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 Kapitel XIX - Kennenlernen der Gegenspieler

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Allie
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BeitragThema: Kapitel XIX - Kennenlernen der Gegenspieler   Mo 22 Aug 2011, 3:01 pm

Denerim

Kapitel XIX - Kennenlernen der Gegenspieler

Aktive Charaktere: Azoth, Leanora, Lydia, Miandra, Neria, Rowan, (Sareth), Vernita

Ihre Füße trugen sie zu ihrer letzten Unterkunft. Sie wusste nicht warum, aber sie hatte das dringende Bedürfnis, bei dem Wirt, der sie so nett aufgenommen hatte, vorbei zu schauen. Es wäre unverzeihlich, wenn er der Gruppe wegen in Schwierigkeiten geraten würde.
Sie erreichte das Wirtshaus als der Mond bereits hoch am Himmel stand. Die sternenklare Nacht ließ sie einen guten Blick darauf werfen. Das Haus lag seltsam still und kein Lichtschein war hinter den Fenstern zu sehen. Mit einem unguten Gefühl schlich sich Rowan näher heran. Sie umrundete die Taverne bis sie zum Hintereingang gelangt war. Die Tür war nur angelehnt und Rowan zögerte.
Sollte sie wirklich eintreten? Aber sie brauchte Gewissheit, denn alles in ihr schrie danach, dass etwas nicht in Ordnung war. Sie verharrte vor der Tür und lauschte. Doch kein Laut drang an ihr Ohr. Vorsichtig und lautlos zog sie ihre beiden Messer und öffnete mit dem Fuß sachte die Tür. Diese führte in eine kleine Kammer in der Lebensmittel gelagert wurden und von dort aus würde sie in die Küche gelangen. In der Kammer war es still und niemand war dort. Die Tür zur Küche stand offen und Rowan lehnte sich vorsichtig um die Ecke.
Was sie im schwachen Mondschein erkennen konnte, ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren. Die Küche sah sehr wüst und durcheinander aus. Töpfe und Lebensmittel lagen auf dem Boden verstreut herum. Doch das auffälligste war das Blut, das überall klebte. Auf dem Boden, am Herd und ein paar Spritzer auch an der Tür zum Gastraum. Die Küche war ansonsten leer und nur eine große eingetrocknete Lache zeugte davon, dass auf dem Boden jemand gelegen hatte, der allem Anschein nach sehr viel Blut verloren hatte.
Rowan schlich weiter in den Raum hinein und schaute sich um. Auf dem Herd stand ein großer Topf mit Wasser, der übergekocht war. Als sie einen neugierigen Blick hinein warf, verging ihr sogleich jeglicher Hunger, den sie gehabt hatte. Sie konnte erkennen, dass darin eine Hand schwamm und wandte sich angewidert ab. Es stand fest, dass hier einiges im Argen war. Sie hatte genug gesehen und wollte sich nicht noch mehr in Gefahr begeben. Deshalb verschwand sie wieder zur Hintertür hinaus und zog sich in die dunkle Gasse zurück.
Einen Moment zögerte sie, dann umrundete sie die Taverne erneut und wandte sich dem Stall zu. Nachdem auch aus diesem kein Laut zu hören war, schlüpfte sie durch den Spalt in der Tür in das Gebäude hinein. Es war stockdunkel und kein Licht drang von außen herein. Sofort stieg ihr ein leicht süßlicher Geruch in die Nase. Als sie die Boxen ablief konnte sie die dunklen Schatten zweier Pferde erkennen, die tot im Stroh lagen. Wenn sie es richtig sah, dann hatte man ihnen die Kehlen aufgeschlitzt. Mit Bedauern musste Rowan feststellen, dass eines davon ihr Brauner war.
Welche Ausgeburt der Hölle war hier am Werk gewesen und hatte dieses Massaker angerichtet? Ein Schütteln durchfuhr Rowan und sie zog sich schnell Richtung Ausgang zurück. Als sie den Stall gerade verlassen wollte, konnte sie ein Geräusch vernehmen, das von draußen kam.
Jemand betrat den Stall. Rowan konnte einen schmalen Schatten erkennen, der sich durch das angelehnte Tor schob. Unbemerkt gelangte Rowan hinter die Gestalt und packte sie mit einer Hand um den Bauch herum und die andere drückte die Klinge an den ungeschützten Hals.
„Ein lautes Wort oder eine falsche Bewegung und du bist tot“, hauchte sie in das Ohr der Unbekannten. Es war unverkennbar eine Frau, wie Rowan bemerkte, als sie sie an sich drückte. Doch sie war sehr klein und eher zierlich. Ein Kind?
Nur ein Keuchen war von ihr zu hören und die Brust hob und senkte sich hektisch.
„Wer bist du und was willst du hier?“
„Ich… ich heiße Mika… ich gehöre hier zur Taverne… bitte tut mir nichts.“
Die Stimme zitterte und es schien fast, als würde das Mädchen weinen. Rowan ließ sie los und drehte sie zu sich um. Das Gesicht konnte sie kaum erkennen, aber es war eindeutig ein junges Mädchen. Lange schwarze Haare wallten um ihre Schultern.
„Was ist hier passiert? Antworte schnell!“ Rowan hatte ihre Klingen gesenkt aber nicht weg gesteckt.
„Ich weiß nicht, was passiert ist… ich schwöre es.“ Nun fing das Mädchen wirklich an zu schluchzen. „Sie haben den Wirt umgebracht und seinen Gehilfen… ich… ich habe sie gesehen, wie sie aus der Taverne getragen wurden… überall waren Soldaten, die alles abgesucht haben und… und niemanden durch gelassen haben.“ Ein Zittern schüttelte den zarten Körper, bevor sie weiter sprechen konnte. „Ich bin weggelaufen… und habe mich erst jetzt wieder hier her getraut… ich hatte Angst… Wer… wer konnte so etwas nur tun?“
„Du hast nicht gesehen, wer es war?“ Rowan schob eines ihrer Messer zurück in die Scheide und legte dem Mädchen eine Hand beruhigend auf die Schulter.
„Nein… ich war weg… ich habe zwei der Pferde ausgeführt. Den hübschen Fuchsfarbenen und den Rappen. Sie standen doch immer nur im Stall herum, da dachte ich, ich könnte ihnen ein bisschen Bewegung verschaffen. Oh je… was ist mit den anderen beiden?“
Sie wollte sich umdrehen doch Rowan hielt sie zurück. „Sie sind tot. Schau sie dir nicht an, es ist kein schöner Anblick.“
Sie drehte Mika wieder zu sich herum. „Wo sind die Tiere jetzt?“
„Sie… ich habe sie bei meinem Onkel untergebracht, der einen kleinen Hof vor der Stadt besitzt. Dort sind auch die beiden Hunde. Ihr… Ihr gehört zu der Gruppe, denen die Tiere gehören, richtig?“
„Ja, das ist richtig. Und wenn du schlau bist, dann wirst du die Stadt noch heute Nacht verlassen und zu deinem Onkel gehen und dich hier in der nächsten Zeit nicht mehr blicken lassen. Hier hast du etwas für Kost und Logis der Tiere.“
Rowan drückte ihr ein Goldstück in die Hand und wollte sich gerade abwenden, da hielt sie inne. „Und für deine Gesundheit wäre es besser, wenn du hier heute Abend niemanden gesehen hast!“
„Wartet!“ das Mädchen huschte ihr hinterher.
„Hier, ich habe den Hof meines Onkels hier aufgezeichnet… und… bitte grüßt das blonde Mädchen von mir, das bei euch ist. Ich hoffe es geht ihr gut.“ Das Mädchen reichte ihr ein abgerissenes Stück Stoff, auf dem sie so etwas wie eine Karte erkennen konnte. Dann war sie auch schon in der Nacht verschwunden.
Nachdenklich schlich Rowan zurück zur Schmiede. Sie war doppelt so vorsichtig wie sonst und wartete eine gute Stunde in der Nähe des Eingangs, bevor sie sich traute, die Schmiede zu betreten.
Rowan betrat die Schmiede und stürmte mit einem kurzen Kopfnicken an dem Schmied, der ihr geöffnet hatte, vorbei. Sie lief in den Keller und wandte sich ohne ein Wort des Grußes an ihre Gefährten.
„Wir haben ein Problem.“
Die fragenden Blicke der anderen begegneten ihr. Sareth schien glücklich zu sein, dass sie wohl behalten zurück gekommen war. Er saß auf seiner Liege und schien etwas gegessen zu haben. Die Blutmagierin lag mit dem kleinen Mädchen eingerollt auf einer Liege, was Rowan nicht weiter beachtete. Die anderen drei Frauen saßen zusammen an der Feuerstelle und kaum hatte Rowan den Satz ausgesprochen, bildete sich eine Falte auf der Stirn der Elfe.


Die drei Frauen saßen schweigend am Feuer. Auch die anderen redeten nicht, sodass eine Zeitlang nur das Knacken des Feuers zu hören war. Und das Schmatzen des essenden Sareth. Vernita wollte sich gerade schon für ihre nächtlichen Exkursion aufraffen, als Rowan plötzlich ins Versteck gestürmt kam und sich fast panisch an sie alle wandte.
„Wann haben wir das mal nicht?“ fragte die Elfe ironisch, bevor sie wieder sachlich wurde. „Aber sagt uns, was geschehen ist.“


„Ich war eben bei der Taverne um nach dem Rechten zu sehen. Uns scheint jemand auf die Schliche gekommen zu sein.“
Rowan trat auf Vernita zu, blieb jedoch stehen während sie weiter sprach.
„Die Taverne war wie ausgestorben, die Küche voller Blut und im Stall lagen zwei von unseren Pferden mit aufgeschlitzten Kehlen.“


Leanora sprang erregt auf.
„Rowan! Zwei Pferde? So sprecht, waren Donas und Percivel dabei?“

Ihre Hände verkrampften sich ineinander. Wenn sie Donas verloren hatte, wäre es völlig egal, ob sie ihren Namen reinwaschen konnte. Ohne Donas war ihre Existenzgrundlage vernichtet.
Sie war bleich wie die Wand, und kurz davor in Tränen auszubrechen.
„Rowan, so sprecht doch endlich!“


Überrascht wandte sich Rowan an Leanora, als diese aufsprang.
„Es tut mir leid, ich habe keine Ahnung von wem Ihr redet und ehrlich gesagt, überrascht es mich, dass die Pferde Eure vorrangigste Sorge zu sein scheinen.“
Rowan zog eine Augenbraue in die Höhe. „Aber wenn Ihr es unbedingt wissen wollt, eines der Pferde war meines und das andere ein dunkles mit lockigem Behang.“


Vernita rieb sich nachdenklich das Kinn, während sie überlegte. „Hmm... Das war auf keinen Fall die Stadtwache. Wenn sie den Wirt unter Verdacht gehabt hätten, dann hätten sie ihn verhaftet und in einer ihrer Folterkammern verhört, aber ihn nicht einfach abgeschlachtet. Da ist jemand neues im Spiel, ganz eindeutig.“
Plötzlich sprang Leanora auf und fing an über ihr Pferd zu plappern. Das gefiel der Elfe überhaupt nicht, da es sie im Moment beim Denken störte. „Ihr solltet Euch mehr Sorgen um Euren hübschen Arsch machen, als um diesen dämlichen Gaul. Ich fürchte, dass wir noch einigen Ärger bekommen werden, der Euch weit mehr kosten könnte als dieses dumme Tier“, fuhr sie die Frau an.
Dann stand Vernita auf und ging grübelnd auf und ab, wobei sie auf den Boden starrte. Kurze Zeit später blieb sie plötzlich stehen und sah Rowan direkt ins Gesicht. „Habt Ihr Euch dort etwas umgesehen, um etwaige Hinweise auf den Täter dieses Blutbades zu finden?“


Leanora starrte Vernita nur an. Wie konnte sie nur so etwas sagen? Mochte ja sein, dass noch weitaus Schlimmeres auf sie zukommen würde, und sie selber auf ihren Hintern aufpassen musste, dennoch war Donas ein absolut hochwertiger Zuchthengst, und ohne ihn könnte sie... ja was? Schmetterlinge fangen? Jedenfalls war er nicht so einfach zu ersetzen.
Dennoch widersprach sie der Elfe nicht, sondern hörte ihr zu.


„Nein, das habe ich nicht. Ich wollte nicht riskieren auf Gegenwehr zu stoßen oder noch schlimmer: Verfolger hierher zu locken.“
Rowan begegnete dem scharfen Blick der Elfe.
„Zumindest wird es kein Einzeltäter gewesen sein und wir können davon ausgehen, dass er nicht darauf aus ist, mit uns einen Kaffee zu trinken. In der Küche war ziemlich viel Blut verteilt, was darauf schließen lässt, dass das Opfer nicht einfach nur getötet wurde. Außerdem fand ich eine abgetrennte Hand im Kochtopf, falls Euch diese Information weiter hilft.“


„Eine abgetrennte Hand sagt Ihr?“
Vernita kratzte sich am Kopf, während sie weiter überlegte. „Hmm... das sagt mir im Moment nichts. Das werde ich mir mal genauer ansehen. Ich wollte eh mit Leanora zur Kirche aufbrechen, um uns dort etwas umzusehen, dann können wir auch gleich einen kleinen Abstecher in die Taverne machen.“
Die Elfe wandte sich ab und ging zu einem der Stühle, neben dem ihre Rüstung lag. Sie setzte sich direkt hin und begann damit, diese anzulegen. „Ihr könnt uns gerne begleiten, wenn Ihr wollt, Rowan. Und keine Angst. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich unsere Verfolger noch dort aufhalten. Sie rechnen sicher nicht damit, dass wir noch einmal dorthin zurückkehren werden. Und wenn doch... dann bekommen wir vielleicht die Gelegenheit ihre Anzahl ein wenig zu dezimieren.“
Ein böses Grinsen legte sich auf das Gesicht Vernitas, während sie ihre Beinschienen festschnallte. „Gibt es noch mehr, was Ihr uns über Euren Besuch in der Taverne berichten könnt, Rowan?“


Dann war es wohl soweit. Leanora schnappte sich ihren Umhang und gesellte sich wieder zu Vernita, um mit ihr zusammen aufbrechen zu können. Ein flaues Gefühl im Magen konnte sie dabei nicht unterdrücken.


„Natürlich werde ich Euch begleiten!“

Rowan ging zum Wasserbehälter und gönnte sich erst einmal ein paar tiefe Schlucke daraus. Dann schnappte sie sich ein Stück Brot und einen Apfel und biss hinein.
„Ich habe dort ein kleines Mädchen getroffen“, erzählte sie kauend weiter. „Sie hat die anderen beiden Pferde und die Hunde bei ihrem Onkel vor der Stadt untergebracht und mir eine Karte gegeben, damit wird dort hin finden können. Sie hatte wohl bei dem Wirt gearbeitet und war zu der Zeit als es passiert ist mit den Tieren unterwegs.“


Leanora fiel ein Stein vom Herzen. Donas war in Sicherheit! Wenigstens ein Lichtblick in der momentan doch eher trostlosen Situation.


„Ein Kind, verstehe...“, sagte Vernita leise, während in ihrem Kopf ganz andere Gedanken herumschwirrten. Da war sie froh darüber, dass Rowan die Kleine aus der Stadt geschickt und nicht mit ins Versteck geschleppt hatte. Noch so ein aufgedrehte, kleine Göre und die Elfe wäre komplett ausgeflippt. Außerdem war es hier unten ohnehin schon recht voll geworden. Aber jetzt hatte sie keine Zeit, um sich darum Gedanken zu machen. Sie mussten los. So hängte sie sich ihre Tasche um, steckte die Schwerter weg und setzte sich zu guter Letzt noch ihren Helm auf. Sie war startklar.
„Also, meine Damen“, meinte sie, während sie schnellen Schrittes den Raum durchquerte. „Lasst uns gehen. Wir haben nicht viel Zeit.“
Leanora und Rowan folgten der Elfe aus dem Versteck und durch den Keller nach oben. Vernita schlug dabei den Weg zum Hintereingang der Schmiede ein. Als sie die Ausgangstür erreicht hatten, löschte sie zuerst das Licht, bevor sie diese öffnete. Anschließend blieb sie dicht hinter dem Rahmen stehen und starrte nach draußen. Auf der Straße war es stockfinster. Kein Licht brannte, die Sterne versteckten sich hinter einer dichten Wolkendecke.
Vernita wartete, bis sich ihre Augen an die herrschenden Lichtverhältnisse gewöhnt hatten und sie sicher war, dass sich niemand dort in der Dunkelheit befand. Erst dann nickte sie den anderen beiden Frauen zu und trat vor die Tür. Sie alle wurden von den Schatten der Nacht verschluckt, während die Elfe sie über viele Seitenwege in Richtung Taverne führte.
Nach ein paar Blocks bemerkte Vernita dann den Fackelschein am Ende der Straße gepaart mit dem Klirren von Kettenrüstungen. Offenbar nährte sich den dreien eine Patrouille der Stadtwache. Die Elfe wich nach links aus, in eine Gasse, die noch dunkler und enger war, als die, die sie zuvor genommen hatten. Die Wachen gingen einfach weiter, ohne die drei Nachtschwärmer zu bemerken. Es dauerte noch eine Weile, bis Vernita, Leanora und Rowan die Rückseite der Taverne erreicht hatten.
„So, da wären wir“, verkündete die Elfe, als die drei vor der Hintertür des Gebäudes zum Stillstand kamen. „Möchte noch jemand was sagen, bevor wir dort reingehen?“


Leanora schüttelte den Kopf als Antwort auf Vernitas Frage.
„Aber in den Stall gehe ich nicht mit hinein, ich hoffe, Ihr versteht das“, flüsterte sie der Elfe zu.


Rowan hatte etwas Mühe, dem Tempo der Elfe zu folgen. Der letzte Ausflug hatte an ihren Kräften gezehrt und ihre Verletzungen machten ihr wieder zu schaffen.
Als sie die Rückseite der Taverne erreicht hatten, schaute sie zögerlich Leanora an. Sie kannte die Frau nicht sonderlich gut, doch sie schien zarter gestrickt zu sein, als der Rest der Gruppe.
„Was haltet Ihr davon, wenn Leanora hier draußen Wache hält? Ich denke es reicht, wenn wir beide uns dort drin umschauen und so können wir unangenehmen Überraschungen von außen vorbeugen.“
Sie lächelte Leanora aufmunternd zu. Es wäre wirklich besser für sie, wenn sie hier draußen warten würde und sie hoffte, dass die Elfe ihren Wink verstand.


„Also schön“, meinte Vernita nur. „Wenn Ihr wollt, könnt Ihr hier draußen Wache halten, Leanora, auch wenn Ihr Euch langsam an den Anblick des Todes gewöhnen solltet. Davon werdet Ihr mit Sicherheit noch eine Menge zu sehen bekommen. Los, gehen wir, Rowan!“
Die Elfe zog eines ihrer Schwerter und nährte sich der Tür. Sie stellte sich neben diese und griff vorsichtig nach der Türklinke. Ganz sachte drückte sie diese nach unten. Dann zog sie die Tür auf und ließ diese nach außen aufschwingen. Mit dem Schwert in der Hand schlich sie behutsam in die Vorratskammer der Taverne. Nichts und niemand war zu sehen, und es war totenstill, bis auf das leise Knarren der alten Fußbodenbretter. Vernita verzog verärgert das Gesicht, da sie diese Geräusche nicht vermeiden konnte. Sie blieb daher einen Augenblick stehen und lauschte, doch es war nichts zu hören.
Sie schlich weiter in die Küche des Hauses, wo ihr sofort die große Lache getrockneten Blutes auffiel, die sich vor dem Herd gebildet hatte. Und sie sah auch den Topf, welchen Rowan erwähnt hatte. Sie ging dorthin und warf einen Blick in das Gefäß hinein. Ja, dort schwamm die abgetrennte Hand eines Mannes im Wasser herum. Die Elfe ergriff diese, bevor sie sie langsam herauszog und genau untersuchte. Es war nichts ungewöhnliches an diesem Körperteil festzustellen. Moment! Doch, da fehlte ein Finger, der Ringfinger um genau zu sein. Es sah so aus, als wäre dieser abgebissen worden. Vernita beschlich ein ungutes Gefühl. Sie ließ die Hand wieder in den Topf fallen und sah sich weiter in dem Raum um.
Neben der Tür zum Schankraum fiel ihr ein kleiner Tisch auf, vor dem ein alter, klappriger Stuhl stand. In der Platte dieses Tisches steckte ein blutbeflecktes Fleischerbeil und davor lag ein Teller sowie Essbesteck. Und auf dem Teller lag eine weitere Hand, besser gesagt dessen Überreste, denn es sah so aus, als hätte jemand diese zerkleinert und... ja was? Etwa gegessen?
„Verdammt!“ fluchte die Elfe, während sie ihr Schwert sinken ließ. Dann kreiselte sie auf der Stelle herum, schritt zu allen Schränken, Kisten und Arbeitsplatten und riss deren Türen auf. Und schon nach der dritten Klappe wurde sie fündig. Mitten auf dem Regalboden eines hohen Schrankes fand sie den Kopf des Wirtes, der abgeschlagen auf seinem Halsstumpf stand und sie mit leeren Augenhöhlen anstarrte. Jemand hatte seine Augen herausgeschnitten und den Kopf hier platziert, damit sie ihn finden sollte. Und sie wusste genau, was das bedeutete. „Wir haben ein Problem, Rowan. Und zwar ein ziemlich übles.“


Rowan schlich sich hinter Vernita in die Taverne hinein. Ein Blick nach hinten zeigte ihr den etwas verunsicherten Gesichtsausdruck von Leanora, die sich eben weg drehte, um die Straße im Auge zu behalten. Sie schaute dabei zu, wie die Elfe die Küche näher untersuchte und behielt dabei die Tür zum Schankraum im Auge. Doch nichts rührte sich und die beiden Frauen blieben alleine.
Rowan trat hinter Vernita, als diese fluchte. Dabei fiel ihr Blick auf den Kopf des Wirtes, der ihnen aus einem Küchenschrank mit leeren Augen entgegen blickte. Sie verstand sofort, was die Elfe meinte und verzog angewidert das Gesicht.
„Jemand hat uns eine Nachricht hinterlassen.“ Rowan schaute sich um. „Kommt Euch die Handschrift bekannt vor?“


„Ja, ich habe Geschichten von einer Söldnerin gehört, die sich die Zwergin nennen soll“, meinte Vernita, während sie den Schrank wieder schloss. „Sie soll ihre Opfer verspeisen und nur den Kopf als Beweis für ihre Taten behalten, abgesehen von den Augen, die für sie wohl so etwas wie eine Delikatesse darstellen sollen. Echt krank, kann ich nur sagen. Bin ihr bisher nie begegnet und hielt diese Geschichten über ihre Grausamkeit immer für völlig überzogene Märchen. Sieht so aus, als hätte ich mich geirrt. Kommt. Verschwinden wir von hier. Draußen reden wir weiter. Ich hätte da eine Aufgabe für Euch.“
Die Elfe wandte sich von dem Schrank ab und verließ zusammen mit Rowan die Taverne durch den Hinterausgang. Dort wurden sie von der neugierig schauenden Leanora erwartet.
„Nun, der Wirt ist tot“, bemerkte Vernita auf diesen Blick hin. „Und es waren keine Stadtwachen, die ihn erledigt haben, sondern Söldner. Und die gilt es aufzuspüren und auszuschalten. Dies wäre eine Aufgabe für Euch Rowan.“


Über Rowans Gesicht zog sich ein böses Grinsen. Endlich kam Bewegung in die Sache und sie war nicht mehr zum Warten in einem stickigen Keller verbannt.
„In Ordnung. Habt Ihr eine Idee, wo ich mit meiner Suche beginnen sollte? Außerdem sollten wir damit rechnen, dass es sich um weit aus mehr als nur ein oder zwei Söldner handeln könnte.“
Rowan blickte in den Himmel und betrachtete kurz die Sterne, die leuchtend und still über ihnen hingen. Unbewusst rieb sie sich die Verletzung am Rücken, die wieder angefangen hatte, zu jucken.
„Ich werde in der nächsten Nacht aufbrechen“, sagte sie mehr zu sich als zu den beiden Frauen.


„Klappert die Herbergen, Kneipen und Bordelle ab“, erwiderte Vernita auf Rowans Frage hin. „Und lasst Euch nicht auf einen Kampf ein, wenn es nicht unbedingt sein muss. Nur finden, um das Ausschalten kümmern wir uns gemeinsam. Denn ich denke auch, dass es mehr als nur diese eine Zwergin sein werden, die hinter uns her sind. Mindestens drei, wenn ich mich recht an das erinnere, was Ihr mir gesagt habt, Leanora.“
Die Elfe wandte kurz den Blick auf die Angesprochene, während sie weitersprach. „Ihr habt mir doch von diesen Söldnern erzählt, die in dem Tagebuch dieses Obersts standen. Da war doch neben der Zwergin auch noch von einem Qunari und einem Magier die Rede.“
Vernita wandte sich wieder an Rowan. „Also seid extrem vorsichtig. Diese Kerle sind sehr gefährlich. Geht kein Risiko ein. Ihr könnt auch, wenn Ihr wollt, Euren neuen ‚Freund‘ Sareth mitnehmen, falls Ihr denkt, dass er Euch helfen kann. Obwohl ich mir das irgendwie nicht vorstellen kann. Immerhin ist er nur ein Mann...“
Ein fieses Grinsen legte sich für einen Moment auf Vernitas Gesichtszüge. „Aber lassen wir das. Geht zurück zum Versteck und ruht Euch aus, Rowan, damit Ihr morgen Nacht mit der Suche beginnen könnt. Leanora und ich kundschaften noch die Kirche aus und kommen dann nach. Also los.“


Rowan nickte der Elfe und Leanora noch einmal zu und verschwand dann in der Dunkelheit der Gassen.


Zuletzt von Allie am Di 19 Jun 2012, 11:51 pm bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Kapitel XIX - Kennenlernen der Gegenspieler   Mo 22 Aug 2011, 3:04 pm

Miandras Blick war weiterhin auf das Feuer gerichtet. Ihre Gedanken kreisten um das letzte Gespräch der Gefährten. Tote Pferde, eine Taverne voller Blut und eine abgetrennte Hand. Scheinbar verfolgte jemand ihre Spur, suchte nach Hinweisen ohne Rücksicht auf Verluste. Wie lange würde es wohl noch dauern, bis dieser jemand den Schmied finden würde? Wohl nicht sehr lange, so häufig wie sich die anderen in letzter Zeit draußen aufgehalten hatten. Wäre nicht die Motivation Elana zu finden zurückgekehrt, so wäre es ihr wahrscheinlich sogar egal gewesen. Die anderen wären ohnehin selbst schuld, wenn sie erwischt werden würden. Natürlich verschaffte deren Leichtfertigkeit Miandra eine zweite Gelegenheit weiterzumachen, doch sie wollte diese nicht aufgrund eben dieser Leichtfertigkeit wieder verlieren.
Kurz wandte sie ihren Blick von dem Feuer ab, und ließ diesen über das unterirdische Lager gleiten. Dieser Kerl, der noch immer mit essen beschäftigt war, sowie das kleine Mädchen, das sich an diese Blutmagierin kuschelte, gaben ihr ein Gefühl irgendwie fehl am Platz zu sein. Um irgendetwas gegen die Zeit die nicht voranschreiten wollte zu unternehmen, stand sie auf und begab sich auf die andere Seite des Lagerraums, an welchen viele Regale, Fässer, Kisten und Sonstiges untergebracht waren.


Lydia erwachte und sah sich um. Außer ihr, Neria und Miandra war das Versteck leer. Der Rest musste unterwegs sein. Sie beschloss es ihnen gleich zu tun und löste sich zärtlich von Neria. Sie gab ihr noch einen zaghaften Kuss, bevor sie sich ankleidete und ins Dunkel der wolkenverhangenen Nacht verschwand.
Es war kalt und auf ihrem Weg über Dächer und Firste, Straßenschluchten und Dachkanten fröstelte sie. Wie ein Nachtschatten jagte sie über das nächtlich stille Denerim zur Taverne, in der Vorfreude Mika wiederzusehen.
Doch die Taverne war still, dunkel und verlassen. Im Stall brannte kein Licht und auch die Pferde waren nicht zu hören. Etwas musste vorgefallen sein. Schrecken und Angst packte Lydia und griff ihr ans Herz.
Sie schlich über die Dächer um die Herberge, als sie rückseitig drei Gestalten erkannte, wovon sich eine rasch entfernte. Sie hörte gedämpfte Stimmen. Wer es war konnte sie nicht identifizieren. Sie griff nach ihrem Bogen und legte eine Pfeil an.
„Ihr da! Wer seid Ihr und was tut Ihr hier?“ rief sie gedämpft nach unten, gerade so laut, dass die Untenstehenden es verstehen konnten.
Angst stieg in ihr auf. Nicht etwa Angst um sie selbst, eher um Mika, dass ihr etwas zugestoßen sein könnte. Ihr Herz pochte und ihre Finger kribbelten.


Rowan hatte sich gerade auf den Rückweg gemacht, als auch Vernita sich mit Leanora in Bewegung setzen wollte. Doch in diesem Moment hörte sie eine zischende Stimme, die offenbar die beiden Frauen meinte. Sie kam vom Dach her, direkt hinter ihr. Die Elfe blickte sich nicht um, sondern packte stattdessen Leanora am Kragen und schleuderte sie durch die noch offene Tür der Taverne, bevor sie sich selbst hinterwarf. Innerhalb weniger Augenblicke waren die beiden in dem Vorratsraum des Hauses verschwunden und krachten auf den Fußboden. Die Elfe rappelte sich sogleich wieder auf und zog ihre Schwerter.
„Jemand hat uns entdeckt!“ zischte sie Leanora zu. „Los, in durch die Küche! Wir verschwinden von hier!“
Sofort setzte sich Vernita in Bewegung und verschwand in der Küche der Taverne, während ihr die blonde Frau folgte.


Leanoras Nerven waren zum Zerreißen angespannt, als sie Wache hielt. Sie war heilfroh, als die beiden Gefährten zurückkamen, ohne dass inzwischen etwas Außergewöhnliches zu sehen oder zu hören war. Jedoch überlief sie eine Gänsehaut, als Vernita erzählte, dass der Wirt tot war, erst recht, als Vernita erwähnte, dass es Söldner gewesen sein mussten.
„Der arme Wirt“, flüsterte Leanora. „Ob das die sind, die im Tagebuch erwähnt sind? Dann - oje, der Erbauer steh uns bei.“
Ohne dass die Elfe antworten konnte, passierten zwei Sachen auf einmal: sie hörte eine Stimme, und gleich darauf wurde sie von Vernita in die Taverne geschleudert, wo sie sehr unsanft auf dem Boden landete.


