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 Kapitel III - Eine seltsame Kette

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Allie
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BeitragThema: Kapitel III - Eine seltsame Kette   Do 15 Sep 2011, 12:19 am

Kapitel III - Eine seltsame Kette

Aktive Charaktere: Allie, Bella, Avalos, Jule, Lyna, Mabari, Ripper

Aus dem Schatten eines fast überwucherten Monolithen löste sich eine dunkle Gestalt. Die Dunkelheit war für ihn nicht relevant. Das weiße Mondlicht warf scharfkantige Schatten. Im Wald heulte ein Wolf. Avalos wunderte sich über diese illustre Gruppe. Er machte sich keine Illusionen was diese hier betraf. Sein Auftrag war klar umrissen, und er würde dafür sorgen dass…
Ja, das würde er.
Lautlos wie ein kalter Windstoß schlüpfte er durch die Schatten. Und dort verharrte er. Das Feuer brannte herunter. Nur noch glimmende Glut, und gelegentlich hochzüngelnde Flammen illuminierten die Träumenden. Der Mabari zuckte unruhig. Ob er ihn roch?
Auf leisen Sohlen schlich er weiter heran. Seine Augen glitzerten wie gefrorene, eisig kalte Jadesplitter in der Dunkelheit. Nur noch eine Handbreit trennte ihn von den beiden Elfen. Beide wirkten relativ jung, doch er würde nicht den Fehler begehen, sie deswegen zu unterschätzen.
Behände zog er ein kleines Schmuckstück aus seiner Beintasche. Es war eine filigrane Halskette, verwoben aus metallischem Lyrium und geschwärztem Stahl. So filigran, dass diese Kette niemals einen Schmuckhammer gesehen haben konnte, der das Material in Form trieb.
Der Anhänger war ebenso fein gearbeitet: Silber- und Goldfädchen bildeten im Zusammenspiel mit den blutroten Rubinen einen fast winzig anmutenden Hochdrachen. Mit geschickten Bewegungen und unglaublicher Anmut strich er der Dalish, die etwas abseits der anderen beiden lag, das nachtschwarze Haar aus ihrem Gesicht. Ob es wirklich schwarz war? Die Dunkelheit verschluckte alle Farben. Er legte es ihr um den Hals, so sanft und ruhig wie er es vermochte. Sie regte sich nicht. Leise stand er auf und verschwand wieder in den Tiefen der rabenschwarzen Nacht.
Jetzt hieß es warten. Der Blutmagier hatte ganz recht, diese, wie durch Zufall zusammengekommene Gruppe... sie hatte noch Großes vor sich. Ob zum Guten oder zum Schlechten, das vermochte er nicht zu sagen. Über Avalos‘ Gesicht zuckte die Regung eines kalten Lächelns und er berührte wie durch Zufall seinen beseelten Dolch. Der grüne Edelstein schien sich zu regen.
Der Blutmagier würde überhaupt nichts mehr sagen.
Der Dolch schien ihm zuzustimmen… seine magischen Kräfte, waren der Klinge willkommene Macht. Jetzt hieß es warten. Und an den Fersen bleiben. Seine Augen zuckten kurz zum Wald hinüber. Ob der Krieger wohl wusste, dass…
Er wusste es offenbar nicht. ‚Wer weiß‘, dachte er nur, ‚wer weiß‘. Er würde es erfahren. Und für ihn würde Ferelden nicht mehr so sein wie vorher. Dann verschwand er leise lachend in den Schatten, die ihn geboren hatten.


Lyna seufzte und bewegte sich unruhig hin und her. Sie hatte schon seit Kindstagen an einen unruhigen Schlaf, drehte sich mal nach rechts, mal nach links, ehe sie in einen sanften Traum gleiten konnte. Aber dieses Mal schien etwas nicht zu stimmen… sie setzte sich aufrecht hin, rieb sich die Müdigkeit aus den Augen, bevor sie die Anwesenden betrachtete. Alle waren eingenickt, selbst der Hund schnarchte laut vor sich hin, ein Wunder, dass die anderen noch nicht aufgewacht waren… obwohl, wo war den Mensch hin? Die Dalish schaute sich um, konnte ihn aber nicht im Dunkeln ausmachen.
Ihr Blick fiel auf die Feuerstelle, wo nur noch die Glut leicht glühte, ab und an wirbelte ein Aschestückchen in den Nachthimmel hinauf. Lyna zog die Knie an, schlang die Arme um die Beine und… spürte etwas auf ihrer Brust. Etwas Kaltes. Verwirrt tastete sie danach, ihre Finger schlossen sich um das Amulett. Überrascht näherte sie sich der ausgebrannten Feuerstelle, die Glut vermochte immer noch die Umgebung zu beleuchten, wenn auch nur ganz schwach. So konnte sie auch die Form des Anhängers erkennen, das schwache Licht brach sich in den Rubinen, ließ den Hochdrachen rötlich aufleuchten… Die Dalish weitete die Augen, so etwas Schönes hatte sie noch nie zuvor gesehen.


Die Nacht nahm ein Ende, Jule reckte sich auf, streckte ihre Arme und gähnte. Sie bemerkte sofort, dass Ripper nicht mehr hier war, nur noch sein treuer Hund.
Warum er ihn wohl nicht mitgenommen hatte?
Sie blickte rüber zu Allie, die noch wie ein Engel schlief. Die Dalish hingegen, die auf einmal - um es wortwörtlich auszudrücken - eine hässliche Kette trug, saß angelehnt an einem Baum neben der Feuerstelle, und schien dort eingenickt zu sein. Jule beschloss aufzustehen, das Feuer neu zu entfachen, und den typischen Eintopf von Ferelden zu kochen.
Wie das duftete und blubberte. Sie probierte und verbrannte sich an der Zunge. „Aua!“ schrie sie und hoffte, dass sie dadurch die anderen nicht aufweckte. Dann setzte sie sich ans Feuer und wartete bis die anderen aufwachten.


Rippers Hund war schon länger wach, blieb jedoch ruhig liegen. Er beobachtete Jule, wie sie das Feuer neu entfachte und irgendetwas übel Riechendes kochte - für ihn jedenfalls.
Der Hund jaulte kurz auf und schaute sich nach seinem Herren Ripper um, der aber nirgendwo zu sehen war. Er vermutete, dass sein Herr es so wollte, dass er hier blieb und so machte er es sich wieder bequem und schaute ins rauchende Feuer.


Als der Hund jaulte erschrak Jule kurz. „Was ist denn los mein Kleiner?“ fragte sie.


Der Hund schaute zu Jule und stand langsam auf. Er ging zum Eintopf und schnüffelte an ihm woraufhin er wieder zu jaulen begann.


Jule kicherte. „Der Eintopf scheint nicht so recht Deins zu sein, oder?“ Dann holte sie einen Kalbsknochen aus ihrem Rucksack, und warf diesen zu dem Hund.


Lyna schreckte aus ihren Gedanken wieder hoch, als sie Jule mit dem Mabari sprechen hörte und ihr der Geruch von Essen in die Nase stieg. Doch ihre Aufmerksamkeit glitt sofort wieder zu dem Anhänger der sich nun um ihren Hals befand.


„Ah Lyna Ihr seid auch erwacht, habt Ihr gut geschlafen? Woher kommt eigentlich dieses Amulett? Gestern Abend hattet Ihr es noch nicht“
, frage Jule und rührte den Eintopf weiter.


Die Dalish konnte nur schwer den Blick von diesem Amulett lösen, ehe sie Jule antwortete.
„Nicht wirklich gut geschlafen… und ich hatte gehofft, ich könnte Euch nach dem Ursprung dieses Amulettes fragen.“
Aber allem Anschein nach hatte auch sie keine Ahnung. Stammte es womöglich vom Shemlen? Er war nicht hier, was schon mal einen verdächtigen Eindruck hinterließ.
„Mir gefällt es... die Form erinnert an einen Drachen. Und diese roten Steine…“
Ein Seufzen glitt über ihre Lippen, immerhin war dies ihr allererstes Schmuckstück.


Der Hund schien zufrieden an dem Knochen zu nagen… doch irgendetwas schien ihn noch viel mehr zu beunruhigen als der Eintopf.
Es war ein seltsames Gefühl.
Er ließ den Knochen in Ruhe und schaute sich um… sein Blick blieb an der Dalish haften. Der Mabari ging auf sie zu und betrachtete sie… das Gefühl wurde stärker.
Etwas stimmte hier nicht…


Lyna sah den Hund näher kommen, wohl auf der Suche nach Streicheleinheiten. So tätschelte sie auch dessen Kopf, kraulte die Ohren, ehe sie ihre Aufmerksamkeit wieder Jule widmete.


„Hmm … anscheinend magst du auch keine Knochen“, grinste Jule den Mabari an. „Ich weiß nicht woher das Amulett stammt, von Ripper auf jeden Fall nicht. Aber dieses trägt Böses in sich… ich fühle es, es ist nicht gut!“ sagte sie mit behütender Stimme.


„Böses? Es ist doch bloß ein Amulett… die Umstände, unter denen es aufgetaucht ist, sind zwar rätselhaft… aber wer weiß, vielleicht stammt sie dennoch von diesem Shemlen. Oder von der Magierin… oder… ach, ich weiß auch nicht.“


„Nein soweit ich mitbekomm habe, hat Ripper nur ein Amulett das er niemals hergeben würde, und die Magierin schläft tief und fest und ist noch nicht wach gewesen. Seht doch, der Hund spürt es auch.“


Der Hund schüttelte sich als die Dalish ihn betatschte und versuchte auf das Amulett aufmerksam zu machen indem er knurrte.


„Aber was soll damit schon sein? Es ist doch bloß…“ Sie schaute den Anhänger wieder an, schien wie verzaubert. „...eine Kette.“
Die ganze Geschichte stimmte sie zwar nachdenklich, aber… irgendwie wollte sie dieses Amulett einfach nur bei sich haben. Es stimmte sie glücklich, so etwas Schönes besitzen zu dürfen.


Aus der Ferne beobachtete er sie noch immer. Inzwischen kündigte die Dämmerung bereits den Morgen an. Eine der Anderen schien irgendetwas zu kochen. Die Dalish schien jetzt ebenfalls aufzuwachen. Unwillkürlich zog er sich tiefer in die schwindenden Schatten zurück. Er glaubte nicht, dass sie die pulsierende Magie spüren würde. Und selbst wenn, die Magie war abgeschirmt. Nur ein sehr alter, und bewanderter Magi, würde erkennen, dass hier mehr verborgen, als offen war.
Er dachte über die Möglichkeiten nach. Sie würden sich gewiss wundern woher das Amulett stammte. Dass es nicht im Besitz der Dalish gewesen war, war ja wohl offensichtlich.
Ob sie wohl versuchen würden, zu ergründen was es war? Wenn ja, dann würden sie sich, aller Wahrscheinlichkeit nach, an die Zwerge wenden. Oder aber an den Zirkel. Beide würden keine Antwort geben können. Aber wenn sie lange genug im Dunkeln stochern würden, dann würde das Risiko zu groß werden.
Entdeckung?
Das konnte er nicht zulassen. Durfte er nicht. Noch nicht.
Notfalls müsste er ein paar… Unfälle arrangieren. Minenschächte stürzten regelmäßig ein, und wenn ein Zauberer im Nichts weilte, sollte es nicht weiter schwierig sein, ihm die Rückkehr zu verbauen. Was Gift für den Geist belangte, war der Blutmagie doch recht nützlich gewesen.
Wo war nur der Axtkämpfer? Er lauschte. Nichts. So nahe zu verweilen, erhöhte das Risiko nur.
Gewandt wie ein Wolf eilte er davon, bis sie außer Sichtweite waren. Nur der dünne Rauchfaden verriet, wo sich ihr Lager befand.
Ihre Spur morgen Nacht zu verfolgen, würde kein Problem darstellen. Die Nacht war sein. Die Sonne stieg höher. Und Avalos war verschwunden.


„Nun ja, wenn Ihr meint… aber ich werde es nicht aus den Augen lassen. Wollt Ihr etwas Eintopf?“ Jule roch daran und sagte innerlich zu sich selbst: ‚Mmh, das hab ich wieder toll hingekriegt, lecker.‘


Die Dalish war froh um ein neues Gesprächsthema. „Aber natürlich, wenn es nur halb so gut schmeckt wie es riecht, wird es köstlich sein.“
So fuhr sie noch ein letztes Mal über den Kopf des Hundes und lief zur Feuerstelle. Das Amulett trug sie zwar noch um den Hals, aber die Warnung von Jule würde sie so schnell nicht vergessen… vielleicht konnte ihr einer der Klanmagier etwas Hilfreiches dazu sagen.


Der Hund schien immer noch beunruhigt und knurrte lauter, doch er konnte nicht viel ausrichten.
Das Gefühl war ihm sichtlich unangenehm und er rannte plötzlich davon und verschwand tief im Wald.


Jule rührte weiter und schöpfte etwas von dem Eintopf in eine Holzschüssel.
„Hier bitte.“ Für sich selbst nahm sie ebenfalls eine Schüssel. „Nun, erzählt mir doch etwas über die Dalish und Euren Stamm.“ Voller Hoffnung schaute sie zu Lyna.



Die Dalish nahm die Schüssel dankend an und probierte gleich den Eintopf. Mit jedem neuen Löffel wurde sie wacher, die Wärme im Magen tat gut. Und ein genießerisches „Mmh...“ konnte sie sich auch nicht verkneifen.
„Die Dalish? Nun… allgemein kann man über uns Dalish wohl sagen, dass wir zurückgezogen leben und als Nomaden durch die Wälder ziehen - schließlich haben wir kein eigenes Reich. Wir haben Klans, sowohl große, als auch kleine, jeder mit seiner eigenen Geschichte.
Aber erlaubt mir eine Gegenfrage… wie ist das Leben als Elfe im Gesindeviertel? Wird man dort nicht… nun ja, abschätzig von den Menschen behandelt?“



„Nun das Leben im Gesindeviertel ist wirklich nicht erfreulich, aber wir kennen es eigentlich nicht anders. Die Menschen behandeln uns wie Dreck, doch wir sind trotzdem ein stolzes Volk. Eigentlich sollte ich heiraten. Er war ein toller Elf… Doch der Nachfolger des Arls entführte uns Frauen, für eine Feier, sagte er. Eine meiner Freundinnen starb, und meinen Verlobten töteten diese Schweine ebenfalls. Mein Fetter und ich konnten wenigstens die anderen retten. Ihr glaubt gar nicht, wie der Kopf des Menschen gerollt ist als er fast soweit war meiner besten Freundin etwas anzutun. Verdient hat er’s“, seufzte Jule und nahm einen Löffel von ihrem Eintopf.


Die Dalish wollte gerade den Löffel zu Mund führen, als sie die Geschichte hörte. Entsetzt ließ sie den Löffel sinken, den Mund konnte sie vor Schrecken aber dennoch nicht schließen.
„Die Menschen habe… was getan? Euren Verlobten getötet?“
Also stimmten die Geschichten der Dalish im Klan! Wut stieg in ihr auf, sie legte Schüssel und Löffel zur Seite.
„Und das lässt ihr euch gefallen? Warum… warum wehrt ihr euch nicht, ein Aufstand zum Beispiel, vertreibt die Menschen, irgendwas. Aber lasst euch nur nicht schikanieren!“
Nur mit Mühe konnte sie die Wut zurückdrängen. Shemlens! Furchtbare Monster.


„Daran habe ich auch gedacht, aber wenn wir uns wehren oder sogar einen Aufstand verursachen, brennen sie unser Viertel nieder. Sie denken wir wären nicht zu retten, aber es wäre doch einfach die Mauern einzureißen“, seufzte Jule und nahm einen weiteren Löffel. „Gewehrt habe ich mich… ziemlich viele, wie Ihr sie nennt, Shemlens, habe ich eiskalt getötet, inklusive den Sohn des Arls von Denerim. Dieses Monster hatte es nicht anders verdient“, sagte sie voller Rachelust.
„Wenn auch nur irgendjemand meinen Freunden oder meiner Familie etwas antut stirbt derjenige, und dabei ist es mir egal wer es ist. Selbst wenn er der König von Ferelden wäre“, fügte sie kalt hinzu, bevor sie Lyna anlächelte. „Ich beneide Euch, um Euer Volk. Ihr lasst Euch von niemanden unterkriegen.“


Zuletzt von Allie am Do 15 Sep 2011, 1:11 am bearbeitet; insgesamt 5-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Kapitel III - Eine seltsame Kette   Do 15 Sep 2011, 12:24 am

Ohne Hast strich er durch den Wald. Wie ein Windhauch, der leise das Laub aufwirbelte.
Inzwischen hatte er gut und gerne sechs Meilen Abstand aufgebaut. Selbst der Mabari würde ihn nicht mehr aufspüren können. Und selbst wenn - für gewisse Ablenkung hatte er gesorgt.
Nur die Dalish würde er nicht täuschen können. Elfische Waldläufer waren gefürchtet, sogar unter Seinesgleichen. Er grinste hämisch. Nur die wenigsten Waldläufer hatten eine solche Begegnung überlebt. Aber sie zu töten kam nicht in Frage. Er würde weiterhin einfach vorsichtig sein müssen.


