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 Kapitel XV - Festnahme

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Allie
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BeitragThema: Kapitel XV - Festnahme   Mo 15 Aug 2011, 12:18 am

Denerim

Kapitel XV - Festnahme

Aktive Charaktere: Azoth, (Hennrik), Leanora, Lydia, Miandra, Rowan, Sareth, Vernita

Es schien noch früh am Morgen gewesen zu sein als Miandra erwachte, da die Luft die durch einen Fensterspalt drang noch ziemlich kühl war, und der dunkelblaue Horizont im Osten erst einen rosa Farbstich annahm, jedoch der Boden noch nicht von der Sonne erwärmt wurde.
Sie streckte sich einige Male, bevor sie sich aufrichtete, und nach ihrer Tasche griff. Sie zog den Wasserschlauch hervor, und wusch sich damit das Gesicht. Einige Wassertropfen fielen zu Boden und auf das Bettlaken, doch das kümmerte sie nicht. Sorgsam zog sie sich ihre neue Rüstung über, und schnürte den Harnisch, sowie die Armschienen gekonnt mit nur einer Hand zu. Anschließend kämmte sie kurz ihre langen schwarzen Haare, schnallte sich den Waffengurt an welchem die drei Dolche und das Kurzschwert angebracht waren um, nahm ihre Tasche und ihrem Umhang – da sie kein Vertrauen gegenüber dem Wirt oder manch anderen hatte – und verließ das Zimmer.
Der Schankraum war – abgesehen von Hennrik, welcher auf einem der Stühle saß, und schlief – komplett leer. Man konnte nur das Klirren einiger Teller, sowie den Geruch von frisch gebackenem Brot aus der Küche vernehmen. Als dieser herrliche Geruch in ihre Nase drang, gab ihr Magen einen knurrenden Laut von sich und sie war froh, dass niemand in der Nähe war und das hören konnte.
Sie musste nichts bestellen, denn als der Wirt sie bemerkte, machte er nur eine nickende Kopfbewegung, die wohl so viel heißen sollte wie, dass er schon wüsste was sie wollte.
Einen kurzen Moment fühlte sie sich ein wenig unbrauchbar und setzte sich daher an einen Tisch der direkt neben einem der schmutzigen Fenster stand und beobachtete durch dieses das Aufgehen der Sonne, während sie auf ihr Frühstück wartete.


Azoth erwachte am Morgen, als er den Geruch von frisch gebackenem Brot vernahm. Dabei knurrte sein Magen laut und er gähnte. Noch verschlafen stand er auf und wusch sich. Dann zog er fein säuberlich die Rüstung an. Er nahm seinen Umhang gleich mit, und schloss hinter sich die Türe.
Er begab sich in den Schankraum, wo er auch schon Miandra an einem Tisch sah. „Guten Morgen“, wandte er ein und setzte sich.
„Kann ich mit Euch nachher unter vier Augen sprechen?“, er blickte sich kurz um und vergewisserte sich, dass niemand mithörte. „Es geht um Lydia.“


„Morgen“, erwiderte sie knapp und musterte ihn kurz. Das Mädchen hatte sie komplett vergessen. Was er wohl mit ihr besprechen wollte?
„Natürlich“, sagte sie schließlich etwas verwundert. Normalerweise würde sie sofort fragen worum es ging, doch in dieser Hinsicht überlegte sie nicht lange. Vielleicht weil sie einfach zu schnell Mitleid bekam, wenn es um Kinder ging. Selten bemitleidete sie andere, doch in ihren Augen konnte kein Kind etwas dafür was ihm geschah, daran waren immer nur andere – Erwachsene – schuld. Und dadurch wurden die Menschen geprägt, durch schlechte Erfahrungen im Kindesalter für die sie nichts konnten. Und solche schlecht geprägten Menschen, fügten schließlich, wenn sie älter waren, wiederum anderen Leid zu, und vielleicht auch Kindern... Es war ein Teufelskreis, den sie hasste.
Etwas bedrückt blickte sie auf den Tisch, doch ihre scheinbare Starre wurde schnell gelöst, als ihr der Kellner eine Tasse mit Tee vor die Nase stellte, und mit einem freundlichen Lächeln wieder in der Küche verschwand.


„Gut“, sagte Azoth und wartete, bis der Kellner wieder verschwand. „Ich würde sagen wir gehen, hier möchte ich es nicht besprechen. Und unterwegs können wir uns neue Sachen besorgen, wenn Ihr wollt.“


Miandra nahm einen Schluck aus der Tasse und beäugte ihn währenddessen. Sollte das etwa heißen, dass sie hier nicht frühstücken würden? So dringend konnte das Gespräch wohl kaum sein, dass sie sich dadurch ihr Frühstück nehmen lassen würde.
„Also, nach dem Frühstück können wir meinetwegen auf den Markt gehen und dort reden, wenn Ihr glaubt, dass uns hier jemand belauschen könnte der davon nichts wissen darf.“
Sie nahm ein Stück des Umhangs, welchen sie über die Lehne des Sessels gehängt hatte, in die Hand und mustere das Stück. Es war dicht gewebte Wolle, die schwarz eingefärbt wurde, doch die Reise zeigte ihre Spuren. Der Stoff wurde abgewetzt, war schmutzig, ausgebleicht von der Sonne und roch nach Schweiß und einigen anderen undefinierbaren Gerüchen.
„Und wenn wir schon dort sind, könnte ich mich gleich wegen eines neuen Umhangs umsehen... der hier wird ohnehin bald in zwei Teile reißen...“, sie seufzte und nahm einen weiteren Schluck aus der Tasse.
Inzwischen eilte der Kellner ein zweites Mal zum Tisch und stellte einen Korb mit Brot, sowie ein Brett mit Wurst und Käse am Tisch ab. Er schenkte Azoth und Miandra ein freundliches Lächeln und verschwand abermals in der Küche.


Azoth nahm sich ein Stück Brot und belegte es mit Wurst.
„In Ordnung, wir essen nur schnell was und dann gehen wir“, sagte er mit einem Lächeln, und begann das Brot zu essen. Währenddessen überlegte er, wie er das formulieren sollte, was er Miandra zu sagen hatte.
„Und ja, Ihr braucht wirklich einen neuen Umhang“, lachte er.


Sie grinste kurz aufgrund seiner Aussage, und tat seinem Beispiel gleich, indem sie das Brot belegte und dieses zu essen begann. Während des Essens redeten sie nichts miteinander, und schienen wohl beide gedanklich wo anders zu sein.
Als auch die letzte Brotscheibe verzehrt wurde, stand Miandra auf und legte sich ihrem Umhang sowie die Kapuze um. Schließlich wollten sie unentdeckt bleiben.
Sie verließen die Taverne und gingen die Gasse entlang bis sie beim Markt ankamen. Hier herrschte bereits Trubel, wie jeden Tag. Händler, die ihre Waren ausbreiteten und einige frühe Kunden, die sich zwischen den einzelnen Ständen hindurch drängten.
Sie gingen am Rand des Marktes entlang wo sich die Läden befanden und wurden relativ schnell fündig. Ein kleiner Laden der viele, wohl mittelmäßig wertvolle Stoffe vor seinem Geschäft ausgebreitet hatte. Sie betraten diesen und nahmen – wie es die guten Sitten so verlangten – ihre Kapuzen von den Köpfen. Es waren vier Kundinnen in dem Geschäft, die vernarrt die Stoffe musterten, abgesehen von einer. Sie warf Azoth und Miandra nur einen eigenartigen Blick zu, welchen die beiden jedoch nicht bemerkten, und verschwand aus dem Laden.
„Also, worum geht es?“ fragte Miandra schließlich, und begutachtete währenddessen einige Umhänge in dunklen Farben, die an mehreren Haken an den Wänden, sowie an einigen Kleiderständern aufgehängt waren.


Azoth betrachtete die Umhänge, die sich Miandra ansah, dabei musterte er sie und wollte dazu seine Meinung abgeben.
„Also, zu Euch passt ein dunkler Umhang“, grinste er fies.
„Ehm worüber ich mit Euch reden wollte. Euch ist doch sicherlich klar, das Lydia mit uns reisen wird? Aus welchen Gründen könnt Ihr Euch sicher denken. Dabei ist mir völlig egal, was Vernita denkt, oder ihre dazu Meinung ist. Doch ich kann mich nicht alleine um sie kümmern. Ihr... seid doch bereits Mutter. Ich dachte da an ein wenig Unterstützung“, lächelte er verschmitzt, denn so eine derartige Frage war ihm peinlich.


Die Aussage über den Umhang ignorierte sie. Sie wollte keine Meinung oder Hilfe beim Aussuchen eines Umhangs haben.
Sie seufzte. „So selbstsicher Lydia auch in die Taverne kam, ist sie noch jung und hat scheinbar viel durchgemacht. Mehr als wohl für jemanden in dem Alter gut ist. Wahrscheinlich wurde sie in Kampfkunst unterrichtet, sonst wäre sie bestimmt nicht alleine so weit gereist. Ich finde es ja sehr edel von Euch, dass Ihr sie in Eure Obhut nehmen wollt, doch ich frage mich dabei, was Ihr Euch selbst daraus erhofft. Macht Ihr das, weil Ihr ein schlechtes Gewissen wegen Eurer eigenen Tochter habt?“, sie wandte den Blick von den Stoffen ab und blickte ihn durchdringend an.
„Ich weiß nicht, ob ich Euch dabei helfen kann, und selbst wenn, helfe ich nicht Euch sondern ihr. Aber glaubt mir, auch ich hatte am Beginn keine Ahnung, wie es ist Mutter zu sein und diese Verantwortung zu tragen... mir hat auch niemand geholfen… “, ihre Miene verzog sich, wurde nachdenklich und ihr Blick ging wieder auf die Stoffe über.
„Ihr sollt nur nicht überstürzt handeln, bei einer solchen Angelegenheit... ich hoffe Ihr versteht was ich Euch damit sagen möchte.“
Sie nahm einen der Umhänge von einem der Haken und überprüfte die Länge. Er war zu lange und sie legte ihn wieder zur Seite, da sie nicht davon ausging, dass ihr der Händler diesen kürzen würde. Zudem wollte sie nicht noch einmal in dieses Geschäft.


Azoth seufzte. „Ja das habt Ihr richtig erkannt. Es ist, weil ich ein schlechtes Gewissen wegen meiner Tochter habe. Außerdem… wo soll sie denn sonst hin? Sollen wir wirklich ein junges Mädchen weiterhin alleine umherstreifen lassen? Nur weil es gefährlich werden könnte? Ohne uns wäre sie definitiv schlechter dran.“
Er verdrehte die Augen und hoffte, dass sie bald fertig damit war sich einen Umhang auszusuchen. Ihm dauerte das alles zu lange... aber man wusste ja… Frauen und einkaufen…
„Ich handle nicht zu überstürzt“, entgegnete er ihr. „Aber Ihr solltet Euch nun wirklich mal für einen Umhang entscheiden.“


„Ja... das hoffe ich zumindest. Wie wollen wir das denn wissen ob sie mit uns besser dran ist? Wo genau reisen wir als nächstes hin, gegen wen oder was werden wir kämpfen müssen… Ob das der richtige Ort für eine Dreizehnjährige ist wage ich zu bezweifeln, aber wie gesagt wir können es nicht wissen, was ihr ohne uns vielleicht passieren würde…“
Als sie so vor sich hin sprach fiel ihr wieder ein, dass sie wirklich keine Ahnung hatte, wo es sie als nächstes hin verschlagen würde, und dass ihnen Vernita noch sagen wollte, was sie von ihrem Kontaktmann erfahren hatte, doch Azoths Bemerkung riss sie aus den Gedanken.
„Wie bitte!? Ihr handelt nicht überstürzt? Seht Euch nur an, kaum sind wir in den Laden gekommen, wollt Ihr schon, dass ich mich für etwas entscheide! Ihr handelt andauernd überstürzt, bei allem was Ihr tut. Wahrscheinlich merkt Ihr das selbst gar nicht mehr.“
Genervt ging sie weiter in den Laden hinein und ließ sich provokant viel Zeit.


„Ja genau, ich merke es selbst nicht mehr!“ rief er genervt hinterher. So begab er sich zum Tresen und wartete dort auf Miandra. Er stützte sich mit seinem Arm ab und blickte zum Ladenbesitzer, welcher ihm einen fragenden Blick zuwarf.
„Keine Sorge ich klaue schon nicht“, meinte Azoth lachend, woraufhin Ladenbesitzer ihm nur ein Grummeln schenkte.


Zuletzt von Allie am Mo 15 Aug 2011, 1:02 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Allie
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BeitragThema: Re: Kapitel XV - Festnahme   Mo 15 Aug 2011, 12:32 am

Lydia drehte sich noch einige Male um und schnurrte wie eine Katze, ehe sie blinzelnd die Augen aufschlug und in den Raum blickte. Es war schon hell und von draußen drangen leise und gedämpft Stadtgeräusche herein. Sie lächelte, setzte sich auf und reckte sich. Sie blickte sich im Zimmer um - und sah, dass Leanora auf dem Boden geschlafen hatte.
Sie stand auf und beugte sich zu Leanora herunter. „Leanora, wach auf. Warum sagst du nichts? Du hättest meinetwegen doch nicht die Nacht auf dem Boden verbringen müssen!“
Sie band sich wieder ihren Gürtel um. „Wärst du so gut und würdest mir mein Korsett wieder binden helfen? Alleine ist das schwierig.“


„Hum?“ Leanora wurde von Lydia mehr oder weniger aus dem Tiefschlaf geweckt. So gähnte sie undamenhaft laut, ohne sich die Hand vor den Mund zu halten und rieb sich die Augen. Erst dann öffnete sie vorsichtig die Lider und sah Lydia vor sich stehen.
„Mpf. Guten Morgen Lydia. Gut geschlafen?“
Als sie aufstand tat ihr wieder alles weh, eine weitere Nacht auf dem harten Boden hatte ihre Spuren hinterlassen. Sie streckte sich vorsichtig.
„Ah… tut das gut. Na das mit dem Bett ist schon in Ordnung, ich habe bereits die Nacht zuvor auf dem Fußboden verbracht. Aber ich denke, wenn ich heute nochmal auf dem Boden schlafen muss dann werde ich den Pferdestall vorziehen.“
Sie sah, dass Lydia ihr das Korsett mit bittendem Blick entgegen hielt.
„Natürlich helfe ich dir.“
Lydia drehte sich um und Leanora zog und zerrte an den Schnüren, bis das Oberteil endgültig richtig saß.
Dann unterzog sie sich einer kurzen Wäsche, zog sich selber weiche Wildlederhosen und eine cremefarbene Weste an und meinte: „Na los, lass uns frühstücken. Ich habe Hunger.“
Sie wartete erst gar nicht auf eine Antwort Lydias, sondern verließ das Zimmer und begab sich in die Schankstube, wo sie gleich darauf Milch und Brot bestellte.


Lydia stöhnte, als Leanora ihr das Korsett zuschnürte. „Danke sehr, alleine ist das immer so ein Kampf.“
Sie wusch sich, kleidete sich an und verstaute ihre Waffen, die sie über Nacht abgelegt hatte. Sie eilte Leanora nach in den Schankraum und setzte sich zu ihr.
„Danke nochmals, aber die nächsten Nächte verbringst du wieder im Bett.“
Sie lächelte noch etwas verschlafen, die Haare waren ein einziges Chaos, aber wann waren sie das nicht? Sie schüttelte den Kopf, fuhr sich mit den Fingern durch die Haare und nahm sie zu einem Pferdeschwanz zusammen.
„So gut wie heute habe ich wahrscheinlich ein ganzes Jahr nicht geschlafen“, gähnte sie und lächelte Leanora an.


„Siehst du, dann kannst du auch ruhig den Rest der Nächte das Bett haben. Ich kann ohne weiteres im Stroh schlafen, das habe ich zu Hause auch öfter getan. Du solltest auch etwas frühstücken, denke ich.“
Sie winkte dem Wirt, dass er noch einen Krug Milch bringen sollte. Gerade für das Mädchen war Milch mit Sicherheit das Beste. Der Kellner brachte Gewünschtes, dazu einen Obstkorb, frische Marmelade und Butter, Käse, Wurst und eine Auswahl an Brotscheiben.
Leanora griff zu und verputzte einige Scheiben. Sie hatte ohnehin einen gesunden Appetit, aber mit den vielen Konditions- und Kampfübungen der beiden Tage hätte sie wohl ein ganzes Schwein zum Frühstück vertilgen können, so viel Hunger hatte sie.
Zwischen den Bissen beobachtete sie Lydia.
„Ich hoffe, Vernita ist auch bald wach. Ich muss dringend mit ihr sprechen, denn um ehrlich zu sein traue ich mich nicht so ohne weiteres in die Stadt. Aber abwarten, was Vernita dazu sagt.“


Lydia machte große Augen und griff nach dem Krug . Er war groß und schwer, doch nichts mochte sie lieber als Milch. Gierig trank sie den Krug ganz aus, schaute anschließend zu Leanora und leckte sich den Milchbart von der Oberlippe. Grinsend griff sie nach Brot und Marmelade.
Unvermittelt fragte sie: „Sag Leanora, würdest du später etwas mit mir fechten?“


Leanora schluckte bedächtig ihren Bissen hinunter bevor sie antwortete.
„Nun, von mir aus. Ich muss ohnehin üben“, lachte sie Lydia an.
Langsam wurde sie auch unruhig. Dass Vernita so lange schlief, war ihr nicht ganz geheuer. Und von den anderen hatte sie auch noch keinen gesehen, nur der Magier, der auf dem Stuhl leise vor sich hin schnarchte. Der Kellner kam vorbei mit neuer Milch, und gab Leanora die Auskunft, dass Miandra und Azoth bereits unterwegs waren.


„Leanora, das ist zu freundlich von dir ...“, sie stockte kurz. Ihr war er jetzt aufgefallen, dass sie die gesamte Zeit in der vertrauten Form mit ihr gesprochen hatte, „…ich darf doch du sagen... oder?“ fragte sie kleinlaut und blickte etwas beschämt. Erwachsene redete sie normalerweise immer höflich an.
„Tut mir leid“, sagte sie leise und knabberte an ihrer fünften Scheibe Brot mit Butter, Sahne und Honig .


Leanora blickte Lydia vergnügt zu, als diese mit gutem Appetit aß.
„Natürlich darfst du mich duzen, ich dachte das hätten wir gestern doch schon geklärt. Aber da warst du wahrscheinlich schon zu müde“, lächelte sie die Kleine liebevoll an.


Sie lächelte zurück. „Ich habe seit einem Jahr nichtmehr in einem richtigen Bett geschlafen. Meist irgendwo da, wo es nicht nass war oder wo es nicht hin geregnet hat. Oder in Schankräumen von Tavernen. Ich weiß noch, dass ich mich einmal mit Azoth unterhalten habe, aber nicht mehr genau über was.“
Sie aß eine weitere Scheibe Brot und trank noch einen ganzen Krug Milch, bevor sie satt war.
„Endlich wieder normal essen“, grinste sie zufrieden und ließ die Beine baumeln.
„Warten wir noch ein wenig und dann gehen wir etwas fechten, in Ordnung?“
Fragend sah sie Leanora mit großen Augen an - das wirke immer.


„Immer mit der Ruhe, Lydia. Wir haben wahrscheinlich den ganzen Tag Zeit, fechten zu üben. Wir sollten erst auf Vernita und die anderen warten, damit wir den Tag auch planen können.“

Der Wirt kam vorbei, mit leeren Körben.
„Wünschen die Damen noch etwas? Sonst gehe ich nun zum Markt um frische Zutaten für die Mahlzeiten heute zu besorgen?“
Leanora schüttelte den Kopf. „Danke, außer einen weiteren Krug Milch vielleicht?“
Der Wirt rief seinem Helfer das gewünschte zu und verließ dann die Taverne, ein fröhliches Lied vor sich hin pfeifend.


Sie gingen im Gänsemarsch zurück zur Taverne. Rowan voran, dahinter Sareth und Vernita bildete den Abschluss. Keiner sprach ein Wort.
Rowan stieß die Tür zur Taverne auf und betrat den Schankraum. Hennrik saß in einer Ecke und schnarchte. An einem anderen Tisch saß eine junge Frau mit einem Mädchen beim Frühstück. Sie wartete, bis auch Sareth und Vernita eingetreten waren.
„Wo sind Miandra und dieser Elf?“, wandte sie sich an Vernita.
„Ihr wolltet doch mit uns besprechen, wie es weiter gehen soll.“


„Ich habe nicht die geringste Ahnung, Rowan“, erwiderte die Elfe knapp. „Aber wir sollten unbedingt auf sie warten. Fragen wir doch Leanora. Vielleicht weiß sie, wo die beiden sind.“
Die Elfe durchquerte den Raum, bis sie die Frau und das Mädchen erreicht hatte. „Entschuldigt unsere Verspätung, Leanora. Wir wurden... aufgehalten.“
Bei ihren Worten warf sie einen flüchtigen Blick auf Sareth. „Wisst Ihr vielleicht, wo sich Miandra und Lian aufhalten. Ich würde nämlich gern endlich unsere weiteren Schritte planen.“


Leanora blickte auf, als die drei in den Schankraum kamen.
„Vernita! Guten Morgen! Hier steckt Ihr also... und ich dachte, Ihr liegt noch seelig süß in den Federn. Ja, eine bessere Gelegenheit wird kaum kommen, dass Ihr uns erzählt was Ihr gestern in Erfahrung gebracht habt, der Wirt ist gerade zum Markt. Soweit ich weiß sind Azoth und Miandra in die Stadt gegangen, zumindest hat mir das der Wirt zuvor noch gesagt.“
Sie blickte die andern beiden an. Zur Frau gewandt sagte sie:
„Verratet Ihr mir heute Euren Namen? Gestern wart Ihr etwas abgelenkt. Ich bin Leanora, schön Euch kennenzulernen.“
Den Mann sah sie etwas verunsichert an. Er kam ihr auch bekannt vor. War er gestern nicht im Schankraum? Aber es war da schon zu spät um sich an Einzelheiten erinnern zu können.


Rowan sah die Frau verwundert an. Gehörte sie auch zur Gruppe? Warum war sie ihr bisher nicht aufgefallen?
„Mein Name ist Rowan.“


„Nun, dann sollten wir wohl auf die beiden warten“, erwiderte die Elfe und setzte sich an den Tisch. „Und keine Panik wegen dem Wirt. Sollte er bis dahin auch wieder hier sein, dann gehen wir halt in mein Zimmer.“


„Leanora, entschuldigt, wenn ich euch unterbreche, aber wir wollten einen Übungskampf machen. Wann wollen wir?“
fragte Lydia etwas ungeduldig.


„Das kommt ganz darauf an, was die Besprechung hernach ergibt. Erst dann können wir unseren restlichen Tagesablauf planen“
, erwiderte Leanora zu Lydia gewandt. „Keine Sorge, ich habe es nicht vergessen, und wir werden noch üben, das verspreche ich dir.“
Dann blickte sie Vernita an. „Ja, Ihr habt recht, es ist sicher besser, wenn wir auf die beiden warten, dann müsst Ihr nicht alles doppelt erzählen. Gespannt bin ich trotzdem“, lächelte sie.
Leanora nahm sich einen Apfel aus der Obstschale, polierte ihn etwas umständlich an ihrer Weste und biss dann kraftvoll hinein. Sie ließ auch noch einiges Fruchtfleisch am Gehäuse übrig, den Rest davon würde sie später Donas geben.

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BeitragThema: Re: Kapitel XV - Festnahme   Mo 15 Aug 2011, 12:37 am

Nachdem Miandra mit Absicht Zeit vertrödelt hatte, fand sie schließlich einen Umhang, der ihrer Größe entsprach und dieselbe Farbe hatte, wie ihr alter Umhang. Mit einem leicht schadenfrohen Lächeln auf dem Gesicht, welches Azoth galt, zahlte sie schließlich und ließ den alten Umhang beim Händler. Er meinte daraus könnte er noch etwas herstellen und Miandras Gedanke dabei war nur noch: ‚Na wenn er meint…‘
„Also schön, genug von den Kinkerlitzchen...“, ihr Lächeln verschwand und sie schloss die Knöpfe des Umhangs. „Was ich noch sagen wollte... so schön das Lächeln eines Kindes auch sein mag, vergesst nicht, welches das Eure ist... und keine Sorge, wenn ich sehe, dass Ihr nicht mehr weiter wisst, werde ich so oder so nicht anders können als einzugreifen“, sie seufzte und fuhr flüsternd fort, auch wenn der Laden inzwischen, abgesehen von ihnen und dem Händler, komplett leer war. „Aber wie dem auch sei, lasst uns gehen, Vernita wollte uns schließlich noch mitteilen, was sie von ihrem Kontaktmann erfahren hat.“
Ohne eine rechte Antwort abzuwarten ging sie zur Türe und öffnete diese.
Und bei dem Anblick, schien ihr Herz für einige Sekunden still zu stehen vor Schock.
Vor dem Laden hatten sich um die fünfzehn Wachen von Denerim versammelt und diesen umstellt. Miandra war nicht dazu fähig sie in diesem Moment zu zählen, sondern stand nur regungslos da. Einige von ihnen richteten Armbrüste direkt in ihre Richtung, jederzeit bereit einen Bolzen abzuschießen, um damit ihr Herz zu durchbohren. Doch dann wagte sie einen Blick nach links und rechts, sah, dass es keine Fluchtmöglichkeiten gab.
Sie saßen in einer Falle.
Doch wie kam es überhaupt dazu?
Ihr Blick fiel auf eine Frau, die mit einem der Wachen etwas flüsterte. Sie kannte die Frau nicht, doch ihr kam das Gesicht irgendwie bekannt vor.
Miandras Sinne setzen wieder ein, und sie wusste, nun durften sie sich nicht durch ihre Nervosität verraten, sondern mussten der Sache erstmals auf den Grund gehen, doch noch bevor sie etwas sagen konnte, ergriff eine der Wachen - an dessen Rüstung man erkennen konnte, dass er wohl hier das Sagen hatte - das Wort.
„Legt Eure Waffen nieder!“
Natürlich galt dieser Satz Azoth und Miandra. Miandra zögerte, doch anstatt ihre Waffen abzulegen, räusperte sie sich: „Dürften wir vielleicht erfahren aus welchem Grund Ihr Eure Leute dazu befehligt, mit ihren Armbrüsten auf uns zu zielen?“
Der Kommandant wollte gerade antworten, als die Frau, welche die gesamte Zeit hinter den bewaffneten und gerüsteten Männern stand, nach vorne trat und leicht hysterisch zu schreien begann. „Lasst Euch nicht von den beiden täuschen! Ich habe es mit eigenen Ohren gehört, und sie mit eigenen Augen gesehen!“
Die Wache zog die Frau, welche erbost die Faust in die Höhe hielt, an der Schulter wieder nach hinten, damit sie nicht ins Schussfeld lief.
„Diese Frau behauptet, sie hätte euch zwei sowie drei weitere Personen dabei beobachtet, wie ihr zwei Menschen hier in Denerim, am helllichten Tag, umgebracht und anschließend die Leichen irgendwo versteckt habt“, fügte der Kommandant schließlich mit lauter und beherrschter Stimme hinzu.
Miandra spürte wie ihr einige kalte Schweißtropfen den Rücken und an den Schläfen hinab liefen und sich ihr Magen zu drehen begann. Doch sie durfte sich nichts anmerken lassen, das wusste sie, und das redete sie sich immer wieder ein. Andernfalls wären sie wohl verloren gewesen.
„Und Ihr glaubt alles was man Euch erzählt? Vielleicht ist ja eine Verrückte, die das alles nur geträumt hat, ich für meinen Teil habe zumindest keine Ahnung wovon sie redet.“
Der Kommandant warf der Frau, deren Schulter er noch immer festhielt, einen nachdenklichen Blick zu.
„Oh nein, ich bin keineswegs verrückt! Ich kann es beweisen, dass Ihr es wart! Ich wohne in dieser Gasse, wo Ihr dachtet, Ihr seid ungestört! Ich saß am Fenster im zweiten Stock, und ich werde wohl auf ewig Albträume davon haben, wie Ihr und Eure Freunde diese beiden Leute kaltblütig umgebracht habt...“, sie schluchzte und begann in ihrer Tasche zu wühlen.
Miandras Miene verzog sich. Beweisen? Wie wollte sie das beweisen?
Die Frau nahm einen Dolch aus ihrer Tasche, welcher fein säuberlich in ein weißes Tuch eingewickelt war. Sie nahm das Tuch nicht ab, sondern streckte den Dolch dem Kommandanten entgegen. „Hier überzeugt Euch selbst“, sie warf Miandra und Azoth noch ein nahezu böse wirkendes siegessicheres Grinsen zu.
Der Kommandant nahm die Waffe verwundert entgegen, und ließ das Tuch zu Boden fallen.
Miandra starrte auf den Dolch und ihre Erinnerung kam zurück. Sie ließ den Dolch zu Boden fallen, bevor sie weglief, und war nie zurückgekehrt um ihn aufzuheben. Der Dolch mit dem sie ihren Vater tötete, und dessen Blut noch daran haftete.
…Der Dolch, von dem sie einen zweiten hatte…
Der Moment schien zeitlos, doch sie fasste all ihre Beherrschung zusammen, aber ehe sie zu Wort kam, begann diese vorlaute Frau erneut sich wichtig zu machen. „Seht sie trägt denselben Dolch! Wie wahrscheinlich ist es denn, dass es mehrere von diesen Waffen gibt, die genau gleich aussehen!“


Azoth fing zu lachen an, und blickte zu der Frau. Er kniff seine Augen zusammen ehe er seinen Blick zu dem Kommandanten wandte.
„Wollt Ihr wirklich dieser Frau glauben? Sie hat den Dolch bestimmt mit Schweineblut befleckt um eine Belohnung abzustauben! Seht doch nur, wie dreckig sie aussieht, und welche Kleider sie trägt. Sie braucht bestimmt das Gold!! Und so unwahrscheinlich, dass Waffen gleich aussehen, wie sie behauptet, ist es nun auch wieder nicht!“
Daraufhin blickte Azoth zu Miandra, und wieder zum Kommandanten, der die Frau nun anstarrte und begutachtete.
Der Kommandant schüttelte den Kopf. „Nein sie hätte dazu keinen Grund. Schließlich scheint Ihr sie ja nicht zu kennen, wieso sollte sie Euch also etwas Böses wollen? Außerdem, wieso sollte ich einem Elfen mehr Glauben schenken, als einer Bürgerin Denerims.“


Die Frau wandte sich dem Kommandanten zu. „Ich verzichte auf jedwede Belohnung, ich möchte einfach nur, dass diese Mörder hinter Gitter kommen!“
„Beruhigt Euch gute Frau“, erwiderte der Kommandant leicht genervt und wandte sich noch einmal Miandra und Azoth zu. „Waffen ablegen.“
Miandra wusste nicht mehr weiter, und tat wie ihr befohlen. Sie öffnete ihren Waffengurt und warf ihn mit Schwung zu Boden, sodass er beinahe vor den Füßen des Kommandanten landete. Dieser bückte sich kurz um nach dem Dolch zu greifen, und begutachtete nun beide Waffen skeptisch.


Azoth tat dasselbe. Er warf den Waffengurt zu Boden, indem sich die beiden Schwerter befanden. Weiteres öffnete er seinen Umhang, und zog jedes einzelne Messer heraus, welche er auf den Boden warf. Dabei hatte er ein richtig schiefes Grinsen auf den Lippen. Denn keiner der Leute wusste, dass seine Waffen komplett vergiftet waren. Mit etwas Pech griffen sie die Klingen ohne ihre Panzerhandschuhe an und würden sterben.
Er blickte kurz zu Miandra, und stand ebenfalls steif wie ein Stock da. Würde er irgendwie seine Kräfte nutzen, würde er es nur schlimmer machen. Zudem bestand die Gefahr, dass sie Miandra sofort mit einem der Bolzen erschießen würden.


