkt vor sich. Es ging ihr nicht besonders gut. Sie hatte wieder einmal schlecht geschlafen. Böse Träume ließen ihr erneut keine Ruhe finden. Doch im Gegensatz zu sonst, konnte sie sich dieses Mal nicht an ihren Traum erinnern. Nur dass er ihr keinen erholsamen Schlaf gegönnt hatte, das wusste sie genau.
„Verdammt noch mal, warum schlafe ich nur so schlecht in letzter Zeit“, grummelte sie, wobei sie sich aufrichtete. Sie rutsche zur Bettkante vor, auf der sie noch sitzen blieb und sich den verspannten Nacken rieb. „Wir haben doch keine Verderbnis, also was sollen diese scheiß Albträume?“
Die Elfe wandte den Kopf und sah aus dem Fenster. Draußen war es noch dunkel, dennoch sah es so aus, als würde die Sonne bald aufgehen. Sie dachte darüber nach, ob sie sich noch einmal hinlegen sollte, doch sie verwarf diesen Gedanken sofort wieder. Sie könnte jetzt ohnehin nicht mehr schlafen, also konnte sie auch gleich aufstehen.
Vernita stand auf und reckte sich. Sie sah sich im Zimmer um, musste allerdings feststellen, dass sich hier kein Wasser zum Waschen befand. Sie überlegte, ob sie sich beim Wirt frisches Wasser besorgen sollte, doch dieser würde wahrscheinlich noch schlafen. So entschied sie sich in den Stall zu gehen, um sich in der Pferdetränke zumindest einer Katzenwäsche zu unterziehen. Schließlich wollte sie den Umstand ausnutzen, dass sie sich im Moment überhaupt irgendwo waschen konnte.
Sie zog ihre Rüstung über und legte auch ihre Waffen an. Ein Blick auf das zertrümmerte Türschloss reichte aus, um ihr zu zeigen, dass es keine gute Idee wäre, ihre Kampfausrüstung unbewacht in diesem Raum zurückzulassen. Nachdem sie komplett angezogen war, trat sie auf den Korridor. Bevor sie sich auf den Weg in den Schankraum machte, ging sie noch zu ihrem eigenen Zimmer, welches sie Rowan überlassen hatte. Die Elfe versuchte, die Tür zu öffnen, doch diese war verschlossen. So legte sie ihr Ohr an das Holz und lauschte. Doch es war kein Geräusch aus dem Innern zu vernehmen.
‚Anscheinend schläft sie noch’, dachte Vernita bei sich und ließ von der Tür ab. ‚Soll sie auch. Nach der Anstrengung, die ihr der gestrige Tag beschert hatte, hatte sie das auch verdient.’
Die Elfe betrat den Schankraum. Vom Wirt war noch keine Spur zu sehen, auch sonst befand sich niemand hier. Außer Hennrik natürlich, der immer noch in seiner Ecke saß und schlief. Vernita schüttelte leicht den Kopf, während sie die Taverne verließ. Draußen angekommen blieb sie erst einmal stehen und atmete tief durch. Die frische Morgenluft tat ihr gut. Endlich bekam sie wieder einen klaren Kopf. Heute würde sie mit den anderen über ihre neuen Erkenntnisse sprechen und weitere Schritte planen. Aber zuerst einmal war das Waschen angesagt.
Sie wandte sich um und ging in den Pferdestall. Sie war gerade auf dem Weg zur Pferdetränke, als sie eine Gestalt bemerkte, die neben einem der Tiere im Stroh lag und schlief. Sofort zog die Elfe eines ihrer Schwerter. Leise schlich sie durch den Stall, näherte sich immer weiter dieser Person.
Dann blieb Vernita plötzlich stehen und verzog das Gesicht, als sie erkannte, dass es nur Rowan war, die dort im Stroh zusammengerollt lag und fest schlief. Aber was bei allen Erzdämonen dieser Welt hatte sie hier verloren? Warum lag sie nicht in Vernitas Zimmer? Der Elfe kam ein schlimmer Verdacht.
‚Du stures Weib. Was hast du jetzt wieder angestellt?’ ging es Vernita durch den Kopf, während sie ihre Waffe wieder wegsteckte. Sie stellte sich direkt vor die schlafende Frau, bevor sie ihr leicht gegen die Füße trat.
„Hey, Rowan! Wacht auf!“ rief die Elfe laut. „Wir müssen reden!“