Allie war schon eine Weile wach, und lauschte dem Gespräch zwischen Jule und Lyna. Sie blieb generell immer noch etwas länger liegen auch wenn sie schon längst wach war, eine alte Angewohnheit. Doch dann musste sie gähnen und setzte sich auf. Sie streckte sich und rieb sich dann die Augen. Der Geruch des Eintopfes war ihr bereits in die Nase gestiegen und ihr Magen knurrte leise.
„Oh guten morgen, ihr scheint ja schon länger wach zu sein.“
Sie stand auf und ging zum Topf worin sich der Eintopf befand.
„Es sieht zwar nicht gut aus, aber es schmeckt sicher wundervoll.“ Sie schaute weiter in den Topf hinein und der Magen musste wieder knurren. Sie vergaß plötzlich ihre Höflichkeit und nahm sich ohne zu fragen einen Schöpfer und kostete.
„Mmmhh. Köstlich!“ sagte sie. „Oh verzeiht, ich habe ganz vergessen zu fragen ob ich mir etwas nehmen darf“, verlegen stellte sie die Schüssel beiseite und setzte sich neben die anderen beiden.


„Guten morgen, Ihr habt aber lange geschlafen“, grinste Jule. „Ach ist in Ordnung nehmt Euch einfach, Eurem Magen zu Urteil, müsst Ihr einen Bären Hunger haben.“ Sie lachte.


Erst jetzt fiel Allie auf, dass Ripper nichtmehr da war, wobei es sie auch nicht sonderlich überraschte. Allerdings fiel dann auch ihr Blick auf diese eigenartige Kette.
„Hm... woher habt Ihr denn dieses Schmuckstück, Lyna? Habt Ihr es gefunden? Ich weiß nicht aber es hat irgendetwas an sich, das mir nicht gefällt…“ Allie starrte auf die Kette, und konnte kaum ihren Blick abwenden. Irgendetwas sagte ihr, dass diese Kette etwas sehr Böses bewirken würde.
„Ihr solltet Euch ernsthaft überlegen ob Ihr sie nicht lieber ablegen wollt, wir sollten vielleicht zum Zirkel gehen und Nachforschungen anstellen, vielleicht weiß ja der Erste Verzauberer mehr darüber...“
Nachdenklich starrte sie weiter auf die Kette, als ob sie Antworten darin finden würde.


„Ja dieses Schmuckstück beunruhigt mich auch die ganze Zeit, vor allem weil sie vorher keines trug, und wir wissen auch nicht woher es kommt, vielleicht sollten wir wirklich zum Zirkel der Magi gehen… nur um sicher zu sein“, erwiderte Jule.


Inzwischen war selbst die winzige Rauchsäule nicht mehr zu sehen. Geschätzt lagen jetzt um die fünfzehn Meilen zwischen Avalos und den anderen. Er hielt an einem kleinen Bach, um sich zu erfrischen, und um anschließend unter der großen Trauerweide ein paar Meter flussaufwärts zu lagern. Ihre hängenden Äste bildeten einen dichten Sichtschutz und würden ihn auch vor Regen schützen. Als er sich erhob, knirschte das geschwärzte Leder leise.
An den Stamm gelehnt holte er eine kleine, flache Dose mit Pemmikan hervor - konzentrierte, lange haltbare Überlebensrationen bestehend aus Fleisch, Fett und wildwachsenden Beeren. Mit einem Döschen wie diesem hier, ließen sich gut und gerne ein paar Tage überbrücken.
Seine Waffen legte er griffbereit neben sich. Im gedämpften Licht schien der Smaragd, der sich inmitten der Klinge befand, ein unheimliches Eigenleben zu zeigen. Das Licht brach sich in den Facetten und warf kleine, tiefgrüne Lichtsprenkel auf sein Gesicht. Beseelte Waffen waren schon immer selten gewesen, aber dieser Dolch hier war selbst dafür ungewöhnlich.
Leise summend holte er einen Wetzstein hervor und schliff sein Schwert - Woher es kam, oder wer es geschmiedet hatte, war ein Rätsel. Aufgrund der Machart wahrscheinlich zwergisch, aber dennoch nicht mit Zwergenwaffen zu vergleichen. Lyrium und Stahl, aber es musste auch noch etwas anderes enthalten sein - die Klinge schluckte das Licht. Selbst Feuerschein warf es nicht zurück. Mattschwarz, aber tödlich elegant. Silbereinlagen am Griff waren die einzige Zierde. Die Gravuren in der Blutkehle der Klinge selbst waren fremd; Niemand vermochte sie zu entziffern.
Aber trotz allem, so hart die Schneide auch war, regelmäßige Pflege war trotzdem von Nöten.
Wenn es dämmerte, würde er aufbrechen. Ihnen auf den Fersen bleiben.
Ja, das würde er. Wenn sie doch nur wüssten…
Aber jetzt würde er sich ein oder zwei Stunden Ruhe gönnen müssen.


Und da kam auch schon die Magierin, und, wie auch Jule und der Hund zuvor, mochte auch sie die Kette nicht. Die Dalish seufzte nur und warf noch einen Blick auf das Amulett. Sie mochte es, ja, aber Vorsicht würde sie dennoch walten lassen.
„Ich kann unmöglich zum Turm der Magier reisen… aber ich lasse diesen Anhänger vom Klanältesten untersuchen… nur um sicherzugehen. Und Danke“, nahm Lyna das Kompliment von Jule an, und griff damit wieder das Thema von vorhin auf. „Bei den Dalish leben aber auch einige Elfen, die im Gesindeviertel geboren wurden. Nur wollten sich diese nicht versklaven lassen und haben sich uns deshalb angeschlossen. Ihr könntet auch zu uns stoßen... mit Euren Verwandten und Freunden. Jeder, der der Herrschaft des Menschen entgehen möchte, ist bei uns willkommen.“


Erstaunt starrte Jule die Dalish an.
„D… Das… würde gehen?... Einfach so?... Wir könnten uns den Dalish anschließen?“, stotterte sie. „Nur gibt es da ein Problem. Meine beste Freundin ist nun für das Gesindeviertel verantwortlich, also bleibe ja dann nur ich übrig!“


Die Dalish nickte. „Sicher, wir nehmen jeden Elfen auf. Natürlich werdet Ihr Euch zuerst anpassen müsse… unser Leben ist sehr naturbetont, Ihr werdet lernen müssen, Euch geräuschlos im Wald bewegen zu können, welche Kräuter wir nützen können und welche nicht, mit den Tücken des Nomaden-Daseins vertraut werden, um nur wenig zu nennen… Aber das lohnt sich allemal.“


Jule war erleichtert, endlich konnte sie all dem entfliehen. Der Armut, dem ewigen Leid und dem Hass und der Verachtung der Menschen in Denerim.
„Ich werde mit Euch gehen“, sagte sie entschlossen. „Und bei dieser Gelegenheit könnten wir Eurem Klanältesten auch das Amulett zeigen, da Ihr ja nicht zum Turm gehen wollt.“
Ein glückliches Lächeln überkam Jules Gesicht. Man merkte, dass sie sich darüber wirklich freute.


Die Zustimmung der anderen Elfe überraschte Lyna und stimmte sie freudig.
„Wirklich? Großartig!“ Ein Lächeln stahl sich in ihr Gesicht.


Jule freute sich. „Ich denke auch, dass es allemal wert sein wird, vor allem viel… nein sehr viel besser als das Gesindeviertel.“


Plötzlich fiel Lyna etwas ein. „Dann… dann werdet Ihr eine Halla erhalten.“
Wusste sie, was das war, welches Geschenk sie da erwarten würde?


„Ehm wenn ich mal fragen darf, was ist eine Halla?“


Die Dalish lächelte. „Das werdet Ihr noch früh genug rausfinden.“
Ihr Lächeln vergrößerte sich, als sie an ihre Halla dachte. Diese Tiere waren sanftmütig und intelligent, ein Dalish könnte sich keinen besseren Gefährten vorstellen. Seufzend griff sie nach der Schüssel und nahm die letzten zwei Löffel voll. „Mit Eurem Eintopf werdet Ihr keine Probleme haben, neue Freunde zu finden.“


Jule grinste als Lyna ihrem Eintopf das Kompliment machte. „Ich danke Euch, Lyna.“


Allie war nicht sehr begeistert von der Idee. Sie verbrachte schließlich fast ihr gesamtes Leben in dem Turm der Magi, daher war es selbstverständlich, dass sie es für das Richtige hielt, dort hin zu reisen um mehr darüber zu erfahren. ‚Ich bezweifelte, dass die Dalish etwas darüber wissen werden, doch man soll ja, bekannter weise, keine all zu schnellen Schlüsse ziehen‘, dachte sie sich. Nebenbei aß sie weiter an dem Eintopf, er gab ihr Kraft, welche sie scheinbar auch brauchen würde, denn die Reise könnte einige Schwierigkeiten mit sich bringen. Als sie sich nun auch endlich genug am Eintopf vergriffen hatte, gab auch sie ihre Zustimmung, zu den Dalish zu gehen, sie war während des Essens sehr schweigsam gewesen.
„Nun gut, aber wir müssen uns sputen, ich habe kein gutes Gefühl bei der Sache.“
Plötzlich musste sie an ihre Mutter denken, welche sie seit ihrer Kindheit nie wieder gesehen hatte, und ja nicht mal wusste, ob diese noch lebte. Insgeheim hoffte sie, dass sie es vielleicht auch geschafft hatte, aus dem Gesindeviertel zu flüchten, und womöglich war auch sie nun eine Dalish? Doch über diese vielen Jahre die vergangen waren, würde Allie sie wahrscheinlich ohnehin nicht erkennen. Ihr Gedanken schweiften von der Gegenwart in die Vergangenheit und fast genauso schnell wieder zurück.
„Sofern Ihr mich dabei haben wollt, Lyna.“
Trotz alledem konnte sie sich nicht erklären, was es mit dieser Kette auf sich hatte, und das beunruhigte sie, sie mochte es nicht wenn es etwas gab, das man nicht erklären konnte, und schon gar nicht eine Kette in Drachengestalt. Das vermochte nichts Gutes…


Als Allie ihre Zustimmung gab, war Jule sehr erfreut. Sie hatte insgeheim gehofft, dass sie mitkommen würde, da sie ihr bis jetzt sehr vertraute und sie diese wirklich gern mochte.
„Freut mich Allie, vielleicht finden wir ja jemanden den wir kennen. Und Lyna, was sagt Ihr dazu wenn wir zu dritt reisen? Vielleicht könnt Ihr Allie auch das Leben der Dalish näher bringen.“
Dann aß Jule ihren Eintopf auf und begann die Holzschüsseln und den großen Topf zu waschen und einzupacken.


Die Dalish lachte. „Natürlich, solange sie nicht auch noch unsere Zelte abfackelt.“
Etwas ernster fügte sie hinzu: „Meine Freunde sind zugleich auch die Freunde des Klans, man wird Euch gut behandeln, keine Sorge.“
Sie ging zu ihrer Schlafstelle zurück und griff nach dem zurückgelassenen Bogen, befestigte ihn am Rücken und drehte sich wieder zu den anderen zweien um. „Sollen wir noch auf diesen Menschen warten? Es wäre keine gute Idee, ihn mitzunehmen… falls er denn jemals wieder auftauchen sollte. Und wo ist eigentlich der Hund hin verschwunden?“


„Hmm…“ sagte Jule grübelnd. „Ich weiß nicht ob es so gut ist. Und er scheint nicht hier zu sein, gehen wir einfach, wir werden ihn bestimmt wiedersehen, wenn nicht hier, dann in der Taverne.“
Sie grinste ging auf ihre Schlafstelle zu, rollte ihren Schlafsack zusammen und legte ihre zwei silberglänzenden Schwerter an.
Dann drehte sie sich um und wartete darauf was Allie sagen würde.


„Nun denn, ich denke auf Ripper können wir verzichten, und wenn er mit wollen würde, wäre er gestern Abend auch nicht einfach verschwunden“, sie unterbrach kurz und packte ebenfalls ihre Sachen zusammen. „Außerdem denke ich, dass er uns sowieso folgen wird… genau so wie sein räudiger Köter…“
Sie hatte nun alles eingepackt und war bereit aufzubrechen. „Also gut, ich bin bereit. Lyna, hier müsst Ihr die Führung übernehmen“, sie blickte Lyna einen Moment lang an und hielt kurz inne. „Und keine Sorge, so ein Ausrutscher passiert mir kein zweites Mal ... wenn das ein Templer gesehen hätte! Haha!“ fügte sie schuldbewusst hinzu.


Jule zwinkerte Allie zu. „Ihr habt aber Sinn für Humor, das wäre echt lustig gewesen wäre denn einer hier gewesen“, sie lachte.


‚Hm, der Shem sollte ihnen lieber nicht folgen, ehrlich. Die anderen würden ihn gleich niederstrecken‘, dachte sich Lyna.
„Gut, so folgt mir dann.“ Die Dalish trat zielsicher ins Dickicht, schien keiner Fährte, keinem sichtbaren Weg zu folgen, und dennoch wusste sie genau, wohin sie trat.
Nach gut hundert Metern gesellte sie sich zu Jule und bemerkte. „Ich würde Euch jetzt schon gerne beibringen, wie eine Dalish zu leben. Zumindest einen kleinen Teil davon… nun denn, beginnen wir mit Eurem Gang. Wir sind hier in einem Wald, der so manche Gefahren bergen kann - wer nicht auf sich aufmerksam macht, ist klar im Vorteil. Versucht deshalb, so leise wie möglich zu gehen… eher auf den Zehenspitzen, mit einem federnden Gang. Wisset, dass der Wald Euch nicht schaden möchte… es ist eher, als ob Ihr ein Teil davon wärt.“


Aufmerksam hörte Jule Lyna zu, wie sie ihr erklärte, wie man im Wald, wie eine Dalish zu gehen hatte. Sie versuchte es, ging langsam auf Zehenspitzen und war sehr leise. „Ist es so gut?“ fragte sie Lyna, und ging weiter.


Die Elfe betrachtete den Gang von Jule, nickend. „Nicht schlecht… mit der Zeit wird er sich verfeinern, glaubt mir. Dann könnt Ihr Euch geräuschlos im Wald bewegen, wie der Wind und ebenso schnell.“


Allie folge den anderen die ganze Zeit über ohne ein Wort zu sagen, sie beobachtete den Wald genau, denn das mulmige Gefühl, dass etwas nicht stimmte, war noch immer da. Sie trug ihren Stab zur Sicherheit bereits in ihrer rechten Hand, und machte sich jede Sekunde auf alles gefasst. Sie wusste nicht worauf, doch sie ahnte das Schlimmste.
„Ihr solltet lieber nicht zu viel reden, sonst erregen wir vielleicht zu viel Aufmerksamkeit...“
Da es ja mittlerweile wieder dämmerte, und der Wald dunkel war und kaum Sicht bot, wollte sie umso vorsichtiger sein. „Wenn uns dieser Ripper damit einen Streich spielt, um es mir heimzuzahlen, dann kann er meinen nächsten Feuerball schlucken!“
Danach sagte sie kein Wort mehr, und lauschte nur noch dem Knistern von Ästen und den Lauten der Tiere im Wald, und folge weiter den anderen.


„Oh tut mir leid Allie, Ihr habt recht, seien wir lieber leise, lernen kann ich im Lager des Klans auch noch“, zwinkerte sie Allie zu. Sie ging weiter auf den Zehenspitzen. „Wenn Ripper ernsthaft Spielchen treibt, fliegt mein Ersatzdolch gleich in Richtung seiner Brust, das garantiere ich Euch.“
Dann ging sie behutsam weiter.


Die Worte der Magierin nahm die Dalish mit einem dankenden Nicken zur Kenntnis, an Verfolger hatte sie nicht gedacht. Doch wieso sollte ihnen jemand nachstellen? Schulterzuckend führte sie die Gruppe weiter an. Der Klan war nicht mehr weit entfernt.
Sie kamen zu einem umgestürzten Baum, Lyna blieb kurz stehen und betrachtete ihn. Auf welcher Seite wuchs der Moos… da, an der rechten Seite. Also war da Norden. Zielstrebig ging sie weiter, mit der rechten Hand das Amulett umklammernd.


Zuletzt von Allie am Mo 17 Okt 2011, 4:06 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Kapitel III - Eine seltsame Kette   Do 15 Sep 2011, 12:30 am

Er streckte sich. die Stunden flossen im Schlaf nur so dahin - und es dämmerte schon.
Lässig nahm er seinen Waffengurt und verstaute seine Klingen - Kein Schleifen, kein Schaben als er sie in ihre Scheiden steckten. Lautlos. Und tödlich für jeden, der ihren Biss zu spüren bekommen sollte. Die Sonne verschwand hinter den Baumwipfeln, die Schatten wurden länger. Und er unsichtbar.
Ein Wolfsgrinsen schlich sich über sein Gesicht. Seine Beute würde bestimmt wachsam sein.
Aber die plumpen Fehler der Dalish auf dem Baum würde er nicht machen. Gegen den Wind, damit der Mabari ihn nicht wittern konnte. Wenn sie nur wüssten, was er wusste… Aber er durfte nichts offenbaren.
Wie fließender Schatten bewegte er sich. Eine mondlose Nacht. Und trotzdem war alles so klar und sichtbar wie am hellsten Tage. Unwillkürlich berührte er das ins geschwärzte Leder geätzte Symbol der schwarzen Sonne. Sie ließ ihn sehen. Aber er war der Letzte. Der letzte Geheimnisträger. Unwillkürlich fing er an zu rezitieren, uralte Verse. Sie waren alt. Älter als Andraste, sogar älter als Tevinter.
„…Du scheinst dunkler als die Nacht, älter als das Licht, bist unsichtbar gemacht... Und schauerlich versteckst du dich, seit ewiglich, Schwarze Sonne...“
Seine Nackenhärchen stellten sich auf. Noch immer hatten diese Verse Macht, auch wenn viel erloschen war.
„…Doch ohne mich, gibt es dich nicht, auf ewiglich… Schwarze Sonne.“
Sie waren weit gekommen. Doch schon jetzt hatte er sich auf wenige Meilen genähert. Doch die Spuren waren merkwürdig. Drei Elfen und… nichts weiter, kein Mabari und kein Mensch. Er musste vorsichtig sein.
Lautlos huschte er weiter.