Der Kommandant schien noch immer zu überlegen, ob er der Geschichte Glauben schenken konnte und musterte abwechselnd die Dolche in seinen Händen sowie Miandra und Azoth.
Plötzlich stürmte der Händler des kleinen Ladens zwischen Miandra und Azoth aus der Türe, und einige der Wachen hätten beinahe ihre Bolzen abgefeuert. „Was ist denn hier los! Ihr macht mir mein ganzes Geschäft zunichte!“ brüllte er. „Ich möchte kein Blutvergießen auf meinem Grund und Boden!“
„Ach sollen die in Fort Drakon sich darum kümmern“, murmelte der Kommandant vor sich hin und winkte mit einer Hand ab, bevor er sich an seine Leute wandte. „Nehmt sie fest.“
Einige der Wachen von Denerim stürmten mit Ketten auf die beiden zu, und fesselten damit ihre Arme unsanft am Rücken.
Miandra blickte noch ein Mal zu der Frau, welche sie da hineingeritten hatte, bevor sie einen Schlag am Hinterkopf spürte, und ohnmächtig zu Boden stürzte.
Auch Azoth ließ sich fesseln, und sah wie Miandra zu Boden ging. Doch kurze Zeit darauf wurde auch ihm auf den Hinterkopf geschlagen, worauf hin er bewusstlos wurde.
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BeitragThema: Re: Kapitel XV - Festnahme   Mo 15 Aug 2011, 3:02 pm

„Mir fällt gerade ein, Vernita, was ich Euch noch fragen wollte. Ich muss irgendwie noch zur Schatzkammer der Stadt, denn soweit ich weiß haben dort meine Eltern ihre Finanzen und Wertgegenstände deponiert. Ich muss mir einen Überblick über den Nachlass verschaffen. Ich bin mir nur nicht im Klaren, ob es sicher ist, wenn ich dort auftauche, oder ob ich uns damit eher in Gefahr bringe?“ fragte Leanora nach einer Weile des Schweigens. Außerdem wurde Donas langsam unausstehlich, das lange Stehen auf einem Fleck ohne Bewegung tat dem sonst so lebhaften Hengst nicht gerade gut. Er war so übellaunig, dass er gestern sogar nach Leanora geschnappt hatte, ein Ausritt würde zwar Abhilfe schaffen, aber auch hier getraute sie sich nicht, einfach die Stadt zu verlassen.
Während sie vor sich hin grübelte und auf eine Antwort von Vernita wartete, kam der Wirt zurück. Auf seiner Stirn hatten sich Schweißperlen angesammelt, und seine Körbe quollen über mit frischen Lebensmitteln.
„Aahhh. Guten Morgen die Damen! Ich komme gerade vom Markt, ich rate Euch, geht heute nicht in die Stadt. Es geht zu wie in einem Taubenschlag, es wird gemunkelt, dass eine Frau und ein Elf festgenommen wurden. Angeblich wegen Mord am helllichten Tag. Das muss man sich mal vorstellen! In unserer beschaulichen Stadt, mitten am Tag...“ Kopfschüttelnd ging er hinter den Tresen, dabei eifrig weiter murmelnd.
„... frische Eier hab ich so gerade noch gekriegt, also möchte jemand Rührei mit Speck?“ Nebenher räumte er die Sachen ein oder legte sie in dafür vorgesehene Behälter.
„... dreißig Leute der Stadtwache sollen die beiden aus einem Geschäft.... eine Anwohnerin hatte den Mord wohl gesehen... ah, der Wein hat hier noch Platz... nach Fort Drakon... Verdammt Joseph, ich sagte doch die Milch wieder in die Kühlung! ... werden sicher gehängt. Bei Mord ist gar nichts anderes möglich!... Natürlich den Salat erst waschen, dann klein pflücken! Muss man dir wirklich alles erklären!... Ich war übrigens in einer Polsterei und habe neue Matratzen auch für die anderen Zimmer in Auftrag gegeben.“
Der Wirt tauchte wieder hinter dem Tresen auf, nachdem er zwischen Küche, Speisekammer und Theke hin und her gewuselt war. Dann tupfte er sich mit einem Tuch den Schweiß von der Stirn und blickte in die Runde.
„Wie dem auch sei, jedenfalls ist ganz Denerim aufgescheucht. Jeder will etwas gehört und gesehen haben. Wer weiß, was davon wahr ist. Zum Abendessen hab ich frisches Schweinefilet mitgebracht, und dazu gibt es... na da lass ich mir noch was einfallen. Einen schönen Tag, die Herrschaften!“
Er nahm eine Blechschüssel, warf ein paar Innereien hinein und stellte sie Nero vor die Nase.
„Hier, sollst ja nicht leben wie ein Hund, nicht wahr?“ dabei lachte er schallend und verzog sich wieder in die Küche, wo er seinen Helfer, Joseph, weiter zusammen stauchte.
Leanora blickte ihm mit offenem Mund nach.
„Ich glaube, das mit dem Besuch in der Stadt hat sich damit wohl erledigt... wenn soviele Leute unterwegs sind?“


Rowan hatte sich zu Leanora gesetzt, als der Wirt die Tür hinein kam. Als sie hörte was er zu erzählen hatte, weiteten sich ihre Augen vor Schrecken. Sie schaute zu Vernita herüber und sah in ihren den gleichen Verdacht.
„Eine Frau und ein Elf, die dabei gesehen wurden, wie sie einen Mord in Denerim begangen haben. Das kann doch kein Zufall sein.“
Sie schlug mit der Faust auf den Tisch und sprach flüsternd weiter. „Verdammt, ich habe mir gleich gedacht, dass das schief gehen würde. Dieser verfluchte Elf!“
Zornig blickte sie die Elfe ihr gegenüber an. „Ihr denkt das Gleiche wie ich, oder? Miandra und dieser Schnösel stecken in Schwierigkeiten.“


„Moment. Ihr denkt, sie wurden gefangen genommen? Wegen Mordes?“
Lydia machte große Augen. Sie wurden also gesucht. Das gefiel ihr! Jagd und Flucht, unentdeckt im Schatten herumschleichen.
„Was werden wir tun? Werden wir sie befreien? Und wenn ja, dürfte ich mitkommen und euch helfen? Ich bin sicher dass ich euch helfen kann“, sagte sie neugierig.


Rowan wandte sich ärgerlich zu dem Mädchen um, welches gerade gesprochen hatte.
„Du wirst ganz sicher nicht mit uns kommen, dazu bist du noch viel zu jung!“
Sie sah Vernita an, bevor sie weiter sprach. „Woher kommt dieses Kind? Bitte sagt mir nicht, dass Ihr es in unsere Gruppe aufgenommen habt!“


„Ihr könnt auch mit mir sprechen. Ich bin Lydia und ja, ich darf mit euch reisen! Wenn Ihr etwas dagegen habt oder denkt es sei zu gefährlich für mich, dann sage ich Euch jetzt, dass ich schon alleine ohne Hilfe durch ganz Ferelden gereist bin! Wenn Ihr glaubt, dass ich mich nicht wehren kann, wir können gerne ein kleines Duell austragen. Wer zuerst zu Boden geht verliert.“
Sie lächelte. „Wie wäre das?“
Sie verschränkte die Arme. „Ich kann auch gerne wieder alleine reisen, auch wenn ich es schade fände. Ich mag euch“, grinste sie .


Rowan schnaufte abfällig.
„Du bist noch ein Kind. Wieso sollte ich mich mit dir duellieren? Außerdem haben wir im Moment Wichtigeres zu tun.“
An die anderen gewandt sagte sie: „Wir sollten zuerst sicher gehen, ob es sich bei den beiden wirklich um unsere Gefährten handelt, bevor wir etwas unternehmen.“


Leanora hörte Rowan zu, ihr Mund war noch immer offen. Dieses Mal aber vor Entsetzen.
„Rowan, Ihr glaubt, Miandra und Azoth sind das? Wieso denn das? Was haben die beiden ausgefressen? Wenn sie es sind müssen wir sie da raus holen!“
Sie wurde rot, als sie das sagte. Ausgerechnet sie, die scheue Leanora, mehr Angst als sonst etwas vor allem und jedem, meinte die Gefährten befreien zu wollen. Aber wie? Sie biss sich unschlüssig auf die Lippen und trommelte nervös mit ihren Fingern auf dem Tisch.


„Ähm, es gab da einen kleinen Zwischenfall in der Nähe des Marktplatzes, an dem auch Vernita, Hennrik und ich beteiligt waren. Ich fürchte, wir werden auch gesucht, wenn es sich wirklich darum handelt. Und Miandra und… Azoth?... sind schließlich auch wie Ihr sagtet in die Stadt gegangen.“
Unbehaglich rutschte sie auf ihrem Sitz hin und her.
„Was genau vorgefallen ist, wäre jetzt zu aufwendig zu erklären und Ihr solltet diesbezüglich lieber Miandra fragen…“
Leise fügte sie hinzu: „… sofern wir sie lebend da raus bekommen.“


Mitten in der Bewegung hielt Leanora inne, das Klopfen mit den Fingern hatte sie bei Rowans Worten sofort eingestellt. Dafür nahm ihre Gesichtsfarbe den ungesunden Farbton der Wand an.
Sie beugte sich etwas näher zu Rowan und flüsterte ihr zu:
„Wollt Ihr etwa andeuten, dass dieser Zwischenfall ein Mord war?“
Ihr Puls beschleunigte sich. Dass Vernita oder Miandra nicht zimperlich waren, war ihr bereits während ihrer Reise bewusst geworden. Aber Mord? Leanora schluckte, und grübelte. Im Prinzip verurteilte sie Gewalt über alle Maßen, und Mord war wirklich mit Abstand das Schlimmste was sie sich vorstellen konnte. Aber Azoth war ein liebenswerter Mann. Sie traute ihm nicht zu, dass er kaltblütig jemand ermorden würde. Es sei denn, aus Notwehr oder weil er seine Freunde beschützen wollte. Bei Miandra war sie sich nicht so sicher, aber auch sie würde gewusst haben, dass sie kein Aufsehen erregen sollten.
Vorsichtig blickte sie Vernita an, die sich beherrschen musste. Rowan wirkte ähnlich verärgert, Lydia ungeduldig. Und Leanora selbst rutschte das Herz in die Hosentaschen. War sie etwa mit einer Bande Mörder unterwegs? Konnte sie ihnen überhaupt vertrauen? Andererseits hatten Vernita und Azoth sie aus der Flammenhölle zu Hause befreit und gerettet. Nervös rutschte sie auf ihrem Platz hin und her. Was sollte sie nur tun? Mithelfen, die Entführung der Kinder mit aufzudecken würde automatisch bedeuten, den Leuten hier vertrauen zu müssen - zumindest ein Stück weit. Und das würde auch beinhalten, dass sie Azoth und Miandra aus Fort Drakon holen mussten. Somit machte sie sich auch strafbar.
Sie schnappte nach Luft, als ihr die ganze Tragweite bewusst wurde. Sie würde keine Wachen töten, soviel war sicher. Es musste eine andere Lösung geben, die beiden da raus zu holen.
„Wenn sie es wirklich sind, glaubt Ihr, ob wir sie frei kaufen können? Verdammt, ich muss wirklich zur Schatzkammer.“


„Frei kaufen? Bei Mord? Ich denke nicht, dass das etwas bringen wird. Vor allem nicht, wenn drei der Gesuchten noch auf freiem Fuß sind. Wollt Ihr Euch unsere Immunität gleich mit erkaufen?“
Rowan schüttelte den Kopf und setzte eine grimmige Miene auf.
„Ich fürchte hier hilft nur der harte Weg. Doch die Frage ist, wie wir es anstellen. Hennrik, Vernita und ich sollten uns nicht in der Nähe erwischen lassen.“
Sie schaute Leanora an. „Ihr jedoch seid ihnen unbekannt. Und auch Sareth hat nichts mit der Sache zu tun. Bevor Ihr zustimmt, solltet Ihr allerdings sicher sein, dass Ihr das auch wirklich machen wollt. Noch könnt Ihr unbehelligt aussteigen.“


Wenn es möglich war, wurde Leanora noch eine Spur bleicher. Ihr Teint erinnerte nun nicht mehr an den beigen Farbton der schäbigen Taverne - eher einer frisch getünchten Hausmauer. Sie hatte das Gefühl, in einem schlechten Traum zu sein, wo sie jederzeit aufwachen konnte.
Aber der giftige Blick Vernitas sagte mehr als tausend Worte. Man konnte der herrischen Elfe direkt ansehen, wie ihr Gehirn im Moment auf Hochtouren arbeitete, aber erst etwas sagen würde, wenn sie auch wirklich einen Ansatzpunkt hatte. Dennoch passte ihr es anscheinend nicht, dass Rowan und Leanora sich darüber unterhielten. Auch Sareth bekam beinahe tödliche Blicke ab.
Leanora ließ sich davon weniger beirren. Ihre Gedanken drehten sich im Kreis. Sollte sie ihre Sachen packen, ihre Gefährten im Stich lassen, und das Schicksal der Kinder in andere Hände legen? Einfach ihre Reichtümer zusammen packen, auf Donas schwingen und weg reiten? Kaum merklich schüttelte sie den Kopf. Im Prinzip war es ausgeschlossen, dass sie jetzt einfach die Flinte ins Korn warf. Auch die Peiniger ihrer Familie waren noch auf freiem Fuß, und diese würden wohl auch nach Leanoras Leben trachten, sobald bekannt war, dass sie noch lebte.
Sie war inzwischen aufgestanden und hatte nicht bemerkt, dass sie unruhig die Stube auf und ab gewandert war. Bis sie schließlich wieder vor Rowan stand und ihr fest ins Gesicht blickte.
„Aussteigen geht nicht. Die Mörder meiner Familie sind noch unbekannt und auf freiem Fuß. Ich will diese Hurensöhne dran kriegen. Erst dann werde ich auch wieder ein Leben in Frieden aufbauen können. Ihr habt recht, normalerweise kennt man mich nicht. Und wenn, dann werden diese keinen Bezug zu Euch herstellen können. Aber ich werde keine Wachen töten. Vielleicht Schlafmittel? Und die Frage ist, welchen Grund kann ich angeben, überhaupt im Fort beim Kommandanten vorsprechen zu können? Eine entfernte Verwandte der Familie? Ich glaube nicht, dass sie einem wildfremden sagen werden, was war oder wann die Urteilsverkündung sein wird. Wir brauchen einen Grund.“
Leanora setzte sich wieder und nahm einen Schluck aus ihrer Tasse. Beim Erbauer, auf was hatte sie sich hier eingelassen? Sie mochte keine Lügen, war immer ein ehrliches Wesen. Aber sie besann sich auch darauf, wie sie zu Hause öfter die charmante Tochter des Hauses spielen musste, auch wenn sie diesen aufgeblasenen arroganten Jünglingen am liebsten in den Hintern getreten hätte. Charmant konnte sie ja sein, wenn sie wollte. Oder wenn es sein musste.


Sareth ging einen Schritt näher an die Gruppe die am Tischs saß heran und schaute einmal durch die Runde.
„Wir müssten ohne Probleme die ersten Wachen am Tor übertölpeln können, indem Rowan sich als edle Dame ausgibt und ich sie als ihre Leibwache begleite. Aber ich sage es ganz unverblümt. Wir werden, um weiter ins Fort eindringen zu können, wohl Wachen auch töten müssen.“
Er stütze sich mit einer Hand auf dem Tisch ab, beugte sich etwas nach vorne und sah Rowan an. „Wie in den guten alten Zeiten.“ Dabei zwinkerte er ihr zu und lächelte.


Rowan grinste Sareth an. Dabei ignorierte sie den giftigen Blick, den Vernita dem Krieger zuwarf, als dieser sich über den Tisch zu Rowan beugte.
„Das ist eine gute Idee.“
Sie überlegte kurz und wandte sich dann an Leanora. „In Ordnung, Lea war Euer Name? Ihr werdet den Part der edlen Dame übernehmen.“
Rowan sah, wie sich Leanoras Augen weiteten und lächelte ihr beruhigend entgegen.
„Keine Angst, Sareth und ich haben das hin und wieder durchgezogen. Das funktioniert immer wieder. Männer können einfach nicht anders beim Anblick einer schicken Dame.“ Sie lachte boshaft. „Nur ich kann diesen Part nicht übernehmen. Ich werde gesucht. Also werdet Ihr mit Sareth zum Vordereingang gehen. Und wenn Ihr es mit Schlafmittel durchziehen wollt, dann denke ich, kann Euch Vernita sicher behilflich sein, oder?“
Rowan schaute sich um und Vernita nickte ihr grimmig, wenn auch etwas abwesend, zu.
„Leanora, Ihr habt nicht zufällig ein Kleid, dass einer edlen Dame würdig ist?“
Die Angesprochene schüttelte stumm den Kopf.
„Das dachte ich mir… hm… das ist auch kein Problem. Ich kann eines besorgen, wenn ihr mir ein bisschen Zeit gebt.“
Rowan fuhr sich mit der Hand durch die Haare.
„Ich denke, ich kann Hennrik, Vernita und mich durch einen Hintereingang hinein bringen. Vor allem, wenn ihr vorne für Ablenkung sorgt, sollte das kein Problem sein.“


„Vorausgesetzt die ganze Geschichte stimmt überhaupt, Rowan. Und ja, mein Name ist Leanora, die meisten nennen mich aber einfach Lea. Hennrik könnte vielleicht einen weiteren Hypnose- oder Schlafzauber sprechen? Oder einen Vergessenszauber oder was es so gibt? Das wäre zumindest eine Möglichkeit, relativ weit hinein zu kommen, ohne alle töten zu müssen.
Ich werde versuchen an die Schlüssel vom Zellentrakt zu kommen, ich denke der Kommandant müsste die haben. Stellt sich die Frage wie ich mich zu ihm vorschleichen kann. Ich brauch dafür einen Grund. Aber da fällt mir sicher noch etwas ein. Das Schlafmittel kann man eventuell in Konfekt füllen, oder zusätzlich in eine kleine Phiole, die ich ihm in den Tee schütte. Wenn er dann einschläft kann ich um Hilfe rufen, das dürfte den Eingang etwas säubern. Diese Wachen kann Sareth dann in Ohnmacht bringen. Wie gesagt, wenn es geht, wäre mir das ganze ohne möglichst wenig Tote am liebsten.
Rowan, wenn Ihr ein Kleid besorgen könntet wäre das natürlich hervorragend. Ich werde dann auf jeden Fall zuvor noch in die Stadt gehen und Konfekt besorgen , und vielleicht auch etwas Schmuck aus dem Familen-Depot nehmen. Die nächste Frage ist aber, wo wir dann hin sollen. Nach so einer Aktion brauchen wir uns hier nicht mehr blicken lassen. Und das ist die Frage, wann wir das ganze starten. Immerhin sollten wir auch noch die Entführung der Kinder aufdecken?"

Leanora war nervös, und das machte sich bemerkbar indem sie soviel redete. All ihre Gedanken und Sorgen schossen kreuz und quer durch ihr Gehirn und ungefiltert wurden diese ausgesprochen. Als sie dies bemerkte, schlug sie die Hand vor ihren Mund.
„Entschuldigt, ich plappere zu viel.“
Stattdessen zerpflückte sie eine Rebe und schob sich eine Weintraube nach der nächsten in den Mund.


Zuletzt von Allie am Mo 15 Aug 2011, 3:18 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Kapitel XV - Festnahme   Mo 15 Aug 2011, 3:12 pm

Kylar arbeitete gerade an einem neuen Kleid. Es war für eine edle Hofdame bestimmt, war in zart rosa Farbtönen und sollte noch mit schönen feinen Goldschleifen und Rüschen verziert und bestickt werden. Es sollte ein Meisterwerk werden, und alle am Hofe würden es bewundern. So könnte er es vielleicht eines Tages schaffen, sogar für Königin Anora eines zu schneidern. Das wäre ein Traum, und Kylar musste bei dem Gedanken lächeln.
Als der Grundschnitt des Kleides war fertig, wollte er sich gerade an die Feinarbeit wagen, als er feststellen musste, dass die Stoffe die er zur Verfügung hatte nicht zu dem Kleid passten. Verärgert darüber ging er in seinem Arbeitszimmer auf und ab. Er konnte unmöglich bis auf die nächste Lieferung warten, das würde zu lange dauern.
Er beschloss auf den Markt zu einem Schneiderkollegen zu gehen, der ihm schon des Öfteren aus der Patsche geholfen hatte, oder eben umgekehrt.

„Kylar mein Freund was treibt Dich hierher? Du wirst nicht glauben was mir heute früh widerfahren ist!“, begrüßte ihn der Stoffhändler freundlich in seinem Laden.
„Altaras, wie läuft das Geschäft? Was würde ich nicht glauben?“, erwiderte Kylar lächelnd, musste jedoch eine Augenbraue noch oben heben.
„Hast Du es noch nicht gehört? Heute morgen wurden zwei Mörder verhaftet, die in meinem Laden waren! Direkt vor meiner Türschwelle versammelte sich die Stadtwache! Stell Dir nur vor, seit dem Vorfall läuft mein Geschäft wie nie zuvor!“, er musste lachen. „Aber ich muss schon sagen, diese schwarzhaarige Frau und der Elf sahen nicht sonderlich gefährlich aus... der Schein trügt immer!“
Im ersten Moment dachte sich Kylar nicht sonderlich viel bei der Aussage, doch dann hallten die letzten Worte seines Gegenübers in seinen Ohren wider.
„Eine schwarzhaarige Frau und ein Elf?“, wiederholte er etwas ungläubig.
„Ja, hübsches Ding, lange schwarze Haare, schöne hellbraune Haut und blaue Augen... also die Frau“, er musste lachen. „Nicht, dass Du etwas Falsches von mir denkst. Und dieser Elf stand eine Weile an meinem Tresen.“
Kylar räusperte sich: „Wie... wie sah denn der Elf aus?“
„Wieso, glaubst Du es war ein Verwandter von dir? Na hoffen wir nicht!“, wieder musste er lachen. „Helle Haut, schwarze Haare und so eine wellenartige Tätowierung auf der Seite“, er fuhr sich mit der Hand über die Stelle am Gesicht, an der sich die Tätowierung befand. „Und er trug so einen komischen Umhang, frage mich wo er den her hatte... sah gut gearbeitet aus.“
Kylar spürte wie sich Schweiß an seiner Stirn bildete. Das konnte doch unmöglich...
„Ent-entschuldige mich, Altaras. Mir fällt gerade ein, dass ich noch dringend wo hin muss. Ich komme später noch einmal vorbei, wenn es Dich nicht stört...“
„Ach, Du bist immer willkommen, das weißt Du doch!“
Kylar nickte nur, und verschwand aus der Tür.
Es konnte kein Zufall sein, und wenn doch, so musste er sich vergewissern. Er ging den Marktplatz entlang, anschließend durch eine Gasse, bis er die Taverne erreichte in welcher er wusste, dass sein Freund untergebracht war.
Ohne anzuklopfen schritt er durch die Tür und spürte sofort, wie ihn einige Blicke durchbohrten. Er musterte die Anwesenden kurz, erkannte Leanora und die Elfe, stellte jedoch fest, dass weder Azoth noch Miandra mit am Tisch saßen.
Er schloss die Türe hinter sich und ging näher an den Tisch heran. „Entschuldigt die Störung, aber ich wollte fragen ob ihr wisst wo Azoth und Miandra stecken?“, er schluckte. „Ich habe ein ungutes Gefühl...“, bedrückt ließ er sich neben Leanora nieder.


Leanoras Herz machte ein paar unkontrollierte Hopser als Kylar sich neben sie setzte.
Erschrocken und verlegen zugleich sah sie ihn an, und wieder faszinierte sie sein Anblick. Von diesem Elf ging eine besondere Ausstrahlung aus. Die Farbe seiner Augen war unergründlich, die Brauen elegant geschwungen, die Lippen strahlten Sanftheit aus.
Leise sagte sie zu ihm: „Wir wissen es nicht. Sie sind wohl morgens schon auf den Markt, und bis jetzt noch nicht zurück. Wir machen uns auch schon Gedanken...“
Leanora sprach jedoch nicht weiter. Sie wollte nicht den Verdacht aussprechen, der in der Luft lag.


Kylar seufzte und blickte bedrückt auf den Tisch, wobei er den Kopf senkte.
„Ich wusste es...“, flüsterte er. „Heute wurden zwei Personen verhaftet. Ich war gerade in dem Laden und er hat sie mir beschrieben. Die Beschreibung passt auf Azoth und Miandra.“
Er ließ seinen Kopf auf die Tischplatte knallen und blickte dann wieder auf. Kylar erwiderte Leanoras Blicke und konnte wenigstens bei ihrem Anblick ein wenig lächeln.
„Sie wurden verhaftet, nach Fort Drakon gebracht. Ihr wisst doch alle was das heißt? Sie werden gefoltert bis sie reden...“


Leanora schlug die Hände vors Gesicht. „Oh nein, dann hat der Wirt doch die Wahrheit gesagt! Beim Erbauer...“ Sie versuchte ihrer Angst Herr zu werden und atmete tief durch.
Vernita fiel das Kinn ein wenig nach unten, hatte sich aber sofort wieder in ihrer Gewalt. Sie fluchte leise und nicht gerade damenhaft vor sich hin. Anscheinend durchkreuzte es die Pläne, die sie wegen der Kindesentführung hatte.
Leanora blickte Rowan an. „Dann wird es wohl ernst. Rowan, wie schnell könnt Ihr dieses Kleid besorgen? Lydia, hilfst du mir später mein Haar hochzustecken? Vernita, habt Ihr alles zusammen für die Herstellung des Schlafmittels?“
Kylar war die Rettung. Alleine hätte sie sich nicht in die Stadt getraut. Zaghaft lächelte sie den Elf an.
„Ich hätte eine Bitte an Euch, ich hoffe, es ist nicht unverschämt. Würdet Ihr mich in die Stadt begleiten? Ich möchte einige Pralinen besorgen, und außerdem muss ich in die Schatzkammer der Stadt und den Nachlass regeln. Ich... nun es wäre mir jedenfalls lieber, wenn ich da nicht allein gehen müsste“, fügte sie zögernd hinzu. Kylar musste sie ja für einen völligen Angsthasen halten. ‚Leider hätte er damit auch recht‘, dachte sie sich im Stillen.
„Und wir sollten uns noch Gedanken machen, wo wir unterkommen nach der Aktion. Aber ich denke, das können wir auch später noch bereden, wenn wir von unseren Besorgungen zurück sind.“


Kylar lächelte sanft. „Natürlich begleite ich Euch. Und das mit dem Kleid, nun ich bin Schneider und habe viele davon. Das könnte schneller gehen.“
Wieder lächelte er trotz der momentanen Situation. Leanora hatte etwas an sich, was ihn beruhigte. Zudem fand er sie wunderschön, und ihre leicht geröteten Wangen brachten ihn schon beim ersten Zusammentreffen zum Grinsen.


„Rowan besorgt eines, das hatten wir vorher schon ... Entschuldigt, ich bin total verwirrt. Wir hatten uns schon einiges zurecht gelegt, aber dass das nun ein Ernstfall wird, damit hätte ich nie im Leben gerechnet. Ich hole nur schnell meinen Umhang, dann können wir los.“
Sie rannte die Stufen hinauf zu ihrem Zimmer. In der Wasserschale konnte sie ihr Spiegelbild noch einmal kurz überprüfen. Nun gut, sie sah im Moment zwar nicht aus wie eine herausgeputzte schwerreiche Adelige, aber ihren Siegelring hatte sie mit. Den steckte sie sich an den Finger. Dann nahm sie ihren Umhang vom Stuhl, verließ das Zimmer und zog ihn dabei über. Sie hoffte, dass der Siegelring ausreichen würde, um die Kämmerer der Stadt zu überzeugen, dass sie tatsächlich Leanora war.
Sie nickte Kylar zu. „Na dann wollen wir mal.“
Sie verließen die Taverne, Leanora mit wackeligen Knien, Kylar ernst und in sich gekehrt. Aber wenn sich ihre Blicke trafen, stahl sich ein verlegenes Lächeln auf ihr Gesicht, und seine Augen blitzten schalkhaft auf.


Rowan nickte grimmig.
„Ich mache mich sofort auf den Weg. Es könnte ein bisschen länger dauern, da ich aufpassen muss selbst nicht erkannt zu werden, aber ich bin ja jetzt gewarnt.“
Sie stand vom Tisch auf und blickte Vernita an, die ihr zunickte.
Dann zog sie ihren zerschlissenen Umhang über, den sie zuvor in ihrem Rucksack aufbewahrt hatte und ließ auch Pfeil und Bogen in der Taverne zurück. Nur mit ihren Messern bewaffnet verließ sie augenblicklich die Taverne. Erst einen Tag zuvor war sie den gleichen Weg gegangen und sie musste nicht lange suchen, um ihr Ziel zu finden. Die Sonne bahnte sich eben den Weg höher an den Himmel und vertrieb die Kälte des Vormittags. Sie hatte die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Ihr Herz schlug schnell und sie bemühte sich eine gemäßigte Geschwindigkeit zu behalten um nicht aufzufallen.
In dem Viertel, in das sie sich begab, war noch nicht viel los auf den Straßen. Die meisten, die sich hier um diese Zeit aufhielten waren Bedienstete. Ihre Herrschaften lagen noch in ihren Betten und frönten dem Nichtstun.


Während die anderen sich berieten und bereit machten um ihre zwei Verlorenen zu retten, schlich sich Lydia nach oben und sammelte den Rest ihrer Ausrüstung zusammen. Jetzt würde sie ihren Wert beweisen, dachte sie als sie ihren Pfeilköcher auf den Rücken schwang. Geschickt steckte sie ihr Schwert in die Scheide am Köcher, einige Dolche und Wurfmesser hatte sie auch immer dabei. Dann griff sie nach einem kleinen Lederbeutel, den sie vorsichtig am Gürtel befestigte. ‚Dietriche, die werden wir brauchen‘, dachte sie und grinste. Sie warf sich die Kapuze über den Kopf und atmete tief durch.
Sie wusste, wo sie da hineingeraten war, war es gefährlich und mit Sicherheit tödlich. Sie musste ihre Gefühle und Empfindungen jetzt im Zaume halten, kalt und unnahbar sein, bis all dies vorüber sein würde. Doch sie wusste auch, dass sie für jedenm den sie töten würdem beten würde. Gnade für ihre Seelen beim Erbauer erbitten.
Sie ging zurück in den Schankraum und stellte sich wortlos zum Rest ihrer Gruppe.


Leanora kam genau bis zur Kurve, wo sie den Marktplatz einsehen konnte. Bis dorthin war kaum jemand auf der Straße, aber was sie dafür am Platz sehen konnte, ließ ihren ganzen Mut in sich zusammen fallen. Menschenmassen war noch eine dezente Umschreibung. Es kam ihr vor, als wäre ganz Ferelden dort versammelt, die Leute drängten sich aneinander, es wurde geschoben und gedrückt.
Leanora blieb stehen und sah Kylar an. „Entschuldigt Kylar, aber ... ich habe es mir anders überlegt. Bei so vielen Leuten krieg ich wirklich Panik. Ich brauche den Schmuck nicht unbedingt, den Nachlass kann ich immer noch regeln, und wegen der Pralinen... nun da fällt mir auch noch etwas anderes ein.“
Sie war ein Angsthase, das wusste sie selber. Aber ihr kroch wirklich eine Gänsehaut hoch, wenn sie nur daran dachte, dass in diesem Pulk auch nur einer sein könnte, der sie erkannte.
Zitternd stand sie am Rand und sah dem Treiben zu, unfähig auch noch einen Schritt zu gehen. Weder vorwärts noch rückwärts.


Vernita hörte den anderen nur mit einem halben Ohr zu, nachdem sie von Kylar erfahren hatte das Miandra und wer? Azoth? Wer soll das sein? Etwa Lian? Wahrscheinlich, auch wenn ihr das sehr merkwürdig vorkam. Doch nun hatte sie keine Zeit, um sich über solche Nichtigkeiten den Kopf zu zerbrechen.
Miandra war in größter Gefahr. Vernita wollte sich gar nicht ausmalen, was sie der armen Frau alles antun würden, um ein Geständnis aus ihr herauszupressen. Doch leider konnte sie ihre Augen nicht davor verschließen, da sie genau wusste, was ihr bevorstand. Sie wusste es nur zu gut. Sie musste es am eigenen Leib erfahren. Sie schüttelte diesen Gedanken ab, auch wenn es sehr schwer für sie war.
‚Reiß dich zusammen, Vernita’, ging es ihr durch den Kopf. ‚Du bist ein Profi, also benimm dich gefälligst auch wie einer. Sonst ist Miandra tot!’
Ihr Hirn arbeitete mit wahnwitziger Geschwindigkeit, ihre Gedanken rasten förmlich durch ihren Schädel. Sie bastelte an einem Plan, Stück für Stück, Aktion um Aktion. Planung war alles. Ohne einen anständigen Plan, könnten sie sich auch gleich selbst umbringen. Am Rande bekam sie mit, was die anderen redeten. Sie hörte etwas von Kleidern, Schmuck und Betäubungsmitteln. Rowan faselte etwas von einem Hintereingang. Es waren ein paar gute Ansätze dabei, doch alles in allem wirkte das Ganze auf die Elfe bis jetzt noch ziemlich dilettantisch.
Zwischendurch nickte die Elfe, ohne wirklich registriert zu haben, was die anderen überhaupt von ihr wollten. Ihre Gedanken waren im Moment ganz weit weg.
‚Rowan will also durch den Hintereingang’, dachte Vernita. ‚Mann, Süße, hältst du dass für eine Hinterhofkaserne, in die man einfach rein spazieren kann, oder was? Was denkst du wohl, warum man das Ding Fort Drakon nennt und nicht Haus Drakon. Der Bau ist eine verdammte Festung und kein Hinterhofklo. Und Leanora? Du willst den Kommandanten betäuben, ach wie süß. Aber so kann er dich dann wenigstens, nachdem er wieder erwacht ist, viel leichter identifizieren. Dann kannst du dir vielleicht noch einen schönen Strick aussuchen, an dem sie dich aufknüpfen werden. Warum seid ihr einfältigen Narren nicht einfach ruhig, damit ich in Ruhe nachdenken kann?’
Wäre die Elfe nicht so in Gedanken vertieft gewesen, dann hätte sie den anderen gesagt, dass sie Fort Drakon kannte und somit auch den geheimen Zugang, der in die Festung hineinführte und welcher schwer bewacht wurde. Sie hatte ihn vor Jahren selbst schon einmal benutzt, als sie für die Krähen einen der Gefangenen ermordete, bevor dieser seine Kameraden verpfeifen konnte. Damals hatte sie Hilfe von einem der Wächter, der bestechlich war. Doch dieser wurde leider kurz nach diesem Vorfall enttarnt und baumelte direkt danach an seinen Eingeweiden hängend von den Zinnen herunter. Es musste also einen anderen Weg geben.
‚Ja, natürlich’, schoss es ihr durch den Kopf. ‚So könnte es gehen.’
Vernitas Blick wurde wieder klar und sie blickte auf, um ihren Gefährten ihren Plan mitzuteilen, doch die waren plötzlich bis auf Sareth, Lydia und dem ewig schlafenden Hennrik alle verschwunden.
Wohin waren jetzt alle auf einmal verschwunden? Wollten sie nicht einen Plan ausarbeiten, um ihre Gefährten zu retten? Und dann hauen alle einfach ab und machen was? Vielleicht einen Einkaufsbummel? Sie hasste es, mit Anfängern zu arbeiten, die keine Geduld besaßen und alles überstürzen mussten. Bei einer Operation wie dieser musste alles von vorne bis hinten passen. Da gab es keinen Platz für Fehler. Oder für übereifrige Aktionen.
Vernita überlegte kurz. Hatte Leanora nicht etwas darüber gesagt, dass sie zum Stadtkämmerer wollte, oder etwa Ähnliches?
„Verdammt, diese dumme Pute!“ entfuhr es Vernita, als sie aufsprang. Die anderen sahen sie verwirrt an. „Keine Zeit für Erklärungen! Bin gleich zurück!“
Die Elfe kreiselte herum und stürmte aus der Taverne. So schnell sie konnte lief sie die Straße entlang Richtung Marktplatz. Sie musste sich beeilen und die Frau abfangen, bevor sie bei Kämmerer ihren Siegelring vorzeigte. Würden die Soldaten sie dort erkennen, dann war sie so gut wie tot.
Vernita lief weiter. Ihr Atem ging schnell, aber regelmäßig. Es dauerte eine Weile, doch schon bald konnte sie Leanora und Kylar in der Nähe des Marktplatzes abfangen. Sie holte die beiden innerhalb weniger Augenblicke ein, bevor sie die Frau an der Schulter packte und mit einem unsanften Ruck zum Stilltand brachte.
„Halt, Leanora! Ihr dürft nicht zum Stadtkämmerer! Wenn Ihr Euch dort zu erkennen gebt, dann seid ihr tot!“


Leanora wurde von Vernita beinahe umgerannt. Sie stand immer noch wie in Trance versunken am gleichen Fleck, aber Vernitas Worte rissen sie aus ihrer Starre.
„Wie bitte? Könnt Ihr mir das auch erklären? Aber keine Sorge, ich hatte soeben den Entschluss gefasst, dass ich mich nicht in dieses Getümmel stürze. Ich habe da einfach kein gutes Gefühl bei der Sache, was wenn mich jemand erkennt? Und so gesehen habt Ihr recht, es mag nicht gerade gut sein, wenn die Kämmerer wissen, dass ich unter den Lebenden weile...“
Kraftlos ging sie einige Schritte die Gasse zurück und ließ sich auf einem Stein nieder. Wer war sie denn schon, alles was sie gut meinte, brachte ihre Gefährten nur in Gefahr. Sie dachte an Azoth und Miandra, und eine Träne kullerte über ihre Wange, die sie jedoch sofort weg wischte und sich dabei zur Ordnung rief.
„Entschuldigt Vernita. Ich weiß, ich bin völlig überstürzt los gelaufen, hatte noch nicht mal Eure Antwort auf meine Frage wegen des Kämmerers abgewartet. Es soll sicher nicht wieder vorkommen.“ Entschuldigend blickte sie die Elfe mit großen Augen an.