Verwirrt schlug Rowan die Augen auf. Sie brauchte einen Moment, um zu realisieren wo sie war und was passiert war. Wie ein Schlag traf sie die Erinnerung an die letzte Nacht und schmerzvoll verzog sie ihr Gesicht.
Sie schaute sich um und sah Vernita über sich. Ihr Kopf schmerzte und sie rieb sich mit der Rechten die Schläfe.
„Morgen“, grummelte sie.
Der Versuch sich aufzusetzen, wurde augenblicklich mit einem Stechen hinter der Stirn bestraft. Sie stöhnte auf als sie sich aufrichtete. Warum fühlte sie sich, als hätte sie am gestrigen Abend die kompletten Schnapsvorräte des Wirts ausgetrunken, obwohl sie nicht einen Tropfen Alkohol zu sich genommen hatte?
„Ist alles in Ordnung? Ihr seht verstimmt aus.“


Vernita ging vor Rowan in die Hocke und sah ihr direkt mit festem Blick in die Augen.
„Nun, ich habe mich gerade gefragt, warum Ihr hier im Stall übernachtet habt und nicht in Eurem Zimmer. Oder schläft es sich auf Stroh besser, als in einem weichen Bett?“ Die Elfe griff in den goldfarbenen Haufen, nahm sich ein Handvoll davon und ließ diesen demonstrativ vor den Augen der blonden Frau allmählich zu Boden rieseln.
„Und ich kann mir nur einen Grund vorstellen, warum Ihr hier seid und nicht in der Taverne.“ Vernitas Stimme klang verbittert und auch ein wenig enttäuscht. „Ihr seid letzte Nacht diesem Sareth hinterher gelaufen, richtig?“


Rowan schlug die Augen nieder.
„Ja, das bin ich. Aber wie Ihr seht, lebe ich noch.“
Sie zog ihre Beine zu sich heran und blieb im Schneidersitz vor der Elfe sitzen.
„Ich weiß, dass es falsch war, aber ich konnte nicht anders.“
Ihre Stimme klang traurig und kraftlos. „Aber wenn etwas mit mir geschehen wäre, dann wärt zumindest ihr nicht davon betroffen gewesen. Und es hätte auch keine Konsequenzen für euch gehabt.“



„Ja, es war falsch von Euch und nein, ich wäre sehr wohl betroffen gewesen“, bestätigte Vernita, bevor ihr Stimme sanfter wurde. „Denn dann hätte ich Euch verloren. Und ich hätte mir für den Rest meines Lebens Vorwürfe gemacht, dass ich nicht wachsamer gewesen bin. Außerdem hätte ich mich immer wieder gefragt, warum Ihr mir nicht genug vertraut habt, um meine Hilfe anzunehmen.“


Rowan war überrascht, wie sanft Vernita mit ihr sprach. Eine solche Seite hätte sie der sonst so harsch und energisch wirkenden Elfe nicht zugetraut.
Sie atmete einmal tief ein und stieß die Luft geräuschvoll wieder aus. Dann bedeutete sie Vernita, sich zu setzen.
„Es tut mir leid. Aber ich habe gelernt, niemandem zu vertrauen. Es war Teil meiner Ausbildung. Doch ich hatte zunächst Probleme damit.“
Ein Lachen entfuhr ihrer Kehle.
„Meine Ausbilder haben dafür gesorgt, dass ich am eigenen Leib erfahre, dass ich mit Vertrauen nicht weiter komme. Seitdem hab ich mich nur noch auf mich verlassen. Doch ich denke, dass Ihr damit vertraut sein dürftet, oder irre ich mich?“