Der Mabari fegte mit einem beachtlichen Tempo durch den Wald, in die Richtung des Lagers, wo sich sein Herr aufhielt. Die Dunkelheit schien ihn nicht zu stören, denn er sah im dunklen fast genau so gut wie im hellen, wenn nicht sogar besser. Er spürte, dass da etwas nicht stimmte, die Macht die von diesem Amulett ausging konnte nur Böses bedeuten, er musste Ripper warnen.


Sie hatten nicht angehalten. Er ging in die Hocke und betrachtete die Spuren. Sie hatten sich verändert. Nur noch leichte Abdrücke, ganz so, als ob sie versuchten sich wegzuschleichen. Aber die tieferen Spuren der Magierin und der blonden Elfe, waren dennoch zu auffällig. Er zog die Kapuze tiefer ins Gesicht, als er sich erhob. Allzu weit waren sie nicht entfernt. Aber Sichtweite war noch nicht mal notwendig.
Aber ihr Ziel machte ihm Sorgen. Weder führte sie nach Südwesten, in Richtung Orzammar, noch nach Süden, zum Calenhad-See. Viel mehr steuerten sie auf… Er lachte leise. Brecilian.
Natürlich - was wäre naheliegender für eine Elfe aus den Dales?
Nun gut, die gewandten Elfen würden eine Herausforderung darstellen. Aber die Elfen waren arglos; Es sollte ihm ein Leichtes sein, ihnen selbst in das Lager der Dalish zu folgen.
Bei dem Tempo - das verrieten ihm ihre Fußspuren - würden sie bei Tagesanbruch den Saum des Waldes erreichen, wenn sie nicht lagerten.


Ripper saß auf einem dunklen alten Holzstuhl, der aus Ulme gefertigt wurde, vor dem Lagerfeuer in der Nähe seines Zeltes, und betrachtete summend seine Kette.
Er schien wieder tief in Gedanken versunken zu sein.
Ripper dachte an seinen Hund. Er hatte ihn bei den Elfen von gestern Nacht zurück gelassen, in der Hoffnung, dass sich das noch als nützlich erweisen würde, doch er schien etwas beunruhigt zu sein. Vielleicht war etwas Schlimmes passiert und sie lagen schon halb verwest auf dem Waldboden.
‚Wenn der Erbauer es so wollte‘, doch das war ihm relativ gleichgültig. Er machte sich viel mehr Sorgen um seinen Hund. Er war das einzige Wesen zu dem er Vertrauen hatte, und Ripper wusste, dass der Mabari niemals kampflos aufgeben würde. Zu seiner Kriegsaxt, der er sogar einen Namen gab, hegte er eine ähnliche Beziehung. Er hatte sie schon sehr lange… eigentlich schon von Anfang an seiner Kindheit.
Er verdrängte den Gedanken schnell wieder.
Jedenfalls war für ihn seine Axt Ròmker, neben seinem Hund, mit das Wichtigste auf dieser Welt.
Manchmal als er alleine war schien er sich sogar mit Ròmker zu unterhalten.
Für alle anderen mochte es nur eine mächtige Kriegsaxt sein, doch für Ripper war diese schwarze, massive Kriegsaxt mit ihren ziemlich großen Schneiden und Spitzen mehr als nur… eine Axt.
Ripper döste am Feuer vor sich hin. Er hatte lang nicht mehr richtig geschlafen und hier im Waldlager hatte er nun endlich Zeit sich zur Ruhe zu legen, und wenn er schlief dann richtig, ihn konnte so schnell nichts mehr wecken. Außerdem war er ein Langschläfer, der schon mal gerne bis nachmittags liegen blieb.
Er wollte gerade aufstehen und zu seinem Zelt gehen, als er ein lautes Gebell, welches aus dem näheren Umfeld zu stammen schien, wahrnahm. Ripper wusste sofort, dass es sich um seinen Hund handelte. Und er wusste außerdem, dass dieser niemals grundlos mitten in der Nacht zu Bellen begann.
Er seufzte. Wahrscheinlich konnte er sich diese Nacht wieder nicht richtig zur Ruhe legen.
Der Mabari rannte auf seinen Herren zu, sprang aufgeregt um ihn herum und bellte warnend.
Ripper dachte sich seinen Teil und schien etwas genervt.
„Nun denn, lass uns mal sehen, was da im Wald vor sich geht, ich hoffe es ist nicht umsonst und diese… Elfen… liegen schon verstümmelt im Dreck.“
Der Satz hatte einen Hauch von Ironie und Sarkasmus in sich, und ein breites seltsames Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.


Als die drei Elfen durch den dichten Wald wanderten, war Jule über Lynas Fertigkeiten regelrecht erstaunt. Wie einfach sie die Fährten lesen konnte, und das nur durch einen kleinen Moosfleck, war wirklich erstaunlich. Innerlich hoffte sie, dies eines Tages genau so gut zu beherrschen, wie die Dalish vor ihr, auch wenn sie eigentlich keine richtige Dalish war, und nicht mit ihren Lebensweißen aufgewachsen war.
Plötzlich kamen in ihr Fragen auf. Was wäre wenn sie der Dalish-Klan nicht akzeptieren würde? Würde sie das alles überhaupt so einfach erlernen? Und vor allem: Wie würde es weitergehen? Müsste sie im Lager bleiben oder dürfte sie weiterhin reisen? Doch all ihre Fragen, mussten wohl vorerst unbeantwortet bleiben.
Zudem fehle ihr auch Zuneigung und Liebe. Sie sehnte sich nach einem Partner, doch vielleicht würde sie ja einen netten Elfen im Lager kennenlernen?
‚Mal sehen was der Erbauer mit mir vorhat‘, dachte sie sich.
Leise und vorsichtig schlich sie weiter durch den dunklen Wald, aber recht Geheuer war ihr das Ganze noch nicht.


Als Ripper sich mit seinem Hund auf den Weg zum Lagerplatz machte, wo sich die Elfen gestern Abend aufhielten, überlegte er, warum er das eigentlich tat, denn eigentlich könnte es ihm doch vollkommen gleichgültig sein, was mit den Elfen geschah. Also hoffte er lediglich, dass er seinen Nutzen daraus ziehen konnte.
Beim Lager angekommen war er etwas überrascht, dass davon nicht mehr viel übrig war. Es sah so aus, als seien sie bereits weiter gereist. Doch wo wollten sie hin?
Sein Hund schnüffelte das Gebiet ab, um den Geruch der Elfen aufzunehmen, und so einer Spur folgen zu können, um so herauszufinden in welche Richtung sie aufbrachen.
Ripper untersuchte die Feuerstelle. Die Glut war nur noch ein wenig warm, woraus er schließen konnte, dass sie noch nicht vor allzu langer Zeit aufgebrochen waren.
Ripper dachte darüber nach ob er ihnen folgen sollte, oder nicht. Und vor allem, ob und was es ihm bringen würde. Doch sein Hund hätte ihn nicht ohne Grund gewarnt.
Daher beschloss er seinem Hund zu folgen, der scheinbar eine Spur gefunden hatte und sich bereits in den dichten Wald aufmachte.
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Allie
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BeitragThema: Re: Kapitel III - Eine seltsame Kette   Do 15 Sep 2011, 12:36 am

So gingen die Elfen-Damen weiter durch den Wald, Stunden vergingen, so dass sich die Sonne erneut über den Baumkronen erhob, sie die gesamten vorherigen Tag und die Nacht durchmarschiert waren, ehe Lyna wieder stehen blieb. Erschöpft waren sie von der langen Reise doch nun lächelte sie plötzlich, drehte sich nach links und setzte den Weg fort, doch dieser führte nicht tiefer in den Wald hinein, sondern zu einer Lichtung mit nur sehr wenigen Bäumen. Einige Zelte waren auf dieser Lichtung aufgeschlagen worden, in freundlichen Gelb- und Orangetönen, hinter manchen konnte man auch überdachte Wagen stehen sehen. Elfischer Gesang kam von einem Lagerfeuer her, auf einigen auserlesenen Erdflecken befanden sich hüfthohe Abbilder der Götter und ein leicht würziger Geruch strich ihnen um die Nase, zweifellos von den an den Zelten aufgehängten Kräutern herrührend.
Die Elfen auf der Lichtung schienen beschäftigt, doch zwei näherten sich mit erhobenem Bogen und zielten auf die drei. Erst als sie Lyna erkannten, blieben sie stehen und ließen die Bögen sinken, doch der Blick, den sie Jule und Allie zuwarfen, sprach Bände. ‚Ihr mögt zwar ihre Freundinnen sein, doch wir werden Euch im Auge behalten.‘
Lyna warf ihnen nur einen mahnenden Blick zu und ging zu dem größten der Zelte.


Als sie in dem Lager der Dalish ankamen, war Allie erstaunt, dass dieser Klan bereits so viele Mitglieder hatte, sie dachte die Gruppe würde etwas kleiner sein. Doch insgeheim war sie froh, dass es so viele waren, je mehr desto bessere Verteidigung gegen einen eventuellen Kampf hatten sie dadurch erlangt. Sie begrüßte niemanden, nickte nur zu, und verbeugte sich vor höher stehenden Personen. Dies tat sie, da sie sich nebenbei andauernd umsah, um eventuelle Verfolger ausfindig zu machen, oder um etwas ungewöhnliches, vor allem Geräusche zu erkennen. Doch so sehr sie sich auch anstrenge… da war nichts.


Jule und Allie folgten Lyna zu dem großen Zelt und vor diesem stand ein männlicher Elf, der Klanälteste. Die Tätowierungen auf seinem Gesicht ließen ihn fremd erscheinen, doch sein Lächeln bewirkte genau das Gegenteil.
„Ich grüße Euch, Klanältester. Ich habe zwei Freundinnen mitgebracht… eine Elfe aus dem Gesindeviertel und eine begabte Magierin… Erstere möchte sich uns gerne anschließen.“


Jule musterte erstaunt das Lager und fand die Gerüche von all den Kräutern bezaubernd, doch als sie den Klanältesten sah, überflog sie ein kurzes Gefühl von Angst, aber als sich seine Miene zu einem freudigen Lächelns veränderte, fühlte sie sich geborgen.
„Seid mir gegrüßt Klanältester, ich bin Jule, eine Krieger-Elfe aus dem Gesindeviertel. Und wie Lyna schon erwähnt hatte, würde ich mich Euch gerne anschließen“, sagte sie mit einem freudigen Lächeln, der Klanälteste war ihr sofort sympathisch.


Der Älteste lächelte weiterhin. „Wir nehmen im Prinzip jeden Elfen auf, der zu seinen Wurzeln zurückkehren möchte oder die Herrschaft der Menschen von sich schütteln möchte. Seid Ihr Euch aber bewusst, was das bedeuten wird? Ein Leben im Wald?“
Während er sprach strömten von allen Seiten Dalish-Elfen herbei, murmelten und zeigten auf die Neue. Die meisten lächelten freundlich und schienen sich über den Zuwachs zu freuen. Ein kleines Mädchen kam herbei, im Arm eine zottelige Stoffpuppe. Das Kind stupste Jule an und kicherte, ehe der Blick aus den großen Augen bei ihren zwei Schwertern hängen blieb.


Lyna klopfte derzeit auf Allies Schulter und räusperte sich. „Allie ist eine talentierte Magierin… davon konnte ich mich schon überzeugen. Unsere Magier könnten sich mit ihr austauschen… es wäre zum Vorteil von Beiden.“


Jule wurde ganz warm ums Herz als sie so freundlich begrüßt wurde.
„Ja Hüter, Lyna hat mir schon viel erzählt. Ich bin durchaus bereit, zurück kann ich nicht. Nicht zurück in mein altes Leben…“ entgegnete sie.
Dann erst bemerkte sie die Menge die sich um sie stellte, und das kleine niedliche Mädchen. Sie bemerkte, dass die jungen Augen auf ihre zwei Schwerter starrten. „Keine Angst meine Kleine, ich tue dir nichts“, warm grinste sie das kleine junge Mädchen an, bevor sie sich wieder an den Hüter wandte.
„Ja, Allie ist eine begabte Magierin, und eine mächtige noch dazu.“ Sie kicherte weil sie an den Zwischenfall im Wald denken musste, der riesen Schandfleck welchen die Elfenmagiern aus Angst verursacht hatte.


Das Mädchen berührte Jule ein letztes Mal und huschte dann kichernd davon. Der Hüter hielt seinen Blick weiterhin fest auf Jule gerichtet. „Ihr habt wahrscheinlich viel Leid durchleben müssen… und doch habt Ihr nicht aufgegeben, sondern steht hier vor mir - Ihr seid eine echte Elfe. Ich heiße Euch in meinem Klan willkommen…“
Die anderen Elfen johlten und lachten vor Freude - eine neue Schwester war immer willkommen, wodurch sich Jule richtig wohl fühlte. Das war ihr neues zuhause, ihre neue Familie.
„Lyna soll Euch einer kleinen Ausbildung unterziehen, damit Ihr dem Klan nicht zur Last fallen werdet und Ihr Euren Teil zu unserem Wohl leisten könnt. Nun entschuldigt mich, ich habe zu tun… ich werde mich später mit Euch beiden unterhalten.“
So betrat er sein Zelt und ließ die anderen allein.
Lyna lächelte vor Freude und konnte nicht anders- sie musste Jule umarmen.


„Ich danke Euch vielmals Hüter, Ihr werdet es nicht bereuen! Wir sehen uns dann später“, entgegnete sie mit einer leichten Verbeugung.
Jule sah wie sehr sich Lyna freute und erwiderte die stürmische Umarmung.


Die anderen Elfen warfen Jule einen letzten Blick zu, ehe sie sich verstreuten.
„Ihr werdet sie schon noch kennen lernen“, versicherte Lyna. „Die Dalish mögen auf einige kalt und abweisend wirken, gegenüber anderen Elfen sind sie aber mehr als warm und zuvorkommend - sie halten zusammen, in Zeiten wie diesen besonders.“


„Ich finde sie jetzt schon nett, ich denke damit werde ich zurechtkommen. Ich freue mich nur, jetzt endlich ein richtiges Zuhause zu haben, mit Gleichgesinnten, die nicht benachteiligt werden… oder betteln müssen“, erwiderte sie und zwinkerte Lyna zu.

Lyna wandte sich wieder der anderen Elfe zu und fragte lächelnd: „Gefällt es Euch hier? Möchtet Ihr Euch gerne mit den Magiern unterhalten?“


„Ja, ich habe nachgedacht, Lyna, ich werde mich mit Euren Magiern unterhalten“, erwiderte Allie noch immer etwas nachdenklich.
Sie wollte wissen, wie gut ihre Ausbildung war, doch was viel wichtiger für sie war, war herauszufinden was es mit diesem Amulett auf sich hatte.
„Doch das kann warten, ebenso wie die Ausbildung von Jule, wir sollten umgehend mit Eurem Hüter über diese eigenartige Kette sprechen, ich möchte hören was er dazu zu sagen hat, und ob er etwas darüber weiß. Das ist sehr wichtig, ich bin mir sicher, dass es dringlich ist herauszufinden, was es damit auf sich hat!“ fügte sie sehr ernst hinzu.
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BeitragThema: Re: Kapitel III - Eine seltsame Kette   Do 15 Sep 2011, 12:40 am

Avalos bog die Äste leise auseinander und beobachtete die Wachposten der Dalish.
Bogenschützen natürlich. Kurzschwerter als Nahverteidigungswaffe. Außerdem günstig positioniert - ihre Schussfelder überlappten sich, ein tödliches Kreuzfeuer für jeden, der sich ihnen nicht wohlgesonnen zeigte.
An sich hatte er zwei Möglichkeiten:
Erstens, dass er sich als fahrender Händler ausgab - und behauptete, dass er überfallen worden sei. Das war aber riskant, wegen seiner Rüstung und seiner Bewaffnung - und im Wald verstecken wollte er die Sachen nicht. Zu wertvoll.
Außerdem war es möglich, dass der Hüter die alten Symbole der schwarzen Sonne erkennen würde. Und sollte das passieren, wäre er so gut wie tot. Oder er müsste den ganzen Klan ausradieren. Das hatte es unter Seinesgleichen auch schon gegeben.
Die zweite Möglichkeit wäre natürlich, bis zur Dämmerung zu warten und anschließend ungesehen ins Lager schleichen. Er musste unbedingt den Ältesten belauschen, wenn er mit der Dalish über das Medaillon sprach.
Für die Offenbarung der wahren Natur des Schmuckstücks waren sie noch nicht bereit. Seine Gedanken rasten, doch sein kalter Blick war so unbewegt wie eh und je.
Sollte der Hüter erkennen dass… Dann musste er ihn ausschalten.
Aber wie? er konnte ja schlecht während ihrer Unterredung in das Zelt stürmen und ihm seinen Dolch in den elfischen Wanst rammen. Er musste subtil vorgehen. Gift? Möglicherweise.
Aber wie sollte er an das Essen herankommen? Er verwarf die Idee.
Er konnte einen Bogen stehlen, vergiftete Pfeile. Aber für einen sauberen Bogenschuss konnte er nicht nebenbei hinter der Zeltplane stehen und lauschen.
Letztendlich entschied er sich anders.
Er grinste böse. ‚Zu viel Wissen kann der Gesundheit abträglich sein, Hüter.‘