Die beiden Gestalten warfen sich in die Taverne zurück, sie steckte den Pfeil wieder zurück in den Köcher und zog ihr Schwert. Geschwind sprang sie vom Dach und lief in die Taverne hinein. Drinnen liefen die Gestalten gerade zur Küche, doch sie war schneller. Sie lief durch die Vorratskammer, hechtete über einige Kisten unbekannten Inhalts und packte eine der Gestalten im Flug am Halse. Beide fielen sie in die Küche und rutschten in die Mitte des Raumes. Da erkannte sie, wen sie sich gefangen hatte.
„Na schau an, Vernita. Was macht Ihr hier?!“ Fragte sie verwundert und steckte das Schwert wieder weg, wobei sie von ihr herunterstieg und ihr die Hand reichte um ihr aufzuhelfen.


Irgendetwas traf Vernitas Rücken und warf sie um, doch diese rollte sich sogleich ab und war innerhalb weniger Augenblicke wieder auf den Füßen. Sie kreiselte herum, wobei sie schon mit einem ihrer Kurzschwerter ausholte, doch mitten in der Bewegung hielt sie inne. Vor ihr stand Lydia, die sie schelmisch angrinste.
„Das sollte ich dich besser fragen“, erwiderte die Elfe unfreundlich, auf die Frage des Mädchens hin. „Ich hätte dir fast den Kopf abgeschlagen! Was treibst du hier, verdammt noch mal!?! Hältst du das hier für einen Familienausflug, oder was!?!“


„Ich wollte hier ein Mädchen besuchen, was mir heute früh das Pferd abgenommen hat. Ich habe ihr versprochen wiederzukommen, ich bin da, sie nicht. Habt ihr sie gesehen?“ fragte sie mit flehendem Blick.
„Habt Ihr überhaupt eine Ahnung, was hier passiert ist?“ fragte sie weiter und sah sich um. Es sah wüst aus im Raum. „Denkt Ihr... sie hat überlebt?“
Wieder begann ihr Herz zu hämmern, es schlug wie wild und trommelte gegen ihre Brust.


„Sicher weiß ich, was hier los war“, erwiderte Vernita mit einem abfälligen Grinsen auf den Lippen. „Hier wurde ein Festmahl gegeben, und der Wirt war der Hauptgang, das war hier los. Und wenn du nicht als Nachspeise enden willst, dann sieh zu, dass du ins Versteck zurückkommst. Deine kleine Freundin lebt. Du kannst Rowan nach ihr befragen, aber jetzt verschwinde. Und unternimm keine Ausflüge mehr, ohne mich vorher davon in Kenntnis zu setzen. Inzwischen sind weitaus gefährlichere Leute hinter uns her, als die Stadtwache und unnötige Spaziergänge ziehen nur ihre Aufmerksamkeit auf uns. Und jetzt hau ab, bevor ich dir Beine mache.“
Die Elfe wandte sich genervt von Lydia ab und sprach beim Hinausgehen noch Leanora an. „Kommt mit. Wir haben noch was zu erledigen.“


„Lydia! Wie kannst du nur? Sieh zu dass du ins Versteck kommst, du hast hier absolut gar nichts zu suchen!“
bestätigte Leanora Vernitas Mahnung.
Während die Elfe jedoch mit Lydias Standpauke beschäftigt war, konnte Leanora einen Blick auf das Blutbad in der Küche werfen, und sie schluckte einige Male, um ihre Übelkeit zu unterdrücken.
Sie war heilfroh, als Vernita sie wieder nach draußen zog, noch eine Minute länger, und sie hätte sich wohl doch noch übergeben.
Draußen zitterten ihr die Knie. „Welche Leute sind das nur, Vernita?“ Natürlich wollte sie keine Antwort darauf, es war eine rein rhetorische Frage.


„Ja, ja, schon gut… alte Hexe“, fügte sie mürrisch hinzu. Sie stieg an der nächsten Fassade nach oben und blickte über die Dächer. Mika hatte es überlebt und Rowan wusste weiteres, und so wandte sie sich wieder ab und verschwand wieder in der Dunkelheit.


„Kranke Bastarde sind das, meine Liebe“, meinte Vernita trocken. „Deshalb sagte ich Euch auch im Versteck, dass Ihr Euch mehr Sorgen um Euch selbst als um Euer Pferd machen sollt, denn diese Zwergin, von der ich vorhin gesprochen habe, verspeist mit Vorliebe ihre Opfer und behält nur deren Kopf. Den vom Wirt habe ich im Küchenschrank gefunden. Darum müssen wir diese Hurensöhne auch unbedingt finden, bevor sie uns finden. Ich will einen Präventivschlag gegen sie durchführen, bevor sie uns in den Rücken fallen kommen. Aber darum kümmert sich jetzt Rowan. Wir haben andere Dinge zu erledigen. Also, wenn es nichts mehr zu bereden gibt, sollten wir weitergehen.“


Leanora konnte kaum glauben was sie zu hören bekam. Wie pervers waren manche Leute veranlagt? Sie durfte sich das gar nicht genauer ausmalen, sonst würde sie sich wohl doch noch die Reste des Essens durch den Kopf gehen lassen.
„Na ich hab‘ sicher nichts dagegen, wenn wir hier verschwinden. Aber eines wüsste ich dennoch gerne: Bin ich in der Kirche halbwegs sicher, oder glaubt Ihr, dass diese... Bastarde auch dorthin kommen?“


„Vollkommen ausschließen kann ich es natürlich nicht, dass diese Söldner in der Kirche auftauchen werden“, erwiderte Vernita auf die Frage Leanoras. „Allerdings denke ich nicht, dass sie etwas gegen Euch unternehmen werden, solange Ihr in der Obhut der Kirche seid. Die Kirche ist vom Staat unabhängig und hat mit den Templern ihre eigene Schutztruppe. Sollten diese Söldner Hand an ein Mitglied der Kirche anlegen, werden sie wohl bei der nächsten öffentlichen Verbrennung der Kirche als erstes den Flammen zum Opfer fallen. Und für so dumm halte ich diese Kerle nicht. Also, macht Euch darüber keine Sorgen. Ihr müsst Euch auf andere Dinge konzentrieren.“
Mit diesen Worten ließen sie die Taverne hinter sich und machten sich auf den Weg zur Kirche.
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BeitragThema: Re: Kapitel XIX - Kennenlernen der Gegenspieler   Mo 22 Aug 2011, 3:09 pm

Als Rowan das Versteck erreicht hatte, legte sich bereits bleierne Müdigkeit über sie. Kraftlos nahm sie die Stufen hinunter in den Keller. Nachdem sie noch etwas Wasser getrunken hatte, setzte sie sich auf die Liege zu Sareth und begann, ihre Rüstung abzulegen und ihre Verbände zu erneuern. Der Krieger half ihr dabei und schon bald lag sie in seinen Armen und fiel in einen tiefen, traumlosen Schlaf.


Miandra öffnete einige der Kisten und begutachtete deren Inhalt. Man erkannte sofort, dass dies das Lager eines Schmiedes war, da sich darin hauptsächlich Erze, alte Rüstungsteile, sowie altes Werkzeug befanden. Eigentlich alles Dinge, die sie nicht brauchen konnte, doch als sie sich weiter umsah fand sie eine kleine Schachtel auf der sich bereits eine dicke Staubschicht ausgebreitet hatte, die ihr beim Öffnen ein Grinsen aufs Gesicht legte.
Wurfmesser. Perfekt.
Miandra nahm eines der Messer heraus um die Klinge begutachten zu können. Da das Licht sehr schummrig war erkannte sie nicht aus welchem Material sie gefertigt waren, aber es waren wohl schon ältere Waffen, die wohl noch nie benutzt wurden, da sie keinerlei Spuren von Abnutzung aufwiesen. Wahrscheinlich da solche Waffen nicht gerade üblich waren, und der Schmied es daher nicht schaffte sie zu verkaufen.
Zusammen mit der kleinen Holzschachtel begab sie sich wieder auf die andere Seite des Raumes, wobei ihr Blick kurz zu Sareth und Rowan glitt. Miandra hatte gar nicht mitbekommen, dass diese zurückgekommen war, und nun lag sie da, kuschelte sich an diesen Söldner und schien bereits zu schlafen. Zudem fiel ihr auf, dass Lydia stattdessen verschwunden war. Kaum passte man wohl einmal kurz nicht auf, war die Lage wieder komplett anders… Kopfschüttelnd wandte sie den Blick wieder ab und stellte die Schachtel auf dem Steinboden ab. Kurz blickte sie sich um. Die Entfernung zu den Kisten war nicht gerade sehr hoch. ‚Doch zum Austesten sollte es genügen‘, dachte sie sich und warf sogleich das Messer in deren Richtung. Ein surrendes Geräusch war zu vernehmen, als sich die kleine Klinge mit drehenden Bewegungen ihren Weg durch die Luft bahnte und schließlich an einer Seitenstütze eines Holzregals ihr Ziel fand. Ein leicht verärgerter Blick legte sich auf ihr Gesicht, da sie wohl wo anders hingezielt hatte, sodass sie nach einem weiteren Messer griff und den Vorgang wiederholte.


Neria, die noch immer eingehüllt in ihrer Schurwolldecke auf ihrer Liege lag, sah dem regen Treiben im Versteck gelangweilt zu. Selbst wenn sie gerne ihre Hilfe angeboten hätte, waren ihr die Hände gebunden, da ihr Gewand noch immer zum Trocknen auf dem Seil hing. Dem ständigen Kommen und Gehen und der regen Betriebsamkeit entnahm sie, dass es sehr bald ernst werden würde, was Vernitas Vorhaben beträfe.
Sie kramte in ihrer Tasche, und griff erleichtert nach einer kleinen Dose in der sich grüne und rote Pastillen befanden. ‚Hoffentlich kommt Leanora noch einmal ins Versteck zurück bevor sie Vernitas Plan durchführen muss‘, dachte sie besorgt, und legte die Dose wieder in ihre Tasche zurück.
Danach setzte sie sich auf und beobachtete Miandra die missmutig durch das Versteck stampfte, und sich an einer der Kisten zu schaffen machte. Es schien ihr gut zu gehen, aber die lange Zeit im Versteck schien sie ebenso zu zermürben wie all die anderen, sodass sie sich als Zeitvertreib im Messerzielwerfen versuchte.
Als Miandra, offensichtlich verärgert über ihre eigenen Wurfkünste, zum zweiten Wurfversuch ausholte, konnte Neria nicht anders, als verstohlen einen Schutzschild in Richtung der Kisten zu sprechen. Um von Miandra jedoch nicht gleich dabei ertappt zu werden, stand sie sogleich schmunzelnd, geschäftig tuend auf um ihre Robe und Unterkleid vom Seil zu nehmen. Wenn sie ihre Sachen schon noch nicht anziehen könnte, dann wollte sie die wenigstens in der Zwischenzeit nähen.


Das zweite Wurfmesser, welches das anvisierte Ziel genau getroffen hätte, prallte wie wenn es von einer unsichtbaren Wand geblockt worden wäre, einfach an einer der Holzkisten ab und fiel mit einem klirrenden Laut zu Boden. Etwas verwundert darüber zog Miandra eine Augenbraue in die Höhe und starrte einen kurzen Augenblick auf das am Boden liegende Messer. Hatte sie denn so wenig Kraft, dass dieses einfach an einer alten Holzkiste abprallen konnte? Natürlich nicht, schließlich blieb das erste auch einfach stecken.
Zögernd ging sie zu den Kisten und hob das Messer vom Boden auf und versuchte es aus direkter Nähe durch das Holz zu jagen, doch egal an welcher Stelle sie es versuchte, das Messer drang nicht einen Millimeter in dieses ein, bis es ihr dämmerte und sie ihren Blick auf Neria warf, welche sich gerade wieder hingesetzt hatte um scheinbar einen ihrer Fetzen zu nähen. Hatte diese etwa die Kisten mit einem Schutzzauber belegt? Und selbst wenn, was für einen Sinn sollte das haben? Miandra verwarf den Gedanken wieder, da es einfach nur lächerlich gewesen wäre, zog stattdessen das andere Messer aus dem Regal und ging zurück zu ihrer Liege, nahm jedoch im Vorbeigehen die Holzschachtel mit den restlichen Messern mit und stellte diese neben ihrer Liege ab.
Eines der Messer behielt sie in der Hand und fixierte Neria mit durchdringendem Blick, schien zu überlegen ob diese vielleicht doch dafür verantwortlich war, dass sie nun nicht weiterüben konnte.


Geschwind jagte Lydia zurück zum Versteck, ebenso schnell und geschickt wie auf ihrem Weg zur Taverne hin. Hastig stieg sie nach unten und betrat den Raum. Rowan lag auf ihrer Liege, doch Lydia wollte vor Fragen platzen.
Sie überschüttete sie mit einer ganzen Flut an Fragen. „Hast du Mika gesehen? Sie lebt? Geht es ihr gut ? Wo ist sie jetzt hin? Hast du etwas von ihr für mich?“
Hibbelig und aufgedreht hüpfte sie beinahe vor Rowan auf und ab.


Rowan war gerade in einen barmherzigen Schlaf gesunken, als sie von einem Wortschwall wieder in die Wirklichkeit gerissen wurde. Verwirrt blinzelte sie und brauchte einige Atemzüge um das kleine Mädchen, das sich ihrer Gruppe angeschlossen hatte, zu erkennen. Sie hüpfte aufgeregt vor ihrer Liege auf und ab und Rowan hatte keine Ahnung, was sie faselte.
„Sei still! Kannst du nicht sehen, dass ich versuche zu schlafen?“ fuhr sie das Kind an.


„Ja aber... aber... Vernita hat mir gesagt, du hast Mika getroffen und du weist wo sie hin ist...“
Sie blickte sie flehend an. „Bitte, ich muss es wissen... sie... sie ist mir wichtig...“
Sie kniete sich zu Rowan. „Bitte, was ist mit Mika?“


„Ich hab keine Ahnung wovon du redest und was Vernita damit zu tun hat, aber wenn du mich nicht augenblicklich weiter schlafen lässt, wirst du es bereuen“
, zischte Rowan dem Mädchen entgegen.
In ihrer Stimme schwang ein gefährlicher Ton mit. Sie drehte ihrem Gegenüber den Rücken zu und schloss die Augen. Vorher entging ihr der Blick, den Sareth ihr zuwarf, nicht. Er schaute sie fragend an und war anscheinend überrascht, dass sie so feindselig reagierte.


Lydia ließ sich an die Wand fallen. „Es tut mir leid wenn ich Euch damit belästige, ich weiß dass ich Euch gestört habe. Es ist mir nur wichtig. Ich... ich habe mich in Mika verliebt… ich will nicht, dass ihr etwas zustößt. Ich habe ihr versprochen, dass ich diese Nacht wiederkomme. Bitte, hat sie Euch etwas gegeben?...“ fragte sie höflicher und sah ein, dass es ein Fehler gewesen war Rowan anzusprechen. Anscheinend wurde sie gehasst. Nicht nur Miandra und Vernita, nein auch Rowan wollten nichts mit ihr zu tun haben.
Sie dachte nach. Was, wenn Vernita entschied, dass sie die Gruppe behinderte? Dass sie störte? Sie hatte absolut keinerlei Zweifel daran.
„... sie würde mich töten. Kalt, geübt, brutal...“, sagte sie halblaut zu sich selbst. War es das wert? In der Angst leben zu müssen, von seinen Gefährten erdolcht zu werden? Eine einzelne Träne lief ihr die Wange hinab, als sie an Mika dachte und was wohl passieren würde, brächte sie das Mädchen mit ins Versteck. Vernita oder Rowan würden sie vielleicht hinauswerfen - oder Schlimmeres. Zusammenschlagen? Vernita war das ohne weiteres zuzutrauen. Gar töten? Wer wusste das schon.


Rowan hörte erleichtert, dass das Mädchen endlich verstummt war und wollte sich mit einem Seufzer wieder in den Schlaf begeben. Da spürte sie eine Hand an ihrem Arm. Als sie die Augen öffnete, blickte sie in das besorgte Gesicht von Sareth. Er zog eine Augenbraue hoch und nickte in die Richtung, in der die Kleine eben gestanden hatte.
Ärgerlich stöhnte sie, als Rowan sich umdrehte und das Mädchen anblickte. Diese hatte bereits Tränen in den Augen, was Rowan noch mehr aufregte. Sie war noch ein Kind! Was in Andrastes Namen hatte sie hier zu suchen?
„Sprichst du von der Schwarzhaarigen aus der Taverne?“ ein Aufflackern in den Augen des Mädchens sagte ihr, dass sie richtig lag.
„Und was faselst du da von verliebt sein? Wie oft kannst du sie schon....“ ein Stoß zwischen ihre Rippen ließ sie den Satz abrupt beenden.
Rowan kniff die Augenbrauen zusammen. Anscheinend hatte das Mädchen hier einen Schutzengel. Resigniert seufzte sie und schaute die Kleine etwas freundlicher an.
„Es geht ihr gut. Sie hat mir gesagt, ich soll dich grüßen. Aber ich werde dir nicht sagen, wo sie sich aufhält.“


„Danke Rowan, das ist gut zu wissen. Und ja, ich bin in sie verliebt. Ich bin richtig in sie verliebt.“ Sie schmunzelte und wischte sich die Träne aus dem Gesicht. „Ich würde sie aber gerne besuchen…“
Sie blickte Rowan an, tief sah sie ihr in die Augen. „Schmetterlinge im Bauch... ich würde sie so gerne wiedersehen!“


„Es tut mir leid, aber da wirst du noch warten müssen. Im Moment ist die halbe Stadt hinter uns her und ich werde nicht riskieren, dass deine Ausflüge uns in weitere Schwierigkeiten bringen. Wenn sie auf mich gehört hat, dann wird sie in Sicherheit sein, also mach dir keine Sorgen. Und nun lass mich bitte weiter schlafen, ich muss mich erholen.“
Rowan rang sich ein Lächeln ab und drehte sich dann wieder zu dem Krieger um. Bevor sie die Augen schloss schaute sie ihn mit zusammengekniffenen Augen an und streckte ihm die Zunge raus. Doch während sie sich an seine Brust drückte umspielte ein Lächeln ihre Mundwinkel.


„Ich… verstehe. Hoffentlich muss sie nicht allzu lange auf mich warten.“ Sie zog die Beine an und umschlang sie mit den Armen.
„Vielleicht kann ich ihr einen Brief zukommen lassen... aber wie?! Hoffentlich kommen wir bald aus der Stadt raus, ich mag nicht mehr hier rumsitzen und nichts tun.“
Mit diesen Worten raffte sie sich auf und ging zu ihrer Liege. Sie entkleidete sich bis auf die Unterwäsche und ließ sich in ihren Kissenberg sinken.
Bald waren ihre Gedanken weit entfernt, mal hier, mal da, doch meist bei Mika. Bei Mika und ihrem Dorf...


Neria hatte inzwischen ihr Gewand von dem Seil abgenommen, aus ihrer Tasche Nadel und Zwirn zur Hand genommen, und begann damit die Schnitte und Löcher zuzunähen, die ihre Robe die letzten Tage abbekommen hatte.
Wie Miandra zu den Kisten stapfte, und verzweifelt versuchte das Messer in die Kiste zu rammen, musste sie sich schwer zusammenreißen, um nicht lauthals zu lachen. Ein kurzes Prusten und ein schelmisches Lächeln konnte sie dennoch nicht vermeiden.
Miandra schien den Braten zu riechen, und sah sie mit einem prüfenden Blick an. Ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit reichte, dass sich Neria mit der Nadel in den Finger stach, was sie sogleich mit einem leisen fluchenden Schmerzschrei quittierte.
Miandras Gesichtsausdruck ließ auf eine gewisse Schadensfreude über ihr Missgeschick schließen.
Nachdem Neria das Anschweigen und die Totenstille im Versteck auf die Nerven ging, wandte sie sich an die schwarzhaarige Frau.
„Tut mir leid, dass ich Eure Wurfübungen etwas sabotiert habe“, meinte sie entschuldigend zu Miandra.
„Ich konnte einfach nicht anders“, fügte sie kichernd hinzu. Nachdem sie Miandra noch immer todernst anblickte, fuhr sie mit bedächtiger Stimme fort. „Eigentlich kein Wunder, dass man einen Lagerkoller bekommt wenn man tagelang untätig hier unten hockt“
Neria hob sogleich ihren Schutzzauber der Kisten mit einer Handbewegung auf. „Versucht mal das hier zu treffen“, sagte sie und verursachte zeitgleich einen münzgroßen Brandfleck auf einer der Kisten.
„Genug Messer habt Ihr nun ja“, sprach sie weiter und warf einen Blick auf die kleine Holzkiste, die Miandra zurück auf ihren Platz genommen hatte.
„Wir können uns aber auch gerne auf die Suche nach einem neuen Versteck machen. Soweit ich vorher Vernita verstanden habe, sollten wir so schnell wie möglich Ersatz für dieses Versteck suchen… und je mehr danach suchen, desto eher werden wir etwas Geeignetes finden. Wenn Ihr also nichts dagegen habt gemeinsam mit mir zu gehen, dann geduldet Euch bitte noch ein wenig. Ich muss meine Sachen noch ein wenig trocknen.“
Mit diesen Worten stand sie auf, spannte das Seil über die Feuerstelle und hängte ihre Sachen darüber.


Lydia schreckte durch eine leise Unterhaltung aus ihren Gedanken. Sie setzte sich auf, wickelte sich in ihre Decken ein und lauschte.
„Ein neues Versteck?!“ fragte sie verschlafen. „Wo? Wo gedenkt Ihr hier in der Stadt Unterschlupf zu finden?“
Sie guckte fragend. Ihr wäre kein Platz zum Untertauchen bekannt und sie kannte die Stadt schon recht gut.
„Ich würde aber auch gerne mitgehen, ich mag es nicht, hier herum zu sitzen und nichts zu tun...“


Also lag sie doch richtig mit ihrer Vermutung, doch dass sich diese scheinbar nur über sie lustig machen wollte, war beinahe mehr als ihre Nerven ertrugen, doch sie ließ sich nichts anmerken, und verzog ihre Miene kein Stück.
„Oh ja wirklich sehr komisch… Komisch, dass gerade Ihr von einem ‚Lagerkoller‘ sprecht, wo Ihr doch von uns allen die wenigste Zeit hier verbracht habt… dabei müsstet Ihr Euch doch hier wie zu Hause fühlen“, erwiderte sie sarkastisch, und klatschte sich mit einer Hand auf die Stirn, als hätte sie einen Einfall. „Oh ich vergaß! Da habt Ihr es ja auch nicht ausgehalten... wie schade…“
Miandra wandte den Blick von Neria ab, stand wieder von ihrer Liege auf und blickte kurz zu der verkohlten Stelle, bevor sie einmal tief ein und ausatmete, ein Auge schloss um besser zielen zu können, bevor sie dieses in die Richtung warf. Das Messer blieb einige Zentimeter oberhalb der verkohlten Stelle stecken.
„Damit wäret Ihr wohl schwer verletzt, wahrscheinlich an der Schulter, oder tödlich am Kopf oder Hals“, sagte sie und nahm ein weiteres Messer aus der kleinen Schachtel, zielte absichtlich an einen tieferen Punkt und warf dieses ebenfalls.
„Dieses hier würde wohl perfekt zu Eurem Oberschenkel passen“, sie nahm ein weiteres Messer, zielte erneut und warf es ebenso wie die vorherigen. Dieses fand sein Ziel genau dazwischen, und durchbohrte die verkohlte Stelle.
„Und hiermit wäret Ihr tot…“, kurz legte sich ein leichtes Grinsen auf Miandras Gesicht und sie blickte zu Neria. „Aber wahrscheinlich müsste ich Euch vorher die Zunge rausschneiden, oder Euren Hals wieder mit einem provisorischen Strick verzieren.“
Miandra wandte den Blick wieder von Neria, ging zu den Kisten und zog die Messer heraus, während sie weitersprach. „Und was meine Geduld betrifft, so hält diese lange genug an, um darauf zu warten mit jemand anders nach einem neuen Versteck zu suchen, da ich kein Interesse daran habe mit jemanden durch die Stadt zu laufen, der die Wachen am Ende noch mit Schutzzaubern belegt.“
Anschließend setzte sie sich wieder auf ihre Liege und verstaute die Wurfmesser in der Schachtel, ohne Neria eines weiteren Blickes zu würdigen, und wandte sich kurz an Lydia. „Ich kenne keinen, aber es wird sich schon etwas finden, nur Geduld… vorerst sollten wir warten, welche Kunde die anderen für uns haben bezüglich der Taverne und Kirche, bevor wir einfach gedankenlos loslaufen. Ich denke niemanden gefällt es hier, aber es ist nötig, und es gibt weitaus Schlimmeres als sich zu langweilen.“


Zuletzt von Allie am Mo 29 Aug 2011, 1:53 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Kapitel XIX - Kennenlernen der Gegenspieler   Mo 22 Aug 2011, 3:25 pm

Vernita führte die Frau durch verwinkelte und dunkle Gassen zur Rückseite der großen und mächtigen Kirche der Stadt. Auch wenn der Großteil davon im Schatten der Nacht verschwand, konnten die beiden Frauen schon von weitem erkennen, was für einen Prachtbau sich die Anhänger des Erbauers und seiner Prophetin Andraste hier hingestellt hatten.
Die beiden erreichten die Mauer auf der Rückseite der Kirche, welche von einem Rankengewächs überwuchert war, dessen dünne Äste äußerst widerstandsfähig aussahen. Die Elfe packte einige Büschel davon und zog kräftig daran, doch das Geäst ließ sich nicht herausreißen.
„Das sieht ziemlich gut aus. Versuchen wir es doch einfach mal“, meinte Vernita grinsend, bevor sie begann die Mauer über die Schlingpflanzen zu erklettern. Dabei riss sie wohl einige Blätter des Gewächses ab, doch ansonsten hielt es ihrem Gewicht stand, was die Elfe sehr erstaunlich fand. Sie wandte den Kopf nach unten, wo Leanora noch etwas unsicher vor der Mauer stand. Vernita musste daraufhin verschmitzt grinsen. „Kommt Ihr auch? Oder wartet Ihr noch auf jemand Spezielles?“
Die Elfe lachte leise, während sie den Rest der Mauer erklomm. Oben angekommen lugte sie über den Rand und sondierte die Lage. Der Hinterhof lag vor ihr in Dunkelheit gehüllt. Niemand war zu sehen. Keine Wachen, keine Priester. Nichts. Anscheinend rechnete niemand damit, dass jemand auf die Idee kommen könnte, ein für die Öffentlichkeit zugängliches Haus, heimlich betreten zu wollen. Zur Zufriedenheit der Elfe wuchs dieses Schlingpflanzengewächs auch auf der anderen Seite der Mauer. So hievte sie ihren Körper über das Hindernis und sprang die wenigen Meter bis zum Boden einfach herunter.
Sie landete geschickt auf den Füßen. Für einen Moment verharrte sie in ihrer hockenden Position und beobachtete weiterhin den Innenhof. Aber nach wie vor rührte sich hier nichts.
„Kommt schon, Leanora!“ zischte sie leise die Mauer empor. „Hier ist niemand! Ihr könnt unbesorgt hereinkommen.“


Leanora war nicht so geübt in der Kletterei, auch wenn sie zu Hause die Apfelbäume ohne Probleme erklommen hatte. Aber mit stabilen Stauden hatte sie noch keine Bekanntschaft gemacht, und lieber krabbelte sie vorsichtig hoch, als mittendrin hinunter zu fallen. Oben angekommen wurde ihr leicht übel, als sie die Höhe bemerkte, in der sie gerade war. ‚Nicht nach unten sehen... nur nicht nach unten sehen‘, dachte sie sich, und begann mit dem Abstieg in den Innenhof.
Letztlich hatte sie es doch geschafft, und sie landete sicher auf ihren Beinen.
„Bin hier Vernita. Was ein Glück dass ich künftig nicht diesen Eingang nehmen muss“, flüsterte sie leise zurück.


„Los gehen wir und erkunden die Lage!“ zischte Vernita leise. „Und haltet den Kopf unten. Nur für alle Fälle.“
In geduckter Haltung huschte die Elfe erstaunlich schnell und ebenso leise über den Innenhof in Richtung des Gebäudes. Sie beobachtete die Fenster und erspähte auch eine Tür, doch nirgendwo war ein Lichtschein zu erkennen. Offenbar war keiner mehr wach. Das konnte den beiden nur zum Vorteil gereichen.
Sie erreichten kurz darauf die Hauswand. Vernita presste sich an diese und schlich weiter bis zu der schmalen Tür. Direkt daneben erblickte sie einen alten Baumstumpf. Das wurde ja immer besser. An der Tür angekommen begab sie sich auf die Seite mit der Türklinke und drückte diese ganz sachte nach unten. Zu ihrem Erstaunen musste sie feststellen, dass die Tür nicht verschlossen war. Hier fühlte sich jemand wohl wirklich sehr sicher. Langsam zog sie diese auf und riskierte einen Blick in das Gebäude. Sie sah einen langen, schmalen Korridor, der von einzelnen Fackeln erhellt wurde. Links und rechts gingen mehrere Türen ab. Ansonsten war der Gang leer. Die Elfe schloss den Hinterausgang wieder und wandte sich dem Baumstumpf zu.
Sie untersuchte das ziemlich morsche Ding, wobei sie an dessen Unterseite sogar ein kleines Loch vorfand. Vernita zog eines ihrer Schwerter, mit dem sie dieses Loch vergrößerte. Mit der Spitze der Waffe stach sie dazu in das Holz und hebelte Teile davon heraus, welches auch ohne Probleme absplitterte. Das tat sie an mehreren Stellen, bis die Öffnung etwa doppelt so groß war wie zuvor.
„Da drin könnt Ihr mir Botschaften hinterlassen, falls es mir nicht möglich sein sollte, mit Euch persönlich in Kontakt zu treten, oder es bis dahin zu lange dauern würde“, meinte die Elfe zu Leanora gewandt. „Ich werde diesen Baumstumpf jede Nacht mindestens ein oder zweimal kontrollieren. So, und jetzt lasst uns verschwinden. Alles Weitere besprechen wir, wenn wir wieder im Versteck sind.“
Vernita steckte ihr Schwert wieder weg, bevor sich die beiden Frauen auf den Rückweg machten.