Vernita nahm das Angebot der blonden Frau an und ließ sich auf dem Boden nieder. Dann setzte sie ihren Helm ab und zeigte ihrem Gegenüber noch einmal ihre Narbe.
„Ihr habt diese Narbe schon einmal gesehen, Rowan“, meinte sie dann, während sie mit ihrem Finger über selbige fuhr. „Und wenn Ihr an Lothering zurückdenkt, dann wisst Ihr auch noch, dass mein restlicher Körper nicht viel besser aussieht.“
Sie machte eine kurze Pause, wobei sie ihren Helm neben sich auf den Boden legte. „Ich habe nach dem Tod meiner Eltern und... meines Kindes auch niemals irgendjemandem vertraut. Nicht einmal dem Grauen Wächter, der mich rekrutiert hatte, da er dies auch nur aus Eigennutz tat. Meinen Kontaktmann habe ich gestern mit einer Armbrust bedroht, damit er keine Gelegenheit bekam, mich zu hintergehen. Vertrauen war bisher immer ein Fremdwort für mich.“
Die Elfe hielt erneut für einen Moment inne, in dem sie sehr nachdenklich wirkte. Dann legte sich plötzlich ein Lächeln auf ihre Lippen. „Doch seid ich Euch und auch Miandra kenne, habe ich festgestellt, wie feige ich doch war. Denn es ist leicht, niemandem sein Vertrauen zu schenken und sich nur auf sich selbst zu verlassen. Doch sich einer anderen Person zu offenbaren und für sie da zu sein, erfordert viel Mut und Stärke. Viel Schmerz und Leid kann daraus erwachsen, aber auch ein Gefühl der Glückseligkeit.“
Sie fing mit einem Mal an zu lachen, als ihr bewusst wurde, was sie soeben gesagt hatte. „Verdammt, ich höre mich schon an, wie ein altes Waschweib.“


Rowan war überrascht als sie hörte, dass Vernita ein Kind gehabt hatte. Doch sie schob diese Information beiseite. Darauf konnte sie später noch zu sprechen kommen. Jetzt galt ihre Aufmerksamkeit zunächst Wichtigerem.
Sie holte noch einmal tief Luft bevor sie weiter sprach. „Es... ist für mich sehr ungewohnt mit jemandem im Vertrauen zu sprechen. Doch ich denke, es ist an der Zeit dafür.“
Sie rutschte unbehaglich im Stroh hin und her und korrigierte ihren Sitz. „Ich... fürchte ich brauche Eure Hilfe.“
Unsicher schaute sie die Elfe an. „Wenn Ihr nichts dagegen habt, hätte ich gerne Euren Rat.“
Sie machte sich darauf gefasst, dass die Elfe ihr mit Ablehnung begegnen würde, vielleicht sogar mit Spott. Zumindest wäre das die Reaktion, die Rowan seit ihrer Kindheit gewohnt war. Schon lange hatte sie niemanden mehr um Hilfe gebeten.


„Seid wir uns kennen, habe ich Euch stets meine Hilfe und ein offenes Ohr angeboten, welches Ihr bis immer abgelehnt habt. Und nun, wo Ihr endlich dieses Angebot annehmt, werde ich Euch mit Sicherheit nicht hängen lassen, Rowan“, erwiderte Vernita mit einem gewinnbringenden Lächeln auf den Lippen. „Also, worum geht es?“


„Es geht um Sareth. Ich war gestern Nacht noch bei ihm und wollte ihn zur Rede stellen. Aber er hat alles andere als so reagiert, wie ich es erwartet hab. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob er wirklich hier her gekommen ist, um mich zur Rechenschaft zu ziehen.“
Verzweifelt sah sie die Elfe an.
„Er hat es zugelassen, dass ich ihm eine Klinge an den Hals drücke und sein Leben in meine Hände gelegt. Natürlich weiß ich, dass er sich von unserer Ausbildung eine Menge abgeschaut hat und ebenfalls in der Kunst der Täuschung bewandert ist, aber trotzdem hab‘ ich große Zweifel daran, dass er mir etwas vormacht. Ich weiß einfach nicht, was ich glauben soll.“
Die Gefühle des gestrigen Abends kamen in ihr hoch und sie krampfte ihre beiden Hände zusammen, als sie merkte, dass sie etwas in ihrer Linken hielt. Sie öffnete die Hand und fand darin Sareths Siegelring, den sie ungläubig anstarrte.