Lydia sah Vernita aus der Taverne stürzen und sprang instinktiv auf. Sie folgte ihr in einigem Abstand, leise. Sie hatte nicht wirklich Mühe mit ihr mitzuhalten, das verwunderte sie.
Auf dem Marktplatz schien sich halb Ferelden zusammen gefunden zu haben. „Mords was los hier“, sagte sie zu sich selbst und verschwand in einer schmalen Gasse . Dort zog sie sich an einem hervorstehenden Balken an der Wand eines Hauses hoch. Gewagt stieß sie sich ab um an den Fenstersims im ersten Stock zu kommen. Von dort aus kletterte sie unter zu Hilfename von Mauerrissen und Gesteinslücken bis unter die Dachkante. Von dort drückte sie sich mit aller Kraft ab und landete sanft und unhörbar auf dem Dach.
Der Marktplatz war gestopft voll. Sie blickte sich um und quasi direkt unter ihr standen Leanora, Vernita und ein weiterer Mann, den sie nicht kannte. Sie huschte davon und sprang über eine Straßenschlucht zum nächsten Haus, welches um Einiges höher war. Mit viel Geschick und Glück fand sie an einem hervorstehenden Balken halt und zog sich geschwind nach oben. Weiter ging die Hatz. Dach für Dach, manchmal mit fünf Meter Höhenunterschied, Straßenschluchten dazwischen und mit unendlich vielen Klettermöglichkeiten arbeitete sie sich um den Platz herum.
Sie kauerte sich neben einem Kamin und überblickte die Lage. Warum das Gedränge war? Sie konnte es nicht genau sagen, es war zu viel los. Es wurde geschoben und gedrückt, gerufen und ein mordsmäßiger Radau veranstaltet, sodass es selbst oben auf dem Dach noch laut war. Das war gut für sie, so konnte sie sich faktisch unsichtbar bewegen.


Vernita blickte auf Leanora herunter und irgendwie tat ihr diese Frau auf einmal leid. Sie konnte sich aber nicht erklären wieso. Wurde sie jetzt etwa doch langsam weich? Vielleicht war es für sie gar nicht so gut, so lange mit denselben Leuten unterwegs zu sein. Sie fing an, für diese Personen Sympathien zu entwickeln oder sie wirklich zu mögen. War das nicht eine Schwäche? Früher glaubte sie das. Aber heute war sie sich nicht mehr so sicher.
„Jetzt beruhigt Euch, Leanora“, meinte die Elfe ruhig. „Ich denke, Ihr könnt einfach nichts dafür, dass Ihr in solchen Situationen schnell den Überblick verliert. Ihr seid wohl behütet aufgewachsen, versteht nichts von Verrat, Intrigen und Hinterlist. In diesem Punkt könnte ich Euch Einiges beibringen. Und nun kommt, wir sollten zur Taverne zurückkehren und uns überlegen, was wir tun werden. Außerdem werde ich Euch dort erzählen, was ich über Eure Familie herausgefunden habe.“
Vernita half der blonden Frau auf, bevor sie sich an Kylar wandte. „Ihr kommt am Besten auch mit! Je eher wir mit der Arbeit anfangen, desto eher können wir Euren Freund und auch Miandra aus den Klauen der Folterknechte befreien.“
Vernita und Leanora machten sich gemeinsam auf den Weg zurück zur Taverne.


Leanora ging mit Vernita zurück. Sie war aufs Äußerste gespannt, was die Elfe über ihre Familie herausgefunden hatte, und ob sie hinter die Drahtzieher kam, beziehungsweise die Gründe des schicksalhaften Tages.
Sie war zudem heilfroh nicht in das Gewühl der Stadt zu müssen. Vernita hatte schon recht, sie kannte sich zwar auf dem Parkett der Etikette aus, aber mit Intrigen oder Mord hatte sie nie etwas zu tun.
Kraftlos ließ sie sich auf ihrem alten Platz nieder und zupfte nervös weitere Weintrauben ab.


„Gehen wir besser auf Euer Zimmer, Leanora“, meinte Vernita, nachdem sie die Taverne erreicht hatten. „Hier unten ist es mir etwas zu öffentlich. Ihr anderen könnt auch gleich nachkommen, sobald Rowan wieder hier ist. Ich hoffe, dass dauert nicht allzu lang bei ihr. Wir haben keine Zeit zu vergeuden.“
Die Elfe ging die Treppe hinauf. Leanora seufzte, als sie aufstand und dieser folgte. Auf dem Gang selbst überholte sie schließlich Vernita, damit sie die Tür aufschließen konnte. Anschließend betraten die beiden den Raum, bevor die Elfe die Tür wieder zumachte.
„Setzt Euch lieber“ meinte Vernita, während sie sich selbst auf den Rand des Bettes niederließ. Die blonde Frau tat es ihr gleich.
„Zunächst einmal muss ich Euch darüber informieren, dass der Arl von Denerim, der ja ein guter Bekannter Eurer Familie gewesen ist, nicht mehr lebt“, begann Vernita mit ihren Ausführungen. „Er verstarb vor ein paar Monaten bei einem ‚Unfall‘. Der neue Arl ist ein viel härter und viel gefährlicherer Mann. Und da Königin Anora fast nie in der Hauptstadt ist, kann er eigentlich tun und lassen was er will. Mein Kontaktmann vermutet, dass er hinter den Entführungen der Kinder steckt, hatte dafür aber keine Beweise. Seine rechte Hand ist Eshtá Gianauro, die Frau, die wir suchen. Dummerweise ist sein Anwesen schwer bewacht, so dass wir nicht so ohne weiteres dort eindringen können.“
Vernita machte eine kurze, wobei sie Leanora schief angrinste, als sie deren ungläubiges Gesicht sah. „Aber das ist noch nicht alles. Ein hohes Tier in der Kirche von Denerim, dessen Name ich aber leider nicht kenne, ist ebenfalls in diese Sache verstrickt. Er scheint neben seinen geistlichen Interessen auch eine Schwäche für weltliche Güter zu haben. Mein Kontaktmann vermutet, dass er unter anderem auf Land aus ist. Im Gegenzug für eine Zusammenarbeit mit dem Arl soll dieser ihm auch das Land Eures Vaters zugesichert haben. Also erklärte er Eure Familie zu Verrätern. Und da alle Euren Angehörigen nun tot sind, braucht er nur noch Euren Kopf, um das Land zu erhalten und es seinem geistlichen Verbündeten zu übergeben. Das heißt also, dass wir in der Kirche von Denerim nach weiteren Hinweisen und auch nach diesem Schwein suchen müssen, welches für den Tod Eurer Familie verantwortlich ist. Natürlich erst nachdem wir unsere beiden Gefährten aus dem Knast geholt haben.“


Gut, dass Leanora saß, sie wäre sonst umgefallen.
„Der Arl tot? Oh mein Gott... ich sagte doch, ich kann mir nicht vorstellen, dass er etwas damit zu tun hat, er war immer ein gütiger und gerechter Mann! Aber... es bedeutet auch, dass ich nirgendwo sicher bin. Und dieser Geistliche will das bisschen Land, was wir besitzen? Das verstehe ich alles nicht. Die wissen aber wohl, dass ich noch lebe? Beziehungsweise dass sie die Familie nicht komplett ausgelöscht haben? Insofern haben die dann ja doch stümperhaft gearbeitet, die haben ja nicht mal nach mir gesucht an jenem Tag.“
Sie schöpfte neue Hoffnung. „Vielleicht wissen die aber auch einfach nicht, dass es auch eine Tochter gibt?“
Leanora war völlig verwirrt. Es stürzte im Moment mehr auf sie ein, als sie verarbeiten konnte. Aber sie wusste, dass sie Vernita vertrauen konnte. Und dass sie Miandra und Azoth aus dieser Hölle befreien mussten.
„Vernita, aber wenn wir die beiden da raus holen... ich würde mich ja ohnehin nicht als diejenige zu erkennen geben, die ich bin. Ich hab mir schon einen Decknamen ausgedacht, und mein Haar könnte ich mit Henna etwas rötlicher einfärben. Mit einer eleganten Hochsteckfrisur kennt mich kein Mensch mehr. Nun egal, ich weiß noch nicht einmal, wie ich überhaupt zum Kommandanten vorgelassen werden kann. Die größere Frage ist, wo wir untertauchen können. In der Taverne hier können wir kaum bleiben. Ich habe Angst Vernita. Große Angst sogar. Wir werden dann sicher in ganz Ferelden gesucht. Und haltet mich für blöd oder naiv, aber ich werde mein Pferd holen, so bald es möglich ist. Schließlich ist Donas das Kapital, um später meine Existenz wieder aufbauen zu können. Wir waren zwar nicht arm, aber dass ich davon leben könnte ohne je wieder arbeiten zu müssen, bezweifel ich.“
Sie seufzte. Leanora war mit ihrem Verstand am Ende, und ohne Vernita hätte sie nun wohl wirklich aufgegeben. Völlig verzagt ließ sie sich nach hinten fallen und lag nun mit dem Rücken quer über dem Bett. Sie starrte die Decke an, als ob da oben Antworten auf all ihre Fragen eingeritzt wären. Aber alles was sie sah, war der nackte Plafond und ein paar Spinnweben.


Geschwind hatte sich Rowan an den Wachen vorbei an die Seite des Hauses herangeschlichen und bald an der Fassade hoch den ersten Stock erklommen. Ohne zu zögern betrat sie das Zimmer durch das schlecht gesicherte Fenster und schaute sich kurz um.
„Oh, welche netter Besuch um diese frühe Zeit. Hast Du es Dir anders überlegt?“ schnurrte eine wohlklingende Stimme zu ihrer Linken.
Rowan drehte sich zu ihm und blickte ihn ernst an.
„Nein, das habe ich nicht. Aber ich benötige Deine Hilfe, und zwar schnell.“
Der Schwarzhaarige verringerte mit weichen Schritten den Abstand zwischen sich und der blonden Frau. Als er vor ihr stand, schaute er ihr tief in die Augen.
„Aber, aber. Wer wird denn da gleich mit der Tür ins Haus fallen? Wollen wir nicht erst ein kleines Frühstück zu uns nehmen? Und dann erzählst Du mir in Ruhe, worum es geht.“
Mit der Hand strich er ihr eine Strähne aus dem Gesicht und ließ sie dann an Rowans Wange liegen.
„Du siehst mal wieder bezaubernd aus. Doch dieses verkniffene Gesicht steht Dir ganz und gar nicht. Du solltest öfters lächeln, mein Liebe.“
Rowan schloss kurz die Augen und atmete tief durch. Behutsam nahm sie seine Hand von ihrem Gesicht und schaute ihn eindringlich an.
„Es tut mir leid. Wir müssen das Frühstück auf ein anderes Mal verschieben. Es geht um Leben und Tod und ich habe schon zu viel Zeit verloren.“
Für einen Moment sah er sie sanft an, dann wurde sein Blick ernst und er trat zurück. In einem geschäftsmäßigen Ton sprach er weiter.
„In Ordnung. Sag mir, wie ich Dir helfen kann.“
Ohne Umschweife kam Rowan zur Sache.
„Ich brauche von Dir ein Kleid für eine Dame. Und wenn es geht für eine adlige Dame. Die Größe sollte in etwa meine sein. Kannst Du das organisieren?“
Ein erstaunter Ausdruck überflog seine Miene, dann zog sich ein Grinsen über seine Lippen.
„Nichts leichter als das. Folge mir.“
Er zwinkerte ihr zu und begab sich dann Richtung Tür. Rowan folgte ihm und nachdem sie durch einen kurzen Flur gegangen waren, betraten sie ein Zimmer am Ende des Ganges. Rowan war für einen Moment fassungslos. In mehreren Reihen waren hier Kleidungsstücke aufgereiht. Sortiert nach Kleidungsart und sogar nach Farbe wie Rowan mit Erschrecken feststellte. Ihr Begleiter führte sie durch zwei Reihen von Hosen hindurch bis in eine hintere Ecke des Raums. Sie zuckte zusammen, als neben ihr ein verschrecktes Dienstmädchen einen Knicks machte und sich dann schnell entfernte.
Der Schwarzhaarige blieb stehen und Rowan wäre beinahe in ihn hinein gerannt, da sie zu sehr damit beschäftigt war, sich umzusehen. Er trat einen Schritt zur Seite und gab den Blick frei auf eine Reihe von Frauenkleidern. Rowan trat heran und schaute sie sich genau an. Es sollte so adlig wie möglich wirken. Zögernd fasste sie die Stücke an. Ihre Finger waren schwielig und sie hatte Dreck unter den Fingernägeln. Fast traute sie sich nicht, die kostbaren Stoffe zu berühren.
Nachdem sie sich einen Überblick verschafft hatte, zog sie ein Kleid heraus und betrachtete es genau. Es war aus einem schweren, leinenartigen Stoff. Das Oberkleid war naturfarben und hatte lange ausladende Ärmel, die sich zur Hand hin erweiterten. An der Brust und am vorderen Teil des Rockes trat keilförmig das rote Unterkleid zum Vorschein. Am Kragen und an den Händen befanden sich rote Borten mit filigranen silbernen Verzierungen. Ein rotes Band aus dem gleichen Stoff wie die Borten rundete das Bild ab.
Sie hielt es an sich und überlegte, ob es ihr passen würde, oder ob sie es vorsichtshalber anprobieren sollte. Doch der Schwarzhaarige kam ihr zuvor. Er winkte einer Bedienstete zu sich und ließ sie Rowan das Kleid aus der Hand nehmen. Dann nahm er Rowans Hände in seinen und schaute sie an.
„Es wird Dir passen. Ich habe es für Dich gekauft. All die Kleider, die Du hier siehst, habe ich für Dich gekauft. In der Hoffnung, Du würdest sie irgendwann einmal tragen.“
Rowan stieg das Blut ins Gesicht. Unsicher schaute sie zu Boden und wusste nicht, was sie darauf antworten sollte.
„Du musst darauf nichts sagen. Ich weiß, dass Du nicht dasselbe für mich empfindest, wie ich für Dich. Nimm das Kleid und tu was Du tun musst. Aber bitte sei vorsichtig. Und lass mich wissen, dass es Dir gut geht, in Ordnung?“
Dann ließ er ihre Hände wieder los.
„Wohin soll ich das Kleid bringen lassen?“
Einen Moment hielt sie inne und rang mit ihrer Fassung, bevor sie ihm antwortete. „Zur Taverne ‚Das glühendes Kreuz‘“
„Es wird in weniger als einer Stunde bei Dir sein, darauf kannst du Dich verlassen.“

„Oh, und ich bräuchte auch noch eine Rüstung, die eines Leibwächters angemessen ist, wenn Du so eine entbehren kannst.“
Sie waren mittlerweile wieder auf den Flur getreten und standen an einem Fenster, welches zum Vorhof hinaus zeigte.
„Wie groß? Meine Größe?“
Rowan betrachtete ihn lächelnd.
„Nein. Größer und auch breiter...“ sie zeigt auf eine Wache im Vorgarten „...so in etwa.“
„Das sollte keine Problem sein.“
Sie trat auf ihn zu und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange.
„Danke.“
Dann wandte sie sich ab und verließ das Haus wieder durch das Fenster in seinem Schlafzimmer.


Lydia sprang an einen hervorstehenden Balken an der Rückseite der Taverne. Sie zog sich mit viel Kraftaufwand nach oben und griff nach dem Fenstersims. Oben angekommen klopfte sie gegen die Glasscheibe. „Wenn da jemand ist, würdet Ihr die Freundlichkeit besitzen, mir zu öffnen?“ Sie blickte nach drinnen und konnte zwei Gestalten ausmachen, eine lag auf dem Bett, die andere stand daneben.


Leanora zuckte zusammen, als es am Fenster klopfte, ihr Herz raste. Sie richtete sich auf, drehte sich um und blickte auf... Lydia.
Schnell sprang sie auf ihre Füße, lief zum Fenster und öffnete dieses.
„Beim Erbauer, Lydia! Wenn du mich noch einmal so erschreckst!“
Nachdem die Kleine mit einem Satz ins Zimmer gesprungen war, schloss sie das Fenster wieder und nahm ihre vorige Position ein. Sie musste ihre Gedanken zur Ordnung bringen, und etwas Ruhe in das ganze Chaos.


„Lea! Entschuldige vielmals, aber ich wollte nicht durch den Schankraum kommen.“
Sie schnaufte und blickte die beiden an. „Also. Ich habe mich etwas umgesehen. Die Stadt quillt über vor Wachen und sogar angeheuerten Söldnern! An jeder Ecke lauern sie, immer ein ganzer Haufen. Was auch immer auf dem Markt los war, es sah aus, als hätte sich halb Ferelden spontan getroffen.“
Sie zog eine Karte aus dem Korsettausschnitt .
„Hier, die hab ich mal mitgehen lassen, ich weiß nicht ob wir die brauchen. Es eine Karte der Stadt und Gänge die sich darunter befinden, sowie Wachhäuser und -türme sind ebenfalls eingezeichnet. Auch die Standartrouten der Nachtwächter sind darauf.“
Sie legte die Karte aufs Bett und setzte sich zu Leanora.


„Nun, einen Stadtplan benötige ich nicht, Kleines“
, erwiderte Vernita spöttisch grinsend. „Ich bin in dieser Stadt aufgewachsen und kenne sie wie meine Westentasche. Selbst nach dem Wiederaufbau hat sich hier fast nichts verändert, soweit ich das beurteilen kann. Die Patrouillenrouten der Wachen könnten sich allerdings als nützlich erweisen, falls diese Informationen noch korrekt sind.“
Die Elfe stand vom Bett auf und ging durch das Zimmer, während sie nachdachte. „Aber nun noch einmal zurück zu Euch, Leanora. Ich denke nicht, dass man Euch nur anhand Eures Aussehens erkennen wird. Und deshalb bezweifele ich auch, dass man Euch Suchtrupps auf den Hals hetzen wird. Wahrscheinlich ist der Plan des Arls ganz einfach. Er wartet, bis Ihr Euch beim Kämmerer anhand Eures Siegelringes zu erkennen gebt, um Euer Erbe anzutreten. Dann werden sie Euch schnappen und hinrichten. Aus diesem Grund sah dieser Überfall wahrscheinlich auch so aus, wie das Werk von Banditen und nicht von Soldaten. Damit sollten etwaige Überlebende in die Irre geführt werden. Sollte sich allerdings niemand nach einer gewissen Zeit melden, so fällt das Land automatisch in den Besitz des Arls, und somit geht es an seinen Verbündeten. Sollten wir diesem mal begegnen, so gebe ich Euch die Gelegenheit ihn zu fragen, was er mit dem Land Eurer Eltern wollte, bevor Ihr ihn dafür töten dürft.“
Vernita verzog das Gesicht zu einem bösen Grinsen. Doch nur für einen Moment. Dann wurde sie wieder ernst. „Aber zurück zu wichtigeren Dingen. Ihr habt mich gefragt, wie Ihr in die Festung reinkommen sollt. Nun, das Reinkommen wird nicht Euer Problem sein, eher schon das wieder herauskommen. Aber selbst daran arbeite ich gerade. Doch sollten wir das zusammen mit den anderen besprechen. Ich gehe kurz nach unten, um zu sehen ob Rowan inzwischen zurückgekehrt ist, damit wir anfangen können.“
Sie ging zur Tür und öffnete diese. Doch bevor sie den Raum verließ, hielt sie noch einmal inne. „Und eins noch. Den Kommandanten werden wir wohl vergiften müssen. Ihn nur zu betäuben würde bedeuten, dass er nach seiner Bewusstlosigkeit nach Eurem Kopf trachten wird. Und den wollt Ihr doch sicher noch eine Zeit behalten, oder?“
Die Elfe lachte dreckig, während sie auf den Flur trat und die Tür hinter sich schloss.


Rowan bewegte sich zügig durch die Massen, die sich in den Straßen Denerims trieben. Ein wenig war sie verwundert, wieso sich heute so viele Leute auf den Straßen trieben. Zu ihrem Bedauern fehlte ihr die Zeit Informationen darüber einzuholen. Doch so konnte sie ungesehen in der Menge verschwinden.
So lange wie sie gefürchtet hatte, war sie nicht unterwegs gewesen. Gegen Mittag betrat sie die Taverne wieder. Von Vernita, Leanora und dem jungen Mädchen fehlte allerdings jede Spur. Sie blieb vor Sareth stehen und blickte ihn fragend an.
„Wo sind die anderen?“
Er lächelte ihr entgegen und nickte dann in Richtung der Treppe nach oben. Rowan begab sich die Treppe hoch und Sareth folgte ihr.


Um Leanora drehte sich alles. Ihr wurde bewusst, in welcher Gefahr sie eigentlich schwebte, und dass zusätzlich Eile geboten war. Zum einen wegen Miandra und Azoth. Zum anderen würde sie über kurz oder lang auch noch ihr Erbe verlieren. Und das würde sie auf keinen Fall zulassen.
Sie fühlte sich als hätte sie Ameisen gefrühstückt. Adrenalin schoss ununterbrochen durch ihren Körper, und sie fragte sich wie sie halbwegs zur Ruhe kommen sollte um endlich wieder klare Gedanken fassen zu können. Also versuchte sie, sich erstmal auf das Gesagte zu konzentrieren: den Kommandanten vergiften, sonst würde sie definitiv gesucht werden.
Verdammt, Vernita hatte wirklich recht. Selbst mit Maskerade würde er nach ihr suchen lassen. Das würde zwar ohnehin passieren. Nach der Befreiungsaktion würde nicht nur ihr Antlitz die Steckbriefe zieren, sondern von allen - und eigentlich war sie gespannt, wie viel Soverings ihre Köpfe hinterher wert waren. Ein zynisches Lächeln stahl sich in ihr Gesicht.
„Na wartet, so leicht machen wir es euch nicht“, murmelte sie. „Ihr werdet mich noch kennenlernen. Eine Familie Bardigiano lässt sich nicht so leicht unterkriegen...“
Ihr Kampfgeist war erwacht und verdrängte langsam aber sicher ihre Angst.


Vernita hatte gerade die Treppe erreicht, als ihr Rowan und Sareth entgegen kamen. Selbst Hennrik hatte sich endlich mal wieder aufgerafft und schlenderte gemeinsam mit Kylar hinter den beiden her.
„Gut, dass Ihr da seid, Rowan“, begrüßte sie die blonde Frau. „Wie kommt Ihr eigentlich dazu, einfach so wegzulaufen, während wir an einem Plan zur Befreiung unserer Gefährten arbeiten? Wir haben doch jetzt keine Zeit für Ausflüge. Würde ich Euch nicht so mögen, dann wäre ich jetzt ziemlich sauer. Kommt jetzt. Wir haben viel zu bereden.“
Die Elfe führte die vier in Leanoras Zimmer. Nachdem der letzte den Raum betreten hatte, schloss Vernita die Tür und verriegelte sie sogleich. Anschließend wandte sie sich an die anderen.
„So, da wir jetzt ja alle beisammen sind, wird es Zeit und uns über die Befreiung unserer Gefährten zu unterhalten. Ich habe mir schon einen groben Plan überlegt. Doch bevor ich Euch diesen vorstelle, hätte ich gern Eure Ideen und Vorschläge gehört. Wer möchte beginnen?“
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Allie
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BeitragThema: Re: Kapitel XV - Festnahme   Di 16 Aug 2011, 7:07 pm

Leanora richtete sich nun endgültig auf, streckte ihren Rücken einmal durch dass es beinahe knackste, und stand dann auf. Irgendwie konnte sie einfacher denken, wenn sie dabei stand beziehungsweise umherging. Also wanderte sie in ihrem Zimmer auf und ab als sie zu sprechen begann.
„Nun, ich bin auf jeden Fall dafür, so wenig wie möglich von den Wachen zu töten. Sareth und ich können mit Sicherheit durchs Haupttor. Die Idee an sich wäre, dass ich dem Kommandanten irgendwie die Schlüssel zum Zellentrakt entwende, und auch herausfinden kann, wo die beiden genau untergebracht sind. Ich denke, Fort Drakon ist nun nicht so klein, dass wir die Zeit haben Miandra und Azoth zu suchen. Vielleicht finde ich auch einen Bauplan des Gebäudes, oder kennt sich da drinnen jemand aus? Von daher eben auch die Idee mit dem Schlafmittel, aber Ihr habt schon recht, Vernita. Der Kommandant würde sofort alle Hebel in Bewegung setzen um mich ausfindig zu machen, also bleibt kaum etwas anderes übrig als Gift in den Tee oder so. Wenn er umfällt rufe ich nach Hilfe. Sareth ist ja im Zimmer bei mir, er kann sich neben der Tür postieren und wenn die Wachen kommen, ihnen eins überziehen, so dass sie erst einmal ein paar Stunden weggetreten sind. Somit dürfte der erste Teil des Gebäudes relativ frei von Wachen sein.“
Sie spielte gerade die Situation in Gedanken durch, sah, wie der Kommandant am Boden lag, ein paar Wachen gefesselt, geknebelt und mit verbundenen Augen im Raum saßen. Was dann? Zellenschüssel entwenden, in den Gang laufen, wo hoffentlich dann erstmal keine weiteren Soldaten waren. Was würde ein paar Schritte weiter sein? Mussten sie dann schon kämpfen? Da kam ihr eine Idee.
„Das ist der Zeitpunkt, wo Lydia als verschrecktes, verängstigtes Mädchen vorauslaufen kann und die nächsten Wachen aufstachelt. Eventuell auf die Art: wo ist meine Mama? Könnt ihr mir helfen meine Mama zu finden? So dürfte sie möglicherweise einige Wachen ablenken und beschäftigen. In der Zwischenzeit müssen wir eine Lösung finden, wie wir euch anderen in das Gebäude kriegen. Lieferanten-Eingang? Sogar ein Fort müsste doch einen separaten Eingang für Wäscherei, Lebensmittel oder Getränke-Transport haben?“
Mittendrin stoppte sie ihre Schritte. Genau jetzt war ihre Logik am Ende. Leanora lehnte sich gegen die Wand und blickte fragend in die Runde.


„Die Wachrouten auf meiner Karte stimmen soweit, aber es sind einige dazugekommen, die habe ich auch eingezeichnet. Wenn ihr hier aufgewachsen seid, Vernita, wisst Ihr doch bestimmt von den Katakomben unter der Stadt. Die sollten es ermöglichen ungesehen unterwegs zu sein. Ich war einmal kurz unten und hab mich umgesehen. Die Tunnel sind in einem schlechten Zustand, ein paar sind eigestürzt, der Rest gefährdet. Es kümmert sich niemand darum. Ich hab mich außerdem mal so etwas umgeschaut -
Erstens: Niemand kennt die Tunnel, bis auf einige wenige Bauherren und Gelehrte.
Zweitens: Die Tunnel führen überall in die Stadt. Das sollte sich nutzen lassen. Wir haben hier in der Taverne vielleicht sogar einen Eingang im Bierkeller.“

Lydia machte eine kurze Pause und blickte zu Leanora. „Und... nun, das hysterische Mädchen spielen liegt mir nicht. Es würde besser sein, ungesehen hinein und wieder heraus zu kommen. Außerdem verjagen einen die Wachen bevor man überhaupt in die Nähe kommt. Das Fort hat separate Eingänge, aber alle müssen durchs Haupttor in den Innenhof. Da ist dann schon das Problem. Eventuell sind die Katakomben zum Fort noch begehbar, dann könnten wir uns ganz heimlich still und leise von unten nähern.“
Lydia wackelte mit den Füßen und blickte die beiden fragend an. „Aber es ist ja nur ein Vorschlag.“ meinte sie dann kleinlaut.