Leanora schaute sich verstohlen um. Dieser Innenhof würde bald schon ihre neue Heimat werden, zumindest für kurze Zeit. Das konnte ja heiter werden!
Sie war heilfroh, dass es diesen Baumstumpf gab, aber sie hoffte auch, dass dieser auch wirklich so leicht zugänglich war, wie Vernita meinte. Was war, wenn doch Wachen patrouillierten?
Sie nickte Vernita zu und gemeinsam machten sie sich auf den Weg zurück ins Versteck.


Vernita führte die beiden Frauen zum Versteck zurück. Wieder einmal nahmen sie den Hintereingang und achteten darauf, dass sie dabei nicht beobachtet wurden. Sie machten sich gleich auf den Weg zum Keller, um mit den anderen die aktuelle Lage zu besprechen. Schon beim Hereinkommen bemerkte Vernita, dass inzwischen alle wieder eingetroffen waren. Rowan und Sareth lagen auf ihrer Liege und schliefen, Lydia hatte sich in ihre Decken gemummelt, Neria trocknete ihre Kleidung und Miandra saß auf ihrer Liege mit einer Holzschachtel auf ihrem Schoß.
„So, da sind wir wieder“, bemerkte die Elfe während des Eintretens. Sie ging unverzüglich zu einem der Stühle und begann damit, ihre Rüstung abzulegen. „Für alle, die es noch nicht wissen, der Wirt der Taverne, in der wir zuvor genächtigt haben, ist tot. Offensichtlich wurde er von skrupellosen Söldnern brutal ermordet. Vermutlich hat er seinen Mördern auch etwas von Kylar erzählt, was sie früher oder später hierher führen wird. Somit hat das Auffinden eines neuen Verstecks oberste Priorität. Gleichzeitig wird Rowan allerdings versuchen diese Söldner aufzuspüren, bevor sie uns finden können, damit wir sie vorzeitig ausschalten können. Trotz alledem wird die Operationen Kircheninfiltration morgen wie geplant anlaufen.“
Die Elfe schnallte sich ihren Brustharnisch ab, während sie unvermindert weiterredete. „Ich dachte mir das folgendermaßen. Morgen früh werdet Ihr zur Kirche gehen, Leanora. Sagt Ihnen, dass Ihr als Laienschwester zum Wohle des Erbauers dienen wollt. Erzählt ihnen, dass Eure Familie bei einem Überfall von Banditen getötet worden ist, und dass Ihr glaubt, dass Ihr nur noch am Leben seid, weil der Erbauer über Euch gewacht hat. Und nun wollt Ihr diese Schuld abtragen, indem Ihr ihm dient. Außerdem seht Ihr ansonsten auch keinen Sinn mehr in Eurem Leben. Eben diesen ganzen sentimentalen Scheiß, den die Priester bei ihren neuen Opfern immer gerne hören. Da Eure Familie ja wirklich von Banditen niedergemacht wurde, braucht Ihr sie dabei noch nicht einmal anzulügen. Dürfte Euch also ziemlich leicht fallen, denke ich.“
Ohne mit dem Sprechen aufzuhören, legte sie ihre Rüstung beiseite und zog sich wieder ihre Zivilkleidung an. „Nachdem sie Euch aufgenommen haben, wovon ich ausgehe, versucht etwas über die Führer der Kirche in Erfahrung zu bringen. Fragt einfach ein paar der anderen Laienschwestern. Quetscht sie richtig aus, aber es soll sich nur nach blanker Neugierde anhören. Wenn ich eine Möglichkeit finde, tagsüber unbemerkt in die Kirche zu kommen, werde ich ebenfalls mit Euch in Kontakt treten. Ansonsten treffen wir uns inmitten der Nacht auf den von uns vorhin ausgekundschafteten Treffpunkt. Sollten wir uns dort verpassen, hinterlassen wir uns in dem Baumstumpf Botschaften. Noch Fragen dazu?“


„Ja, wann gibt’s was Warmes zu essen, oder muss ich mir wieder selber kochen?“ schielte Lydia zu Vernita. „Es gab schon seit Ewigkeiten nichts Warmes mehr und es würde jetzt gut tun.“
Sie grinste und zog die Decke zur Nasenspitze hoch. „Außerdem, wann kann ich Mika wiedersehen?! Ich bin ihr das Versprechen schuldig!“ Sie guckte Vernita an und grinste dreckig .


„Du willst mich wohl verarschen, Kleine, was?“ fuhr Vernita Lydia an. „Dieses Balg von dem du da redest, wirst du wohl eine ganze Weile nicht zu Gesicht bekommen. Wir haben wichtigere Dinge zu erledigen, als zwei Gören die Möglichkeit zu geben, miteinander im Sandkasten zu spielen. Wenn wir heil aus dieser Sache herauskommen, kannst du soviel Zeit mit dieser Mika verbringen wie du willst. Aber bis dahin wirst du nichts tun, was unsere Sicherheit gefährdet, klar? Oder ich reiß dir persönlich den Kopf ab und stecke ihn in einen Schrank!“
Dann wies die Elfe mit ihrem Daumen auf die Kisten hinter ihr. „Und was das Essen angeht... da sind die Vorräte, dort ein Feuer sowie ein Kochgeschirr. Da die Köchin gerade frei hat, wirst du dein Fressen wohl selbst kochen müssen, fürchte ich.“
Ein spöttisches Grinsen lag bei ihren letzten Worten auf Vernitas Lippen.


Das war Lydia eindeutig genug. Vernita war je eine scheußliche Person, doch das hatte das Fass zum Überlaufen gebracht. Ihre Art war ihr zu wider.
„Ihr... Ihr... Ihr unbeschreiblich abstoßendes Ekel! Freundlichkeit ist Euch wohl so fern wie anderen das Fliegen! Kennt Ihr so etwas wie Liebe? Wenn sie im Bauch kribbelt, wenn Ihr an die Geliebte denkt? Kennt Ihr das? Ich glaube nein! Ihr kennt Kaltherzigkeit, Arroganz und seelische Grausamkeit zu anderen! Und Ihr mir den Kopf abschlagen? Das hätten sie besser mit Euch gemacht! Ein Wunder dass ihr nicht verlangt, dass wir Euch die Füße küssen. Und erwartet ja nicht, dass ich Euch auch nur den Hauch eines Gefallens tue! Ihr könnt mir den Buckel runterrutschen, das könnt Ihr!“
Sie kochte vor Wut! Ihr Herz raste, ihr Kopf nahm eine feuerrote Farbe an. Vernita, wenn sie die Elfe nur sah, hasste sie sie schon. Ihr lief die Arroganz und Kaltherzigkeit schon zu den Ohren hinaus, so verbittert und verschlossen war sie, und zudem hatte sie noch etwas Herrschsüchtiges!


Neria folgte fassungslos Miandras Worten. Sie konnte sich nicht erklären, was diesen Hass gegen sie geschürt hatte, weil der kleine Streich den sie ihr gespielt hatte, ja unmöglich der Grund dafür sein konnte. Sie war sich bewusst, dass ihre zwei Ausflüge nicht gerade zur Stärkung des Vertrauens beigetragen hatten, aber mit so einer überspitzten Reaktion hatte sie nun auch wieder nicht gerechnet.
Gerade wie sie ihre Fassung wiederfand, und Miandra antworten wollte, betrat Vernita mit Leanora das Versteck, und Neria folgte aufmerksam Vernitas Schilderungen über die Ereignisse in der Taverne und der daraus resultierenden Folgen. Nachdem Vernita die Details ihrer Pläne Leanora verkündet hatte, wandte sich Neria, ohne auf Vernitas Worte einzugehen, an Miandra.
„Soweit also zum Thema Geduld und dass wir genug Zeit haben. Ihr werdet eher früher als später mit mir zusammenarbeiten müssen, ob Euch das nun gefällt oder nicht, und genauso wie mein Leben in Euren Händen liegt, wird Euer Leben in meinen Händen liegen. Aber wenn Euch das nicht gefallen sollte, dann sprecht doch mit Vernita, vielleicht befreit sie mich von meiner Verpflichtung, die ich übrigens freiwillig eingegangen bin, um Euch von der Qual meiner Anwesenheit zu befreien.“
Neria warf ihren Blick kurz auf die Messer auf der Kiste die ihr Ziel kaum verfehlt hatten und sprach schnippisch weiter. „Fein, dass Ihr bei den Gedanken an mich besser trefft als sonst, vielleicht solltet Ihr bei jedem Gegner an mich denken. Ich stelle mich gerne als Feindbild zur Verfügung, wenn es so sehr Eure Fähigkeiten beflügelt. Mir ist zwar unerklärlich was Euren Hass gegen mich ausgelöst hat, aber ich bin ja nicht hier um zu verstehen, sondern um zu kämpfen“ Sie hielt kurz bedächtig inne, bevor sie in süffisanten Ton weiter sprach.
„Für ein gemeinsames Ziel… Welch Hohn und Spott liegt in diesen Worten. Was versteht Ihr unter ‚Gemeinsam‘?“ Sie richtete ihre Stimme sarkastisch an alle Anwesenden. „Wenn unsere Feinde nur halb so gut Zusammenhalt besitzen wie wir, dann haben wir schon gewonnen“, sie lächelte hämisch bei ihrer Feststellung.
Neria bedachte Vernita, die gerade ebenfalls einen Disput mit Lydia auszufechten schien, mit einem vorwurfsvollen Blick, ging auf Lydia zu und zerrte diese von Vernita weg.
Kopfschüttelnd ging Neria zu den Vorratskisten, Lydia ging nur widerwillig mit, und zog an ihrer Hand, doch Neria ließ nicht locker. „Lass den Blödsinn Lydia, lass uns doch hier nicht gegenseitig aufreiben. Ich koche uns etwas, und wenn du willst, kannst du mir ja dabei helfen. Vernita hat in gewisser Weise recht, wenn du alt genug bist um zu kämpfen dann musst du auch alt genug sein dir dein Essen selber machen zu können, und wir haben momentan keine Zeit für deine Liebesgeschichten. Wenn jetzt nur einer von uns eine Unachtsamkeit begeht, ist unser Unternehmen gefährdet und wir eventuell alle tot. Willst du das?“ fragte sie Lydia eindringlich.
„Wenn wir das hier hinter uns haben wirst du noch genug Zeit haben, die schönen Dinge des Lebens zu genießen, also vertraue mir“, fuhr Neria mit beruhigender Stimme fort.
Erst jetzt bemerkte sie wirklich Leanora die ebenfalls zurückgekommen war, und sie erinnerte sich daran, was sie ihr geben wollte.
„Leanora könnt Ihr uns vielleicht helfen, ich bin auch nicht gerade eine Meisterköchin, und wir wollen ja nicht, dass ich hier alle vergifte“, sie musste bei dem Gedanken lauthals lachen.
„Zudem wollte ich Euch sowieso kurz sprechen, vorausgesetzt Ihr wollt das überhaupt“, dabei warf sie Miandra einen weiteren vernichteten Blick zu.


Ohne wirklich darauf zu achten, was genau Neria zu ihr eigentlich gesagt hatte, legte sich ein leichtes Grinsen auf Miandras Gesicht, da sie es irgendwie belustigend fand, wie Neria versuchte ihr ein schlechtes Gewissen einzureden. Sie bot also freiwillig ihre Hilfe an… wie konnte man nur so einfältig sein? Doch das brauchte sie sich wohl nicht zu fragen, da die anderen ja fast aus demselben Holz geschnitzt waren. Trotzdem verstand Miandra deren Denkweise nicht, und würde sie wahrscheinlich auch nie verstehen. Gemeinsamkeit… sie kannte nur das Gegenteil davon und war auch nicht Willens etwas daran zu ändern - vielleicht auch weil sie gar keine Ahnung hatte wie. Jeder der hier war, war selbst daran schuld. Niemand musste hier sein, keiner von ihnen wäre in dieser Lage, wenn sie nicht diese Selbstmordaktion im Fort gestartet hätten und sie teilte auch kein gemeinsames Ziel. Ihre Strafe und ihr Tod wären rechtens gewesen und sie hat niemanden von ihnen darum gebeten sie dort raus zu holen. Ja, sie waren Miandras Ansicht nach selbst schuld. Sollten sie nicht weitermachen wollen, würde sie es eben alleine machen, doch um sie einfach wegzuschicken, brachten sie doch alle einen zu großen Vorteil - so nervenzerreibend es auch manchmal war.
Miandra sagte nichts zu dem was Neria ihr gerade zu sagen versuchte, da für sie das Thema bereits wieder erledigt war und bekam dabei nicht einmal recht mit wie Lydia und Vernita sich am liebsten wohl wieder in der Luft zerrissen hätten.


Leanora hatte mit aufgerissenen Augen die Streitereien mit verfolgt. Einerseits nervte sie es gewaltig, dass hier keine zwei Minuten ein friedliches Miteinander sein konnte, aber sie hätte sich nie im Leben getraut, mit der Faust auf den Tisch zu hauen und ihre Meinung Kund zu tun. Also schluckte sie ihren Ärger hinunter, was in leichte Traurigkeit umschlug, und sie fühlte sich - wieder einmal - einsamer denn je. Einerseits war sie ganz froh, dass sie ab dem nächsten Tag im Kloster sein konnte, vielleicht fand ihre Seele ein wenig Ruhe, zumindest vor diesen Streitereien.
Sie erschrak beinahe, als Neria sie ansprach. Ein freundliches Wort? Welch Wohltat unter dem ganzen Gezanke.
Leanora gesellte sich dankbar zu Neria und Lydia an den Kochtopf.
„Wieso sollte ich nicht mit Euch reden wollen? Ihr seid Teil der Gruppe, genau wie ich. Es sei denn, Ihr wollt mich anmeckern, dann verzichte ich darauf“, schmunzelte sie. „Kochen kann ich übrigens auch nicht richtig, außer Grießbrei, aber den gab es ja erst. Dennoch, ich habe unserer Köchin öfter über die Schulter geblickt. Als Kind habe ich es geliebt, ihr bei der Arbeit in der Küche zuzusehen. Vielleicht ist ja etwas hängen geblieben?“
Eifrig durchsuchte sie die Vorräte nach Gemüse, etwas Fleisch und Kartoffeln. Kurz darauf schälte und schnippelte sie das Gemüse klein, schnitt das Fleisch in Würfel, gab etwas Schmalz in den Topf und ließ dieses heiß werden. Dann warf sie die Fleischwürfel hinein und ließ diese gleichmäßig anbraten, löschte das ganze mit etwas Wasser und einem Schuss Wein ab und gab das Gemüse dazu. Das ganze ließ sie einige Zeit köcheln, goss hin und wieder Wasser auf, und bald durchzog ein aromatischer Duft die Kellergewölbe.
„Um was geht es Neria? Wieso wolltet Ihr mich sprechen?“ fragte sie währenddessen die Magierin.


Neria zog Lydia von Vernita weg und holte sich dann auch noch Leanora dazu. Gemeinsam fingen die drei dann an, etwas zu essen zu kochen. Die Elfe selbst stand für einen Moment nur da, bevor sie verständnislos den Kopf schüttelte. Dann ließ sie sich wieder auf den Stuhl nieder, auf dem sie zuvor schon gesessen hatte, als sie sich ihre Rüstung ausgezogen hatte. Essen würde sie heute nichts mehr, sie hatte einfach keinen Hunger. Zu viele Dinge gingen ihr gerade durch den Kopf.
Sie fragte sich, womit sie das alles hier nur verdient hatte. Und wie lange sie das noch aushalten sollte, bevor sie den Verstand verlor. War sie die einzige hier, die ihr Hirn benutzte? Mit solchen Leuten war sie wirklich noch nie unterwegs. Ein kleines Kind, dass ihre Freundin besuchen wollte, während die halbe Stadt nach ihnen fahndete. Dann eine Adelige, die eine Heidenangst davor hatte, sich dem Bastard zu stellen, der ihre Familie ermorden ließ. Schließlich war da noch dieser Söldner, der wohl nur dabei war, weil er hinter einer Schurkin her war, die gleich immer so sentimental wurde, wenn es hart auf hart kam. Und dann war da noch diese Blutmagierin, die innerhalb eines Tages von einer Bestie zu einem Lamm wurde. Zudem vermisste sie auch noch diesen übereifrigen Elfen, durch den sie erst in diese Lage gebracht worden waren. Wo steckte dieser Kerl eigentlich schon wieder? Wäre da nicht noch Miandra gewesen, dann hätte Vernita wahrscheinlich schon längst die Brocken hingeschmissen und die Sache allein ausgefochten. Doch so musste sie sich wohl oder übel mit den anderen arrangieren. Erst recht seit dieser Sache mir den Templern.
Bei diesem Gedanken zog sie gleich das Emblem aus der Tasche, welches ihr Neria gegeben hatte. Sie begutachtete es eingehend, während sie mit den Fingern über dessen metallische Oberfläche strich. Irgendwo hatte sie dieses Zeichen schon einmal gesehen. Aber wo nur? Es fiel ihr beim besten Willen nicht ein. Sie würde dahingehend jemanden fragen müssen. Und sie wusste auch schon wen. Aber zuerst mussten sie sich nach einem neuen Versteck umsehen. Aber erst morgen.
Vernita steckte das Emblem wieder weg und lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück. Sie schloss die Augen und versuchte, sich zu entspannen, während sie den Gesprächen der anderen lauschte.


Neria war Leanora dankbar, dass sie das Kochen in die Hand nahm, sie ersparte ihr den Schmach, ihre lausigen Kochkünste zu offenbaren.
„Oh, danke Ihr wisst gar nicht wie sehr Ihr mir gerade aus der Patsche geholfen habt“, erwiderte Neria dankbar.
„Wir hatten noch nicht viel Gelegenheit miteinander zu plaudern, noch dazu bin ich Euch noch eine Entschuldigung für den kleinen Lähmungszauber schuldig, den ich am ersten Tag unserer Begegnung auf Euch gesprochen habe. Ich kann Euch versichern dass es nur eine Vorsichtsmaßnahme war, da ich nicht wusste, wie Ihr mir gesinnt seid. Als Mensch hattet Ihr sowieso nichts von mir zu befürchten, da sich mein Hass ja nur gegen die Elfen richtete. Aber das ist nun auch Vergangenheit“, versicherte sie Leanora und sprach nachdenklicher weiter.
„Ich habe mitbekommen, dass Ihr einen brisanten Auftrag zu erfüllen habt, und mir ist auch nicht entgangen, dass Ihr Euch dabei nicht ganz Wohl in Eurer Haut fühlt. Ich will gar nicht daran denken, ob Ihr bis zum Äußersten gehen müsst.“
Mit Schaudern dachte Neria, wie ihr es dabei ergehen würde, wenn sie sich jemanden hingeben müsste für den sie nur Hass und Verachtung empfindet.
Sie ging schnellen Schrittes zu ihrer Liege und entnahm der Tasche die kleine Dose mit den grünen und roten Pastillen und kehrte zu Leanora zurück. „In dieser Dose sind grüne und rote Pastillen, die grünen schalten Euren Geist aus, und die roten lassen Euren Körper nichts verspüren. Ich wünsche mir, dass Ihr nicht in die Situation kommt sie verwenden zu müssen, und ich würde Euch gerne auf eine andere Weise helfen, aber das ist die einzige Hilfe, die ich Euch bei Vernitas wahnwitzigen Plan zukommen lassen kann“, sagte sie bedauernd.
„Setzt sie weise ein, und denkt daran, niemals innerhalb kurzer Zeit beide zu nehmen, denn das würde Euch mit ziemlicher Sicherheit töten. Aber ich hab auch nicht unbedingt gesagt, dass Ihr sie selber nehmen müsst“, fügte sie schelmisch grinsend hinzu. Neria drückte Leanora die Dose mit einem freundlichen Lächeln in die Hand. „Ich werde mit meinen Gedanken bei Euch sein, und wünsche Euch alles Gute für Euren Auftrag, und kommt mir bitte gesund, beziehungsweise so, dass ich Euch noch zusammenflicken kann, wieder. So, jetzt schauen wir einmal, ob man das Zeug essen kann, was Ihr da gerade kocht, riechen tut es jedenfalls sehr gut.“ Sie beugte ihren Kopf neugierig über den Topf.


Leanora stand der Mund offen. Neria entpuppte sich doch als hilfsbereit, und was sie noch mehr wunderte, freundlich. So brachte sie außer einem verwirrt gestottertem „danke“ zuerst auch nicht viel zustande. Dann fasste sie sich aber langsam wieder und lächelte die Halbelfe herzlich an.
„Ach schon gut, war zwar nicht angenehm, dieser Lähmungszauber, aber es blieb ja kein Schaden zurück, also nicht weiter der Rede wert. Hätte ich solche Fähigkeiten, würde ich sie wohl auch zu meinem Schutz verwenden.“
Ein leichtes schalkhaftes Aufblitzen der Augen verriet ihre weiteren Gedanken, als sie Neria sicherheitshalber noch einmal fragte:
„Grün schaltet den Geist aus, Rot den Körper? Und beide zusammen sind sicher tödlich? Oder nur vielleicht tödlich?“ Ihr Gehirn arbeitete auf Hochtouren. „Wenn es tötet, kann man dann Spuren finden, oder wirkt es eher wie ein natürlicher Tod? Kann man das in einen Trank mischen, oder muss es als ganzes geschluckt werden?“
Sie ließ das Pillen-Döschen in ihrer Tasche verschwinden, auf diesen Schatz würde sie aufpassen wie auf ihren Augapfel.
Leise wisperte sie zu Neria. „Ich hätte da eine kleine Bitte an Euch... ich weiß, es ist eigentlich sentimentaler Kram, aber würdet Ihr Tjarks Tasche bei einem Umzug an Euch nehmen und sie hüten? Es wäre mir wichtig. Sehr wichtig sogar, und jemand anderem möchte ich sie nicht anvertrauen. Die einzige Person, der ich die Tasche geben würde, wäre Vernita, aber ich befürchte, sie sieht das nur als unnützen Ballast an...“ Sie blickte Neria bittend mit ihren honigfarbenen Augen an.


Neria, die ihren Kopf schon mehr im, als über dem Kochtopf hatte, hätte beinahe das gesamte Kochgeschirr umgeschmissen als sie sich wieder Leanora zuwandte.
Nachdem sie ihre Balance wiedergefunden hatte, war ihre erste Reaktion eher ungläubig, misstrauisch, weil bisher niemand mit ihr von Anfang an so freundlich gesprochen hatte, aber ein kurzer forschender Blick auf Leanoras Gesichtszüge, ließen ihre Zweifel, ob der Offenheit der freundlichen Worte, augenblicklich schwinden.
„Wenn wir das alleine essen wollen dann könnte ich…“, dabei zwinkerte sie Leanora geheimnisvoll zu, und mimte lachend eine Mumie.
„…Psst oder die grünen“ Sie deutete verborgen auf Vernita.
„Ja genau so ist es, die Farbe ist eigentlich symbolisch für das was sie bewirken. Beide sind definitiv tödlich, und man kann keine Spuren finden, da sich die darin enthaltene Essenz komplett im Körper zersetzt. Man kann das Ganze auch in ein Getränk mischen, dazu muss man die Pastille aufbrechen anstatt sie zu zerbeißen“, beantwortete sie schließlich Leanoras Fragen mit ernster Stimme.
„Wir können es ja an der schwarzhaarigen Zicke da hinten ausprobieren“, flüsterte sie leise scherzend Leanora zu.
„Was Eure Tasche angeht, kann ich mich gerne ihrer annehmen, nachdem ich keine Rüstung trage, ist sie wohl kaum zusätzlicher Ballast, lediglich halt eine Tasche mehr die ich tragen muss. Vielleicht passe ich dann auch besser auf mich auf. Es wäre ja schade wenn die Tasche Löcher oder Schnitte bekäme…“ sie fuhr sich bei diesen Worten schmunzelnd über ihre frischen Narben.


Leanora schmunzelte unwillkürlich, als sich Neria so ausließ.
„Vielen Dank Neria. Ihr wisst nicht, wie viel mir das bedeutet. Also nicht nur, dass Ihr die Tasche nehmt, sondern auch Eure Hilfe und... überhaupt. Es tut gut, mal nicht das Gefühl haben zu müssen, auf einem Pulverfass zu sitzen, welches jeden Moment hochgehen kann, und damit meine ich wohl den höflichen und respektvollen Umgang miteinander. Ich glaube, das haben hier die meisten entweder verlernt, oder...“ den Rest des Satzes ließ sie in der Luft schweben, dafür holte sie Schalen hervor und füllte diese mit dem Fleisch-Eintopf.
Dazu brach sie Stücke vom Brot und reichte es zuerst Lydia und Neria, dann genehmigte sie sich selber ihre Mahlzeit.
„Essen ist fertig, wer Hunger hat“, nuschelte sie in den Raum, da sie gerade den ersten Bissen im Mund hatte.


Mit großen Augen nahm Lydia die Schale mit Eintopf entgegen, zog Stäbchen aus einer ihrer Taschen und verputzte den Eintopf, sie trank alles restlos aus.
„Nachdem Ihr Euch um das Essen gekümmert habt, kümmere ich mich um die Musik, wenn’s rechtens ist“, grinste sie. Bei den Lagerregalen stand eine Laute und eine Flöte war ebenfalls zu erkennen. Sie setzte sich ans Feuer, stimmte die Laute und begann zu spielen. Es waren Lieder, welche sie auf ihrer Reise durch Ferelden kennen gelernt hatte und das, was man in ihrem Dorf spielte. Schnelle Rhythmen, fröhliche Akkorde. Behände lief sie die Bünde auf und ab, und jagte Akkord nach Akkord. Sie vertiefte sich in eine meditationsähnliche Trance, konzentrierte sich ganz auf die Laute und spielte schnelle Lieder, wobei fröhliche Texte dazu über ihre Lippen drangen.
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BeitragThema: Re: Kapitel XIX - Kennenlernen der Gegenspieler   Mo 22 Aug 2011, 3:26 pm

Miandra beobachtete die drei Frauen beim Kochen, doch selbst der Geruch des Eintopfs verlieh ihr kein Hungergefühl, da sie noch immer von dem Brotlaib gesättigt war.
Während sich die anderen über das Essen hermachten, dachte sie über das nach was sich in der Taverne ereignet hatte. Dass der Wirt dabei sein Leben ließ berührte sie nicht, doch sie dachte darüber nach was dieser vielleicht ausgeplaudert hatte... Bestimmt alles was er wusste, wenn sie ihn folterten...
Kurz bildete sich ein Klos in Miandras Hals welchen sie nur schwer runterzuschlucken schaffte, als plötzlich Musik in ihre Ohren drang und Lydia zu singen begann. Die Töne und der Text waren voller Freude, und passten absolut nicht zu dem was sich in ihrem Kopf abspielte. Urplötzlich fühlte sie sich wie in einer Taverne die aus Stein gemeißelt wurde… Schepperndes Geschirr, Gespräche die sie nicht interessierten, der Geruch von frisch gekochtem Essen und Musik. Doch genau diese lebhafte und freudige Stimmung schienen sie zu quälen, sodass sie von der Liege aufstand und zu der Geheimtüre ging.
„Bin gleich wieder zurück...“, sagte sie noch, eher an Vernita als an die Gemeinschaft gewandt, damit diese nicht gleich wieder aufsprang und ihr nachlief, bevor sie die Türe hinter sich schloss und sich an eine der unteren Stufen der Treppe setzte, die von dem kleinen Keller in die Schmiede führte, einmal tief ein und ausatmete und die Ruhe und Dunkelheit des Kellers, in welchem nur vom oberen Stock Licht zu drängen schien, auf sich wirken ließ.


Rowan lief durch einen dunklen Gang. Neben ihr waren nasse Wände aus Stein, über sich sah sie eine niedrige, kahle Decke. Sie rannte, doch sie wusste nicht, wovor sie weg lief. Oder lief sie auf etwas zu?
Plötzlich wusste sie es. Dort vorne war jemand, der ihre Hilfe brauchte. Immer schneller stolperte sie durch das Dunkel. Wie durch einen Nebel drang das Bewusstsein in ihren Kopf, dass es in diesem Gang voller Fallen wimmeln konnte. Sie hätte vorsichtig sein sollen, doch ihre Füße trieben sie immer weiter.
Dann sie plötzlich einen dunklen Schatten vor sich auf dem Boden liegen. Es war ein Mann, der dort lag. Um ihn herum war Blut und an der Wand hinter ihm steckten Bolzen im Gestein. Das Gesicht konnte sie nicht erkennen, doch sie wusste, dass sie zu spät gekommen war. Er war bereits tot. Sie trat näher heran, um das Gesicht zu erkennen, doch plötzlich zögerte sie.
Mit einem Mal war ihr, als würde sie die Gestalt erkennen.
Nein… nicht er… das durfte nicht sein schoss es ihr durch den Kopf. Sie erkannte die Rüstung, die der Mann trug und den Speer, den er neben sich liegen hatte. Voller Grauen schlug sie die Hände vors Gesicht. Ihre Knie fingen an unter ihr nachzugeben, da hörte sie plötzlich etwas…
Ein leises Geräusch drang an ihre Ohren und wurde stetig lauter.
Musik?
Sie hörte eine Laute. Zart klangen die Saiten des Instrumentes doch wurden sie mit jedem Takt mutiger und fröhlicher. Bald erklang eine Stimme dazu. Klar und eindringlich bahnten sich die Töne ihren Weg zu Rowan.
Verwirrt schaute sie auf.
Die Gestalt zu ihren Füßen war verschwunden. Stattdessen konnte sie nun voraus ein Licht erkennen. Dort schien der Tunnel zu enden und auch die Musik kam von dort. Zaghaft machte Rowan ein paar Schritte auf das Licht zu. Die Stimme wurde fester und prägnanter und unterstrich die heitere Weise, die das Instrument erzählte. Immer schneller trugen ihre Füße sie auf das Licht zu während die Musik lauter wurde. Der helle Fleck am Ende des Ganges wurde größer und schließlich musste Rowan die Augen zusammen kneifen, da sie das Licht blendete.