„Hmm, für einen Attentäter war das wirklich ein sehr merkwürdiges Verhalten“, erwiderte Vernita nachdenklich und kratzte sich dabei am Kopf. „Allerdings hattet Ihr gesagt, dass Ihr Euch von früher her kennt, nicht wahr? Dann weiß er auch, dass Ihr niemals einen Wehrlosen töten würdet. Es könnte also durchaus auch nur ein perfider Plan sein, um Euch in die Irre zu führen. Vielleicht geht es dabei nicht nur darum, Euch das Leben zu nehmen, sondern Euch auch noch zu bestrafen, indem er Euch mit Schuldgefühlen überlädt oder nur Euer Vertrauen erringen will, damit er Euch verraten kann. Das würde die ganze Sache sehr viel schmerzhafter für Euch machen, als Euch einfach eine Klinge in den Leib zu stoßen.“
Die Elfe schaute einen Moment nachdenklich an die Decke, bevor sie ihr Gegenüber wieder ansah. „Ich würde ihm jedenfalls nicht trauen, was wohl daran liegt, dass ich eh keinem Mann vertraue. Sie reden viel und sind mit ihren Schwüren schnell bei der Sache. Nur wenn es darum geht, diese einzulösen, dann können sie sich plötzlich an nichts mehr erinnern. Mir ist noch kein Mann begegnet, der seinen großen Worten auch nur annähernd entsprochen hätte.“
Der Ausdruck in Vernitas Gesicht wurde wieder sehr ernst, als sie weitersprach. „Aber wenn Euch soviel daran liegt, dann rede ich mal mit dem Kerl. Sollte er tatsächlich ehrliche Absichten haben, dann könnte er uns von Nutzen sein. Nur eins sollte Euch klar sein, Rowan. Sollte ich das Gefühl haben, dass er uns hintergehen will, oder Euch oder sonst jemanden aus unserer Gruppe etwas anzutun gedenkt, dann mache ich kurzen Prozess mit ihm. Und außerdem bitte ich Euch darum, ihm nicht noch einmal allein unter die Augen zu treten, bis er uns bewiesen hat, dass wir ihm trauen können.“


Rowan schloss die Finger wieder um den Ring.
„In Ordnung. Ich werde mich zurück halten, bis Ihr mit ihm gesprochen habt. Und ich bete zum Erbauer, dass es nicht zu einem Kampf kommen wird.“
Sie schaute auf.
„Bitte seid vorsichtig. Er hat sehr viel Erfahrung und weiß durchaus mit seiner Waffe umzugehen.“
Wieder traten ihr Tränen in die Augen bei dem Gedanken daran, dass einem von beiden etwas passieren könnte. Was hatte sie nur angerichtet? Einen schlechten Ausgang würde sie sich nie verzeihen.


„Ich bin immer vorsichtig, wenn ich einem potenziellen Feind gegenübertrete. Auch wenn ich die Erfahrung gemacht habe, dass Speerkämpfer sich aufgrund ihrer höheren Reichweite gern selbst überschätzen, so habe ich bisher noch keinen Gegner unterschätzt“, versicherte Vernita, wobei sie ihren Helm wieder aufsetzte und anschließend aufstand. „Also, wo ist er? Ihr könnt mich auch gerne begleiten, wenn Ihr wollt.“