Bella war nun schon einige Stunden auf dem Weg, als sie bemerkte, dass ihr einige wichtige Vorräte fehlten. „Bei den Ahnen… wie konnte ich das vergessen?“ fragte sie sich selbst. Dann fiel ihr auf, dass sie schon am Rande des Waldes war, wo ein bestimmt befreundeter Dalish-Stamm sein Lager aufgeschlagen hatte.
Sie würde einfach den Umweg über das Lager nehmen, um zu versuchen, dort ein paar Kräuter zu ersteigern oder zu tauschen, vielleicht könnte sie hier auch die Nacht verbringen?
Eine Stunde später erreichte sie die Wachen des Lagers, die sie erkannten, grüßten und durchließen. Als sie das Lager betrat sah sie sich nach dem Händler um, besorgte einige Kräuter und Umschläge, die sie in ihrer Tasche verstaute. Anschließend wollte sie den Klanältesten aufsuchen und um ein Nachtlager bitten.
Als sie in die Richtung des Zeltes lief, sah sie zwei Gestalten die ihr sehr bekannt vorkamen… sie hielt inne, um kurz darauf erfreut aufzulachen und auf Allie und Jule zuzulaufen.
„Beim Erbauer, man kann nirgendwo hingehen ohne auf euch zu treffen, oder?“ lachte sie die beiden an. „Was treibt euch denn hierher? Auch Vorräte aufstocken?“


„Seid gegrüßt Bella, Euch hätte ich hier am wenigsten erwartet, was macht Ihr denn hier? Nun ich bin eine Dalish, ich wurde angenommen. Schon bald lerne ich, wie eine von ihnen zu sein. Ich freue mich schon wirklich auf meine Ausbildung“, erwiderte Jule mit einem freundlichen Lächeln als sie Bella erblickte.
„Was habt Ihr denn noch vor? Habt Ihr ein Lager?“ fügte sie hinzu, und blickte die Zwergin herzlich an. „Und tut mir leid, aber ich muss das jetzt tun“ Dann umarmte sie Bella. „Schön Euch zu sehen.“


Bella lachte und erwiderte die Umarmung. „Nun, ich bin auf dem Weg nach Orzammar, und nachdem ich vergaß Kräuter mitzunehmen habe ich hier meine Vorräte aufgestockt. Und wollte so eben noch fragen ob ich hier die Nacht verbringen kann bevor ich morgen weiterreise…
Schön, dass Ihr aufgenommen wurdet. Eine Familie zu haben ist einfach doch noch das Beste was einem passieren kann. Ich werde meine Schwester und meinen Neffen besuchen. Sonst würden mich keine zehn Pferde mehr in die Stadt bringen. Eigentlich kann ich es mir gar nicht mehr vorstellen unter der Erde zu leben, keinen Sternenhimmel nachts zu sehen, kein Gras unter den Füßen… nein ich bin froh an der Oberfläche zu sein.“


„Oh Orzammar, dort war ich schon lange nicht mehr, ich kann mir gar nicht vorstellen wie die Zwerge dort unten überhaupt leben können, ohne wirklichem Sonnenlicht und dem schönen klaren Nachthimmel. Kommt doch einfach nachher mit zum Hüter, ich muss auch noch mit ihm und Lyna etwas besprechen, wegen meiner Aufnahme und so weiter.“



„Oh, ja allerdings Euch hätte auch ich hier nicht erwartet. Aber es ist gut dass Ihr hier seid, ich habe so das Gefühl, dass wir jede Hilfe brauchen könnten…“, fuhr Allie gelassen dazwischen.
Danach ging sie etwas zu Seite und fiel in ihr vorheriges Verhalten zurück, sie schaute sich erneut um und lauschte den Geräuschen des Waldes…


„Ihr wart sehr still, ich merke auch, dass hier irgendetwas nicht stimmt… diese Magie von dem Amulett verwirrt mich regelrecht“, erwiderte Jule. „Und ja… anscheinend treffen wir immer mehr unserer Tavernen Freunde“, fügte sie grinsend hinzu.


„Kommt, gehen wir zum Hüter! Ich bin müde von der Reise und möchte endlich Klarheit“, drängte Allie schließlich.


„Ich stimme zu, gehen wir sofort zum Hüter… das hier ist von dringendster Notwendigkeit“, entgegnete Jule und ging voraus, vorbei an einem Lagerfeuer - an welchem sie schnell ihre neu gewonnen Brüder und Schwestern begrüßte - direkt zu dem Zelt des Hüters.


Allie blieb noch bei Lyna, um sicherzugehen, dass sie auch mitkam. Sie verharrte an ihrer Seite und wartete darauf, dass sie sich in Bewegung setzte. Denn wer wusste schon, was diese Kette mir ihren Kopf anstellte… Vielleicht würde sie sich dagegen wehren sie los zu werden. Bis jetzt hatte sie den Eindruck, als würde sie dieses Amulett regelrecht gern haben und sich darüber freuen es zu besitzen. Wahrscheinlich war es mit irgendeinem bösen Zauber, oder vielleicht sogar einem Fluch belegt. Jedenfalls bereitete sie sich auf alles vor, und wich Lyna erstmals nicht von der Seite.


„Amulett? Von welchem Amulett sprecht ihr?“ fragte Bella neugierig, die das Gespräch aufmerksam mit verfolgt hatte. „Allie, morgen muss ich leider weiter, aber bis dahin könnt Ihr mit meiner Hilfe rechnen.“
Als Bella dann doch das besagte Amulett sah, welches die Dalish um den Hals trug, war sie fasziniert und verunsichert zugleich. „Es ist ein wunderschönes Schmuckstück, aber ich gebe den anderen beiden recht, etwas Unheimliches geht davon aus… andererseits kann man kaum die Augen davon abwenden. So fein gearbeitete Gold- und Silberfäden habe ich noch nie gesehen, nicht einmal die besten Schmiede oder Gemmenschneider der Zwerge habe ich so etwas herstellen sehen“, grübelte sie und war gespannt darauf, was der Hüter dazu zu sagen hatte.


Lyna lächelte die Zwergin an, schien aber gedankenversunken… die Magierin schien sich große Sorgen um das Amulett zu machen… dabei… war es doch nur ein Schmuckstück! Nicht mehr und nicht weniger. Doch um sie zu beruhigen willigte sie ein, die Kette dem Hüter zu zeigen. Dieser würde sicher erkennen, wie harmlos es war.
„Na gut, lasst uns gehen... aber nachher beginnen wir mit der Ausbildung von Jule.“
So gingen sie zum Zelt, an welchem Jule bereits wartete, und betraten es. Der Hüter schien überrascht, sie schon so früh wiederzusehen, ließ sich aber nichts dergleichen anmerken. Er wusste, Lyna würde ihn nur stören, wenn es sich um etwas Wichtiges handeln würde.
„Hüter, wir würden Euch gerne etwas zeigen… heute Morgen bin ich mit diesem Amulett aufgewacht. Ich halte es für harmlos, für ein Schmuckstück, ein sehr schönes. Aber Jule und Allie glauben ‚Böses‘ zu spüren… ich wollte es Euch nur zeigen, damit Ihr sie beruhigen könnt. Mir glauben sie ja nicht.“
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BeitragThema: Re: Kapitel III - Eine seltsame Kette   Do 15 Sep 2011, 12:40 am

Der Wald wurde immer dichter. Das lag aber wahrscheinlich daran, dass Ripper lieber querfeldein durch den Wald lief als irgendwelche Routen zu benutzen.
Sein Hund lief vor ihm weg und verfolgte konzentriert die Spur der Elfen. An einigen Stellen war der Wald so dicht, dass Ripper Gebrauch von Ròmker machen musste, um schneller weiter zu kommen.
Sie hatten bestimmt schon einige Meilen zurück gelegt als sie an einer kleinen Lichtung ankamen.
Rippers Hund blieb abrupt stehen… ihn schien etwas zu beunruhigen. Er schnüffelte aufgeregt das Gebiet ab und knurrte plötzlich laut. Ripper sah sich um… der Boden sah ziemlich verdächtig aus. Er wollte grade mit seinen schweren Stiefeln aufstampfen als er es erkannte.
Gerade noch rechtzeitig sprang er zur Seite als sich ein großes Netz nach oben in die Baumwipfel zog. Ripper landete mit seiner schweren Rüstung hart auf dem Boden. Dann hörte er auf einmal aus allen Richtungen Gebrüll und Befehle. Er blickte sich mit verschwommener Sicht nach seinem Hund um, doch er konnte ihn nirgends sehen, und oben im Netz konnte er auch nichts erkennen. Ihm wurde klar, dass es Banditen waren, die vorbeiziehende Wanderer und Händler ausraubten. Er versuchte sich schnell wieder aufzurichten, doch das war durch seine schwere Rüstung etwas mühselig.
Die ersten Angreifer hatten ihn bereits erreicht und holten mit ihren Schwertern und Kolben aus. Ripper trat einem leicht gepanzerten Mann mit seinem massiven Plattenstiefel direkt in die Magengrube, woraufhin dieser Blutspuckend nach hinten fiel. Sein Blut spritzte Ripper, der noch immer am Boden lag, genau ins Gesicht und er kniff die Augen zusammen.
Kurz darauf prasselten auch schon harte Schläge auf ihn ein. Ohne seine Rüstung wäre er jetzt sicher nicht mehr als Mensch identifizierbar gewesen. Er nahm seine ganze Kraft zusammen und erhob sich langsam vom Boden. Er stieß einige Banditen nach hinten und suchte nach seiner Axt, doch diese lag etwas weiter entfernt und er würde nicht so einfach daran kommen.
Zum Glück waren diese Banditen nicht sonderlich gute Kämpfer, sondern knüppelten nur wild auf ihn ein. Ripper wand sich frei, grinste und stürmte auf einen Mann in leichter Lederrüstung zu.
Er rammte ihn mit enormer Kraft und Gewicht um, sodass dieser nach hinten geschleudert wurde. Ripper bewegte sich auf den am Boden kauernden Mann zu, und stürzte sich auf ihn.
Sein verschmitztes Lächeln kam zum Vorschein und er holte zu einem kräftigen Schlag aus. Krachend traf mit einem gewaltigen Schlag sein Plattenhandschuh den Kiefer des Mannes, der darauf hin laut knackend zerbrach, wie in einem Wahn holte er wieder aus und drosch wild auf den schon bewusstlosen Mann ein. Blut spritzte in alle Richtungen und das Gesicht des Banditen war kaum mehr wieder zu erkennen. Ripper ließ nach, als er merkte, dass weitere Männer auf ihn einschlugen. Seine Rüstung war schon stark beschädigt und mit jedem Schlag wurde der Schmerz größer. Ohne seiner Kriegsaxt Ròmker und dem Hund, konnte er nicht mehr lange durchhalten, und er war bereits zu schwach, um erfolgreich Magie wirken zu können.
Ein Schlag mit einem Kolben traf ihn am linken Bein, wo die Rüstung schon ziemlich nachgegeben hatte, und er verspürte einen stechenden Schmerz und dann Taubheit. Er betete zum Erbauer, dass er ihn verschonen würde, wenn seine Zeit noch nicht gekommen war.
Plötzlich ertönte ein lautes Knurren und Bellen, und Rippers Hund rannte auf einen der Soldaten zu, sprang ihn um, und biss ihm in den Hals. Die gewaltige Beißkraft durchtrennte den Hals des Mannes mit Leichtigkeit. Dann entdeckte der Hund seinen Herren, der am Boden liegend von mindestens sechs Männern umringt wurde, die wild auf ihn einprügelten.
Der Hund realisierte die Lage schnell und suchte nach Rippers Axt. Ripper nahm seine ganzen Kräfte zusammen und versuchte die Männer von sich zu stoßen - was ihm auch gelang... doch es wurden immer mehr.
Schnell schnappte sich der Mabari die Axt, und schleifte sie zu Ripper.
Er hatte zwar viel Kraft, aber so eine schwere Kriegsaxt über den Waldboden zu ziehen, war keine leichte Aufgabe.
Ripper sah was sein Hund vorhatte und versuchte, nachdem der Mabari in seiner Nähe war, nach Ròmker zu greifen. Nach ein paar versuchen, spürte er den Griff der Axt, und packte sie. Der Hund begann sofort die anderen Angreifer zu attackieren. Ripper bündelte nochmals seine ganze Kraft und richtete sich auf. Mit mächtigen und kraftvollen Schwüngen metzelte er sich durch die Banditen. Die Axt schnitt wie durch Butter in die leicht gepanzerten Männer und Körperteile wirbelten durch die Luft. Die Banditen ergriffen daraufhin schnell die Flucht und rannten in alle Richtungen verstreut davon. Der Hund versuchte noch einige zur Strecke zu bringen, was ihm auch gelang.
Ripper ließ sich erschöpft und blutüberströmt auf die Knie fallen, doch er schien zu grinsen. „Mhm… ich denke ich brauche vorerst keine Knochen mehr für dich zu sammeln.“
Der Hund bellte zufrieden und fletschte seine blutigen Zähne.
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BeitragThema: Re: Kapitel III - Eine seltsame Kette   Do 15 Sep 2011, 12:46 am

Als der Hüter den Satz von Lyna vernahm, war er über sich selbst verwundert, dass sie ihm nicht sofort ins Auge gefallen war. Er ging näher an Lyna heran, und betrachtete sie genauer. Er starrte etwa eine Minute darauf. Diese Minute war sehr angespannt. Niemand wagte es ein Wort zu sagen, nicht einmal laut zu atmen, sie alle waren nervös und warteten auf seine Worte.
Er entfernte sich ein paar Schritte von Lyna, bevor er zu sprechen begann. „Woher genau sagtet Ihr habt Ihr dieses Amulett des roten Drachens? Ihr sagtet es war auf einmal um Eeuren Hals? Nun ja, das ist sehr merkwürdig…“, er wandte sich an Allie und Jule. „Ich hoffe ihr habt die Kette nicht berührt, doch da ihr das Böse, das sie umgibt, spüren könnt, war dem wohl nicht der Fall.“
Dann ging er zum Eingang der Hütte und schaute kurz nach draußen, um sicherzugehen, dass sonst niemand zuhörte, bevor er weitersprach. „Es ist so, doch ich weiß nicht ob es stimmt. Ihr seid doch Graue Wächter nicht wahr? Ich habe einst eine alte Legende von einem der Wächter gehört. Ich hatte einst einen guten Freund, der ein Grauer Wächter und ein mächtiger Magier war. Ihr wisst doch, dass die Verderbnis alle tausend Jahre entsteht, wenn die Dunkle Brut einen Erzdämonen findet. Es gibt jedoch eine alte Legende, die besagt, dass mächtige Magier die Blutmagie nutzen, um damit die Dunkle Brut oder sogar einen Erzdämonen in ein Amulett zu bannen. Doch dies beherrschen nur die begabtesten - und die bösesten - der Magier, daher sind auch Abtrünnige so verhasst, da sie mehr Macht erlangen können, wie gut für sie ist. Wie dem auch sei, soweit ich weiß, soll dieser Erzdämon darin gefangen sein und erst wieder frei kommen, wenn er einen ‚Wirt‘ findet. Dazu muss die Kette angelegt werden… Nach einiger Zeit werdet Ihr die Kette so sehr vergöttern und lieben, und sie gegen nichts anderes mehr tauschen wollen. Eure Seele und Euer Geist wird dadurch so schwach werden, dass die Macht des Dämons frei gesetzt wird und Ihr selbst zu einem werdet.“
Der Hüter hielt kurz inne. „Ich weiß jedoch nicht was passiert, wenn Ihr sie ablegt, und ich weiß auch nicht wie man diesen ‚Fluch‘ beseitigen kann. Ich dachte eher, es sei nur eine Geschichte die man sich erzählt, um die Magier schlecht zu machen, ich hätte nie gedacht, dass sie sich als wahr erweisen könnte.“
Der Hüter hielt wieder inne, und versuchte zu überlegen, was sie nur tun könnten.


Allie war geschockt. Sie wusste nicht was sie sagen sollte. Ihr Herz rutsche ihr förmlich wie ein Stein in die Hose. Ein Erzdämon? In einer Kette? Das konnte doch nicht wahr sein!? So etwas konnte es nicht geben, ausgeschlossen! Welcher Magier könnte zu so etwas fähig sein? Ihr schossen so viele Fragen und Gedanken durch den Kopf. Das Blut schoss förmlich durch ihre Adern wie bei einem Adrenalinstoß und Schweißperlen hatten sich an ihrer Stirn angesammelt.
„Ich… ich weiß nicht wie das nur geschehen konnte, seid Ihr Euch denn sicher, dass das eine solche Kette ist? Vielleicht sollten wir doch zum Zirkel gehen! Vielleicht wissen sie etwas, das wir dagegen tun können!“
Sie griff sich an den Kopf und wanderte kurz im Kreis, dann setze sie sich auf den Boden und hielt beide Hände über den Kopf, als wäre die Welt zusammengebrochen. Dann versank sie in Gedanken und suchte nach Lösungen, nach Wegen was sie tun könnten um dieses Unheil zu verhindern!