Sie blinzelte ein paar Mal, bis sie sich an die Helligkeit gewöhnt hatte und öffnete dann ihre Augen. Sie blickte sich um und erkannte den Keller wieder, in dem sie sich mit ihren Gefährten versteckt hielt. Vor sich sah sie Sareth sitzen, mit dem Rücken an die Wand gelehnt. Einen Arm hatte er um ihre Schulter gelegt, der andere ruhte auf seinem Oberschenkel. Die Finger seiner Hand klopften im Takt auf sein Bein. Die Augen waren geschlossen, doch die Pupillen bewegten sich hinter den Lidern.
Rowan brauchte einen Moment um aus ihrem Traum wieder in die Wirklichkeit zurück zu kehren. Jemand im Keller spielte Laute und sang dazu. Sie meinte zu erkennen, dass es sich um das junge Mädchen handelte. Rowan genoss die frohen Töne, schloss die Augen wieder und ließ sich von der Musik davon treiben.


Als Lydia nach einem weiteren Stück geendet hatte, stupste sie Neria an.
„Sag mal, spielst du ein Instrument? Flöte oder dergleichen?“ Sie lächelte verschmitzt. „Ich könnte dir auch einiges auf der Laute beibringen, so du denn willst...“
Sie begann wieder zu spielen, langsamer und ruhiger. Dann griff sie nach der Flöte, sie hatte schon lange keine Flöte mehr gespielt, doch wirklich etwas verlernt hatte sie nicht.
Vorsichtig legte sie diese wieder neben sich.
„Mir schlägt diese gedrückte Stimmung aufs Gemüt, ich will etwas dagegen tun. Wie wäre es, einmal gemeinsam ein bisschen Musik zu machen... nur hier sitzen und warten bringt nur Verdruss.“


Es war Nerias erstes warmes Essen seit vielen Tagen, dementsprechend gierig schlang sie den Eintopf hinunter. Ihr war gar nicht bewusst, dass sie ausgehungert wie ein hungriger Wolf war. „Ihr seid eine wunderbare Köchin, daran könnte ich mich gewöhnen“, sagte sie anerkennend zu Leanora
Leanoras Anspannung war sichtlich gewichen und sie strahlte nun Ruhe und Selbstbewusstsein aus. Neria war glücklich darüber, dass sie ihr doch auf eine gewisse Weise helfen konnte. Doch irgendwie war Neria auch beunruhigt über sich selber. Sie war weich geworden, vielleicht zu weich? Würden ihr bei einem Kampf ihre Gefühle nicht im Weg stehen? Was würde passieren, wenn sie im Kampf schnell entscheiden müsste wen sie von ihren Gefährten schützten sollte und wen nicht? Sie dürfte es auf keinen Fall zulassen, dass persönliche Präferenzen ihr Handeln bestimmen würden, auch wenn ihr das noch so schwer fallen würde.
Das Leben eines jeden Gefährten, unabhängig von ihrer Verbundenheit untereinander, müsste ihr mehr wert sein als ihr eigenes.
‚Schutzzauber sind eigentlich meine Schwäche‘, dachte sie bedauernd. Wozu auch? Sie hatte sie in der Vergangenheit kaum gebraucht. Der Gedanke, dass sie wenigstens Fernangriffe abwehren konnte beruhigte sie andererseits wieder, weil diese eigentlich die größte Gefahr für die Gruppe darstellen würde.
Ein Pfeil, geschossen von einem Gegner, dessen man sich nicht gewahr ist, weil man sich auf seine direkten Gegner konzentriert, würde eine tödliche Gefahr bedeuten. Sie nahm sich vor an der Schnelligkeit ihres Schutzzaubers zu arbeiten, mit dem sie zuvor Miandra beim Messerzielwerfen geärgert hatte. In einem der hinteren Ecken des Kellers sah Neria drei Fässer und versuchte so schnell wie möglich alle drei Fässer mit ihrem Schutzzauber zu belegen. Die Fässer begannen hintereinander leicht bläulich zu schimmern.
„Zu langsam“, fluchte sie leise murmelnd, sichtlich unzufrieden mit der Geschwindigkeit ihrer Zauber und wiederholte den Vorgang einige Male, ohne von ihrem Fortschritt überzeugt zu sein. Schließlich stand sie auf, nahm drei Steine vom Boden auf und warf diese in kurzer Abfolge auf die Fässer. Unmittelbar nachdem sie den letzten Stein geworfen hatte, sprach sie ihre Schutzzauber. Der erste Stein prallte von einem ihrer Schilde zurück, der zweite ebenfalls, der dritte jedoch traf das Fass. Verärgert über ihr Versagen, fluchte sie lautstark, und hoffte sogleich, niemals in eine Situation zu kommen, wo sie die Reihenfolge der Schutzzauber bestimmen müsste.
„Das einzige womit ich spielen kann ist der Zauberstab“, zischte sie Lydia an, als sie diese nach ihren musikalischen Fähigkeiten befragte, und bedauerte sofort ihre harschen Worte.
„Tut mir leid Lydia, es… ach… vergiss es“, stammelte sie. Neria prüfte ihr Gewand und befand es nun für trocken genug. Sie warf einen hastigen Blick auf den Krieger, der zu schlafen schien, legte die Schurwolldecke ab, und wand sich blitzschnell in ihre Sachen. Dann ging sie zu Vernita, die nachdenklich auf einem Sessel beim Tisch saß, und setzte sich neben sie.
Neria war nicht entgangen, dass Vernita entgegen ihrer sonstigen Art sehr ruhig und nachdenklich wirkte.
„Wollt Ihr denn gar nichts essen?“ wandte sie sich fragend an sie.
„Ist irgendwas nicht in Ordnung, ich habe den Eindruck als würde Euch etwas bedrücken“, befragte sie diese vorsichtig.
„Ich will Euch nicht auf die Nerven fallen, aber wenn Ihr darüber reden wollt…“ fügte sie besorgt hinzu. Da Vernita nicht gleich auf ihre Fragen antwortete deutete Neria auf Leanora.
„Ich konnte Leanora ein wenig ihre Angst nehmen, ich hoffe das war in Eurem Interesse“, sie blickte Vernita forschend an.


Vernita öffnete ganz langsam die Augen, als sich Neria neben sie setzte und sie ansprach. Die Elfe drehte leicht den Kopf, welchen sie in den Nacken gelegt hatte, bis sie die Magierin aus den Augenwinkeln ansehen konnte. Ihr Gesicht verzog sich dabei zu einem schiefen Grinsen.
„Ich habe keinen Hunger. Ich versuche nur, mir darüber klar zu werden, wie es weitergehen soll. Wir brauchen unbedingt ein neues Versteck und wegen der Templer, von denen Ihr mir dieses Emblem gegeben habt, mache ich mir auch Sorgen. Genauso wie über diese Söldner, die hinter uns her sind. Nur kann ich bei diesem Krach, den diese kleine Kröte hier von sich gibt, keinen klaren Gedanken fassen“, bemerkte sie abfällig.
„Ich hatte noch nie viel für Musik übrig“, fuhr sie fort, wobei sie unweigerlich an die Folterknechte denken musste, die sie singender Weise gequält und misshandelt hatten. „Ich habe nur einmal eine Person singen gehört, die mir richtig gut gefallen hat. Und das war Leanora, die in der Folterkammer Miandra etwas vorgesungen hat. Doch selbst ihr Gesang würde im Moment nur meine Konzentration stören und auch nicht meine Sorgen verdrängen. Dafür steht einfach zu viel auf dem Spiel.“
Die Elfe wandte ihren Kopf wieder zurück und starrte nun geradeaus an die Decke. „Und was mir noch aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass Ihr nach Beendigung Eures Rachefeldzuges erstaunlich weich und fürsorglich geworden sein. Was ist aus der blutrünstigen Magierin geworden, die mir mit dem Tode gedroht hat, nur weil ich kein Mensch bin? Habt Ihr diese Furie zusammen mit Euren Feinden begraben und sie durch ein altes, tratschendes Waschweib ersetzt? Habt Ihr noch den Mumm, denjenigen gegenüberzutreten, die unser Leben fordern, um diesen Hundsöhnen kräftig den Arsch aufzureißen? Und seid Ihr auch noch bereit dazu, einen der unseren zu opfern, falls die Situation es zum Wohle der Sache verlangt?“


Vernita sprach einen wunden Punkt an, Gedanken mit denen sie sich schon die ganze Zeit auseinander gesetzt hatte. Sie hatte sich tatsächlich total verändert. Aus der skrupellosen, von Hass erfüllten Halbelfe die keine Gefühlsregungen kannte, war eine warmherzige, gefühlvolle Frau geworden, von all dem Hass befreit, der lange Zeit ihr Leben bestimmt hatte.
„Ja, Ihr hab recht, ich bin nicht mehr die, die ich einmal war. Der Tod meiner Mutter und all die anderen Dinge die mir die letzten Tage widerfahren sind, haben mich verändert. Gefühle und Empfindungen, die in meinem Inneren hinter all dem Hass verborgen waren, sind zum Vorschein gekommen, und bestimmen jetzt mein Denken und Handeln“, entgegnete sie in einem selbstkritischen Ton.
„Ich tue mir momentan sehr schwer das alles zu verarbeiten, da für mich alles Neuland ist, und es mir einfach zu schnell gegangen ist. Die Neria, die ihr kennen gelernt habt, gibt es nicht mehr, und die wird es auch nicht mehr geben“, bestätigte sie mit einem Kopfschütteln. „Ich glaube auch nicht, dass das in Eurem Interesse wäre, außer Ihr hegt auch Zweifel daran, dass meine Fähigkeit zu kämpfen darunter gelitten hätte…“
Mit einem Bedauern in der Stimme fuhr Neria fort. „Ich kann all die unschuldigen Opfer nicht mehr zum Leben erwecken, aber ich kann dafür sorgen dass zumindest ebenso viele, die den Tod verdienen, ab nun durch meine Hand sterben werden. Ich werde meine Kräfte in Zukunft für einen guten Zweck einsetzen.“
Bisher hatte Neria eigentlich nichts gesagt was Vernitas Frage beantwortet hätte, deswegen sprach sie mit überzeugter Stimme weiter.
„Ihr selbst habt zu mir gesagt, dass Hass blind macht, aber das heißt nicht, dass ich ohne Hass nicht mehr töten kann. Ganz im Gegenteil, nur ist meine Motivation jetzt eine andere, und noch dazu kann ich jetzt auch meinen Verstand einsetzen, ein nicht unwesentlicher Vorteil“, fügte sie selbstsicher hinzu.
„Jemanden zu opfern?“ wiederholte sie nochmals Vernitas Worte nachdenklich. „Jeder Tote auf unserer Seite ist ein Toter zu viel, und solange es in meiner Macht steht werde ich jedes Opfer zu verhindern wissen, selbst wenn ich mich dafür opfern müsste. Auch wenn ich jetzt in Euren Augen verweichlicht wirke, dann muss ich Euch in einer Hinsicht enttäuschen, ich habe keine Angst vor dem Tod. Tot war ich eigentlich all die Jahre, zu sterben wäre diesem Zustand gleichzusetzen.“
Sie sah Vernita bohrend an bevor sie weitersprach. „Was das Thema Opfer betrifft. Könnt Ihr mir mit reinem Gewissen sagen, dass Ihr zum Wohle der Sache, wie Ihr sagtet, jedes Opfer in Kauf nehmen würdet, auch wenn Ihr nicht wisst wen es treffen würde?“
Mit der Meinung, dass sie von ihrer Seite alles gesagt hatte, was Vernita wissen wollte, wechselte Neria unmittelbar das Thema und unterbreitete Vernita einen Vorschlag.
„Was ein neues Versteck anbelangt, wir sind beide im Gesindeviertel aufgewachsen, es gibt dort, wie Ihr wisst, genügend freistehende Häuser und ebenso ein unterirdisches Katakombensystem, da sollten wir ja doch fündig werden, außer Ihr bevorzugt eine gewisse Nähe zum Zielort.“


„Nun, ich war immer darum bemüht, eine gewisse Distanz zu meinen Kampfgefährten zu wahren, damit solche Fragen wie, wen soll ich opfern und wen nicht, gar nicht erst aufkommen konnten. Habe erst kürzlich feststellen müssen, das dies manchmal gar nicht so einfach ist“, entgegnete Vernita, wobei ihre Gedanken gleich wieder zu Miandra abdrifteten. Sie verbannte die Vorstellung aus ihrem Kopf, dass sie ausgerechnet sie opfern sollte, um an ihr Ziel zu kommen. Eher würde sie die ganze Sache aufgeben und den Rest der Gruppe ihrem Schicksal überlassen. Sie brauchte einen Moment, um sich wieder zu fangen. Sie wandte ihren Kopf erneut in Nerias Richtung, bevor sie weitersprach. „Aber es freut mich zu hören, dass Ihr Euren Kampfeswillen nicht verloren habt. Ansonsten hätte ich unsere Vereinbarung aufgehoben, da ich niemanden brauchen kann, der nicht bereit ist, für die Erfüllung dieser Mission über die Leichen unserer Feinde zu steigen.“
Die Elfe setzte sich wieder gerade hin und rieb sich über die Augen, während sie fortfuhr. „Aber da Ihr gerade das neue Versteck erwähnt habt... ich hatte mir auch überlegt, dass wir uns im Gesindeviertel nach einem passenden Unterschlupf umsehen könnten. Das Problem ist nur, dass Eshtá Gianauro weiß, dass ich eine Elfe bin. Und daher wird sie damit rechnen, dass wir uns dort ein Versteck suchen, da ich die Gegend seit meiner Kindheit an kenne. Bestimmt werden alle Häuser im Gesindeviertel regelmäßig durchsucht. Nein, ich fürchte, wir müssen uns was anderes einfallen lassen. Nur kann ich hier keinen klaren Gedanken fassen, solange uns die kleine Göre die Ohren vollträllert. Entschuldigt mich, ich brauche einen ruhigeren Ort zum Nachgrübeln.“
Mit diesen Worten stand Vernita auf und verließ das Versteck, wobei sie genervt mit den Augen rollte, als sie an Lydia vorbeiging, welche die anderen offenbar mit ihren Gesangskünsten beglückte.


Vernita hatte wohl recht, das Gesindeviertel wäre in Anbetracht der Tatsache nicht die beste Wahl für ein Versteck. Vielleicht sollten sie einen Ort wählen mit dem ihre Gegner absolut nicht rechnen würden.
Distanz zu wahren war leichter gesagt als getan, und sie sah träumerisch zu Leanora und Lydia hinüber, die sie beide in ihr Herz geschlossen hatte, dabei fiel ihr Blick auch auf Rowan und den Krieger, die sich eine Liege teilten und sie musste unweigerlich schmunzeln. ‚Soweit zum Thema Distanz‘, dachte sie sarkastisch.
Ehe Neria zu Wort kam, war Vernita mit entschuldigenden Worten aufgestanden, und hatte den Keller verlassen.
Es wäre keine Vereinbarung mehr nötig, ihre Motivation war jetzt eine andere, endlich konnte sie etwas tun auf das sie eines Tages Stolz sein könnte, dachte sie selbstzufrieden.
Neria stand auf und ging zu Leanora und Lydia die noch immer an der Kochstelle verweilten. Während sie ihre Schurwolldecke zur Hand nahm sprach sie zu Leanora. „Ich werde versuchen ein wenig zu schlafen, wenn Ihr noch ein wenig plaudern wollt könnt Ihr Euch ja zu mir setzen, aber wundert Euch dann nicht, wenn ich Euch wegpennen sollte.“
Daraufhin ging sie zu ihrer Liege wickelte sich in die Decke ein und legte sich rücklings darauf. Nachdem sie noch nicht wirklich müde war betrachtete sie gedankenlos die Kellerdecke.


Leanora war wieder erstaunt, welche Begabung das Mädchen hatte. Die Töne, die sie der Laute entlockte, waren rein und klar, und ihre Stimme war schön anzuhören. Würden diese Talente gefördert werden, könnte aus Lydia direkt eine Bardin werden, die von Hof zu Hof zog und Geschichten und Nachrichten aus aller Herren Länder an den Mann brachte. Allerdings gab es wohl auch andere Barden, die mit dem Unterhaltungswert weniger zu tun hatten.
Trotzdem wurde sie langsam müde, und sie wollte sich moralisch ein wenig auf ihren Eintritt im Kloster vorbereiten. Nervös war sie jedenfalls, und sie war dankbar um die Worte von Neria. Sie selber hatte allein bei der Vorstellung, nun mehr oder weniger auf sich gestellt zu sein, Ameisen im Bauch. Wer konnte denn wissen, ob sie im Kloster nicht doch erkannt wurde? Was dann? Ihre Waffen konnte sie schlecht mitnehmen, um sich zu wehren.
Leanora ging zurück zu ihrem Schlafplatz, wo sie bei Neria vorbeikam.
„Gesegnete Nachtruhe, ich hoffe Ihr könnt Euch ein wenig erholen“, sagte sie leise zu der Halbelfe.
Dann wickelte sie sich in ihre Wolldecke, legte sich hin, schloss die Augen und versuchte, an nichts zu denken.


Allein saß Lydia am Feuer, der Rest der Truppe war entweder zu Bett gegangen oder aus dem Versteck verschwunden. Sie starrte in das glimmende Holz des Feuers vor ihr. Sie spielte gedankenverloren auf der Laute, sie wollte nicht ganz in der Stille versinken, welche das Versteck normalerweise bot. Langsam kamen ihre Gedanken zur Ruhe.
Was tat sie hier? Wo war sie hineingeraten? In eine Truppe halbwegs rachsüchtiger Mörder und emotionsloser Killer - was sie auf Vernita bezog. Sie war in ihren Augen wohl das Schlimmste, was dem Rest der Gruppe wiederfahren konnte. Rowan und der Krieger, dessen Namen sie vergessen hatte, Leanora, welche ihre Mutter hätte sein können, Miandra, die immer abwehrend allem und jedem gegenüber war und Neria. Neria… Als sie an die Magierin dachte, wurde ihr warm.
Doch plötzlich zerbrach etwas in ihr. Es splitterte, zerbarst in tausend kleine Scherben. Doch was war das? Sie wusste es nicht, doch sie fühlte sich plötzlich unendlich leer und allein. Mit einem Schlag fühlte sie sich wie tot. Doch was war es, was in ihr zerbrach? Sie wusste es nicht, sie wusste nur dass etwas zerbrach und dass es schmerzte.
Sie legte die Laute beiseite und starrte weiter ins Feuer, als wenn die Antworten auf ihre unzähligen Fragen im glimmenden Holz aufflackern würden.
Langsam rutschte das Feuer in sich zusammen, wurde kleiner und dunkler. Sie wollte fort, nach Hause. Zurück ins Dorf, wieder Vater und Mutter sehen, Schach gegen William spielen und mit der Tochter der Pastorin, Idrial, anbandeln. Sie wollte wieder durch die Bergwälder um das Dorf streifen, mit den Jägern plaudern und abends in den Himmel schauen, die Sterne beobachten bei ihrem unendlichen Lauf über den Himmel.
Doch sie saß hier, in einem steinernen Keller, und wartete.
Auf was? Den Tod? Vielleicht, vielleicht auch nicht, sie wusste es nicht.
Wieder drängte es an die Oberfläche, tief aus den dunkelsten Winkeln ihrer Seele brach es hervor wie schwarzes Wasser, wie zähes Gift quoll es empor und verschlang sie. Das Verlangen zu sterben. Doch warum? Sie war sicher, sie hatte neue Freundschaften geknüpft, neue Menschen und Elfen kennen gelernt, sie hatte viel dazugelernt. Doch das Verlangen ließ sich nur langsam zurückdrängen.
Vorsichtig öffnete sie ihre Armschienen, legte sie zur Seite und schob den Ärmel ihres Hemdes nach oben. Auf dem Unterarm entblößte sich eine weiße Narbe. Sie zog sich vom Handgelenk über die Innenseite des Armes bis außen an den Ellenbogen geschwungen über ihren Unterarm.
Zärtlich folgte sie der weißen Spur. Warum? Was sie so verzweifelt? Sie konnte sich keine Antwort darauf geben. Sie zitterte und heiße Tränen liefen ihr lautlos über die Wangen und tropften zu Boden. Wo sollte sie aber sonst hin? Allein durch Ferelden ziehen? Das konnte sie nicht, sie war schon quer durchgereist, jetzt hatte sie Freunde gefunden, die ihr sehr geholfen hatten. Sie konnte das alles nicht fallen lassen, es war zu schön um zu gehen, wenngleich gefährlich, doch Gefahr war ihr bekannt.
Sie blinzelte und wischte sich die Tränen aus den Augen und von den Wangen.


Neria lächelte müde zurück, wie Leanora ihr eine gute Nacht wünschte. Es war leise im Keller geworden. Lydia hatte zu singen aufgehört, Miandra und Vernita hatten den Keller verlassen, der Krieger und die junge Frau, deren Namen sie noch immer nicht kannte, schliefen. So schloss auch sie ihre Augen und versuchte sich etwas auszuruhen.


Vernita hatte vor nach oben zu gehen und sich im Verkaufsraum des Schmiedes in eine dunkle, ruhige Ecke zu verkriechen, wo sie ungestört nachdenken konnte. Doch auf dem Weg dahin traf sie auf Miandra, die gedankenverloren auf der Treppe nach oben saß.
„Hier bist du also“, meinte die Elfe lächelnd. „Mir wurde es da drinnen einfach zu laut und zu... fröhlich. Hast du was dagegen, wenn ich mich zu dir setzte? Oder willst du lieber allein sein?“


Die Vorstellung darüber was diese Söldner wohl mit dem Wirt angestellt hatten, ließ Miandras Gedanken zurück nach Fort Drakon schnellen. Einige Bilder, an welche sie sich zuvor kaum noch erinnern konnte, drängten zurück in ihr Gedächtnis, dennoch verstand sie nicht, warum sie sich gerade eben zurückgezogen hatte. Eigentlich hätte sie dieser dunkle kalte Keller viel mehr an das erinnern müssen, was ihr vor kurzem wiederfahren war, als das Versteck, welches im Gegenzug viel mehr Platz spendete, in welchem die Kerzen für mehr Licht sorgten, und wo eine verhältnismäßig fröhliche Stimmung herrschte. Doch dem war nicht so, zumindest nur fast. Eigentlich waren sich beide Räume sehr ähnlich, da sie beide an verschiedene Ereignisse erinnerten, aber trotzdem genoss sie die Ruhe in jenem Moment bei weitem mehr.
Als sie das Geräusch der Schiebetür verbunden mit der Musik die hinter der Mauer gespielt wurde vernahm, blickte sie nur eher automatisch in dessen Richtung. Die Stimmung in dem Raum nebenan hatte sich also noch nicht gewandelt, verschwand jedoch sofort wieder, als das Schloss einrastete.
Wenig verwundert blickte sie Vernita an und versuchte das Lächeln zu erwidern, was ihr nicht wirklich gelang. „Hattet Ihr etwa Angst, dass ich davonlaufe?“
Ohne recht auf eine Antwort zu warten fuhr sie etwas nachdenklicher fort. „Zu fröhlich.. in der Tat. Eigentlich mag ich Musik, meistens lenkt sie von gewissen Dingen ab, aber ...“
Sie hielt kurz inne, als ihr klar wurde, was sie gerade beginnen wollte und winkte schnell wieder mit einer Handbewegung ab. „Ach, nicht so wichtig. Ich warte nur darauf, dass es dort drinnen etwas ruhiger wird und sich der Geruch dieses... verzweifelten Kochversuchs wieder verzogen hat, damit ich schlafen kann. Also solltet Ihr hinter Eurem Rücken eine Laute oder Ähnliches versteckt haben, wäre ich lieber alleine.“


„Davonlaufen?“ fragte Vernita etwas verwirrt, bevor sie begriff, worauf Miandra hinauswollte. „Nein, nein, ich wollte dir nicht nachlaufen, sondern nur diesem elenden Krach da drinnen entgehen. Dabei kann man ja keinen klaren Gedanken fassen. Und eine Laute habe ich auch nicht dabei.“
Die Elfe hob Grinsenderweise ihre Hände, um der schwarzhaarigen Frau zu beweisen, dass sie nichts bei sich trug. „Wüsste sowie nicht, was ich damit sollte, außer sie jemanden über den Schädel zu ziehen. Und was die Kochkünste betrifft... du weißt ja, dass ich in solchen Dingen sehr anspruchslos bin. Das hat mich nicht wirklich gestört.“
Vernita setzt sich neben Miandra auf die Treppenstufen und seufzte einmal. „Um ehrlich zu sein, mache ich mir große Sorgen. Die ganze Sache ist so verdammt kompliziert geworden, seit wir in der Stadt angekommen sind. Erst dieser Dreck mit Azoth und dir, welche dieser verdammte Idiot zu verantworten hat. Jetzt diese Sache mit dieser Blutmagierin, bei der ich mir nicht sicher bin, ob ich da nicht einen großen Fehler gemacht habe, als ich die hierher geschleppt habe. Und jetzt auch noch diese Söldner. Über die mache ich mir die meisten Gedanken. Stadtwachensoldaten zu übertölpeln ist einfach, aber diese Kerle sind eine ganz andere Klasse. Das sind Profis durch und durch, das spüre ich ganz deutlich.“
Die Elfe stützte ihre Ellenbogen auf ihren Oberschenkeln ab und starrte auf ihre Hände, die sie ständig zu Fäusten ballte und wieder öffnete, während sie weiterredete. „Und irgendwie habe ich das dumpfe Gefühl, dass mir das Ganze einfach entgleitet, mir zwischen den Fingern davon schlüpft, sodass ich keine Kontrolle mehr darüber habe. Und das finde ich sehr beunruhigend, da ich nicht weiß, was ich dagegen tun kann.“


„Man kann nun mal nicht alles kontrollieren. Wenn es sich wirklich um solche Profis handelt, ist es wohl absehbar, dass sie uns früher oder später finden werden. Das Einzige was wir kontrollieren können ist wann und wo. Wenn die anderen weiterhin so gedankenlos durch Denerim streifen und das Risiko dabei entdeckt zu werden in Kauf nehmen, dann früher, wenn nicht, dann später. Aber wir wissen, dass wir ihnen höchstwahrscheinlich entgegen treten werden, also müssen wir uns darauf vorbereiten. Ich sehe es auch nicht gerade als sehr ausschlaggebend wo sich unser nächstes Versteck befinden wird. Sie werden doch nicht so dumm sein, und irgendwelche Orte ausschießen, oder annehmen wo wir uns verstecken“, sie seufzte kurz.
„Damit meine ich, dass diese Eshtá doch nicht allen Ernstes glaubt, dass wir so dumm sind und uns angenommen im Gesindeviertel verstecken, daher wäre es vielleicht sogar genau da am sichersten, da sie es ausschießen würde. Oder vielleicht auch nicht. Es ist prinzipiell egal. Wichtig wäre nur ein Versteck zu finden, an welchem wir einen Hinterausgang haben. Sollte man uns hier finden, sitzen wir in einer Falle. Man könnte es aber auch umgekehrt betrachten, da wir auch genau wüssten von wo sie kommen würden.“
Sie deutete auf die Geheimtür. „Was vielleicht wieder ein Vorteil wäre. Ebenso wie es mit all den anderen die uns noch ein Klotz am Bein sind ist. Sie erhöhen die Chance, dass wir gefunden werden, aber wenn wir gefunden werden, ist wiederum die Chance höher, dass wir den Kampf überstehen.“
Einen kurzen Moment wurde sie aus ihrem Konzept gebracht als sie hörte wie jemand die Treppe hinabstieg.


Azoth verbrachte die ganze Zeit über bei Harold dem Schmied. Auch wenn sie nicht viel sprachen, so musste er wenigstens bis jetzt nicht bei der Gruppe unten sein. Irgendwas stieß ihn weg, selbst wenn er Miandra ansah, diese Schuldgefühle hätten ihn zerfressen. Und mit Vernita kam er sowieso nicht klar.
Dank des Schmerzmittels waren seine Schmerzen vollkommen abgeklungen. Innerlich danke er Kylar, und dem Magier den sie damals trafen dafür.
Azoth stand auf und nickte Harold nur zu. Er begab sich auf den Weg nach unten, in die Katakomben zum Versteck zurück. Auf der Treppe saßen Miandra und Vernita. Einen kleinen Moment lang blieb er stehen, schaute die beiden kurz an, und ging dann weiter.


Miandra wäre beinahe aufgesprungen um sich zu verstecken, blieb aber sitzen als sie erkannte, dass es sich um Azoth handelte und starrte ihn nur einen Augenblick ungläubig an.
Als dieser hinter der Geheimtür verschwunden war fuhr sie fort. „Was ich damit sagen wollte ist, dass es egal ist, was wir tun, solange wir nicht komplett vergessen, darauf zu achten.“


„Du hast recht“, bestätigte Vernita nickend, bevor sie zu gähnen begann. „Alles lässt sich nicht kontrollieren. Es ist nur so, dass ich es gewohnt bin, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die über eine gewisse Ausbildung mit der dazugehörigen Disziplin verfügen. Dieser bunt zusammen gewürfelte Haufen scheint sich mehr mit eigenen Dingen zu beschäftigen, anstatt sich auf die eigentliche Sache zu konzentrieren. Das könnte uns den Kopf kosten. Und was diese Söldner anbelangt, hatte ich ohnehin vor, diese ausfindig zu machen und auszuschalten, bevor sie uns finden können. Ich hoffe nur, dass Rowan und dieser Gnom, den sie sich da angelacht hat, dieser Aufgabe gewachsen sind. Dann gilt es eigentlich nur mit unserem Versteck solange in Bewegung zu bleiben, bis wir diese Kerle erledigt haben und Leanora in der Kirche eine heiße Spur gefunden hat.“
Die Elfe reckte sich, wobei sie erneut ausgiebig gähnte. „Und was das neue Versteck angeht, so könnte ich da vielleicht ein paar alte Kontakte reaktivieren. Möglicherweise finden wir da etwas Passendes. Das ich auch nicht früher darauf gekommen bin. Vielleicht werde ich langsam alt. Oder es liegt an dir. Du inspirierst mich irgendwie.“
Vernita grinste verschmitzt, wobei sie die Frau neben sich leicht anstupste. „Das war nur ein Witz, keine Panik. Ich werde dir schon nichts tun. Ich bin auf einmal nur... nur so schrecklich müde.“
Die Elfe schloss die Augen und ließ den Kopf hängen. Langsam rutschte sie zur Seite weg, bevor sie gegen das Geländer der Treppe stieß. Doch davon bekam sie schon nichts mehr mit, da sie bereits tief und fest eingeschlafen war. Die Anstrengungen der letzten Tage forderten ihren Tribut.