Vernita hörte sich Leanoras Ausführungen an und konnte sich zwischendurch ein Grinsen einfach nicht verkneifen. Auch Lydias Bericht analysierte sie im Geiste kritisch.
„Nun, natürlich kenne ich die Katakomben unterhalb der Stadt, Kleines“, meinte sie, nachdem das Mädchen wieder schwieg. „Wenn ich mich recht an die Worte meiner Mutter erinnern kann, dann waren diese Wege schon alt, als sie nach Denerim gekommen ist. Und da war sie etwa in deinem Alter. Viele der Wege sind eingestürzt und diejenigen, die zu den wichtigen Bereichen der Stadt führen, wurden allesamt zugemauert. Wundere mich nur, wieso du auf die Idee kommst, dass niemand etwas über diese Tunnel wissen sollte. Hast du etwa ganz Denerim danach befragt?“
Ein spöttisches Lächeln legte sich für einen Moment auf Vernitas Gesicht, bevor sie wieder ernst wurde. „Und nun zu Euch, Leanora. Euer Plan ist, nun ja, sagen wir mal interessant. Dafür dass Ihr eine unblutige Lösung sucht, scheint Ihr alles daran zu setzen die ganze Operation in einem Gemetzel enden zu lassen. Was glaubt Ihr, wie weit sich eine Adelige mit ihrem Leibwächter ohne die Begleitung einer Wache durch ein Gefängnis bewegen kann, ohne Aufsehen zu erregen? Und Ihr seht mir nicht so aus, als wäret Ihr in der Kunst des unentdeckten Schleichens ausgebildet worden. Zu der Idee mit dem verschreckten Mädchen fällt mir eigentlich gar nichts mehr ein. Aber vielleicht könnt Ihr mir ja erklären, welche Ablenkung ein solches Mädchen bringen soll, außer dass es direkt von den Wachen abgefangen und eingelocht wird. Denn wie sollte ein solches Mädchen in eine schwer bewachte Festung kommen? Das ist ja schließlich kein Rummelplatz da. Hat sie dort vielleicht mit ihrer Mutter an einer Besichtigungstour teilgenommen, in der den Leuten die neusten Foltermethoden des Arltums präsentiert werden, oder was?“
Die Elfe grinste die blonde Frau an, als sie weitersprach. „Macht Euch nichts draus, Leanora. Das Planen einer solchen Operation erfordert viel Erfahrung, die Ihr ja in Eurem bisherigen Leben nicht sammeln konntet. Trotzdem habt Ihr gute Ansätze. Die Sache mit der Ablenkung zum Beispiel gefällt mir sehr gut. Ihr gebt bestimmt eine glaubwürdige Adelige ab. Und an etwas Ähnliches hatte ich auch schon gedacht.“
Vernita machte eine kurze Pause, bevor sie weitersprach. „Allerdings gibt es keinen ‚Lieferanteneingang‘ zu Fort Drakon. Das ist schließlich eine Festung und kein Schloss. Es gibt jedoch neben dem Haupttor einen zweiten Zugang. Unterhalb Denerims existiert ein unterirdischer Fluss. Von dort aus führt ein Höhlen- und Tunnelsystem in den Keller des Forts. Im Kriegsfall dient dieser Weg als geheimer Fluchtweg für den Kommandanten oder auch dem König des Landes, falls die Festung während einer Belagerung fallen sollte. Ich habe diesen Weg schon mal genommen, als ich einen Mordauftrag hatte, der mich ins Innere des Forts führte. Kenne mich deshalb auch ziemlich gut in dem Gemäuer aus. Hatte damals allerdings Hilfe von einem der dort stationierten Wächter. Da dieser jedoch nach meiner Mission enttarnt und ziemlich brutal hingerichtet worden ist, wird sich heute sicher keiner der Wachen mehr bestechen lassen. Außerdem ist der Weg mit Fallen, Wachen und versperrten Türen gespickt. Also sollte nur jemand mit guten Diebesfertigkeiten diesen Weg benutzen.“
Die Elfe schwieg für einen Moment, während sie in die Runde blickte. „Gibt es noch weitere Vorschläge? Wenn nein, dann erzähle ich Euch, wie ich mir das Ganze so vorgestellt habe.“


Lydia sah Vernita an. „Nun, ich bin ebenso lange wie ihr in der Stadt und hatte Zeit mich umzusehen. In den Stadtarchiven habe ich keinerlei Aufzeichnungen gefunden, weder über unterirdische Flüsse noch über die Katakomben. Auf diese Karte bin ich durch Zufall bei einem Besuch bei Regulus Terentius gestoßen. Er konnte mir seine Karten zwar nicht leihen, hat aber gesagt, dass Nivius Varitas ein Exemplar besitzen soll, worauf noch Wachwege eingezeichnet seien. Dort habe ich diese Karte gestohlen. Sonst, so hat zumindest Regulus gesagt, gibt es niemanden, der von den Tunneln noch wirklich Bescheid weiß. Einige Bewohner der ältesten Häuser haben Zugänge im Keller und nutzen die Katakomben ab und an als kühles Lager, sonst sind sie unbekannt.“
Sie blickte sich um und meinte weiter: „Wir sollten zu Regulus gehen, er hat einen Laden hier in der Nähe. Wenn uns jemand hilft, dann er. Ich kenne ihn schon länger, er ist ein guter, aber etwas verwirrter alter Mann.“


„Das dein Freund verwirrt ist, glaube ich dir aufs Wort, Kleines. Obwohl senil wohl eigentlich das richtige Wort wäre, was?“ erwiderte Vernita grinsend. „Ich habe als Kind in diesen Katakomben gespielt, genauso wie auch die anderen Kinder des Gesindeviertels. Sehr zum Leidwesen unserer Eltern muss ich dazu sagen. Und ich denke, dass es bei den Kindern der Menschen wohl auch nicht anders war beziehungsweise ist. Dass diese Katakomben als Lagerräume genutzt werden, kann ich mir schon vorstellen. Für was anderes sind diese alten Ruinen ja auch nicht mehr zu gebrauchen.“
Sie wollte sich gerade von Lydia abwenden, als ihr noch was einfiel. „Ach ja. Und es verwundert mich nicht, dass du in den Archiven nichts über die Katakomben gefunden hast. Schließlich gab es vor etwa fünf Jahren diese klitzekleine Verderbnis, aufgrund dessen die halbe Stadt in Flammen aufging. Und das Archiv war eines der Gebäude, welche damals abbrannten. Vermutlich gibt es dort keine Unterlagen mehr aus der Zeit vor der Verderbnis. Und wenn dein Wachroutenplan auch schon ein paar Jahre alt ist, dann ist er ebenso unbrauchbar, da die Stadtwachen normalerweise ihre Routen in unregelmäßigen Abständen ändern, um es dem Gesindel schwerer zu machen, ihre Einbrüche und Ähnliches zu planen. Aber lassen wir jetzt diese Kinkerlitzchen und kommen wir zu Sache.“
Die Elfe richtete das Wort wieder an die gesamte Gruppe. „So, dann kommen wir nun zu meinen Gedankengängen. Zunächst zu Euch, Leanora. Wie ich schon sagte, ist die Idee, dass Ihr Euch als Adelige ausgebt wirklich gut. Allerdings werdet Ihr allein gehen. Sareth benötige ich für etwas anderes. Sagt dem Kommandanten, dass die Ermordeten Teil Eures Gesindes waren, die Ihr sehr ins Herz geschlossen hattet und Ihr deshalb sicher gehen wollt, dass deren Mördern ihre gerechte Strafe bekommen. Schmeichelt dem Kerl, betört ihn oder heult ihm was vor, ganz egal. Hauptsache Ihr erfahrt von ihm, wo sie unsere Gefährten eingelocht haben. Anschließend vergiftet ihr den Kerl mit dem Gift, welches ich Euch geben werde und greift Euch seine Schlüssel für die Festung. Wartet dann dort auf uns.“
Vernita sah nun den Krieger an. „Sareth, Du und ich sind die einzigen von uns, die von der Statur her als Stadtwachen durchgehen werden. Wir beschaffen uns von den patrouillierenden Soldaten die Rüstungen der Stadtwache. Damit läuten wir auch den Beginn der ganzen Operation ein, da wir nach dem Ausschalten dieser Männer nicht viel Zeit haben werden, bis deren Verschwinden irgendjemandem auffallen wird. Durch den Helm der Wachen kann ich zudem verbergen, dass ich eine Elfe bin, die ja normalerweise nicht der Stadtwache angehören dürfte. Wir lassen Leanora etwas Zeit, damit sie mit dem Kommandanten sprechen kann, bevor wir zusammen mit Lydia zur Festung gehen. Lydia, du spielst dabei unsere Gefangene. Ich hoffe, es macht dir nichts aus, wenn ich dir zwischendurch mal eine klatsche, während wir durch die Festung marschieren, damit es echter wirkt.“
Die Elfe wandte sich wieder an alle. „Wir behaupten, dass Lydia einen Mann niedergestochen und ausgeraubt hat und bringen sie zwecks Anmeldung zur Einkerkerung zum Kommandanten. Dort treffen wir dann auf Euch, Leanora. Solltet Ihr bis dahin den Kommandanten noch nicht zum Reden gebracht haben, werde ich seine Zunge lösen. Die Wachen vor seinem Arbeitszimmer werden wir auf jeden Fall töten müssen. Sobald wir dann die Information haben, die wir brauchen und auch alle Zeugen beseitigt sind, führen Sareth und ich Leanora und Lydia als unsere vermeintlichen Gefangenen durch das Gefängnis, bis wir unsere Gefährten gefunden haben. Und ab dann wird es blutig.“
Sie machte eine kurze Pause, bevor sie weitersprach. „Wir töten die Wächter, die unsere Freunde bewachen und schlagen uns gemeinsam zum Keller durch, über den wir die Festung wieder verlassen können. Dabei werden wohl hauptsächlich Leanora und Lydia für uns kämpfen müssen, da Sareth und ich unsere beiden mit Sicherheit übel zugerichteten Gefährten tragen müssen. Und an dieser Stelle kommt Ihr ins Spiel, Rowan.“

Die Elfe sah der blonden Frau direkt in die Augen. „Ich werde Euch eine Skizze über den geheimen Zugang anfertigen. Sie wird zwar nicht sehr genau sein, da ich sie aus dem Gedächtnis zeichnen muss, aber damit findet Ihr bestimmt den Eingang zum Keller der Festung. Schaltet alle Fallen und Wachen aus und macht den Weg für unseren Rückzug frei. Ich werde Euch Hennrik zu Eurer Unterstützung mitgeben. Falls Ihr Euch das zutraut, dann könnt Ihr uns auch bis zum Zellenkomplex entgegen kommen. Lasst dann aber Hennrik zurück, um den Fluchtweg zu sichern und seid vorsichtig, wenn Ihr durch die Festung schleicht. Sobald wir dann alle durch den unterirdischen Zugang geflohen sind, brauchen wir einen Unterschlupf.“
Vernita ging durch den Raum, bis sie vor Kylar stand. „Da ich mitbekommen habe, dass Euch Gianauros Leute schon belästigt haben, möchte ich nur ungern Euer Haus als Unterschlupf missbrauchen. Aber vielleicht kennt Ihr ja jemanden, dem Ihr vertraut, und der uns verstecken kann, bis wir unsere Angelegenheiten hier in Denerim erledigt haben. Wie sieht es aus, Kylar? Könnt Ihr uns helfen?“


Kylar hatte den Ausführungen der verschiedenen Pläne und Vorschläge, wie sie am besten in das Fort eindringen könnten aufmerksam zugehört. Währenddessen war er bereits bedrückt darüber, dass er ihnen nicht wirklich helfen konnte. Er konnte zwar perfekt mit Nadel und Faden umgehen, doch in Kampfkünsten war er nur kaum unterrichtet.
Daher war er auch kurz etwas perplex, als sich Vernita an ihn wandte, und scheinbar alle Blicke auf ihn fielen, wie wenn er der Hauptdarsteller auf einer Bühne wäre.
Er musste einen Moment nachdenken. Ein Unterschlupf, wo genug Platz für acht Personen war - wenn denn alles nach Plan verlief. Am besten auch noch gut versteckt bei irgendjemanden der bisher nie ein Problem mit der Stadtwache hatte...
„Nun ja, ich kenne nur einen der wohl genug Platz für euch alle hätte. Ihr erwähntet doch bereits die alten Katakomben der Stadt. Ein Freund von Azoth und mir , Harold, ist Schmied. Auch er nutzt einen dieser eingestürzten unterirdischen Gänge als Lagerraum, zumindest hat er mir diesen einmal mit Stolz präsentiert, und meinte noch wie viel Glück er mit der Lage seiner Schmiede hätte, da es wirklich ein breitflächiger Gang ist, und der Eingang sehr versteckt liegt. Er selbst habe ihn erst fünf Jahre nach Eröffnung seiner Schmiede entdeckt. Zumindest erzählte er es mir so. Ich bin mir sicher, dass er uns, beziehungsweise euch, diesen als vorrübergehenden Unterschlupf zur Verfügung stellen könnte. Und ich könnte einige Decken und andere Stoffe dort hinbringen, damit niemand auf dem kahlen Boden schlafen muss. Sofern das Eurer Vorstellung entspricht, werde ich Euch seine Schmiede auf Eurer Karte markieren und mich sofort auf den Weg machen, um ihm davon zu berichten."


„Ja, das hört sich sehr gut an, Kylar. Und keine Angst. Wir werden Euren Freund da raus holen“, erwiderte Vernita und nahm die Karte vom Bett, bevor sie diese dem Elf übergab. Dieser zeichnete die Position von Harolds Schmiede ein. Danach überreichte er die Karte Vernita, bevor er sich von den anderen verabschiedete und ging.
„So“, wandte sich die Elfe anschließend an die Gruppe. „Hat noch jemand Ideen oder Vorschläge zu machen? Wenn nicht, dann schlage ich vor, dass wir mit den Vorbereitungen beginnen.“


Rowan horchte auf, als sie vor der Taverne das Geklapper von Pferdehufen hörte. Schnell war sie am Fenster und schaute raus. Sie sah einen Mann in der Kleidung eines Bediensteten, der ein Pferd mit Gepäck mit sich führte.
„Ich bin kurz unten.“ rief sie ihren Gefährten zu und lief dann die Treppe hinunter in den Schankraum. Schon kamen der Diener zur Tür herein und trug seine Last in den Raum, während er sich unsicher umschaute. Rowan trat auf ihn zu.
„Ich denke, das wird für mich sein?“
Zaghaft hielt er ihr das Paket hin und deutete eine leichte Verbeugung an. Rowan steckte ihm noch ein Silberstück zu, bevor er ging und begab sich dann wieder hoch zu den anderen.
Das Paket legte sie auf Leanora Bett ab. „Euer Kleid ist angekommen.“
Dann stellte sie sich wieder in eine Ecke und verschränkte die Arme vor der Brust.


„Schön“, meinte Vernita, während sie in die schweigende Runde blickte. „Dann sollten wir mit den Vorbereitungen beginnen. Ich setzte den Beginn der Operation auf morgen früh, kurz vor Morgengrauen. Die Wachen stehen dann kurz vor ihrer Ablösung und sind nach ihrer Schicht müde und längst nicht so kampfbereit wie normal.“
Die Elfe trat vor Leanora. „Ihr habt nun schon das Kleid für Eure Rolle. Ihr solltet Euch noch besorgen, was Ihr sonst noch dazu braucht. Lydia kann Euch dabei helfen. Sie scheint sehr geschickte Finger zu haben, die sie wohl auch schlecht bei sich behalten kann, falls Ihr noch etwas brauchen solltet, wofür Ihr nicht unbedingt Geld ausgeben wollt.“
Vernita grinste breit, bevor sie sich an den Söldner wandte. „Ihr solltet für uns die Routen der Wachpatrouillen auskundschaften und uns eine Stelle suchen, an der wir beide zwei der Männer ausschalten können, um an deren Rüstungen zu kommen. Nehmt Lydias Plan mit. Vielleicht könnt Ihr damit etwas anfangen.“
Sie wandte den Kopf und sah Rowan an. „Für Euch fertige ich gleich eine Skizze des unterirdischen Zugangs an. Prägt sie Euch gut ein. Der Eingang zu dem Tunnel befindet sich in der Nähe der Gasse, in der wir Miandras Eltern von ihrem Leid erlöst haben. Ich hoffe nur, Ihr könnt meine Schrift lesen. Mit dem Schreiben habe ich es nicht so, aber Ihr werdet schon sehen, was ich meine. Und solltet Ihr noch Diebeswerkzeug benötigen, um die Fallen zu entschärfen und die Türen des Tunnels zu öffnen, dann solltet Ihr Euch damit auch noch eindecken.“
Zuletzt trat die Elfe vor Hennrik, der anscheinend schon wieder kurz davor war einzunicken. „Hey, aufwachen, alter Mann. Ich will, dass Ihr auf meine Rüstung aufpasst, während ich weg bin. Pennen könnt Ihr später noch.“ Der Alte grummelte etwas Unverständliches in seinen Bart, bevor er zustimmend nickte.
„Ja, ich werde noch mal zum Marktplatz gehen“, erklärte Vernita, als sie die fragenden Blicke der anderen bemerkte. „In meiner Zivilkleidung sehe ich wie eine gewöhnliche Elfe aus dem Gesindeviertel aus. Und da ich normalerweise immer meine Rüstung trage, wird mich auch niemand erkennen, also keine Panik. Und fragt mich jetzt nicht, was ich auf dem Markt vorhabe, das ist was Persönliches.“
Die Elfe schwieg einen Moment, wobei sich ein böses Grinsen auf ihre Lippen legte, und sie mit den Gedanken ganz weit weg zu sein schien. Doch dieser Zustand dauerte nur einen Moment, dann hatte sie sich wieder in der Gewalt. „Also los, Leute. Fangen wir an.“
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Allie
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BeitragThema: Re: Kapitel XV - Festnahme   Di 16 Aug 2011, 7:17 pm

Leanora öffnete das Paket und ihr fiel die Kinnlade vor Staunen hinunter. Das Kleid war wunderschön, die Verarbeitung meisterlich und liebevoll. Auf dem zusammengelegten Kleid, von dem sie bisher nur das obere Vorderteil sah, lag außerdem eine goldene Kette, relativ kurz, die vorne in einem vielfach geschliffenen Rubin endete, so dass sie das Licht darin brach. Außerdem lag dem Paket eine dunkelrote langstielige Rose bei.
„Rowan seht nur! Wie hübsch, ich bin hin und weg!“ Leanora strahlte wirklich über das ganze Gesicht, den Grund, wieso sie das Kleid erhalten hatte, verdrängte sie in dem Moment.


Rowan lief rot an, als Leanora das Paket öffnete und sie die Rose darauf sah. Vielleicht hätte sie ihm sagen sollen, dass es für jemand anderen bestimmt war.
„Äh... freut mich, dass es Euch gefällt.“ stotterte sie.
Dann drehte sie sich leicht zum Fenster weg und starrte hinaus. „Ich hoffe, es wird Euch passen.“


Verwundert blickte sie Rowan an. Täuschte sie sich, oder war diese rot geworden? Leanora lächelte leicht. Woher hatte sie das Kleid?
Als sie es vorsichtig aus der Verpackung befreite und auseinander fallen ließ, bemerkte sie auch, dass es für sie nicht ganz die ideale Bodenlänge hatte. Aber das war ihr gerade recht, sie hatte keine Lust, den Staub von Fort Drakon damit aufzuwischen. Wäre schade um das hübsche Kleid.
„Es ist wirklich wunderschön Rowan! Aber nun lasst uns überlegen, was ich noch brauche.“
Sie setzte sich wieder auf die Bettkante und nagte an ihrer Unterlippe. Wäre es sinnvoll, die Haare mit Henna einzufärben? Andererseits wäre sie mit roten Haaren noch auffälliger - und somit auch leichter zu finden als mit ihren blonden. Sie schüttelte den Kopf. Es würde reichen müssen, wenn sie eine kunstvolle Hochsteckfrisur hatte.


Vernita verließ Leanoras Zimmer. Sie ging in den Schankraum und ließ sich vom Wirt etwas Papier, eine Feder und Tinte geben. Dann setzte sie sich an einen Tisch, wo sie anfing zu zeichnen. Zwischendurch sah sie des Öfteren nachdenklich an die Decke des Raumes, wobei sie leise grummelnd vor sich hinmurmelte. Beim Wirt bestellt sie sich noch ein Glas Wasser, als dieser sie nach ihren Wünschen fragte. Seine Frage, was sie denn da schönes zeichnete, ignorierte sie einfach, was er auch recht schnell verstand.
Die Elfe brauchte eine Zeit lang, bis sie mit ihrer Skizze fertig war. Nach Abschluss ihrer Arbeit begutachtete sie ihr Werk kritisch. Sah wirklich nicht besonders hübsch aus, was sie da gemalt hatte, aber es würde ausreichen, damit Rowan sich in dem unterirdischen Höhlen- und Tunnelsystem zurechtfinden konnte. Dummerweise war es Vernita nicht möglich, auf der Karte etwaige Gefahren einzuzeichnen, da sie nicht wusste, welche Sicherheitsvorkehrungen die Wachen von Fort Drakon nach ihrem letzten Besuch in der Festung diesem Zugang hinzugefügt hatten. Aber die Elfe war zuversichtlich, dass die blonde Frau sich schon einen Weg durch die Wachen und Fallen bahnen würde. Schließlich schien sie in Einbruchs- und Diebesfertigkeiten ebenso bewandert zu sein wie Vernita selbst.
Sie faltete die fertige Zeichnung zusammen, bevor sie sich einen weiteren Bogen Papier nahm. Von diesem riss sie ein kleines Stück ab, auf welches sie eine kurze Nachricht kritzelte. Anschließend kramte sie den schmucklosen, braunen Anhänger aus ihrer Tasche, öffnete ihn und verstaute den kleinen Zettel in seinem Innern. Nun steckte sie das Schmuckstück wieder in die Tasche, bevor sie sich ihre Skizze schnappte und vom Tisch aufstand. Sie ging wieder nach oben, wo sie sich mit Rowan traf, welcher sie ihre Zeichnung übergab. Vernita erklärte der blonden Frau die Symbolik ihres Werkes, und die beiden Frauen sprachen noch einmal kurz über den Ablauf des Einbruches. Dann holte die Elfe noch ihre Zivilkleidung aus ihrem Zimmer und besuchte damit Hennrik, der in seinem eigenen saß und seine Pfeife rauchte.
„Passt mir gut auf meine Sachen auf, solange ich weg bin“, meinte sie zu dem alten Magier, während sie ihre Waffen und ihre Rüstung ablegte. Dieser grummelte nur etwas wie „ja, ja, schon klar“ in seinen Bart. Die Elfe grinste nur breit, während sie sich ihren Teil dachte. Nach dem Ablegen ihrer Rüstung zog sie ihre Zivilkleidung an, hängte sich den Anhänger um, bevor sie ihren Pferdeschwanz löste. Sie schüttelte wie wild ihre Haare durcheinander, so dass ziemlich unordentlich auf ihrem Kopf lagen. Ein paar Strähnen ließ sie über ihre Narbe fallen, um diese so gut es ging zu verbergen, der Rest blieb so wie er war. Sie nahm noch ihr Messer mit und verließ den Raum und ohne Umschweife auch gleich die Taverne.
Sie ging zum Marktplatz, auf dem wie immer ein geschäftiges Treiben herrschte. In ihrer einfachen Kleidung und mit ihren zerzausten Haaren fiel sie in der Menge nicht auf. Niemand beachtete sie, als sie sich ihren Weg durch die Massen bahnte und dabei stets die Ohren offen hielt. Aber anscheinend war die Verhaftung des heutigen morgens schon nicht mehr das Hauptthema Nummer eins auf den Straßen Denerims. Dafür passierte in dieser Stadt einfach zu viel.
Sie hörte zwar hier und da einige Geschichten über zwei Kriminelle, die wegen Mordes gesucht wurden, doch wurde die ganze Sache jetzt schon durch den Volksmund entstellt. Da gab es Versionen, dass die beiden erst zehn Wachen niedergestreckt hatten, bevor man sie überwältigen konnte. Dann war die Rede von Blutmagie oder dass einer der Mörder ein Qunari gewesen sein soll. Dazwischen gab es dann schon wieder Berichte über Bauernhöfe in der Nähe der Stadt, die von Banditen überfallen worden sein sollen und die Frage, wann der neue Arl denn endlich etwas gegen diese ganzen Verbrecher unternehmen würde. Vernita konnte dieses ganze Gerede nur recht sein. Je mehr dieser einfältige Pöbel die ganze Sache verfälschte, desto leichter konnten sie und ihre Gefährten wieder ungestört ihren Angelegenheiten nachgehen. Natürlich erst, nachdem sie Miandra und Azoth aus dem Gefängnis befreit hatten.
Nach einiger Zeit erreichte sie schließlich ihr Ziel, den Händler Cesar, ihren Verbindungsmann bei den Krähen. Dieser musste zweimal hinsehen, bevor er die Elfe vor sich erkannte.
„Was darf es denn sein, werte Dame“, begann er, als Vernita vor ihm zum Stillstand kam. „Wollt Ihr vielleicht dieses schöne… Lady Vernita? Seid Ihr das?“
„Natürlich, Cesar“, grinste die Elfe zurück. „Wer sollte ich sonst sein? Ich habe einen kleinen Auftrag für Euch.“
„Aber selbstverständlich. Was kann ich diesmal für Euch tun?“
Vernita nahm die Kette ab und reichte sie an Cesar weiter. „Ich hätte gern eine Inschrift auf dem Stein. Schreibt bitte ‚Von V für M‘. Das dürfte doch kein Problem sein, oder?“
„Absolut nicht, werte Dame.“
„Fein. Ich werde das Schmuckstück dann heute Nachmittag wieder abholen. Kriegt Ihr das hin?“
„Und ob“, bestätigte Cesar. „Ich mache mich gleich an die Arbeit.“
„Danke, Cesar. Wir sehen uns dann später“, verabschiedete sich Vernita, bevor sie sich abwandte und auf den Rückweg zur Taverne machte.


Nachdem Kylar die Taverne verlassen hatte begab er sich umgehend zu Harold. Als er durch die Gassen von Denerim marschierte musste er die gesamte Zeit an Azoth denken. In eine solch missliche Lage war sein Freund noch nie geraten, und er hoffte, dass der Plan seiner scheinbar neuen Reisegefährten aufgehen würde, und er war dankbar dafür, dass sie ihr Leben dabei aufs Spiel setzten.
Nach einiger Zeit des Gehens kam er schließlich an der Schmiede an. Sie lag weiter außerhalb der Stadt und war nicht dem Trubel des Markplatzes ausgesetzt. Doch wer auf Qualität achtete und wem der Preis egal war, der wusste, dass er hier richtig war.
„Kylar, was treibt Dich hier her! Benötigt Deine Nadel einen Feinschliff?“ grinste er den Elf an und polierte nebenbei einen Dolch mit extrem ausgefallenen und aufwändigen goldenen Verzierungen.
„Sei gegrüßt Harold, nein jedoch habe ich eine dringende Bitte an Dich. Doch das sollten wir wo anders abklären…“
Harold schien sofort zu verstehen und winkte Kylar mit sich mit. Sie stiegen eine Wendeltreppe hinab, und traten somit in die privaten Räumlichkeiten des Schmieds. Dieser ließ sich auf einen gepolsterten Stuhl fallen und schenkte etwas Wasser aus einem Krug in zwei Gläser.
„Also was benötigst Du?“, fragte er schließlich und reichte eines der Gläser an Kylar weiter.
„Du musst mir Deinen geheimen Lagerraum für ein paar Tage zur Verfügung stellen.“
Harold verschluckte sich an dem Wasser und begann zu husten. „Was? Wozu denn das?“, erwiderte er verwundert.
„Azoth steckt in Schwierigkeiten. Er und seine Gefährten brauchen einen Unterschlupf. Ich weiß, dass Du bisher nur mir von Deinem Lager erzählt hast, und es versteckst und hütest als wäre es ein Schatz, doch gerade deswegen ist es wohl ihre einzige Chance.“
Harold schien nachzudenken. Sein Lager war ihm heilig, doch er konnte auch die Bitte eines Freundes nicht zurückweisen. „Dir würde ich es jederzeit als Unterschlupf anvertrauen, wenn ich wüsste, dass Du in Schwierigkeiten bist, doch außer Azoth kenne ich die anderen nicht, wer weiß, was das für Leute sind. Es ist nicht so, dass ich Freunden meiner Freunde nicht traue, doch ich habe einige wertvolle Gegenstände in meinem Lager untergebracht.“
„Ich garantiere dir dafür, dass sie nichts anstellen werden und versichere dir, dass sie auch Dein Versteck nirgendwo ausplaudern werden, schließlich hängt ihr eigenes Leben davon ab.“
„Also schön, irgendeinen Zweck muss der alte Tunnel doch haben, bevor er komplett einstürzt“
, er seufzte. „Wie lange möchtest Du sie dort unterbringen?“
„Das weiß ich nicht, ich kann Dir nicht einmal sagen, wie viele wir unterbringen werden… All das wird sich noch zeigen. Zudem lasse ich Dir von einigen meiner Gehilfen ein paar Waren – darunter Kissen, Kleider und Decken – bringen, und bitte Dich, diese bereits in Dein Lager zu verschaffen. Tu einfach so als sei es eine normale Lieferung, die Du mir bereits bezahlt hast.“
Harold nickte. „Also schön, aber dafür hab‘ ich was gut bei Dir!“, er zwinkerte Kylar zu und dieser verließ mit einem dankenden Nicken den Schmied.
Des restlichen Tag verbrachte Kylar damit, sein eigenes Lager zu durchstöbern, sondierte seine Waren aus, und sandte diese an Harold. Erst als dies erledigt war, gönnte er sich eine kurze Ruhepause, in der seine Gedanken jedoch nicht von dem Thema abschweiften.


Leanora streifte ihren Siegelring wieder ab und verstaute diesen sorgfältig im Rucksack. Dann blickte sie in die Runde: „Nun, dann werde ich doch noch die Stadt aufsuchen und mir bei einem Barbier eine Frisur zaubern lassen. Zudem brauche ich dringend Schuhe für dieses Kleid, mit den Reitstiefeln brauch ich dort nicht auftauchen. Was ist Lydia, willst Du mit? Vielleicht finden wir ja da auch etwas Brauchbares für dich zum anziehen?“


„Wir gehen einkaufen? Oh gerne!“, sagte Lydia mit großen Augen und grinste. „Das ist so lieb von dir.“ Sie wurde etwas rot.
„Warum färbst du dein Haar nicht mit Holunderbeeren? Das habe ich früher einmal gemacht, dann hast du dunkelrotes Haar. Ich kann das für dich machen, wenn wir aus der Stadt zurück sind - wenn du willst... Und dein Kleid sieht hinreißend aus...“ schwärmte sie.


„Dann lass uns gehen, Lydia.“
Leanora kramte in ihrem Rucksack herum, bis sie ihre Geldbörse fand, die sie dann einsteckte, mit einem Lederband gesichert.
Sie nickten Rowan zu und verließ zusammen mit dem Mädchen das Zimmer. Auf dem Weg in die Stadt meinte Leanora: „Holunderbeeren? Hm, auf diese Idee kam ich gar nicht. Ich hätte die Haare gerne dunkler, um nicht sofort erkannt zu werden. Wobei ich denke, mit der Hochsteckfrisur allein dürfte es gehen.“
Kurze Zeit später erreichten sie den Markt, und Leanora holte tief Luft. Da war sie wieder, ihre Angst vor diesen Menschen. Aber Lydia warf ihr einen Blick zu, der sie vorwärts trieb.
„Halt deine Finger wenn möglich still, versprich mir das bitte... ich hab keine Lust, noch wegen Diebstahl in den Kerker zu kommen“, flüsterte Lea der Kleinen zu.
Sie blickten sich auf den Markständen um, aber entschieden sich dann doch, in die Geschäfte zu gehen, wo die Waren dekorativ in den Fenstern zur Schau gestellt wurden. Allerdings bevorzugte Leanora einen Laden, wo es nicht so arg zuging.
Der Verkäufer war sofort zur Stelle und holte verschiedene Hosen und Oberteile für Lydia hervor, die sie anprobieren konnte, und für Leanora auch einige hübsche Schuhe.
Letztlich entschied sich Leanora für knöchelhohe Stiefeletten aus hellem Wildleder, mit einem kleinen Absatz versehen. Dieser war nicht zu hoch und auch relativ breit, sie konnte damit hervorragend laufen. Ansonsten waren diese sehr schlicht gehalten und sie würde sie auch zu einer Hose tragen können.
Bis Lydia durchprobiert hatte, setzte sich Leanora auf einen Stuhl, der für sie herbei geschafft wurde und trank ein Glas Wasser. Lange hielt sie das jedoch nicht aus, und sie schaute sich noch nach Accessoires um. Ihr Blick fiel auf einen Fächer aus zarter Seide, mit kleinen Rosenmustern bestickt, cremefarbig und dunkelrot. Es wäre eine hervorragende Ergänzung zum Kleid. Eine beige Tasche kam noch hinzu, und zu guter letzt noch eine Haarspange in Gold, wo kleine rote Steine eingearbeitet waren. Leanora war überrascht, dass dieser relativ günstig war, und der Verkäufer sagte ihr, dass es keine echten Steine seien, sondern nur angemaltes Glas. Ihr war das relativ egal, es würde der Frisur den letzten Schliff geben.
Endlich hatte Lydia sich für zwei Hosen, drei Hemden und zwei Westen entschieden. Fein säuberlich wurden die Teile verpackt, Leanora handelte noch einen kleinen Rabatt heraus, und der Verkäufer verabschiedete sich freundlich von den beiden.
„Auf Wiedersehen, die Damen, war eine Freude mit Ihnen Geschäfte zu machen! Beehrt uns bald wieder!“ Er begleitete sie noch zur Tür, verneigte sich und hielt ihnen die Tür auf.
Lydia grinste. „Was ein aufgeblasener Knülch.“
„Ach, ich fand ihn eigentlich ganz zuvorkommend. Sieh, da drüben ist ein Barbier. Dort werde ich mal mein Glück versuchen. Du kannst, sollte ich dort gleich dran kommen, ja wieder zurück wenn du magst. Dann nimm aber mein Zeug auch gleich mit ja?“
Leanora wurde etwas sicherer, nachdem sie weder komisch angeblickt wurde oder sonst jemand groß Notiz von ihr nahm. Lediglich ein Jüngling starrte ihr nach, der Unterkiefer nach unten geklappt. Leanora musste sich ein Lachen verkneifen. Wie ein läufiger Köter, fehlte nur noch, dass der Knabe zu sabbern begann.
Die Klingel an der Ladentür schellte, als die beiden eintraten. Sogleich erschien ein Mann mit extrem aufgezwirbeltem Schnauzbart, dunklen Haaren und einem tannengrünen Anzug.
„Mademoiselle, was kann ich für Euch tun?“
Er deutete einen Handkuss an und blickte hauptsächlich Leanora an.
„Ich bin heute Abend auf einem Ball eingeladen, und möchte eine sehr elegante Hochsteckfrisur. Vielleicht auch etwas dunkler die Farbe. Wäre das möglich?“
„Aber natürlisch, das ist über'aupt kein Problem. Gestatten, Marcel.“ Wieder reichte er Leanora die Hand und führte sie sofort an einen Stuhl, vor dem ein riesiger Spiegel hing, der mit breitem verschnörkeltem Goldrand eingefasst war.
Leanora nickte Lydia zu. „Dann geh‘ schon mal voran, ich komme nach, sobald ich hier fertig bin.“
Kaum war die Kleine wieder aus dem Friseur-Salon draußen, wuselte Marcel auch schon geschäftig hin und her.
„Walnuss-Schalen und 'ollunderbeeren, dazu ein Schuss Rotwein...“
Leanora erhielt während der Prozedur die druckfrische Tagespresse, und sogar eine Tasse Tee. Sie vertiefte sich in die Lektüre, derweil der Sud einwirkte.