Auch Jule war mehr als nur geschockt von dieser Aussage. So etwas konnte doch nicht geschehen, oder? Wieder ein Erzdämon… in einer Kette gefangen? Sie wusste nicht was sie antworten sollte.
„H-Hüter ... s-seid Ihr Euch wirklich sicher? Ich kann es nicht Fassen. Wir müssen schnellstens zum Zirkel der Magi!“ stammelte sie hervor.
Plötzlich überkam sie die Angst. Was ist wenn dieser Fluch nicht aufgehoben werden konnte? Was würde dann aus Lyna werden? Sie war völlig sprachlos.
„L-Lyna… es… es tut mir leid.“


Bella wurde blass als sie die Worte des Hüters vernahm. Sie war zu lange in der Stadt des Staubs gewesen und hatte von Mythen und Legenden kaum etwas vernommen. Das was sie wusste, hatte sie erst alles erfahren, als sie zum Grauen Wächter wurde. Sie kannte die Elfe nicht, die das Amulett trug, aber ein neuer Erzdämon… von wegen tausend Jahre. Sie kam sich vor als wäre sie - schon wieder - zur falschen Zeit am falschen Ort.
„Einen kleinen Moment, ich hole nur Tinte und Feder“, meinte sie schließlich und rannte zu ihrem Rucksack, den sie vor der Hütte abgestellt hatte. Kramte dort genanntes sowie leeres Pergament heraus und rannte wieder zu den anderen.
Sie konnte gut zeichnen und fertigte schnell eine Skizze der Kette an.
„Vielleicht finde ich etwas in der Halle der Bewahrung über diese Überlieferung oder ein Bild davon…“
Nach diesem Vorfall beschloss Bella sofort weiterzuziehen, je eher sie in ihrer Heimat eintraf und Nachforschungen anstellen konnte, umso besser wäre es.
Sie bedankte sich beim Hüter für die Gastfreundschaft, umarmte Jule und Allie noch einmal und meinte: „Ich denke in einer Woche bin ich zurück, entweder treffe ich Euch hier oder in der Taverne… solltet Ihr weiterziehen hinterlasst doch eine Nachricht im Lager oder beim Wirt, ja? Seid vorsichtig… möge der Erbauer euch auf euren Wegen begleiten.“
Mit flotten Schritten verließ sie das Zelt, und anschließend das Lager der Dalish.


Lyna hatte sich die Erklärung des Hüters mit Ohnmacht angehört, konnte es selbst nicht glauben. Ein Erzdämon? Wie aus den Legenden? Unmöglich!
Und doch schien das Unmögliche wahr geworden zu sein. Die Kette verlor plötzlich alle Schönheit und verwandelte sich in etwas Bedrohliches. Am liebsten hätte sie das Schmuckstück weggeworfen, doch die Mahnung des Hüters, dass er nicht wisse, was beim Entfernen der Kette passiere, ließ sie innehalten.
Betäubt folgte sie den anderen nach draußen. Wie dumm sie doch bloß gehandelt hatte! Hätte sie doch bloß auf Jule und Allie gehört… aber nein, sie musste es noch schön finden! Selbst jetzt fand sie Gefallen daran, sie konnte gar nicht anders, irgendeine dunkle Macht zwang sie dazu. Und deswegen hasste sie sich nun.


Er hatte sich erfolgreich ins Lager geschlichen, und verbarg sich nun in einer Stofffalte des Zelts des Hüters.
Seine Ohren vernahmen jedes Wort.
Was er hörte, war gar nicht gut und erforderte einen erheblichen Umbau seiner Pläne. Dem Erbauer sei Dank, hielt der Hüter das Schmuckstück wirklich für ein Seelengefängnis, und er schien sogar geneigt, diesen bizarren Legenden zu glauben. Die Seele eines toten, auch noch besessenen Gottes konnte nichts und niemand beherrschen, und schon gar nicht bannen.
Aber Legenden haben auch ihren Vorteil… er grinste schemenhaft.
Trotzdem war es zu gefährlich. Er hatte mehrere senkrechte Schnitte in den Stoff geschnitten. Notfalls konnte er hindurch greifen, den Hüter packen und ihn mit seinem Dolch zum Schweigen bringen. Nur seine Hände und sein Dolch wären zu sehen gewesen. Und in der allgemeinen Verwirrung danach, wäre es ihm leicht gefallen zu verschwinden.
Interessanterweise hatte noch niemand von ihnen das Amulett einmal umgedreht - der Hüter hätte sofort gewusst, um was es sich da wirklich handelte.
Das Risiko war zu groß. Außerdem musste er den ganzen Ablauf beschleunigen… Sie zu einem überstürzten Aufbruch drängen. Und gleichzeitig, sämtliche Türen hinter ihnen verschließen.
Er hörte, wie sie alle das Zelt verließen, scheinbar wollte der Hüter seine Ruhe haben.
Der Hüter ging auf und ab, schien nachzudenken was es wohl bedeutete, dass einer der Ihren einen so verfluchten Gegenstand gefunden hatte.
Er zog seinen Dolch. Der Smaragd schien freudig aufzulodern.
Als sich der Hüter erneut der Zeltplane näherte, schoss sein Arm durch den Schlitz und rammte dem Hüter den Dolch durch die Rippen. Der Dolch traf genau das Herz.
„Dein Tod soll nicht vergebens sein, Hüter. Ihr werdet sehen, dass auf diese Weise, dem Schicksal Form aufzuzwingen, mehr Leid verhindert als geschehen wird. Ihr seid nur ein… Bauer im großen Schachspiel. Und Euer Tod mehrt den Ruhm der Schwarzen Sonne.“
Die Augen des Hüters strahlten Erstaunen aus, und dann Entsetzen. Dann wurden sie glanzlos und das Leben floh aus ihnen. Der Smaragd hingegen schien zu toben und zu feiern als er sich die Lebensenergie des Elfen einverleibte.
Avalos ließ den Hüter sanft zu Boden gleiten um Geräusche zu verhindern.
Er hatte bei seinem nächtlichen Besuch nicht nur die Kette hinterlassen. Von allen unbemerkt hatte er den zweiten Ersatzdolch - eine schlecht gearbeitete, schartige Klinge - der Elfe eingesteckt. Jetzt kam es ihm zupass.
Er stieß diesen Dolch in die Wunde, und drapierte alles so, dass es auf einen Kampf hindeutete.
Fast unsichtbar anmutend schlich er sich aus dem Lager und suchte sich eine geschützte Beobachtungsposition. Diese Gruppe würde stark genug sein um aus dem Lager zu entkommen, soviel war sicher.
Aber vielleicht musste er auch ihre Flucht arrangieren, sollten sie sich anstandslos festnehmen lassen. Auf jeden Fall aber musste er Irving Bescheid geben. Der leitende Magus des Zirkels war der Einzige, der die volle Wahrheit über ihn und die Schwarze Sonne kannte.
Und der Einzige, der die Tragweite dessen erkannte.
Natürlich, das Arrangement mit dem alten Elfenhüter würde ihn verärgern, aber unter dem Umstand, dass ihnen die Zeit davonlief, durchaus akzeptabel. Er und Irving mussten dafür sorgen, dass weder einer der anderen Zauberer, noch die Templer es zu sehen bekämen. Sonst wäre ihre Sache verloren, und das konnte den Untergang bedeuten.
Es dämmerte. Feuer loderte in der Dunkelheit auf, Elfen strömten dorthin. es wurde gelacht, gesungen, gefeiert und geschlemmt - und in den nächsten Minuten würde ein spitzer Schrei durchs Lager gellen… wenn…
Er grinste böse.
Anders hätte er die Dinge nicht regeln können. Gut und Böse, schwarz und weiß, es war alles Nonsens. Es gab nur grau. Und daran hielt er sich.


Ripper humpelte durch den Wald. Sein Bein schien starke Verletzungen davon getragen zu haben, aber gebrochen war es nicht. Die Rüstung war überall verbeult und mit Blut beschmiert.
Warum musste das passieren, er hätte einfach in seinem Lager bleiben können… aber vermutlich hatte er mal wieder gewaltiges Pech gehabt.
Er dachte über den Kampf nach… ohne Grund tötete er niemanden, außer derjenige wollte ihn töten, aber meist vertraute er auf den Erbauer, und dieser schien das wohl zu merken, denn immerhin lebte er noch.
Zum Glück schützte ihn die massive Rüstung und so hatte er kaum offene Wunden wo Blut austreten konnte, nur sein Bein machte ihm etwas zu schaffen.
Sie waren bestimmt schon weitere sechs Meilen voran gekommen und der Wald wurde immer dichter. Nach einiger Zeit kamen sie an einen kleinen Bach. Das plätschernde Wasser war sehr beruhigend und Ripper schien erleichtert… er hatte schon seit ihrem Aufbruch nichts mehr getrunken und sein Hals zog sich allmählich vor Trockenheit zusammen.
Er zögerte erst, doch dann kniete er sich ans Ufer, und trank hastig das kristallklare frische Wasser mit Genuss, was ihm sein Hund gleich tat.
Nach einer kurzen Ruhepause überquerten sie eine kleine Holzbrücke und wanderten weiter, der Spur entlang. Ripper dachte darüber nach, was passieren würde, wenn er hier jemanden begegnen würde. Ein blutverschmierter Mann mit seinem Hund machte bestimmt einen etwas seltsamen Eindruck, vielleicht hielt man ihn sogar für gefährlich?
Doch das war Rippers geringste Sorge.
Er dachte viel mehr darüber nach wo die Elfen hin wollten. Es sah so aus als führte die Spur zu einem Dalish-Klan, der hier schon länger im Wald lagerte. Ripper konnte manchmal ein paar Elfen beobachten, wie sie durch den Wald streiften um… naja was Elfen auch immer im Wald taten.
Seine Vermutung bestätigte sich, als sie nach einer Weile eine große Lichtung erreichten, wo der Dalish-Klan lagerte. Ripper legte sich ruhig auf den weichen Waldboden um nicht entdeckt zu werden. Langsam kroch er näher heran und versteckte sich mit seinem Hund hinter einem Baum zwischen Geäst und Laub. Der Hund ahnte was Ripper vorhatte und verhielt sich ebenfalls ruhig.
Die beiden beobachten aufmerksam das Lager.
Eine Menge an Elfen war beschäftigt mit irgendwelchen Arbeiten oder Sonstigem. Sie schienen sich unbeobachtet zu fühlen und durch seine dunkle schwarze Rüstung, fiel Ripper nicht sonderlich auf… nur schepperte die Rüstung ziemlich, wenn er nicht vorsichtig über den Boden kroch. Er schaute sich weiter um, und plötzlich fielen seine Blicke auf drei Elfen die an einem großen Zelt standen… kein Zweifel, das waren sie… doch schienen sie recht munter.
Ripper beschloss sie weiter zu beobachten.


Noch regte sich nichts. Offenbar hatte der Hüter Befehl gegeben, ihn nicht zu stören. Innzwischen war das Tageslicht geschwunden, und zurück blieb nur noch verblassendes Dämmerlicht. Die Schatten wurden wieder länger, und die Mondsichel zeigte sich langsam.
Ein ungutes Gefühl beschlich ihn. Irgendetwas hier stimmte ihn merkwürdig. Sein Gefühl trog ihn selten. Ihm war, als ob Blicke über ihn streiften, ohne ihn zu sehen. Wurde er etwa seinerseits beobachtet? Möglicherweise der Mabari. Vor einigen Meilen in dem kleinen Lager war die Spur des Kampfhundes unvermittelt nach rechts abgebogen. Nur durch einen geknickten Ast hatten sich die Elfen verraten. Hatte der Hund etwa den Axtkrieger geholt? Waren Mabarihunde wirklich so intelligent?
Aber er trug eine Plattenpanzerung - und bei einer Kriechpartie durch dichtes Unterholz würde ihr Scheppern ihn verraten. Trotzdem wurde er das Gefühl nicht los, als ob hier etwas hineinspielte, das er nicht geplant hatte. Unbekannte Variablen waren bestenfalls… störend.
Das letzte Licht war verschwunden. Die Dunkelheit legte sich wie ein erstickender Teppich über den Wald. Aber das war nur ein Hindernis für die anderen. Ein Kind der Nacht zu sein, hatte seine Vorteile.


Als sie das Zelt verließen redeten sie noch ein Weilchen miteinander.
Als Bella ging erwiderte Jule die Umarmung und sagte: „Der Erbauer möge über Euch wachen, seid vorsichtig auf Eurem Wege.“
Mit einem Lächeln im Gesicht sah sie zu wie Bella das Lager verließ, und langsam von den Wäldern verschluckt wurde. Sie wandte sich wieder an Lyna und Allie.
„Ich habe vergessen den Hüter etwas zu fragen, ich komme gleich wieder“, sagte sie rasch, drehte sich um und ging in Richtung des Zeltes. Irgendetwas beunruhigte sie.
Als sie die Falten des Zeltes beiseite schob und hinein blickte war sie schockiert.
„Lyna, Allie! Schnell!“ schrie sie.
Sie sah wie der Hüter regungslos auf dem Boden lag, mit einem Dolch in seiner Brust. Als sie sich umsah, bemerkte sie, dass jemand das Zeltlaken zerschnitten hatte, und dieser jemand anscheinend so unbemerkt dem Hüter auf blutige Art das Leben nahm.
Sie wusste es. Sie wurden beobachtet.
„Der arme Hüter, ich hatte ihn doch gerade erst kennen gelernt. Ich bringe nur Unheil mit mir. Was machen wir denn jetzt?“ fragte sie Lyna entsetzt, da nur diese nach ihrem Ruf, ebenfalls im Zelt erschienen war.


Die Entdeckung Jules ließ Lynas Herz vollends gefrieren… der Hüter, tot? Nein… Tränen schossen ihr in die Augen, ein Schrei wollte aus ihrer Kehle, aber nur ein Röcheln ertönte. Welch Monster hatte diese Schandtat verübt? Sie wäre am liebsten in Tränen ausgebrochen, das Zelt ausgerissen, den Schuldigen gesucht… aber sie musste einen kühlen Kopf bewahren. Ihre Anwesenheit bedeutete Gefahr für den ganzen Klan. Sie musste verschwinden, sofort.
Hals über Kopf rannte sie aus dem Zelt.


Ein spitzer Schrei gellte durch das Lager.
Jetzt würde es interessant werden. Von seiner Position aus hatte Avalos einen sehr guten Überblick über das Geschehen. Jetzt kamen von überall her neugierige Elfen angeströmt.
Offenbar hatte einer der fremden Elfen den Hüter gefunden. Hätte sie vielleicht einen oder zwei Blicke mehr auf den Dolch in der Brust des Hüters verschwendet, dann hätten sie vielleicht noch ungesehen verschwinden können…
Innerlich missfiel ihm der Mord. Aber die Zeit lief ihm davon. Sollten die Ereignisse nicht langsam ins Rollen kommen, musste er womöglich noch… drastischere… Maßnahmen ergreifen um diese bunt zusammen gewürfelte Truppe in ihr Schicksal zu pressen.


Als Jule den Hüter genauer betrachtete blieb ihr Herz beinahe stehen. Der Dolch in der Brust des Hüters war ihr Ersatzdolch… jetzt würden alle denken, dass sie für den Tod des Hüters verantwortlich war. Wer würde ihr sowas antun? Sie wusste gar nicht weiter… man würde sie nun bestimmt verstoßen, oder gar umbringen für diese Schandtat. Es kam ihr vor als wären dies die letzten Minuten ihres Lebens. Als Lyna Hals über Kopf aus dem Zelt rannte, lief ihr Jule hinterher. Sie konnte es nicht glauben, ihre Anwesenheit bedeutete wohl den Tod derer die
in ihrer Nähe waren.
„Es tut mir leid Lyna… ich weiß wonach das aussieht! Aber es ist nicht so, das schwöre ich Euch“, versuchte sie die Dalish zu überzeugen, wobei ihr Tränen über ihre roten Wangen hinab liefen.


Lyna schüttelte den Kopf.
„Ihr habt die ganze Zeit neben mir gestanden, ich weiß, dass Ihr es nicht gewesen seid. Irgendjemand verfolgt uns und tötet diejenigen, die uns helfen könnten.“
Sie lief weiter, zu einer eingezäunten Wiese, wobei ihr Jule die gesamte Zeit über folgte. Auf dieser grasten die weißen Hallas, eines kam sofort auf Lyna zugerannt.


„Also glaubt Ihr mir das ich es nicht gewesen bin? Ihr wisst gar nicht wie erleichternd das für mich ist“, entgegnete Jule überrascht.
„Ich muss verschwinden, und zwar sofort!“ fügte Jule verzweifelt hinzu, und fiel Lyna um den Hals, und dachte dabei, dass dies die letzte Umarmung ihrer gerade neu gewonnen Schwester und Freundin sei.


„Und nicht Ihr müsst verschwinden, sondern ich… ich trage das Amulett, ich bringe den ganzen Klan in Gefahr… Ihr solltet aber hier bleiben, Eure Ausbildung beenden. Wenn ich weg bin, sollte keine Gefahr mehr drohen“, Lyna streichelte ihre Halla, nachdem Jule sich wieder von ihr gelöst hatte, und schaute gen Boden; sie traute sich nicht, der Freundin Lebewohl zu sagen…


„Halt wartet! wenn Ihr schon geht komme ich mit Euch. Wir müssen das Amulett irgendwie zerstören. Ich lasse nicht zu, dass Ihr alleine geht.“
Jule schaute sich kurz um, bis sie eine freie Halla sah. Sie ging auf das Tier zu, berührte es sanft, und versuchte es so zu beruhigen. „Ihr werdet mit mir kommen“, flüsterte sie der Halla zu.
„Also Lyna gehen wir nun zusammen oder nicht? Aber was ist mit Allie?“


Lyna war froh in diesen dunklen Stunden jemanden auf ihrer Seite zu haben. „Die Halle scheint Euch zu akzeptieren, das ist gut. Mit ihnen sind wir schneller unterwegs… und Allie sollte selber entscheiden. Natürlich wäre ihre Hilfe beim Zirkel der Magier hilfreich, aber… wenn sie ihr Leben nicht gefährden möchte, verstehe ich es“, sie seufzte und holte tief Luft. „Danke, Jule.“


Jule wurde mulmig, als sie sah, wie traurig Lyna gestimmt war. „Ich… reiten wir einfach los… ich will nicht dass sich auch noch Allie in Gefahr begibt. Wir kommen zurück und holen sie wenn wir beim Zirkel waren. Und… nichts zu danken, Ihr habt mir ein neues Zuhause ermöglicht und jetzt lasse ich Euch nicht im Stich… meine Schwester“
Dann setzte sie sich auf die Halla und machte sich zum Ritt bereit.