Miandra blickte Vernita etwas verwirrt an als diese so urplötzlich eingeschlafen war und das Treppengeländer als Kopfkissen benutzte. Einen Moment wusste sie nicht recht was sie tun sollte, und blieb daher einfach sitzen und ließ die Ruhe auf sich wirken.
‚Wie kann man nur so schnell einschlafen, und noch dazu an so einem unpassenden Ort?‘ Ging es Miandra nur durch den Kopf und schüttelte diesen dabei ein wenig bevor sie mit einem Seufzer aufstand und sich etwas planlos umsah.
„Wir sollten...“, begann sie schließlich, beendete den Satz jedoch nicht, da sie sofort einsah wie dämlich es doch war zu glauben, dass Vernita aufwachen würde wenn sie einfach etwas sagen würde. Unsicher überlegte sie weiterhin was sie tun sollte und fasste den Entschluss die Elfe ins Versteck zu tragen. Schließlich konnte sie diese hier nicht einfach so sitzen lassen, das wäre viel zu gefährlich gewesen, denn was wenn gerade jetzt diese Söldner kommen würden? Und aufwecken wollte Miandra sie auch nicht, und hätte wohl nicht einmal so recht gewusst wie, da Vernita vorhin bereits ziemlich erschöpft aussah und nun dementsprechend fest zu schlafen schien.
Miandra wusste nicht warum, aber es fiel ihr alles andere als leicht diesen Entschluss zu fassen, wo doch eigentlich nichts dabei war. Sie musste sie schließlich nur vorsichtig hochheben und in den Raum nebenan tragen, aber alleine bei dem Gedanken daran spürte sie wie ein unwohles Gefühl durch ihren Körper zu fließen schien.
Nachdem sie aufgrund der Unruhe - bei welcher man glauben konnte, dass sie sich diese schon fast selbst einredete - einige Male auf und ab gegangen war atmete sie einmal tief ein und aus, versuchte dieses unwohle Gefühl zu ignorieren und kniete sich ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden neben der Elfe hin, und hob diese vorsichtig hoch um sie nicht aufzuwecken, was nicht gerade einfach war, da sie keine von der leichten Sorte war, aber sie das kleine Stück zu tragen würde sie schon schaffen. Nachdem sie den Geheimeingang eher glimpflich passiert hatte, trug sie Vernita zu deren Liege und setzte sie dort vorsichtig ab. Anschließend kehrte sie noch einmal um, um die Türe zu schließen und ließ sich mit einem erleichterten Seufzer auf ihrem eigenen Schlafplatz nieder, wobei ihre Gedanken darum kreisten, wie man sich nur so schwer bei einer so einfachen Tätigkeit tun konnte und wie lächerlich es doch war. Nach ein paar Minuten schob sie den Gedanken zur Seite, blickte kurz zu Azoth und Lydia welche wohl als einzige noch wach waren, bevor sie sich in ihre Decke hüllte und sich ebenfalls schlafen legte.


Gerade als sich Azoth auf seine Matte setzte, erblickte er Lydia die am Feuer saß. Er hätte schwören können, einen kurzen traurigen Seufzer gehört zu haben. Mit runzelnder Stirn stand er auf, ging zu Lydia rüber, und setzte sich neben sie. Als er ihr ins Gesicht blickte, merkte er, dass sie geweint hatte.
„Lydia?“ fragte er vorsichtig. „Was ist den los?“


„Die Glut ist wie ein Spiegel zur Seele... Azoth, wohin führt uns unsere Reise? Sollen wir je das Ende dieser Straße erreichen? Wo müssen wir noch durch?“
Sie drehte ihren Unterarm zu Azoth. „Sieh, es zerfrisst mir die Seele, es kocht die Angst in mir auf, es macht mich wahnsinnig, ängstlich, wütend… sehnsüchtig. Ich will weg, weg, weg, nach Hause, zurück zum Dorf, aber ich kann es nicht. Ich bin in diesem Albtraum gefangen, er spielt mit mir, er treibt mich an den Abgrund... und hier sitzen und warten... warten auf was? Azoth, auf was?!“
Sie blickte ihn an und strich über ihre Narbe. „Ich wollte schon einmal entkommen, ich konnte nicht, ich wollte schon einmal entfliehen, ich konnte nicht. Manchmal treibt mich das zum Wahnsinn, zu dummen Taten, die ich danach bereue.“
Sie schoss die Augen und atmete tief durch. „Azoth, ich habe mein Bestes gegeben und gebe mein Bestes. Ich will diesen Teufelstanz überstehen. Das Steingefängnis macht mich unruhig, mein Blut kocht, ich muss wieder nach draußen, ich muss über die Dächer der Stadt laufen, klettern, springen, rennen. Ich will wieder in die Natur, wieder unter den Sternen schlafen, frei sein das zu tun, was ich möchte, zu gehen wohin es mir gefällt... aber ich sitze hier. Ich muss warten, Geduld üben... Azoth, es ist schwer, aber das gilt es durchzustehen.“
Sie lächelte ihn an.


Azoth legte einen Arm um Lydia und seufzte. Dann strich er mit dem Daumen sanft über die Narbe an ihrem Unterarm. Er konnte es nicht glauben. Sie war doch noch so jung, wie kam sie dazu, sich selbst zu schneiden? War das nicht immer eine Art Hilferuf, wenn man nicht weiterwusste??
„Lydia“, er holte noch mal tief Luft. „Ich weiß nicht wohin das führt. Eines Tages, wenn sich das hier alles geklärt hat, wir frei sein können, wirst auch du frei sein. Wirst unter dem klarem Sternenhimmel deine Nächte verbringen, oder eben zurück in dein Dorf gehen.“
Azoth lächelte sie an und deutete dabei auf die Narbe. „Für so etwas, bist du doch viel zu jung, oder? So etwas, solltest du nicht machen. Es wird immer schlechte Zeiten geben, Zeiten an denen du dir wünscht, nie geboren zu sein. Doch es gibt auch gute Seiten daran. Die Erfahrung die du daraus ziehst, alles mögliche was du lernst. Und DU wirst noch viel Zeit haben. Bessere Zeiten werden ebenfalls kommen.“
Dann blickte er weiter ins Feuer, und überlegte kurz was er noch sagen sollte. Er erinnerte sich daran, wie sie Lydia kennen lernten, wie sie davon lief, kurz davor war von einem Abgrund zu springen.
„Erinnerst du dich an unsere erste Begegnung? Daran... wie du springen wolltest, und was ich zu dir sagte?? Ich werde auf dich aufpassen Lydia, solange wie du willst, bis das hier alles vorbei ist. Und dann wenn du willst dich zu deinem Dorf bringen. Denn… ich habe selbst eine Tochter sie dürfte um die neun Jahre alt sein. Doch ich habe sie noch nie gesehen... eben weil ich ging. Und nun sitze ich hier und neben mir ein Mädchen was nicht viel älter ist. Gibst du mir die Chance, mich um dich zu sorgen?“ seufzte er schwer, und lächelte sie trotzdem an.


Gerade am einschlafen, registrierte Neria wie ein dunkelhaariger Elf, den sie bisher nicht gesehen hatte, das Versteck betrat und sich zu Lydia setzte. Die beiden dürften sich gut kennen, da der Elf die Hand um Lydia legte, und sie zu trösten schien.
Doch Neria war zu müde, um noch mehr mitzubekommen, schlussendlich fielen ihr die Augen vollends zu, und der Schlaf übermannte sie.


„Es ist nicht so, dass ich Euch nicht mag, oder nicht vertraue, Ihr habt mir vielleicht sogar das Leben gerettet, doch ich kann auf mich selbst aufpassen. Ich bin durch Ferelden gereist, größtenteils allein, ich habe mich in einige gefährliche Situationen gebracht und bis jetzt kam ich auch immer wieder raus, manchmal unversehrt, manchmal behielt ich das ein oder andere zurück.“
Sie machte eine Pause und sah ihn an. „Ich genieße Eure Gesellschaft, Ihr seid ein rechtschaffener Mann, doch ich verspreche, ich kann auf mich selbst aufpassen. Ich will Eure Hilfe trotzdem nicht ausschlagen...“ sie seufzte.


Azoth lächelte, und schaute Lydia dabei an. „Ich weiß. Sonst wärst du ja nicht hier, oder?“
Dann stand er auf und schaute sie noch einmal an. „Dann versuche nun zu schlafen, immerhin dürfen, oder besser gesagt können, wir uns eigentlich nicht ausruhen. Gute Nacht Lydia.“
Mit einem aufmunterndem Lächeln wandte er sich von ihr ab, und ging zu seiner Matte. Er hatte bemerkt, dass nun so gut wie alle schliefen, bis auf er und Lydia. Er legte sich hin, und deckte sich zu. Die letzten Wochen waren anstrengend, und so schlief er auch schnell ein.


Wortlos starrte Lydia ins Feuer, als die anderen zu Bett gingen. Aus Holz war Glut, aus Glut langsam Asche geworden. Das Feuer starb, es erlosch. Sie legte einige Scheite nach und beobachtete, wie die Flammen das Holz in Besitz nahmen. Das Knacken und Prasseln der Flammen beruhigte sie, zähmte das Tier das in ihr tobte, brachte sie zur Ruhe. Sie war gespannt auf das was noch zu kommen hatte, welcher Gefahr noch zu trotzen war, was noch durchlebt werden musste und wohin der Weg noch führte.
Sie dachte wieder nach, nicht über Spezielles, nein, sie ließ ihre Gedanken kreisen. Meist um ihre Reisegefährten und um ihre Reise bis hierher, über Erlebtes und noch zu Erlebendes.
Ihre Gedanken liefen über die weiten Steppen und durch die sumpfigen Wälder des Südens, die dichten Tanngehölze in den Bergen, entlang der vielen kleinen Bäche und Flüsschen, welche sich ihren Weg zwischen den Felsen gesucht hatten. Sie wurde schläfrig und wickelte sich in eine ihrer Decken ein. Das Feuer und die tanzenden Flammen hypnotisierten sie, zogen sie an, mit einer Stimme schriller jede Musik.
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BeitragThema: Re: Kapitel XIX - Kennenlernen der Gegenspieler   Fr 26 Aug 2011, 1:43 am

Rowan erwachte mit schmerzenden Gliedern. Ihr Körper sagte ihr, dass sie ziemlich lange geschlafen haben musste. Nach ihrem Zeitgefühl könnte es bereits Nachtmittag des nächsten Tages sein. Aber sie konnte sich auch irren. Jedoch würde es noch eine Weile dauern, bis die Nacht herein brach und sie sich auf ihre Mission begeben konnte.
Kurzerhand setzte sie sich vorsichtig auf, um Sareth nicht zu wecken. Sie verließ ihre gemeinsame Liege und sofort rutschte der Krieger herüber und machte sich darauf breit. Rowan konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken.
Sie schaute sich um. Das Feuer war herunter gebrannt und es blieb nur glimmende Asche zurück. Ihre Gefährten schliefen allesamt. Lautlos bewegte sie sich zum Feuer herüber und legte Holzscheite nach. Sie blies sachte in die Glut und sah dabei zu, wie kleine Flammenzungen nach dem frischen Holz leckten. Bald würden sie übergreifen und erneut hoch schlagen um dem Keller ihre Wärme zu spenden.
Rowan ging zur Liege zurück und setzte sich auf den Boden neben ihren Rucksack. Mit langsamen Bewegungen zog sie ihre Lederrüstung aus und legte sie neben sich. Sie entfernte den Verband an ihrem Oberschenkel und betrachtete die Wunde. Sie hatte sich bereits geschlossen und schien sich nicht entzündet zu haben. Nur mit ihrem Hemd bekleidet stand sie wieder auf und holte sich eine Schüssel mit Wasser. Wieder an ihrem Platz angekommen, riss sie einen Stofflappen, den sie bei sich hatte, in kleine Streifen und tauchte einen davon in das kühle Nass. Sie reinigte vorsichtig die Wunde und trocknete sie ab, bevor sie ihre Salbe dick auftrug und einen neuen Verband anlegte. Sie hatte kaum noch Verbandszeug und würde sich schon bald neues besorgen müssen.
Als nächstes schob sie ihr Hemd hoch und wickelte den Verband um ihren Bauch ab. Sie konnte die Wunde an ihrem Rücken nur betasten und zog scharf die Luft ein, als sie diese berührte. Sie schmerzte noch und fühlte sich etwas heiß an. Sie würde sie beim nächsten Wechsel von einem der Gefährten begutachten lassen, doch jetzt wollte sie niemanden aufwecken. Das nasse Tuch färbte sich beim Abtupfen rot, jedoch wies nichts auf eine stärkere Entzündung hin. Nachdem sie die Salbe aufgetragen hatte, wartete sie einen Moment, bis der Schmerz etwas abgeklungen war, bevor sie auch hier einen neuen Verband anlegte.
Erschöpft ließ sie sich mit dem Rücken an die Liege sinken. Sie nahm ihren Rucksack zur Hand und kramte darin. Bald hatte sie gefunden, was sie suchte. Sie holte ein kleines Ledertäschchen hervor. Dann legte sie sich ihre Rüstung auf den Schoß und untersuchte sie. In dem Täschchen befand sich Nähzeug und ein paar kleine Lederstücke. Mit geschickten Händen fing sie an, ihre Rüstung so gut es ging zu flicken. Dabei summte sie leise eine Melodie vor sich hin.


Nerias Schlaf war nur mehr sehr leicht und sie döste vor sich hin, als sie durch das Knistern des Feuers endgültig munter wurde. Der Schlaf hatte ihr gut getan, sie konnte das erste Mal seit langem so richtig ausschlafen, ohne ständig auf der Hut zu sein, dass sie von irgendwelchen Verfolgern überrascht wird.
Mit der jungen Frau, die das Feuer neu entfacht hatte, hatte sie noch kein Wort gewechselt, und sie wollte ja doch alle ihre neuen Gefährten kennen lernen, mit denen sie die nächsten Wochen oder Monate verbringen würde.
Sie betrachtete die junge Frau dabei wie sie auf umständliche Weise ihre Wunden selbst versorgte und dann ihre Rüstung zu nähen begann, und beschloss die Möglichkeit gleich zu nutzen um ein Gespräch mit ihr zu beginnen.
Neria wand sich aus ihrer Wolldecke und sprang voller Tatendrang aus ihrer Liege, anscheinend etwas zu übermütig, da der Blutverlust des vorigen Tages doch seinen Tribut zollte und sie das plötzlich auftauchende Schwindelgefühl ein wenig taumeln ließ.
Den Sessel, auf den sie sich stützen musste um ihr Gleichgewicht nicht zu verlieren, nahm sie zur Hand, und ging damit zu der jungen Frau die gerade in ihre Näharbeiten vertieft war. Sie setzte sich auf den Sessel, verschränkte ihre Arme auf dessen Lehne und sprach die junge Frau freundlich an.
„Wir kennen uns noch nicht, zumindest hatten wir noch nicht die Möglichkeit miteinander zu sprechen, ich bin Neria“, stellte sie sich vor. „Ihr scheint einige Verletzungen zu haben, wenn Ihr wollt schau‘ ich sie mir an.“
Neria wollte ihr keinen Stress machen, sie hatte ja bereits die Erfahrung gemacht, dass nicht alle Anwesenden wirklich auf ihre Hilfe erpicht waren, und fügte scherzend hinzu. „Ihr schaut ja aus wie eine Mumie, und es wäre ja schade, wenn Euer Gefährte Eure schönen Beine nicht sehen könnte.“
Sie deutete dabei schmunzelnd auf den Krieger der neben ihr lag.
„Ihr würdet Euch die lästigen Verbände ersparen, und wenn Eure Verletzungen nicht allzu schwer sind, braucht Ihr auch nicht die schmerzende Heilmethode der Blutmagie fürchten. Leichte Verletzungen kann ich auch so heilen“, fügte sie hinzu. „Ich hoffe Ihr könnt besser als ich nähen, sonst habt Ihr gleich noch eine Verletzung mehr…“
Sie betrachtete beschämt ihre zerstochenen Finger.
Die blonde junge Frau war sichtlich überrumpelt, und blickte Neria überrascht und ein wenig skeptisch an.
Neria erwiderte den Blick mit einem freundlichen Lächeln, sparte sich weitere Worte, und wartete geduldig auf eine Antwort.


Auf Rowans Stirn bildete sich eine steile Falte, als sie zu eine Antwort ansetzte. Im letzten Moment hielt sie inne und atmete einmal ein und wieder aus. Das Nähzeug legte sie beiseite und verschränkte ihre Arme vor der Brust.
„Danke, aber ich habe keinerlei Bedarf an Euren dämonischen Künsten. Und ich bin nicht hier, um meine Beine von irgendwem beurteilen zu lassen.“
Sie musterte die Frau gegenüber unverhohlen. Sie war sehr blass im Gesicht und sah aus, als würde sie sich Zeit ihres Lebens in irgendwelchen dunklen Höhlen verkriechen. Auch wenn sie Rowan entgegen lächelte, waren ihre Gesichtszüge hart und eher kantig. Ihr Lächeln beschränkte sich auf ihre Mundwinkel.
„Desweiteren geht es Euch nichts an, in welcher Beziehung der Krieger und ich zueinander stehen.“
Rowan wusste, dass sie es nicht mehr ändern konnte, dass Neria der Gruppe beigetreten war, aber ihr Vertrauen würde sie sich erst noch verdienen müssen.
Die Frau schien überrascht von der Antwort zu sein und Rowan blickte ihr für ein paar Atemzüge stumm in die Augen. Dann senkte sie den Kopf und griff wieder zu ihrer Lederrüstung.
„Ihr könnt mich Rowan nennen.“


Stille umfing sie, umhüllte sie wie ein Mantel. Legte sich über sie wie die Nebelschwaden eines kalten Herbstmorgens. Nichts störte sie. Keine Geräusche. Keine Visionen oder Träume, die sich in ihr Hirn schlichen, sobald sie auch nur die Augen geschlossen hatte. Es war angenehm friedlich und ruhig.
Vernita konnte nicht sagen, wie lange sie so dalag und schlief, als die Stille schließlich unterbrochen wurde. Erst leise und zaghaft, gleich einer Feder die sanft durch die Luft schwebte und langsam zu Boden glitt. Doch dann wurde dieses Geräusch lauter, fordernder. Drang durch ihre Ohren in ihr Unterbewusstsein ein. Ihr Hirn begann allmählich zu arbeiten und identifizierte diese Geräusche schließlich als Stimmen. Als die Stimmen zweier Frauen, welche die Elfe kannte. Sie öffnete abrupt die Augen und wandte den Kopf.
Zuerst wusste sie nicht, wo sie sich befand, schaute sich verwirrt um, bis ihr Blick auf Rowan und Neria fiel, die vor ihrer Liege saßen und sich unterhielten. Vernita war also wieder in ihrem Versteck gelandet. Moment! Wie war sie dorthin gekommen? Das letzte, woran sie sich erinnern konnte war, dass sie auf der Treppe gesessen hatte und sich mit Miandra unterhalten hatte. Dort musste sie dann wohl eingeschlafen sein. Aber wie war sie nur hierher gekommen?
Ein Lächeln legte sich auf das Gesicht der Elfe, während ihr Blick auf Miandra fiel, die eingerollt in ihrer Decke lag und schlief. Nun war es klar. Die schwarzhaarige Frau musste sie zu ihrer Liege gebracht haben. Ganz allein? Vernita konnte es nicht ausschließen, wobei sie sich trotzdem darüber wunderte, wie kräftig Miandra doch sein musste. Das hätte ihr die Elfe nicht zugetraut. Schließlich war sie selbst ja kein Leichtgewicht. Aber Miandra hatte einen ziemlich starken Willen. Und Vernita wusste auch, dass ein solcher einer Person enorme Dinge vollbringen lassen konnte. Sie überlegte kurz, ob sie der schwarzhaarigen Frau später noch dafür danken sollte, dass diese sie zur Liege getragen hatte, verwarf diesen Gedanken aber gleich wieder. Ein solches Gespräch wäre Miandra sicher unangenehm, und das wollte ihr die Elfe nicht zumuten. Sie würde sich auf eine andere Art bei ihr erkenntlich zeigen.
Vernita reckte und streckte sich ausgiebig. Sie hatte das Gefühl, als hätte sie tagelang geschlafen. Sie fühlte sich so frisch und ausgeruht, wie schon lange nicht mehr. Und so gut wie letzte Nacht hatte sie auch schon ewig nicht mehr geschlafen. Ob das an Miandra lag? Während ihres letzten Gespräches fühlte sich die Elfe so sicher und geborgen wie zuletzt in ihrer Kindheit, bevor dieser Bastard damit begann, ihr ihre Unschuld zu rauben. Bildete sich Vernita das wirklich nur ein? Oder war da tatsächlich mehr zwischen den beiden Frauen? Wenn schon keine Liebe, dann vielleicht Freundschaft, oder zumindest Vertrauen und gegenseitiger Respekt? Es wäre zumindest eine Grundlage, auf der sie aufbauen konnte, langsam, bedächtig, wohl überlegt. Sie wollte es zumindest versuchen.
Mit einem zufriedenen Grinsen auf den Lippen wandte sich die Elfe wieder um und beobachtete schweigend die beiden Frauen, die sich nach wie vor unterhielten.


Lydia erwachte, als sie Stimmen vernahm. Sie blinzelte und versuchte sich umzusehen. Sie hatte sich neben dem Feuer in ihre Decke eingerollt , das gerade noch die Nase und die Augen herausschauten.
Schließlich setzte sie sich auf, blieb eingewickelt und guckte, wer denn schon aus den Fendern war und was sie so alles trieben. Neria und Rowan waren offenbar schon gänzlich wach, Vernita hatte auch schon die Augen aufgeschlagen, war aber wohl noch nicht ganz zu den Lebenden zurückgegehrt, ihr müder Blick verriet es.
Schläfrig blinzelte sie zu Rowan und Neria hinüber.
„Guten Morgen Neria, guten Morgen Rowan. Ich hoffe doch, ihr habt gut geschlafen?“
Zufrieden steckte sie sich und brummte wie eine sorglose Katze. Sie fühlte sich gerade rundum wohl. Sie hatte warm, es war gemütlich und sie waren sicher.


Neria war enttäuscht von Rowans Reaktion, anscheinend konnte sie es hier niemanden Recht machen, und schön langsam hatte sie diese ständigen Abweisungen satt, sodass sie auch wieder ein verloren geglaubtes Gefühl durchlebte. Wut.
Der enttäuschte Gesichtsausdruck wich einem gleichgültigen, ausdrucklosen Blick, da sie auch ihre Wut verschleiern wollte, doch da spielte ihre Stimme nicht mit.
„Mir ist es vollkommen gleich, was Ihr für eine Beziehung mit dem Kerl da habt, das ist schließlich ja Eure Sache. Eure Wunden werden Euch in einigen Tagen vielleicht auch nicht mehr behindern, nur wage ich zu bezweifeln, dass Ihr noch soviel Zeit haben werdet“, entgegnete sie mit zorniger Stimme und blickte dabei kurz prüfend auf das von Blut gefärbte Tuch.
„Heilen und von jeglichen Schmerz befreien sind also dämonische Künste“, sagte sie verächtlich. „Na dann kämpft doch alle wie ihr euch wohl fühlt.“
Sie musste raus hier, an die frische Luft und das sofort. Neria nahm den Sessel und schleuderte ihn wutentbrannt zu den anderen. Während sie schnellen Schrittes zur Kellertür ging, zischte sie Lydia noch zu: „Ja geschlafen habe ich gut, das war aber auch schon alles was hier positiv war.“
Sie riss die Tür auf, verließ den Keller, und ließ sie krachend ins Schloss fallen. Sie beschloss nach Aris ihrem Rappen zu sehen, dem einzigen Freund, der immer für sie da war.


Etwas verblüfft hörte sich Rowan den Ausbruch der Frau mit an und sah dabei zu, wie sie wutentbrannt aus dem Versteck stürzte. Ein leichtes Schmunzeln überzog ihr Gesicht, doch dann wurde sie plötzlich wieder ernst.
Wenn sie schon von ein paar Worten so einen Gefühlsausbruch bekam, war sie ein brodelnder Vulkan, der jederzeit ausbrechen konnte. Das konnte mit ihr noch heiter werden. Rowan würde sie gut im Auge behalten um schnell eingreifen zu können, falls es nötig war.
Sie schaute zu den anderen Liegen herüber und begegnete dem Blick der Elfe.
„Da habt Ihr uns aber ein Ei ins Nest gelegt. Ich hoffe nur, sie lernt, ihre Gefühle besser unter Kontrolle zu halten, sonst wird sie zu einer Gefahr für uns alle.“


„Na großartig. Wirklich phantastisch“, grummelte Vernita genervt, als sie mitbekam wie Neria das Versteck verließ und Rowan sie ansprach. „Das sagt Ihr mir, wo Ihr nichts Besseres zu tun habt, als mit Eurem Kerl spazieren zu gehen, während die halbe Stadt nach uns sucht! So eine Scheiße!“
Die Elfe sprang sofort auf, wobei sie der blonden Frau einen wütenden Blick zuwarf, bevor sie der Magierin hinterherlief. Dabei brummelte sie weiter vor sich hin. „Mann, womit habe ich das nur verdient? Ich komme mir vor, als würde ich hier eine Horde verzogener Bälger beaufsichtigen. Verdammt noch mal!“
Vernita verließ das Versteck und hörte auch sofort die Schritte der Magierin die Treppe hinauf stapfen. So schnell sie konnte rannte sie der Frau hinterher. Am Ende der Treppe holte sie Neria schließlich ein, packte sie an der Schulter und hielt sie fest.
„Was soll das jetzt werden?“ fragte die Elfe eindringlich. „Glaubt Ihr etwa, dies sei der richtige Zeitpunkt für einen Spaziergang, oder was?“


Neria war gerade im Begriff die Treppe hinaufzugehen, als hinter ihr Vernita aus dem Keller herausstürzte, ihr hinterher eilte, und sie am oberen Ende der Treppe zurückhielt. Neria war noch immer außer sich vor Ärger und schnaubte Vernita wutentbrannt an. „Ich dachte jetzt wo alles zwischen uns geregelt ist, erspare ich mir weitere Diskussionen und Streitereien, dem ist aber anscheinend nicht so. Ich wollte mich Rowan vorstellen, und nachdem ich gesehen hatte, dass sie noch einige Verletzungen hat, habe ich ihr meine Hilfe angeboten, und die blonde Schlampe hat nichts Besseres zu tun als mich von der Seite anzufliege“, schilderte Vernita über was sie so erbost war.
„Was soll der Scheiß? Was ist das für ein Idiotenhaufen? Mit den Leuten da unten wollt Ihr gegen ein halbe Armee kämpfen? Dass ich nicht lache!“ fügte sie mit erhobener Stimme fragend hinzu.
„Anscheinend habt Ihr es verabsäumt mich entsprechend vorzustellen und Eure Gründe Euren Gefährten darzulegen wieso Ihr mich mitgenommen habt… weil sie respektieren weder Eure Entscheidung, noch akzeptieren sie mich auf irgendeine Weise, und Ihr könnt mir beim Erbauer nicht vorwerfen dass ich mich da unten nicht gesittet benommen habe…“, fuhr sie vorwurfsvoll fort.
„Gut, abgesehen von unserem kleinen Disput am ersten Tag“, sagte sie entschuldigend.
„Trotz meines eigensinnigen Handelns hinsichtlich meiner eigenen Interessen, habe ich Euch bisher mehr genützt, als ich Euch geschadet habe. Oder seht Ihr das etwa anders?“, fragte sie Vernita herausfordernd.
„Lasst mich jetzt bitte gehen, wenn Ihr mich jetzt zwingt noch mal hinunter zu gehen passiert ein Unglück. Oder lasst uns etwas Sinnvolles machen, lasst uns gemeinsam ein Versteck suchen, aber ich will momentan hier nur raus, ich habe genug meiner Jahre in einem Kellergewölbe verbracht, doch da hatte ich wenigstens meine Ruhe… hier werde ich ja doch nur ständig denunziert.“
Sie machte eine kurze Pause um Luft zu holen.
„Gebt mir doch einfach den Ort und das Ziel bekannt, ich räume euch soviel Gegner weg, wie in meiner Macht steht, dann habt ihr es wenigstens leichter“, schlug sie Vernita noch vor.
Nachdem Neria etwas Dampf abgelassen hatte sprach sie mit ruhigerer Stimme weiter. „Vernita Ihr habt Euch überschätzt und die anderen und mich unterschätzt, lasst mich bitte jetzt alleine, ich werde jetzt mein Pferd suchen und ich werde mich auf die Suche nach einem geeigneten Versteck machen. Ich kenne da knapp außerhalb der Stadt in der Nähe des Gesindeviertels ein Waldstück, wo mitten im Dickicht ein kleines Haus steht. Dort hab ich mich wie ich klein war des Öfteren zurückgezogen. Wenn Ihr nicht anders könnt, dann begleitet mich halt, aber da runter gehe ich jetzt sicher nicht.“


Rowan stöhnte genervt auf als die Elfe an ihr vorbei stürmte. Ärgerlich legte sie ihre Rüstung zur Seite und folgte Vernita mit schlurfenden Schritten. Nur mit ihrem Hemd bekleidet verließ sie das Versteck und sah Neria und die Elfe auf dem oberen Treppenabsatz stehen. Die Magierin war immer noch sehr aufgebracht und redete auf Vernita ein.
Rowans Haare stellten sich kurzfristig auf bei der ‚blonden Schlampe‘ doch sie schluckte den aufkommenden Ärger hinunter. Sie trat leise hinter die beiden und wartete, bis Nerias Redefluss geendet hatte. Dann räusperte sie sich.
„Ihr könnt nicht einfach am hellen Tag auf die Straße laufen und denken, dass Ihr davon kommt. Im schlimmsten Fall werdet Ihr uns alle verraten. Leider wird Euch nichts anderes übrig bleiben, als mit uns hier zu warten. Zumindest bis es Nacht ist.“
Sie blickte der Angesprochenen in die Augen.
„Glaubt mir, Ihr seid nicht die einzige, die es in diesem Keller nicht mehr aushält.“
Sie trat noch eine Stufe höher und stellte sich neben die Elfe. Ihre nackten Arme und Beine waren mit einer Gänsehaut überzogen, die Füße eiskalt auf dem steinigen Untergrund.
„Ihr solltet vorher etwas nachdenken, bevor Ihr Anschuldigungen gegen andere aussprecht. Ihr kommt zu einem unpassenden Zeitpunkt in unser Versteck gestürmt, macht einen Aufstand, wendet verbotene Magie an und habt einen ganzen Kader Templer auf den Fersen.“
Rowan stemmte die Arme in die Hüften.
„Ich kenne Euch nicht. Ich weiß nichts über Euch. Ich kann nur über das urteilen, was ich bisher von Euch mitbekommen habe. Erwartet Ihr allen Ernstes von mir, dass ich Euch vertraue? Dass ich Euch wohlgesonnen bin und Euch mit offenen Armen empfange?“
Sie musste sich beherrschen, die richtigen Worte zu finden und ihren Ärger zu unterdrücken. War diese Frau bisher blind durch die Welt gelaufen? Nicht jeder war so offen und vertrauensselig wie es zum Beispiel Leanora war. Wie konnte sie erwarten, dass sie als Fremde, noch dazu als abtrünnige Magierin von einer Gruppe, die auf der Flucht war, freundlich in Empfang genommen wurde?
„Ihr solltet wieder hinunter zu uns kommen. Es wird nicht mehr lange dauern, bis die Sonne untergeht. Bis dahin können wir uns überlegen, was wir in Bezug auf das neue Versteck unternehmen werden.“
Rowan wandte sich um und ihr Blick suchte den der Elfe. Sie hatte bisher geschwiegen und Rowan war sich nicht sicher, wie sie reagieren würde. Es lag ihr fern, einen Streit mit Vernita anzufangen, dazu waren sie mittlerweile zu sehr aufeinander angewiesen.