Nachdem Leanora und das Mädchen das Zimmer verlassen hatten, begab sich auch Sareth zur Tür. Er drehte sich um, zwinkerte Rowan zu und verließ dann das Zimmer. Rowan wartete einen Moment, indem sie auf die Rose starrte, die in dem Paket enthalten war. Dann ging auch sie auf den Flur und blieb kurz unentschlossen stehen. Schließlich entschied sie sich für Vernitas Zimmer und drückte die Klinke nach unten.
Nichts. Die Tür war verschlossen.
Rowan musste grinsen und kramte in ihrem Rucksack herum, bis sie gefunden hatte was sie suchte. Schnell hatte sie die Tür offen und schüttelte den Kopf darüber wie leicht es ihr gefallen war, das Schloss zu knacken. Innen angekommen, schloss sie die Tür ab und steckte den Zimmerschlüssel, den sie in der Nacht hatte stecken lassen, in ihre Tasche.
Sie legte ihren Rucksack auf das Bett und setzte sich daneben. Den Inhalt schüttete sie vor sich aus und begutachtete ihn ausgiebig. Sie nahm ein abgenutztes Lederetui in die Hand uns öffnete dessen Verschnürung. Dann rollte sie es aus und begutachtete das Werkzeug, das darin enthalten war.
Diverse Dietriche und Schlüssel, zwei Pinzetten, ein Satz Feilen in verschiedenen Größen, eine kleine Eisensäge, eine Spitz- und eine Flachzange, Draht in unterschiedlicher Stärke sowie ein Hammer und ein kleiner Meißel. Das Werkzeug war noch gut erhalten, nur einige der Dietriche waren zum Teil schon sehr abgenutzt.
Rowan rollte das Etui wieder zusammen und strich mit den Fingern über das Leder. Sie hatte davon schon länger nicht mehr Gebrauch gemacht. Behutsam legte sie es in ihren Beutel zurück und packte auch den Rest wieder ein. Ein paar Sachen würde sie vorsichtshalber noch besorgen.
Sie stand auf und zog sich den Rucksack wieder über. Ein verschmitztes Lächeln kam über ihre Lippen und sie öffnete kurzerhand das angelehnte Fenster und schwang sich heraus auf den Sims. Wenn sie schon eine Schurkin war, dann musste sie auch in der Übung bleiben. Treppen konnte jeder laufen. Sie zog sich auf das Dach hinauf und verschnaufte oben angekommen kurz. Dann suchte sie sich ihren Weg über den Dächern Denerims. In einer Seitengasse der Taverne konnte sie auf eine bekannte Gestalt herunter schauen. Sareth lief dort entlang und war wahrscheinlich gerade auf dem Weg, die Wachen auszukundschaften.
Sie beobachtete ihn für eine Weile und lief dann weiter. Ob er sie wohl bemerkt hatte? In einer wenig belebten Straße sprang sie zurück auf den Asphalt. Sie überlegte kurz und bog dann noch zweimal ab, bevor sie vor einem unscheinbarem Geschäft stehen blieb. Auf einem vermoderten Schild über der Tür war das verblichene Bild eines Hammers zu sehen.
Als sie eintrat wurde sie sogleich von dem kleinen Mann hinter der Ladentheke kritisch gemustert. Ohne sich die ausgelegten Waren anzuschauen trat sie direkt auf ihn zu. Es dauerte nur kurz, dann nickte er ihr zu und bedeutete ihr, ihm zu folgen. Er führte sie in einen Nebenraum und schob einen Vorhang zur Seite. Mit der Hand zeigte er eine Treppe hinunter, die Rowan ein Stockwerk tiefer brachte. Ein länglicher Raum, mit Fackeln erhellt, breitete sich vor ihr aus. An dessen Seiten standen Tische mit allerlei Werkzeug darauf.
Rowan machte sich daran, die Sachen zu begutachten, als hinter ihr eine junge Frau auftauchte, die sie misstrauisch beobachtete. Sie hatte ein Flickenkleid an und das lange, dunkle Haar in einem unordentlichen Zopf zusammengebunden. Rowan ließ sich nicht ablenken und suchte sich zwei Dietriche, ein kleines Brecheisen und ein Stück stabile Schnur heraus. Die Frau schaute ihr dabei genauestens zu und trat schließlich vor Rowan.
„Fünfzig Silber.“
Rowan drückte ihr das Geld in die schmutzige Hand und verstaute ihre Errungenschaften in ihrem Rucksack. Sie lief die Treppe wieder nach oben und verließ den Laden zügig.


Lydia verließ den Barbier und mischte sich unter die Leute. Es herrschte geschäftiges Treiben auf dem Markt, Händler boten schreiend ihre Waren feil, Kunden eilten umher und Warenträger schleppten Kisten und allerhand anderes mit sich herum.
Sie blickte sich um. Städter unterschiedlichster Art und Herkunft. Vom Gesindemädchen bis zum Adelsmann war hier alles unterwegs... Adelsmann. So einen suche Lydia jetzt. Leanora hatte ihr zwar die Kleidung bezahlt, aber sie brauchte Geld für ihre bestellten Armschienen. In diese Armschienen, welche aus beschlagenem Leder und Fell gefertigt waren, waren ausklappende Dolche eingebaut. Zog man mit dem Ringfinger an einem Ring, an welchem eine Schnur befestigt war, so kamen dünne Klingen zum Vorschein. Doch das kostete sein Geld. Stolze zwanzig Sovereigns. Doch sie hatte nur ein paar Kupferlinge.
Sie begab sich also in dichteste Gedränge und zückte ein kleines flaches Messer. Sie musste nicht lange suchen, als sie einen nach Wohlstand aussehenden Mann erblickte, welcher sich durch einen Pulk Menschen zwängte.
‚Ohne Totschläger unterwegs - perfekt!‘ dachte Lydia und näherte sich ihm ins Gedränge.
Er hatte seinen Goldbeutel am Gürtel baumeln, er sah auch recht schwer aus, das würde
genug hergeben. Dann geschah ein Wunder. Just in dem Moment, als sie sich ihm bis auf griffreichweite näherte, lief ein Kistenträger in ihn hinein. Dumpf plumpste er auf den Boden, der Träger ließ seien Kisten fallen, welche sich öffneten und ihren Inhalt über dem armen Mann preisgaben - rohe Eier.
Über und über beschmiert raffte dieser sich auf und begann den Kistenträger aufs wüsteste zu beschimpfen. Diese Chance nutzte Lydia und schnitt einem der Zuschauer das Säckchen ab und verstaute es in einer der Gürteltasche. Zwei weitere solcher Geldsäckchen fielen ihren geschickten Fingern zum Opfer, bis sie einen ebenso reichen wie fetten Mann vor sich sah.
Aufgeregt verfolgte dieser das Spektakel und bemerkte nicht einmal, wie sie ihm den Geldbeutel und den verzierten Dolch stahl.
Ohne dass auch nur irgendjemand von ihr Notiz genommen hatte verschwand sie in einer Seitengasse. Dort zählte sie schnell das Geld. Fünfundneunzig Sovereigns, ein Dolch, einige kleine Edelsteine und ein Verlobungsring, alles in allem ließ sich
die Beute sehen. Sie steckte zwanzig Sovereigns in einen kleinen Beutel und begab
sich zu ihrem Laden.
Dort klopfte sie auf die Theke, da niemand im Raum war. Prompt kam ein stämmiger Mann mit breiten Armen und grauem Bart um die Ecke. „Ja? Was kann ich für dich tun?“
„Ich hab doch bei Euch Armscheinen bestellt, und die wollte ich abholen.“
„Moment, die muss ich suchen...“, sagte er barsch und verschwand wieder. Wenig später tauchte er wieder mit Gewünschtem auf. „Bitte sehr. Das wären zwanzig Sovereigns.“
Lydia legte ihm den Beutel auf den Tisch und schnallte sich ihre neuen Armschienen um. „Danke vielmals, die passen perfekt“, lächelte Lydia. „Oh, Ihr hättet nicht noch ein paar feste Stiefel? Ein bisschen gepolstert oder auch gepanzert?“
„Natürlich, aber für deine kleinen Füße wird‘s eng. Mal sehen, ob ich was finde.“
Diesmal verschwand er für eine ganze Weile aus dem Raum.
Als er zurückkam trug er ein paar Stiefel passend zu den Armscheinen und ihrem Korsett. „Du hast heute wohl die Suppe aufgegessen, hier bitte sehr, die sollten dir passen. Fünfzehn Sovereigns und zehn Silberlinge.“
Wieder legte sie ihm einen Beutel auf den Tisch und wechselte gleich die Stiefel, welche ihr fast perfekt saßen. Sie hüpfte einige Male auf und ab und verabschiedete sich.
Jetzt wollte sie einbrechen. Am besten in irgendeinen Laden. Dazu begab sie sich in eine Seitengasse und suchte sich eine Möglichkeit auf die Dächer zu gelangen, welche sie in einem Seil an einer Hauswand fand. Geschickt zog sie sich nach oben und griff um die Dachschräge herum. Oben angekommen sondierte sie zuerst die Lage und zog sich die Kapuze ins Gesicht. Nur zwei Dächer weiter war ein Alchemist, dort konnte man, aufgrund eines vorstehenden Raumes, bequemst vom Dach aus ins Fenster einsteigen. Drinnen war es, wie man sich ein Alchemistenhaus vorstellt. Alt und muffig, viele Bücher und Tränke, sowie entsprechende Apparaturen zum Herstellen eben dieser. Sie nahm sich einige Tränke mit, die sie als nützlich empfand und verschwand wieder um Leanora zu suchen, welche sie noch immer beim Barbier sitzend vorfand.


Als Lydia zurück kam, wurde Leanora erst kurz zuvor der Farbsud abgespült. Der Meister hatte mit einem Rasiermesser die Haarlänge ein wenig gekürzt und ein wenig fransig geschnitten, so lockten sich Leanoras Haare wieder besser.
Ein wenig musste Leanora schmunzeln. Dieser Marcel war wirklich zum Barbier berufen, man merkte ihm an, wie sehr ihm seine Arbeit gefiel.
„Ihr 'abt wündervolles 'aar, Mademoiselle...“
Mittlerweile waren die Haare relativ getrocknet, und er begann, mit Hilfe von einem Stück Rohr, welches am Ende dick mit Leder umwickelt war, und dafür mehr oder weniger aus der Glut gezogen wurde, die Haare strähnenweise damit einzudrehen. Das war reine Geduldsarbeit, denn die um das Rohr gewickelte Strähne musste wirklich fast ganz trocken sein, damit diese hinterher hielten. Allerdings sahen sie aus wie Korkenzieher-Löckchen, und das wiederum verlieh Leanora ein absolut elegantes und zauberhaftes Aussehen.
Als Leanora dachte, bald nicht mehr sitzen zu können, ringelten sich um den ganzen Kopf viele kleine oder größere Löckchen. Der Barbier setzte sich einige Minuten hin und schmauchte Tabak, in braunem Blatt gewickelt. Lea nutzte die Gelegenheit und schritt ein wenig im Salon auf und ab. Weitere Kundinnen wurden inzwischen vom Lehrling verscheucht, mit den Worten, der Meister wäre für heute ausgebucht.
Dann begann der letzte Teil der Prozedur, der aber auch am schnellsten vorbei war. Der Lehrling hielt kleine Klammern und Spangen, die er Marcel immer wieder reichte, und der Meister selber teilte die Strähnchen, drehte sie hin und her, und letztlich hatte Leanora ihre Hochsteck-Frisur. Sie betrachtete sich im Spiegel und war entzückt.
Seitlich kringelten sich je eine Strähne der Korkenzieherlöckchen vor den Ohren. Der Oberkopf wurde von einer Art Lockenkranz gekrönt, in dem kleine Schmucksteine eingearbeitet waren. Einige wenige Strähnchen hingen lose hervor, die ihr etwas vorwitziges verliehen, und der Rest war kreuz und quer am Hinterkopf hochgesteckt. Ein letztes Mal zupfte der Meister ein wenig hier, steckte dort nochmal fest, und dann war er wirklich fertig.
„Voila, Mademoiselle. Ist es so geworden wie Ihr er'offt 'abt?“
Leanoras strahlende Augen mussten wohl Antwort genug gewesen sein, denn ein breites Lächeln erhellte Marcels Gesicht. Vor allem die neue Farbe fand sie absolut faszinierend, ein leichtes mittelbraun mit einem kleinen Tick ins rötliche, welches aber nur dann hervorkam, wenn die Sonne darauf schien.
Lydia hüpfte schon von einem Bein auf dem anderen herum, ihr musste inzwischen furchtbar langweilig gewesen sein.
Leanora bezahlte und gab ordentliches Trinkgeld. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, und Marcel gab ihr sogar noch kostenlos ein Haarnetz mit, damit die Frisur noch eine Nacht länger halten würde.
Als sie wieder auf den Straßen Denerims waren, streckte sich Leanora erstmals.
„Beim Erbauer, alles, aber so lange still sitzen ist wirklich nichts für mich. Und jetzt getrau ich mir kaum noch, den Kopf zu bewegen.“
Dann gingen sie zurück in die Taverne und auf ihr Zimmer.


Vernita betrat die Taverne wieder und ging gleich nach oben. Da Rowan noch den Schlüssel zu ihrem Zimmer hatte, zog sie sich in den Raum mit der kaputten Tür zurück. Sie setzte sich auf den Schemel und dachte nach.
In ihrem Kopf ging sie ihren Plan durch, immer und immer wieder. Sie versuchte ihren Geist damit zu beschäftigen, um nicht an Miandra denken zu müssen. Denn sobald ihre Gedanken zu der schwarzhaarigen Frau schwenkten, malte sich die Elfe gleich wieder aus, was sie ihr alles antun würden. Und daran wollte sie nicht denken, durfte sie nicht denken. Bei der Vorstellung, welche Qualen Miandra gerade durchleben musste, brach es Vernita das Herz. Sollte der Elfe der Folterknecht, der ihre Freundin misshandelte, über den Weg laufen, so würde er sich wünschen niemals geboren worden zu sein. Denn Vernitas Rache würde schrecklich sein. Und sollte Miandra gar ihr Leben gelassen haben, so würde die Elfe die Festung in ein Leichenschauhaus verwandeln. Das schwor sie sich bei ihrem Leben.
Vernita schüttelte diese düsteren Gedanken ab. Stattdessen ging sie noch einmal den Plan durch und grübelte über ihre Gefährten nach. Konnte sie ihnen trauen? Würden sie auch nicht versagen? Sie ging die Charaktere Schritt für Schritt durch.
Da war zum einen Hennrik, der alte Magier. Sein Interesse für die Seelensplitter würde dafür sorgen, dass er bei ihnen blieb, bis dieses Rätsel gelöst war. Und da niemand in dieser Richtung ermittelte solange Azoth und Miandra noch im Gefängnis waren, würde er auch bleiben. Denn alleine könnte er das Geheimnis sicher nicht lüften.
Dann war da noch Leanora. Sie würde sie sicher nicht verraten. Sie wollte den Tod ihrer Familie rächen und ihren Besitz zurückfordern. Sie würde bis zum Ende bei ihnen bleiben. Bei ihr stellte sich nur die Frage, ob sie den Strapazen, die sie sicher noch zu erwarten hatten, standhalten würde. Vernita wusste es nicht.
Rowan war ein gute Seele. Sie schien Schuldgefühle zu haben, und Vernita glaubte, dass die blonde Frau für irgendetwas Buße tun wollte. Die Elfe mochte Rowan, doch objektiv betrachtet wusste sie nicht, warum die Frau ihnen folgte. Allerdings konnte sich Vernita nicht vorstellen, dass ihnen die junge Frau in den Rücken fallen würde. Oder vielleicht wollte sie es auch nur nicht glauben. So sehr die Elfe auch über Rowans Motivation grübelte, desto sicherer war sie über deren Fähigkeiten. Sie konnte hervorragend mit dem Bogen umgehen und beherrschte auch ihre Messer sehr gut. Und in den Künsten der Diebe war sie der Elfe ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen.
Sareth allerdings war eine andere Geschichte. Vernita traute ihm nicht, auch wenn Rowan ihn aus irgendwelchen Gründen zu mögen schien. Auch wenn er ein fähiger Söldner zu sein schien, so konnte die Elfe den Kerl nicht ausstehen. Das war einer der Gründe, warum sie ihn bei dieser Operation in ihrer Nähe haben wollte. Beim kleinsten Anzeichen von Verrat würde er ihre Klinge in seinem Rücken spüren.
Und Lydia? Aus ihr wurde die Elfe überhaupt nicht schlau. Was wollte sie bei ihnen? Welche Motivation hatte sie, ihnen zu helfen? Und welche Fähigkeiten besaß sie überhaupt, die der Gruppe nutzen konnten? Vernita stand bei dem Mädchen vor einem kompletten Rätsel.
So grübelte sie weiter vor sich hin, in der Hoffnung, dass es bald Nachmittag werden würde, und sie ihren Anhänger abholen könnte.


Auf dem Weg zurück zur Taverne kam Rowan an einem Gemischtwarenladen vorbei, den sie kurzerhand betrat. Sie erwarb noch ein Stück Kreide, ein Leinentuch und ein kleines Fläschchen Lampenöl. Vor der Taverne schwang sie sich am Gemäuer hoch und kletterte durch das offene Fenster wieder in das Zimmer der Elfe.
Die Zeit bis zum Abend verbrachte sie damit, ihr Werkzeug zu säubern und ihre Sachen zu ordnen. Auch ihre Waffen unterzog sie einer gründlichen Reinigung.
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BeitragThema: Re: Kapitel XV - Festnahme   Di 16 Aug 2011, 7:35 pm

Azoth erwachte und bemerkte, dass er auf einem kühlen Boden lag. Er richtete sich auf, hielt die Augen jedoch noch geschlossen, denn ein stechender Schmerz durchfuhr seinen Kopf. Seufzend riss er die Augen auf, als er Schreie vernahm.
Offensichtlich wurden hier einige Menschen gefoltert und geknebelt. Die Schreie fuhren Azoth direkt unter die Haut und seine Nackenhaare stellten sich auf. Gleichzeitig wusste er, dass ihm und Miandra das gleiche Schicksal widerfahren würde. Denn etwas sagen und damit die anderen verraten würden sie nicht.
Erst jetzt bemerkte er, das er festgekettet war. An seinem Fuß und Handgelenk befand sich eine Kette, die man ohne Schlüssel nicht lösen konnte. In den benachbarten Zellen saßen ebenfalls einige Leute. Direkt neben ihnen ein langhaariger blonder Elf. Er war zutiefst verwundet und kauerte in der Ecke vor sich hin. Schnell wandte Azoth den Blick ab, und kroch über den dreckigen und blutverschmierten Boden zu Miandra rüber.
Sachte nahm er ihre Hand, und strich ihr das Haar aus dem Gesicht.
„Miandra“, rüttelte er an ihr. „Miandra, wacht auf. Los!“


Langsam schlug Miandra ihre Augen auf und sie spürte, wie man sie rüttelte. Doch noch bevor sie etwas sah oder hörte, stieg ihr ein ekelerregender Geruch in die Nase. Es war eine Mischung aus Blut, Schimmel, Erbrochenem, sowie vielen anderen stechenden und undefinierbaren Gerüchen, sodass sie sich beherrschen musste, sich nicht sofort zu übergeben.
Sie spürte kaltes Metall an ihren Hand- und Fußgelenken, doch eigentlich war ihr generell sehr kalt und sie fror, was wohl an der Tatsache lag, dass man ihnen ihre Rüstung abgenommen hatte, und sie bloß in Unterwäsche auf dem schmutzigen Boden lagen. Langsam richtete sie sich auf und sah für einen kurzen Moment alles verschwommen. Doch sehr viel mehr konnte sie auch nicht sehen, als sich ihr Kreislauf wieder stabilisierte. Nur einige wenige Kerzen waren außerhalb der Zelle, in welcher sie mit Azoth untergebracht war, angebracht, doch alles in allem, sah man weit und breit nichts als weitere Zellen und endlose Dunkelheit.
Erst jetzt vernahm sie die Schreie, die sich teilweise sehr nahe, aber doch sehr fern anhörten, und griff sich an den Kopf. Er schmerzte. Wahrscheinlich wurden sie beide einfach achtlos auf den harten Boden geschmissen. Sie blickte sich weiter um und ihr fiel auch der Elf, welcher komplett verstört aussah, ins Blickfeld und sie wandte diesen wieder ab.
Sie versuchte, soweit es ihr die Ketten an den Füßen ermöglichten, sich hinzusetzen und musterte Azoth einen Augenblick, doch gerade als sie zu einem Satz ansetzen wollte, unterbrach sie ein weiterer Schrei, der durch die riesig scheinenden Hallen sein Echo gab.
Eine Tür, die gerade noch in dem Blickfeld ihrer Zelle lag, öffnete sich knarrend. Zwei gerüstete Männer schleiften einen bewusstlosen Mann durch den Gang und warfen ihn wie ein Stück Dreck in eine der Zellen. Er rührte sich nicht und seine helle Haut war von vielen Fleischwunden, die in rotem Blut untergingen, geprägt worden. Die beiden Männer verschwanden wieder hinter der Türe, und nur wenige Augenblicke darauf ertönte ein neuer schriller Schrei.
Miandra begann ungewollt zu zittern. Wohl aus Furcht und wegen der Kälte dieser dunklen Steinmauern. Sie brauchte einen Moment, um das alles zu realisieren.
„Wir werden nicht reden“, sagte sie schließlich mit leicht zittriger Stimme. „Egal was sie fragen, oder tun, wir werden nicht reden.“


Azoth sah, dass Miandra fror und vorallem zitterte. Er setzte sich neben sie und schlang beide Arme um ihren Körper. So musste es möglich sein sie etwas aufzuwärmen. Auch wenn er ihr die Furcht nicht nehmen konnte.
Er sah wie sie einen Mann wieder in seine Zelle schleiften, und daraufhin weitere Schreie folgten. Es war schrecklich was hier mit den Leuten gemacht wurde. Jetzt wusste er was Miandra und ihm bevorstand.
„Keine Sorge“, sagte er. „Wir kommen hier schon irgendwie raus. Und reden werden wir ganz bestimmt nicht, außerdem würde es glaube ich ohnehin nichts bringen. Wird es Euch mittlerweile ein Stück wärmer?“


Miandra wusste gerade nicht wie ihr geschah, und vor allem nicht was sie davon halten sollte. Wäre sie gerade an einem anderen Ort würde sie vor Wut ausrasten. Wie konnte er sich nur die Frechheit nehmen zu glauben was gut für sie sei, und ihr ohne sie überhaupt zu fragen so nahe kommen!?
Hätten sie die Schreie und blutenden Leute nicht so sehr aus der Fassung gebracht, wäre sie wohl ausgerastet.
„Ja“, erwiderte sie stattdessen nur knapp und sichtlich genervt darüber, und wandte sich aus dieser eigenartigen Stellung.
Einer der Gefängniswärter bekam wohl mit, dass sich die beiden nicht mehr im Schlummerland befanden und ging auf deren Zelle zu. Er war relativ dick, trug einen verschwitzen Bart, und seine Haut war sehr blass, woraus man wohl schließen konnte, dass er den ganzen Tag hier arbeitete. „Sieh an, ist unser Frischfleisch denn auch endlich wieder unter den... Lebenden?“, er begann gestört zu lachen und musterte die beiden.
„Wie schade, dass wir Euch erst später dran nehmen können... Aber wie Ihr seht, gibt es zu viele Verbrecher die auf eine angemessene Bestrafung warten.“
Er hielt eine Art Buch in der Hand, welches er aufschlug und kurz durchblätterte, bis er an einer Seite hängen blieb und eher mit sich selbst weitersprach.
„Ah... Mord... die Straßen Denerims mit Blut befleckt also, es aber noch nicht gestanden... und drei weitere sollen auch daran beteiligt gewesen sein... die Leichen wurden versteckt, doch nach diesen wird bereits gesucht.“
Er klappte das Buch wieder zu.
„Wir werden wohl viel Spaß zusammen haben“
, fügte er grimmig hinzu, grinste dabei wie ein Wahnsinniger, und ging den langen Flur entlang bis er die Holztür erreichte und hinter dieser verschwand.
„Wir müssen hier raus...“, stotterte Miandra nach einem zeitlosen Moment hervor.
„Niemand kommt hier raus...“, ertönte plötzlich eine gebrochene, schwache und zittrige Stimme, aus der Zelle neben ihnen. Es war der blonde Elf, welcher noch immer in der Ecke kauerte. „Niemand... niemand... kommt hier lebend raus...“


Der blonde Elf kroch näher an die Gitterstäbe heran, die seine Zelle von der trennte in welcher sich Miandra und Azoth befanden. Fest umklammerte er die Gitterstäbe und blickte mit seinem schmalen abgemagerten Gesicht hindurch.
„Niemand ... kommt hier raus. Zumindest nicht… nicht lebendig“, stotterte er. „Entweder, ihr werdet gefoltert… bis… bis ihr sterbt… oder… oder ihr bekommt sofort die Todesstrafe. Aber raus… raus kommt hier niemand.“
Er wandte sich mit dem Gesicht wieder ab und blickte starr und verletzt zu Boden.
Azoth hingegen näherte sich ihm an den Zellgittern.
„Sicher werden wir hier rauskommen. Ich werde mich hier sicherlich nicht bis zum Tod foltern lassen, und sie“, er deutete auf Miandra, „auch nicht. Das werde ich nicht zulassen.“
Genervt stand er auf, und ging zur Zellentür.
„Ich schwöre beim Erbauer. Der nächste der hier reinkommt, wird sterben.“ zischte er in die dunklen Ecken. Er würde einfach den Kopf des Gefängiswärters durch die Gitter ziehen, und anschließend seinen Kopf oder Hals verbrennen. Soviel Wut hatte er in sich, es konnte nur klappen. Egal was dann passierte die anderen würde er ebenfalls verbrennen. Das war ihm alles egal.


Miandra musterte den blonden Elf, der sich inzwischen zu Boden fallen gelassen hatte.
„Ich darf hier nicht sterben... ich darf noch nicht sterben...“, murmelte sie leise vor sich hin bevor sie zu Azoth blickte.
„Und wie genau ist Euer Plan... Ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass es hier nur zwei oder drei Wärter oder Wachen gibt, die man einfach so, ohne Rüstung, ohne Waffen, zu Boden strecken kann... Nein, wir wissen doch noch nicht einmal wo genau wir sind, geschweige denn was hinter dieser Tür auf uns wartet, ob es dort überhaupt einen Ausgang gibt...“
„Nein, wehrt euch nicht...!!“ stöhnte der blonde Elf erneut hervor. „Sie... sie stecken Euch... in den Keller... wenn Ihr Euch wehrt!“
„Keller?“, wiederholte Miandra.
Der Elf gab keine Antwort, sondern drehte sich nur zur Seite und begann ein Lied zu summen, welches die Stimmung nicht gerade hob.
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BeitragThema: Re: Kapitel XV - Festnahme   Di 16 Aug 2011, 7:57 pm

Vernita saß allein in Rowans Zimmer, in dem sie sich nach dem Vorfall mit Sareth einquartiert hatte. Die Stunden vergingen sehr langsam. Die Elfe hasste es zu warten und nichts unternehmen zu können. Insbesondere jetzt, wo jemand in höchster Gefahr schwebte, den sie sehr mochte. Obwohl sie quasi bewegungslos auf ihrem Schemel saß, war Vernita alles andere als ruhig, was man aber nur an ihren Augen erkennen konnte, die sich ständig hin- und her bewegten.
Die Elfe machte sich schwere Vorwürfe. Sie hatte sich so sehr damit beschäftigt, sich um Rowans Sicherheit zu bemühen, dass sie Miandra irgendwie vernachlässigt hatte. Zumindest kam es ihr so vor, auch wenn das eigentlich blödsinnig war. Trotzdem konnte sie dieses unangenehme Gefühl nicht loswerden. Sie wurde fast wahnsinnig bei dem Gedanken, was die Folterknechte der Festung der schwarzhaarigen Frau alles antun könnten. Und sie bekam mit einem Mal Angst.
Seitdem Vernita Miandra kannte, hatten sich nach langer Zeit wieder Gefühle in ihr breit gemacht, die sie seit dem Tod ihrer Familie für immer verloren geglaubt hatte. Was würde nun geschehen, wenn sie im Kerker der Festung nur noch die Leiche der schwarzhaarigen Frau finden würde? Was würde dann aus ihr werden? Würde sie sich wieder in das gleiche mordlüsterne Monstrum verwandeln, dass sie jetzt schon so lange verkörperte? Oder würde sie sich selbst das Leben nehmen, da sie aller Hoffnung auf eine bessere Zukunft für immer beraubt worden war?
Sie versuchte diese Gedanken zu verdrängen, sie einfach abzustreifen, doch es gelang ihr nicht. Stundenlang zermarterte sie sich das Hirn mit dieser Frage. Irgendwann wurde es ihr zu viel. Ruckartig stand die Elfe auf und verließ das Zimmer. Da schon einige Zeit vergangen war, entschloss sie sich dazu, sich auf dem Weg zum Markt zu machen. Mit etwas Glück würde Cesar ihren Anhänger bereits fertig gestellt haben.
Schweigend und mit gesenktem Haupt ging sie durch die Straßen Denerims. Sie beachtete niemanden und wurde von niemandem beachtet. Sie tauchte in der Menge unter, schlängelte sich durch das Gedränge des Marktplatzes und ignorierte das Gerede der Leute. Erst als sie ihr Ziel erreicht hatte, hellten sich ihre Gesichtszüge auf. Mit einem breiten Grinsen auf den Lippen nährte sie sich dem Verkäufer des Marktstandes.
„Cesar, mein Freund“, begrüßte sie den Mann mit gespielter Herzlichkeit. „Seid Ihr mit der Arbeit an meinem Anhänger schon fertig? Es wäre wirklich zauberhaft, wenn ich ihn heute schon bekommen könnte.“
„Ihr habt Glück, Lady Vernita“, erwiderte der braunhaarige Mann übertrieben freundlich, während er eine kleine Schmuckschatulle unter seinem Marktstand hervorkramte, diese öffnete und den Anhänger herausnahm. „Mein Geschäftspartner war vor ein paar Augenblicken hier und hat das gute Stück wieder mitgebracht. Ich hoffe, es gefällt Euch.“
Die Elfe nahm den Anhänger entgegen und begutachtete genau die neue Gravur. „Es ist wunderschön geworden“, lobte sie die Arbeit, bevor sie in die Tasche griff und fünf Sovereigns herauszog, die sie Cesar in die Hand drückte. „Hier das ist für Euch. Für Eure Mühen. Und drückt Eurem Geschäftspartner meinen Dank aus. Er hat nun was gut bei mir.“
„Aber, aber, nicht doch, Lady Vernita“, beschwichtigte sie der Händler, wobei er abwehrend beide Hände hob. „Ihr habt für ihn schon soviel getan, indem Ihr der Schlange die Zähne gezogen habt. Und auch Eure zukünftigen Unternehmungen werden meinem Partner und mir sicher sehr zu Gute kommen. Ihr schuldet uns daher nicht das Geringste.“
„Vielen Dank, Cesar. Ich denke, dass es in Denerim bald wieder recht turbulent zugehen wird. Euer Partner und Ihr solltet Euch also im Moment langfristige Investitionen gut überlegen. Nicht das Ihr am Ende Euer Geld in den Sand gesetzt habt.“
„Keine Sorge“, grinste Cesar. „Wir haben uns schon so etwas gedacht und werden dementsprechend handeln. Gehabt Euch wohl, gute Frau.“
„Ja, ich wünsche Euch auch alles Gute, alter Freund“, verabschiedete Vernita sich, bevor sie sich abwandte und wieder in der Menge verschwand. Sie steuerte umgehend die nächste Seitengasse an. Nachdem sich die Elfe vergewissert hatte, dass sie allein war, öffnete sie das Amulett, welches sie von Cesar bekommen hatte und nahm den kleinen Zettel heraus, der darin lag. Anschließend steckte sie das Schmuckstück in ihre Tasche.
Nun las sie sich die Nachricht auf dem Stück Papier in aller Ruhe durch, wobei sich ein böses Grinsen auf ihre Lippen legte. Anschließend machte sie sich wieder auf den Weg zur Taverne.


Gegen Nachmittag begab sich Rowan hinunter in den Schankraum. Sie hatte ihre Ausrüstung überprüft und war eine Weile rastlos in dem Zimmer umher geschlichen. Das Warten und Nichtstun drückte auf ihre Stimmung.
Der Schankraum war leer und sie setzte sich an einen der Tische und bestellte beim Wirt einen Eintopf als verspätetes Mittagessen und dazu eine Weinschorle. Während sie ihr Essen verspeiste wartete sie auf ihre Gefährten.


Vernita betrat die Taverne. Sie sah sich kurz um und erblickte sofort Rowan, die an einem der Tische saß und sich einen Eintopf zu Gemüte führte. Die Elfe setzte sich kurzerhand zu ihr, obwohl sie nichts essen wollte. Sie hatte schon den ganzen Tag keinen Hunger gehabt.
„Sind alle mit ihren Vorbereitungen fertig?“ fragte sie knapp. „Oder ist noch jemand unterwegs?“


Lydia saß mit Leanora im Zimmer und dachte nach. Schließlich stand sie doch auf und ging hinunter in den Schankraum. Dort saßen Rowan und Vernita alleine an einem Tisch und sie setzte sich dazu.
„Ich hoffe doch ich störe nicht. Vernita, ich möchte Euch etwas fragen oder besser um etwas bitten. Ihr seht aus, als wärt ihr skeptisch, ob ich dabei sein kann. Deswegen bitte ich Euch um einen Fechtkampf vor dem Stall. Wer zuerst zu Boden geht der verliert. Und ich möchte Euch nicht nur beweisen, dass ich es kann, ich würde gerne etwas üben und in Form bleiben. Würdet Ihr mir die Ehre erweisen?“ fragte sie und wurde etwas rot.