Sie hatte recht. Es wäre unnötig, auch noch die Magierin zu gefährden. „Nun gut. Geht nicht zu hart mit der Halla um…“
Überhaupt ein Wunder, dass die Halla so schnell eine neue Besitzerin auserwählt hatte. Spielten da etwa die Götter mit? Wer weiß…


„Keine Sorge, ich bin vorsichtig“, entgegnete Jule mit einem Lächeln.


Beim Hallagatter. Dorthin waren sie gerannt. Die meisten Elfen wussten noch nicht, was vorgefallen war - aber die wenigen, die schnell genug begriffen hatten, fingen an Suchtrupps zu bilden. Bündelweise Pfeile wurden ausgegeben, gerüstete Elfen schwärmten aus.
Zeit, zu verschwinden.
Sollten sie die Halla nehmen, wären sie unvergleichbar schneller als er. Damit hatte Avalos nicht gerechnet. Geschätzt bis zum Gatter waren es nur zweihundert Schritt. Leise nahm er seinen Bogen vom Rücken. Das schwarze Material glänzte unheilvoll. Dämonenfratzen waren ins Holz geschnitzt. Aus einer anderen Tasche nahm er ein kleines Fläschchen und eine Pfeilspitze, besetzt mit widerlichen, nach innen gekrümmten Widerhaken. Er zerschlug das Flakon darüber, setzte sich auf und legte an. Sie war schon aufgestiegen. Er nahm noch einmal Maß und spannte den Bogen.
Und ließ los.
Mit einem leisen Sirren flog der Pfeil davon. Eine stolze Kreatur, wie eine Halla, hatte etwas Besseres verdient, aber sie durften nicht schneller beim Turm sein als es ihm möglich war. Er hatte auf den Hals gezielt, ein hoffentlich sofort tödlicher Schuss um dem Tier unnötige Qualen zu ersparen. Selbst wenn er der Treffer nicht unmittelbar tödlich wirkte, das Gift würde den Rest erledigen.
Und dass er traf, stand außer Frage.


Und da kam auch schon der Pfeil… ein Aufschrei von Lyna. Sie schaute sich um, konnte aber nirgends den Angreifer ausmachen. Blind vor Wut schwang sie sich auf die Halla von Jule und ließ sie gemeinsam davon preschen. Immerhin wusste der Verfolger, dass sie jetzt das Lager verlassen würden… wehe ihm, wenn er noch einem Familienmitglied etwas Zuleide tun würde.


Auch Jule war geschockt, als Lynas Halla urplötzlich von einem Pfeil getroffen wurde. Doch noch mehr erstaunt war sie darüber, wie schnell Lyna hinter ihr auf der ihren Halla saß.
„Wow… Ihr seid aber flink… hoffentlich locken wir so den Verfolger vom Lager weg.“
Während des Ritts stellte sich Jule viele Fragen. Ob der Erste Verzauberer etwas wusste? Konnte man Lyna von dem Fluch befreien? Und wenn nicht… Jule hätte nicht gewusst, was sie dann nicht hätte machen können. Sie wollte ihre neue Schwester auf keinen Fall verlieren, und würde alles tun, was in ihrer Macht stand, um diese von dieser Kette zu befreien.


Ripper kam das Chaos grade recht, denn so blieb er ziemlich unbemerkt. Doch was war passiert? Warum wollten sie in dieses Lager? Warum brach Chaos aus, und wo waren die drei Elfen nun hin?
Alle liefen hektisch durcheinander und es war nicht leicht den Überblick zu behalten. Aus allen Richtungen ertönten Schreie und Befehle… die er allerdings nicht verstehen konnte, aber es klang nicht sonderlich fröhlich.
Ripper und sein Hund versuchten konzentriert das Geschehen weiter zu beobachten. Plötzlich zischte ein Pfeil durch die Luft in Richtung der Hallas.
Ripper konnte nur noch sehen wie der Pfeil ein Tier niederstreckte und zwei Elfen davon ritten. Er konnte sie nicht genau erkennen, aber es sah so aus, als wären es Jule und die Dalish gewesen. Irgendetwas ging hier mächtig schief… wer hatte auf sie geschossen und warum?
Er schaute sich weiter um, konnte jedoch niemanden außer Elfen ausmachen. Der Schütze musste sich irgendwo versteckt haben.


Barzúl!
Er fluchte innerlich. Die Halla hatte kurz den Kopf geneigt - und der Pfeil war nur Millimeter darüber hinweg geflogen und hatte eine andere Halla getroffen - die sich jetzt in Todesqualen wandte.
Aber immerhin, jetzt mussten sie zu zweit nur eine Halla nehmen - und das würde das Tier schneller ermüden. Aber vielleicht war es auch ein Streifschuss - die kleinste Wunde würde ausreichen, damit das Gift innerhalb von Stunden seine Wirkung zeigen würde.
Er wandte sich ab, erhob sich und sprintete davon. Eine Halla war unvergleichlich ausdauernd und gewandt, aber sie hinterließen tiefe Spuren.
Aber was wenn… Natürlich. Mit der Halla waren sie zwangsläufig gezwungen, in der Wildnis zu bleiben. Er hingegen konnte die Straßen benutzen - und somit auch die Pferdestationen der königlichen Armee. Trotz ihres Geschwindigkeitsvorteils, würde er ihnen mit ein wenig Glück zuvorkommen. Er musste es, sonst würde… Er wollte sich die Konsequenzen nicht ausmalen.
Aber jede Verderbnis würde dagegen wie ein Kinderspiel anmuten.


Bevor der Hüter ermordet wurde, begab sich Allie zu den Magiern des Klans um sich wegen etwas Lyrium umzusehen. Als sie jedoch kurz davor war, bei diesen anzukommen, brach das Chaos aus und auch sie hörte den Schrei von Jule.
Sofort wollte sie sich wieder zurück zum Zelt des Hüters begeben, doch die Massen versperrten ihr ständig den Weg, denn alle stürmten in die Richtung des Zeltes, um zu sehen, was geschehen war. Als sie sich endlich durch die Massen durchgedrängt hatte, und gesehen hatte was passiert war, waren Jule und Lyna bereits auf den Weg zu den Hallas.
Sie konnte es kaum fassen, der Hüter ermordet? Und dann sah sie den Dolch… und die Wunde, ein nahezu perfekter Schnitt… Es war der Dolch von Jule… sie konnte es kaum fassen! Jule würde doch so etwas nicht tun, oder vielleicht doch? Was würden die Dalish jetzt nur ohne ihres Hüters machen? Sie schaute sich um, sah jedoch nicht viel, da sich so viele Elfen um sie scharten. Sie schaffte es dann doch endlich sich aus der Masse zu entfernen, und plötzlich sah auch sie den Pfeil aus dem Wald geschossen kommen, und zwar direkt in die Richtung der Halla-Gehege.
Ohne noch einmal darüber nachzudenken, was da im Wald lauerte, war sie getrieben von Wut und wollte wissen wer für dieses Chaos verantwortlich war. Daher rannte sie sofort in die Richtung aus welcher sie den Pfeil vernommen hatte. Sie nahm sofort ihren Stab und sprach Zaubersprüche während des Laufens, um ihre Rüstung durch ein magisches Schild zu stärken, um eventuelle Pfeile abzuwehren. Sie lief so schnell wie noch nie zuvor in ihrem Leben, sie ahnte, dass der Täter sofort von der Stelle fliehen würde, sofern nicht sie selbst das nächste Ziel sein würde. Nach gut hundertachtzig Schritt war sie der Stelle sehr nahe gekommen, schaute sich um, und versuchte zu lauschen, um eventuelle Geräusche hören zu können. Dabei setzte sie sich in Hocke an den moosigen Boden, gleich neben einem Gebüsch. Sie schloss ihre Augen und versuchte etwas wahrzunehmen. Bis sie etwas hörte, nur leise und schwach, es hörte sich an, als würde jemand aufstehen und seine Zehenspitzen tief in den Erdboden jagen, wie wenn man lossprintete.
Allie riss die Augen auf und folge dem Geräusch, bis zu der Stelle, an welcher der Schütze zuvor stand, und auch da waren sie, seine Spuren vom Sprint-Beginn. Ein kleines Lächelns machte sich auf ihrem Gesicht breit. Sie wusste in welche Richtung er gelaufen war, doch sie war erstaunt, dass danach keine Spuren mehr zu sehen waren. Er wusste wohl genau, wie er sich im Wald zu bewegen hatte, doch das mit dem Sprintfußabdrücken, hatte er wohl nicht bedacht. Sie lief ziellos in die Richtung, jedoch voller Vorsicht, und jederzeit bereit für einen Kampf.


Ripper beobachtete, wie die Elfen Suchtrupps zusammen stellten. Er hatte allerdings immer noch keine Ahnung, was hier so eben passiert war, aber er begriff, dass die Suchtrupps den Wald durchkämmen würden und er sich lieber etwas zurückziehen sollte, bevor sie ihn entdecken würden. In liegender Haltung kam er durch seine Rüstung nicht schnell genug von der Stelle, und würde durch das Scheppern ziemlich viel Aufsehen erregen. So beschloss er, sich einfach schnell nach hinten in den dichten Wald zurückzuziehen. Das erregte vielleicht noch mehr Lärm aber er kam so schneller außer Reichweite.
Ripper gab seinem Hund ein Zeichen und sie rannten los. Äste zerbrachen unter seinen schweren Stiefeln und der Waldboden schien bei jedem Auftritt nachzugeben. Auf einmal sah er, im Vorbeilaufen, eine etwas anders aussehende Elfe… es war keine Dalish… das erkannte er sofort… dann erinnerte er sich… es war die Elfen-Magierin.
Sie war anscheinend nicht mit den anderen geflohen und sie schien irgendetwas hastig zu verfolgen.
Ripper warf sich laut krachend flach auf den Waldboden. Er war bereits weit genug entfernt.
Er rief mit einem Zeichen seinen Hund zu sich, und sie beobachteten die Elfen Magierin.
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BeitragThema: Re: Kapitel III - Eine seltsame Kette   Do 15 Sep 2011, 12:49 am

Calenhad-See - Turm des Zirkels

Irving ging auf und ab.
Noch war er nicht hier - und damit hatte er wahrscheinlich jemanden gefunden, den die Kette nicht unmittelbar getötet hatte. Ein Hoffnungsschimmer? Vielleicht.
Er würde den Weg für sie bereiten - hierher, zu ihm. Er kannte seine Methoden, und die der Schwarzen Sonne ebenso. Aber in diesem Kampf war er ein willkommener Verbündeter.
Die Grauen Wächter hatten es versucht - und waren gescheitert. Wahrscheinlich war es die Verderbtheit in ihnen, die die Kette gespürt hatte. Die Dinge für das Ritual hatten sie beisammen. Und er hoffte nach wie vor, dass das Ritual die arme Seele nicht vernichtete, die die Bürde trug.
Avalos hatte solche Bedenken nicht - aber er war auch ein Kind der Nacht. Ihm war es egal, für ihn gab es kein Gut und Böse… sondern nur ewiges Grau.
Draußen zog ein Sturm vorbei und der Regen prasselte gegen die Buntglasscheiben. Er musste mit Gregoir sprechen. Der oberste Templer sollte zumindest den Hintergrund des Bündnisses kennen, das er eingegangen war. Bevor er es anderweitig herausfand.
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BeitragThema: Re: Kapitel III - Eine seltsame Kette   Do 15 Sep 2011, 12:57 am

Während der Reise durch die dichten und ungewöhnlich ruhigen Wälder, unterhielten sich Jule und Lyna nur wenig, doch die Stimmung war betrübt.
„Was glaubt Ihr was jetzt im Lager unserer Familie passieren wird? Sie werden bestimmt einen Suchtrupp nach uns losschicken, und sie werden sich fragen, was mit dem Hüter geschehen ist.“
Jule seufzte. „Und ich muss die ganze Zeit an Allie denken, ihr wird es bestimmt nicht gefallen, dass wir einfach los geritten sind. Aber es ist wohl das Beste für sie. Was meint Ihr?“


„Sie werden ihn bestatten...“
Beim Gedanken an den Hüter stiegen wieder die Tränen hoch und Lyna beschleunigte die Halla. „Ich wünsche ihm ein schönes Begräbnis… er war ein guter Hüter, einer der besten. Er hat mich großgezogen… ich erinnere mich, wie ich als Kind immer auf seinem Schoß gesessen, und an seinem Bart gezupft habe.“ Sie seufzte. „Ich glaube nicht, dass sie jemanden nach uns senden werden. Sie werden genug damit beschäftigt sein, einen Nachfolger des Hüters zu finden.“
Lyna verstummte, als sich der Wald lichtete und vor ihnen der Magierturm aufragte.
„Aber ich schwöre bei den Göttern… ich werde ihn rächen.“


Er bewegte sich so gleichmäßig wie der Wind. Von Schatten zu Schatten, beinahe unsichtbar.
Er glaubte zwar nicht, dass jemand ihn verfolgen würde, aber das plattgedrückte Moos konnte für den kundigen Beobachter Bände sprechen; Er bog scharf rechts ab und lief eine Weile in einem kleinen Bach. Das Wasser spülte knöcheltief um seine Waden, aber jedwede Spur würde sich dadurch verlieren. Fünf oder sechs Meilen nördlich von ihm müsste die Handelsstraße liegen. Wenn er sich richtig orientiert hatte, dann waren es anschließend vielleicht sechs oder sieben Meilen die Straße rauf, bis zur nächsten Meldestelle der königlichen Armee. Von dort aus würde er ein Pferd stehlen und dann zum Turm reiten. Vierzig oder sechzig Meilen. Wenn er den Gaul bis zur Erschöpfung trieb, dann wäre er noch vor dem Mittagsmahl dort.
Hoffentlich hatte Irving alles beisammen - ansonsten mussten sie die Elfen hinhalten.


Bevor Jule und Lyna am Calenhad-See ankamen, wurden sie von einer Gruppe Banditen überrascht. Als ein Pfeil in ihre Richtung geschossen wurde, stellte sich die Halla auf ihre Hinterbeine, wodurch Lyna zu Boden geworfen wurde. Sie stoß sich den Kopf und wurde augenblicklich bewusstlos. Jule versuchte den Überblick zu behalten, und überflog schnell alle Details. Ungefähr fünfzehn Mann, davon vier Bogenschützen. Die ersten paar kamen auf sie zugerannt. Sie hatten anscheinend keine besonderen Kampfkünste erlernt, jedenfalls nicht so wie Jule. Sie wirbelte ein paar Mal mit ihren zwei silbernen Schwertern herum, traf dabei diese übereifrigen Banditen, welche sofort schreiend und blutüberströmt zusammenbrachen, stach noch ein paar Mal zu, um ihnen einen schnelleren Tod zu gewähren, und erledigt waren sie. Weitere kamen auf sie zu, mit angst- und wuterfüllten Blicken musterten sie Jule, bevor sie sich schreiend auf sie stürzten. Sie stach mit schnellen Bewegungen zu, bohrte ihre inzwischen blutbefleckten Schwerter in alles was sich bewegte. Sie holte zu einem letzten Schlag aus, welcher dem Bandit den Kopf abschlug, wodurch eine rote Fontäne mit blubbernden Geräuschen zum Vorschein kam, und der Körper zu Boden krachte, als sie plötzlich einen stechenden Schmerz in ihrer rechten Brusthälfte spürte. Sie stöhnte, blickte kurz zu Boden, bevor sie realisierte, dass sie einer der Bogenschützen getroffen hatte. Doch sie riss sich zusammen, verdrängte die Schmerzen, indem sie voller Wut die Zähne zusammenbiss und brüllend auf die Schützen zulief. Nur einige dünne Lederfetzen kleideten die Männer, welche bereits zur Flucht antreten wollten als sie die wütende Elfe auf sich zurasen sahen. Jule holte aus, schlug zu, einmal in den Rücken, zwei Mal in die Brust, ein letztes Mal direkt in den Hinterkopf, und alle lagen am Boden.
Sie stöhnte, vor Schmerzen und Erschöpfung, blickte sich um, und ließ sich auf den kalten nassen Boden fallen, um ihre Wunde zu verbinden. Der Pfeil, der scharfe Kanten hatte und gezackt war, war nicht so leicht heraus zu ziehen, wie sie gehofft hatte. Sie brach einfach die hintere Hälfte des Pfeiles ab, und hoffte später beim Turm einen erfahrenen Heiler zu finden. In ihrer schweren silbernen Rüstung stand sie mit schmerzverzerrtem Gesicht auf, ging auf Lyna zu und kniete sich zu ihr herunter.
Sie nahm einen starken Wundumschlag aus dem Gepäck und band ihn ihr um den Kopf.
Leicht klatschte sie an Lynas Wangen, bis diese langsam zu blinzeln begann. „Oh gut, Ihr seid endlich aufgewacht, habt Ihr Schmerzen?“