Einige erboste Tonlagen rissen Miandra aus ihrem ruhigen jedoch nicht traumlosen Schlaf. Im ersten Moment fühlte sie sich ihrer Zeit zurück versetzt und glaubte sie wäre in ihrem ehemaligen Zimmer, welches sie sich mit ihren Bruder teilen musste, und würde ihre Mutter im Streit mit ihrem Vater hören, erkannte jedoch nur einen Herzschlag später, dass es sich um andere Stimmen handelte, und realisierte erneut die letzten Jahre und Wochen, sowie wo sie sich gerade befand.
Gerade als sie sich aufrichtete konnte sie noch erkennen wie Rowan hinter der Geheimtür verschwand. Miandra fühlte sich nicht gestört durch den Lärm, welchen die anderen scheinbar gerade verursacht hatten, sondern war sogar ein wenig froh darüber, da sie nicht vor hatte so lange zu schlafen. Noch ein wenig verschlafen blickte sie sich gähnend um, und sah sofort welche drei Personen fehlten.
‚Scheinbar gibt es mal wieder Probleme mit der Magierin‘, ging ihr nur durch den Kopf, doch worum genau es ging interessierte sie nicht weiter.
Nachdem sie sich ausgiebig gestreckt hatte, stand sie von der Schlafmatte auf und begab sich zu dem Wasserfass, welches inzwischen halbleer war, um sich das Gesicht zu waschen, sowie um etwas zu trinken. Anschließend durchforstete sie die Vorräte und musste feststellen, dass auch diese bereits zu Neige gingen, da sie außer ein wenig Trockenfleisch und hartem Brot, sowie ein paar Äpfeln - die man bereits eher als getrocknet anstatt als frisch werten konnte - kaum noch etwas Essbares fand. Bestückt mit diesen Resten begab sie sich zu einem der Tische, legte die Sachen dort ab, setzte sich auf einen der Stühle und begann eher widerwillig damit an einem Brotlaib zu nagen.


Neria hatte ihren Wortschwall gerade beendet, als sie zusammenzuckte, wie Rowan plötzlich hinter ihr zu sprechen begann, da ihr entgangen war, dass Rowan leise die Treppen heraufgepirscht war. Vernita schien noch nicht wirklich munter zu sein, da sie irgendwie fassungslos gerade nach den passenden Worten suchte.
Bevor Vernita etwas sagen konnte ging sie auf Rowans Worte ein.
„Glaubt Ihr wirklich dass ihr das Recht dazu habt über meine Fähigkeiten zu urteilen? Was kümmert Euch in Eurer Situation ob meine Magie verboten ist oder nicht? Habt Ihr denn nicht alle selber genug Dreck am Stecken? Wie kommt Ihr überhaupt dazu zu behaupten ich wäre in Euer Versteck gestürmt?“, dabei sah Neria Vernita, die sich immer noch nicht ins Streitgespräch einmischte, eindringlich an.
Dann wandte sie sich wieder Rowan zu, und fuhr erbost fort. „Verdammt noch mal, ich erwartete nicht von Euch mit offenen Armen empfangen zu werden, ebenso wenig dass Ihr mir sofort vertraut, aber wenn ich mich Euch vorstelle und freundlich meine Hilfe anbiete, was veranlasst Euch dann zu so einem feindseligen Verhalten? Es hätte doch wohl auch gereicht meine Hilfe dankend abzulehnen, und zu sagen dass Ihr gerade beschäftigt seid, als mich gleich vor den Kopf zu stoßen oder? Es gibt da ein Sprichwort: ‚Wie man in den Wald ruft so hallt es wider‘, also wundert Euch dann nicht, dass ich, nachdem mir das die letzten Tage schon des Öfteren passiert ist, komplett ausraste. Und glaubt mir es ist nicht der Keller den ich nicht mehr aushalte. Des Weiteren ist mir absolut schleierhaft welche Anschuldigungen Ihr im Keller von mir hören musstet… soll das eine Ausrede für Eure Arroganz sein?“
Neria musterte Rowan, die lediglich mit einem leichten Hemd bekleidet vor Kälte zitterte, und fuhr nachdenklich fort. „Es ist mir allerdings absolut schleierhaft, was Euch dazu bewegt hat, in diesem Aufzug hier rauszukommen. Aber wenn Ihr schon so leicht bekleidet hier steht werde ich Euch was zeigen.“
Kaum hatte sie den Satz beendet drückte Neria einen ihrer Finger mit einer schnellen Handbewegung gegen Rowans Verletzung am Rücken.
Rowan entkam zwar kein Laut, aber sie verzerrte ihre Miene schmerzerfüllt.
„Tut weh nicht?“, dabei betrachtete sie ihren Finger, der rot von Rowans Blut war.
„Und? … Ihr wisst nicht zufällig wieso Eure Wunde noch blutet, hm?“ frage sie Rowan mit ein wenig Sarkasmus in ihrer Stimme, bevor sie erklärend fortfuhr. „Entweder war das Ding das Euch da hinten erwischt hat komplett verdreckt oder rostig, das gibt jedenfalls eine nette Entzündung.“
Seufzend wandte sie sich wieder Vernita zu: „Vernita hat es Euch die Sprache verschlagen? So sagt doch etwas!“


Rowan war für einen Moment fassungslos. Was erdreistete sich diese Frau eigentlich?
Mit einer blitzschnellen Bewegung hatte sie Neria am Hals gepackt und drückte sie gegen die Seitenwand der Treppe. Ihr Gesicht brachte sie direkt an deren Seite und zischte ihr böse ins Ohr.
„Wagt es ja nie wieder, Hand an mich zu legen! Ich warne Euch. Ihr solltet Vernita mal fragen, wie wir uns kennen gelernt haben. Dann werdet ihr merken, dass ich gerade sehr freundlich zu Euch war. Und lasst Euch gesagt sein: Sie ist der einzige Grund, wieso ich mir überhaupt die Mühe gemacht habe, mich mit Euch auszusprechen. Ihr interessiert mich einen Scheißdreck!“
Sie ließ die Frau unsanft wieder los und ging an Vernita vorbei die Treppe wieder hinunter. Der Gesichtsausdruck der Elfe sprach Bände, doch Rowan sah sich in dieser Sache im Recht. Wer so arrogant und uneinsichtig wie Neria war, hatte es nicht anders verdient. Im Gehen drehte sie sich noch einmal um.
„Und wenn Ihr anzügliche Bemerkungen über meine Beine als freundlich erachtet, dann solltet ihr Eure eigenen Manieren noch einmal überdenken.“
Sie betrat das Versteck wieder und begab sich zurück zu ihrer Liege. Miandra war mittlerweile erwacht und kaute missmutig an einem Stück Brot herum. Rowan beachtete sie nicht, genauso wie die Schwarzhaarige sie ebenfalls ignorierte, und machte sich wieder an ihrer Lederrüstung zu schaffen.


Bevor Vernita auf Nerias Redeschwall hätte antworten können, war schon Rowan hinter die Elfe getreten und fing an mit der Magierin zu streiten. Die beiden zogen sich an Kleinigkeiten hoch und beschimpften sich gegenseitig wie zwei schlecht erzogene Gören, was Vernita sehr wütend machte und ihren Eindruck verstärkte, dass sie es hier mit einem Haufen Kleinkindern anstatt mit ausgewachsenen Frauen zu tun hatte. Aber irgendwie erinnerte sie das Ganze auch an ein Erlebnis aus ihrer Kindheit.
Sie sah für einen Augenblick ihre Eltern vor ihrem geistigen Auge, die sich über Kleinigkeiten stritten. Die Elfe nahm Rowan und Neria nur noch am Rande wahr, während sie an diesen Tag ihrer Kindheit zurückdachte. Ihre Eltern standen in der Küche und debattierten über das Essen, während sie selbst auf dem Boden hockte und spielte.
Ihr Vater warf ihrer Mutter vor, für die Zutaten des heutigen Mittagessens zu viel Geld ausgegeben zu haben, woraufhin diese meinte, dass es doch Vernitas Geburtstag wäre, und sie ihrer Tochter etwas Besonderes bieten wollte, wenn sie doch sonst nichts hatte. Ihr Vater meinte daraufhin, dass sie sich das nicht leisten könnten, woraufhin ihre Mutter anfing zu weinen. Dann ergab ein Wort das andere, und die beiden stritten sich immer heftiger, bis es Vernita zu bunt wurde.
„Hört endlich auf mit Eurem Gezeter, davon wird man ja ganz krank im Kopf!“ fuhr die Kleine ihre Eltern an, während sie diese böse anstierte. „Habt ihr nichts besseres zu tun, als euch an meinem Geburtstag um solche Kleinigkeiten zu streiten?“
Vernita war zu diesem Zeitpunkt gerade mal neun Jahre alt gewesen. Dementsprechend überrascht waren auch ihre Eltern über deren Ausbruch, vor allem, weil sie sich bis zu diesem Tag noch nie gegen ihre Eltern erhoben hatte. Fassungslos starrten die beiden das kleine Mädchen an, welches wütend und traurig zugleich war. Sie konnten deutlich die Tränen in Vernitas Augen sehen, die sich dort langsam bildeten, und ihnen wurde klar, wie dumm sie sich doch soeben verhalten hatten. Sie fielen sich in die Arme und baten einander um Verzeihung, wobei sie beiden losschluchzten.
Als die Elfe wieder in die Realität zurückkehrte, war Rowan schon wieder auf dem Weg nach unten. Und Wut kam in Vernita hoch. Wut über ihre Gefährten und deren kindisches Verhalten. Sie brauchte einen Moment, um sich all das bewusst zu machen, worüber die beiden gerade gestritten hatten, bevor sie diesem Gefühl nachgab und sich ihrem Ärger Luft verschaffte.
„Was zieht ihr beiden hier eigentlich für eine Nummer ab? Haltet ihr das hier für ein Kinderfest, oder was?“ fuhr sie die Magierin an, wobei sie diese am Kragen packte. „Ihr wollt da draußen nach einem Versteck suchen? Am helllichten Tag? Und dann auch noch außerhalb der Stadt? Was sollen wir da? Wir haben hier etwas zu erledigen und nicht da draußen in der Wildnis! Ein Versteck außerhalb der Stadtmauern ist völlig unbrauchbar, solange wir hier noch etwas zu erledigen haben! Die Gefahr entdeckt zu werden, während wir in Denerim ein- und ausgehen ist viel zu groß. Und Eure Idee mit der Zielvorgabe ist genauso schwachsinnig. Was denkt Ihr, hat uns in diese Situation gebracht? Warum hocken wir wohl in diesem Kellerloch und werden von bezahlten Killern gejagt? Alles eine Folge von unüberlegten Handlungen! Fragt Azoth, der kann Euch mehr darüber erzählen!“
Die Elfe ließ Neria wieder los, starrte sie aber immer noch wutentbrannt in die Augen. „Und Ihr habt nichts besseres zu tun, als Euch mit Rowan über nichts und wieder nichts zu streiten und dann beleidigt in Euer eigenes Verderben zu rennen. Wenn Ihr unbedingt sterben wollt, dann sagt es mir, und ich beende Euer Leben kurz und schmerzlos. Dann erspart Ihr Euch wenigstens die Qualen der Folter! Wenn Ihr allerdings leben wollt, dann bewegt Euren Arsch wieder in diesen Keller und tut, was ich Euch sage! Seit ich vor Jahren zu einem Grauen Wächter geworden bin, kämpfe ich permanent und meistens gegen jede Chance. Der einzige Grund, warum ich noch lebe ist der, dass ich Diskussionen wie eben diese hier im Keim ersticke! Und aus diesem Grund werde ich diesen hirnrissigen Disput jetzt beenden! Ein für allemal! Ich erwarte weder Euer Verständnis noch Eure Freundschaft! Und Eure kindischen Streitereien mit den anderen Gruppenmitgliedern interessieren mich ebenso wenig! Alles, was ich erwarte ist Euren Gehorsam! Nicht mehr und nicht weniger! Außer Ihr denkt, dass Ihr als Anführerin besser geeignet wäret als ich, doch das müsstet Ihr mir erst noch beweisen! Bisher habe ich von Euren Führungsqualitäten noch nichts zu Gesicht bekommen!“
Vernita stemmte herausfordernd ihre Händen in die Hüften, während sie weiterredete. „Habt Ihr dazu noch irgendetwas zu sagen, oder können wir jetzt wieder nach unten gehen? Ich habe dort noch mit einer gewissen blondhaarigen Frau ein Hühnchen zu rupfen, und würde sie nur ungern warten lassen!“
Die letzten Worte der Elfe strotzten geradezu vor Sarkasmus.


Lydia sah auf. Erst stürmte Neria, dann Vernita und schließlich Rowan nach draußen. Die Neugierde packte sie , also raffte sie sich ebenfalls auf und tapste verschlafen an Rowan vorbei, welche gerade wieder zurückkam, nach draußen.
Vernita stand vor Neria und tobte. Es war alles wie immer. Vernita spielte sich schon wieder als Herrscherin über alles und jeden auf, doch dass sie Neria ihrer Gefühle wegen verunglimpfte und beschimpfte ging ein wenig zu weit.
„Der einzige Grund warum Ihr noch lebt ist weil Euch noch keiner den Schädel eingeschlagen hat... bedauerlich. Sagt, geht es Euch noch ganz knusper?! Ihr beschimpft Neria, weil sie Gefühle zeigt?! Nur weil Euch die Arroganz und Kaltherzigkeit aus den Ohren läuft? Eure Eltern haben Euch wohl nicht gezeigt dass Gefühle normal sind und dass es mehr als Wut und Hass gibt! Euch sollte jemand den Kopf waschen, aber gnadenlos!“
Sie blickte Vernita in ihre kalten verspottenden Augen. „Ihr und Eure Arroganz, ich hoffe für Euch, dass sie Euch einmal auf sehr widerwärtige Weise das Genick bricht! Ich hätte nicht schlechte Lust Euch hier und jetzt zum Duell herauszufordern. Ohne Waffen. Wer zuerst zu Boden geht verliert! Euch sollte man Manieren beibringen, einmal zeigen, dass man auch freundlich zu andern sein kann und manchmal auch muss!“
Sie blickte zwischen Neria und Vernita hin und her und erwartete eine Verspottung seitens Vernita. „Arroganz in Person! Müsst Ihr alles und jeden verspotten, schlechtreden und beim kleinsten Aufmucken erschlagen?“
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BeitragThema: Re: Kapitel XIX - Kennenlernen der Gegenspieler   Fr 26 Aug 2011, 1:48 am

Azoth lag noch immer auf der Matte. Der Schlaf war erholsam, auch wenn er noch immer nicht richtig wusste, welcher Tag und wie spät es war. Sonst ging es ihm doch eigentlich wieder recht gut. Er stand auf und zog sich was über.
„Guten Morgen.“
Er bemerkte, dass nicht alle hier waren, doch er konnte laute Stimmen vernehmen, die eindeutig vor der Geheimtür waren. Er runzelte die Stirn, denn Vernita konnte er schon hören. War ja auch klar, was sonst. Aber auch Lydia konnte er hören. Das bereitete ihm eher Sorgen.
So stand er auf, ging durch die Tür, und schaute die drei Frauen an. „Was ist denn hier schon wieder los?“


Nachdem sie Rowan am Hals gepackt hatte, und ihr weitere Nettigkeiten an den Kopf geworfen hatte, war Rowan auch schon wieder so schnell im Keller verschwunden, wie sie aufgetaucht war. Neria kochte innerlich vor Wut, diese Schlampe hatte weit mehr als nur ihren Stolz verletzt, und das sollte sie nun büßen. Doch gerade als Neria ihr mordlüstern nachstürzen wollte, wurde sie von Vernita am Kragen zurückgerissen.
Sie entpuppte sich sogleich als jene Vernita, die sie kennen gelernt hatte. Neria hatte schon daran gezweifelt, da sie verdächtig lange während des Disputes mit Rowan geschwiegen hatte, doch anscheinend nur um ihren eigenen Redefluss zu nähren.
Neria hörte nur widerwillig ihren Worten zu. Einiges davon Drang nur in Wortfetzen an ihr Ohr, da ihr der Hass, der sich in ihr aufgestaut hatte, die Sinne raubte. Dennoch ließ sie Vernita zu Ende sprechen, die sie schließlich sogar losließ, wie sie ihre Hände in die Hüften stemmte.
Neria war einen kurzen Moment versucht doch noch Rowan in den Keller folgen, und sah abschätzend zur Kellertür, ob es ihr gelingen würde die Kellertür zu erreichen, bevor sie Vernita zurückhalten konnte, ohne dass sie Vernita nun lähmen müsste? Gerade in diesem Augenblick kam Lydia aus dem Keller, und beschimpfte Vernita wüst. Sie tat noch mehr als das, sie stellte sich auf Nerias Seite und verteidigte sie und ihr handeln.
Neria war so berührt und beeindruckt von dem Auftritt des Mädchens, dass sie halbwegs wieder zu ihrer Räson fand. ‚Noch nie hatte sich jemand so sehr für mich eingesetzt‘, dachte sie wehmütig und wenn sie jetzt ginge würde sie Lydia in Stich lassen, sie würde sie Vernitas Wut überlassen. Da sie das nicht übers Herz brachte, wandte sie sich seufzend Vernita.
„Vernita, Ihr kennt mich mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass ich obwohl ich mich verändert habe, sich einiges bei mir nicht verändert hat, und das ist mein Stolz. Verletzter Stolz führt bei mir immer noch zu Wut, und Wut führt bei mir zu Hass, und Hass mach mich wieder zu der die ich war. Ich kann mir schwer vorstellen, dass Ihr die Neria wieder haben wollt, die Ihr kennen gelernt habt, weil das würde das Vertrauen, das wir untereinander mühsam aufgebaut haben, wieder zerstören“, entgegnete sie ihr mit leicht vor Wut bebender Stimme.
„Wir würden wieder dort stehen, wo wir schon einmal waren“, fügte sie bedauernd hinzu.
„Deswegen liegt es mir fern, mich mit Euch zu streiten. Ich wäre eine schlechte Führerin, erstens bin ich den Umgang mit Begleitern nicht gewöhnt, da ich immer alleine umhergezogen bin, und zweitens hätte ich die Hälfte von dem Haufen hier schon eigenhändig umgebracht. Da könnte ich mich gleich alleine den Kämpfen stellen, die auf uns zukommen“, stellte sie nachdenklich fest.
„Azoth zu fragen wäre auch nicht gerade ratsam. Was dabei rauskommt, wenn ich mit jemanden reden will, habt Ihr gerade am eigenen Leib erfahren, und ich habe die ständigen Abweisungen satt“, fuhr sie wütend fort.
Neria wusste, dass Vernita recht hatte, dass es eine hirnrissige Aktion wäre, bei Tageslicht hier raus zu stolzieren, gerade wo die ganze Stadt wegen der sieben toten Templer in Aufruhr war, auch wenn sie es ihr nicht zugestehen wollte. Doch den Gedanken, das Versteck zu verlassen, hatte sie wegen Lydia sowieso schon aufgegeben. Doch wieder in den Keller zu gehen, nein, bei allem Respekt den sie Vernita entgegenbrachte, ein Ding der Unmöglichkeit.
Sie wollte noch ein wenig Zeit gewinnen und darüber nachdenken was sie zu tun gedachte, deshalb sprach sie schnell weiter.
„Das Haus in dem Dickicht liegt zwar außerhalb der Stadt, aber wer sagt Euch, dass wir dafür die Stadttore passieren müssen?“
Sie beschrieb Vernita den genauen Standpunkt von einem beschädigten Mauerstück in der Stadtmauer, welches sich am Ende eines verwinkelten Gassenwerks im Gesindeviertel befand.
„Es ist zwar schon etliche Winter her, aber vielleicht lohnt es sich wirklich, sich das einmal anzusehen“, beschloss sie ihre Ausführungen
Schlussendlich kam Neria doch zu dem Punkt der ihr überhaupt nicht behagte, sie musste Vernita auf die Frage antworten, ob sie ihr nun in den Keller folgen würde. Nerias Augen funkelten immer noch voller Kampfeslust und Hass, dennoch versuchte sie ihre Worte so gut es ging zu zügeln.
„Vernita, regelt mit Rowan was ihr zu regeln habt, ich komme vorerst nicht mit sonst passiert ein Unglück, dann lasse ich mich von Euch nicht mehr zurückhalten“, bestätigte sie noch einmal ihre Bedenken.
„Ich verspreche Euch hier zu bleiben, wenn sie einsichtig ist und bereit ist den Disput zu beenden, dann werde ich über meinen Schatten springen und es auch sein. Sollte sie nicht so denken, dann schickt sie raus, dann werden wir es hier und jetzt auf andere Weise beenden“, sagte sie kämpferisch.
„Dann soll sie ihren Hund gleich mitnehmen, ich hab keinen Bock mir in der Nacht die Kehle aufschlitzen zu lassen, nur weil er an ihr hängt“, fügte sie entschlossen hinzu.
„Geht jetzt Vernita, ich bleibe mit Lydia hier, und unterlasst es in Eurem Interesse, Euch an ihr zu vergreifen.“ Sie nahm Lydia schützend in den Arm, setzte sich mit ihr auf eine der Kellerstufen, und betrachtete argwöhnisch den Elf, der soeben durch die Kellertür gekommen war.


„Ich werde diese Sache mit Rowan klären. Auf die eine oder andere Weise“, entgegnete Vernita fest. „Darauf könnt Ihr Euch verlassen. Ich werde sie auch dazu bringen, dass sie sich von Euch heilen lässt. Nur Euren Stolz solltet Ihr ablegen, und zwar rasch. Wenn wir gemeinsam in den Kampf ziehen, dann wird er Euch nur im Weg sein. Da zählen dann nur meine Befehle, denen Ihr zu folgen habt. Zumindest wenn Ihr wollt, dass wir siegreich sind und nicht kläglich scheitern. Und was Euer Versteck angeht... diese Stadt wurde während der Verderbnis zerstört und danach wieder aufgebaut. Daher ist es unwahrscheinlich, dass dieses Loch in der Mauer, von dem Ihr gesprochen habt, noch existiert. Trotzdem werden wir das in der kommenden Nacht überprüfen. So, und nun werde ich mal ein ernstes Wörtchen mit unserer guten Rowan sprechen.“
Die Elfe wollte sich gerade abwenden, doch zuvor wandte sie sich noch mit einem hämischen Grinsen auf den Lippen an Lydia. „Und du solltest damit aufhören, mich ständig herausfordern zu wollen, Kleine. Ich könnte das irgendwann mal ernst nehmen, und dann kann dich nicht einmal deine Freundin hier vor mir schützen. Merk dir das, du kleine, freche Göre.“
Dann drehte sich Vernita um und ging die Treppe hinunter, wo sie auf Azoth traf, welchen sie dreckig angrinste. „Na, mein übereifriger Freund. Eure kleine Ziehtochter scheint mich nicht sonderlich zu mögen. Vielleicht erklärt Ihr der Kleinen mal, wem wir es zu verdanken haben, dass wir in diesem Kellerloch hausen müssen. Ich vermute mal, dass hat sie noch nicht ganz kapiert.“
Nach ihren Worten ließ sie den Elf einfach stehen und verschwand im Versteck der Gruppe.


Vernita trieb es zu weit. Lydia platzte der Kragen, sie musste sich nicht von einer dahergelaufenen arroganten Möchtegern-Despotin als Gör beschimpfen lassen. Gerade, als sie Vernita lehren wollte, dass man sie durchaus ernst nehmen konnte, griff Neria nach ihrem Arm. Die zärtliche Berührung, die Wärme ihrer Hände, sie schienen einen kurzen Moment die Zeit anzuhalten und Lydia zu beruhigen.
Sie ließ sich in Nerias Arme fallen, schloss die Augen und genoss die Umarmung. Ein Schauer lief ihr den Rücken hinunter und die Nackenhärchen stellten sich auf. Sie kuschelte sich in Nerias Schoß und legte ihren Kopf gegen ihre Brust. Aus einem Impuls von innen heraus jedoch blickte sie Neria in die Augen, legte ihre Hand auf Nerias Hinterkopf, zog sie zu sich heran und küsste sie lang und innig.
„Nein, lass es… bitte. Nicht kämpfen, wenigstens nicht heute…“


Starr und mit festem Blick starrte Azoth Vernita hinterher. Wenn er dieses Mal nicht auf die Vernunft gehört hätte, wäre Vernitas Gesicht noch entstellter als es für ihn sowieso schon aussah. Die Hände hatte er zu Fäusten geballt. Von ihr ließ er sich bestimmt nicht herumkommandieren. Klar, er war hier, um zu helfen, doch er war schon immer sein eigener Herr. Und hatte auch nicht vor es zu ändern.
Er blickte zu Lydia und Neria herab, die an der Treppe saßen. Dabei runzelte er die Stirn. Was lief denn hier ab? Lydia... und die Neue? Hatte er gerade richtig gesehen, oder küssten sie sich? Noch einmal schaute er sich um, bevor er sich räusperte.
„Ich will sicher nicht stören. Aber... was ist hier verdammt noch mal los? Und warum soll Lea in ein Kloster? Und Lydia... wer ist das hier überhaupt??“, meinte er komplett verwirrt, und setzte sich ebenfalls an die Treppe, allerdings weiter weg von den beiden.
Azoth merkte, dass ihm hier Einiges entgangen war. Er bekam überhaupt nichts mehr mit, und es kam ihm vor, als würde er alle hier erst einmal richtig kennen lernen, obwohl er schon länger mit ihnen unterwegs war.


Den Stolz ablegen? ‚Wenn das so einfach ginge‘, dachte Neria seufzend. So war sie halt, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlte, dann legte sich bei ihr ein Schalter um, und sie rastete aus. Wenn Rowan nur halb so stolz wie sie wäre, dann würde Vernita es schwer haben, sie davon zu überzeugen ihr Kriegsbeil zu begraben. Geschweige denn, dass sie es zulassen würde sich von ihr heilen zu lassen.
Andererseits könnte sie ja Rowan indirekt heilen, und dachte lächelnd an jenen Moment zurück, wo sie Vernitas Hand für ihre eigene Heilung verwendet hatte. Belustigt vernahm Neria ,wie Lydia und der Elf an der Tür auch noch ihr Fett von Vernitas Laune abbekamen, bevor diese im Keller verschwand. Man könnte fast meinen, Vernita wärmte sich schon ein wenig für das Gespräch mit Rowan auf.
Kaum hatte Vernita den Flur verlassen, klammerte sich Lydia fest an sie, und bevor sich Neria es versah, spürte sie schon Lydias Lippen auf den ihren. Obwohl sie sich innerlich wehrte, ließ sie es geschehen und genoss die weichen Lippen und den süßlichen Geschmack der jungen Elfe.
Etwas beschämt blickte Neria dann den Elfen an. Aus seinem Blick war nicht wirklich zu erkennen, ob er nun fassungslos, oder einfach nur belustigt über die beiden Frauen war. Doch die Frage stand jedoch nicht lange zur Debatte, da er offensichtlich bestürzt Lydia zur Rede stellte.
Nachdem Lydia betreten schwieg und Neria die Situation peinlich war, suchte sie krampfhaft nach einer plausiblen Erklärung, zudem wollte sie es sich nicht schon wieder mit jemanden verscherzen, den sie gerade kennenlernte. Nachdem sie nicht viel Zeit hatte, sich die richtigen Worte zurechtzulegen, stammelte sie einfach darauf los.
„Äh, ich bin Neria, es… es ist nicht so wie es aussieht, Lydia… hat… ist… ich…“
Neria lief rot an während sie verzweifelt die richtigen Worte suchte. Hastig startete sie einen zweiten Versuch. „Das ist Lydias Art mich zu beruhigen, da ich mich gerade fürchterlich aufgeregt habe.“
Würde er ihre Notlüge durchschauen? Neria war beunruhigt. Hatte sie es wieder verbockt? Hatte sie es sich mit Elfen verscherzt, bevor sie überhaupt seinen Namen erfahren würde?
Um ihn von dem peinlichen Thema abzulenken, ging sie umgehend auf seine zweite Frage ein.
„Soweit ich mitbekommen habe, muss Leanora ins Kloster, weil sie uns dort wertvolle Informationen für unser Vorhaben beschaffen kann. Sie ist von uns allen am besten dazu geeignet diesen Auftrag durchzuführen. Wenn Ihr genauere Details wissen wollt, müsst Ihr mit ihr selbst, beziehungsweise mit Vernita sprechen. Aber so wie es aussieht, ist Eure Gesprächsbasis mit Vernita nicht gerade die beste“, sagte sie lächelnd.
Neria unterließ diesmal bewusst die Frage ob der Elf Heilung benötigte, da die Reaktionen auf diese Frage bisher nicht gerade erbauend gewesen sind, aber sie entschied wenigstens gleich mit der Wahrheit rauszurücken.
„Ich bin Magierin, genau genommen bin ich Blutmagierin. Ich hoffe das schreckt Euch jetzt nicht allzu sehr von mir ab“, sagte sie vorsichtig abwägend. Daraufhin musterte sie den Elfen, der sich nicht unweit der beiden Frauen hingesetzt hatte, und warf ihm einen scheuen Blick zu.