Vernita sah Lydia mit einem verächtlichen Blick aus den Augenwinkeln ins Gesicht. Dann schüttelte sie nur den Kopf.
„Hör zu, Kleine. In meiner augenblicklichen Verfassung bin ich nicht in der Lage, mit dir einen Übungskampf zu bestreiten. Nein, glaube mir, ich würde dir schneller den Kopf abschlagen, als du ‚piep‘ sagen kannst“, erwiderte die Elfe sichtlich genervt. „Sollten wir den nächsten Tag überleben, dann können wir vielleicht noch mal darauf zurückkommen. Und du kannst mir morgen früh noch zu genüge beweisen, was du drauf hat. Entweder bist du gut, oder die Wachen werden dich erledigen. So einfach ist das. Außerdem dürfen wir keine Aufmerksamkeit erregen, und du solltest deine Kräfte sparen. Du wirst sie noch brauchen.“
Vernita machte eine kurze Pause, in der sie sich mit beiden Händen über die Augen rieb. „Zudem werden wir uns nicht mehr lange hier aufhalten. Sobald alle wieder hier sind, werdet ihr zu unserem neuen Freund, den Schmied gehen, während ich noch etwas zu erledigen habe.“


„Nun gut, ich werde irgendwann wieder drauf zurückkommen. Wir werden alle überleben, ganz bestimmt“, lächelte sie verlegen.
„Ich wollte heute noch etwas erledigen, wenn Ihr erlaubt. Ich habe fast alles, aber mir fehlen noch ein paar Dinge. Ich kann mich ungesehen und unauffällig bewegen“, sagte Lydia und holte einen kleinen Rubin hervor.
„Bitte sehr. Der ist für Euch. Ich hoffe er gefällt Euch“, lächelte sie zaghaft.


„Was soll ich mit diesem Tand, Kleine?“ fragte Vernita abfällig. „Ich brauche keinen Schmuck. Und da ich davon ausgehe, dass dieser Stein gestohlen ist, könnte ich ihn auch nur an einen Hehler verkaufen, ohne Gefahr zu laufen, dafür nicht gleich eingelocht zu werden. Und um einen Hehler aufzusuchen fehlt mir ebenfalls die Zeit. Also behalte deinen Stein ruhig, bis wir eine sinnvolle Verwendung dafür gefunden haben.“
Die Elfe überlegte kurz. „Was hast du denn vor, Kleine? Ich dulde keine illegalen Aktivitäten, bis wir diese Operation abgeschlossen haben, verstanden? Wir können es uns nicht leisten, die Aufmerksamkeit der Wachen auf uns zu lenken, nur um noch mehr Tand in unseren Besitz zu bringen. Außerdem brauchst du nichts weiter. Schließlich spielst du unsere Gefangene, schon vergessen? Und das bedeutet, dass du weder Waffen noch Rüstung tragen wirst. Es soll ja immerhin echt aussehen, nicht wahr? Sonst wäre diese ganze Aktion absolut sinnlos.“


Als Leanora alleine im Zimmer war, konnte sie nicht widerstehen: Sie probierte das Kleid an. Alleine konnte sie zwar die Knöpfe im Rücken nicht alle zu machen, am nächsten Morgen würde ihr eine der Damen oder Lydia helfen müssen. Aber an der Taille saß es perfekt, der Ausschnitt war V-förmig und ließ viel von ihrem makellosen Dekolleté sehen, auch den Ansatz ihrer festen Brüste. Die Spange befestigte sie noch so, dass es den Lockenkranz betonte. Ob sie die Rose auch noch anstecken sollte? Aber nein, das wäre dann doch zu viel des Guten.
Die Zeit flog schneller dahin, als ihr lieb war. Noch immer wusste sie nicht wirklich, wie sie den Kommandanten um den Finger wickeln würde, aber es kam auch darauf an, welcher Charakter ihr da gegenüber trat. Sie hoffte, dass es kein alter, speckiger, griesgrämiger war. Wenn sie sich schon verstellen musste, würde ihr das bei einem attraktiven, netten Menschen leichter fallen.
Ihr Magen knurrte, der Hunger stellte sich ein. Andererseits war ihr übel. Wo würden sie ab morgen wohl etwas vernünftiges zu essen herkriegen? Mittlerweile fühlte sie sich in dieser Herberge direkt wohl. Und wie sie die Pferde und Hunde nachholen würden war ihr auch noch ein Rätsel.
Seufzend zog sie wieder ihre weichen Hosen an und machte sich auf den Weg in den Schankraum, um langsam etwas zu essen zu bestellen. Ein letzter Blick in den beschlagenen Spiegel, der am Flur hing, ließ sie schmunzeln. Die dunkleren Haare und die Frisur war völlig ungewohnt, aber auch wirklich gelungen. Sie musste beinahe zweimal hingucken, um zu sehen, dass es wirklich ihr eigenes Spiegelbild war.
Als sie im Schankraum ankam, saßen die meisten ihrer Gefährten bereits am Tisch.
Sie lächelte in die Runde und setzte sich dazu.
„Habt Ihr auch so Hunger wie ich? Was gibt‘s denn heute?“


„Wen haben wir denn da?“ fragte Vernita mit einem schiefen Grinsen auf den Lippen. „Jetzt seht Ihr wirklich aus wie eine Prinzessin, Leanora. Manchmal wünschte ich mir, dass ich ebenso gut aussehen könnte. Das hätte mir das Leben als Meuchelmörderin sehr vereinfacht. Ihr würdet bestimmt eine großartige Assassine abgeben, wisst Ihr das?“


„Eine... äh das ist aber nicht Euer Ernst Vernita? Ich glaube, dazu bin ich viel zu brav erzogen worden. Aber vielen Dank für das Kompliment.“ Sie lachte hell auf.
Der Wirt kam herbei, auch ihm fiel die Kinnlade nach unten.
„Äh... ja. Rotwein?“
Leanora nickte, und fragte, was es zum Essen gab.
„Heute gab es frischen Fisch, und dazu Kartoffeln. Oder ein Wild-Gulasch mit Preiselbeeren und Knödel dazu.“
„Dann das Wild bitte. Dazu passt dieser herrliche Wein besser.“ Sie nickte dem Wirt lächelnd zu, und wandte sich wieder an Vernita. „Dennoch hab‘ ich vor morgen ganz schön Bammel. Wie komme ich an meine Waffen? Und das mit den Pferden muss ich auch noch klären...“


„Waffen... Wäre von euch jemand so gut und würde meine Waffen, die ich in meinen Mantel wickle, für mich mitzunehmen? Meinen Bogen kann dann ja jemand von euch als seinen eigenen tragen. Ich würde nur gerne mit meinen Waffen kämpfen.“
Lydia blickte Leanora an und grinste. „Ich kann immer essen.“


„Nach dem ersten Mord wird es viel einfacher, glaubt mir. Nur um Eure Pferde wird sich der Wirt kümmern müssen, bis wir die Stadt verlassen, fürchte ich“, meinte Vernita auf Leanoras Frage hin. „Bezahlt ihm extra was dafür, damit er sie gut behandelt.“
Dann warf die Elfe einen genervten Blick auf Lydia, als diese sich zu Wort meldete. „Keine von Euch beiden wird Waffen tragen, wenn wir das Gefängnis betreten, verstanden? Ihr spielt eine reiche Adelige Leanora und du eine gefangene Diebin Lydia, da wären Waffen äußerst unpassend. Ich dachte das wäre klar. Nur Sareth und ich werden bewaffnet sein. Sobald wir unsere Gefährten gefunden haben, werden der Söldner und ich diese tragen, während ihr unsere Waffen bekommt, um uns zu verteidigen. Und keine Panik. Ich kann mich auch zur Not ohne Waffen verteidigen. Außerdem werde ich trotzdem mein Messer mitnehmen. Das bekomme ich schon unbemerkt in den Knast.“


„Ich werde keine Waffen tragen, das habe ich nicht vor, aber ich bitte euch“, sagte Lydia und legte ihr geschwungenes Schwert auf den Tisch. Es war etwa in der Mitte geteilt zwischen Griff und Klinge. Der Griff war goldbeschlagen, die Klinge blank und silbrig.
„Würdet ihr das für mich hineinschmuggeln?“


„Das war mir klar, dass ich unbewaffnet da rein muss. Aber ich würde doch ganz gerne mitkämpfen oder mich verteidigen können, wenn es brenzlig wird. Solange ich eine Waffe kriege ist mir das egal. Gottlob hat das Kleid keinen Reifrock, damit wäre es um einiges schwieriger.“
Innerlich musste sie bei dem Gedanken lächeln. Weit schwingende Röcke, dazu eine Korsage, in der man kaum Luft bekam... ja solche Gewänder hatte sie oft genug getragen. Auf einem Ball mochte das ja auch sehr schön sein, aber wenn man dann laufen und kämpfen musste, war sie doch froh, ein schlichteres und dennoch sehr elegantes Kleid zu tragen.
Ihr Essen wurde aufgetischt, sogar ein Salat wurde gereicht. Die Weinkaraffe wurde nochmal aufgefüllt, und Leanora aß mit sichtlichem Genuss. Wusste der Erbauer allein, wann sie das nächste Mal wieder eine vernünftige und wohlschmeckende Mahlzeit erhalten würde.
Die Gedanken an Miandra und Azoth schob sie erst einmal bei Seite. Sie konnte es sich auch nicht vorstellen, was die beiden mitmachten, schließlich hatte sie noch nie eine Folterung gesehen, geschweige denn am eigenen Körper erlebt.


Vernita merkte, dass sie langsam wütend wurde. Konnte oder wollte diese kleine Göre sie nicht verstehen. Sie musste sich stark zusammennehmen, um nicht handgreiflich zu werden.
„Und wie soll ich das anstellen, Kleine?“ fragte sie sichtlich genervt. „Soll ich mir das Ding vielleicht in den Arsch schieben und hinterher wieder herausziehen, oder was? Du kämpfst mit dem Langschwert einer Stadtwache oder gar nicht. Wenn du dazu nicht in der Lage bist, dann bist du für unser Unternehmen nutzlos, kapiert?!?“


Rowan hatte mittlerweile ihren Eintopf leer gegessen und beobachtete schweigend den Disput der beiden. Das Mädchen schien etwas weltfremd zu sein. Ob es wirklich sinnvoll war, sie mitzunehmen? Rowan war dagegen, dass sie mitkam. Sie war noch zu jung und im schlimmsten Fall stand sie im Weg und gefährdete die Aufgabe. Doch wenn es für die anderen in Ordnung war, dann würde sie sich nicht einmischen.
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BeitragThema: Re: Kapitel XV - Festnahme   Di 16 Aug 2011, 8:04 pm

Plötzlich ertönte wieder das knarrende Geräusch der Türe. Dieses Mal zerrten sie eine Frau mit braunen Haaren zurück in eine der Zellen, und näherten sich der ihren. Miandras Herzschlag schien wieder auszusetzen, doch sie gingen auf die Zelle des blonden Elfs zu.
„Wie oft sollen wir dir noch sagen, dass du dieses blöde Lied aufhören sollst zu trällern wie ein dummer Vogel, Darius. Träller uns lieber ein paar Namen.“
Sie öffneten die Zellentür des Elfs, doch er ignorierte sie einfach und summte weiter sein Lied, mit Tränen in den Augen. Einer der Männer verpasste ihm einen Tritt direkt in die Magengegend, sodass er kurz verstummte. Anschließend packte jeder von ihnen einen seiner Arme, und so zogen sie ihn hinter sich her wie einen halbvollen Getreidesack. Darius blickte Azoth und Miandra noch kurz mit seinen blaugrünen glasigen Augen an, bevor er hinter der Holztür verschwand.
Miandra begann es zu schütteln, und ihr Gefühl sagte ihr, dass sie den Elf das letzte Mal gesehen hatten.


Azoth blickte dem Elf hinterher, der hinaus gezerrt wurde. Kurze Zeit später hörte man schreckliche Schreie, die nach nicht so langer Zeit verstummten. Er lehnte sich an die Wand und seufzte, während er seine Augen schloss. Eigentlich dachte er, dass sie den Elf nun zurück bringen würden. Aber irgendwie war das nicht der Fall.
Er schreckte auf als die Türen wieder geöffnet wurden, und fünf kräftige, verschwitze Männer in Stahlrüstungen an ihre Zelle traten.
„Wir werden nun viel Spaß zusammen haben. Für Euch steht die Leibesfolter bereit“, lachte der eine verrückt.
Daraufhin betraten die anderen vier Männer die Zelle, jeweils zwei um Azoth zu holen, und zwei für Miandra. Einer der Männer hielt sie fest, mit den Händen am Rücken während der andere Kettenlose Handschellen anbrachte, die nicht an der Wand befestigt waren.
Azoth holte mit seinem Ellenbogen aus, und schlug dem Mann auf die Nase, woraufhin ein Knacksen zu vernehmen war. Die anderen reagierten schnell, und schleuderten eine Keule gegen Azoths Knie. Er brach zusammen und stieß einen schmerzvollen Schrei aus.
„Lass dir das eine Lehre sein! SPITZOHR!“, schrie ihn der eine an.


Miandra zitterte am gesamten Körper vor Angst, wehrte sich jedoch nicht. Es würde nichts bringen, sie waren angekettet, trugen keine Rüstung, keine Waffen und waren in der Unterzahl. Sie zuckte zusammen, als sie sah wie die Keule mit voller Wucht gegen Azoths Bein krachte.
„Oh hast du etwa Angst, Püppchen?“, sagte einer der Männer, der Miandra am Oberarm festhielt, mit einem nahezu animalischen Grinsen.
Miandra sagte nichts, sondern blickte weiterhin zu Azoth.
In der Zwischenzeit wurden die Ketten, welche an den Mauerwänden befestigt waren geöffnet, die an den Bein- und Armgelenken blieben jedoch bestehen.
„Na hoffentlich werdet ihr beide bald redseliger“, fügte der Mann hinzu und zog Miandra ruckartig mit sich mit, sodass sie beinahe umfiel, aufgrund der Ketten an den Füßen.
Sie zerrten die beiden aus der Zelle, immer näher in die Richtung der Holztür, und betraten den nächsten Raum.
Lange Ketten und Seile hingen von den hohen Wänden herab. Riesige Fässer, standen in den Ecken. Streckbänke füllten den Raum, sowie einige andere Foltergegenstände, von denen Miandra noch nie etwas gehört hatte, jedoch nur ahnen konnte, wie sie eingesetzt werden würden. Alles war blutverschmiert, und Sauberkeit, war hier wohl ein Fremdwort.
Die Knechte zogen sie weiter in den Raum hinein, und schlossen die Türe mit einem lauten Knall, der in diesem Raum des Todes und der Qual widerhallte. Miandra erspähte eine Tür, welche ebenfalls geschlossen war. War dies der Ausgang... oder eher eine weitere Tür, in diesem großen Labyrinth.
Sie blieben in der Mitte des Raumes stehen.
„Also passt jetzt gut auf!“, begann der fette Kerl, der Miandra mit festem Griff am Oberarm festhielt, so dass sich sein Panzerhandschuh leicht in ihre Haut bohrte. Er zeigte auf eine Art Schraubzwinge, die an einem Holztisch befestigt war.
„Dort könnten wir deinen hübschen Kopf einspannen, und so lange schrauben, bis er wie eine Weintraube aufplatzt!“
Er zeigte auf eines der Fässer in den Ecken. „Dort drüben könnten wir dich so lange kopfüber ins Wasser eintauchen, bis du erstickst! Oder...“
Er nahm ein Messer von einem der Tische neben welchen er stand. „Oder, wir schneiden dir langsam zarte Schnitte in deinen hübschen Körper, und ziehen dir die Haut ab!“
Er hielt ihr das Messer an die Kehle.
Miandra blieb regungslos stehen. Sie wusste, er würde ihnen alle Foltermöglichkeiten die sie zur Verfügung hatten vorstellen, in der Hoffnung sie würden so gleich ein Geständnis oder einen Namen erhalten, ohne sich erst die Mühe machen zu müssen, sie auf irgendeines der Geräte zu spannen.
Einer der Männer der Azoth festhielt zog ihn nun ebenfalls näher an den Tisch, auf welchem alle möglichen Foltergegenstände lagen. Er griff nach einer Art Walze, die mit Eisendornen übersät war.
„Wir könnten, dir auch mit diesem wunderschönen gespickten Hasen über die Brust rollen… oder wir peitschen dich aus, bis du verblutest… oder spannen dich in der Steckbank ein, und ziehen so lange daran, bis dir jedes deiner Glieder ausreist... oder wir stellen Gewichte auf deinen Körper, bis dein Brustkorb bricht... oder wir jagen dir Nägel in deine Hände und Beine... oder verbrennen deine Füße… oder schneiden dir deine Ohren ab!“
„Ihr werdet kein Geständnis von uns erhalten, da wir nichts mit der Sache zu tun haben“, unterbrach Miandra, blickte jedoch gegen eine Wand. Ihre Stimme zitterte leicht, doch sie versuchte es trotzdem. Was hatte sie jetzt noch zu verlieren?
Die gepanzerten Männer begannen zu lachen.
„Also schön, wenn ihr beide es unbedingt auf die harte Tour wollt!“, er zerrte Miandra mit sich, blieb vor der Streckbank stehen und zeigte mit dem Messer in die Richtung einiger Ketten die an der Wand befestigt waren. „Fesselt den Elf dort drüben, er darf vorerst zusehen.“


Sie zogen die Ketten stramm, sodass Azoth fest an die Wand gedrückt wurde, und sich keinen einzigen Schritt mehr bewegen konnte. Das Metall schnürte sich tief in seine Haut, und er würde bestimmt einige Blutergüsse davon tragen. Einer der Knechte blieb neben ihm stehen und hielt ihm ein Messer an die Kehle.
„Sehr gut“, wandte der Dickste der fünf Männer ein, welcher Miandra am Oberarm festhielt. „Thomas, Roy, ihr könnt Pause machen, den Rest schaffen wir auch zu dritt.“
Ohne Widerrede gingen die beiden zu der Türe, welche Miandra zuvor schon ins Blickfeld geraten war, sperrten diese auf und verschwanden dahinter. Sobald sich die Tür wieder geschlossen hatte, und man hören konnte, wie diese abgesperrt wurde, fuhr der dicke Kerl fort: „Was meint ihr Männer, vielleicht sollten wir uns vorher mit der Kleinen vergnügen, solange wir ihren Körper noch nicht entstellt haben.“
Miandra blickte mit geweiteten Augen zu dem Dicken, und ehe einer der anderen beiden etwas antwortete, zerrte er sie in eine Ecke. Ihr Puls begann zu rasen, aus Angst und Wut. Lieber würde sie jede dieser Foltermethoden ertragen müssen als von diesem fetten stinkenden Kerl angerührt zu werden.
Ohne weiter nachzudenken riss sie sich von ihm mit einer schnellen Bewegung mit welcher er nicht gerechnet hatte los, holte aus und ließ die Kette die an ihren Armgelenken befestigt war direkt in sein Gesicht schnalzen. Auch damit hatte er nicht gerechnet.
„Du blöde Schlampe!“, schrie er laut und erzürnt auf, und griff sich automatisch mit beiden Händen schützend aufs Gesicht. Miandra schaffte es jedoch nur sich wenige Schritte von ihm zu entfernen, da sie mit den Ketten an den Füßen nicht laufen konnte, und wurde sofort von den anderen beiden abgefangen, so dass Azoth nun alleine angekettet an der Wand stand, und stattdessen Miandra das Messer an die Kehle gehalten wurde.
„Du bist ein echtes Tier Ingo, du hattest doch vorher schon deinen Spaß mit dieser Brünetten“, sagte der mit dem Messer lachend zu dem Dicken, bevor er Miandra mit einem lüsternen Blick musterte. „Aber reizvoll wäre es schon…“
„Ach lasst uns einfach unsere Arbeit machen, verdammt, ihr wisst doch was letztens passiert ist“, wandte sich der Dritte dazwischen.
Inzwischen hatte sich der Mann, welcher wohl Ingo hieß, wieder erholt und ging rasend auf die anderen beiden zu. „Haltet beide die Klappe, ich habe hier das Sagen!“
Er blickte zu Miandra. „Und du wirst jetzt sehen, was du davon hast, frech gewesen zu sein!“

Er nahm keine Rücksicht auf das Messer an ihrer Kehle und gab ihr eine Ohrfeige. Wäre sie nicht von den anderen beiden festgehalten worden, wäre zu Boden gestürzt, und hätte der Eine das Messer nicht reflexartig weggezogen, wäre sie tot. Für einen kurzen Moment drehte sich alles um sie herum und ihre Wange brannte wie Feuer. Blut floss aus ihrem Mund, da ihr Zahnfleisch aufgeplatzt war, und an ihrer Wange waren rote Kratzer zurückgeblieben aus denen nun ebenfalls Blut trat, da Ingo einfach mit seinem Panzerhandschuh zugeschlagen hatte.
„Aber vielleicht steht sie ja eher auf Schmerzen… Los kettet sie an, ich hole inzwischen das passende Spielzeug“, er drehte sich in Azoths Richtung. „Und du Kleiner, sieh ja gut zu!“
Er ging zu dem Tisch und die anderen beiden taten wie ihnen befohlen. Sie verbanden Miandras Armketten mit denen die von der Decke herabhingen, sodass sie mit dem Kopf zur Wand starrte und ihre Arme nach oben gestreckt wurden, da die Ketten ziemlich kurz waren und sie schon fast auf Zehenspitzen stehen musste.
Inzwischen kam Ingo zurück, und die anderen beiden platzierten sich neben Azoth, dessen Blick genau auf das Schauspiel gerichtet war. In Ingos Rechter befand sich eine Art Peitsche, an der sich jedoch eine gezackte Kette befand, die an Rosendornen erinnerte. Er ging auf Miandra zu und steckte ihr ein Holzstück in den Mund.
Auch wenn sich in ihrem Mund teilweise noch Blut befand, und das Holzstück widerwärtig schmeckte, biss sie darauf, und presste die Augen zusammen als sie ein Surrendes Geräusch vernahm.
Und spürte den ersten Schlag.
Spürte wie sich die Dornen tief in ihre Haut am Rücken bohrten, wie unzählig viele kleine Widerhaken, und ihr diese aufrissen. Es brannte wie Feuer, schmerzte mehr als alles was sie bisher ertragen musste, und sie stöhnte qualvoll auf.
Ingo lachte wahnsinnig und schlug noch weitere Male zu, solange bis ihr gesamter Rücken blutüberströmt war. Jeder Schlag war schmerzvoller als der vorherige, und trotzdem spürte sie noch wie das warme Blut zu Boden tropfte. Sie versuchte an etwas anderes zu denken um den Schmerzen so entgehen zu können, doch dies war nur ein Wunschtraum.
Ein klapperndes Geräusch wies darauf hin, dass Miandra das Beißholz aus dem Mund fallen ließ.
Ingo grinste und ging auf sie zu. Er packte sie an den Haaren, und drehte sie in seine Richtung. Ihr Gesicht war bleich, entkräftet, Schweißperlen standen ihr auf der Stirn und Blut lief über ihre Lippen. „So du Hure, rede, oder ich schlage dir jegliches Gefühl aus dem Körper!“
Miandra spuckte ihm ins Gesicht.
Verärgert über diese Frechheit trat er ihr mit dem gepanzerten Knie in den Magen. Sie stöhne auf, zuckte zusammen, und spürte wie sich das Metall an ihren Handgelenken immer weiter in ihre Haut bohrte, und wie ihre Arme immer schwerer zu werden schienen.
„Du blödes Miststück...“ fluchte Ingo weiter, während er sich den Speichel aus dem Gesicht wischte und öffnete die Ketten, sodass sie einfach zu Boden stürzte. Dort versetzte er ihr weitere Fußtritte, und seine Augen funkelten dabei wutentbrannt. Nun hatte er einen persönlichen Grund sie zu foltern.
Nachdem er ihr um die acht Mal in den Bauch getreten hatte, und sich ihre Augen mit Tränen vor Schmerzen gefüllt hatten, packte er sie brutal an den Haaren und schleifte sie daran zu der Streckbank, wobei sich eine Blutspur am Boden bildete aufgrund der Wunden an ihrem Rücken.
Er zerrte sie auf die Bank und öffnete die Ketten, um ihre Arme und Beine an den vorgesehenen Fesseln befestigen zu können. Sie schrie leicht auf als sie mit dem Rücken auf das harte Holzbrett knallte, spürte jedoch bereits wie ihr Körper schwächer wurde, merkte, dass sie zitterte und alles bereits nur noch verschwommen vor sich sah, und die Stimmen und das Gelächter der Knechte in ihren Ohren zu hallen schienen.
Igno ging erneut zum Tisch und griff wieder einmal nach dem Messer. Anschließend stellte er sich neben die Streckbank und flüsterte Miandra ins Ohr: „So, nun werde ich auch noch die Vorderseite deines Körpers wie ein Kunstwerk verschönern.“


Azoth konnte den Anblick nicht ertragen, sodass er immer wieder wegsehen wollte, jedoch von den Männern neben ihm gezwungen wurde wieder hinzusehen. Er spürte, wie sich die Ketten immer weiter in seine Haut bohrten und er sie am liebsten einfach durchgerissen hätte, um über diesen Ingo herzufallen. Seine Wut schien in diesem Moment unermesslich zu sein, doch er wusste auch, dass er seine Kräfte hier nicht einsetzen konnte. Es würde das Ganze wahrscheinlich nur noch schlimmer machen.
Zudem fühlte er sich schuldig. Wäre er nicht über Miandras Eltern hergefallen, mitten am Marktplatz, und hätte er sie nicht in diese Gasse gezerrt, wären sie nun nicht hier, würden ihr das nicht antun. Es war seine Schuld, davon war er überzeugt. Und dennoch konnte er nichts unternehmen.
Er durfte ihnen die Wahrheit nicht sagen. Sie würden sie töten, Suche auf die anderen machen um mit ihnen dasselbe zu tun, und Miandra würde ihn dafür wohl selbst noch im Nichts verfluchen. Doch Lügen? Was sollte er sagen? Was würde glaubwürdig erscheinen? Aber wie sollte er noch länger zusehen?
„Verdammt, lass sie in Frieden, du Speckschwarte!“, schrie er plötzlich voller Zorn zu Ingo, der gerade zu einem Schnitt mit dem Messer ansetzen wollte.
Dieser hob den Kopf verärgert über den Kommentar.
Azoths Gehirnzellen arbeiteten auf Hochtouren, er musste Lügen, er konnte nicht länger zusehen.
„Sie hat damit nichts zu tun! Ich war es der die beiden umbrachte, und ich wollte ihr den Mord anhängen. Sie hat... mich betrogen, mit einem anderen, doch solche Qualen hat sie nicht verdient, das ist mir nun klar! Ich hatte vier weitere Helfer, sie war nicht dabei, ich habe zuvor ihren Dolch gestohlen. Es war alles geplant. Ich wollte heute die Stadt verlassen, doch die Wachen kamen mir zuvor“, er hielt inne, denn was Besseres fiel ihm auf die Schnelle nicht ein und er wusste nicht, ob sie ihm die Geschichte abkaufen würden. Der Augenblick schien ihm gerade endlos vorzukommen und er spürte nur, wie ihm der Schweiß langsam von der Stirn über die Schläfen lief.
Ingo blieb stehen und schien nachzudenken.
„Antonio, schaff sie zurück in ihre Zelle.“
„Sehr wohl…“, erwiderte einer der Männer die neben Azoth standen und machte sich daran die Fesseln an der Streckbank zu öffnen.
Ingo beugte sich noch einmal nach unten. „Keine Sorge, mit dir bin ich noch nicht fertig…“, flüsterte er ihr ins Ohr, ging auf Azoth zu und musterte ihn durchdringend.
„Schön, wo sind deine angeblichen ‚Helfer‘ jetzt?“
„Sie sind alle tot“, erwiderte Azoth, und versuchte kalt rüber zu kommen.
„Tot?“
„Ich habe sie vergiftet, war ganz einfach, aber ich brauchte sie schließlich auch nur um die anderen beiden umzubringen...“
Plötzlich stürzte sich Ingo auf ihn und drückte ihn noch weiter an die Wand, wobei sich seine Gesichtszüge schlagartig verändert hatten. „Wenn du glaubst, du kannst mich verarschen, dann hast du dich gewaltig geirrt Kleiner! Ich mache diese Arbeit nun seit fünfzehn Jahren! Aber mal sehen, ob du nach ein paar Stunden Aufenthalt im Keller noch immer von deiner Meinung so sehr überzeugt bist, wie gerade eben... und wenn doch, dann freue dich auf den Galgen für sechsfachen Mord!“
Er löste sich von Azoth, und in der Zwischenzeit hatte Antonio Miandra zurück in die Zelle gebracht und machte sich schon daran, die Ketten zu öffnen.
Der dritte Folterknecht nahm eine Art Jutesack vom Tisch und stülpte diesen über Azoths Gesicht. Nachdem er nicht mehr an der Wand festgekettet war, packten ihn einer links, und einer rechts am Oberarm und folgten Ingo, der die Führung übernahm.
Azoth selbst, sah kaum etwas durch den Sack, er merkte nur, dass sie durch einige Türen gingen, und später endlos scheinende Treppen hinabstiegen.
Plötzlich zogen sie ihm den Sack vom Kopf, und er blickte sich um. Sie waren in einem dunklen Raum, der mit mehreren Türen verbunden war.
„Viel Spaß“, sagte Ingo nur noch voller Sarkasmus, öffnete eine der Türen, und gab Azoth einen kräftigen Schubs, sodass er hinein torkelte.
Die Tür wurde blitzschnell geschlossen und mehrfach verriegelt.
Azoth sah nichts außer Schwärze. Er sah seine eigene Hand nicht vor Augen, sah nicht, wie groß der Raum war, oder was sich darin befand. Plötzlich hörte er ein eigenartiges Geräusch, als würde jemand eine quietschende kleine Türe öffnen, und gefolgt davon eine Art Surren.
Plötzlich spürte er wie ihm etwas an den Beinen hinauf lief. Er zappelte herum um es abzuschütteln, doch es schien nichts zu bringen, sondern nur noch mehr zu werden.
Es fühlte sich an wie tausende kleiner Insekten. Einige von ihnen bissen in seine Haut, andere krabbelten immer weiter nach oben, wo sie selbiges taten. Er schlug um sich, klatschte auf seinem Körper herum um sie zu töten, doch es schien nichts zu bringen. Er wusste nur eines, er musste sie von seinem Gesicht fern halten, so lange wie möglich...