Rowan erhob sich und klopfte sich das Stroh von der Rüstung. Sie strich ihrem Braunen noch einmal über die Stirn und verließ dann zusammen mit Vernita den Stall. Es war nicht weit bis zu der Sackgasse, in der sie Sareth in der vergangenen Nacht getroffen hatten. Rowan hoffte, dass er dort geblieben war. Ansonsten wusste sie nicht, wo sie ihn suchen sollte.
Schweigend gingen die beiden Frauen nebeneinander her. Der Tag war eben erst angebrochen und die Sonne hatte es noch nicht geschafft, den Nebel vollständig aus den Straßen zu vertreiben. Die Kälte der Nacht hing noch zwischen den Häusern und die Fensterscheiben der meisten waren beschlagen.
Rowan bog in die Gasse ein, an deren Ende sie Sareth erhoffte. Mit einem Blick zu Vernita zeigte sie dieser, dass es nicht mehr weit war. Schon fing zu ihrer rechten die Mauer an, auf der sie sich gestern genähert hatte. Nur noch um diese letzte Biegung und der Baum würde vor ihnen auftauchen.


Vernita und Rowan bewegten sich um die nächste Kurve. Die Muskeln der Elfe spannten sich. Sie machte sich bereit. Bewegte ständig ihre Finger, um jegliche Verkrampftheit aus ihren Gliedern zu vertreiben, damit sie schnell zu ihren Schwertern greifen konnte, falls es nötig werden sollte.
Von weitem sah sie schon den Mann in seiner alten Rüstung an dem Baum in der kleinen runden Gasse gelehnt liegen. Als er die beiden Frauen erblickte, klopfte er seine Pfeife aus und stand auf.
„Bleibt etwas zurück, Rowan“, meinte Vernita, während sie weiter auf den Mann zuging. Dicht außerhalb der Reichweite seines Speeres blieb sie schließlich stehen und musterte ihr Gegenüber eindringlich.
„Rowan hat mir erzählt, dass du sie von früher her kennst“, begann sie mit harter Stimme. „Was willst du von ihr? Und warum bist du in Ferelden?“


Sareth packte seine Pfeife in die Tasche und blinzelte einmal mit den Augen. Er hatte die gesamte Nacht nicht geschlafen sondern die Sterne beobachtet und zugesehen wie der Himmel immer mehr in ein Orange getaucht wurde. Und nun wollte er sich auch sicher sein, dass es wieder die unverschämte Elfe vom vorigen Tag war, die ihn wieder anbellte.
„Ich bin in Ferelden, weil ich in Orlais nicht mehr bleiben konnte und wollte. Ich habe mit meinem Herren dort gesprochen und bin meiner Loyalität ihm gegenüber entbunden. Ich wollte all das hinter mir lassen, und ein einfaches Leben hier in Ferelden führen.“ Er hielt kurz inne und holte dann wieder aus. „Und ich wollte Rowan wiedersehen. Ich habe es stets bedauert ihr nicht gefolgt zu sein.“
Dabei blickte er zu Rowan rüber und sah sanft in ihre Augen.