Lydia legte Neria einen Arm um die Schulter und ließ die Beine baumeln. Azoth schien offenbar verwirrt zu sein. Lydia musste sich das Lachen verkneifen, doch grinste sie ihn an. „Azoth , nach was sieht es für dich aus?“
Sie merkte, Neria war die Situation offenbar zum Schreien peinlich.
„Neria“, flüsterte sie. „Gefühle zu zeigen ist nichts, wofür man sich zu schämen braucht...“


Zuerst runzelte Azoth die Stirn. Grinste dann aber Neria, und Lydia an.
„Neria also. Ich bin Azoth. Und... kein Grund gleich so ängstlich zu werden“, lachte er.
„Also, ich lasse euch beiden dann mal alleine“
Mit diesen Worten stand Azoth auf, und ging wieder runter. Er hatte vor sich zurück zu seiner Liege zu begeben um den anderen zuhören zu können, vor allem da er sich Sorgen um Leanora machte.
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BeitragThema: Re: Kapitel XIX - Kennenlernen der Gegenspieler   Fr 26 Aug 2011, 1:54 am

Vernita ging gleich zu Rowan hinüber, die wieder vor ihrer Liege hockte und ihre Lederrüstung ausbesserte. Vernitas Gesicht nahm einen harten Ausdruck an, als sie das Wort an die Frau richtete.
„Was habt Ihr Euch eigentlich dabei gedacht, als Ihr diesen Streit mit Neria vom Zaun gebrochen habt?“ fauchte die Elfe ihr Gegenüber an. „Habt Ihr nichts Besseres zu tun, als diese kindischen Zänkereien? Ich hatte wirklich mehr von Euch erwartet! Hebt Euch Eure Aggressionen gefälligst für unsere Gegner auf, verstanden? Außerdem will ich, dass Ihr Euch von Neria heilen lasst, damit Ihr für Euren Einsatz heute Nacht voll einsatzbereit seid! Ich weiß gar nicht, warum Ihr Euch so anstellt? Sie wäre schließlich nicht die erste magiebegabte Person, die Euch von Euren Wunden kuriert, nicht wahr? Also werdet Ihr jetzt da raus gehen, und diesen albernen Disput zwischen Euch beiden endgültig zu Grabe tragen! Wir haben nämlich keine Zeit für diese Kinderkacke, meint Ihr nicht auch? Ich hoffe, ich habe mich klar und deutlich ausgedrückt?!?“


Rowan stieß einen Seufzer aus, bevor sie ihre Rüstung erneut zur Seite legte und missmutig zu Vernita aufschaute.
„Ich werde mich nicht von dieser Blutmagiern heilen lassen. Ich weiß, dass ich nichts mehr daran ändern kann, dass sie uns begleiten wird, aber sie wird unter keinen Umständen noch einmal Hand an mich legen!“
Rowan kam auf die Beine und richtete sich auf, bis sie Aug und Aug mit der Elfe stand. Sie sah die Wut und den Zorn in den Augen ihres Gegenübers, doch sie senkte den Blick nicht.
„Ich habe versucht freundlich zu dieser Frau zu sein, das könnt ihr mir glauben. Ich habe mir auch ihre anzüglichen Bemerkungen und die ‚blonde Schlampe‘ angehört ohne ihr den Hals umzudrehen. Und ich werde sie hier in dieser Gruppe akzeptieren. Aber erwartet von mir nicht, dass ich auch nur ein freundliches Wort über sie verlieren werde!“
Sie starrte der Elfe ein paar Atemzüge lang in die Augen, dann wurde ihr Blick weicher.
„Wie Ihr Euch sichern erinnern könnt, hatten wir beide zu Anfang erhebliche Probleme. Doch ich muss Euch sagen, dass Ihr Euch als fähige Führerin erwiesen habt. Ihr habt Euch meinen Respekt verdient und ich werde Euch folgen und auf Eurer Urteil vertrauen. Wenn es Euer Wunsch ist, dann werde ich noch einmal das Gespräch mit Neria suchen, auch wenn ich nicht einsehe, was das im Moment bringen soll. Ich habe das Gefühl, dass sie gerade einem Pulverfass gleicht und es egal sein wird, welche Worte ich wähle.“
Erwartungsvoll schaute sie Vernita an.


Leanora hatte relativ tief geschlafen, bis sie die Worte Vernitas an Rowan hörte. Sie ließ ihre Augen geschlossen, vernahm aber jeden Satz. Leise seufzte sie auf. Musste denn hier jeder mit jedem streiten? Konnte es nicht ein wenig friedlicher zugehen? Beinahe war sie froh, dass sie bald ins Kloster musste.
Bei diesem Gedanken schnellte ihr Puls in die Höhe, und die Angst kam sofort wieder zurück. Sie würde den Zankereien hier für einige Zeit aus dem Weg gehen. Aber würde sie die Gefährten jemals wieder sehen?
Langsam schlug sie die Augen auf und rieb sich diese verschlafen, bevor sie sich ganz aufrichtete und zu Vernita und Rowan sah.
„Bitte“, sagte sie leise. „Könnt Ihr nicht einmal in Frieden zusammen sein? Diese Streitereien am laufenden Band machen mich noch völlig fertig.“
Und dabei fühlte sie sich wieder einmal hilflos und einsam. Aber das sagte sie nicht.


„Nun, ich habe dieses Weib nicht in unsere Gruppe aufgenommen, um mit ihr freundliche Konversation zu betreiben, Rowan, sondern ausschließlich deshalb, damit sie uns im Kampf gegen unsere Feinde unterstützt. Also erwarte ich von Euch auch nicht, dass Ihr mit dieser Person Freundschaft schließt. Ich mag auch nicht jeden Gnom hier“, Vernitas Blick lag bei ihren Worten für einen Moment auf Sareth. „Allerdings toleriere ich jeden, der für uns wertvoll sein kann und schlage dessen Hilfe nicht aus. Und das solltet Ihr auch nicht tun.“
Die Wut wich aus dem Blick der Elfe, und dieser nahm einen emotionslosen Ausdruck an. Den Ausdruck eines kalten und berechnenden Profis. „Von mir aus ignoriert dieses Weib, wenn Ihr nichts mit Ihr zu schaffen haben wollt. Trotzdem solltet Ihr deren Hilfe nicht einfach ausschlagen, denn genau dafür ist sie ja schließlich hier. Lasst Euch von ihr heilen. Um Euch zu zeigen, dass Neria nicht gefährlicher ist als ich, werde ich mich zuvor von ihr heilen lassen, auch wenn dies bei meiner Wunde wohl nicht mehr nötig sein dürfte. Anschließend seid Ihr dann dran. Sollte sie Euch doch widererwartend Schaden zufügen, so werde ich ihr umgehend das Genick brechen. Darauf habt Ihr mein Wort. Seid Ihr damit einverstanden?“


Rowan kämpfte innerlich mit sich. Sie hatte noch nie wirklich einem Magier getraut. Hennrik war der einzige gewesen, dem sie so etwas wie Vertrauen entgegen gebracht hatte. Aber eine Blutmagierin? Sie erschauerte bei dem Gedanken daran, wozu diese Frau fähig sein konnte.
„In Ordnung.“ Rowan gab sich einen Ruck „Einverstanden. Jedoch müsst Ihr Euch nicht von ihr heilen lassen. Es reicht mir, wenn Ihr dabei seid. Und ich will Euer Wort darauf, dass sie keine Blutmagie für die Heilung anwenden wird.“


„Das ist schon in Ordnung, Rowan“, winkte Vernita ab. „Meine Wunde brennt noch etwas, auch wenn sich der Schmerz in Grenzen hält. Allerdings wird mir meine Arbeit ohne diesen sehr viel einfacher von der Hand gehen. Außerdem habe auch ich große Vorbehalte gegenüber Magiern, so wie Ihr sie ebenfalls zu haben scheint. Ich lasse mir nur sehr ungern von ihnen helfen. Trotzdem erkenne ich an, dass sie gefährliche Feinde und ebenso machtvolle Verbündete sein können. Und aufgrund meines Misstrauens gegenüber Magiern muss ich mich von eben einer solchen heilen lassen. Schließlich will ich Euch nichts abverlangen, was ich nicht selbst auch tun würde. Das ist nicht mein Weg.“
Ein Lächeln legte sich auf die Lippen der Elfe. „Ich bin froh, dass Ihr einsichtig geworden seid, Rowan, da wir jede Hilfe benötigen werden, die wir kriegen können. Auch die dieser Blutmagierin. Ich werde sie jetzt holen. Und keine Angst. Sie wird ihre Blutmagie nicht auf einen von uns anwenden. Dafür sorge ich schon.“
Vernita wandte sich zum Gehen um. Auf dem Weg nach draußen kam ihr Azoth entgegen, welcher schweigend an der Elfe vorbeiging und sich zu seiner Liege begab. Vernita beachtete ihn nicht weiter, sondern verließ stattdessen das Versteck. Im Kellerflur traf sie dann auf Neria und Lydia, welche eng umschlungen auf der Treppe saßen. Die Elfe hob bei diesem Anblick nur eine Augenbraue, sagte aber ansonsten nichts dazu, da sie darin nur eine Bestätigung für etwas sah, was sie schon einen Tag zuvor vermutet hatte. So kam sie gleich zur Sache.
„Nun, ich konnte Rowan davon überzeugen, dass sie sich von Euch helfen lassen wird, Neria“, begann die Elfe. „Allerdings werdet Ihr auf den Einsatz Eurer Blutmagie verzichten müssen. Tut einfach mit herkömmlicher Magie alles, was Ihr für sie tun könnt. Zunächst werdet Ihr aber meine Rückenverletzung versorgen, auch wenn es lediglich darum geht, mir die Schmerzen zu nehmen, da die Verletzung an sich schon fast verheilt ist. Das Ganze dient lediglich dazu, es Rowan leichter zu machen, sich von Euch behandeln zu lassen. Also, lasst uns gleich beginnen.“
Die Elfe drehte sich wieder um, doch bevor sie sich in Bewegung setzte, wandte sie noch einmal den Kopf um, wobei sie Neria und Lydia hämisch angrinste. „Ach, und noch etwas. Ihr beide gebt wirklich ein hübsches Paar ab.“
Dreckig lachend betrat Vernita wieder das Versteck, wo sie ihr Hemd und ihre Unterkleidung abstreifte, welche sie auf ihre Liege warf. Dann befreite sie sich auch noch von dem Verband, der um ihren Körper gewickelt war. Anschließend lehnte sich die Elfe über eine Stuhllehne und drehte Neria, welche sie hinter sich wähnte, ihren nackten, vernarbten und gebrandmarkten Rücken zu.
„Fangt an, Neria“, meinte sie tonlos. „Und ich hoffe, dass Euch der Anblick meines Rückens keinen Schrecken einjagt oder Euch vielleicht sogar in Ekstase versetzt. Ihr scheint da ja spezielle Vorlieben zu haben…“
Die letzten Worte der Elfe klangen ziemlich hämisch, und ein Grinsen legte sich auf ihre Lippen.


Weiterhin an dem harten Brot und Trockenfleisch kauend beobachtete Miandra die anderen die nach der Reihe aufwachten, aus dem Versteck verschwanden und wiederkamen als wäre Tag der offenen Tür auf dem Anwesen des Arls von Denerim. Zuerst kehre Rowan zurück, die mit zornigen Nadelstichen an ihrer Rüstung hantierte, davon jedoch nur Augenblicke später von Vernita abgelenkt wurde, da es offenbar noch immer – oder schon wieder – ein Problem mit Neria gab, anschließend Azoth der etwas verwirrt wirkte und Leanora mit besorgten Blicken musterte, welche irgendetwas bezüglich der Streitigkeiten sagte, jedoch komplett ignoriert wurde.
Miandra wusste nicht recht was sie von der gesamten Situation halten sollte, fand es jedoch etwas belustigend, als sie mitbekam worum es scheinbar ging. Einerseits verstand sie Rowan, dass diese sich nicht von dieser Magierin heilen lassen wollte, andererseits verstand sie nicht wieso diese ein solches Problem mit Blutmagie hatte. War es nicht vollkommen gleichgültig? In Miandras Augen war ein Magier ein Magier, egal welche Magie er ausübte, und damit waren in ihren Augen auch alle Magier genau gleich gefährlich. Eigentlich waren solche Fähigkeiten eine Beleidigung gegenüber dem Erbauer. Wieso sollte er die Einen mit solchen magischen Begabungen bevorzugen, und andere nicht? War es nicht eine Art von Gotteslästerung, so anders zu sein… Gott spielen zu können mit einer einfachen Handbewegung und ein paar Worten? So wie sich die Menschen selbst die Macht dazu gaben, über Tod und Leben zu bestimmen, als sie Andraste qualvoll auf dem Scheiterhaufen verbrannten? Wie sollte man so jemals Vergebung für diese Schandtat von dem Erbauer erlangen…
Wie gut, dass Miandra den Glauben an die Kirche bereits vor Jahren abgelegt hatte und es nun nur noch als lächerlich empfand. Als ob der sogenannte Erbauer jemals die Welt zu einem Paradies machen würde… Doch genau als sie diese Gedankengänge ablegen wollte, kehrte Vernita erneut in das Versteck zurück, gefolgt von Neria.
Miandra hatte nicht mehr so recht mitbekommen was die drei nun genau vorhatten, da sie zu sehr von ihren eigenen Gedanken abgelenkt wurde, und beobachtete daher eher mit Skepsis wie sich Vernita von dem Verband befreite. Sie wusste nicht woher genau sie diese Verletzung hatte, doch sie schien nicht sonderlich schwer zu sein. Was Miandra eher aus der Ruhe brachte war der Anblick der ihr von deren Rücken geboten wurde, da es ihr dabei eine Art Stich versetzte wodurch ihr grauenvolle Bilder ins Gedächtnis gerufen wurden. Schnell drehte sie sich wieder zu dem Tisch und wandte den Blick gegen die Holzplatte, an welcher noch immer die letzten Reste des Nahrungsvorrates lagen. Nervös und sich dessen unbewusst trommelte sie mit den Fingern auf der Tischplatte und atmete einige Male tief ein und aus, bevor sie einen weiteren Blick in die Richtung riskierte, diesen jedoch scharf auf Neria lasten ließ, ohne das Trommeln einzustellen.


Azoth war nicht gerade redselig, wenigstens ließ er kein schlechtes Wort über Neria fallen, sondern wandte sich nur lächelnd ab, und verließ den kleinen Keller den Vernita wenig später betrat.
Neria war schleierhaft, wie sie Rowan überzeugen konnte sich von ihr heilen zu lassen, aber sie wollte es auch gar nicht wissen, und eigentlich wollte sie diese auch gar nicht mehr heilen.
Seufzend folgte sie Vernita ins Versteck und machte sich daran Vernitas Wunde am Rücken zu heilen.
„Meine Güte, was hat man mich Euch gemacht? Seid Ihr gefoltert worden?“ fragte sie Vernita während ihre Hände über ihren Rücken glitten.
Neria versuchte so gut es ging auch Vernitas alte Verletzungen, die allesamt vernarbt waren, zu behandeln. Doch mehr als dass die Narben dann wenigstens schöner anzusehen waren, konnte sie auch nicht machen.
„Ich verstehe nicht, wo Rowan da einen Unterschied sieht, ob ich mit oder ohne Blutmagie heile. Miandra kann ihr sicher bestätigen, dass daran nichts Schlechtes ist. Vor allem wenn es nötig sein sollte, aber mittlerweile ist mir das sowieso egal, ob sie sich heilen lässt oder nicht“ fuhr sie emotionslos fort.
„So, fertig Ihr könnt Euch wieder anziehen Vernita“ und sie blickte erwartungsvoll zu Rowan, die abwartend bei ihrer Liege stand.


Rowan beobachtete, wie Neria sich an Vernitas Rücken zu schaffen machte. Sie hatte die Elfe schon einmal verbunden und daher war ihr Anblick nichts Neues für sie. Auch konnte sie nicht verstehen, wieso Neria die Narben unbedingt ansehnlicher machen musste. Die Elfe war schließlich keine feine Dame, die auf ihr Aussehen achten musste. Als Krieger trug man nun einmal Narben davon, die einen für den Rest des Lebens zeichneten. Auch Rowans Körper war nicht unversehrt geblieben, wenngleich es keinen Vergleich zu dem von Vernita gab.
Neria beendete ihr Schaffen und schaute auffordernd zu ihr herüber während sich die Elfe ihr Hemd wieder überzog. Auch sie blickte Rowan ernst und abwartend an.
Rowan gab sich einen Ruck und ging zu dem Stuhl hinüber vor dem die Magiern stand. Sie legte ihr Hemd ab und entfernte die Verbände an Oberschenkel und Kreuz. Nur mit einer Unterhose bekleidet ließ sie sich rittlings auf dem Stuhl nieder und wartete ab. Dabei schaute sie die Halbelfe mit zusammengekniffenen Augenbrauen an.


Wortlos setzte sich Rowan auf den Stuhl nachdem sie sich ihr Hemd ausgezogen, und die Verbände entfernt hatte. Neria sah Vernita fragend an, da sie sich im Unklaren war, ob sie nicht die Heilung über Vernitas Hand durchführen sollte. Rowans Blick sprach Bände, wie sehr sie verabscheute, was nun auf sie zukommen würde. Doch Vernita machte keine Anstalten sich in irgendeiner Weise einmischen zu wollen, so kniete sich Neria vor Rowan nieder, konzentrierte sich einen Moment, murmelte abermals ihren Heilzauber und streifte Rowan mit einer kreisenden Bewegung über deren Wunde am Oberschenkel.
Die pulsierende Energie aus ihrer Hand, verschloss die bereits halbwegs verheilte Wunde augenblicklich und zurück blieben nur eine kleinere Narbe. Rowans Haut fühlte sich weich und zart an, ganz im Gegensatz zu der von Vernita, was aber auch nicht verwunderlich war, da Rowans Verletzungen bei weitem nicht so schlimm waren, wie die Spuren der Folterung auf Vernitas Rücken. Neria war zu konzentriert um auf Rowans Blick zu achten, abgesehen davon, dass sie vermied Rowan während des Heilvorganges anzusehen. Langsam stand Neria auf, ging um Rowan herum, um ihre Wunde am Rücken genauer zu begutachten.
Die Wunde am Rücken war tief, und die Verletzung dürfte von einem Bolzen oder Pfeil herrühren, der bereits herausgezogen wurde. Neria betastete die Wunde und konnte einige Holzsplitter ausmachen die im Inneren der Wunde steckten. ‚Die Verletzung ohne Blutmagie zu heilen wäre fahrlässig‘, dachte sie grübelnd. Für eine normale Heilung war sie zu schwer, und sie könnte damit nicht garantieren sie sachgemäß zu heilen. Abermals blickte sie Vernita mit besorgtem Blick fragend an. Doch Vernita sah sie nur mit ausdruckloser Miene an.
Rowan würde den Unterschied der Heilung wohl kaum merken, vor allem wenn Neria ihr die Schmerzen welche Blutmagie verursacht, nehmen würde. Sie überlegte kurz, griff zu ihrer Nähnadel die sie zuvor auf dem Tisch liegengelassen hatte, und stach sich damit in die Hand sodass gleich das Blut zu rinnen begann. Ihre Hand schimmerte leicht rötlich als sie Rowans Verletzung am Rücken behandelte. Neria kniff die Augen zusammen als sie der Schmerz der Heilung erreichte. Nach einem kurzen Augenblick konnte man nicht mehr erkennen, dass Rowan jemals am Rücken verletzt war.
Als Neria fertig war, nahm sie schnell ein Tuch vom Tisch und wischte sich das Blut, das sie entlarven würde Blutmagie angewandt zu haben, von der Hand.
„So das war es auch schon.“ Sie wandte sich von den beiden Frauen ab und schickte sich an zu ihrer Liege zu gehen.


Rowan wartete angespannt darauf, dass Neria mit ihrer Arbeit begann. Nach kurzer Zeit spürte sie die Hand der Frau auf ihrem Oberschenkel. Ein starkes Kribbeln breitete sich augenblicklich unter der Haut aus. Die Wunde erwärmte sich stark und Rowan spannte sich zuerst noch mehr an. Doch dieses Gefühl kannte sie bereits von anderen Heilvorgängen und sie schaffte es, ihre Muskeln wieder zu lockern.
Nerias Hände strichen sanft über ihren Oberschenkel und nachdem die Frau sich wieder aufrichtete, war die Haut darunter makellos und unversehrt. Obwohl dies nicht ihre erste Heilung war, starrte Rowan für einen Moment verblüfft dorthin, wo noch vor kurzer Zeit das Loch, das der Bolzen hinterlassen hatte, zu sehen war. Sie bewegte leicht das Bein, doch der erwartete Schmerz blieb aus.
Neria war inzwischen hinter sie getreten und schien die Wunde am Rücken zunächst zu betrachten. Dann konnte Rowan auch hier ihre Hände auf ihrer Haut spüren. Für einen winzigen Moment drang ein stechender Schmerz in ihr Bewusstsein, doch er verschwand wieder so schnell, dass sie sich fragte, ob er nur eingebildet gewesen war. Stattdessen trat das Kribbeln, das sie auch schon an ihrem Schenkel gespürt hatte wieder ein. Die Wunde war tiefer und entzündeter, dementsprechend dauerte der Vorgang hier etwas länger.
Als die Magierin von ihr abließ schaute Rowan hoch in das Gesicht der Frau. Sie wollte gerade aufstehen und die Bewegungsfreiheit ihres Körpers überprüfen, als ihr der Blick von Neria begegnete. Die Frau schaute ihr für den Bruchteil eines Atemzugs in die Augen und senkte ihren Blick dann schnell. Die Art wie sie es tat, ließ Rowan stutzig werden.
Als sich Neria abwandte, griff Rowan blitzschnell eines ihrer Handgelenke und hielt sie fest. In dem starken Griff fühlte sich der Arm der Frau weich und zerbrechlich an. Rowans Blick fiel auf ein Tuch, welches Neria mit ihrer Hand umklammerte. Das Tuch wies rote Flecken auf und das konnte nur eines bedeuten.
„Ihr habt mich mit Blutmagie geheilt, obwohl es Euch untersagt war!“ ärgerlich schnappte Rowan nach Luft. „Dachtet Ihr, dass Ihr so einfach damit durchkommt?“
Sie schaute der Frau in die Augen, doch was sie darin sah war keine Einsicht oder Reue. Sie sah Zorn und Uneinsichtigkeit. Auch ein gewisses Desinteresse lag in dem Blick der Magierin.
In Rowan selbst stieg der Ärger auf und sie wollte die Frau für ihre Dreistigkeit zur Rechenschaft ziehen. Doch sie zögerte einen Moment. Sie stieß die Luft, die sie angehalten hatte, wieder aus und ihre Schultern sackten in sich zusammen. Gleichzeitig öffnete sie ihren Griff und gab Nerias Arm frei.
Rowan wandte den Blick ab und sprach mehr zu sich selbst. „Ihr wollt, dass wir Euch akzeptieren. Und Ihr wollt uns bei unserer Mission begleiten und unterstützen.“
Rowan hob den Kopf und schaute Neria traurig in die Augen.


Gerade als Neria sich von den beiden Frauen abwandte, und zu ihrer Liege gehen wollte, fasste Rowan mit festen Griff nach ihren Handgelenken und hielt sie zurück. Anhand des von Blut getränkten Tuches in ihrer Hand wusste Rowan, dass Neria sie mit Blutmagie geheilt hatte.
Sie hatte zwar nicht damit gerechnet, dass Rowan sie dabei ertappen würde, aber sie wusste sehr wohl was nun kommen würde. Gefasst wartete Neria bis Rowan ihren Wutausbruch beendete hatte, und ließ deren Worte über sich ergehen. Sie hatte ihr Unverständnis und ihre Reaktion nicht anders erwartet, doch war sie der endlosen Streitereien müde, und ließ sich keine Gefühlsregung anmerken.
Entschlossen begegnete sie Rowans zornerfüllten Blick. Nein, sie würde sich auf keine weiteren Diskussionen mehr einlassen, aber sie würde sich dennoch für ihr handeln rechtfertigen.
„Eure Wunde am Rücken war zu gravierend, als dass ich sie mit normaler Magie hätte heilen können. Der Bolzen oder der Pfeil ist zu tief eingedrungen, es wäre unverantwortlich von mir gewesen, das in diesem Zustand zu lassen. Ich weiß, Ihr werdet mir das nicht glauben, aber viel hätte nicht gefehlt, und Ihr hättet Euch die Pein erspart mich kennen zu lernen. Ich erspare mir die genaueren Details, die das Ding in Euch angerichtet hat, zu schildern. Ihr werdet mich ja sowieso als Lügnerin hinstellen. Ich hatte zwei Optionen Rowan. Die eine war auf Euch zu hören, auf Blutmagie zu verzichten, allerdings in Kauf zu nehmen, dass ihr an den Spätfolgen Eurer Verletzung verreckt, oder eben Blutmagie zu verwenden, zu riskieren, dass Ihr es bemerkt, mich dafür verachtet, Vertrauensbruch vorwerft, aber Euch komplett zu heilen. Ich habe mich halt für Zweiteres entschieden, weil Ihr verabscheut mich sowieso, ebenso wie ich in Euren Augen des Vertrauens nicht würdig bin. Schlimmer kann es sowieso nicht mehr kommen, und jeder einzelne hier ist wichtiger als jede Gefühlsduselei, die wir uns nicht leisten können. Hasst mich, verabscheut mich oder was auch immer aber lebt, und leistet Euren Beitrag zu unserem Vorhaben. Meine Entscheidung war eine Frage des Verstandes nichts anderes“, entgegnete sie Rowan mit ruhiger Stimme.
Nachdem sie die letzten Worte zu Rowan gesprochen hatte, richtete sie ihr Wort an Vernita.
„Wenn Ihr jetzt nichts mehr von mir wissen wollt, dann gehe ich, geheilt seid Ihr ja jetzt alle. Somit habe ich wenigstens einen kleinen Beitrag leisten können Euch zu helfen.“
Neria legte das Tuch zur Seite, verschloss den kleinen Einstich an ihrer Hand, und sah Vernita abwartend an.


„Und warum habt Ihr mir das mit meiner Wunde nicht vorher gesagt. Bevor Ihr sie einfach ohne mein Wissen mit Blutmagie geheilt habt, obwohl Ihr wusstet, dass mir das nicht recht sein wird?“
Sie blickte Neria weiterhin mit einem resignierten Ausdruck an.
„Wenn Ihr nicht offen und ehrlich zu uns seid, dann haben wir nicht mal die Chance dazu, Euch kennen zu lernen und Vertrauen zu Euch aufzubauen. Findet Ihr das gerecht? Ich kann Euch ignorieren und mich nicht weiter mit Euch beschäftigen. Aber ich bevorzuge einen einigermaßen ruhigen Schlaf, ohne mir Sorgen machen zu müssen, was währenddessen im Lager passiert. Und ich möchte mich sicher im Kampf fühlen, mit einem Magier in meinem Rücken. Ohne darüber nachdenken zu müssen, was dieser wohl als nächstes ausgeheckt hat.“
Rowan erhob sich und zog ihr Hemd wieder über.
„Ich habe nie gesagt, dass ich Euch verabscheue. Ich bin nur misstrauisch gegenüber Fremden, besonders gegenüber Magiern. Vielleicht solltet Ihr Eure Handlungsweise noch einmal überdenken, wenn Ihr Euch in unsere Gruppe integrieren wollt.“
Sie wandte sich ab und begab sich zurück zu ihrer Liege. Ihr Körper fühlte sich frei und wieder geschmeidig an. Sie konnte es kaum erwarten, sich wieder nach draußen zu begeben. Nachdem sie ihre Rüstung ausgebessert hatte, würde sie nach oben gehen, und die Tageszeit überprüfen.
„Danke“ wandte sie sich im Gehen noch einmal an die Magierin.


Vernita war bis zum Äußersten angespannt. Abermals stieg Wut in ihr hoch. Wut über diese beiden Weiber, welche immer noch keine Ruhe gaben und stattdessen weiter ihre Privatfehde ausfechten wollten. Und langsam hatte sie genug davon.
„Es reicht, ihr beiden. Endgültig“, fauchte die Elfe die beiden Frauen an. „Ich habe heute noch was anderes zu tun, als permanent Eure albernen Streitigkeiten zu schlichten, also hört endlich mit diesem Scheiß auf. Ihr merkt ja nicht einmal, dass Ihr beide recht habt. Gleichzeitig habt Ihr aber auch beide unrecht.“
Sie wandte sich an Rowan, während sie weiter sprach. „Es stimmt schon, was Ihr sagt. Man kann Neria nicht trauen, wenn sie sich nicht an ihre Zusagen hält, das ist wahr. Aber Eure Abneigung gegen Blutmagie widerspricht jeder Form der Logik. Ich misstraue Magiern auch, doch ich bin keine Anhängerin Eures Erbauers und seiner fanatischen Kirche. Für mich ist ein Magier ein Magier, ganz gleich welche Form von Magier er oder sie anwendet. Ich mache da keinen Unterschied, ob dieser Magier mich mit Blutmagie oder mit elementarerem Feuer töten will. Sie gehören beide durch mein Schwert niedergestreckt. Aber wenn ich mal diese Macht für meine Zwecke einsetzen kann, dann werde ich diesen Vorteil verdammt noch mal auch nutzen.“
Anschließend richtete Vernita ihre Aufmerksamkeit an Neria. „Und nun zu Euch. Ihr habt richtig gehandelt, als Ihr Rowan von ihrer Verletzung geheilt habt. Wir brauchen sie in Höchstform, für das was noch vor uns liegt. Trotzdem hat sie auch recht, wenn sie sagt, dass man Euch nicht trauen kann, wenn Ihr Euch nicht an Euer Wort haltet. Dann stellt Ihr eine Gefahr für uns alle dar. Somit solltet Ihr Euch gut überlegen, ob Ihr weiterhin so leichtfertig Eure Versprechen brechen wollt. Das könnte sich irgendwann einmal ganz gewaltig rächen.“
Die Elfe ging einen Schritt zurück, stemmte die Hände in die Hüften und musterte die beiden Frauen sehr eindringlich. „Als gute Anführerin muss ich Euch beide also mit einer Hand zustimmend auf die Schulter klopfen, während ich Euch mit der anderen die Zähne einschlage. Da ich für diesen Nonsens allerdings keine Zeit habe, erwarte ich von Euch, dass Ihr diesen albernen Disput hier und jetzt beendet, damit wir zum Tagwerk zurückkehren können. Oder hat eine von Euch noch irgendetwas Geistreiches zu diesem Blödsinn zu sagen, bevor ich mich mit Leanora auf den Weg zur Kirche mache?“
Rowan zog sich wieder an und ging zu ihrer Liege hinüber. Dabei sprach sie zu Neria über Vertrauen, bevor sie sich schließlich bei der Magierin bedankte. Die Elfe war daraufhin sichtlich zufrieden. „Schon besser. Und, Neria? Habt Ihr dazu auch noch etwas hinzuzufügen?“
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BeitragThema: Re: Kapitel XIX - Kennenlernen der Gegenspieler   Fr 26 Aug 2011, 2:02 am

Lydia lauschte und beobachtete. Je mehr Vernita sich selbst als Anführerin und als am besten dafür geeignet hervorhob, desto stärker wuchs ihr Hass auf sie. Vernita war in ihren Augen nichts als eine arrogante und vorlaute Großsprecherin.
„Euch wünsche ich, das Euch einmal jemand die Zähne einschlägt, Ihr hättet es am ehesten verdient.“
Sie wollte nur Macht ausüben, sie wollte dominieren und ihr Ego befriedigen. Aber Lydia spielte da nicht mit!
Sie ging an Vernita vorbei und warf ihr einen abschätzigen Blick zu. Irgendwann wollte sie einmal gegen sie kämpfen, sie hoffte, das würde möglichst bald sein.