Achtlos warf Antonio Miandra in eine der Zellen und verriegelte die Gittertür, bevor er wieder hinter der Holztür verschwand.
Miandra blieb einige Augenblickte regungslos am Bauch liegen, bevor sie sich an den Armen leicht nach oben hob und sich übergab. Noch immer schien sich alles um sie zu drehen, und sie wusste nicht was mehr schmerzte: ihr Kiefer, Magen oder Rücken. Alles schien zu brennen, zu pochen, wie wenn sie ihren Herzschlag an jeder einzelnen Stelle ihres Rückens spüren würde. Sie hätte am liebsten laut geschrien, doch dafür fehlte ihr die Kraft.
Sie krallte sich am Boden fest und zog sich mit letzter Kraft etwas zur Seite, aufgrund des Gestankes des Erbrochenem. Dort ließ sie sich wieder niedersacken, und ihre Gedanken begannen zu kreisen.
Sie verstand nicht alles, was dieser Ingo mit Azoth gesprochen hatte, doch scheinbar schaffte er es irgendwie sie von einer Folter zu entziehen. Sie hoffte nur, betete gedanklich zum Erbauer, auch wenn sie an diesen nicht mehr glaube, dass er ihnen nicht die Wahrheit sagen würde.
Plötzlich begann sich in der Zelle neben ihr eine Frau zu wälzen, zu schreien wie wahnsinnig. Sie schlief, träumte.
Miandra schloss die Augen und hielt sich die Handflächen auf die Ohren, und sie bemerkte erst jetzt, dass sie die gesamte Zeit über weinte. Ja, sie weinte. Sie hatte seit Ewigkeiten nicht mehr geweint, doch nun waren die Schmerzen an ihrem Körper zu groß um es zu unterdrücken, und sie fühlte sich alleine, verzweifelt und war davon überzeugt, dass sie bei der nächsten Folter sterben würde. Konnte ihr Vater denn nicht einmal nach seinem Tod Ruhe geben? Musste er sie immer weiter quälen, war das ihre Bestimmung?
Sie drückte ihre Hände fester an ihre Ohren und schluchzte. Sie sah das Gesicht von Elana vor sich, und wusste, dass es vorbei war. Sie würde hier sterben, hatte versagt, und sie war selbst daran schuld. Hätte sie nur besser aufgepasst, hätte sie nur...
Es machte keinen Sinn sich darüber Gedanken zu machen, was wäre wenn. Sie war nun hier, und es gab keinen Ausweg mehr, es war aus und vorbei. Sie würde hier sterben, alleine.
Alleine.
So fühlte sie sich. Nie hätte sie gedacht, dass sie sich jemals wieder so alleine fühlen könnte, wie in diesem Moment. Sie hatte es akzeptiert, dass sie anders war, dass sie dadurch immer alleine sein würde... doch nun, wo das Ende so nahe schien, realisierte sie, dass sie es hasste. Sie hasste es, alleine zu sein. Was hätte sie nicht alles darum gegeben ihre Tochter wieder zu sehen... ihr Lachen zu hören, einfach zu sehen, dass es ihr gut ging. Wie gerne wäre sie nun einfach wieder bei den anderen gewesen, und wie sehr bereute sie es, dass sie den meisten davon nie freundlicher gegenüber trat. Eigentlich wusste sie doch kaum etwas über sie. Sie kannte sie alle kaum, abgesehen von Vernita und Azoth. Vernita... auch sie würde sie wohl nie wieder sehen... die erste Person mit der sie sich angefreundet hatte und die sie wirklich gerne hatte. Aber scheinbar sollte ihr so etwas nicht vergönnt sein. Und Azoth? Sie wollte sich nicht ausmalen was sie ihm gerade antaten...
Miandra begann am gesamten Körper fürchterlich zu zittern, und musste husten. Der Boden war so kalt, dass sie sich sicher war sie würde sich alleine deswegen schon den Tod holen. Und trotzdem spürte sie, dass ihre Haut heiß war, als sie die Hände auf den Kopf hielt.
Und sie sah alle möglichen Gesichter vor sich. Halluzinierte sie bereits? Sie wusste es nicht.
Unter Miandra bildete sich inzwischen eine Blutlache, da niemand sich die Mühe gemacht hatte, ihren Rücken zu verbinden, und nachdem sie es schaffte, ihre Tränen zu unterdrücken, verlor sie das Bewusstsein.
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BeitragThema: Re: Kapitel XV - Festnahme   Di 16 Aug 2011, 8:21 pm

Sareth war etwas schlechter Stimmung. Er mochte es nicht, wie Vernita ihn herum kommandierte. Aber er fügte sich, und sei es nur um Rowans Willen und im Sinne ihrer Aufgabe, die sie bestritt.
Er nahm den Plan, den Vernita gezeichnet hatte, und streifte anschließend durch die Stadt bis er vor dem Fort ankam. Als er das Fort sah, wie es sich in den Himmel ragte, versuchte er die Spitze zu erspähen.
Dort vor fünf Jahren endete die Verderbnis. Sareth hatte nur ein paar Gerüchte darüber in Orlais vernommen, aber er dachte, sie seien nur Hirngespinste und Übertreibungen gewesen. Aber sie entsprachen der Wahrheit. Vereinzelt konnte man noch zerstörte Mauern sehen die davon zeugten wie sehr der Kampf hier tobte.
Sareth nahm die Karte zur Hand und studierte sie eindringlich, doch gerade als er mit seinen Augen über die Karte fuhr, hörte er das Scheppern von Metall. Eine Patrouille war im Anmarsch.
Sareth ging an der nächst möglichen Ecke in Deckung und beobachtete zwei Wachen in schwerer Rüstung, welche die umliegenden kleinen Gassen um das Fort patrouillierten.
Als sie in eine kleine Gasse einbogen folgte Sareth ihnen im Geheimen. Er hatte so ein oder zwei Tricks in Sachen schleichen und verstecken aus seiner Zeit in Orlais gelernt. Sogar welche von Rowan selbst.
Er wechselte immer wieder seine Position, um nicht von den Wachen entdeckt zu werden. Einmal von einer Ecke, dann wieder hinter Kisten versteckt.
Die Gasse führte zu einer kleinen Kreuzung. Ein guter Ort für einen Hinterhalt, sofern nicht noch andere Patrouillen diese Route zur selben Zeit nahmen. Sareth blieb an dieser Kreuzung, als die beiden Wachen schon abgezogen waren. Er wollte sicher gehen, dass keine weiteren Wachen hier entlang kamen. Und tatsächlich. Selbst nach einer Stunde kam keine weitere Patrouille mehr.
Hier würden Vernita und er sich die Rüstungen besorgen, die sie brauchten. Er markierte die Kreuzung auf dem Plan und begab sich zurück ins Gasthaus.
Als Sareth die Taverne betrat vernahm er ein hitziges Wortgefecht zwischen Vernita und einem kleinen Mädchen. Er störte die Gruppe nicht weiter, sondern begrüßte nur Rowan mit einen kleinen Lächeln und setzte sich dann an einen anderen Tisch. Dort bestellte er beim Wirt erstmal ein Bier und zündete sich seine Pfeife an.


Rowan warf den Streithähnen noch einen kopfschüttelnden Blick zu und stand dann vom Tisch auf.
Sie nahm ihren Wein und setzte sich zu Sareth an den Tisch.
„Warst Du erfolgreich? Hast Du eine gute Stelle gefunden?“


Sareth zog in Ruhe an seiner Pfeife und als er den süßen Rauch von Honigtabak in den Raum hauchte, antwortete er Rowan und sah ihr dabei in die Augen: „Ja habe ich. Sie ist ruhig und keine anderen Wachen patrouillieren dort. Sie ist gut für einen Hinterhalt geeignet.“
Der Wirt kam an den Tisch und stellte Sareth einen Krug Bier auf den Tisch, nickte ihm einmal kurz zu und ging wieder zurück hinter den Tresen.
Sareth nahm den Krug, hob ihn ein wenig an und streckte ihn Rowan ein Stück entgegen.
„Auf die guten alten Zeiten.“
Dabei lächelte er Rowan an und zwinkerte ihr zu.


Rowan zögerte kurz. Sie war sich immer noch nicht sicher, was sie von seiner Anwesenheit halten sollte. Hatte er ihr wirklich die Wahrheit gesagt? War er wegen ihr hier, weil er sein Leben mit ihr verbringen wollte? Warum hatte er ihr seinen Ring gegeben, der nun in einer verborgenen Tasche ihrer Rüstung ruhte?
Sie schob die Gedanken beiseite und hob ebenfalls ihr Glas. Es gab im Moment wichtigere Dinge, über die sie sich Sorgen machen mussten. Sie hatten einen schweren Tag vor sich und es war fraglich, wie dieser ausgehen würde. Sie konnte nur hoffen, dass sie danach noch Gelegenheit hatte, sich mit Sareth auseinander zu setzen. Sollte einer von ihnen fallen...


„Es wird gelingen.“
Sareth nahm dann einen kräftigen Schluck und stellte den Krug wieder auf den Tisch.
Er zog an seiner Pfeife und hielt kurz inne.
„Bist Du Dir sicher, dass Du morgen zurecht kommen wirst?“


„Ich denke schon.“
Sie fuhr sich mit der Hand durchs Haar. „Ich bin zwar ein bisschen aus der Übung, aber immerhin habe ich es immer wieder eingetrichtert bekommen und immer wieder üben müssen.“
Sie schaute ihn an. „Und sollte ich versagen, kann ich nur hoffen, dass Hennrik zu euch durchkommt und ich es vorher schon geschafft habe, euch den Weg frei zu machen. Das ist das Wichtigste. Sonst werdet ihr alle meinetwegen den Tod finden.“


Sareth lehnte sich ein Stück nach vorne und sah Rowan beschwörend an.
„Rowan. Sorge dafür, dass Du am Leben bleibst, das ist für mich das Wichtigste. Ob ich nun dort oder auf einem entfernten Schlachtfeld mein Ende finde ist mir egal. Hauptsache Du lebst.“


Sie schaute ihn mit traurigem Blick an.
„Was ist schon mein Tod, wenn ihr anderen dafür mit dem Leben davon kommt? Ein Leben für das Leben von sieben anderen. Das hört sich doch nur allzu gerecht an, oder nicht?“


„Sagt so was nicht! Ein Leben allein kann schon mehr wert sein als viele andere.“

Er fiel zurück in seinen Stuhl und starrte auf die Tischplatte.
„Besonders wenn diese eine Person jemand ist, die dir nahe steht…“ murmelte er.
„Also wirst Du überleben! Ansonsten folge ich Dir zum Erbauer und hole Dich persönlich zurück. Verstanden?“


Rowan blickte ihn verärgert an.
„Es gibt wichtigeres im Leben, als das Glück eines einzelnen. Sorge dafür, das Du Deinen Part erledigst und ihr die beiden lebend heraus bekommt.“
Sie schüttelte kurz den Kopf und schaute ihm dann wieder in die Augen. Ihr Blick war weicher geworden.
„Mach Dir um mich keine Sorgen. Ich hab‘ mich schon immer irgendwie durchgeschlagen. Ich hoffe nur, dass die sich beim Fallenstellen nicht allzu schlau angestellt haben.“
Der letzte Satz sollte witzig klingen, doch es gelang ihr nicht. In Wirklichkeit machte sie sich Sorgen. Sie war zwar immer eine der besten in ihrem Fach gewesen, doch in den letzten Jahren waren ihre Fähigkeiten im Fallen entdecken und entschärfen eher weniger gefordert gewesen.


Als Sareth Rowan so ansah, bemerkte er die Sorgen in ihren Augen. Auch wenn sie versuchte sie mit einen Lächeln zu überdecken.
„Ich glaube Du wirst mit jeder Falle fertig, die sich diese stumpfsinnigen Wachen ausdenken können. Schließlich weiß ich um Deine Fähigkeiten. Und um Deine geschickten Hände.“
Dabei lächelte er sie an und zog wieder an seiner Pfeife.


„Danke, für die Aufmunterung.“

Ihre Mund verzog sich zu einem Lächeln, welches ihre Augen jedoch nicht erreichte. Sie bestellte sich beim Wirt noch ein Wasser. Alkohol wollte sie nicht mehr zu sich nehmen, sie musste sich morgen auf all ihre Sinne verlassen können.
„Du bist morgen aber auch vorsichtig, oder? Immerhin habt ihr vor praktisch nur zu zweit das ganze Fort zu stürmen.“


„Bis jetzt konnte ich mich immer auf meinen Instinkt und meinen Speer verlassen.“

Er schaute nachdenklich in den Luft.
„Einzig kann ich Vernita nicht so recht einschätzen und wie sie die Aktion durchführen wird.“
Er nahm seinen Krug und trank langsam einen Schluck daraus.


„Auf das kämpferische Geschick der Elfe kannst du dich verlassen. Sie wird Dir in nichts nachstehen.“

Nachdenklich rieb sie sich die Schläfe. Sie versuchte ihre Sinne auf den morgigen Tag vorzubereiten, doch immer wieder schlichen sich andere Gedanken dazwischen. Sie wollte ihn fragen, warum er hier war. Ob er sie die letzten vier Jahre über vermisst hatte. Wie es ihm in der Zeit ergangen war. Ihr Kopf war voll mit Fragen dieser Art, doch sie versuchte, sie beiseite zu schieben.
„Ich habe allerdings keine Ahnung, wie sich Lea anstellen wird. Ich kenne sie kaum länger als Du sie. Und das Mädchen macht mir die größten Sorgen. Ich halte sie für ein Risiko. Wenn es nach mir ginge, dann würden wir sie nicht mitnehmen“, fügte sie noch leise hinzu.
Sie schaute ihm in die Augen.
Hatte er die Wahrheit gesagt? War er ihretwegen hier? Konnte sie ihm vertrauen?
Wieder rieb sie sich die Schläfen. Vielleicht war der eine Wein schon zu viel gewesen.


Sareth sah wie sich Rowan die Schläfe rieb. Doch nicht nur alleine wegen des Weines, das wusste er, dafür kannte er sie zu gut.
„Was bedrückt Dich, Rowan?“
Er nahm wieder einen kleinen Schluck aus seinen Krug und stellte ihn danach auf den Tisch.


Als Leanora aufgegessen hatte, funkelte Vernita Lydia noch immer wütend an. Rowan und Sareth hatten sich an einen anderen Tisch verzogen.
„Wie sieht das morgen aus? Wann ist aufstehen angesagt? Und muss ich voraus gehen? Zudem hab‘ ich entweder vergessen, ob wir ein Zeichen ausgemacht haben, oder wie ich zu Euch stoße. Ich werde jetzt erst einmal für die Unterkunft der Pferde sorgen, schau‘ nochmal nach Donas und werde dann aber packen. Ihr findet mich später in meinem Zimmer.“


Vernita beruhigte sich, als Lydia endlich schwieg. Der Elfe war es ein Rätsel, warum Azoth die kleine Göre überhaupt aufgenommen hatte. Wäre sie nicht ein Sicherheitsrisiko, dann würde Vernita sie jetzt sofort zum Erzdämon jagen. Inzwischen war Sareth auch wieder zu ihnen gestoßen, so dass sie sich langsam bereit machen konnten.
„Wir werden früh aufstehen, Leanora“, erwiderte die Elfe. „Und keine Angst. Ihr werdet nicht verschlafen, denn ich werde Euch schon wecken. Und Ihr und Lydia werden Sareth und mich begleiten, Euch bei dem Überfall aber im Hintergrund halten. Sobald die Wachen erledigt sind, macht Ihr Euch auf den Weg zum Kommandanten, während wir uns die Rüstungen überziehen und die Leichen verschwinden lassen. Dann kommen wir nach und holen Euch von dort wieder ab.“


Leanora nickte Vernita nur kurz zu, trank das Glas aus und begab sich zum Wirt, der gerade in der Küche hantierte. Sie erklärte ihm, dass sie und ihre Gefährten für einige Tage bei Bekannten wären, aber dort die Pferde nicht unterbringen konnte. Ob sie diese denn stehen lassen konnte, und ob er sich darum kümmern würde? Sowie um die Hunde?
Dabei schenkte sie ihm einen warmen Blick, und der Wirt, der soeben protestieren wollte, nickte nur. Was ihm ein strahlendes Lächeln von Leanora einbrachte, und viele Silberlinge.
„Ich danke Euch, die Zimmer könnt Ihr derweil wieder vermieten - oder renovieren. Und könnte ich wohl morgen früh noch warmes Wasser haben? Das wäre wirklich sehr liebreizend! Vielen Dank!“
Sie besuchte Donas, das Striegeln ließ sie aber bleiben. So staubig wie dessen Rücken war, würde ihre Frisur nur ruiniert werden, und das konnte sie sich nicht erlauben. Dafür hielt sie Zwiesprache mit ihm, er solle sich ruhig verhalten und brav sein. Innerlich seufzte sie, hätte sie das der Stallmauer erzählt wäre es das gleiche Ergebnis. „Bald hole ich dich nach mein Schatz. Bis dahin musst du aushalten...“ Ein letztes Mal fuhr sie ihm liebevoll durch seine Mähne und seinen Kopf, dann gab‘s noch kurze Streicheleinheiten für Percivel und für den Braunen. Auch mit Nero sprach sie, dass er hier bleiben musste. Traurig sah er sie an, als ob er sie verstanden hätte. Dennoch folgte er ihr schwanzwedelnd wieder mit hinein in die Taverne, wo sie sich noch einen Krug Milch mit ins Zimmer nahm und dann zu packen begann.
Ihr Blick wanderte zum Bett. Heute würde sie wohl darin schlafen, sonst wäre sie morgen alles, aber nicht ausgeruht. Ob Lydia wohl im Stall übernachten würde? Oder eben bei ihr auf dem Boden? Sie zuckte zusammen, als ihr ein logischer Gedanke kam. Sie schlug mit der Hand gegen die Stirn, weil sie nicht weiter gedacht hatte. Die Zimmer von Azoth und Miandra waren ja frei - Lydia würde auf jeden Fall ein Bett haben. Und Sareth auch.
Kurz darauf hatte sie alles zusammen gesucht, was sie in der kurzen Zeit verstreut hatte. Sie setzte sich auf die Bettkante, blickte aus dem Fenster in die langsam aber sicher einsetzende Dämmerung und wartete auf ihre Gefährten.


Vernita wollte der Frau noch sagen, dass sie die kommende Nacht gar nicht hier, sondern bereits beim Schmied verbringen werden, doch da war Leanora bereits aufgestanden und in die Küche gegangen. So stand Vernita ebenfalls auf, bevor sie zu Rowan und Sareth trat.
„Sobald alle soweit sind, macht euch auf den Weg zum Schmied. Wir werden die Nacht dort verbringen. Schließlich muss ja jeder wissen, wohin er flüchten muss, sollte das Ganze in einem Chaos enden. Ich werde mich bereits jetzt schon auf den Weg machen, da ich noch etwas zu erledigen habe“, verkündete die Elfe zu den beiden, bevor sie ihre ganze Aufmerksamkeit der blonden Frau widmete. „Sorgt bitte dafür, dass meine Rüstung und meine Waffen mitgenommen werden, ja? Ich mache mich jetzt auf den Weg. Bis heute Abend dann.“
Anschließend wandte sich die Elfe um und verließ ohne ein weiteres Wort die Taverne.


Gegen Abend machte sich Kylar wieder auf den Weg zur Taverne, er musste schließlich berichten, dass sie nun auch wirklich in der Schmiede unterschlüpfen konnten.
Er öffnete die Türe, sah jedoch nur Rowan, Sareth sowie das Mädchen, bei dem er den Namen vergessen hatte.
Mit einem etwas unwohlen Gefühl ging er zu dem Tisch der beiden. „Entschuldigt die Störung, doch ich wollte nur berichten, dass euch Harold sein Lager zur Verfügung stellt“, er sah sich vorher um, und flüsterte etwas.


Plötzlich stand ein Elf vor den beiden. Sareth nickte den Mann zu, im ersten Moment ohne zu wissen wer er war, doch dann erinnerte er sich wieder. Das war doch der Elf, welcher sich um das neue Versteck kümmern sollte.
„Danke. Wir werden sogleich aufbrechen.“


„Ich...“ sie brach ab und schaute Sareth an.
Dann neigte sie den Kopf weg.
„Wir sollten wirklich aufbrechen. Ich werde hoch gehen und Hennrik holen.“
Ihre Glieder schienen schwer und steif, als sie vom Tisch aufstand und sich nach oben begab.


Sareth blieb am Tisch sitzen und trank seinen letzten Schluck Bier aus. Er löschte seine Pfeife und sah Rowan nach wie sie die Treppe hochging. Danach stand er auf, nahm seinen Speer und seine Tasche und trat vor die Taverne, wo er auf die anderen wartete.


Leanora richtete sich wieder auf. Ihr war langweilig, gepackt hatte sie alles, das Kleid lag griffbereit vor ihr und schlafen konnte sie auch noch nicht. So raffte sie sich auf und ging in die Schankstube. Dort blieb sie erstmal kurz stehen, verdutzt, Kylar zu sehen, und auch ihr Herz klopfte wieder ein paar Takte schneller. Was machte er hier?
Sie ging auf ihn zu und meinte:
„Entschuldigt, dass ich Euch heute Mittag nun doch alleine auf den Markt gegangen bin und Euch quasi stehen ließ, wo ich Euch doch vorher darum gebeten habe mich zu begleiten. Und so wie es nun aussieht, war es wohl auch gut, dass ich den Kämmerer nicht aufgesucht habe. Vernita sagte, Ihr hättet einen Unterschlupf?“


Kylar blieb einstweilen alleine am Tisch sitzen und wartete versunken in Gedanken. Plötzlich vernahm er Leanoras Stimme und blickte in ihre Richtung. Sein Kinn klappte ihm ungewollt nach unten, als er sah, wie fein hergerichtet ihre Haare waren, sie sah komplett anders – aber natürlich keineswegs schlechter – aus!
„Beim Atem des Erbauers!“, rutsche ihm heraus und er sprang dabei sofort auf, als hätte ihn eine Biene gestochen, und er starrte sie einen kurzen Moment lang an.
„Äh, verzeiht … Ach Ihr habt mich doch nicht stehen lassen! Ich musste mich ohnehin um anderes kümmern, aber wie ich sehe, habt Ihr es dennoch bis zum Barbier geschafft.“
Er lächelte Ihr entgegen und musterte sie noch einmal. „Und ja, genau, ich habe einen Unterschlupf, wie ich sagte, bei einem Freund von Azoth und mir, und bringe Euch und die anderen gleich dort hin, wenn Ihr möchtet... Wie schade, dass Euch dieser Unterschlupf nicht angemessen ist“, schmeichelte er ihr und zwinkerte ihr freundlich zu.


„Oh wir werden schon heute Nacht in dem neuen Unterschlupf verbringen?“
Das hatte Leanora wohl vorhin nicht mitbekommen. Kurz starrte sie etwas traurig an irgendeinen Punkt an der Wand, als sie daran denken musste diese Nacht wieder kein weiches Bett zum Schlafen zu haben. Doch dieser Ausdruck hielt nur einen kurzen Augenblick an, denn kurz darauf wurde sie aufgrund von Kylars Worten knallrot. Sie schenkte ihm ein verlegenes Lächeln… das wievielte an jenem Tag?
„Ich weiß es hört sich vermessen an, aber ich habe keine Ahnung, wo wir hin müssen. Würdet Ihr mir die Ehre erweisen, mich dahin zu führen? Um ehrlich zu sein, möchte ich langsam schlafen, schließlich muss ich morgen ausgeruht sein. Ob ich schlafen kann steht ohnehin auf einem anderen Blatt.“
Sie schenkte Kylar einen tiefen Blick aus ihren langen Wimpern. Auch wenn sie sich nicht erklären konnte wieso, aber sie fühlte sich einfach von diesem Elf angezogen. Trotz einer gehörigen Portion Vorsicht, die sich in ihr bemerkbar machte.


Rowan klopfte an Hennriks Tür uns wartete. Doch schon nach ein paar Sekunden bekam sie Antwort.
„Jaha?“ flötete es von drinnen.
„Seid Ihr fertig? Wir werden die Nacht in einem Versteck verbringen.“
Die Tür öffnete sich und ihr schlug Pfeifenrauch entgegen. Sie wedelte ihn mit einer Hand weg und trat dann ein. Auf dem Bett lagen Vernitas Rüstung und ihre Waffen. Rowan packte Teile davon zusammen und ließ Hennrik den Rest nehmen. Gemeinsam begaben sie sich wieder in den Schankraum.
Auch Leanora schien bereits fertig zum Aufbruch. Rowan stellte sich wartend neben sie.
„Also, wir wären dann ebenfalls soweit.“


Kylar hörte nicht damit auf Leanora anzulächeln, wie könne man auch anders bei so einem Anblick!
„Es wäre mir eine Freude Euch den Weg zu zeigen.“ Der tiefe Blick entging ihm nicht, doch genau in diesem Moment tauchten Rowan und Hennrik auf. „Sehr gut, so denn, folgt mir.“
Leanora huschte noch einmal kurz nach oben auf ihr Zimmer, bevor sie bepackt mit ihrem Rucksack und dem Kleid, welches sie vorsichtig über den Arm gelegt hatte, wieder zurück kam und dem Wirt die Schlüssel zurückgab. Und so verließen sie mit einem letzten Blick auf den Schankraum die Taverne.
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BeitragThema: Re: Kapitel XV - Festnahme   Di 16 Aug 2011, 8:53 pm

Er wusste nicht wie lange er in dem Raum eingesperrt war. Sein Zeitgefühl war verschwunden, und er dachte wohl, dass er Stunden damit verbrachte hysterisch, panisch und verzweifelt diese Dinger von seinem Körper zu bekommen. Sie gönnten ihm keine Ruhepause, und er war schon fast am Ende, außer Atem, nur noch einige Minuten länger und er würde sich auf den Boden fallen lassen und aufgeben.
Doch genau in diesem Moment ertönte ein bekanntes Geräusch. Die Türe wurde entriegelt. Azoth hielt den Atem an, und schloss krampfhaft seine Augen, als das schummrige Licht den Raum erhellte. Sofort wurde er gepackt und mit gezerrt.
Nahezu jede Stelle seines Körpers war von blutenden Kratzwunden befleckt, wie wenn ein wildes Tier über ihn hergefallen wäre. Seine Finger waren voller Blut, und unter seinen Fingernägeln waren Hautreste zu sehen. Sein Gesicht war bleich vor Erschöpfung, seine Kehle trocken vor Durst, seine Augen und Lunge brannten wie Feuer.
Doch etwas war mysteriös. Als die Türe geöffnet wurde, war er alleine in dem kleinen dunklen Raum. Keine kleinen Krabbeltiere, keine Insekten oder Sonstiges. Nichts.
Nichts?
Azoth blickte verwirrt in den Raum, als man ihn nach draußen zerrte. Hatte er sich all das nur eingebildet, und seinem Körper selbst diese Kratzwunden zugefügt? Alles deutete darauf hin, aber er fühlte sich zu schwach um länger darüber nachzudenken, und ließ sich von den Männern, die ihn schäbig angrinsten und ihm erneut den Jutesack über den Kopf stülpten, mitnehmen.
Er bekam nur mit, wie man ihn über Stufen zerrte, und dass er sich daran teilweise die Knie abschürfte, da er nicht mit dem Tempo der Männer mithalten konnte. Anschließend wieder durch mehrere Türen bis Schreie an seine Ohren drangen. Er ging wohl gerade durch die Folterkammer… Wieder eine Tür, er wurde losgelassen und brach zusammen. Der Sack wurde ihm vom Kopf genommen, und er sah alles verschwommen, erkannte nur, dass er sich in der Zelle befand, und jemand neben ihm lag. Er sah rot und schwarz, und plötzlich drängte etwas Beiges dazwischen, eine Art Rolle.
„Verbinde damit ihre Wunden, schließlich darf sie uns nicht wegsterben, wir haben ja noch etwas vor.“
Er vernahm den Satz sowie Gelächter in seinen Ohren, wie ein Echo.
„Und vielleicht kannst du sie auch gleich wachküssen!“
Eine quietschende Türe wurde mit lachendem Applaus zugeknallt, doch Azoth fühlte sich noch immer benommen, blieb auf dem kalten Boden regungslos liegen und starrte auf die Bandage die vor ihm lag. Nachdem er seine Augen einige Male zusammengekniffen hatte, und sich nicht mehr alles um ihn herum zu drehen schien, griff er nach dem Verbandszeug. Dann blickte er zur Seite, sah das Blut, sah Miandra. In diesem Moment wünschte er sich, nicht mehr am Leben zu sein. Was hatte er nur verursacht!?
Er setzte sich etwas wackelig auf, und lehnte sich an das Zellengitter. Seine Beine breitete er etwas aus, und dann zog er Miandra darüber, mit dem Bauch nach unten, sodass zwischen dem Boden und ihrem Oberkörper etwas freier Platz war. Nur so könnte er ihre Wunden verbinden, ohne sie aufwecken zu müssen. Dabei fühlte er ihren Puls, welcher sehr schwach war, und ihre Haut glühte wie heiße Kohlen.
Einige Male schluckte er und seine Kehle schien noch immer zu brennen. Was hatte er nur eingeatmet?
Mit stark zittrigen Händen begann er ihren Oberkörper zu verbinden und achtete darauf die Bandagen nicht zu fest zu schnüren oder ihren Rücken aus Versehen zu berühren. Auch wenn er stark zitterte, so schaffte er es schließlich, und zog sie vorsichtig näher an sich heran, damit ihr Kopf nicht länger auf dem Boden liegen musste, wagte es jedoch nicht in ihr Antlitz zu blicken. Anschließend lehnte er seinen Kopf zurück, schloss schmerzhaft die Augen, und einige Tränen liefen über seine Wangen hinab. Dabei sah er jedoch immer noch ihren blutverschmierten Körper vor sich, und spürte erst jetzt, wie stark die Kratzwunden an seinem Körper brannten, und er hoffte Miandra würde nicht allzu schnell wieder aufwachen. Nur so konnte sie der Folter, für wenigstens einige Zeit entgehen.
WAS HATTE ER NUR VERURSACHT!?


Die stickige und übel riechende Luft drang in ihre Lunge, sodass sie einen Hustenanfall bekam, gefolgt von einem schmerzverzerrten Stöhnen und Zusammenzucken. Durch das Husten und durch jede einzelne kleine Bewegung, begann ihr gesamter Rücken zu ziehen, als ob jemand dünne Metallfäden netzartig darüber gespannt hätte, die sich in die Haut einschneiden würden. Langsam setzten ihre Sinne wieder ein... die Schmerzen waren höllisch, ihre Lippen waren trocken und sie hatte einen widerwärtigen Geschmack im Mund, und würde sich diesen am liebsten mit Wasser ausspülen. An ihren Arm- und Fußgelenken schienen Gewichte zu hängen, ihre Wange und Augen waren angeschwollen und sie fühle sich so schwach und unbeweglich, wie noch nie zuvor.
Sie unterdrückte das Bedürfnis zu husten, auch wenn es ihr schwer fiel, und öffnete vorsichtig die Augen. Verschwommen, wie wenn sie unter Wasser wäre, sah sie Azoth, sein schmerzverzerrtes Gesicht, seinen blutüberlaufenen Körper, und es dauerte nicht lange, bis sie realisierte, wo sie sich befanden und was passiert war. Sie wusste nicht, ob sie erleichtert oder traurig darüber sein sollte ihn zu sehen. Es hieß nur, dass es wohl noch nicht vorüber war. Und dennoch konnte sie die egoistische Denkweise, froh darüber zu sein, nicht alleine in der Zelle sitzen zu müssen, nicht abstellen. Erst jetzt spürte sie, dass seine Hände stark zitterten, und wusste, dass sie irgendwie über ihn lag. Im Normalfall wäre sie wohl ausgerastet, doch gerade eben war ihr das alles ziemlich gleichgültig, denn jeder Ort der Welt - und somit auch diese Zelle - war für sie in diesem Moment besser als der Ort hinter der Holztür.
Selbst wenn sie in jenem Moment die Kraft dazu gehabt hätte etwas zu sagen, hätte sie nicht gewusst was, und blickte ihn daher weiterhin mit glasigen und geschwollenen Augen an, und versuchte die Schreie aus dem Hintergrund zu ignorieren.
Sie fragte sich, wie lange sie bewusstlos gewesen war, fragte sich wie lange sie bereits hier waren und wusste nicht ob es gerade Tag oder Nacht war. Aber ehe sie sich weiterhin gedankliche Fragen stellen konnte, wurde ihr schwindelig, heiß und der Speichelfluss schien sich erhöht zu haben. Gerade noch rechtzeitig drehte sie sich zur Seite und übergab sich erneut, doch außer etwas Galle und Blut schien nichts mehr ihren Magen zu füllen.
Blut?
Sie starrte auf den Boden, und ihre Gedanken huschten zurück zur Folter. Ihr gesamter Körper begann zu zittern, und ihre Atmung beschleunigte sich. Hatte sie von den Fußtritten in den Magen innere Verletzungen davon getragen, oder stammte das Blut vielleicht doch nur von ihrem Zahnfleisch? Aber wieso musste sie sich dann erneut übergeben… wobei bei dem Gestank dieser Zellen, es auch kein wirklich großes Wunder gewesen wäre.
Doch selbst wenn es so wäre, was würde es für einen Unterschied machen?
„Wie lange…“, sie hustete und verzog dabei das Gesicht vor Schmerzen, „…seid Ihr schon hier?“ fragte sie leise mit kraftloser und zittriger Stimme, auch wenn sie die Antwort, dass er wahrscheinlich ebenso keine Ahnung hatte wie sie, bereits kannte. Vielleicht wollte sie auch einfach nur etwas anderes hören, als die leidenden Geschöpfe - die teilweise nicht mehr menschlich aussahen - in den Zellen neben ihnen, um zu wissen, selbst noch kein Teil dieses Ortes zu sein.


Azoth schluckte einmal und kniff seine Augen schmerzhaft zusammen.
„Gerade... eben“, dabei blickte er ihren Körper an, und schloss wieder seine Augen. „Was haben sie nur mit Euch gemacht“, sagte er schuldbewusst.


Sie spuckte noch einige Male auf den Boden, und irgendwie wurde sie durch den Schock sich sofort übergeben zu haben leicht wachgerüttelt. Wenn sie hätte lachen können, so hätte sie das in diesem Moment wohl getan, konnte sich dennoch ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen. „Ich dachte, das hättet Ihr gesehen.“
Sie versuchte sich an den Händen abzustützen um sich aufrichten zu können, ließ sich jedoch sofort wieder fluchend niederfallen, direkt neben Azoth. Die Schmerzen am Rücken waren einfach zu groß.
Einige Momente blieb sie regungslos liegen, und schien nachzudenken.
Plötzlich ertönte ein bekanntes Geräusch: das Knarren der Holztüre.
Ungewollt zuckte Miandra zusammen und schloss dabei die Augen.
Die Gehilfen von Ingo gingen an ihrer Zelle vorbei, und zogen zwei Bewusstlose, die ähnlich entstellt waren wie Miandra und Azoth, hinter sich her.
„Endlich alle durch.. meine Frau wartet bestimmt schon mit dem Abendessen“, sagte einer von ihnen, nachdem sie die Beiden in eine der Zellen geschleppt hatten. Miandra erkannte die Stimme, es musste dieser Antonio gewesen sein.
„Du Glücklicher, ich hätte auch gerne ein Weib zuhause, die mir das Essen warm stellt…“, erwiderte der andere mit einem Seufzer, und ehe Miandra mehr von dem Gespräch verstehen konnte, ertönte das knarrende Geräusch erneut.
Langsam öffnete sie ihre Augen wieder. „Da haben wir unsere Antwort…“, ihre Stimme klang rau und vollkommen hoffnungslos.