„Sieh gefälligst mich an, wenn ich mit dir rede, Kleiner, und versuch nicht länger Rowan mit deinem Dackelblick auf deine Seite zu ziehen“
, fauchte Vernita wütend. Vielleicht war es doch keine so gute Idee von ihr gewesen, die blonde Frau zu diesem Treffen mitzunehmen. Auf der anderen Seite wäre es sicher direkt zu einem Kampf gekommen, wenn sie sich hier mit diesem Kerl allein aufhalten würde. Auch wenn die Elfe es immer noch für das Beste hielt, diesen mutmaßlichen Attentäter einfach zu töten, hielt sie sich noch zurück. Um Rowans Willen.
„Denkst du etwa, ich kaufe dir die Geschichte mit dem ‚Ich hatte genug von diesem Leben in Orlais‘ ohne weiteres ab? Oder dass du Rowan nach…“, Vernita sah kurz auf die blonde Frau, während sie weiter sprach. „…wie lange seid Ihr jetzt schon in Ferelden? Vier oder schon fünf Jahre?“
Die Elfe blickte wieder ihr Gegenüber mit gefährlich aufblitzenden Augen ins Gesicht. „Und aus welchem Grund wolltest du sie nach so langer Zeit wieder sehen? Etwa aus Liebe? Versuche ja nicht mich zu verarschen, Kleiner. Hättest du sie geliebt, dann wärst du ihr direkt gefolgt. Ich glaube eher, dass du geschickt wurdest, um sie zu töten, oder was weiß ich mit ihr zu veranstalten. Und das werde ich nicht zulassen!“
Vernita merkte, wie die Sache außer Kontrolle zu geraten drohte. Wie sich selbst in ihre Wut hineinsteigerte, und es somit nur auf einen Kampf hinauslaufen konnte. Mit Rücksicht auf Rowan, atmete die Elfe ein paar Mal tief durch, um sich zu abzuregen. Dann sprach sie mit ruhiger Stimme weiter.
„Würde es allein um mich gehen, dann würde dein Blut schon längst an den Klingen meiner Schwerter kleben und deine Eingeweide zu meinen Füßen auf der Straße liegen. Aber Rowan meinte, ich sollte dir eine Chance geben. Aus welchen Gründen auch immer. Also gebe ich sie dir, und du solltest sie nun nutzen. Und das bedeutet, dass du dich meiner Befehlsgewalt beugst. Solltest du dich weigern, dann bist du tot. Solltest du uns verraten, dann bist du tot. Und solltest du Rowan oder einem der anderen auch nur ein Haar krümmen, dann wirst du dir wünschen, nie geboren worden zu sein. Außerdem verlange ich von dir, dass du dich von Rowan fernhältst, bist du uns bewiesen hast, dass wir dir vertrauen können.“
Vernita hielt kurz inne, während sich ein böses Grinsen auf ihre Lippen legte. „Du hast jetzt also die Wahl, Kleiner. Entweder du akzeptierst meine Bedingungen, oder wir tragen es hier und jetzt aus, bis einer von uns beiden tot im Dreck der Straße liegt. Also, wie lautet deine Entscheidung?“


Rowan konnte förmlich spüren, wie die Luft zwischen den beiden knisterte. Ein falsches Wort und es würde zu einem blutigen Kampf kommen. Sie hörte den Zorn und die Wut, die in Vernita hochkamen und ein Schauer lief ihr über den Rücken. Sie riss sich von Sareths Blick los und trat näher an die Elfe heran. Beruhigend legte sie dieser ihre Hand auf die Schulter und wartete auf Sareths Reaktion.


Als er die Worte von der Elfe vor sich vernahm, zögerte Sareth nicht lange und griff zu seinem Speer. Er ging in die Knie, richtete den Speer auf Vernita und setzte ein finsteres Gesicht auf. „Was glaubt Ihr warum ich ihr nicht sofort gefolgt bin? Ich war es der verhinderte, dass man ihr ein Mordkommando auf den Hals hetzte. Nur so konnte sie fliehen und weiterleben.“
Er umfasste seinen Speer noch fester, sodass man das Leder seiner Handschuhe vor Spannung quietschen hören konnte. „Ich werde mich Euch nicht beugen. Eher sterbe ich oder erschlage Euch!“


„Du bist ein arroganter, Narr!“ zischte Vernita böse, während sie ihre Schwerter zog. „Doch hier geht es um weit mehr als deinen törichten Stolz. Wenn du uns nicht folgen willst, dann findest du hier und jetzt dein Ende!“
Die Elfe ging zwei Schritte zurück und begab sich in eine leicht geduckte Kampfstellung. „Ich habe es Euch gesagt, Rowan! Diesem Kerl ist nicht zu trauen!“


Rowan stieß ärgerlich die Luft aus.
„Könnt ihr es nicht einfach auf sich beruhen lassen? Muss alles immer mit Waffengewalt ausgetragen werden?“
Sie trat zwischen die beiden und zog ihre beiden Messer. Jedes zeigte in die Richtung einer der beiden Streithähne.
„Vergesst endlich euren Stolz und redet wie Erwachsene miteinander.“