Kurz vor dem Ziel, stand dem verdammten Gaul Schaum vorm Maul.
Er stellte das Tier im Gasthaus unter, gab dem Wirt ein paar Silberlinge und riet ihm, das Tier gut zu behandeln… Sonst…
Er tätschelte leicht seinen Dolch. Der Wirt schluckte und beteuerte, das Pferd gut zu behandeln.
Avalos ließ sich übersetzen. Beim Rüstmeister der Templer stockte er seine Vorräte auf und eilte dann weiter durch den Turm. Die meisten Magi sahen ihn kaum. Eine große Gestalt, schwarze Lederrüstung und Kapuze. Das Schulterstück mit dem eingeätzten Zeichen der Schwarzen Sonne hatte er durch einen weiten Umhang verborgen. Er hatte nicht wirklich Lust, darauf den halben Zirkel abschlachten zu müssen, weil sie durch Zufall die wahre Natur Seinesgleichen erkennen sollten.
Er klopfte kurz, und trat dann ein.
„Sie kommen. Eine Dalish, die die Kette tragen kann. Außerdem eine andere Elfe; Waffen und Rüstung nach zu urteilen aus einem Gesindeviertel. Hinzu kommt noch jemand sehr Interessantes… Das Schicksal scheint mächtige Recken anzuziehen. Und aller Wahrscheinlichkeit nach noch eine andere Elfe; Magierin des Zirkels wenn ich mich nicht täusche. Sehr jung, aber in den Kriegskünsten ausgebildet. Kann mir vorstellen, dass Meister Balos ihr den Umgang mit Offensivzaubern beigebracht hat.“
Irving wandte sich um, strich sich gedankenverloren durch den Bart. „Ihr habt also jemanden gefunden… Interessant. Und Gespür für Zeit beweist Ihr auch noch, Kind der Nacht. Wir müssen uns beeilen, um die Verbindung zu stabilisieren. Wissen denn Eure Abenteurer, wo sie hineingeraten sind?“
Avalos zögerte. „Nein. Ich sah keinen Spielraum mich zu offenbaren. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass sie mich eher töten wollen. Diese Narren! Wären sie sofort zum Zirkel gegangen, dann wäre vieles nicht notwendig gewesen. Sie gingen zu einem Dalish Klan. E´s Vanatu, wenn ich mich nicht täusche. Der Hüter sprach mit ihnen, bevor ich es verhindern konnte. Er erriet die Natur des Schmuckstücks, aber nur teilweise. Stellt Euch vor, dieser Narr glaubte, dass es einen Erzdämonen beinhalten würde.“
Er lachte leise. Aber es war kein Laut der Freude oder Belustigung. Stattdessen war er misstönend, eisig kalt und pure Gnadenlosigkeit beinhaltend. „Ich habe diesen Narr getötet und den Mord der Elfe angehängt - damit stellte ich sicher, dass sie den Weg hierhin ohne Verzögerung einschlagen würden. Sie wollten Hallas nehmen - damit wären sie uneinholbar gewesen. Eines der Tiere habe ich einen vergifteten Pfeil in den Hals geschossen. Sie werden wohl so gegen frühen Abend hier eintrudeln.
Ich habe meinen Teil erfüllt. Nun seid Ihr an der Reihe.“

Irving war bestürzt über diese Kaltblütigkeit. Avalos sprach von Mord, als ob sie bei einer gemütlichen Runde in der Taverne über Hunderennen sprechen würden. „Nun gut. Aber ich fürchte, wir müssen eine kleine… Änderung vornehmen. Ich habe das Ritual und die Beschwörungen verändert, um ihre Seele zu retten. Es wird auch so gehen.“
Barzúl!
„Bei allem Respekt, wir haben keinen Spielraum für solche… Banalitäten. Vernichtet ihre Seele, um das Siegel zu brechen, bedenkt was beim letzten Mal passiert ist als sie es versuchten auf anderen Wege zu brechen!“
Das Licht flackerte, Dunkelheit schien den Raum zu füllen. Wabernde Schlieren aus reiner Dunkelheit schienen aus ihm hervorzuquellen. Das Weiße in seinen Augen füllte sich mit Schwärze.
Seine Stimme wurde ungleich dunkler und bedrohlicher. „Alter Narr, das letzte Mal als sie das Siegel auf andere Weise brachen, vernichteten sie die Goldene Stadt und verdammten uns auf alle Ewigkeit gegen Ihre Strafe anzukämpfen! Sie haben die Stadt zerrissen, die wenigen Überbleibsel erblickt Ihr immer und wieder, in Euren Träumen des Nichts! Wir haben keine Wahl, akzeptiert das endlich!“
Sein tiefer Bassbariton beruhigte sich und wandelte sich wieder in die höflich-distanzierte Stimme eines wohl erzogenen Adeligen. Die Kerzenflammen richteten sich wieder auf. „Versteht doch; Euer Ansinnen ist edel, doch der Preis dafür ist zu hoch. Das letzte Mal erschufen sie durch Ihre Experimente verfluchte Drachen, gegen die wir immer noch ankämpfen. Tevinter war mächtig, mächtiger als alles andere zuvor. Für Euer Verständnis der Magie beinahe gottgleiche Wesen. Und trotzdem hat es sie zerbrochen; Wie ein trockener Ast unter meinen Stiefeln. Führt es durch, brecht das Siegel und dann werde ich diese Abenteurer anleiten und führen. Sie werden bestehen können.“
Irving war kalkweiß im Gesicht. Er wusste, wie mächtig die Schwarze Sonne war, aber dass sie ihren einzigen verbliebenen Streiter mit… dämonenhaften Kräften ausgestattet hatte, war ihm nicht bewusst. Es war keine schwarze Entität, kein Dämon, kein Streiter für das Licht. Es war die Waage, die dafür sorgt, dass nichts ins Ungleich kippt.
Er beruhigt sich wieder. „Nun gut… dann hört mir zu…“


Allie lief noch eine Weile in die Richtung, die sie vermutete, doch sie fand keine weiteren Spuren. Sie hielt an einem Bach an und trank daraus. Sie war schließlich gerade sehr viel und schnell gelaufen und das Wasser tat ihrer trockenen Kehle gut.
Sie blieb einige Minuten ratlos am Bach stehen, wie ein verlorenes Kind, das nicht wusste was es tun sollte. Sie war zwar nicht sehr religiös, doch sagte sie leise zu sich selbst: „Oh Erbauer steht mir bei, was soll ich denn jetzt nur tun?“
Dann überlegte sie erstmals wo genau sie jetzt war. Sie reiste auf jeden Fall in Richtung des Turms der Magi, so viel stand jedenfalls fest.
Doch plötzlich hörte sie ein Geräusch hinter sich. Es war ein Rascheln, sie drehte sich leise um und dann war da eine Art Schrei zu hören, oder eher ein Quietschen und Knurren. Sie schlich leise wie eine Katze in die Nähe des Ortes aus dem die Geräusche kamen. Es war eine Lichtung, und Allie blieb hinter einen Baum stehen und spähte an der Seite vorbei. Es waren Wölfe… Sie waren auf er Jagd, sie griffen eine Halla an. Sie war bereits schwer am rechten Hinterbein verwundet, offenbar hatten die Wölfe das edle Tier schon einige Meilen gejagt und dann am Bein erwischt. Es wehrte sich jedoch mit seinem riesigen Geweih gegen die Wölfe, welche die ganze Zeit hungrig nach ihm schnappten. Allie war klar, dass das der Lauf der Natur war, doch trotzdem… Die Halla tat ihr leid, es waren vier gegen eine… vier scharfe Gebisse gegen ein Geweih. ‚Etwas ungerecht‘, dachte sie sich.
Sie konnte nicht anders, als das Tier aus seiner schlechten Lage zu befreien. Sie begann den mächtigen Zauberspruch für den Zauber Kettenblitz zu sprechen, doch nur ganz leise, damit die Wölfe sie nicht hören konnten. Als der Spruch beendet war, ziele sie mit ihrem Stab auf eines dieser Biester, beendete den Zauber dann mit einer starken Vorwärtsbewegung des Stabes, und aus ihm schoss ein riesiger Kugelblitz direkt in die Richtung der Wölfe. Der Wolf wurde von hinten getroffen, und eine hohe Spannung, welche Rauch aufsteigen ließ vor Hitze, strömte innerhalb von Sekunden durch seinen Körper. Er fiel sofort tot zu Boden, doch der Blitz sprang auch auf die anderen drei Wölfe über, und das mehrmals, auch sie starben sofort. Allie war froh, dass sie einen schnellen Tod fanden.
Die Halla wurde nicht vom Blitz getroffen, da Allie das Tier nicht als Feind ansah, sondern als Freund. Die Halla stand regungslos, und mit dem Hinterbein angehoben da, blickte auf die toten Wölfe herab, als ob es nicht so ganz verstehen würde, was gerade eben passiert war.
Allie trat hinter dem Baum hervor, und ging auf die Halla zu. Die Halla hob den Kopf, lief jedoch nicht davon, als ob sie wüsste, dass Allie für den Tod der Tiere verantwortlich war.
Allie streichelte das Tier vorsichtig am Kopf, um ihm zu zeigen, dass sie ihm nichts Böses wollte. Wie wenn die Halla sie verstehen würde, legte sie sich plötzlich auf den Boden. Allie hockte sich neben das Tier auf den Waldboden und begutachtete die Wunde am Bein. Es war voller Blut und Bisswunden. Allie hielt ihre Hand über das Bein, berührte es aber nicht. Dann schloss sie ihre Augen, um sich besser konzentrieren zu können, und sprach einen Heilspruch. Es sah so aus, als würde ein heller nebenartiger Strom aus ihrer Hand gleiten, und dann die Wunde bedecken, sich wie rauchartigen Zauber komplett darauf legen. Wie im Zeitraffer begann die Wunde des Tieres zu heilen. Allie hielt ihre Hand ganz still, solange bis der Nebel verschwand, das Bein komplett geheilt war und so aussah als wäre es nie verwundet gewesen.
Allie stand auf und ging einen Schritt beiseite, dann erhob sich auch die Halla. Sie stand vor ihr und scherte mit dem Huf in der Erde, um zu testen ob das Bein wieder komplett geheilt war. Dann lief das Tier glücklich im Kreis. Nach drei Runden blieb sie vor Allie stehen und stupste sie mit der Nase an, wie wenn es so seine Dankbarkeit zeigen würde.
„Ja da hattest du wohl nochmal Glück, dass ich in der Nähe war. Beim nächsten Mal solltest du aber vorsichtiger sein!“ sagte Allie behutsam zu der Halla. Dann ging sie zurück zum Bach und wollte zum Turm aufbrechen.
Als sie wieder beim Bach angekommen war, merkte sie, dass sie von der Halla verfolgt wurde, und drehte sich um.
„Möchtest du etwa mit mir kommen?“ fragte sie.
Das Tier bewegte seinen Kopf hastig auf und ab und scherte mit dem Vorderhuf erneut in der Erde..
„Das könnte für dich ziemlich gefährlich werden…“
Die Halla ging auf Allie zu und bückte sich als Aufforderung, dass Allie sich auf es setzen darf. „Oh.“ Allie war verwundert, da es sich um eine wilde Halla handelte. Außerdem wusste sie nicht, dass diese Tiere so intelligent waren. Sie setzte sich auf das Tier und hielt sich an seinem langen weißen Fell fest. „Ja… so werde ich durchaus schneller beim Calenhad-See sein.“
Das Tier gab eine Art wiehernden Laut von sich und begann loszutraben, als ob es genau wüsste in welche Richtung sie mussten. „Wir sollten zur Sicherheit abseits der Wege bleiben, um Banditen zu entgehen. Außerdem denke ich, bist du den Waldboden besser gewohnt.“
Wieder gab das Tier einen Laut von sich, als würde es ihr zustimmen.


Die Elfen-Magierin verschwand im dichten Wald. Ripper beschloss ihr nicht zu folgen. Warum auch? Er hatte hier bereits genug Probleme mit den Dalish. Wenn der Erbauer es so wollte, würden sich ihre Wege wieder kreuzen. Auf einmal hörte er, dass irgendjemand schrie. Er kroch langsam hinter einen Baum und blickte sich um. Die Suchtrupps der Dalish kamen immer näher. Er musste hier verschwinden, doch war er durch seine massive Rüstung im Nachteil, und sein Bein fühlte sich auch nicht besser an. Aber er hatte nicht vor sich mit einem ganzen Dalish-Klan anzulegen, und so richtete er sich langsam auf, und lief so gut es ging, zusammen mit seinem Hund, los.


Lyna erwachte mit starken Kopfschmerzen, es schien als würde ein ganzer Bienenschwarm fröhlich in ihrem Schädel vor sich hin brummen.
„Aua… was ist denn geschehen?“
Ein Blick auf die toten Männer beantwortete ihre Frage.
„Oh Schreck… Banditen! Jule, seid Ihr verletzt? Habt Ihr ganz alleine… diese Wegelagerer ausgeschalten?“


„Wir wurden beinahe überfallen... die Halla erschrak als ein Pfeil in ihre Richtung schoss, und warf Euch zu Boden, so dass Ihr Euch den Kopf an einem Stein gestoßen habt“
, sprach Jule behutsam, bevor sie schadenfroh zu grinsen begann. „Ja so ziemlich, waren ja nicht viele… nur die Bogenschützen haben mich schwer getroffen. Ich werde im Turm nach einem Heiler fragen, der kann mir bestimmt weiterhelfen.“
Dann half sie Lyna beim Aufstehen.


Lyna ließ sich helfen, doch sie warf Jule einen besorgten Blick zu.
„Haltet durch, wir sind fast da. Jedoch müssen wir laufen, die Halla wird den Wald nicht verlassen.“
Sie ging zu ihrer Halla, sprach einige Worte in der Elfensprache zu ihr. Die Halla drehte sich um und verschwand im Wald, wo sie sich zweifellos versteckt halten würde, bis sie etwas von Lyna hören würde. Lyna blickte zum Turm, der bedrohlich in den Himmel ragte… auf ihrer Brust spürte sie das Amulett, wie brennendes Eisen. Sie sollten es so schnell wie möglich loswerden.
Sie ging zu Jule und versuchte sie stützen, welche die Geste mit einem dankenden Blick annahm. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg.
Sie gingen zu den Booten, die am Ufer des Sees angelegt hatten, drehten es um, und setzen sich hinein. Sie nahmen die großen Paddel, um das Boot vom Ufer wegzutreiben, als ein Knacksender Laut ertönte. Sie blickten sich um. Das Boot schien sehr morsch, und kurz vor dem Zusammenbruch zu sein. Seufzend verließen sie das Boot wieder, und gingen weiter am Ufer entlang. Die gesamte Umgebung sah so beruhigend aus, durch den wunderschönen Mond glitzerte die Wasseroberfläche, als die Strahlen sie trafen. Plötzlich kamen zwei Templer - was man dank der einzigartigen Rüstung, sofort erkannte - auf sie zu.
Kein Zutritt für Außenstehende, hieß es, sie wurden nicht übergesetzt werden, egal wie sehr sie versucht hatten, das Problem zu erklären.
„Uns bleibt nichts anderes übrig als auf Allie zu warten, sie wird bestimmt hier her kommen. Sie wollte schließlich sofort zum Turm, als sie von der Kette erfuhr. Was haltet Ihr davon dort drüben ein Lagerfeuer zu errichten? Es ist ganz schön kalt heute…“


Lyna war enttäuscht. Immer nur Hindernisse, nie konnte etwas schlicht von Beginn an funktionieren.
„In Ordnung. Sie werden sie wahrscheinlich erkennen und ihr Eintritt gewähren… bevor wir rasten, würde ich aber gerne Eure Wunde behandeln. Ich kenne ein paar Kräuter, die vielleicht helfen könnten…“
So lief sie umher, hielt nach Elfenkraut Ausschau. Als sie tatsächlich einige gefunden hatte, kochte sie einen Sud daraus, tränkte einige Bandagen darin und reichte sie Jule.


Die wilde Halla auf der Allie ritt, galoppierte sehr schnell durch den Wald, egal ob bergauf oder bergab. Sie schien kaum müde zu werden, so als ob sie solche Reisen jeden Tag machen würde. Es war ein sehr kraftvolles und stattliches Tier. Allie war froh, nicht den ganzen Weg laufen zu müssen, denn es war ein ziemlich weites Stück. Doch auch der Ritt auf dem Tier war nicht gerade angenehm, eher sehr holprig, doch das machte ihr nichts aus.
Nach einigen Meilen, als sich der Tag erneut seinem Ende neigen wollte, erreichten sie den Waldrand und von dort aus konnte man schon den Calenhad-See erkennen.
Am Waldrand blieb die Halla stehen. Das Tier schien Angst vor den Menschen, und den Wegen auf denen sie sich herumtrieben, zu haben, was auch nur zu verständlich war. Allie stieg von der Halla ab, und umarmte sie dankbar.
„Ich denke jetzt sind wir Quitt“, sagte sie zu dem Tier.
Es gab einen fröhlich klingenden Laut von sich.
„Vielleicht sehen wir uns ja eines Tages wieder, doch ab jetzt muss ich alleine weiter.“
Allie verließ den Wald, und drehte sich nach einigen Metern um. Sie sah die Halla noch immer am Waldrand stehen, als ob diese zusehen würde, ob sie auch sicher am Turm ankam.
Allie ging weiter. Sie hoffe bei dem Ersten Verzauberer eine Antwort finden zu können. Sie war immer eine gute Schülerin des Turms gewesen, verbrachte fast ihr ganzes Leben dort, und kannte den Ersten Verzauberer daher sehr gut. Sie fragte sich ob alles von der Legende, die der Hüter erzählt hatte, wahr sein würde. Doch wieso wurde er dann getötet, wenn es eine Lüge sein sollte?
Sie hatte wieder ein gutes Stück hinter sich gebracht und war fast am See angekommen, als sie auch schon zwei Elfen, die sich am Rande des Wassers niedergelassen hatten, erkennen konnte. Allie drehte sich noch einmal um, doch die Halla war bereits im Wald verschwunden. Dann begann sie an zu laufen, da sie sich sicher war, dass es sich bei den beiden Elfen um Jule und Lyna handeln musste.