Azoth starrte einen Moment zu der Zelle, in welche sie die Bewusstlosen zerrten. Bei dem Anblick an den blutüberströmten und verstümmelten Körpern, begann sich sein Magen zu drehen und all seine Kratzwunden schienen zu pochen, sodass er die Augen wieder schloss.
Abendessen, sagte einer von ihnen, doch Azoth kam es vor als wären sie eine halbe Ewigkeit hier eingesperrt gewesen und nicht erst einen Tag.
Nein, sie würden das nicht überleben, ganz sicher nicht. So langsam gab auch er die Hoffnung auf, Hoffnung auf Rettung und Flucht.
Niemand könnte wohl in dieses riesige und perfekt überwachte Gefängnis einbrechen und zwei Verwundete rauschaffen, die nicht einmal genug Kraft hatten um selbst laufen zu können. Und zudem, wieso sollten sie es tun? Auch wenn er bemerkt hatte, dass sich Vernita und Miandra recht gut verstanden – was er überhaupt nicht nachvollziehen konnte –, und sich die Elfe für sie wohl das ein oder andere Mal eingesetzt hatte, so schätzte er sie nicht soweit ein, dass sie ihr eigenes Leben riskieren würde, um die beiden – und vor allem ihn – da rauszuholen. Sie wäre wahrscheinlich eher froh, zwei Klötze weniger am Bein zu haben, und somit musste sich diese auch nichtmehr um die Suche nach Miandras Tochter kümmern, und könnte sich weiterhin um eigene Probleme kümmern. Aus Azoth Sicht, hätte der Elfe und den anderen wohl nichts Besseres passieren können.
Und sie selbst? Nicht einmal vor der Folter, wäre es ihnen möglich gewesen hier zu entfliehen. Zu viele Türen und Gänge, in denen man sich verlaufen konnte, zu viele Wachen die einen abfangen würden.
Er musste husten und hielt sich die Hand vor den Mund. Mittlerweile brannten seine Lunge und sein Rachen höllisch, und er brauchte unbedingt etwas zu trinken. Er fragte sich was dort im Keller vor sich ging. Und wie konnte er sich selbst so viel Schaden zufügen?
Vorsichtig öffnete er die Augen ein klein wenig und blickte zu Miandra, und sah, dass sie jegliche Hoffnung bereits aufgegeben hatte und nur noch auf den nächsten Tag und ihren Tod zu warten schien. Ein Anblick der seine Gedanken widerspiegelte, und ihm in der Seele weh tat.
„Miandra...“, seufzte er kraftlos.
„Die anderen... sind sicher schon... auf dem Weg. Ich weiß, dass Vernita Euch nicht alleine lassen würde. Und die anderen stehen hinter ihr. Wir kommen hier raus. Und...“, er versuchte dabei ein Lächeln aufzusetzen, was ihm sichtlich schwer fiel.
„Und wenn nicht …Ich weiß, was Ihr von mir hält… aber Ihr seid nicht alleine. Ich bin hier.“
Dabei hielt er ihr die Hand hin, und vielleicht würde Miandra die seine in ihre nehmen und sie drücken, doch das bezweifelte er stark.
Währenddessen dachte er über seine Worte nach. Er war selbst nicht davon überzeugt, und musste sich einen Fluchtplan überlegen… Egal wie schwach er bereits war, er durfte sie nicht hier sterben lassen, er musste seine letzten Kräfte sammeln, um sie irgendwie – er hatte keine Ahnung wie – hier rauszuholen. Selbst wenn er dabei drauf gehen würde, aber das wäre er ihr wohl oder übel schuldig gewesen.


Sie regte sich nicht, und schien über seine Worte nachzudenken. Erst nach einigen Sekunden, in denen Azoth wohl auch keine Antwort mehr erwartete, räusperte sie sich:
„Es geht hier nicht um Euch oder mich“, sie hielt kurz inne und schluckte. Auch sie hätte viel für einen Schluck Wasser gegeben.
„Ich erwarte von niemanden, dass er uns hier raus hilft. Theoretisch sind wir zu Recht hier… ich sollte die Tat einfach gestehen und sterben, und frage mich noch immer wieso ich es nicht tue. Wahrscheinlich weil ich durch meinen Tod mehr zerstören könnte, als durch das Leid meiner selbst.“
Tränen begannen sich in ihren Augen zu sammeln, aber sie wagte es nicht zu blinzeln. „Wenn ich nicht wissen würde, wie wichtig ich und meine Handlungen für das Leben anderer wären, so hätte ich mich wohl schon längst, noch bevor ich Euch traf, umgebracht…“
Sie schluckte erneut, und die Tränen begannen auf den dreckigen Boden zu tropfen, und sie musste schluchzten. „Versteht Ihr das? ... ich habe durch meine Handlungen versagt, und schaffte es nicht ein Mal etwas zu tun, das…“, sie beendete den Satz nicht und wischte sich die Tränen von den Wangen.
„Vergesst es… aber danke für Eure Worte. Ich weiß, dass Ihr genau so wenig an sie glaubt wie ich… also eher danke für den Versuch“, fügte sie bitter hinzu und blieb weiterhin regungslos liegen und schien an irgendeine Stelle in der Zelle zu starren.
„Aber ich muss schon sagen, an Eurer Seite zu sterben, hätte ich mir wohl nie erwartet“, ein leichtes Grinsen legte sich über ihr Gesicht als sie die Augen wieder schloss und seufzte. „Aber man weiß schließlich nie, was das Leben mit sich birgt…“
Egal wie sehr man sie auch zurichten würde, sie hätte es wohl niemals zugegeben, froh darüber zu sein, nicht alleine in der Zelle zu sitzen. Doch nun da ihre Augen geschlossen waren, spürte sie wieder die Schmerzen, und dass ihr das Sprechen gerade noch mehr ihrer Kraft geraubt hatte, doch hier würde sie nicht schlafen können. Zudem wäre es ohnehin sinnlos gewesen zu schlafen um zu Kräften zu kommen.


Azoth seufzte und blickte zu Miandra. Nie zuvor sah er sie weinen, immer wirkte sie recht gefühlskalt und verschlossen, und man sah ihr an, dass sie genau damit zu kämpfen schien als hätte sie zwei verschiedene Meinungen.
„Ihr seid nicht zu Recht hier... Ihr nicht, aber ich... hätte ich nicht...“, er musste husten, und ihm wurde währenddessen klar, dass es keinen Sinn hatte darüber zu reden, es würde nichts ändern.
„Würdet Ihr mir... ein einziges Mal vertrauen? Hasst mich... von mir aus, wenn ich es missbrauche...“
Sie öffnete kurz die Augen und starrte ihn an, mit einem Blick, dem ohnehin alles egal zu sein schien.
Azoth zog sie erneut vorsichtig zu sich hoch, und legte ihren Kopf seitlich in seinen linken Arm. Er strich ihr vorsichtig einige schwarze Haarsträhnen aus dem Gesicht und fühlte ihre Stirn. Sie hatte starkes Fieber, aber vielleicht nahm er selbst es auch einfach nur heißer wahr, da er ziemlich fror. Er spürte, wie schwer es ihr viel zu atmen, sie leicht zitterte und bei jedem noch so kleinen Laut aus den Zellen neben ihnen zusammenzuckte.
Ihm selbst ging es ziemlich schlecht, er fühlte sich schwach und war sich sicher, dass er irgendein Gift eingeatmet hatte, das ihn halluzinieren und durchdrehen ließ, und nun extreme Nachwirkungen zeigte, aber im Gegensatz zu Miandra war er wohl noch gut in Form, und dafür fühlte er sich sichtlich schlecht. Es war einfach ein grausamer Anblick, der ihm in der Seele weh tat.
„Versucht zu schlafen... denkt Euch an einen anderen Ort...“, er legte ihr die Hand seitlich auf den Kopf um ihr das Ohr zuzuhalten, damit sie den grausamen Geräuschen entgehen konnte. Anschließend lehnte er sich wieder zurück an die Gitterstäbe und schloss die Augen. Er hätte schwören können, dass er in diesem Moment spürte, wie ein durchdringender Blick auf ihm lastete, welcher jedoch nach wenigen Sekunden, zusammen mit einem leichten Seufzer von Miandra, verschwand.
Sie tat tatsächlich das was er ihr sagte, und fiel nach einiger Zeit in einen fiebrigen und unruhigen Schlaf. Er wusste nicht, an welchen Ort sie sich gedacht hatte, jedoch schien er sie nicht ins Nichts begleitet zu haben. Azoth selbst blieb die gesamte scheinbare Nacht wach, die sich wohl auf ewig in seinen Erinnerungen abzeichnen würde.
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BeitragThema: Re: Kapitel XV - Festnahme   Di 16 Aug 2011, 8:55 pm

In dem Raum war es stockfinster. Die Fensterladen waren geschlossen, das Zimmer in lange, dunkle Schatten getaucht. Nur aus dem Nebenraum drang der schwache Lichtschein einer Kerze unter dem Türschlitz hervor.
„Liegt dieser elende Suffkopp etwa wieder im Bett und pennt?“ fluchte die Frau vor sich hin, wobei sie den Raum durchquerte und ins Schlafzimmer ging. Mit einem Ruck riss sie die Tür auf. „Kannst du mit dem Essen nicht war…“
Die Frau konnte nicht weiter sprechen, da ihr plötzlich der Atem stockte. Ihre Gesichtsfarbe, die sich vor wenigen Augenblicken durch die Wut in ein dunkles Rot geändert hatte, verwandelte sich nun in einen kalkweißen Farbton. Ihre Augen weiteten sich vor Entsetzen.
„Beim Atem des Erbauers“, stammelte sie heiser.
Das Schlafzimmer, dessen Fensterläden ebenfalls geschlossen waren sah aus wie immer. Ein großer Kleiderschrank in der Ecke, daneben ein Frisiertisch mit einem Stuhl davor. Auf der gegenüberliegenden Seite stand das große Doppelbett und jeweils links und rechts daneben befand sich ein Nachttisch. Auf einem dieser Tische brannte eine Kerze vor sich hin, die den Raum in ein schummriges Licht tauchte.
Selbst ihren Ehemann fand die Frau wie erwartet im Schlafzimmer. Allerdings lag er nicht im Bett, wie sie befürchtet hatte. Stattdessen hing er mit einem Strick um den Hals an dem dicken, stabilen Holbalken an der Decke des Raumes. Sein Körper baumelte schlaff und kraftlos hin und her. Seine Zunge hing ihm aus dem Mund, seine Augen quollen aus den Höhlen. Die Hose des Mannes war nass, er konnte also noch nicht lange tot sein.
Die Lippen der Frau bebten, formten sich zu einem Schrei. Doch bevor es dazu kam, schlang sich schon ein kräftiger Arm um ihren Hals und drückte ihr die Luft ab. Aus dem Schrei wurde nur ein ersticktes Röcheln. Die Frau packte nach dem Arm und wollte sich aus dem Griff befreien, doch es war vergeblich. Wer auch immer die Frau gepackt hatte, war um Einiges stärker als sie. Dann tauchte ein Gesicht neben ihr aus der Dunkelheit auf.
„Was seid Ihr so überrascht, über den Tod Eures Mannes“, zischte Vernita hinter der Frau böse. „Er hat herausgefunden, dass Ihr ein Verhältnis mit Eurem Nachbarn habt und hat sich daraufhin das Leben genommen. Allerdings nicht ohne Euch vorher mit in den Tod zu nehmen.“
„Was redet Ihr für einen Unsinn?“ erwiderte die Frau mit kratziger Stimme. Durch den Griff der Elfe konnte sie kaum sprechen. „Ich habe nie etwas Derartiges getan.“
„Wie konnte er dann den Liebesbrief Eures Geliebten finden, häh?“
„Ich habe nie einen bekommen!“
„Doch. Und zwar heute“, grinste Vernita höhnisch. „Und ich habe ihn geschrieben. Und keine Angst. Ich werde ihn zu den Füßen Eures Mannes platzieren, bevor ich gehe, damit die Wachen ihn gleich finden werden.“
Vernita zerrte die Frau weiter ins Zimmer, bis sie neben ihrem toten Mann zum Stillstand kamen. Diese versuchte sich zu wehren, sich aus dem Griff der Elfe zu befreien, doch diese war einfach zu stark. Sie hatte nicht den Hauch einer Chance. Während sie mit Vernita kämpfte, fiel ihr Blick auf das Gesicht der Elfe. Und obwohl sie diese ohne ihre Rüstung kaum wiedererkannt hätte, sah die Frau in ihr die Person, die mit vier anderen vor nicht allzu langer Zeit zwei Menschen in einer dunklen Seitengasse ermordet hatte.
„Ihr seid eine dieser Mörder“, stammelte sie, wobei sie vor Verzweiflung in Tränen ausbrach.
„Und Ihr seid ein neugieriges Miststück, dass sich in Dinge eingemischt hat, die Euch nichts angehen! Und dafür werdet Ihr büßen!“
Sie drückte die Frau auf den Boden, zwang sie auf die Knie und beugte ihren Oberkörper nach vorne, auf welchen sie sich setzte. Dann griff Vernita nach dem Seil, welches sie sich über die Schulter gelegt hatte. Sie drückte den Kopf der Frau nach unten, während sie ihr die Schlinge um den Hals legte.
„Und dankt Eurem Erbauer, dass Euer Tod wie ein Familiendrama aussehen soll, sonst würde ich Euch zuvor noch in kleine Stückchen schneiden, für das, was Ihr getan habt. Denn Euretwegen sitzt nun jemand im Gefängnis, der mir sehr nahe steht, und der durch Eure Schuld bis aufs Blut gefoltert wird. Und dafür werde ich Euch töten und Euch beim Sterben zusehen! Und ich werde es genießen!“
Die Frau versuchte sich mit Händen und Füßen zu wehren, wobei sie kreischte und schrie, bis ihr das Seil die Kehle zudrückte. Tränen liefen über ihr Gesicht und tropften auf den Boden. Die Elfe zog die Schlinge fest, stand auf und warf sie mit einer geschickten Bewegung über den Holzbalken. Anschließend zog sie die Frau in die Luft, trat zurück und stieg auf einen der Nachttische. Von dort aus band sie das Ende des Seils an den nächsten Holzbalken an der Decke. Anschließend schlenderte sie langsam zu dem Frisiertisch und setzte sich gemütlich auf den Stuhl, während die Frau zu strampeln begann.
„Wehrt Euch nur“, spottete die Elfe, als sie sah, dass die Frau versuchte mit ihren Fingern zwischen ihren Hals und dem Seil zu gelangen. Sie kratzte sich mit dieser Aktion nur die Haut blutig, konnte den Strick aber nicht in kleinster Weise lösen. „Das macht es nur interessanter, Euch beim Sterben zuzusehen.“
Mit einem zufriedenen Grinsen auf den Lippen beobachtete die Elfe, wie die Frau um ihr Leben kämpfte. Als sie merkte, dass sie die Schlinge nicht lösen konnte, griff sie nach dem Seil über ihren Kopf und zog sich daran hoch, um den Druck von ihrem Hals zu bekommen.
„Ich bin mal gespannt, wie lange Ihr das durchhaltet“, lästerte Vernita verächtlich. Und allzu lange hielten die Kraftreserven der Frau nicht vor, und sie ließ wieder los. Sofort fing sie wieder an zu strampeln, während sie röchelnd nach Luft schnappte. Ihre Augen traten Ihr dabei immer weiter aus den Höhlen. Die Schlinge grub sich immer tiefer in das Fleisch ihres Halses.
„Ihr wolltet meine Freunde doch hängen sehen, oder? Jetzt weiß ich auch warum. Fühlt sich wirklich gut an, Euch dort hängen zu sehen. Ihr liefert mir eine ganz besondere Vorstellung“, lachte die Elfe bösartig. Und sie genoss es wirklich. Dies hatte nichts mehr mit Professionalität zu tun. Wäre es Vernita nur um die Beseitigung eines Zeugen gegangen, dann hätte sie der Frau schlicht und ergreifend das Genick gebrochen. Sauber und schnell. Doch das hier war persönlich. Wegen diesem Weibsstück musste Miandra viel Leid ertragen und dafür musste auch dieses Miststück leiden. Bis zum letzten Atemzug.
Es dauerte eine Weile, bis aus dem Strampeln nur noch ein Zucken wurde. Die Frau ließ die Arme sinken und das Röcheln verstummte nach und nach. Die Elfe blieb noch ein wenig sitzen, um sicher zu gehen, dass die Frau tatsächlich tot war, bevor sie aufstand, den Stuhl und den gefälschten Brief zu Füßen des Mannes legte und anschließend das Haus verließ. Es war schon dunkel geworden, als sie nach draußen trat und sich auf den Weg zum Schmied machte.
„Das habe ich nur für dich getan, Miandra“, murmelte sie vor sich hin, bevor sie im Schatten der Nacht verschwand.
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BeitragThema: Re: Kapitel XV - Festnahme   Di 16 Aug 2011, 9:00 pm

Kylar verließ die Taverne, vor welcher Sareth stand und sich ebenfalls der Gruppe anschloss. Er blickte sich kurz um, um zu überprüfen ob auch niemand in der Nähe war der hätte beobachten können dass alle die Taverne verließen, doch die Gasse schien wie ausgestorben.
Es war ein weiter Weg und sie durchliefen dunkle Gassen, in denen man nicht wusste, was hinter den Schatten der Häuserblöcke und Mauern lauerte, doch Kylar kannte die Wege Denerims perfekt, und wusste wo sie sich rumtreiben durften, und wo nicht.
Nach einem scheinbar ewigen Marsch erreichten sie schließlich die Schmiede, welche sich nur durch ein Aushängeschild mit einem Hammer und Eisen verriet, welches jedoch fast gänzlich von der Witterung zersetzt war, und nur durch den Mondschein zu erkennen war.
Kylar klopfte in einem eigenen Takt an die Tür. Ein altes Klopfzeichen, sodass Harold wusste, wer ihn zu so später Stunde noch störte. Nur wenige Sekunden später hörte man das Geräusch, wie die Türe entriegelt wurde, und ein bärtiger Mann offenbarte sich der sie alle zu sich herein winkte.
Harold verriegelte die Tür und wandte sich ohne die anderen wirklich zu beachten direkt an Kylar. „Sind das alle?“
„Nein, ich denke eine Elfe wird noch zu Dir stoßen, die bestimmt heiß darauf ist, Dir Weiteres zu erklären...“, erwiderte er schnippisch.
„Verstehe“, er wandte sich nun an alle. „Nun gut, ich zeige euch mein Lager, aber kommt nicht auf dumme Gedanken, etwas von meiner Ware einzupacken!“
Harold ging voran und die anderen folgten ihm. Kylar reihte sich kurz neben Leanora ein. „Er mag im ersten Moment recht einfältig wirken, aber keine Sorge, er hat ein gutes Herz“, flüsterte er ihr ins Ohr.
Sie gingen in ein Hinterzimmer, in welchem sich lediglich eine Wendeltreppe befand, welche sie hinabstiegen. Es sah aus wie ein völlig normaler Keller, ohne irgendwelche Besonderheiten und wirklich groß schien der Raum auch nicht.
Harold ging direkt auf eine Wand zu vor welcher einige Fässer standen, und fuhr vorsichtig mit der Hand entlang, als würde er etwas abtasten. Eine leichte Erhöhung, die man nur erkannte, wenn man wusste, dass sich hier eine Schiebetür befand. Er fuhr mit den Fingernägeln in eine scheinbare Fuge der Ziegelwand und drückte kräftig seitlich dagegen, bis sich in der scheinbaren Wand eine Art Tunnel offenbarte.
Er nahm einen Kerzenleuchter und betrat das dunkle Loch in der Wand. Erst nach einem längeren dünnen und niedrigen Gang, betraten sie eine Art Halle, doch nur beim näheren Betrachten merkte man, dass es einst ein großer langer Tunnel war, der verschüttet wurde. Viele Regale befanden sich darin, in welchen Harold wohl Dokumente, Erze, Waffen, Rüstungen und Sonstiges aufbewahrte, das er vor Dieben schützen wollte.
„Diese Tunnel wurden vor fünf Jahren fast zur Gänze zerstört, aber ich denke, sie wurden einst entwickelt um vor der Dunklen Brut fliehen, oder sich verstecken zu können. Es gibt zumindest eine Art Lüftungsschacht, welcher direkt neben dem Kamin angebracht wurde um kein Aufsehen zu erregen, ebenso wie die Schiebetür, was wohl darauf hindeutet, dass es als eine Art versteckt gedacht war.“
Am rechten Rand des Tunnels befanden sich Stühle, ein Tisch, Fässer, Säcke, und viele Kissen sowie Decken. Kylar ging darauf zu. „Ich habe dafür gesorgt, dass ihr Wasser habt, sowie etwas zu Essen, das wohl für zwei bis drei Tage reichen sollte. Und natürlich habe ich einige meiner Waren entbehren können um euren Rücken nicht zu viel zuzumuten“, er seufzte und wandte sich wieder an alle. „Ich wünschte, ich hätte mehr tun können... aber nun muss ich gehen. Ich wünsche euch viel Erfolg und hoffe, sofern ihr diesen habt, dass ich, sobald es möglich ist, davon in Kenntnis gesetzt werde.“
Anschließend ging er auf Leanora zu, fasste nach ihrer Hand, und gab ihr darauf mit einer leichten Verbeugung einen Kuss.
„Passt auf Euch auf, Mylady“, fügte er mit einem Lächeln hinzu, bevor er ihre Hand wieder los ließ und in Richtung Ausgang ging, bei Harold blieb er noch kurz stehen.
„Sollten sie spätestens morgen Abend nicht zurück sein, so berichte mir bitte...“
Harold nickte ihm nur zu, und gab ihm einen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter.
„Ihr könnt die Tür von innen durch einen Hebel verschließen, von außen gar nicht. Nach Betätigung des Hebels schließt sie sich nach einigen Sekunden, die ausreichen um nach draußen zu gehen, bevor die Tür einrastet. Ich lasse sie einstweilen offen, bis ihr vollzählig seid. Ihr findet mich oben, wenn ihr etwas braucht, aber wie wichtig euch der Schutz dieser Mauern ist, das könnt nur ihr wissen... und vergesst nicht, ich kenne jedes Stück, das hier in den Regalen ruht!“
Er entzündete noch einige Kerzen an den Wänden, bevor auch er in dem dunklen Loch verschwand.


Leanora blickte Kylar nach, bis ihn die Dunkelheit verschluckt hatte. Gedankenverloren strich sie unbewusst mit der anderen Hand über die Stelle, die er zuvor geküsst hatte. Aufpassen sollte sie auf sich... nun, vor hatte sie es jedenfalls.
Seufzend ließ sie ihren Rucksack in einer Ecke auf den Boden gleiten und blickte sich nach einer Möglichkeit um, das Kleid irgendwo aufzuhängen oder wenigstens irgendwo ablegen konnte, ohne dass es auf den Boden musste. Letztlich legte sie es über eine Stuhllehne.
Dann holte sie sich ein Kissen, wickelte sich in eine Decke und machte es sich soweit es ging auf dem Boden bequem.


Lydia schaute sich um. Es war nicht mehr als ein alter Keller, kalt, aber wenigstens nicht nass. Zaghaft nahm sie sich ein kleines Kissen und eine Decke, suchte sich ein dunkles Eck und kauerte sich ein. Sie zitterte und ihre Hände verkrampften sich um die dünne Decke. Sie schlöss die Augen und versuchte den morgigen Tag auszublenden. Wieder kamen Erinnerungen hoch. Sie wollte die Bilder in ihrem Kopf nicht sehen, nicht daran denken müssen. Sie kämpfte mit sich, doch sie verlor den Kampf. Wimmernd saß sie in der Ecke, Tränen fielen ihr von der Nase und rannen ihr die Wangen hinunter.


Hennrik nahm sich gleich eine Decke und ein Kissen und legte sich an der Wand zur Ruhe. Bereits nach wenigen Sekunden konnte man ein leises Schnarchen vernehmen.
Rowan verstaute derweil Vernitas Sachen an einer Ecke, an der sie nicht mit denen des Schmieds verwechselt werden konnten. Sie selber nahm sich eine Decke und lehnte sich an die Felswand neben Hennrik. Sie zog den Stoff bis über ihre Brust und blieb schweigend sitzen.
In einer Ecke kauerte das Mädchen und weinte vor sich hin. Rowan hatte es sich gleich gedacht. Sie war noch zu jung für so eine Aktion. Es war ein Fehler, sie mitzunehmen. Sie würde das Ganze nicht verkraften, vor allem seelisch nicht. Und nun durften sie sich die ganze Nacht das Gejammer anhören.
Missmutig seufzte Rowan. Sie hatte eine anstrengende Aufgabe vor sich und musste sich ausruhen.


Lydia rieb sich die Augen und atmete tief durch. Der Raum war recht groß, sie konnte also trocken nochmals mit dem Schwert üben. Sie raffte sich zusammen, ihre Vergangenheit wollte sie begraben.
Sie stand auf und griff nach ihrem Schwert. Jetzt konnte sie auch mit den Trockenübungen zeigen, was sie konnte. Sie stellte sich mitten in den Raum, den rechten Fuß etwas zur Seite gedreht und nach hinten versetzt, leicht in die Knie. Schwertzug, Verteidigung tief. Schneller Schwungangriff, links, rechts, links, rechts, links, Unterschwung. Parade seitlich, Schulter zum Gegner. Pirouette, Schlag aus der Drehung in Deckungshöhe, Schlag zur anderen Seite. Halbe Drehung, Stoß zurück, Schwung vorwärts aufwärts. Deckungsumgehen, Stoß, Schlag links, rechts, links, rechts, Stoß, halbe Drehung, Schlag aus dem Schwung, Schlag links, rechts, links, rechts. Stoß, Ausfallschritt, dabei Stoß rückwärts. Sprungdrehung ganz in der Luft, Schritt rundum, Parade links, Parade hinten, Parade links, links, vorn, rechts, links hinten, Stoß rechts, Drehung aus dem Stoß, Schwung links, Sprung vorwärts, Stoß, Drehung, Schwung aus der Drehung, Ausfallschritt, ducken, Schwung von unten unter der Deckung hindurch, Drehung, Stoß, Pirouette, Schwung gegen den Hals.
Sie blieb komplett still in der Pose stehen, in der sie die Bewegung beendet hatte.


Vernita verschwand in den Schatten der Nacht. Es war schon recht spät geworden. Aber das spielte keine Rolle. Sie würde in dieser Nacht ohnehin kein Auge zutun. Die Elfe schlich durch die Straßen zu dem Haus des Schmiedes, von denen Kylar ihnen erzählt hatte und wo sich ihre Gefährten inzwischen eingefunden haben müssten.
Geschickt wich sie den Nachtwachen aus und umging auch Passanten, die zumeist im volltrunkenen Zustand durch die Gassen und Straßen torkelten. Vernita war in ihrem Element. Schleichen, verstecken, sich leise und ungesehen bewegen. All diese Dinge beherrschte sie perfekt. Während sie durch die Schatten der Straßen huschte, fiel ihr auf, wie leicht es doch für sie wäre, jetzt schon zwei Rüstungen für Sareth und sie selbst zu besorgen. Diese Wachen waren einfach zu sorglos. Sie hatte unzählige Gelegenheiten, einen oder auch zwei von ihnen lautlos und schnell zu erledigen. Doch sie wusste auch, dass es dafür noch zu früh war. Bis zum Beginn ihrer Operation würde man die Leichen finden oder zumindest die Wachen vermissen. Dieses Risiko durfte sie nicht eingehen.
Die Gehässigkeit und Zufriedenheit, die sie vorhin noch gespürt hatte, als sie die Zeugin und deren Mann hingerichtet hatte, waren schon wieder verflogen. Diese Gefühle hatten nicht sehr lange vorgehalten, und sie hätte auf dieses kurze Vergnügen gern verzichtet, wenn sie dadurch Miandra in Sicherheit gewusst hätte. Doch nun machte sich wieder die Angst in der Elfe breit. Angst davor, Miandra zu verlieren, aber auch die Angst davor, die Kontrolle zu verlieren, wenn sie vor ihrem toten Körper stehen sollte und sich eingestehen musste, dass sie versagt hatte. Versagt, weil sie sie nicht beschützen und der Frau ihr Kind nicht zurückbringen konnte.
Dazu schlich sich langsam aber sicher noch ein weiteres Gefühl. Misstrauen. Und zwar Misstrauen gegenüber Azoths Freund Kylar. Vernita hielt nicht viel von Azoth. Er war ihr zu impulsiv und unberechenbar. Doch aus irgendwelchen Gründen verhielt er sich der Gruppe gegenüber loyal. Die Elfe glaubte nicht daran, dass er sie verraten würde. Aber wie war das bei Kylar? Ihn kannte Vernita überhaupt nicht und konnte ihn dementsprechend auch nicht einschätzen.
Was würde er alles tun, um seinen Freund Azoth zu retten? Würde er die Elfe und die anderen für Azoths Leben verraten? Schließlich kannte er sie kaum. Vernita würde es sicher tun. Und was würde er wohl machen, wenn sein eigenes Leben bedroht wäre? Würde er vielleicht sogar Azoth über die Klinge springen lassen, um sich selbst zu retten?
Die Elfe hing weiter ihren Gedanken nach, bis sie schließlich ihr Ziel erreichte. Sie sah sich auf der Straße um. Sie war leer. So trat sie vor die Tür der Schmiede und hämmerte mit der Faust gegen das dicke Eichenholz. Nach einer Weile wurde die Tür einen Spaltbreit geöffnet und ein großer, stabil gebauter Mann lugte heraus.
„Ihr seid sicher diese Elfe, von der Kylar erzählt hat“, brummelte er, als er Vernita erblickte.
„So ist es, Harold“, erwiderte diese lächelnd. „Ich nehme an, dass meine Gefährten schon hier sind, oder?“
„Ja, sie sind hier. Aber kommt doch herein...“, meinte der Schmied und gab die Tür frei.
„Vernita ist mein Name. Und danke, dass wir bei Euch unterschlüpfen können. Seid versichert, es soll Euer Schaden nicht sein.“
„Nun, ich nehme Euer Gold“, lachte Harold. „Aber vor allem tue ich dies für meinen Freund Kylar und dessen Freund Azoth. Aber vielleicht könnt Ihr mir wenigstens sagen, was eigentlich los ist, und wie lange Ihr Euch bei mir verstecken wollt?“
„Azoth und eine weitere Gefährtin von uns wurden heute Morgen verhaftet und werden seitdem in Fort Drakon festgehalten. Und wir werden sie da raus holen. Danach haben wir noch etwas anderes in der Stadt zu erledigen, so dass ich nicht genau sagen kann, wie lange wir Eure Gastfreundschaft in Anspruch nehmen müssen. Aber wir werden Euch nicht länger belästigen als unbedingt notwendig.“
„Schon gut“, winkte der Schmied ab. „Die Einzelheiten will ich gar nicht wissen. Eure Freunde sind unten im Keller. Mit dem Hebel an der Wand könnt Ihr den geheimen Zugang öffnen und schließen. Aber Hände weg von meinen Sachen!“
„Kein Angst. Wir werden Euch schon nicht bestehlen“, lachte die Elfe, bevor sie sich auf den Weg nach unten begab. „Gute Nacht, Harold.“
„Ja, gute Nacht“, rief dieser der Elfe noch hinterher.
Vernita betrat den Keller und sah auch gleich den offenen Geheimgang. Sie trat in den alten Tunnel, bevor sie die Tür mit dem Hebel schloss, wie es ihr Harold gesagt hatte. Als sie sich umschaute, bemerkte sie, dass es sich die anderen mehr oder weniger auf dem Boden bequem gemacht hatten. Nur Lydia stand mitten im Raum und machte einige Kampfübungen. Zumindest konnte man es dafür halten.
„Leg dich lieber schlafen, Kleine“, bemerkte die Elfe nur, als sie in die Ecke ging, wo ihre Ausrüstung lag. „Du wirst morgen deine ganze Kraft brauchen.“
Vernita prüfte, ob all ihre Sachen unbeschadet beim Schmied angekommen waren, was sie wohl auch getan haben. Dann setzte sie sich auf einen der Stühle und wartete mit unbeweglicher Miene auf den nächsten Morgen.


Leanora befestigte das Haarnetz um ihre Frisur und sah Lydia noch ein wenig bei ihren Übungen zu. Als Vernita auftauchte, war sie schon beinahe eingeschlafen. Sie nickte der Elfe kurz zu.
Dann schloss sie endgültig ihre Augen und versuchte, sich nicht zu viele Gedanken zu machen. Es würde ohnehin anders kommen, als sie sich nun durchspielte. Sie hatte sich den halben Tag damit verrückt gemacht, wie sie dem Kommandanten gegenüber treten sollte. Sie würde es morgen sehen, und je nach dem, welcher Mensch ihr da gegenüberstand, reagieren.
Kurz danach war sie eingenickt, das Kissen unterm Nacken zusammen gerollt, damit ihre Frisur nicht zu sehr lädiert wurde.


Lydia steckte ihr Schwert behutsam, ja fast schon zärtlich, zurück in die Scheide. Sie stellte es in die dunkle Ecke und blickte sich um. Es war so still und friedlich, alle schienen bereits zu schlafen, bis auf Vernita, die sie offenbar abfällig anblickte. Vernita. Lydia musste immer an Mutters Horrorgeschichten denken, von Toten, die nach der Beerdigung aus den Gräbern stiegen um das Fleisch der Lebenden zu fressen. Vernita sah nach einem eben dieser Toten aus.
Lydia sah, dass noch viele Decken und Kissen unbenutzt waren und sicherte sich gleich einige mehr - nur zur Sicherheit, versteht sich. Sie hatte noch eine freie Matratze bei Leanora entdeckt und schlich sich dort hin. Nachdem sie sich ihre Kissen aufgetürmt hatte und unter ihre drei Bettdecken verkrochen hatte, zog sie die Decken bis zur Nasenspitze und ließ sich unter die Kissen sinken. Ein Gefühl der wohligen Behaglichkeit machte sich in ihr breit. Sie blickte hinüber zu Leanora.
„Hast du auch solche Angst vor morgen?“ flüsterte sie, doch die Frau schien bereits zu schlafen, und so schloss auch sie ihre Augen.
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Kapitel XV - Festnahme
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