„Hier geht es nicht, um Stolz, Rowan“, erwiderte Vernita etwas ruhiger. „Aber Ihr wisst doch genau, was auf dem Spiel steht. Unzählige Kinder werden vermisst. Wer weiß zu welchem Zweck sie entführt wurden. Und ich habe viel Erfahrung mit dem Bewältigen unmöglicher Aufgaben. Außerdem ist der Kleine ein Söldner. Somit sollte er es eigentlich gewohnt sein, Befehle auszuführen, so wie ich es gewohnt bin eben diese zu geben.“


Sareth blickte zu Rowan als sie sich zwischen der Elfe und ihm stellte. Dann legte er seine finstere Miene ab, entspannte seine Muskeln, richtete sich wieder auf und stellte den Speer auf den Boden während er ihn festhielt.
„Ich werde keine Befehle von dieser Elfe annehmen, aber ich werde Rowan auf dieser Reise begleiten! Als ihre Leibwache. Und nur sie soll darüber entscheiden was mit mir geschehen soll.“
Dann blickte er Rowan fragend an. „Sofern sie damit einverstanden ist.“


„Für einen Söldner, bist du ziemlich eigensinnig, Kleiner“, spottete Vernita. „Stell dir doch einfach vor, ich hätte dich für einen Auftrag angeheuert. Dann fällt es dir sicher leichter, auf das zu hören, was ich sage. Und du kannst mir glauben, dass ich ein echter Profi bin, wenn es um die Arbeit geht. Du kannst ruhig Rowan fragen, wie effizient ich arbeite. Sie hat mich schon mehr als einmal in Aktion gesehen.“


„Das hier ist nicht Orlais. Und ich bin kein Söldner mehr der an einen Herren gebunden ist. Ich bin frei in meiner Entscheidung wen ich diene und wann dieser Dienst endet. Und wenn Ihr so gut Befehle geben könnt, dann braucht Ihr keinen weiteren Mann der auf sie hören muss, denn ihr habt ja schon genug. Außerdem würde ich nur Rowan als Herrin akzeptieren.“


Rowan schaute ernst von einem zum anderen und ließ sich Zeit mit ihrer Antwort.
„Ich halte nichts davon, dass hier einer die Befehle gibt und sich die anderen danach zu richten haben. Wir sind alle gleichwertig in dieser Gruppe, oder seht ihr das anders?“ wandte sie sich an Vernita. „Von daher halte ich nichts davon, dass sich Sareth Euch unterordnen soll.“
Danach drehte sie sich zu dem Krieger um, doch ihre Augen verloren nichts an Härte als sie zu ihm sprach. „Und du solltest mehr Respekt vor Vernita haben. Sie mag eine Frau sein, aber sie konnte ihr Talent und ihre Stärke schon mehrfach unter Beweis stellen und ich denke... ich vertraue ihr, soweit ich dazu fähig bin.“
Sie steckte ihre Waffen wieder zurück.
„Und schlag dir das mit dem persönlichen Leibwächter aus dem Kopf. Wie oft soll ich euch noch sagen, dass ich auf mich selber aufpassen kann!“
Rowan drehte sich weg und begab sich auf den Rückweg. „Lasst uns zurück gehen. Wir haben genug Zeit vertrödelt und es warten wichtigere Aufgaben auf uns. Ich habe nichts dagegen, wenn du uns begleitest, Sareth. Du könntest sehr nützlich für uns sein. Doch das heißt nicht, dass ich die nächsten Nächte nicht mit einem offenen Auge schlafen werde!“


„Für ihr junges Alter ist sie erstaunlich weise, findest du nicht, Kleiner?“
meinte Vernita grinsend und steckte ihre Waffen weg. „Gehen wir also. Aber du gehst vor. Ich werde dir bestimmt nicht den Rücken zuwenden.“


Sareth nahm stumm ihre Worte zur Kenntnis. Er drehte sich um und nahm seine restlichen Sachen, die unter dem Baum lagen, und machte sich auf den Weg.
Er ging stumm an Vernita vorbei und warf ihr einen kühlen Blick zu bevor er Rowan zur Taverne folgte.
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