Jule beobachtete Lyna aufmerksam, als diese mit den Kräutern hantierte. „Ich danke Euch, länger hätte ich die Schmerzen, nicht mehr ausgehalten.“
Jule zog ihre schwere Plattenbrustrüstung aus, und entfernte endlich den Pfeil aus der rechten Brustseite.
„Ah verdammt, der war echt hartnäckig“, stöhnte sie schmerzvoll, band sich mit zittrigen Händen die Bandagen um und zog sich anschließend die Rüstung wieder über.
„Ich danke Euch wirklich Lyna…“


Lyna erschrak, als sie den Pfeil sah. Was für ein Kampf… und sie hatte einfach auf dem dreckigen Boden gelegen, unfähig Jule zu helfen.
„Danke, dass Ihr mein Leben gerettet habt… und, äh… jetzt versucht, es nochmal zu retten.“
Sie lächelte traurig, ihre Gedanken kehrten zum Hüter zurück.


„Ach… ja… ehm gern geschehen… Wir sind doch jetzt Schwestern oder nicht? Da ist doch sowas selbstverständlich?“
entgegnete Jule mit einem Lächeln, welches jedoch nicht lange anhielt, als sie bemerkte, wie traurig Lyna war. „Was ist los?“
Als sie etwas hörte drehte sie sich um.


Weit über ihnen, auf einer windumtosten Strebe saß Avalos und beobachtete die kleine Nussschale, die noch nicht abgelegt hatte. Der Wind zerrte an seinem wehenden Mantel und verlieh ihm etwas… animalisches. Von unten wirkte er nur wie ein Wasserspeier. Im Schatten seiner Kapuze leuchteten seine grünen Augen beinahe.
Auf einmal spannte er sich und sprang in die Tiefe, nur um zwanzig Fuß tiefer einen hervorstechenden Arkadenbogen zu packen und sich mit einer Rolle hinauf zu schwingen. Dort war ein kleines Fenster eingelassen. Er tastete am Rahmen entlang, bis seine Finger den Mechanismus fanden. Leise knarrend schwang das Fenster nach innen und er schwang sich hinein.
Er eilte nach unten.
Wie ein bedrohliches Tier eilte er durch die Korridore. Schüler wichen ihm ehrfurchtsvoll aus, weil sie ihn für einen Magus hielten. Den Verzauberern hingegen stand die Furcht deutlich ins Gesicht geschrieben. Und das, obwohl sie nur seine Aura warnahmen.
„Gregoir!“
Der oberste Templer wandte sich um. „Seid Ihr nicht der neueste Sonderling Irvings? Was wollt Ihr?“
Avalos musste sich innerlich zusammenreißen. Er verspürte nicht übel Lust diesem feisten Templer seinen Dolch über die Kehle zu ziehen.
„Nennt mich noch einmal so, und Ihr werdet den nächsten Sonnenaufgang nicht erleben!“ zischte er vor Wut. „Draußen lagern zwei Elfen. Beide möglicherweise verwundet. Holt sie herein, versorgt sie und bringt sie in die große Kuppel unterm Dach. Das Stockwerk darunter wird komplett geräumt. Befehl von Irving.“
„Aber…“
„Ich sagte nichts von ‚Noch Fragen?‘ Unverzüglich, Gregoir!“

Der Templer hatte sich gut im Griff. Aber seine Furcht konnte er beinahe riechen.
Gregoirs Verstand raste. Wie konnte dieser Unbekannte ihn so unverblümt drohen? Aber wenn er an die Gerüchte und die Meldungen seiner Männer zurückdachte, dann war dieser Fremde bestenfalls… mysteriös und extrem gefährlich.
„Gewiss. Ich werde alles veranlassen.“
„Gewiss werdet Ihr das. Und sorgt dafür, dass wirklich JEDER das Stockwerk verlässt.“
Mit wehendem Mantel wandte er sich ab und schritt schnellen Schrittes durch die Flügeltüren.
Gregoir sah ihm nach und schüttelte merklich den Kopf.
„Feinster! Nehmt Euch ein Pferd. Reitet nach Denerim und sucht in den Archiven der Kirche und des Arls nach diesem Mann. Übermittelt mir Eure Erkenntnisse. Aber geht im Geheimen vor.“
Der Ritter wandte sich ohne eine Wort ab und verließ die Halle.


Ripper rannte so schnell es ging, doch es ähnelte mehr einem Humpeln. Die Suchtrupps kamen immer näher. Sein Bein schmerzte immer stärker, doch er versuchte es zu ignorieren.
Er war außer Atem und seine Sicht verschwamm leicht. Es schien so als würden es immer mehr Bäume werden und Ripper taumelte durch die Gegend, während er versuchte nicht gegen einen der Stämme zu stoßen.
Plötzlich blieb er an einer Wurzel hängen und geriet ins Straucheln. Er fiel auf die Knie und blickte sich um. Er hörte sie überall. Sie hatten ihn entdeckt. Seine letzte Minute hatte geschlagen.
Er faltete krampfhaft vor Schmerz die Hände und betete zum Erbauer.
„Herr...“, versuchte er klar und deutlich zu reden, auch wenn es ihm dank der Schmerzen schwer fiel. „Wie du siehst… befinde ich mich gerade in einer ziemlich… brenzligen Situation…“
Er hustete stark.
„Wenn es nicht so sein soll… hilf m…“
Ein Pfeil surrte durch die Luft und durchbohrte Rippers stark beschädigte Rüstung. Er spürte, wie sich die Eisenborkenspitze durch sein Fleisch grub. Stark hustend blickte er auf den Pfeil, der in ihm steckte, und versuchte ihn mit seinen letzten Kräften herauszuziehen. Sein Fleisch verfing sich in der Spitze. Er biss die Zähne zusammen und schaffte es.
Er grinste schmerzverzerrt in die Richtung der Dalish-Elfen und schleuderte den Pfeil zur Seite.
Auf einmal flogen weitere Pfeile auf ihn zu, durchbohrten ihn.
Blut lief aus seinem Mund. Mit Leibeskräften versuchte er weiter aufrecht zu knien. Doch lange schaffte er es nicht mehr und seine Sicht verschwamm endgültig. Das letzte was er sah war sein Hund, wie er bedrohlich knurrend vor ihm stand und ihn bis in den Tod treu verteidigte.
„Amen...“
Das war das letzte Wort, das seinen blutverschmiertem Mund entwich.


Allie war am See angekommen, und stand nur gut zehn Schritte weit entfernt von Jule und Lyna. Sie hatten sie noch nicht bemerkt, da sie ihr mit dem Rücken entgegen am Boden saßen.
„Seid Ihr wegen der Kette hierhergekommen, oder habt ihr auch den Angreifer des Dalish Lagers verfolgt?“ fragte sie nüchtern.


„Allie? Endlich. Wie gut, dass Ihr hier seid“, seufzte Jule. „Nein wir sind eigentlich wegen der Kette hier, aber der Angreifer hatte uns verfolgt. Wir sind so schnell es ging geritten.“


Erleichtert blickte auch Lyna ihr entgegen, froh, sie unbeschadet wieder zu sehen. „Wie gut, dass Ihr uns gefunden habt.“


„Wir sollten schnell über den See, in den Turm“, Allie musste kurz inne halten. „Wobei ich komischerweise ein eigenartiges Gefühl bei der Sache habe…“
Irgendetwas sagte ihr, dass sie nicht in den Turm gehen sollten, doch sie brauchten Klarheit, also blieb ihnen nichts anderes übrig. „Kommt.“
Sie ging zum See wo ein Templer stand und Wache hielt. Allie kannte den Templer bereits.
„Seid gegrüßt. Würdet Ihr uns bitte über den See geleiten?“
„‚Uns‘? Was meint Ihr mit ‚Uns‘? Euch bringe ich gerne rüber, aber die zwei da kenn ich nicht und sind mir nicht Geheuer, ich lasse nur Magier hinüber!“
„Wie bitte? Ihr fahrt uns sofort hinüber, wir haben Wichtiges mit Irving zu besprechen! Oder soll ich alleine hinüberfahren… und ihm erzählen ich hätte Euch beim Lyriumhandeln beobachtet? Ihr wisst doch was Gregoir mit Templern macht, die süchtig nach Lyrium sind!“

Der Templer erschrak. „Oh wenn das so ist, natürlich bringe ich Euch hinüber… Euch alle drei… ist mir doch kein Problem!“
Allie stieg in das Boot von dem Templer, was ihr Jule mit einem Kichern, und Lyna mit einem Blick über den See gleich tat.
Anschließend fuhr sie der Templer hinüber zum Turm. Das Wasser funkelte, denn die Sterne wurden darin reflektiert. Als sie ankamen stieg Allie aus und lief sofort auf das große Tor zu und betrat die Eingangshalle. Sie kaufte sich noch schnell etwas Lyrium und lief dann zusammen mit Lyna und Jule den Turm hinauf, bis zum Studierzimmer des Ersten Verzauberers Irving. Die Tür war geschlossen. Allie klopfte einmal an, und betrat das Zimmer.
„Seid gegrüßt, Erster Verzauberer. Ich hoffe Ihr könnt Euch noch an mich erinnern. Ich habe lange Zeit in diesem Turm verbracht bis ich mich den Wächtern anschließen sollte. Eine meiner Begleiterinnen hat durch Zufall eine seltsame Kette erhalten, und wir wollten Euch aufsuchen und fragen ob Ihr denn wisst was es damit auf sich hat…“
Allie und die anderen standen vor Irving und warteten gespannt auf eine Erklärung. Allie wollte vorerst nichts von der Legende, die ihr der Hüter erzählt hatte erwähnen, sie wollte erst die Version vom Ersten Verzauberer hören.


Irving ließ den Blick über die drei schweifen. Nachdenklich strich er sich durch den dichten Bart.
„Ich bin überrascht, Euch hier zu sehen. Aber natürlich freue ich mich auch, ein Kind des Zirkels willkommen zu heißen“, er wirkte nervös, fahrig und schien etwas zu verbergen.
„Aber Ihr kommt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Ich muss jetzt noch gleich den letzten Teil einer Beschwörung vollbringen, unter der Kuppel. Ihr wisst ja, ganz oben. Dort wo wir die Schüler ihre Prüfung ablegen lassen. Wenn Ihr möchtet, könnt Ihr ja zusehen, oder sogar gegebenenfalls eingreifen, sollte etwas schiefgehen. Allerdings ist es ein Experiment. Ich will Metalle aus dem Nichts beschwören, sie haben erstaunliche Eigenschaften! Aber die Beschwörung hierfür reagiert auf diesseitige Metalle, vor allem auf Eisen und Stahl. Ich bitte euch, eure Waffen hier abzulegen. Keine Sorge, ich verwahre sie sicher.“
Es wirkte hohl und wie eine Ausrede. Aber es war besser so; Wenn sie stillhalten würden während des Siegelbruchs, dann würden vielleicht sogar alle Beteiligten überleben.
Er sah das Misstrauen in ihren Zügen. Aber das Geschehen war schon zu weit fortgeschritten, sie mussten JETZT handeln.
„Aber was rede ich alter, knorriger Großvater denn da? Ihr habt bestimmt ein Anliegen.“
Die drei Elfen legten kurz und in Stichpunkten dar, warum sie hier waren.
Irving nahm das Amulett in Augenschein.
„Die Form und das Material lässt auf das frühe Tevinter schließen. Ihr erinnert euch sicher, Andraste bezwang die Magister. Aber in ihrem Hochmut wollten sie den Platz des Erbauers einnehmen und war von da an verflucht… Aber das kennt ihr ja. Wie ich schon sagte, frühes Tevinter. Vielleicht sogar noch vor Tevinters Zeiten, denn Tevinter verbot die alten Götter als Schmuck zu tragen.“
Er berührte das Amulett mit seinen langen, knorrigen Fingern. Erst dachte er, es würde ihn verbrennen, und dann war es auf einmal eisig kalt. Seine Fingerspitzen fingen an zu kribbeln.
Die Macht die darin wohnte, machte selbst ihm Angst.
„Es... Es ist leicht magisch. Es stärkt Euren Intellekt und Eure Geistesschärfe. Aber ich werde durch einen Zauber sein Potenzial ans Licht bringen. Folgt mir in den Kuppelsaal. Aber bitte erlaubt, dass ich zuerst die Beschwörung abschließe, es wird Zeit. Kommt doch gleich mit, aber lasst eure Gegenstände aus Eisen und Stahl bitte hier.“
Er deutete mit einem Lächeln auf die Truhe.
„Keine Sorge, ich verwahre persönlich den Schlüssel hierfür. Ihr bekommt sie unbeschadet zurück.“
Er lächelte immer noch.


Jule dachte sich erstmals nichts dabei und legte ihre Waffen, sowie ihre Rüstung in die Truhe. Zum Glück hatte sie ihr Hochzeitskleid immer dabei, welches sie sofort anzog, um nicht in Unterwäsche herumzulaufen. Anschließend folgte sie Irving, doch auf einmal überkam sie mulmiges Gefühl… Was, wenn es sich um eine Falle handelte?
„Ach rede nicht so geschwollen daher“, sagte sie laut zu sich selbst.


Lyna war dankbar, so schnell dem Obersten Verzauberer vorgestellt zu werden. Endlich jemand, der mehr über das Amulett wusste… und vielleicht sogar helfen konnte.
Aber sie tat sich schwer damit, ihm zu vertrauen. Sie war vorhin sehr naiv mit der Kette umgegangen, und zu was hatte es geführt? Zum Tod des Hüters und einer Halla. Nein, Misstrauen war jetzt angesagt, sie sollten immer in der Lage sein, sich zu beschützen.
So legte sie zwar ihren Dolch nieder, behielt aber den Bogen auf dem Rücken. „Mein Bogen besteht nur aus reinem Holz aus dem Brecilian-Wald. Auch die Pfeile sind nicht aus Metall, selbst die Spitzen sind bloß gehärtetes Holz.“
Oh ja, woher sollten Elfen denn auch Metall haben? Sie können doch unmöglich eine ganze Schmiede mit sich rumführen… aber wenn man Holz mit Harz durchtränkt, wird es fast ebenso hart und tödlich wie Eisen. Lyna warf einen Blick zu Allie. Nur gut, dass diese immer auf ihre Zauberkünste zurückgreifen konnte.


„Dürfte ich Euch denn fragen, was es für Folgen hätte wenn wir unsere Sachen nicht ablegen würden?“ fragte Allie den Verzauberer misstrauisch. Sie kannte kein solches Ritual.
„Ich werde meinen Stab jedenfalls nur ablegen, wenn Ihr den Euren auch ablegt, und mir sagt weshalb ich das tun sollte. Und verzeiht dass ich jetzt frech geworden bin, aber wir haben eine schwere und lange Reise hinter uns.“
Sie wusste nicht wieso sie das fragte, normalerweise vertraute sie dem Ersten Verzauberer, er war eine Art Vaterfigur für sie. Doch irgendetwas stimmte nicht. Normalerweise sprach er nie in solch unverständlichen Worten mit ihr, als ob er etwas verheimlichen würde. Am meisten Sorge bereitete es ihr, wie schnell er von ihnen verlangte mit ihm in die Spitze den Turmes zu kommen, und dann auch noch ohne Waffen, irgendetwas war hier faul.


„Mein Kind, es ist ein Experiment.“ Irving fing an, auf und ab zu gehen, während er sich durch den Bart strich. „Jenseitige Metalle haben ganz andere Eigenschaften als diesseitige - vielleicht potenzieren sie sogar die magische Kraft von Lyrium. Es ist etwas nie Dagewesenes. Und ich kann Euch beruhigen, solange in Eurem Stab kein Metall verarbeitet ist, könnt Ihr ihn ruhig bei Euch behalten.“
Sein Mundwinkel zuckte leicht. „Aber es wird Zeit. Die Bannzirkel verlieren an Wirkung, und die Beschwörung muss zu Ende gebracht werden.“
Mit forschen Schritten verließ er sein Arbeitszimmer und bedeutete seinen Gästen, ihm zu folgen.
Irving musste sich zusammenreißen. Er würde alle Konzentration brauchen, um das Ritual verändert durchzuziehen. Avalos würde vor Wut und Zorn toben, aber sollte das Siegel genauso gebrochen werden, wie durch die ursprüngliche Version, dann gab es keinen Grund zu hadern.
Die Bannfallen waren vorbereitet. Der Siegelkreis ebenso. Es würde nur eine Sache von Minuten sein.
Minuten, die über Untergang entscheiden mochten…


Allie legte den Stab nicht ab. Sie traute den Verzauberer zwar nicht ganz in der Sache, folgte ihm aber trotzdem, denn sie wollte endlich Klarheit, und wissen was es mit dieser Beschwörung auf sich hatte.
Auch Jule und Lyna folgten ihm, ohne zu meckern.
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Kapitel III - Eine seltsame Kette
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