Vernita schien sichtlich genervt zu sein, obwohl Rowan als auch Neria keineswegs mehr lautstark stritten, sondern der Disput eher sachlich zu werden schien. Neria hatte eigentlich damit gerechnet, dass sich Vernita auf Rowans Seite stellen würde, umso mehr war sie verwundert, dass sie beide gleich behandelte. Egal was Rowan als auch Vernita sagte, sie fühlte sich noch nie so sicher das Richtige getan zu haben.
„Wenn ich wieder die Wahl haben sollte vielleicht ein Leben zu retten oder ein Versprechen zu brechen, würde ich mich wieder so entscheiden. Für mich ist ein Leben mehr wert als jedes Versprechen. Und wie Ihr gerade gesagt habt, vertraut Ihr mir sowieso nicht, und was man nicht hat kann man auch nicht verlieren. Ich habe es mittlerweile aufgegeben das Vertrauen von jemanden hier zu gewinnen zu wollen. Ich werde wohl oder übel damit leben müssen“, sagte sie selbstsicher und seufzte.
„Von meiner Seite ist der Disput sowieso beendet, Euch wird ja auch nicht entgangen sein, dass ich seit unserem Gespräch draußen im Keller kein einziges Mal mehr meine Stimme erhoben habe. Nennt es Resignation oder Einsicht, glaubt was auch immer Ihr glauben wollt“. fuhr sie erklärend fort.
Neria war des Redens müde, deshalb ging sie auch nicht mehr auf Rowans Vorwürfe und Fragen ein, sie war der Meinung ihre Entscheidung gut genug dargelegt zu haben. Sie erwartete weder Dankbarkeit noch Verständnis, deshalb war sie nicht minder überrascht dennoch ein danke von Rowan zu hören. Es hörte sich sogar ehrlich gemeint an.
Sie sah Rowan kurz an, nickte und lächelte sie dabei an. Daraufhin wandte sie sich wieder Vernita zu.
„Macht Euch keinen Kopf Vernita. Geht mit Leanora ruhig zur Kirche, Blutmagie ist vorerst keine mehr nötig. Ich bringe sie halt so zur Strecke“, dabei lächelte sie schelmisch. „Apropos bevor ich es vergesse. Habt ihr hier irgendwo Rotwein? Ich sollte meine Blutregeneration bisschen anregen, ich habe ja doch relativ viel Blut in den letzten Tagen vergossen.“
„Habt Ihr sonst noch irgendwelche Aufträge für uns, oder sollen wir einfach nur auf Euch warten?“ fragte sie Vernita abschließend.


Lydia drehte sich zu Neria um, ging zu ihr und legte ihr die Arme um die Schultern.
„Ich vertrau dir Neria, egal was die anderen sagen. Du bist eine bewundernswerte Frau und du hast ein großes Herz.“
Sie lächelte und fügte flüsternd hinzu: „Ich helfe Euch, Euer Blut in Wallung zu bringen... immer gern...“


Vernita musterte Lydia mit einem abwertenden Blick. „Wenn ich deinen Kommentar richtig verstanden habe, Kleine, dann wünscht du mir Schmerzen und Verlust an den Hals. Vielleicht denkst du ja auch, dass ich solchen noch nie erlitten habe, was? Wie wenig du doch über mich weißt und wenig du anscheinend verstanden hast, über was ich gerade mit Neria und Rowan gesprochen habe. Dummerweise habe ich auch keine Zeit dazu, es einem kleinen Kind wie dir zu erklären.“
Ein hämisches Grinsen legte sich für einen Moment auf das Gesicht der Elfe, bevor sie wieder ernst wurde und sich an Neria wandte. „Rotwein habe ich keinen, aber Ihr könntet den Schmied darum bitten, Euch welchen zu besorgen. Für etwas Geld wird er es wahrscheinlich mit Freuden tun. Es gibt im Moment ohnehin nichts zu tun. Miandra, Ihr und ich brechen erst auf, wenn es dunkel geworden ist, um nach einem neuen Versteck zu suchen. Dabei werden wir auch nach dem, von Euch erwähnten, Loch in der Stadtmauer suchen, auch wenn ich bezweifle, dass dieses nach dem Wiederaufbau Denerims noch existiert. Rowan und Sareth werden in der Zeit nach den Kopfgeldjägern suchen. So, jetzt muss ich aber los. Ich geleite Leanora sicher zur Kirche. Wenn ich wieder da bin, wird es vermutlich soweit sein, dass wir aufbrechen können.“
Vernita wollte sich gerade abwenden, hielt aber noch für einen Moment inne und blickte Neria tief in die Augen. „Und das mit dem fehlenden Vertrauen dürft Ihr bei mir nicht so eng sehen. Ich traue niemandem, der sich mein Vertrauen nicht verdient hat. Das gilt insbesondere für Magier, da ich deren Fähigkeiten schwer einzuschätzen kann. Und bisher hat Euer Verhalten nur wenig dazu beigetragen, dass ich Euch mein Vertrauen schenken kann. Möglicherweise ändert sich das noch. Doch das liegt ganz allein an Euch. Zudem beneide ich Euch darum, dass Ihr offensichtlich noch nie ein Leben opfern musstet, um die anderen zu retten. Denn ich habe so das dumpfe Gefühl, dass Ihr mit einer solchen Entscheidung nicht leben könntet. Aber vielleicht irre ich mich ja auch und in Euch schlummern noch unentdeckte Talente und Fähigkeiten.“
Nun wandte sich die Elfe endgültig ab, bevor sie auf das Wasserfass zusteuerte. Während sie darauf zuging, streifte sie ihr Hemd und die Unterkleidung wieder ab, um sich dort waschen zu können. Sie richtete den Blick auf Leanora, die noch auf ihrer Liege hockte. „Macht Euch bereit. Wir brechen gleich auf!“
Nachdem sie das Wasserfass erreicht hatte und anfangen hatte, sich zu waschen, schaute sie zu Miandra hinüber, die an dem Tisch saß. Und sofort huschte ein freudiges Lächeln über ihre Lippen. „Hallo, Miandra. Ich hoffe, du hast gut geschlafen. Sind die Lebensmittel, die da vor dir liegen die letzten, die wir noch haben?“


Der Streit welchen Rowan und Neria noch immer fochten erinnerte Miandra an zwei andere Frauen, denen der Hof der am Rande ihres Heimatdorfes lag, gehörte. Sie kannte die beiden nur flüchtig, sah sie oft morgens am Markt, oder abends in der Taverne. Es handelte sich um zwei Schwestern, Miandra konnte sich noch wage an deren Namen erinnern. Catriona und Clarinda, doch so unterschiedlich die beiden auch waren, und so oft sie auch eine Meinungsverschiedenheit hatten, Miandra würde wohl trotzdem nicht wissen welche von beiden nun welche war, sie wusste nur, dass sie sich wegen jeder Kleinigkeit stritten, und deswegen überall bekannt waren und die beiden ein tägliches Tratsch-Thema waren. Doch vielleicht waren sie auch einfach nur überfordert, da sie recht früh den Hof ihres Vaters übernehmen mussten, als dieser zusammen mit seinen beiden noch recht jungen Söhnen im Krieg gegen die letzte Verderbnis fiel.
Und warum verschwendete sie nun ihre Gedanken an zwei unbedeutende Weiber die längst zusammen mit ihrem Haus niedergebrannt waren? Miandra merkte, dass sie zu viel über Vergangenes nachdachte, was wohl aufgrund dieses drückenden Nichtstun geschah, auch wenn sie diesen Streit etwas belustigend fand, so fehlte ihr dennoch Bewegung und Frischluft. Umso erleichterter war sie darüber, dass sie sich bald auf die Suche nach einem neuen Versteck machen würden.
„Sofern niemand die vielen toten Ratten die hinter all den Kisten dort drüben liegen essen möchte... Ja, sind das die letzten Vorräte, zumindest von denen die sich hier befanden“, erwiderte sie auf Vernitas Frage, stand sogleich von dem Stuhl auf und streckte sich ein wenig, wobei ihr Blick kurz zu Neria und Lydia glitt.
Für einen Moment musste sie wieder an diese Vermutung welche Vernita über die beiden aufgestellt hatte zurückdenken, und wandte sich sogleich an Neria. „Wenn Ihr noch immer vor habt Eurer Blut mit Alkohol zu verfeinern, dann kommt mit... wir wollen doch nicht, dass uns der Schmied über den Tisch zieht.“
Eigentlich hatte Miandra wenig Lust darauf zu dem Schmied zu gehen um ihn um eine Flasche Wein zu bitten - und schon gar nicht zusammen mit Neria - doch diese Magierin alleine herumlaufen zu lassen wäre doch glatter Selbstmord gewesen, zudem hatte das Thema um sie und Lydia irgendwie Miandras Interesse geweckt.


Rowan achtete nicht weiter auf die anderen. Sie setzte sich stattdessen wieder vor ihre Liege und machte sich an ihrer Lederrüstung zu schaffen. Lieber hätte sie ihre neu gewonnene Bewegungsfreiheit genutzt und wäre nach draußen gegangen. Doch es war sicherlich noch nicht dunkel. Sie würde sich auf den Weg machen, nachdem Vernita Leanora zum Kloster gebracht hatte.
Sollte sie Sareth wirklich mitnehmen? Ohne ihn wäre sie schneller unterwegs und auch unauffälliger. Aber sie hatte noch genügend Zeit, sich darüber Gedanken zu machen.
Ein weiterer Gedanke drängte sich in ihren Geist. Begleitet von einem leichten Ziehen im Bauch. Seit sie das letzte Mal etwas richtiges gegessen hatte, war schon einige Zeit vergangen. Genau genommen war die letzte warme Mahlzeit in der Taverne gewesen, die jetzt verlassen und mit Blut besudelt war. Rowan nahm sich vor, auf ihrem Streifzug nach etwas Essbarem Ausschau zu halten.
Sie versank wieder in ihre Arbeit und vergaß den Keller um sich herum.


Vertrauen hin oder her sie würde sich auf ihre Aufgabe konzentrieren, und das war es auch schon. Wenn bei ihren Gegnern keine Templer dabei wären, wäre das Ganze sowieso ein Kinderspiel, und Neria dachte dabei an die vielen Jammerlappen, die sie schon ins Jenseits geschickt hatte.
Andererseits würden andere Magier oder Fernkämpfer eine erhebliche Gefahr für die Gruppe darstellen, da sie die einzige in der Gruppe wäre, die sie vor Fernangriffen schützen könnte.
Nachdenklich musste sie an ihre Übung mit den Fässern zurückdenken, wo sie versucht hatte, drei Schilder innerhalb von kurzer Zeit zu sprechen. Und mehr als drei Schilder gleichzeitig aufrecht zu halten ging nicht, also konnte Vernita damit recht behalten, was sie in Bezug auf notwendige Entscheidungen zu ihr gesagt hatte.
Sie wischte den Gedanken weg, sie würde es einfach gar nicht soweit kommen lassen um Defensivzauber verwenden zu müssen. Bei Vernitas letzten Worten musste sie schmunzeln, und dachte an die sechs Templer die seit jetzt im Staub vom Gesindeviertel lagen.
Neria befreite sich aus Lydias Umklammerung. „Lydia bitte!“ sagte sie energisch „Willst du nicht bisschen trainieren oder so? Du kannst nicht ständig wie eine Klette an mir hängen, ich brauche einerseits Luft zum Atmen, außerdem brauche ich frisches Blut und kein Blut in Wallung“, erklärte sie seufzend.
„Es dauert nicht mehr lange, und wir werden ein wenig erfrischende Abwechslung haben“, sagte sie aufmunternd zu Lydia.
„Aber jetzt geh ich mal schnell nach oben, und hole ein paar Flaschen Rotwein vom Schmied. Bleibt hier Miandra, ich erledige das schon.“ Sie ging schnellen Schrittes aus dem Keller, die Stufen in den Verkaufsraum hinauf. Der Schmied stand hinter seinem Tresen und hantierte gerade an einer seiner Rüstungen herum. Neria trat vor ihn, und sprach ihn sogleich freundlich an.
„Guter Mann, habt Ihr vielleicht zufällig etwas Rotwein über?“ Der Schmied sah von seiner Arbeit auf, und wollte gerade etwas sagen, doch bevor er antworten konnte, fügte Neria schnell hinzu. „Am besten drei oder vier Flaschen, wir haben etwas zu feiern.“
Der Schmied kratzte sich kurz nachdenklich am Kopf. „Drei oder Vier Flaschen? Ihr müsst aber ganz schön durstig sein“, dabei lachte er schallend.
„Wer seid Ihr überhaupt? Ich habe Euch bisher noch nie hier gesehen“, fragte er Neria nachdenklich.
„Ach ich bin nur irgendein Bauernmädchen, und kümmere mich um essen und trinken, dabei fällt mir ein, ein wenig Brot könnten wir auch noch gebrauchen“ erklärte Neria. Sie warf einige Münzen auf den Tisch. „Reicht das?“
Der Schmied begutachtete die Münzen argwöhnisch, bis sich sein Gesicht aufhellte. Er ging in einen der Nebenräume, der offensichtlich als Vorratskammer diente, und kam mit vier Flaschen Rotwein und einem Laib Brot zurück. Neria nahm alles dankend an sich, und ging vorsichtig die Treppen hinab.
Im Keller angekommen stellte sie die Flaschen auf den Tisch ab, und legte den Laib Brot daneben. „So da bin ich schon wieder. Jetzt brauchen wir nur mehr paar Trinkbecher oder wir trinken das Zeug gleich aus der Flasche“, sagte sie scherzend zu Miandra.
Sie zögerte kurz, da sie sich kurz überwinden musste, und wandte sich dann auch an Rowan. „Müsst Ihr auch schon weg, oder habt Ihr noch Zeit und Lust für das eine oder andere Glas?“


Leanora hatte diesen ganzen Disput mit dem doch halbwegs friedlichen Ausgang von ihrem Lager aus still beobachtet. Dennoch war sie völlig aufgeschreckt, als Vernita sagte, dass sie sich fertig machen sollte. Sofort schoss Adrenalin durch ihren Körper, zeitgleich wieder diese unerklärliche Angst.
„Sei kein Hasenfuß, im Kloster kann dir wirklich nichts passieren“, sagte sie zu sich selber, aber sie war sich nicht sicher, ob das fruchten würde. Wieso war sie nur so verdammt ängstlich?
Sie rappelte sich auf, suchte ein paar Wäschestücke zusammen, jedoch nichts zu feines. Ihren Kamm warf sie auch noch in die kleine Umhängetasche, das musste reichen. Seufzend blickte sie auf die Tasche mit Tjarks Briefen, nahm sie an sich und ging zu Neria.
„Hier ist die Tasche von der ich sprach. Bitte hütet sie wie Euren Augapfel. Viel Glück, Neria, haltet durch. Ich hoffe, wir sehen uns bald gesund wieder.“
Neria nahm die Tasche entgegen und nickte. Leanora umarmte Neria freundschaftlich, sie bedauerte es, diese Halbelfe erst einmal nicht näher kennen lernen zu können. Dann verabschiedete sie sich auf ähnliche Weise von Lydia.
„Pass auf dich auf, Lydia. Und mach keinen Blödsinn, hörst du?“ fragte sie das Mädchen liebevoll.
Dann ging sie auf Azoths Matte zu und reichte ihm die Hand. „Auf Wiedersehen Azoth. Viel Glück auch Euch.“
Rowan, Miandra und Sareth nickte sie lediglich kurz zu: „Ich bete zum Erbauer, dass er allen Schutz auf euch kommen lasse. Ich hoffe, das Vorhaben glückt, und vor allem dass ihr das ganze ohne weitere Verletzungen übersteht.“
Leanora brach sich ein kleines Stück vom Brot ab, schenkte sich einen kleinen Schluck vom Wein ein und prostete in die Runde: „Auf gutes Gelingen!“
Dann trank sie den Becher aus und biss vom Brot ab. Noch kauend blickte sie Vernita an. „Wir können los.“
Dabei überkam sie wieder ein Gefühl der Hilflosigkeit.


Rowan nickte Leanora zu. Sie sah furchtbar aufgeregt aus, aber sie würde ihre Aufgabe sicherlich zu aller Zufriedenheit erledigen. In ihr steckte mehr, als sie sich selber zutraute und Rowan hoffte, dass sie mit der Zeit mehr Selbstvertrauen finden würde.
Das Angebot von Neria lehnte sie kopfschüttelnd ab.
„Ich werde für meine Aufgabe heute Nacht einen klaren Kopf gebrauchen. Vielleicht ein anderes Mal. Aber sagt, ist es draußen schon dunkel?“


„Nun, dann werden wir uns wohl auf unserem Streifzug heute Nacht auch nach etwas zu Essen umsehen müssen“
, meinte Vernita zu Miandra gewandt, während sie sich weiterwusch. Sie reinigte ihren Körper so gut es ging von dem Schmutz, dem Blut und dem Schweiß der letzten Tage, wobei sie die anderen beobachtete. Leanora packte ihren Kram zusammen, bevor sie sich von den anderen verabschiedete. Neria besorgte sich etwas zu alkoholisches zu trinken und Rowan beschäftigte sich weiterhin mit ihrer Rüstung.
Nachdem sie sich zu Ende gewaschen hatte, zog sich die Elfe ihre Unterkleidung und ihr Hemd wieder an. Dann besorgte sie sich von den Vorräten des Schmieds ein Stück Stoff, welches sie sich als Cape über den Kopf und die Schultern legte. Sie bedeckte damit ihre Haare und Ohren vollständig und zog es sich soweit ins Gesicht, dass dieses in dem Schatten des Capes verschwand. Als Waffe nahm sie nur ihr Messer mit. Schließlich wollte sie kein Aufsehen erregen.
„Los, Leanora! Gehen wir!“, bemerkte Vernita noch und setzte sich in Bewegung, wobei sie sich noch an die anderen wandte. „Ich bin gleich zurück! Versucht in der Zwischenzeit nicht wieder irgendeinen Blödsinn zu verzapfen!“
Dann verließ sie das Versteck, ohne auf eine Antwort ihrer Gefährten zu warten, wobei ihr Leanora auf dem Fuß folgte.


Lydia gab Leanora einen Abschiedskuss. „Mythral hüte dich, Lea. Pass auf dich auf und mach dir um mich keine Gedanken.“ Zusammen mit Vernita verließ Leanora das Versteck. Lydia ließ sich auf eine Liege, offenbar die von Neria, fallen.
Ein altes Lied kam ihr in den Sinn. Sie hatte es bei reisenden Dalish an der Nordgrenze zur Corcari-Wildnis gehört. Sie mochte es, es erinnerte sie an die gemeinsame Wanderung durch die Nacht, unter sternenklarem Himmel.
Sie begann zu singen, klar und gleichmäßig, langsam und beruhigend:
Fanuilos heryn aglar Rîn athar annún-aearath, Calad ammen i reniar Mi 'aladhremmin ennorath! A Elbereth Gilthoniel i chîn a thûl in míriel Fanuilos le linnathon Ne ndor haer thar i aearon, A elin na gaib eglerib Ned în ben-anor trerennin Si silivrin ne pherth 'waewib Cenim lyth thílyn thuiennin A Elbereth Gilthoniel Men echenim sí derthiel Ne chaered hen nu 'aladhath Ngilith or annún-aearath.
Eine einzelne Träne bahnte sich ihren Weg ihre Wange hinunter und fiel zu Boden. Das Lied ließ eine Melancholie in ihr aufkeimen, es machte sie traurig. Sie blickte auf zu Neria und Rowan welche nicht weit entfernt saßen und sich unterhielten.


Bevor Vernita und Leanora das Versteck verließen, verabschiedete sich Leanora noch herzlich bei Neria und gab ihr die Tasche auf die Neria aufpassen sollte. „Viel Glück und verwechselt nicht die Farben“ rief Neria Leanora noch nach, doch sie wusste nicht, ob sie diese Worte noch vernahm, da sie schon am oberen Ende der Treppe war.
Neria ging zu ihrer Liege, und legte Leanoras Tasche neben ihrer eigenen ab, begab sich zum Tisch zurück, und nahm auf einen der Sesseln platz. Rowan lehnte dankend Nerias Angebot, vom Rotwein zu kosten, ab was auch verständlich war, da sie keine ungefährliche Aufgabe zu erledigen hatte. „Draußen ist es schon so gut wie dunkel“ beantwortete sie Rowans Frage.
„Bleiben also nur wir zwei und vier Flaschen Miandra“ sagte sie scherzend, schenkte zwei Becher ein und schob einen davon in Miandras Richtung.


Ehe Miandra noch etwas darauf hätte sagen können, verschwand Neria aus dem Keller und kam bestückt mit vier Weinflaschen zurück. ‚Immerhin schafft sie es Getränke zu besorgen ohne irgendwelcher Zwischenfälle‘, ging Miandra nur durch den Kopf. Gleich darauf machten sich Vernita und Leanora auf den Weg zur Kirche. Miandra verabschiedete sich nicht von Leanora, schließlich redete sie sonst auch nie mit ihr, warum es also plötzlich ändern? Wirklich abgehen würde ihr die Frau ohnehin nicht, und wahrscheinlich würden sie einander sowieso nie wieder sehen. Zumindest schätzte Miandra Leanora für naiv genug ein, um sich wirklich von der Kirche zu deren Glauben, an die Prophetin und den Erbauer, so weit zu bekehren zu lassen, dass diese von dort ohnehin nie wieder weg wollen würde. Aber vielleicht war dies ohnehin der Ort an welchem die Adelige hingehörte, schließlich betete sie schon bei ihrer Verabschiedung zum Erbauer.
Kaum waren die zwei verschwunden machte sich Neria auch schon über die Rotweinflaschen her und begann damit die Getränke in die aus Holz geschnitzten Becher zu schenken. Etwas skeptisch beobachtete Miandra die Halbelfe, bevor sie sich wieder auf den Stuhl hinter sich setzte und den Becher welchen ihr Neria entgegen geschoben hatte in die Hand nahm. Kurz steckte sie ihre Nase hinein um den Wein riechen zu können, nahm daraufhin einen kleinen Schluck, verzog kurz das Gesicht und stellte den Becher wieder auf dem Tisch ab.
„Da hat Euch der Schmied wohl die Flaschen gegeben, die er selbst nicht mehr haben wollte. Und ich muss Rowan zustimmen… auch wenn unser Vorhaben weniger schwierig sein solle, wäre es wohl etwas unpassend wenn wir den Wachen aufgrund von Volltrunkenheit in die Arme laufen...“, sagte sie schließlich und starrte in den Holzbecher.
„Auch wenn es bei diesem Wein hier wohl alle vier Flaschen für einen solchen Zustand benötigen würde...“, fügte sie nachdenklich hinzu. Ihre Gedanken wanderten für einen Augenblick zurück in die Taverne ihrer Tante Anette, wo sie so oft aushelfen und andere Dinge über sich ergehen lassen musste.


‚Oh sie spricht!‘ wunderte sich Neria über die seltene Begebenheit, von Miandra einmal mehr als nur einen Satz hintereinander zu hören. Der Wein schien ihr nicht gut genug zu sein, da sie ihren Becher nach einem kleinen Schluck, wieder abstellte, und ihr Gesicht verzog. „Na wenn Euch der Rotwein nicht mundet, dann holt Euch doch ganz einfach Weißwein vom Schmied. Ihr müsst ja nicht, so wie ich, unbedingt Rotwein trinken.“
Kaum hatte Neria die Worte ausgesprochen, trank sie in raschen Zügen ihren Becher aus, griff nach Miandras Becher, und leerte diesen ebenso so schnell wie den ersten. Nachdem sie ihren Becher erneut gefüllt hatte, war die erste Flasche leer. Neria nahm einen frischen Becher zur Hand und stellte diesen auffordernd vor Miandra. „Ach ich bin da nicht so heikel. Vielleicht ist die nächste Flasche besser oder Ihr holt Euch wirklich einige andere Flaschen vom Schmied.“
Neria brach sich ein Stück Brot ab, und musterte für einen Augenblick kauend ihr Gegenüber, bevor sie den dritten Becher leerte, die nächste Flasche öffnete, und erneut ihren Becher füllte. Erst jetzt fiel ihr auf, dass neben Rowan auch noch Azoth, den sie vorher erst kurz kennen gelernt hatte, noch im Versteck waren. „Hey Azoth, wollt Ihr nicht auch bisschen Rotwein haben“ rief sie mit übermütiger Stimme in den Keller hinein.


Schlagartig wurde sie wieder aus den Gedanken gerissen, als Neria ihr einfach den Becher entriss und diesen leerte als wäre es einfaches Wasser und sie kurz vor dem Verdursten. Miandra blickte Neria nur etwas verwundert an, da sie von der Magierin nicht erwartet hatte, dass diese eine solche Alkoholikerin war. Aber wie viel die Halbelfe wirklich vertragen würde, würde sie noch schnell genug herausfinden.
„Ich bezweifle, dass der Weißwein besser schmecken würde“, erwiderte sie mit einem leichten Grinsen.
„Zudem habt Ihr das Gesöff scheinbar sehr nötig, es wäre doch eine Schandtat es Euch zu entreißen“, fügte sie mit einem Hauch an Sarkasmus hinzu.
Bei dem Satz musste Miandra daran denken, dass wenn Neria so weiter trinken würde, sie bestimmt bald nicht mehr klar bei Sinnen sein würde, und da Miandra wenig Begeisterung dafür aufbrachte, später mit dieser eigenartigen Magierin durch Denerim zu ziehen, kam ihr die Situation gerade recht.
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BeitragThema: Re: Kapitel XIX - Kennenlernen der Gegenspieler   Fr 26 Aug 2011, 2:06 am

Die beiden Frauen verließen die Schmiede durch den Vordereingang wie zwei gewöhnliche Kunden. Draußen schien die Sonne, neigte sich aber schon zum Abend hin. Es würde bald dunkel werden. Sie mussten sich also beeilen.
Die Elfe führte Leanora über Umwege zum Haupteingang der Kirche. Dabei gingen sie den Wachen aus dem Weg und tauchten in den Menschenmassen unter, wo zwei Gestalten mehr oder weniger nicht weiter auffielen. Schließlich hatten die beiden das große und prachtvolle Gebäude erreicht, und Vernita wandte sich ein letztes Mal an Leanora.
„Da wären wir. Vergesst nicht, was wir besprochen haben. Gebt vor die letzte Überlebende Eurer Familie zu sein, die von Banditen ermordet wurde. Sagt ihnen, dass Ihr dem Erbauer dienen wollt, da Ihr ihm für Euer Leben danken wollt und weil Ihr ansonsten keinen Sinn mehr für Euer Leben seht. Dann werden sie Euch sicher als Laienschwester aufnehmen. Die Kirche steht auf solche Opfer. Die lassen sich leicht für niedere Arbeiten einsetzen, aber ein wenig Arbeit wird Euch schon nicht umbringen.“

Die Elfe grinste die blonde Frau an. „Ich werde erst morgen mit Euch Kontakt aufnehmen. Entweder am Tage, falls ich es schaffe, ungesehen dort hinein zu kommen oder eben erst in der Nacht an unserem Treffpunkt. Nutzt die Zeit, um Euch mit dem Gelände vertraut zu machen und vielleicht schon die ersten Kontakte zu knüpfen. Habt Ihr noch Fragen soweit?“


Da standen sie nun - vor dem wuchtigen Portal der Kirche, und Leanoras Herz schlug unruhig wie ein gefangener Vogel in einer Hand.
„Danke Vernita fürs Herbringen. Ich habe erst einmal keine Fragen mehr, wir werden sehen, was sich da drin ergeben wird. Geht kein Risiko ein bei unserem Treffen. Schlimmstenfalls gibt es Zettel im Baumstumpf, wenn die Nachtruhe so streng sein sollte.“
Sie gab Vernita zum Abschied die Hand.
„Viel Glück. Hoffentlich erfahre ich so schnell wie möglich etwas.“
Bevor Vernita antworten konnte, drehte sich Leanora um und ging die letzten Stufen zum Portal hoch. Vor der Tür drehte sie sich noch einmal um und winkte der Elfe zu. Dann öffnete sie die Tore und betrat das Gotteshaus.


Vernita wartete, bis Leanora in der Kirche verschwunden war. Sie verzog das Gesicht, als diese ihr noch einmal zuwinkte.
‚Das mit der Unauffälligkeit bringen wir dir auch noch bei’, dachte die Elfe, während sie der Frau nur kurz ein Nicken zuwarf. Dann hatte Leanora das Gebäude auch schon betreten, und Vernita machte sich unverzüglich auf den Rückweg. Sie nahm dabei eine andere Route als zuvor, zum Glück kannte sie die Stadt wie ihre Westentasche, so dass sie alle Gassen und Wege haargenau zuordnen konnte. So dauerte es auch nicht lange, bis sie die Schmiede wieder erreicht hatte. Trotz alledem ging die Sonne schon unter. Leanora und sie waren auch ziemlich spät aufgebrochen. Aber das hatte auch den Vorteil, dass sie sich auch gleich schon wieder auf den Weg machen konnten und nicht lange Zeit mit Warten vergeuden mussten.
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